Archiv der Kategorie: Blättchen
Wowa heiß’ ich …
von Wladimir Wolynski, Moskau Nicht nur böse Buben singen derzeit hier bei uns in Moskau den populären Vierzeiler, der mit den oben erwähnten Worten beginnt. Wowa ist dabei die Diminutivform des Vornamens Wladimir, wie auch der Vorname des derzeitiges Präsidenten … Weiterlesen
Denunziation!
von Franz Schandl, Wien Eine der übelsten Seuchen, die die radikale Linke nicht nur bisweilen, sondern regelmäßig heimsucht, ist die Denunziation. Sie gleicht einem natürlichen Drang, ist ein stets vorprogrammierter Systemfehler gesellschaftlicher Opposition, eine Schranke, an der sie einige Male … Weiterlesen
Kirow-Legenden
von Wladislaw Hedeler Am späten Nachmittag des 1. Dezember 1934 verstarb im Smolny Sergej Kirow an den Folgen eines Attentats. Auch nach siebzig Jahren ranken sich um die Ermordung des Leningrader Parteichefs immer noch Legenden. Da es den Mitarbeitern der … Weiterlesen
Carl Zuckmayers Deutschlandbericht
von Jens Knorr Das Gedicht Rückkehr, 1943 geschrieben von einem deutschen Emigranten im fernen Kalifornien, schließt voller Bängnis: »Die Vaterstadt, wie empfängt sie mich wohl?/Vor mir kommen die Bomber. Tödliche Schwärme/Melden Euch meine Rückkehr. Feuersbrünste/Gehen dem Sohn voraus.« Drei Jahre … Weiterlesen
Wewelsburg
von André Hagel Zuerst wollte sie Heinrich Himmler zum geistigen Zentrum einer »germanischen Welt« machen. Als das Naziregime unterging und sich mit ihm auch die vermessenen Pläne des Reichsführers-SS erledigten, wünschte Himmler, daß die gesamte Anlage der im heutigen Kreis … Weiterlesen
»Forschungs-Kontroverse«
von Ove Lieh Deutschland hatte keinen Faschismus.« So lautete ein Zwischenruf des CDU-Abgeordneten Siegfried Wetzel im Thüringer Landtag. Anlaß war die Benutzung des Faschismus-Begriffs durch Redner der PDS gewesen. Er wollte darauf drängen, die korrekte Bezeichnung Nationalsozialismus zu benutzen, »vor … Weiterlesen
Kurz notiert
von Klaus Hansen Widerstand heute. Hautmitteilungen sind Mode. Früher ein Erkennungszeichen für Seebären und Totschläger, gehören sie heute zum Outfit von Bürohengsten. Einst sah man sie nur auf Fahndungsfotos, heute findet man sie sogar auf Wahlplakaten der Konservativen. Sechs Millionen … Weiterlesen
Sabine weiß das nicht
von Günter Krone In der deutschen Sprache geistern Wünsche und Aufforderungen, die nicht auf die Erfüllung oder das Befolgen abzielen, sondern in gewollt anstößiger Formulierung die Mißstimmung des Absenders gegenüber dem Adressaten zum Ausdruck bringen sollen. Das bekannteste Beispiel ist … Weiterlesen
Postindustrieller Dekonstruktivismus
von Martin Nicklaus In Ost wie West galt ein immerwährendes Wachstum als ein Dogma, das zu gestatten schien, die vom Club of Rome 1970 veröffentlichten Thesen von den Grenzen des Wachstums zu ignorieren. Doch immer schon hieß Wachstum auch gleichzeitig … Weiterlesen
Bitterfelder Wege
von Günter Agde Der Bitterfelder Kulturpalast war Schauplatz der beiden Bitterfelder Konferenzen (1959 und 1964) und damit Geburtsort des sogenannten Bitterfelder Weges. Auf dem berühmtesten Foto von der Zweiten Bitterfelder Konferenz sieht man die Schriftstellerin Christa Wolf und den SED-Parteichef … Weiterlesen
Ausgerechnet Musharraf
von Jochen Reinert Ob der Verkäufer in einem Islamabader Shop Verwandte in Kaschmir hat, ist nicht bekannt. Wie auch immer – als Naseem Mughal von den sensationellen Gedankenspielen seines Präsidenten Pervez Musharraf zur Lösung der Kaschmirfrage hörte, war neben vorsichtiger … Weiterlesen
Suppe satt!
von Gerd Kaiser, z. Z. Warschau Die amtierende polnische Regierung hat im Budget des nächsten Jahres dreihundert Millionen Złoty für die Schulspeisung vorgesehen. Das ist mehr als das Doppelte im Vergleich zu diesem Jahr. Und es ist notwendig, weil zwei … Weiterlesen
Clan-Kampf um Machterhalt
von Kathrin Singer, Kiew Mag sein, daß ihre Namen noch weithin unbekannt sind, aber Fakt ist: Rinat Achmetow und Viktor Pintschuk, beide in der Ukraine zu Hause, gehören zu den reichsten Europäern. Das Vermögen des 38jährigen Achmetow wurde vom britischen … Weiterlesen
Spaß muß sajn
von Kurt Merkel Wenige Tage vor der Wahl des amerikanischen Präsidenten saß ich in der Davies Symphony Hall in einem ausverkauften Konzert des da beheimateten San Francisco Symphony unter dem Dirigat seines Music Directors Michael Tilson Thomas. Es gab das … Weiterlesen
Vom Unglück, recht zu behalten
von Horst Grunert Diejenigen unter den Beobachtern, die Amerika kennen, haben schon früh vor Illusionen im Hinblick auf die Chancen gewarnt, George W. Bush abzuwählen. Auch der Autor dieser Zeilen hat in verschiedenen Publikationen, darunter in der Nr. 5/2004 des … Weiterlesen
Zwischen allen Stühlen
von Wolfgang Sabath Ich bin mir nicht sicher, ob Günter Gaus noch selber den Buchtitel seiner Erinnerungen eines linken Konservativen zu verantworten hatte oder ob der dem Verlag beziehungsweise den, letzte Redigierungen vornehmenden, Hinterbliebenen geschuldet ist; so bleibt denn nur … Weiterlesen
Fakten
von Thomas Kuczynski Wer über eine nahezu lückenlose Aufzählung all der in der Planwirtschaft von SBZ und DDR über vierzig Jahre hinweg begangenen Fehler und Fehlleistungen verfügen will, wird das Buch von André Steiner mit Gewinn lesen. Gleich auf der … Weiterlesen
Schule des Lehrers
von Andreas Trunschke Der neoliberale Umbau der Gesellschaft ist in vollem Gange – also nicht endgültig entschieden. Wenn auch die Richtung auf Umverteilung von unten nach oben festgeschrieben erscheint, so ist doch noch Bewegung in der Gesellschaft. Gegen die Richtung … Weiterlesen
Majestätsbeleidigung
von Jochen Mattern Skandalumwittert waren Die Weber von Gerhart Hauptmann schon, bevor das Stück 1894 auf die Bühne kam. Eine Aufführung untersagte der damalige Polizeipräsident Berlins mit der Begründung, daß »das Drama nicht etwa nur die Hartherzigkeit einzelner Besitzer und … Weiterlesen
Führer, ärgere dich nicht
von Matthias Käther Spätestens seit dem sensationellen Erfolg des Führerfilms Der Untergang, der seit einiger Zeit eisern die Führung in den deutschen Kinocharts behauptet, beginnt im deutschen Volk endlich ein tiefes Umdenken in bezug auf lange tabuisierte Themen. Hitler wird … Weiterlesen
Aber in der Hilfsschule war er der Beste
von Ove Lieh Kennen Sie diesen Satz? Also, ich schon. Er fiel mal, als wir uns unter Kumpels über einen, nun ja, Außenseiter unterhielten, der anders war als wir. Er wirkte halt ein bißchen unintelligent, aber nicht unsympathisch. Deshalb der … Weiterlesen
Der Dank der Ostens [Kurzer Lehrgang]
von Heinz W. Konrad Fünfzehn Jahre nach dem Mauerfall hat es sich herumgesprochen und scheint des westdeutschen Volkes überwiegende Meinung zu sein: Der Osten ist undankbar. Jedenfalls mehren sich diese Stimmen, und die Stimmung ist entsprechend. Dem ist nicht zu … Weiterlesen
Gib mir dein Pfötchen
von Hans-Hermann Krönert Was wir gestern wußten, taugt heute nicht mehr. Was wir heute wissen, wissen wir morgen besser. Jeden Tag eine Neuigkeit, jeden Tag eine wissenschaftliche Offenbarung! Die Genetiker haben jetzt rausgekriegt, lese ich in meiner Zeitung, daß etwa … Weiterlesen
Rhetorische Nebelkerzen
von Heinz Dietel Quo vadis, Rhetorik«, muß man wohl fragen, wenn der Inhalt einer Rede die Zuhörer nur noch zu sieben Prozent beeinflußt, die restlichen 93 Prozent aber Körpersprache und Stimme zuzuordnen sind. Diese Aussage im Kulturteil einer überregionalen Tageszeitung … Weiterlesen
Reich an Geiz
von Frank Burkhard Geiz ist die Armut der Reichen. Werner Mitsch Warum gründen Künstler ein Privattheater? Weil sie hoffen, damit reich zu werden? Irrtum! Mit Theatern erwirbt man höchstens Schulden. Nein, diese Theaterleute können nicht anders. Es ist ein innerer … Weiterlesen
Klees Katze
von Renate Hoffmann Zuerst ging ich zum MoMA des MoMAs wegen (Museum of Modern Art, New York, Ausstellung in Berlin). Das nächste Mal wegen Paul Klee. Und das dritte Mal wegen Klees Katze. Sie heißt Helma (sie sieht aus, als … Weiterlesen
Heimatlicher Eigensinn
von Ulrike Köpp Es gibt ein Paradoxon: Die Funktionäre der SED verfolgten das Treiben der organisierten Natur- und Heimatfreunde meist mit Mißtrauen und zerbrachen sich in den fünfziger Jahren auch schon mal die Köpfe über ihre Auflösung. Nach dem Untergang … Weiterlesen
Kulturpalast
von Günter Agde Der Kulturpalast Bitterfeld beging kürzlich seinen 50. Geburtstag. Er wurde von einem privaten Betreiber mit einem Feuerwerk der Schlagermusik neueröffnet. Zeitgleich startete die Stadt Bitterfeld in der Keller-Galerie ihres Rathauses eine bemerkenswerte kulturhistorische Ausstellung Kultur Palast Bitterfeld … Weiterlesen
Grito continental
von Klaus Hart, Rio de Janeiro Alles begann mit dem Grito 1995, als sich die Nationale Bischofskonferenz (CNBB) mit ihrer Brüderlichkeitskampagne erstmals den sozial entwurzelten, marginalisierten Bevölkerungsteilen widmete und mit Hilfe der Pastoralen alljährlich einen landesweiten Grito dos Excluidos (Aufschrei … Weiterlesen
Auf dem Weg zum Bürgerkrieg
von Uri Avnery, Tel Aviv In Israel spricht im Augenblick jeder über den nächsten Krieg. Im populärsten Fernsehkanal läuft darüber sogar eine ganze Serie. Nicht über noch einen Krieg gegen die Araber; nicht über die nukleare Bedrohung aus dem Iran; … Weiterlesen
Abschied vom Verstand
von Max Hagebök Heute stand es wieder in der Zeitung, das politische Horoskop für Parteien und Politiker. In ewigwährender Regelmäßigkeit schütten die Institute politischer Meinungsmache die neuesten Umfragen zur Sonntagsfrage oder zur Beliebtheit von Politikern aus vollen Kübeln in das … Weiterlesen
Kritikerergänzung
von F. B. Habel Jens Knorrs Einschätzung des neuen Hitler-Bildes im Film im Blättchen 22/2004 ist wenig hinzuzufügen, wenngleich ich statt Hitler immer Bruno Ganz vor mir sah, der sich der Kunst der Maskenbildner anvertraute. Den letzten Tagen im Führerbunker … Weiterlesen
Kritikerkritik
von Horst Grunert Gewiß kann man manchen kritischen Einwand gegen den Film Der Untergang vorbringen. Aber warum ist es nötig, mit den gröbsten Keulen dreinzuschlagen (Jens Knorr im Blättchen 22/2004)? Soweit ich es überblicke, hat bisher niemand bestritten, daß es … Weiterlesen
Hartz VI
von Erhard Crome Wer das Totenschiff von Traven gelesen hat weiß, es ist nichts so schlimm, als daß es nicht noch schlimmer kommen könnte. Dieses Stück wird in Sachen Sozialabbau gerade in Deutschland gegeben. Immer, wenn die Regierung wieder einen … Weiterlesen
NPD als Ordnungsfaktor
von chaze Nicht zu Unrecht stellte Paul Oswald in seinem Kommentar zum Wahlerfolg der DVU in Brandenburg und der NPD in Sachsen im Blättchen 22/2004 fest, daß nicht die Rechtsextremen in den Landesparlamenten das Hauptproblem darstellen würden, sondern deren Wählerinnen … Weiterlesen
Herbst im Lande
von Ove Lieh Es ist Herbst geworden in der deutschen Demokratie, und die Blätter fallen – vor allem über den Wähler her, weil der wieder nichts Rechtes gewählt hat. Das heißt, er hat zwar zum Teil rechts gewählt, aber das … Weiterlesen
Schreib das nicht auf, Kisch!
von Mathias Käther »Er hält wohl einen ›roten Goebbels‹ für etwas ebenso Schimpfliches, wie es der braune Goebbels ist. (…) Was Wirkung und Wirksamkeit anbelangt, würden die Antifaschisten in der Tat einen Gegengoebbels brauchen.« E. E. Kisch, Über Gustav Regler, … Weiterlesen
Liebe zu Zeiten des Neoliberalismus
von Wolfgang Beutin In den Katalogen moderner Antiquariate wird jetzt die Weltgeschichte der Prostitution von den Anfängen bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts von Paul Dufour (1806 – 1884) angeboten. Es ist ein Nachdruck von 1995 der deutschen Fassung von … Weiterlesen
Harlem – kriminell
von Peter Bräunlein Ich muß gestehen: Krimis lese ich gern.« Nur wenige bekennen sich so offen zu ihrer literarischen Leidenschaft wie der marxistische Wirtschaftswissenschaftler Ernest Mandel. In seiner »Sozialgeschichte des Kriminalromans« Ein schöner Mord (1984) analysiert er Himes’ Krimis als … Weiterlesen
Das letzte späte Jahr
von Kai Agthe Ein Abschied auf 75 Seiten, eine literarische Todesahnung in fünf kurzen Kapiteln. Späte Jahre ist das letzte Werk von Hanns Cibulka, der am 21. Juni 2004 83jährig in Gotha starb. Im Schatten von Schloß Friedenstein – von dem … Weiterlesen
Pastorale?
von Marcus Crome Am 12. März 1945 fand im Concordia-Saal in Leipzig ein Konzert mit dem Gewandhausorchester unter Stabführung von Hermann Abendroth statt. Gespielt wurde unter anderem die 6. Sinfonie F-Dur op. 68 von Ludwig van Beethoven, die unter dem … Weiterlesen
Händel in Rom
von Olaf Brühl Händel war keine 22 Jahre alt, als er in Rom eintraf. Start einer beispiellosen Karriere. Der »liebe Sachse«, wie der smarte Jüngling genannt wurde, brachte schon Erfolge in der Opernarbeit, im Umgang mit den Mächtigen und eine … Weiterlesen
Gorki-Park
von Wladislaw Hedeler, z. Z. Moskau Vor sechsundsiebzig Jahren, am 12. August 1928, öffnete der Park für Kultur und Erholung seine Pforten. Hier an der Moskwa, auf dem Gelände der ehemaligen Allunions-Landwirtschaftsausstellung, sollten die an der Verwirklichung des ersten Fünfjahrplans … Weiterlesen
Vergiftete Atmosphäre
von Kathrin Singer, Kiew In der Ukraine gibt es derzeit nur ein Thema: Werden die Präsidentschaftswahlen am 31. Oktober frei und fair sein? Immer häufiger schwingt in den Debatten ernste Sorge mit. Denn Meinungsumfragen belegen: Die Bürger glauben zwar, daß … Weiterlesen
Ostmichel und Westmichel
von Lotar Cibis Lebt denn der alte Ostmichel noch? Der lebte nie! Der war – wie der Westmichel auch – nur Phantasie. Das Volk wird geschätzt, wenn es abstimmt zu Wahlen, sonst braucht man es eigentlich nie – bis auf … Weiterlesen
Ich, der Rattenfänger
von Ove Lieh Neulich bin ich Rattenfänger gewesen. Morgens lag eine tote Ratte, die offensichtlich einem stärkeren Gegner unterlegen war, auf meiner Wiese. Mir war sofort klar, daß ihre Familie damit unverschuldet in eine Notlage geraten war und griff ein. … Weiterlesen
Der nackte DDR-Bürger
von Herbert Wöltge Neulich las ich die durchaus unerfreuliche Geschichte der Abwicklung der Bauakademie der DDR 1989 bis 1991. Was darin steht, überrascht nicht, es ist die übliche üble Sache vom Einfall der bundesdeutschen Evaluations-Aliens und des anschließenden Ablebens der … Weiterlesen
Es kommt
von Bernhard Romeike Der »Kampf gegen den Terrorismus« ist ein Joker, besonders in der US-Außenpolitik von Bush II. Doch ist es in Deutschland dagegen harmlos? Oder ist das scheinbar harmlose Gesicht Politik, hinter der sich ganz anderes verbirgt? Ursprünglich wurde … Weiterlesen
Vergeßt mir meine Traudl nicht
von Jens Knorr Der Abspann bringt es an den Tag: Adolf Hitler ist’s nicht, Bruno Ganz ist es gewesen! Und nicht Eva Braun und Joseph Goebbels nebst Gattin, nicht Speer, Mohnke und Weidling, Keitel und Krebs, Günsche und Fegelein und … Weiterlesen
Nachbar Nazi
von Paul Oswald Nun also werden sich seit den vergangenen Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg von den Feuilletonisten die Finger darüber wundgeschrieben, wie mit den neuen parlamentarischen Spähtrupps der Nationalen umzugehen sei: schneiden, angreifen, diskutieren, einladen, ausladen … Sie schreiben … Weiterlesen
Berliner Nahverkehr
von Erhard Weinholz Spare in der Not, denn da hast du Zeit«, empfahl der Volksmund einst den Arbeitslosen. Doch sollte man selbst in dieser unerfreulichen Lage, die das Sparen geradezu erzwingt, auf Genüsse keinesfalls verzichten. Sie müssen nur erschwinglich sein. … Weiterlesen
La Mettrie
von Hermann-Peter Eberlein Auf einmal ist sein Name in aller Munde: durch Martin Walsers neuesten Roman, in dem die gemeinsame Vorliebe für den französischen Aufklärer das Vehikel der Liebesbeziehung zwischen einem alternden Privatgelehrten (der einst einige Aufsätze zum Thema verfaßt … Weiterlesen
Theater museal
von Jan Bonin Die Berliner Bühnen setzen nach der Sommerpause erst einmal alte, bewährte Hüte auf. In der Neustadt, einer Stadt in der Volksbühne, tummeln sich Der Idiot und sein Team, nach Dostojewski von Castorf. Am Berliner Ensemble betreibt Peymann … Weiterlesen
Das Ende einer Ära?
von M. R. Richter, Kiew Für den 31. Oktober 2004 sind die Ukrainer zur Wahl des Staatspräsidenten aufgerufen – zum ersten Wahlgang, denn kaum einer zweifelt daran, daß eine Stichwahl erforderlich werden wird. Da die Ukraine eine Präsidialrepublik ist, in … Weiterlesen
Um die Wurst
von Wladimir Wolynski, z. Z. Minsk In Belorußland geht es seit einiger Zeit um die Wurst. Im direkten und im übertragenen Sinne. Inco Food, eine Firma der beiden polnischen Besitzer Krzysztof Stepien und Dariusz Szajda, hat im Laufe der vergangenen … Weiterlesen
Aufenthalt
von Gerd Kaiser, z. Z. Warschau Polen sei, so unisono zeitgeistige Politiker und Journalisten, in Europa angekommen. Daß es an- und in einigen Bereichen auf den Hund gekommen ist, sieht und riecht man nicht nur im und am Warschauer Hauptbahnhof … Weiterlesen
Eine Nation? Was für eine Nation?
von Uri Avnery, Tel Aviv Jede Person in Israel ist im Innenministerium im Einwohnerverzeichnis registriert. Das Verzeichnis schließt den Punkt »Nation« ein. Dieser Punkt erscheint auch auf der Identitätskarte, die jede Person in Israel immer bei sich tragen muß. Oder … Weiterlesen
Lob und Hudel für einen Diktator
von Klaus Hart, Rio de Janeiro In Lateinamerikas größter Demokratie, Brasilien, geschieht derzeit politisch und zeitgeschichtlich Außergewöhnliches: Die Nation feiert seit Monaten das Andenken des Diktators, Hitlerverehrers und Judenhassers Getulio Vargas. Dessen Todestag jährte sich im August zum fünfzigsten Male. … Weiterlesen
Der Untergang. Aufsatz eines Jungmädels
von Klaus Hansen Jetzt verdient Hitler wieder die bürgerliche Anrede, jetzt ist Hitler wieder ein Herr. So wie mein Vater ein Herr ist und ich eine junge Dame kurz vor dem Abitur bin. Kein »Führer« mehr oder »Scheusal« oder gar … Weiterlesen
Glück und Landnahme
von Jürgen Schaepe Es war damals vor allem die Zeit der großen Gefühle. Ich erlebte mich in dieser Masse demonstrierender Menschen sehr herausgehoben und doch gleichzeitig als ihr kleiner, aber nicht unwesentlicher Splitter, Bruder unter Brüdern, Mensch unter Menschen, Gleicher … Weiterlesen
Ent-Täuschungen
von Martin Nicklaus Kaum hatte Horst Köhler Argentinien verheizt, stieg er vom unheiligen Weltenlenkerthron IWF uns aufs Dach. Nun will er seinen Kampf für die verschärfte Ungleichheit unter den Menschen in Deutschland als Merkelpräsident fortsetzten. Nur, daß hier sein Wort, … Weiterlesen
Übrigens: Wir brauchen keine Regierung
von Martin Schirdewan Die westdeutschen Eliten lassen den Osten endgültig fallen. Nach fünfzehn Jahren verfehlter Einigungspolitik ist der Bundespräsident ehrlich genug zu prognostizieren, daß der Osten auf Dauer schlechter gestellt sein wird als der Westen: »Das geht von Nord nach … Weiterlesen
Herrschaft ohne Hegemonie
von Jörn Schütrumpf Im Osten macht sich das Gefühl breit, in der dritten Diktatur in Folge zu leben – auch wenn die äußeren Insignien für eine repräsentative Demokratie sprechen. Die erste Diktatur war noch bejubelt worden und hatte von außen … Weiterlesen
Genosse Zufall
von Frank Ufen Kinder lernen das Sprechen von ihren Eltern. Doch wenn ein Kind türkischer, russischer oder chinesischer Einwanderer beispielsweise in den Vereinigten Staaten heranwächst, wird es in aller Regel früher oder später akzentfrei Englisch beherrschen. Hierfür, behauptet die Psychologin … Weiterlesen
Briefgespräche
von Mathias Iven Im Mai 1948 erhielt Hermann Broch im amerikanischen Exil einen Brief von Veza Canetti. Das Schreiben enthielt ein »überaus interessantes Exposé über eine wissenschaftliche Erforschung des Konzentrationslagerlebens« und die Bitte, bei der Suche nach einem Verleger behilflich … Weiterlesen
Leichners Fettpuder
von Matthias Käther Stumpfer Teint einer fashionablen Welt. Nicht wahr, das ist doch mal ein schöner Titel! Max Gold wird erblassen vor Neid. Leider ist das nur geborgt und nicht wirklich von mir. Sondern von Carl Georg Rumpf. Und der … Weiterlesen
Geliebter Che
von Jürgen Meier Ein Zettel, den ihr der verschwiegene Großvater kurz vor seinem Tod reicht, verändert das Leben der jungen Frau, die allein mit ihrem Großvater in Miami lebt, wohin beide, sie war damals ein Säugling, aus Kuba geflohen waren. … Weiterlesen
Elitenbildung
von chaze Auf den ersten Blick erscheint das Buch Elite sein von Stephan Peters als eine jener unzähligen Dissertationen, deren Thema nur einen ausgewählten Kreis von Fachleuten interessiert. Doch studentische Korporationen, die etwas vereinfacht als Burschenschaften bekannt sind, sollten öfter … Weiterlesen
Wilm Hosenfeld
von Wolfgang David Der Mann, der dem jüdischen Musiker Szpilman 1944 im besetzten Warschau das Leben rettete, war NSDAP-Mitglied, SA-Scharführer und Wehrmachtsoffizier. Roman Polanski verarbeitete diese märchenhaft anmutende Begebenheit 2002 in seinem Film Der Pianist. Nun liegt ein dicker Band … Weiterlesen
Der Berg ruft!
von Kai Agthe Nicht erst seit Luis Trenker – in dessen Rucksack es dem Volksmund nach so aussehen soll wie bei Hempels unterm Sofa –, sondern schon seit Seneca wissen auch die Philosophen: Der Berg ruft! Zu den Denkern, die, … Weiterlesen
Unangepaßte Lebensläufe
von Klaus Hammer Als »vaterlandslose Gesellen« brandmarkte Kaiser Wilhelm II. einst die deutschen Sozialdemokraten, die seine nationalistische Politik nicht mittragen wollten. Etwas abgeändert unter dem Titel Linke Vaterlandsgesellen hat der Berliner Filmemacher Thomas Grimm jetzt Gespräche über und mit bedeutenden … Weiterlesen
Nur Handpuppen?
von Alfred Fleischhacker Ich weiß nicht, ob das Statistische Bundesamt in Wiesbaden weiß, wieviele Universitätsabsolventen westdeutscher Herkunft ihre akademische Laufbahn mit wissenschaftlichen Untersuchungen über das Jammertal DDR begannen. In eine der jüngeren habe ich mich aus persönlichen Gründen vertieft. Schließlich … Weiterlesen
Grenzbetrachtungen
von Martin Nicklaus* Wird über die – längst Legende gewordene DDR – gesprochen, pendelt die Meinung gern mal zwischen zwei Amplituden. Eine davon markiert das Buch Opa war kein Nazi von Harald Welzer, Sabine Moller und Karoline Tschuggnall. Ostdeutsche Interviewpartner … Weiterlesen
Heimatkunde
von Ulrike Köpp Im Sommer 1990, wenige Wochen vor der deutschen Vereinigung, bemerkte die Volkskundlerin Marina Moritz gelegentlich einer Tagung, daß sich die Ostdeutschen zwar nicht mehrheitlich mit ihrem Staat, wohl aber mit dem Land DDR identifiziert hatten. Und sie … Weiterlesen
Stimme der Vernunft
von Uli Brockmeyer Seit Jahren wird heftig über die Existenz von Massenvernichtungswaffen im Irak gestritten. Für fast jeden Menschen, der hören, sehen und lesen kann, ist dieser Streit recht eindeutig entschieden. Wir wissen aber, daß nicht zuletzt diese Frage zum … Weiterlesen
Eine andere Welt
von Wolfram Adolphi Es gibt Bücher, die geeignet sind, das innerste Selbst zu erschüttern. Der Band Eine andere Welt. Das Weltsozialforum gehört zu diesen. Zwar kommt er zuweilen etwas spröde daher; zwar wiederholt sich, wenn mehr als vierzig Autorinnen und … Weiterlesen
Der falsche Freund
von Erhard Crome Ein deutscher Professor kann über jedes Thema reden, er braucht dafür nur exakt neunzig Minuten Zeit. Das hatte ein vor etlichen Jahren vielzitierter deutscher Professor zu Beginn eines Konferenz-Schlußwortes gesagt, und er verbrauchte exakt neunzig Minuten Zeit. … Weiterlesen
Manifest der komischen Weltbewegung
von Martin Schirdewan In einem von herrschaftlichem Grau dominierten Plenarsaal eines in herrlichem Grau gehaltenen Plenargebäudes tritt ein in herrisches Grau gekleideter Herr, unschwer als der erst kürzlich gewählte Präsident Worst Cola zu erkennen, hinter ein in schlichtes Grau gehaltenes … Weiterlesen
Antworten
von Siegfried Jacobsohn »Die Schaubühne« Siegfried Jacobsohns (1918 von ihm umbenannt in »Die Weltbühne«) wäre am 8. September 2004 in ihren 100. Jahrgang eingetreten. Bis zu ihrem 100. Geburtstag werden wir unregelmäßig aus alten Heften zitieren – als Erinnerung ebenso wie … Weiterlesen
Die ollen Alten
von Kai Agthe Jugend und Schönheit besitzen eine untrennbare Eigenschaft, die bei dem geilen Gieren der Boulevardmagazine nach festem Fleisch gern übersehen wird: Jugend und Schönheit sind kein Verdienst. Die Natur gibt’s, die Natur nimmt’s. Man mag Eva Padberg oder … Weiterlesen
Händel und Gesualdo
von Liesel Markowski Das sommerliche Kammeropern-Festival im idyllischen brandenburgischen Städtchen Rheinsberg beglückte wieder mit lustvoller jugendlicher Gesangskunst. Eine aus hunderten Bewerbern getroffene Auswahl präsentierte beeindruckende Qualität eines vielversprechenden Nachwuchses – bei schwierigen bis schwierigsten Anforderungen. Denn die Initiatoren um den … Weiterlesen
Bornholmer Paradies
von F.-B. Habel Die Bösebrücke, die auf der Bornholmer Straße die Berliner Bezirke Wedding und Prenzlauer Berg verbindet, wurde nach dem Antifaschisten Wilhelm Böse benannt, aber der Volksmund nennt sie die Bornholmer Brücke. Nie werde ich die Kleingärtner auf der … Weiterlesen
Jegliches hat seine Zeit
von Jens Knorr Es hat die sogenannte Zeitoper nicht nur bei Mozart und Verdi gegeben und auch nicht nur während ihrer großen Zeit in den zwanziger Jahren – in der DDR wurde sie besonders gefördert und entsprechend gefürchtet. Zeitopern trugen … Weiterlesen
Parallelwelt Bitterfeld?
von Frank Hanisch Wenige Kilometer von Bitterfeld entfernt, auf einer Landbrücke zwischen zwei gefluteten ehemaligen Tagebaurestlöchern gelegen, befindet sich um einen Anger gruppiert das Buchdorf Mühlbeck, in dem – wahrscheinlich – mehr Antiquare als Landwirte wohnen. In einem dieser Antiquariate … Weiterlesen
Rhetorlin forte
von Jürgen Schaepe Endlich ist es da! Die Pharmaindustrie hat lange gebraucht, um dieses Medikament auf den Markt zu bringen: Rhetorlin forte. Keiner muß fortan an Dysfunktionen seines Sprachvermögens leiden, niemand mehr muß sich künftig über höchst unvollkommene Redner in … Weiterlesen
Jürgen Kuczynski 100
von Mario Keßler Über einhundert Bücher hat er veröffentlicht, am 17. September wäre er einhundert geworden, der vor sieben Jahren verstorbene Jürgen Kuczynski. Fünf Gesellschaftsordnungen hat er in Deutschland erfahren, davon vier zusammenbrechen sehen, elf Jahre in den USA und … Weiterlesen
Bauhaus am Zuckerhut
von Klaus Hart Eine bizarre Situation: Drinnen im vierstöckigen »Nucleus« spricht Bauhaus-Direktor Omar Akbar zu hunderten Slumkids, die euphorisch kreischen und jubeln – direkt davor auf dem Platz vor der großen Glasfront stehen jugendliche Banditen, die MPi lässig umgehängt, und … Weiterlesen
Politische Eierkultur
von Ove Lieh In einer Vorlesung zum Thema Gesundheitserziehung erzählte uns Studenten einst ein trockener Alkoholiker seine Geschichte. Der absolute Tiefpunkt sei für ihn erreicht gewesen, als er angefangen habe, seinen Kindern Geld aus der Spardose zu stehlen, um Getränke … Weiterlesen
Heißer Sommer
von Thomas Falkner Vor langer Zeit, in der Mitte des letzten Jahrzehnts des vorigen Jahrhunderts, gab es in Brandenburg einen sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Manfred Stolpe. Der warnte mit schöner Regelmäßigkeit seinen christdemokratischen Kanzler Helmut Kohl, teils auch seine eigenen Parteifreunde im … Weiterlesen
TAMARA statt TINA
von Wolfram Adolphi Keiner weiß, wie sich das weiterentwickeln wird mit den Protesten gegen Hartz IV. Vielleicht – mag man im Kanzleramt meinen – läuft es sich ja tot mit den Demos. Und vielleicht wird es ja auch tatsächlich so … Weiterlesen
Erklärung
Wir protestieren gegen Hartz IV. Wir sind einverstanden mit der Wiederbelebung der Montagsdemonstrationen. Es ging und geht um Gerechtigkeit, Selbstbestimmung, Mündigkeit, Menschenwürde und Freiheit. Verhältnisse, in denen der Mensch nur verstaatlichtes Objekt einer politischen Partei wie der SED oder für … Weiterlesen
Am Strom
von Renate Hoffmann Über den Ufern dieses göttlichen Stromes (liegt) ein Zauber, dem ich nichts mir Bekanntes an die Seite zu stellen wüßte! Mary Wollstonecraft Shelley (1797-1851) Es sind hellblaue milde Tage. Gute Zeit, um dem Zauber auf die Schliche … Weiterlesen
Theater am Rand
von Walter-Thomas Heyn Die Landesmusikakademie Rheinsberg ehrte den Komponisten Kurt Schwaen zu seinem 95. Geburtstag einen ganzen Tag lang. Am Beginn stand der Dokumentarfilm Eine weite Reise von Jochen Kraußer aus dem Jahre 2001, es folgte ein Liedernachmittag mit Kim … Weiterlesen
Der frühe Kandinsky
von Klaus Hammer Er war schon dreißig, als er 1896 nach München kam, um Malerei zu studieren. Aber binnen weniger Jahre wurde der Russe Wassily Kandinsky zum radikalen Erneuerer der Kunst unserer Epoche. Sein Glaube an eine abstrakte Farbensprache kam … Weiterlesen
Viel Wind um nichts?
von Ronald Lötzsch So – natürlich ohne Fragezeichen – kündigt der stern im Inhaltsverzeichnis der Nummer 34/2004 seinen Beitrag zur »Popanz-Debatte«, wie Chefredakteur Petzold im Editorial formuliert, um die Rechtschreibreform an. Über weite Strecken trifft diese Einschätzung auch zu. Diskutiert … Weiterlesen
Rechtschreibreform 1905
von Mathias Iven Gelobt sei die Redaktion des Blättchens, hat sie sich doch in Fragen der Rechtschreibung nie beirren lassen. Jeder der Autoren darf, wie er will – nur: »neumodisch« soll es nicht sein! Vielleicht wird deshalb auch die derzeitige … Weiterlesen
Wolfgang Mommsen
von Fritz Klein Mit Wolfgang Mommsen, der am 11. August beim Baden in der Ostsee tödlich verunglückte, starb einer der bedeutenden, national wie international hochangesehen deutschen Historiker. In einer Fülle von gründlich recherchierten, klugen, fakten- und gedankenreichen Arbeiten hat er … Weiterlesen
Wenn Amerika niest …
von Uri Avnery, Tel Aviv Zu Levi Eshkol, einem unserer verstorbenen Ministerpräsidenten, eilte einmal einer seiner Assistenten und rief: »Levi, eine Katastrophe! Eine Dürre ist ausgebrochen!« »Wo?« fragte der Ministerpräsident beunruhigt, »in Texas?« »Nein, in Israel!« antwortete der Mann. »Dann … Weiterlesen
Entsicherter Journalismus
von Johann Spärlich Auch aus der Sicht der Machthaber ist die Präsentation der Hartz-IV-Gesetze eine Katastrophe, wie immer mehr Politikern allmählich aufgeht. Dieser Dilettantismus und vor allem der Zynismus vieler Äußerungen (»Nach einem Monat ohne Arbeitslosengeld ist noch niemand bedürftig«, … Weiterlesen
Montags, 18 Uhr, Magdeburg
von Ines Fritz In Magdeburg gibt es derzeit nur ein Thema: Hartz IV und die Montagsdemos. Die Welt teilt sich sauber, jedenfalls in Magdeburg. Da sind jene, die arbeiten wollen und keine Arbeit bekommen, daneben gibt es jene, die nicht … Weiterlesen
Hartz und Marxens Irrtum
von Werner Abel Alle weltgeschichtlichen Tatsachen, so meinte Marx in Anlehnung an Hegel, ereignen sich zweimal: Das eine Mal als Tragödie, das andere Mal als Farce. Wilhelm Liebknecht, der Marx recht nahe stand, erklärte in seinem Volksfremdwörterbuch das Wort »Farce« … Weiterlesen
Montags immer
von Erhard Crome Eine »Volksfront« sah der Kanzler keimen und hat sie rasch denunziert. Er sagte es in seinem hilflosen Frust über die Montagsdemonstrationen. Es scheint ihm ähnlich zu gehen wie einstmals Erich Honecker; der wußte mit den Protesten auch … Weiterlesen
Nicht nur Kamele unterm Sternenhimmel
von Julia Michelis Von Stralsund bis Oberammergau setzt das Kulturmanagement der Republik mit stetig wachsender Begeisterung auf Open-Air-Festivals. Ob mit Aida (drei echte Kamele auf der Freilichtbühne des Passionsdorfes!!!) oder mit der Zauberflöte überm Sund – die Gunst der Ferienzeit … Weiterlesen
Entgleist und verspätet
von Tim Engartner Noch vor wenigen Jahren warb die Deutsche Bahn mit einem Plakat, auf dem ein sich küssendes Pärchen zu sehen war. Dabei stand »Eigentlich wollte er den IC um 10.27, 11.27, 12.27 usw. nehmen.« Die Aussage war klar: … Weiterlesen
Theresias Brüste
von Frank Hanisch Der Duft von gegrilltem Seewolf aus den Schelfgebieten Westschwedens kitzelt meine Nase, während ich Kräuter und Zitrone schneide. Der Seewolf, man sieht es dem zarten Filet gar nicht an, ernährt sich von ganzen Schalentieren und ist in … Weiterlesen
Heilige Geschlechtlichkeit
von Lotte Lund Nicht nur, daß der Papst das Sommerloch nutzt, um für die 200. Auflage seiner Ängste ein unverdient großes Publikum zu gewinnen; er wird sekundiert von einer sehr rüstigen Ressource: den selbsternannten Nur-Ehefrauen der Welt! Da fragt man … Weiterlesen
Nichtdeutsches im Bundestag
von Lisa Müller Ein Glück, daß es das Internet gibt! So kann sich auch der einfache Sterbliche problemlos darüber informieren, was unsere Volksvertreter im Bundestag so treiben. Denn einen Tag nach den Debatten stehen die Protokolle im Netz. Noch unmittelbarer … Weiterlesen
Von Thomas Mann zu Simon Dach
von Horst Grunert Nachdem der Bürgermeister das Ereignis gebührend gewürdigt hatte, trat der deutsche Botschafter Alexander von Rom an das Mikrofon. Ich verkniff mir ein Lächeln. Niemand kann etwas für seinen Namen. Erfreulicherweise vermied er es, das Wort zu ergreifen, … Weiterlesen
Bremsversuche gegen Frauenhandel
von Kathrin Singer, Kiew Weil Fernsehstar Michel Friedman darüber ins Rampenlicht geraten war, hatte der Menschenhandel ukrainischer Schlepperbanden im vergangenen Jahr plötzlich eine große Medienöffentlichkeit. Bis dahin war es eher im dunkeln geblieben: das Wirken jener »geschäftstüchtigen« Herren, die es … Weiterlesen
Dollargestützte Gedankenfreiheit
von Wladimir Wolynski, Moskau Sergej Kowaljow hat in etwa zur gleichen Zeit wie ich, Ende der vierziger/ Anfang der fünfziger Jahre, in Moskau studiert. Bereits damals hielt er mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg. Er gehörte zu jener nicht … Weiterlesen
Grenzgebiet
von Wolfgang Sabath Kürzlich hielt es Holger Schmale, Innenpolitiker bei der Berliner Zeitung, für angemessen, den neuinstallierten Bundespräsidenten zu ermahnen (maßvoll, versteht sich, die Würde des Amtes …): Köhler nämlich hatte bei seinem ersten Präsidentenauslandsbesuch, der ihn nach Warschau führte, … Weiterlesen
Wie man Vater und Mutter (ent)ehrt
von Ines Fritz Seit 1999 streitet sich Horst Lucht mit den Behörden. Er ist nervlich und finanziell am Ende, sagt er. Aber er macht weiter. Er muß weitermachen. Rückblende: 1982 werden bei Frau Brandt, Horsts Mutter, eine endogene Psychose, Paranoia … Weiterlesen
Das kleinere Übel
von Horst Jacob Eines muß man jenen lassen, die den realkapitalistischen Alltag verwalten: In den Verhaltensmustern der Menschen kennen sie sich aus. Den Stockfehler ihrer dereinst sozialistischen Pendants, öffentliche Kritik am Gemeinwesen mit so ziemlich allen Mitteln zu unterbinden, begehen … Weiterlesen
Wo leben wir denn?
von Lotar Cibis Was soll das für ein Rechtsstaat sein? Den Ladendieb – den sperrt man ein. Das Management bei Mannesmann bedient sich selbst, so gut es kann. Die Staatsanwaltschaft mischt sich ein – auch beim Berliner Bankverein. Doch bei … Weiterlesen
Klassenkampf im Sommerloch
von Stefan Bollinger Früher war alles besser, da war ein Sommerloch noch ein Sommerloch. Heute gibt es nur Sommertragödien: Der Sozialstaat Bundesrepublik steht unter Dauerfeuer. Die Einschläge kommen näher, werden wirksamer. Hauptziel: möglichst baldiger Exitus des Sozialstaates, Nebenziel: runter mit … Weiterlesen
Lauter!
von Detlef Kannapin Ich habe es wirklich nicht mehr für möglich gehalten. Nach den Rossinis, Late Shows, Unberührbaren, Good Byes auf die eingebildete DDR und den Gegen-die-Wand-Fahrern erhebt sich aus den Flachheiten der Konvention des hiesigen Kinobetriebs ein für kaum … Weiterlesen
Das Lachen der Möwe
von Kai Agthe Keine Frage, Anton Tschechow wird wegen seines dramatischen Spätwerks geliebt: Die Möwe, Die drei Schwestern und Der Kirschgarten sind Bühnenklassiker. Im Falle dieses Dichters aber von einem »Spätwerk« zu sprechen, ist freilich ein Euphemismus, da Tschechow im … Weiterlesen
Antoine de Saint-Exupéry – der große Prinz
von Gerhard Wagner Antoine-Marie-Roger de Saint-Exupéry kam vor sechzig Jahren, am 31. Juli 1944, bei einem Flug im Auftrag seiner alliierten Fernaufklärerstaffel über dem Mittelmeer, nahe Korsika, um. Es handelte sich um seinen letzten geplanten Aufklärungseinsatz. Was Saint-Exupéry, als 1900 … Weiterlesen
Hiroshima, Dresden, Potsdam
von Wolfram Adolphi Es hatte Bedacht gewaltet, als der Reiseveranstalter das Hotel ausgewählt hatte für unsere deutsche Japan-Reisegruppe in Hiroshima: Schon von der Dachterrasse aus, wo das Frühstück gereicht wurde, fiel der Blick auf den heiwa ko’en, den Friedenspark: jene … Weiterlesen
Lacoma KW
von Reinhard Stöckel Lacoma, das klingt ein wenig nach La Paloma, nach Südseeparadies. Lacoma allerdings ist ein Dorf in der Niederlausitz und zu seinem Pech einst über einem Kohleflöz errichtet worden. Paradiesisch erscheint nicht wenigen die mit dem Namen des … Weiterlesen
Kein Niemandsland. Nirgends
von Kurt Merkel Anfang des Jahres las Volker Braun im Berliner Theater im Palais aus unveröffentlichten Arbeiten. Er las mit seiner ostsächsischen Lautung, den nicht ganz offenen Vokalen und den ihnen weich folgenden Konsonanten. Und er schuf mit dieser Art … Weiterlesen
Osmotische Selbsterkenntnis
von Klaus Hansen In Klaus Theweleits neuem Buch (Tor zur Welt – Fußball als Realitätsmodell, Köln 2004) findet sich die Behauptung: Wer mitbekommt, was sich im Fußballspiel tut, »ist über andere Gesellschaftsbereiche osmotisch informiert«. Wir wollen die These ernstnehmen und … Weiterlesen
Filbinger? – Gestrichen!
von Gesine Lötzsch Am 23. Mai wurde Horst Köhler zum Bundespräsidenten gewählt. Bereits im ersten Wahlgang. Am 1. Juli beklatschten Bundestag und Bundesrat den Auftritt des Neuen anläßlich seiner Vereidigung. Gesine Schwan, Kandidatin von SPD und Grünen, schien vergessen. Von … Weiterlesen
Wir sind überall …
von Sibylle Sechtem Der 50. Geburtstag der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel am 17. Juli mit umfänglicher Lobpreisung der Jubilarin, an deren Avancement zur Bundeskanzlerin kaum noch jemand Zweifel hat, ist vorbei. Läßt man den denkwürdigen Tag Revue passieren, fällt auf, daß … Weiterlesen
Kardinalfehler
von Hermann-Peter Eberlein Die Frage nach der Identität des Westens, speziell Europas, wird spätestens seit der Konfrontation mit dem Islamismus wieder heftig diskutiert. Verstärkt nehmen Vordenker und Interessenvertreter der Kirchen Anteil an dieser Debatte, scheint sich hier doch die Chance … Weiterlesen
Schöne neue Welt
von Walter Thomas Heyn Aber was für Ticker sind die Politiker? Sind sie wirklich so vonnöten, wie man glaubt? hat Kreisler vor Jahren gesungen und dabei die Politiker auf der Po-Silbe akzentuiert. Das damals – 1989/90 – anschlußheischende Gesäß war … Weiterlesen
Berliner Republik
von Jörn Schütrumpf Modell eins: Wer als Politiker seiner Partei nützt, darf mit einer freundlichen Erwähnung in einer parteiinternen Jubiläumsschrift rechnen – bestenfalls, manchmal auch nicht einmal damit. Modell zwei: Wer seinem Land Nutzen bringt, darf sich schon größere Hoffnungen … Weiterlesen
It Can Happen
von Erhard Crome Im Mai hatte ich im Blättchen über das Fiasko der imperialen Präsidentschaft in den USA geschrieben, Bushs Kriegsführung an der Haager Landkriegsordnung und anderen völkerrechtlichen Regelungen gemessen sowie seine Verantwortung angesichts des Statuts für den Internationalen Militärgerichtshof … Weiterlesen
Sprachseiltänzer
von Henryk Goldberg Nicht, daß ich mit der Jury von Herrn Professor Schlosser, die die deutschen Unwörter des Jahres kürt, konkurrieren möchte. Aber auch der unbekannte Gefreite an der Sprachfront hat so ein paar Lieblingsfeinde, denen er immer wieder begegnet. … Weiterlesen
Tod im Gletschereis
von Liesel Markowski Hans Werner Henzes Oper Elegie für junge Liebende von 1961 ist an Berlins Staatsoper in bemerkenswerter Aufführung zu erleben. Die Libretto-Autoren Wystan Hugh Auden und Chester Simon Kallman erzählen eine tragische Geschichte, die mit dem tödlichen Bergunglück … Weiterlesen
Tarzan aus dem Banat
von Peter Bräunlein In diesem Sommer 2004 wäre Johnny Weissmüller (1904-1984), fünfmaliger Olympiasieger im Schwimmen und berühmtester Film-Tarzan, hundert Jahre alt geworden. Das Ulmer Donauschwäbische Zentralmuseum zeigt bis 24. Oktober eine große Gedenkausstellung. Wie kommt ein Museum, das sich mit … Weiterlesen
Ernst Ludwig Kirchner
von Klaus Hammer Ernst Ludwig Kirchner, der sensibelste und zugleich eigenwilligste der Brücke-Künstler, hat sich primär als Zeichner verstanden: 165 Skizzenbücher haben sich allein im Kirchner-Nachlaß erhalten, und in privaten wie öffentlichen Sammlungen sollen sich etwa sechstausend Zeichnungen, Aquarelle und … Weiterlesen
Es bleibt nur das »Innerfern«
von Kai Agthe In dem irischen Kurzfilm Numero One Joe philosophiert Joe O’Sullivan über den Tod und der damit für ihn einhergehenden Gewißheit, daß die Erinnerung der Nachwelt schneller vergehen wird als seine irdische Hülle. »Man sollte sich niemals zu … Weiterlesen
Meine Heimat
von Ove Lieh Meine Heimat ist nicht nur die kleine Kneipe, deren Wirt es nicht mag, wenn ich lauthals eine Bockwurst au four oder einen Gemüseeisbecher mit Erbsen und Möhren bestelle. Ihm ist das peinlich, insbesondere wenn Touristen da sind. … Weiterlesen
Ultralinks?
von Mario Keßler Jörn Schütrumpfs nuancierte Rezension meines Buches Arthur Rosenberg. Ein Historiker im Zeitalter der Katastrophen (1889-1943) im Blättchen, Nr. 10/2004 ist schon deshalb zu begrüßen, weil damit an einen Politiker und Historiker der Weimarer Republik erinnert wird, der … Weiterlesen
Preta
von Klaus Hart, Rio de Janeiro Preta Gil, Tochter des brasilianischen Kulturministers und berühmten Musikers Gilberto Gil, macht in dem Tropenland derzeit Furore. Sie provoziert mit erfrischend politisch unkorrekten Sprüchen und mit kritischen Positionen zu Politik, Kultur, Rassismus und Sex. … Weiterlesen
Große Klasse
von Gerd Kaiser Es war einmal ein Land, Volks-Polen geheißen. Dort wußten die Untertanen der Herrscher Gomulka oder Gierek sehr wohl den Platz zu erkennen, den ein Untertan in der Gesellschaft einnahm. »Potz-Tausend-Öberste« fuhren Mercedes oder Tschaika, tranken Whisky oder … Weiterlesen
Ansprache eines Wachsenden
von Lutz Rathenow Ich wachse. Ich erlebe es täglich. Natürlich wachse ich. Schon immer bin ich, sind wir gewachsen. Damals schon schnell. Und dann erst draußen. Regelmäßig gemessen die ersten Monate. Immer geprüft die nächsten Jahre. In die Höhe! war … Weiterlesen
No future?
von Karsten Schuldt Science Fiction und politische Utopie – was läßt sich dazu sagen? Erstens, daß jede Zukunftsliteratur, egal ob sie als TV-Serie, Comic oder Roman daherkommt, ob sie in nächster oder allerentferntester Zukunft angesiedelt ist, ob sie auf verlassenen … Weiterlesen
Pressefrühstück mit Preußen-Siegel
von Herbert Wöltge Der Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Dieter Simon, hatte zu einem Pressefrühstück geladen, in aller Montagmorgenfrühe, wenn das journalistische Hirn noch wochenendschwach dahindröselt. Was gab es dort, außer mäßig unterhaltsamer Leibeskost: nun ja, eine mäßige Geschichte, … Weiterlesen
Ich war kein Nazi
von Jörn Schütrumpf Was auch geschieht – nie sollt ihr so tief sinken, von dem Kakao, durch den man Euch zieht, auch noch zu trinken. (Erich Kästner) Zu den bleibenden Kulturtaten, die während des Anschlusses an die Bundesrepublik vollbracht wurden, … Weiterlesen
Wer lacht denn da?
von Peter Braune Genau am 7. Juni begann die neue Penny-Woche 2004: Das Journal – Jede Woche neu. Mitnehmen! – titelte: »Alles für Ihren vierbeinigen Freund!« Natürlich posiert in Großaufnahme einer unserer Freunde, ist’s ein Setter oder gar ein Bernhardiner, … Weiterlesen
Fundorte
von Renate Hoffmann Ob ein Museumstag landesweit verordnet oder nicht verordnet ist, es lohnt, hin und wieder die Klinke eines kulturellen Sammlungshauses zu drücken und einzutreten. Welten öffnen sich – ferne, näherliegende, nahe. Man erkennt das Band, gesponnen aus Ähnlichkeiten, … Weiterlesen
Teufelszeug
von Frank Ufen Es ist heute kaum noch vorstellbar, wie es im Europa der frühen Neuzeit zuging – zu einer Zeit, als die abendländische Welt das Genußmittel noch nicht für sich entdeckt hatte, das in ihr bald darauf umwälzende Veränderungen … Weiterlesen
Mühsam
von Hermann-Peter Eberlein Sie wollten, daß es wie ein Selbstmord aussehe. Und entsprechend redete der Völkische Beobachter zynisch von einer »späten Selbsthinrichtung«. Dabei konnte der Mann, den Mitgefangene am Morgen des 10. Juli 1934 auf einem Abort des KZ Oranienburg … Weiterlesen
Jacek Kuron
von Holger Politt, Warschau Jacek Kuron ist tot. Laut Umfragen war er in den vergangenen Jahren neben Staatspräsident Kwasniewski Polens beliebtester Politiker. Obwohl er keinerlei öffentliche oder politische Position mehr bekleidete, war er im öffentlichen Leben des Landes allgegenwärtig. Die … Weiterlesen
Blühende Landschaften
von Wladislaw Hedeler, z.Z. Karaganda Zuerst blühen in der Steppe die Maiglöckchen, dann folgen die Tulpen und der Mohn. Anfang Juni sind Gelb und Violett die vorherrschenden Farben entlang der staubtrockenen Straßen. Es riecht bitter, ein Hauch Wermut liegt in … Weiterlesen
Wohin mit dem Öl?
von M. R. Richter, Kiew Zwar verfügt die Ukraine nur über verschwindend geringe eigene Erdölreserven, doch dafür wuchert sie mit dem Pfund der neuerrichteten Pipeline vom Ölterminal in Odessa bis nach Brodi an der polnischen Grenze. Diese hat Anschluß an … Weiterlesen
Kwaśniewski im Irak
von Miles Der polnische General Bolesław Balcerowicz hat bisher wenig von sich reden gemacht. Dabei gehört der Divisionsgeneral, in Polen der höchste Generalsdienstgrad, zu den klügsten Köpfen der Polnischen Armee. 1965 bis 1991 diente er seinem Land als Befehlshaber von … Weiterlesen
Lula in Haiti
von Klaus Hart, Rio de Janeiro Staatschef Lula rühmt die Truppenentsendung nach Haiti als international anerkannten Beitrag für den Frieden auf der Welt. Doch von zahlreichen prominenten Brasilianern, vielen Kongreßabgeordneten seiner eigenen Arbeiterpartei (PT) sowie Würdenträgern der katholischen Kirche wird … Weiterlesen
Der Alptraum wird wahr
von Uri Avnery, Tel Aviv Ich dachte, das wäre schrecklich. Ich irrte mich. Es ist viel, viel schlimmer! Diese Worte fassen zusammen, was ich in diesem Augenblick fühlte. Ich stand auf einem Hügel und überblickte den berüchtigten Kalandia-Kontrollpunkt. Unter mir … Weiterlesen
Kreuzberger Nächte
von Thomas Heubner Nach den Gesetzen der Aerodynamik dürfte die Hummel nicht fliegen. Zum Glück kennt die Hummel diesen Codex nicht und schwirrt fröhlich in der Sommersonne. Gleichzeitig präsentiert uns Sozialsenatorin Heidi Knake-Werner – das ist die mit dem rosafarbenen … Weiterlesen
Hier spielt man deutsch
von Klaus Hansen Deutsche Fußballer haben der portugiesischsprachigen Welt schon viel Freude bereitet. Leider ist das lange her. Franco Foda vom 1. FC Kaiserslautern bestritt 1987 eines seiner wenigen Länderspiele in Rio de Janeiro gegen Brasilien. Als der Stadionsprecher seinen … Weiterlesen
Berliner Gerede
von Ove Lieh Einst gab es den Brauch, beim Abdruck von Politikerreden in Zeitungen die Reaktionen des Publikums mitzuteilen. Leider tat man das bei dem mir vorliegenden Text der letzten Berliner Rede (erleichtertes Aufatmen bei allen) des scheidenden Bundespräsidenten (bedauernde … Weiterlesen
Vollendung der Einheit
von Jörn Schütrumpf Wenn die Spitzenkandidatin der PDS, jener Partei, deren Führung – noch – nicht westlich dominiert ist, nur Stunden nach der Wahl erklärt, daß sie ihr Geschwätz von zuvor nicht interessiere, fühlen sich im Westen vor allem jene … Weiterlesen
Gras drüber, die Letzte
von Reinhard Stöckel Hier, so hatte es auf dem Schild gestanden, entsteht eine Wiese. Jetzt ist sie da, die Wiese. Im niederlausitzer Sommerwind wiegen sich leicht gebräunte Gräser und duftende Kräuter. Beifußpollen und andere allergene Blütenstäube schweben durch die Luft, … Weiterlesen
Anti-Ödipussi aus Norwegen
von Jens Knorr Elling ist gern zu Haus, wenn auch nicht gern allein, sondern mit Mutter. Und Mutter ist gern bei Elling. Sie haben ihren eingespielten Tagesrhythmus, ihre gemeinsamen Mahlzeiten, ihr Glas mit den Goldfischen, die Elling entschieden zu oft … Weiterlesen
Gundermann 1990
von Lutz Kirschner Lange war sie erwartet worden: die Gundermann-CD werkstücke II: die wilderer. Siebzehn Titel werden präsentiert, drei davon sind Gundermann solo, die anderen vierzehn Stücke Gundermann & Die Wilderer, aufgenommen im Popstudio des DDR-Rundfunks in der Nalepastraße und … Weiterlesen
Widerstand und Verleumdung
von André Hagel A. Paul Weber ist bis heute in der Reihe deutscher Zeichner, die ihren Strich gezielt und bewußt zur satirischen Fokussierung politischer Erscheinungen und Tendenzen einsetzen, unerreicht geblieben. Erst in den vergangenen Jahren hat etwa Peter Muzeniek ein … Weiterlesen
Anne Frank
von Hans Springstein Am 12. Juni wäre Anne Frank 75 Jahre geworden. Doch sie starb Anfang 1945 im KZ Bergen-Belsen als eines der etwa sechs Millionen jüdischen Opfer der deutschen Nazi-Herrschaft. Durch ihr erhalten gebliebenes und später weltweit veröffentlichtes Tagebuch … Weiterlesen
Marc Bloch
von Mario Keßler Begriffe wie Alltags- und Mentalitätsgeschichte, Prozesse und Strukturen, historische Sozialwissenschaft und Interdisziplinarität sind für Historiker und historisch Interessierte längst zum vertrauten Vokabular geworden. Dies war lange Zeit nicht selbstverständlich, und in der Zeit zwischen beiden Weltkriegen wurde, … Weiterlesen
Wohlstandpunkt
von Günter Krone Wenn ein führender Vertreter der CDU auf ein Erfolgsinstrument des Sozialismus zurückgreift, kann wirklich niemand mehr sagen, am Sozialismus sei alles schlecht gewesen. Die DDR hatte, weil das Lernen von der Sowjetunion siegen lernen hieß, von ihrem … Weiterlesen
Noch ein Nachruf
von Horst Grunert Seine Allgemeinbildung war recht dürftig. Seine politischen Gegner behaupteten, er kenne außer der Bibel nur ein paar Textbücher von Filmen. Während eines Wahlkampfes um das Präsidentenamt meinte ein Konkurrent, er habe mehr Bücher geschrieben als Reagan je … Weiterlesen
Liberty
von Tilo Gräser Im Juni vor 37 Jahren fehlten nur wenige Minuten bis zum Beginn eines Atomkrieges. Zwei A4-Jagdbomber starteten vom US-Flugzeugträger America mit Ziel Kairo, unter ihrem Rumpf Atombomben. Es sollte ein Vergeltungsschlag gegen Ägypten werden. Den Anlaß gab … Weiterlesen
Die deutschen Sieger
von Wolfram Adolphi Schröder: D-Day Sieg für Deutschland« titelte die Sonntagsausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung am 6. Juni 2004, dem 60. Jahrestag der Eröffnung der zweiten Front gegen das faschistische Deutschland durch die Landung US-amerikanischer, britischer und kanadischer Truppen, in … Weiterlesen
Rübergekommen
von Paul Oswald Kurz vor ultimo liefen die Wahlkampf-Stäbe jener Parteien und Parteichen, die gedachten, Vertreter im EU-Parlament zu plazieren oder wenigstens einigermaßen nennenswerte Wahlkampfkosten-Rückerstattungen herauszuholen, noch einmal zur Höchstform ñ oder was sie dafür hielten – auf. Nun ist … Weiterlesen
Neue Gegenwinde
von Erhard Crome Man ist konsterniert: Zum Thema »Regierungswechsel in Indien« war in den großen deutschen Zeitungen kaum ein Artikel zu lesen, in dem nicht von den »großen Leistungen« des Wahlverlierers Vajpayee die Rede gewesen wäre. Hatte dieser doch die … Weiterlesen
Gras drüber, die Dritte
von Reinhard Stöckel Hier, so hatte es auf dem Schild gestanden, entsteht eine Wiese. Jetzt ist sie da, die Wiese. Im niederlausitzer Sommerwind wiegen sich leicht gebräunte Gräser und duftende Kräuter. Beifußpollen und andere allergene Blütenstäube schweben durch die Luft, … Weiterlesen
Werner Tübke
Klaus Hammer Noch in den achtziger Jahren galten die allegorisch-literarischen Mehrfigurenbilder Werner Tübkes als Synonym für Kunst aus der DDR. Was Tübke eigen war – zeichnerische Exaktheit, eine mit altmeisterlicher Technik vorgetragene Formprägnanz, plastisch-räumliche Bildorganisation, frappierende Bilderfindungen, erzählerischer Detailreichtum, Verschlüsselung … Weiterlesen
Adlershof
von Erhard Crome Jubiläum in Adlershof. 250 Jahre. Soll man eine Hommage an den Ort seiner Kindheit schreiben, auch wenn er bei heutigem Hinsehen nichts Besonderes zu sein scheint? Der Ort der Kindheit bleibt immer ein eigener, geheimnisvoller Ort, den … Weiterlesen
Joachim Herz 80
von Joachim Großkreutz Der Komischen Oper ist er 28 Jahre lang eng verbunden gewesen, anfangs als Spielleiter im Ensemble, lange als Gastregisseur, von 1976 bis 1981 als Intendant und Chefregisseur. Begonnen hatte alles mit einem Aufsatz von Joachim Herz, der … Weiterlesen
Freiheit zum Bösen
von Frank Hanisch Im Gebäude der Psychologischen Sektion auf dem Campus der Stanford Universität in Kalifornien ereignete sich 1971 Unerhörtes: Im Rahmen einer Studie wurden 24 Studenten gesucht, die nach dem Zufallsprinzip eine Rolle als Gefängniswärter oder Sträfling zugeteilt bekamen, … Weiterlesen
Foltern wie im Irak
von Klaus Hart, Rio de Janeiro Die Folterfotos aus dem Irak zeigen uns unglücklicherweise überhaupt nichts Neues, das kennen wir alles«, sagt Isabel Peres, Leiterin der brasilianischen Sektion von ACAT – Christen für die Abschaffung der Folter – in São … Weiterlesen
Tschernobyls Schatten
von Kathrin Singer, Kiew In den Regalen des Lebensmittelladens von Jelne stehen fein säuberlich Zucker, Schokolade, Spaghetti und Bier aufgereiht. Milch wird man hier vergeblich suchen. »Die braucht keiner«, so die feste Überzeugung der Verkäuferin. Die versammelten Frauen im Laden, … Weiterlesen
Gleiche Brüder – gleiche Kappen
von Wladimir Wolynski, z.Z. Baku Eben hatte sich Wladimir Putin ein zweites Mal zum Präsidenten von Rußland wählen lassen, da wurde vor laufenden Kameras sein Mann in Grosny, der Mufti Achmad Kadyrow, in die Luft gesprengt. Unter den weiteren Opfern … Weiterlesen
Gubener Plinsen
von Max Hagebök In den wenigen Kneipen, die es noch in Guben gibt, werden sie als einheimische Spezialitäten angepriesen: Gubener Plinsen. Mit Butter und Zucker sind sie wieder Heimat geworden. Eine Heimat, die mich vor dreißig Jahren verlor. Mich trieb … Weiterlesen
Wahlverwandtschaften
von Arndt Hopfmann Ein paar Mal werden wir noch wach, dann ist es mal wieder soweit – die Abgeordneten des »Europa-Parlaments« wollen gewählt werden. Natürlich geht es bei dieser Wahl gar nicht wirklich um »ganz« Europa und sein Parlament, sondern … Weiterlesen
Alter Adam, alte Eva
von Hans-Dieter Schütt Es ist nicht ohne Paradoxie, daß Gaus in der Lage ist, just jenen Menschen das Selbstwertgefühl zu bekräftigen, die gerade ihn vor noch nicht allzu langer Zeit möglicherweise nur als einen geschichtlich Kleinmütigen betrachtet hätten. Der Begriff … Weiterlesen
Journalistenneugier
von Frank Schumann Wir haben sieben Bücher miteinander gemacht, fünf davon waren Zur Person. Die Verbindung zum Verleger hielt er meist übers Telefon, zuweilen schaute er jedoch auch bei der edition ost in der Friedrichstraße vorbei, wenn es denn zeitlich … Weiterlesen
Wiesner und Blix
von Fritz Klein Viele erinnern sich an Hans Blix, den Vorsitzenden der von der UNO eingesetzten Überwachungs-, Verifikations- und Inspektionskommission, die in den Irak entsandt wurde, um Massenvernichtungswaffen aufzuspüren, deren Existenz ein Grund für die USA war, dem Irak mit … Weiterlesen
Gras drüber, die Zweite
von Reinhard Stöckel Karst? Völlig ahnungslos der Mann. Der war so was von fertig. Der tat mir einfach leid. Da habe ich ihm einen kleinen Tschorsch-Dabbelljuh … Na, das ist dieses Zeug, das fast alle bei uns nehmen, wenn’s mal … Weiterlesen
Dichters Ort
von Kai Agthe Am Anfang war das Wort, und es ist ein Goethesches, mithin ein vielzitiertes: »Wer den Dichter will verstehen / Muß in Dichters Lande gehen.« Ein Motto, das sich der Verfasser des Buches Dichterhäuser ebenso zu eigen machte … Weiterlesen
Ausgerechnet Bananen
von Liesel Markowski Die gelben Südfrüchte scheinen in der Berliner Komischen Oper zu einer Art Symbol zu werden. Bereits vor zwei Jahren, als Andreas Homoki seinen Einstand als Chefregisseur gab, tauchten in der Verkauften Braut Bananen auf. Jetzt wurden bei … Weiterlesen
Ein aufregender Banause
von Frank Ufen Was muß man wissen, wenn man den Anspruch erheben will, gebildet zu sein? Dietrich Schwanitz hat hierauf vor einigen Jahren eine Antwort gegeben, die viel für sich zu haben scheint: Man muß in erster Linie wissen, wie … Weiterlesen
Rund um den Potsdamer Platz
von Walter-Thomas Heyn Nun ist Europa größer geworden und beginnt sich zur Kenntlichkeit zu verändern. 59 Jahre sind seit dem Kriegsende vergangen – auch dieses lästige Thema kreist und nagt, und das Wetter war schlecht. Wir schmähten den Kleingarten und … Weiterlesen
Prolog
von Helmut Baierl Jüngst ging ich spazieren zum Potsdamer Platz. Da wuchsen Skelette zu Riesen. Wo einstens Gewimmel war, fröhliche Hatz, Die Dichter haben’s gepriesen. Da ging ich, still sinnend, so vor mich hin: Was würde aus alledem werden? Der … Weiterlesen
Europhorie
von Ronald Lötzsch Das euphorische Gelaber um die EU-Erweiterung treibt seltsame Blüten. Die Kanzlererklärung am 30. April im Bundestag und die anschließende Debatte konnte man dank Phoenix live erleben. Angela Merkel legte dabei Wert darauf, nicht einfach von Vereinigung, sondern … Weiterlesen
Tage der Commune
von Wolfgang Haible, Peking Gestern habe ich zum ersten Mal die Internationale auf Chinesisch gehört und bewegte rote Fahnen – ohne jene Sterne, die ansonsten die an bewachten Masten hängende Beflaggung zieren – gesehen: Wir waren in einem Theater, das … Weiterlesen
Marktwirtschaft
von Wladislaw Hedeler, z.Z. Moskau In den Kassen rechts und links vom Haupteingang zum Ausstellungsgelände der WDNCh, der Ausstellung der Errungenschaften der Volkswirtschaft in Moskau, werden längst keine Eintrittskarten mehr verkauft. Über einigen der Schalterfenster kleben verblichene Plakate, nur an … Weiterlesen
Neue Rechte, Neue Linke
von Judith Delheim, z.Z. Warschau Zu Beginn seines Wirkens hatte Hitler ein wirklich gutes Programm … Er hat Deutschland tatsächlich auf die Beine gestellt. Er hat die Arbeitslosigkeit beseitigt, eine breite Arbeitsfront geschaffen usw. Ich weiß nicht, was dann mit … Weiterlesen
Der Golem rebelliert
von Uri Avnery, Tel Aviv Nach einer Legende ist der Golem ein künstliches Geschöpf, das mit gewaltiger Stärke ausgestattet war. Rabbiner Judah Loew von Prag schuf ihn aus Ton und gab ihm Leben, indem er ihm ein Stück Papier mit … Weiterlesen
Gottlose Schwaben
von Peter Bräunlein Ulm, das ist für viele Nichtschwaben das Münster mit dem höchsten Kirchturm der Welt. Zwar sind die 115000 Ulmer überwiegend Kirchenmitglieder (39 Prozent katholisch, 28,3 Prozent evangelisch), die Begeisterung über den Katholikentag vom 16. bis 20. Juni … Weiterlesen
Deutsche Wunder
von Klaus Hansen Der 4. Juli ist der Tag der Unabhängigkeitserklärung in den USA. Er wird als Nationalfeiertag begangen. Die Erinnerung an 1776 soll wachgehalten werden. Auch die Deutschen haben ihren 4. Juli. Er ist der inoffizielle und geheime Nationalfeiertag, … Weiterlesen
Inkontinente Parasiten
von Jörn Schütrumpf Der Ton gegenüber der Aufbaugeneration wird rauher: Sie verbrauche, was eigentlich den jungen Leistungsträgern zustehe, und zerstöre so die lichte Zukunft des neoliberalen Heldenlebens. Während die akademische Jugend mit rettungslos überfüllten Hörsälen in Arbeitsunfähigkeit und Depressionen getrieben … Weiterlesen
Gras drüber, die Erste
von Reinhard Stöckel Hier, so hatte es auf dem Schild gestanden, entsteht eine Wiese. Jetzt ist sie da, die Wiese. Im niederlausitzer Sommerwind wiegen sich leicht gebräunte Gräser und duftende Kräuter. Beifußpollen und andere allergene Blütenstäube schweben durch die Luft, … Weiterlesen
Von einem, der auszog, die Zeit einzufangen
von Peter Braune Mein Freund Michael hat ein Problem: Er hat niemals Zeit. Seit zehn Jahren treffen wir uns, wenn ich ihn sehen möchte, auf einen Sprung in einem Steh-Café gleich unter der S-Bahn. »Für mich zwei Töppe Kaffee, ohne … Weiterlesen
Nur der Fernseher fehlt
von Gerhard Wagner Das Stadtmuseum Berlin lädt zu einer Dauerausstellung. Diese schlägt mit dem Bürgerlichen Wohnen im Biedermeier Motive der deutschen Kultur an, die zwischen 1815 und 1848 entstanden. So zeigt sie, daß mit schlichten, praktischen und formschönen Möbeln und … Weiterlesen
Der Elefantenmensch
von Detlef Kannapin Es gibt sie ja schon lange nicht mehr, die Kritiker von Format. Vom Film will ich gar nicht reden. Da wird jeder ästhetische Spagat zwischen lebensbejahend und suizidfördernd in ein und demselben Film zur filmhistorischen Tat hochgesprochen. … Weiterlesen
Immer lustig und vergnügt …
von Martin Nicklaus Wenn Kohlendioxid bei der Erderwärmung den Einfluß hat, den uns die Debatten darum Glauben machen sollen, dann werden wir jämmerlich eingehen. Dafür sorgen schon China, Indien, Rußland, Japan und die sich in dieser Angelegenheit außerhalb von Verantwortung … Weiterlesen
Der Trote
von Klaus Hart, Rio de Janeiro Zehntausende neuimmatrikulierte Studenten des Tropenlandes sehen in diesen Tagen übel zugerichtet aus: Wie ein Häufchen Unglück, schauen sie triste, schicksalsergeben. Die älteren Semester haben sie aus Hörsälen gezerrt oder gleich auf dem Campus abgepaßt, … Weiterlesen
Bach-Noten für die Anerkennung
von Kathrin Singer, Kiew Erstmals, so hatte die Deutsche Botschaft in Kiew im Dezember des vergangenen Jahres verlauten lassen, führe das Orchester der Nationalen Philharmonie unter der Leitung des in Deutschland lebenden ukrainischen Dirigenten Igor Blaschkow in Kiew Werke aus … Weiterlesen
Arthur Rosenberg
von Jörn Schütrumpf Er war einer der umstrittensten Repräsentanten des Übergangs von Rosa Luxemburg zu Ernst Thälmann: Arthur Rosenberg (1889–1943), der hochbegabte Sproß aus dem Süden der Slowakei zugewanderter minderbegüterter Berliner Juden. Den Zivilisationsbruch des Ersten Weltkrieges hatte der erfolgreiche … Weiterlesen
Sächsisches Heldengedenken
von Jochen Mattern Seit Anfang des Jahres ist am Schauspiel Dresden eine Aufführung des Stückes Die Ermittlung von Peter Weiss zu sehen. Das Oratorium in elf Gesängen, das 1965 seine Uraufführung erlebte, verarbeitet Materialien des ersten Ausschwitzprozesses 1963 bis 1965. … Weiterlesen
»Ich bin ein Mensch – holt mich hier raus!«
von André Hagel Die Warnung kam, als das Kind längst in den Brunnen gefallen war: »Erhalten Sie sich einen starken öffentlich-rechtlichen Rundfunk!«, appellierte vor vier Jahren Robert Chesney, Medienwissenschaftler an der Universität von Illinois/USA, an die Europäer. »Kommerzielles Fernsehen ist … Weiterlesen
Literaturen
von Kurt Merkel Man erinnert sich an die zuweilen durchaus auch vergnüglich gewesene Fernsehsendung des bekannten Großkritikers zum Zwecke der Literaturzertrümmerung. Und man erinnert sich an den gegen empfangene Beleidigung protestierenden Auszug der Frau Löffler aus der Diskussionsrunde. Diese ist … Weiterlesen
Atta in Venice
von Wolfram Adolphi Mit einigem Erstaunen mußte ich kürzlich selbst im von mir geschätzten Freitag lesen, daß die Attentäter des 11. September 2001 »bekanntlich« mit Teppichmessern agiert hätten. Bekanntlich? Noch immer gibt es – trotz ganzer Regale voll Literatur über … Weiterlesen
Fiasko des Imperialen
von Erhard Crome Die Haager Landkriegsordnung von 1907 legte bereits in dem Kapitel über die Mittel zur Schädigung des Feindes fest, daß es untersagt ist, »unverteidigte Städte, Dörfer, Wohnstätten oder Gebäude, mit welchen Mitteln es auch sei, anzugreifen oder zu … Weiterlesen
Antonín Dvořák
von Horst Grunert Was hat Dvořák mit der Nationalitätenpolitik des Wiener Hofes zu tun? Eigentlich nichts. Dvořák war ein stolzer Tscheche, aber auch ein loyaler Untertan der Habsburger Monarchie. 1901, drei Jahre vor seinem Tod, wurde der weltberühmte Komponist, der … Weiterlesen
Es Schillert
von Renate Hoffmann Wer nach der zündenden Idee sucht, findet sie in einem Brief. Aus Stäfa am Zürichsee schreibt Goethe am 14. Oktober 1797 an Friedrich Schiller: »Ich bin fast überzeugt, daß die Fabel vom Tell sich werde episch behandeln … Weiterlesen
»Solches Affe!«
von Kai Agthe Die Fraktionen sind im Falle dieses Autors klar getrennt: Entweder man hat noch nie etwas von ihm gehört, oder man ist ein begeisterter Leser seiner Geschichten und bestrebt, jede Zeile von ihm ausfindig zu machen. Zwischen diesen … Weiterlesen
Ikonen des 20. Jahrhunderts
von Klaus Hammer Es ist das allerletzte Bild und vielleicht das kraftvollste, das er gemalt hat – Der Traum (1910) des »naiven« Zöllners Henri Rousseau. Es ist Nacht, eine schwarze Gestalt spielt beschwörend die Flöte, und ihr Klang verzaubert die … Weiterlesen
Eine »andere« Bibliothek der Weltliteratur
von Mathias Iven Echte Bildung ist nicht Bildung zu irgendeinem Zwecke, sondern sie hat, wie jedes Streben nach dem Vollkommenen, ihren Sinn in sich selbst.« Mit diesem Satz beginnt Hermann Hesse seine Überlegungen zu einer Bibliothek der Weltliteratur. Kann es … Weiterlesen
Laptop-Schnüffler
von Max Watts, Annandale Im August 2002 schrieb der australische Journalist John Macgregor einen längeren Artikel über die Sekte Elan Vital des indischen Guru Maharaji, der neben diversen anderen »Geschäften« auch in Ipswich, Queensland, das große »Ivory Rock Conference Centre« … Weiterlesen
Clima de Velorio – Begräbnisstimmung
von Klaus Hart, Rio de Janeiro Im Nationalkongreß von Brasilia droht im März ein verzweifelter Arbeitsloser damit, sich von der hohen Zuschauer-Brüstung in den Senatssaal zu stürzen – die Parlamentarier unten springen aus den bequemen Ledersesseln, flehen ihn an, es … Weiterlesen
Hölzer oder ‘nen Bonbon?
von Wladislaw Hedeler, z.Z. Karaganda Wer im Winter nach Kasachstan kommt, muß auf Schneestürme gefaßt sein, die plötzlich hereinbrechen, den Verkehr zum Erliegen bringen und das Leben zu lähmen scheinen. Dann werden die Ausfallstraßen in den Abendstunden gesperrt. Wann Entwarnung … Weiterlesen
Polnische Preiselbeeren
von Gerd Kaiser, z.Z. Warschau Warszawa, 27. März 2004, 12.00 Uhr mittags, high noon … Marek Borowski, Sejm-Marschall, verkündet die Gründung der Polnischen Sozialdemokratie (SDPL, Socjaldemokracja Polskiej). Fünf Senatoren, zwei der SLD und drei weitere der mit der SLD koalierenden … Weiterlesen
Waffenbrüder
von Wolfgang Sabath Wir erinnern uns: Als sich unlängst in der Eröffnungsrede zur Leipziger Buchmesse die damalige lettische Außenministerin Sandra Kalniete in einer Gleichsetzung von Faschismus und Kommunismus gefiel, verließ Salomon Korn, Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, aus … Weiterlesen
Opfer des Kapitalismus
von Jörn Schütrumpf Ein einstiger Kanzlerberater plauderte jüngst, Gerhard Schröder habe der hochwassergeförderte Wahlsieg im Jahre 2002 überhaupt nicht in die Lebensplanung gepaßt. Nach vier Jahren Bonn-Berliner Medienzirkus hatte er endlich richtig und vor allem sozial abgesichert Geld verdienen wollen … Weiterlesen
Antworten
Ludwig Georg Braun, Unternehmer, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages – Bundeskanzler Gerhard Schröder warf Ihnen neulich mangelnden Patriotismus vor, weil Sie die deutsche Unternehmerschaft aufriefen, die EU-Osterweiterung zu nutzen und im Osten billig produzieren zu lassen; wir indes halten … Weiterlesen
Orfeo 1607
von Liesel Markowski Fast 400 Jahre ist sie alt und die erste bedeutende Oper überhaupt: L’orfeo vom kühnen Renaissance-Italiener Claudio Monteverdi und seinem kongenialen Librettisten Alessandro Striggio 1607 in Mantua uraufgeführt. Jetzt wurde das Frühwerk des Musiktheaters zu den Cadenza … Weiterlesen
Dümmer geht’s nimmer?
von Lotar Cibis Von wegen! Wer das Spiel der Fernsehsender nicht durchschaut, wird schamlos abgezockt. Pausenlos werden wir Fernsehverbraucher aufgefordert, irgendein Votum abzugeben. Da wird in einem Vorabendmagazin, das von Tratsch und Klatsch lebt, aufgefordert, nur mal eine simple Frage … Weiterlesen
New Yorker des Ostens
von Peter Jacobs Eine Schlagzeile wie in eigener Sache: »Erfolg, was ist das?« Die Frage zierte den Titel der Februar-Ausgabe eines journalistischen Ostprodukts und ist an sechs Glückssucher Ost gerichtet, vom Stukkateur bis zum Barkeeper. Einen siebenten Kandidaten befragte das … Weiterlesen
Blechspielzeug
von Erhard Weinholz Neulich, bei seinem 57. Geburtstag, empfing uns G. mit einem Abzeichen am Hemd, einem Button, wie man das heute nennt. »It’s a party« stand darauf, und zwei abwechselnd aufleuchtende winzige rote Lämpchen signalisierten – ja, was? Vermutlich … Weiterlesen
Blickwechsel
von Elke Sadzinski Es gibt Stimmungslagen, da scheint ein Spaziergang geeignet, Licht ins Dunkel zu bringen. Dann treibt es mich an Ecken dieser Stadt, mit denen ich eine offene Rechnung habe. Nach der Wende war das eine beträchtliche. Sie betraf … Weiterlesen
Passionsgeschichte
von Hermann-Peter Eberlein Es ist schon ein Kreuz mit dem Verhältnis zwischen Christen und Juden – angefangen von den Zeiten, da der Jude Jesus von Nazareth an einem solchen starb und seine Anhänger(innen) nichts anderes waren als eine kleine jüdische … Weiterlesen
Reisen in die Hölle
von Achim Engelberg Seit dreißig Jahren reist der Reporter Charlie Johnson von Krisenherd zu Krisenherd. Manche glauben sogar, er brauche Reisen in die Hölle, um sich lebendig zu fühlen. In Bosnien, es ist sein erster Krieg in Europa, kommt es … Weiterlesen
Chinesisch
von Wolfgang Haible, Peking Nach einem halben Jahr Deutschland bin ich wieder in Beijing; SARS ist praktisch vergessen, von der Vogelpest ist im Alltag wenig zu spüren. In manchen Lokalen gibt es kein Hühnerfleisch; aber auf dem Markt werden Eier … Weiterlesen
Rußland den Russen?
von Wladimir Wolynski, Moskau Zu Zeiten der Sowjetmacht war in Rußland ein Wortspiel mit den Titeln der Partei- und der Regierungszeitung im Schwange: In der Prawda gebe es nichts Neues und in der Izvestija nichts Wahres. Dieser Witz ist – … Weiterlesen
Premiere
von Mathias Käther Beim erstenmal da tuts noch weh, da glaubt man noch, daß man es nie verwinden kann, doch mit der Zeit, so peu a peu, gewöhnt man sich daran … Alter Schlager Lange habe ich nur von ihm … Weiterlesen
Heimatlose Linke
von Max Hagebök Ich bin ein Steinläufer. Täglich bewege ich meinen überwinterten Körper durch die Stadt. An den bunten Massen vorbei, die sich kaffeeschlürfend in die Sonne stürzen, suche ich stolpernd nach den letzten Linken. Es muß sie geben. Las … Weiterlesen
Komiker
von Ove Lieh Wir müssen uns ehrlich machen!«, sagt Franz Müntefering. Richtig, sage ich, Schluß mit der Schwindelei. Und er sagt: »Wir arbeiten doch alle längst in einer globalen Fabrik!« Schön wär’s ja, seufzen ein paar Millionen Arbeitslose allein in … Weiterlesen
Ein Traum von einem Projekt
von Alfred Wilhelm Sie gehören bald zu den meistgehaßten Leuten der Branche!« Herr Müller sah mich aus seinem mageren Gesicht an. »Glauben Sie nicht? Sie werden sehen …« Ich weiß nicht, was er mir in diesem Moment sagen wollte. Recht … Weiterlesen
Proteste gegen wen?
von Wolfram Adolphi Das Wetter hätte nicht schöner sein können in Berlin an diesem 3. April, dem Europäischen Protesttag gegen den Sozialabbau: Sonne und frühlingssanfte 18 Grad sind eine kaum zurückweisbare Einladung, auf die Straße zu gehen, und in der … Weiterlesen
Augen des Gesetzes
von Renate Hoffmann Rechtsufrig am Rhein. Auf den Höhen mit der seelenweitenden Fernschau. Weiter, weiter flußabwärts. Bis zum Plateau der Erpeler Ley. Wo 1909 die erste Fahrt eines lenkbaren Luftschiffes über den Rhein vonstatten ging. Wo man auf die Goldene … Weiterlesen
Komikaze
von Christian Funke Einige Jahre nach der Zeit, als der erste Herzschrittmacher und die künstliche Niere erfunden waren, kam auch ein Apparat in Umlauf, der ebenfalls der Belebung des menschlichen Organismus dienen sollte. Eine leichte Prothese für Menschen mit Humorschwäche: … Weiterlesen
Profile
von Wolfgang Sabath Ich fürchte, daß Nachgeborene nach der Lektüre dieses Buches – so sie sich denn darauf einließen, einer Geschichte aus alter Zeit Respekt und Sentiment zu widmen – einigermaßen hilflos und auch voll Unverstand auf das Buch reagieren … Weiterlesen
Das Zauberwort
von Klaus Hansen Das Zauberwort heißt Kommunikation. Es ist ein Wort ohne Widerspruch. Wo sich ein Manko zeigt, sei es im Jahresumsatz des Einzelhandels, im Verhältnis zwischen Mann und Frau oder in der Glaubwürdigkeit der Regierung: Jedesmal wird als Ursache … Weiterlesen
Augen zu und durch?
von Hans Walter, Budapest Auf meinem täglichen Weg ins Büro werde ich regelmäßig von Leuten in unansehnlicher Kleidung angesprochen, die mir eine ebenso unansehnliche Zeitung verkaufen wollen. Es sind immer dieselben Leute, und es ist immer dieselbe Zeitung. Eigentlich handelt … Weiterlesen
Ein Banker kommt selten allein
von Gerd Kaiser Eben wurde der Chef der Nationalbank Polens, Leszek Balcerowicz, als Banker 2004 erwählt. Auf den Schild erhob ihn die britische Zeitschrift The Banker. Nun gab und gibt es in Polen eindeutig klügere und erfahrenere Wirtschaftswissenschaftler als Balcerowicz … Weiterlesen
Lernfähige Generäle
von Wladimir Wolynski, Moskau Russische Zeitungen sind besser als ihr Ruf. Natürlich gibt es auch hier Blätter für Hirnamputierte vom Typ der deutschen BILD; aber es existieren erfreulicherweise auch Zeitungen mit Niveau. Gegenwärtig diskutieren einige dieser Zeitungen die Wechselbeziehungen zwischen … Weiterlesen
Dritter Putsch in Venezuela?
von Otto Pfeiffer Im April 2002 hatte »Carmona der Kurze«, der von militärischen und zivilen Verschwörern als »Übergangspräsident« eingesetzte Chef des Industriellenverbandes, keine drei Tage regiert, als ihn anderthalb Millionen Bewohner der Armenviertel von Caracas und verfassungstreue Militärs davonjagten und … Weiterlesen
Oh, I see!
von Kurt Merkel Es war im Jahre 1986, als die Amerikaner zu der Überzeugung kamen, ihr alter Freund, der philippinische Präsident Ferdinand Marcos, habe ausgedient, weil er nicht mehr in der Lage war, die Sicherheit im Lande zu gewährleisten, und … Weiterlesen
Demokratisches und Linkes
von Erhard Crome Das Volk kommt nicht vor. Im Gleichschritt mit Berlusconis Gazetten vermelden die mehr oder weniger zentralen Organe des deutschen Kapitals, die Ankündigung des Truppenabzugs aus dem Irak durch die neue spanische Regierung sei Kapitulation vor dem Feind, … Weiterlesen
Protestantisch unverdaulich
von Martin Schirdewan Schon lange suche ich nach einer Erklärung für den sozialdemokratischen Eifer, die gesellschaftlichen Grundlagen des homo politicus et socialis gründlich und endgültig in die Degeneration zu treiben. Bekannt sind mir natürlich die ökonomischen Erklärungsmuster, die die Handelnden … Weiterlesen
Ein Buch als Anlaß
von Lutz Rathenow Eigentlich geht es nur um ein Buch. Das heißt Für heute reicht’s und beginnt verhalten. Eine eher stille, intensiv beschreibende Literatur. In einer Berliner Schauspielschule erfährt eine Elsa, kurz zuvor noch Schülerin, daß etwas an ihrem alten … Weiterlesen
Schreiben als Rettung
von Klaus Hammer Als er 1990 nach vierzehnjähriger Abwesenheit in seine Heimatstadt Sangerhausen zurückkehrte, hat er die nächtlich menschenleeren Straßen und abweisenden Häuserfassaden im gespenstischen Hell-Dunkel fotografiert – wie verlassene Bühnenkulissen muten diese Bilder der Tristesse und des Verfalls an. … Weiterlesen
Der »Affe Goethes«?
von Kai Agthe Das Gros dessen, was Literaturwissenschaftler über Jakob Lenz in den ersten einhundert Jahren nach seinem Tod schrieben, würde, wenn schon nicht im juristischen, so doch im moralischen Sinne den Tatbestand der üblen Nachrede erfüllen. Das Verdienst, das … Weiterlesen
Parallelaktionen
von Mathias Iven, Brüssel Nach jahrzehntelanger Recherchearbeit – seit fast vierzig Jahren ist Karl Corino dem Werk von Robert Musil geradezu verfallen – liegt jetzt etwas vor, daß »nach Inkubationszeit und Länge« in die verdächtige Nähe zu Musils Hauptwerk, dem … Weiterlesen
Der lange Weg zur Donau
von Ulrich Brockmeyer, Budapest Leo Kleinschmidt fährt mit dem Zug und mit großem Gepäck nach Ungarn. Sein Ziel ist Budapest. Das ist jedoch nur ein Reiseziel, etwas Geographisches. Das eigentliche Ziel läßt sich nicht in einem Ortsnamen, einem Wort, einem … Weiterlesen
Rakowski
von Holger Politt, Warschau Mittlerweile ist das ungewöhnliche Projekt in die Jahre gekommen. Als 1998 der erste Band, die Jahre 1958 bis 1962 betreffend, in den Buchhandel kam, schlugen die Wellen beim Thema Volksrepublik Polen noch sehr hoch. Doch die … Weiterlesen
Ukrainischer Büchermarkt
von M. R. Richter, Kiew Viele Besucher der Sowjetunion berichteten einst erstaunt über die Lesefreudigkeit der Bevölkerung, über das »Leseland« von Brest bis Wladiwostok. In der Metro, an den Haltestellen, in den Warteschlangen vor der Geschäften, überall traf man auf … Weiterlesen
Kropotkin
von Hermann-Peter Eberlein Selten ist unstreitig ein Revolutionär so human gewesen und – seines Widerwillens gegen das Bürgertum ungeachtet – so mild«, urteilte einst Georg Brandes über Peter Kropotkin – und diese Einschätzung gilt ebenso für dessen russische Literaturgeschichte, die … Weiterlesen
Sacharow
von Gisela Reller Richard Lourie ist Amerikaner, er lebt in New York. Es gibt von ihm schon Stalin, die (fiktiven) geheimen Aufzeichnungen des Jossif Wissarionowitsch Dschugaschwili. Nun liegt Sacharow vor, eine Biographie des »Vaters der sowjetischen Wasserstoffbombe«. Richard Lourie hatte … Weiterlesen
Endstation Butowo
von Wladislaw Hedeler Im Dezember 2003 erschien der siebente Band des Butowski poligon, begonnen worden war mit der Edition der Todeslisten im Jahre 1997. Vom 8. August 1937 bis zum 19. Oktober 1938 wurden in Butowo bei Moskau 19903 Männern … Weiterlesen
Sibirische Gefangenschaft
von Fritz Klein Über Sibirien als Land der Gefangenschaft und Verbannung in zaristischer und sowjetischer Zeit existiert eine Fülle wissenschaftlicher, publizistischer und belletristischer Literatur. Zu einer bisher kaum beachteten Facette des großen Themas, dem Schicksal vieler Tausend Zivilgefangener im Ersten … Weiterlesen
Vertreibung und Aussiedlung
von Wolfgang Sabath Schon vor längerem haben die Deutschen mehrheitlich mit sich vereinbart, die Kriegs- und die Nachkriegszeit für beendet zu erklären. Außerdem haben sie ihr Tätergewesensein endgültig satt und wollen nun auch endlich mal zu den Opfern gehören. Was … Weiterlesen
Macht außer Kontrolle
von Wolfram Adolphi Als ich bei CNN Clinton im Verhör beobachtete, die Staatsanwälte blieben im ›off‹, schoß mir die Frage durch den Kopf: Hat das nicht stalinistische Züge? Im Namen des Rechts wird Recht – the rule of the law … Weiterlesen
Sieg oder Holocaust
von Andreas Mink, New York Angriff ist die beste Verteidigung: Das ist die Essenz des neuen Buches An End to Evil, mit dem David Frum und Richard Perle Amerika zum »Sieg im Krieg gegen den Terror« verhelfen wollen. Die Autoren … Weiterlesen
Stamokap
Ernst Bloch pflegte bei derlei Vorgängen zu sagen, Deutschland verändere sich zur Kenntlichkeit, werde also an der Oberfläche seinem Wesen immer ähnlicher. Die politische Klasse ist so heruntergekommen, daß sie nicht einmal ein vorzeigbares Staatsoberhaupt bereitzustellen vermag. Diesem Personal, dem … Weiterlesen
Tolle Kollekte
von Erhard Crome Das wird ja eine tolle Kollekte, dachte sich wohl der Eichel, als er die fiktiven Mauteinnahmen schon mal verbuchte. Das Geld war zwar noch nicht da; aber es wurde behandelt, als klingelte es bereits im Kasten. Schöne … Weiterlesen
Negativauslese
von Jörn Schütrumpf Politik ist eine viel zu ernste Angelegenheit, als daß man sie Politikern allein überlassen könnte. Solche Aussage würde jeder Dreher – gewendet auf sein Fach – ebenso strikt von sich weisen, wie Politiker meinen, Politik sei ausschließlich … Weiterlesen
Politikfähigkeit
von Paul Oswald Politiker und Politikdarsteller hierzulande – und vermutlich auch in anderen Landen mitteleuropäischen Zuschnitts – haben zwei Lieblingsvokabeln, mit denen sie in der Regel Geister und Ungeister sowie Kritiker und Kritikaster trefflich ruhigstellen können; sie lauten: Verantwortung und … Weiterlesen
Erinnere dich, Schwester
von Klaus Hansen Meine Sympathie für die SPD hat viel mit persönlicher Dankbarkeit zu tun. Ich bin ein Produkt sozialdemokratischer Bildungspolitik. Als man Anfang der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts entdeckte, daß in der BRD nur sechs Prozent eines Altersjahrganges … Weiterlesen
In den Vorgaben des Neoliberalismus
von Erhard Crome Die sogenannten Kompromisse zur Steuerpolitik werden nicht weit tragen. Die Rentenkürzungen stehen schon. Die Arbeitslosenunterstützung wird zur Sozialhilfe gemacht. Der Arztbesuch kostet Eintritt. Herrlichen Zeiten werden wir entgegengeführt. Schaut man genauer hin, was die »Vordenker« des Kapitals … Weiterlesen
Wehret den Anfängern!
von Helmut Höge Ich hatte Depressionen, Arbeitsstörungen, Kontaktschwierigkeiten, war einfach kaputt – und dann plötzlich die Demonstrationen, die neuen Kontakte, die ganzen Aktivitäten; es war wie eine Befreiung«, so äußerte sich ein Student in einer Kursbuch-Studie über »Politisierung« 1971. Und … Weiterlesen
Huren des Zeitgeistes
In der DDR, aber auch unter gebildeten Westdeutschen – zumindest jenen, die ich Gelegenheit hatte kennenzulernen – galt es vor 1989 als allgemeines Bildungsgut, daß sowohl Widerstand gegen die Nazis als auch Mittun bei ihnen 1944 nicht unbedingt dasselbe gewesen … Weiterlesen
Antideutsche Kriegshetze
von Erhard Crome Kurz nach dem historischen Vorgang, der gemeinhin als deutsche Vereinigung bezeichnet wird, hatten wir, eine Gruppe von Leuten, die schon in der DDR mit internationaler Politik beschäftigt war, ein Seminar, an dem auch ein Herr von der … Weiterlesen
Bewegung ohne Partei?
von Jörn Schütrumpf Betrachtet man das historische Ausmaß der (sozial-)demokratisch betriebenen Zerstörung von Vernunft und Sozialstaat, vermag man sich einem unerhörten Gedanken kaum verschließen: über den sozialpolitisch innovativen Revolutionsbekämpfer Bismarck und jene seiner Taten, die die Linke bisher für besonders … Weiterlesen
Unsere Kriege
von Kurt Merkel Am 15. Oktober begann vor dem Landgericht Bonn ein denkwürdiger Prozeß: Die ausschließlich zivilen Opfer des NATO-Luftangriffs auf die Brücke von Varvarin am 30. Mai 1999 klagen gegen die mitverantwortliche deutsche Regierung auf Schadenersatz und Schmerzensgeld. In … Weiterlesen
Nationalismus
von Jörn Schütrumpf Das Ende des Krieges erlebten viele Deutsche als Opfer: ausgebombt, gefangen, verschleppt, entehrt, vergewaltigt, vertrieben, von den Angehörigen getrennt, von Hunger gepeinigt. Zehntausende – wahrscheinlicher sind Hunderttausende, wenn nicht gar über eine Million – fanden den Tod. … Weiterlesen
Ultralinks?
von Jörn Schütrumpf Jüngst beklagte sich ein Leser, das Blättchen sei auf ultralinke Positionen gerückt, und blieb uns auch den Maßstab seines Urteils nicht schuldig: Der Kritik an der PDS sei es zuviel; das Maß sei überschritten und damit voll. … Weiterlesen
11. September
von Jürgen Scheich Flucht in die Botschaft. Das kleine Areal von Exterritorialität soll uns Schutz bieten. Am Morgen dieses elften September 1973 glauben einige noch immer nicht an einen Staatsstreich, obwohl davon seit Wochen im geschwätzigen Santiago die Rede ist. … Weiterlesen
Deutschland, einig Opferland
von Wolfgang Sabath Die Urlaubskarte kam aus dem Kurort Swieradów Zdrój. Da auch die Zeitungen auf dem Gebiet der einstigen besonderen politischen Einheit DDR seit langem alles daransetzen, die – nun schon seit einem halben Jahrhundert geltenden – polnischen Ortsbezeichnungen … Weiterlesen
Déjà vu?
von Erhard Crome Attac-Sommerakademie 2003: Ich wollte das mal erleben. Als am Samstagabend David Harvey aus New York, Elisabeth Gauthier aus Paris und Jörg Huffschmid aus Bremen zu dem Thema diskutierten: »Wer regiert die Welt?«, war die riesige Aula der … Weiterlesen
Kabale in Dresden
von Jochen Mattern Das Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung (HAIT) in Dresden existiert das zehnte Jahr. Ein Grund zum Feiern, sollte man meinen. Aus diesem Anlaß wurde eine »Jubiläumstagung« veranstaltet, die aus einer Festveranstaltung bestand, der sich an den zwei darauffolgenden Tagen … Weiterlesen
Probleme der Kolonialisierung
von Martin Schirdewan Die IG Metall kämpfte vier Wochen lang in den neuen Bundesländern um die Einführung der 35-Stunden-Woche. Erfolglos. Der Vorsitzende der IG Metall, Klaus Zwickel, schlug die Einstellung der Streiks vor. Sein designierter Nachfolger, Jürgen Peters, und der … Weiterlesen
Freiheit auf Sachalin
von Dietmar Schumann Montag, 26. Mai 2003, Jushno-Sachalinsk: Die Boeing-767 der russischen Fluggesellschaft Transaero, die uns von Moskau auf die Insel Sachalin bringt, ist bis auf den letzten Platz besetzt. Vor allem Amerikaner, Briten und Japaner sind an Bord, Manager … Weiterlesen
Nieder mit den polnischen Okkupanten!
von Agnieszka Wolk Laniewska / Mateusz Zgryzota, Warschau Polen wird treffsicher der trojanische Esel Amerikas in Europa genannt. Unsere bedauernswerten Großmachtambitionen lösen bei den Nachbarn, bei Deutschland, Rußland und auch Frankreich Irritationen aus. Nur durch eine belustigte Nachsicht werden sie … Weiterlesen
Roll back
von Jörn Schütrumpf Es ist wie in einer Schmiere: Weil in Partei und Gewerkschaft einige nicht vergessen können, daß beide ursprünglich einmal Klassenkampforganisationen gewesen sind, gerät der Kanzler in Bedrängnis. Der entscheidet sich daraufhin für einen ganz ungewöhnlichen Kniff: Er … Weiterlesen
Subordinateure
von Wolfram Adolphi Sie sind eine Bank, die Ossis in der SPD. Nicht für den Osten – natürlich. Denn man will doch nicht spalten, nicht wahr. Aber für den Kanzler – und das ist es schließlich, worauf es ankommt. Komme, … Weiterlesen
Fliegender Holländer
von Erhard Crome Die Weißen Tauben sind müde«, teilt ein angejahrtes Lied im Radio mit. Sind sie es? Kein Krieg in der bekannten Geschichte traf auf so starken Widerstand, bevor er tatsächlich ausgebrochen worden war. Die vielen Schüler, die so … Weiterlesen
Danksagung
von Stefan Bollinger Danke, Mr. President. Sie haben es geschafft, einige Wahrheiten deutlicher zu zeichnen, als dies manch Linker nach dem Crash des Staatssozialismus und dem Ende des Kalten Krieges wahrhaben wollte. Sie erinnern, daß moderner Kapitalismus – genauso wie … Weiterlesen
Asozialität, gesellschaftsfähig
von Jörn Schütrumpf Nach dem 11. September erbat sich Gerhard Schröder der Deutschen Zustimmung zu einem Feldzug gegen Osama Bin Laden mit dem Hinweis, nur so eine menschenfreundliche Sozialpolitik fortführen zu können; heute wirbt er für einen Feldzug gegen den … Weiterlesen
Welche Ordnung hat die Welt?
von Kurt Merkel Wie oft schon wurde über Gerhard Schröder gesagt, das Glück habe ihn verlassen. Mit seiner Gegnerschaft zum Irak-Krieg der Amerikaner war es ihm nicht nur nicht gelungen, den Verfall des Ansehens seiner Partei aufzuhalten, nein, befanden seine … Weiterlesen
Friktionen als Hindernis
von Erhard Crome »Friktion« hat Clausewitz das genannt, was »den wirklichen Krieg von dem auf dem Papier unterscheidet«. Er meinte die Reibungsverluste und Störungen, die beim Zusammenwirken militärischer Einheiten wegen ihres unterschiedlichen Zustandes, wegen des Wetters, des Geländes oder auch … Weiterlesen
Umweg in den Krieg
von Wolfgang Geier Der Irak, 1932 als souveräner Staat anerkannt und in den Völkerbund aufgenommen, wurde nach dem Zweiten Weltkrieg im Rahmen der globalen Strategie des containment und roll back zu einem wesentlichen Kalkül der Nahostpolitik der USA. Außerdem sind … Weiterlesen
Wohin treibt die Bundesrepublik?
von Jörn Schütrumpf Nach dem Fall von Paris stand Churchill plötzlich ganz allein in Europa da. Hitler war mit Chamberlains Appeasement nicht zu befrieden gewesen, und so hatte Churchill für seine Pensionärstätigkeit nur Tränen, Schweiß und Blut ererbt. Die Deutschen … Weiterlesen
Die große Lüge über den UN-Sicherheitsrat
von Kurt Merkel Selbst konservative Verteidiger der USA räumen längst ein, daß es keine Verbindung zwischen den Kriegszielen der Amerikaner im Irak und dem Auftrag der UN-Inspekteure gibt. Die Absicht der USA, über eine Entfernung Saddam Husseins und eine militärische … Weiterlesen
Hier spricht der Deutsche Soldatensender
von Michael Herms Wir senden täglich um 6.15 Uhr, 12.30 Uhr, 18 Uhr, 20.15 Uhr und 22.30 auf Mittelwelle 935 KHz. Viele Ostdeutsche der mittleren Generation werden sich noch gut an diese Anmoderation des in Burg bei Magdeburg stationierten und … Weiterlesen
Leben nach der Zukunft I
von André Brie Gute Frage. Kein Zweifel, Zukunft gibt es nicht mehr. Die Geschichte hat seit 1989/90 keine (meinte Fukuyama). Der Sozialismus war Zukunft, aber so wenig Gegenwart, daß er nun Vergangenheit ist. Die Zukunft der sozialen Sicherungssysteme wird gerade … Weiterlesen
Angekommen
von Kurt Merkel Immer wieder geht irgendwer oder irgendetwas irgendwo fort und kommt irgendwann irgendwo an. Und daraus ergeben sich so Fragen. Tucholsky fragte bekanntlich, nachdem er in der Weimarer Verfassung gelesen hatte, die Macht gehe vom Volke aus: Aber … Weiterlesen
Luxemburg-Gedenken
Im vorigen Blättchen berichteten wir an dieser Stelle von den Ereignissen am Morgen des Luxemburg-Liebknecht-Gedenkens 2002. Unterdessen wurde uns vom Berliner Landesvorstand der PDS ein Brief zugeleitet, den das Bezirksamt Lichtenberg von Berlin, Abteilung Stadtentwicklung, am 11. Juli 2002 an … Weiterlesen
Das Narrenschiff
von Wolfgang Sabath Wahrlich, liebenswert bis zum Gehtnichtmehr dieses Narrenschiff Deutschland. Man traut sich kaum, die Morgenzeitung aufzuschlagen – wer weiß denn, welche Überraschung heute wieder dekretiert, diskutiert oder angekündigt wird: Steuern, Mieten, Tarife, Preise, Renten, Krankenkassen, Billiggebisse – und … Weiterlesen
PDS-Monopol an Rosa Luxemburg?
Aufruf zur Bildung eines Anmelderkomitees für das Gedenken an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht am 12. Januar 2003
Die Bundestagswahlen hat die PDS nicht erst am 22. September verloren. Am Sonntag, dem 13. Januar 2002, kamen wir um 7 Uhr morgens auf den Platz vor der Gedenkstätte Friedrichsfelde, um den alljährlichen Stand aufzubauen. Doch anders als sonst waren … Weiterlesen
Aufruf zur Bildung eines Anmelderkomitees für das Gedenken an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht am 12. Januar 2003
Ankunft dank Auschwitz
von Jörn Schütrumpf Aus der Postmappe: »Da entblödet sich doch ein gewisser André Herzberg auf Seite 29 Ihrer jüngsten Nummer 22 nicht, in einer sogenannten ›Würdigung‹ des diesjährigen Literatur-Nobelpreisträgers sein Verständnis mitzuteilen, daß Kertész über seine Deportation als Kind nach … Weiterlesen
Kriegsbetreiber
von Erhard Crome Wir befinden uns in einem neuen Zeitalter des Krieges. Später werden sich die Historiker damit zu befassen haben, ob es trotz oder wegen all der Illusionen des Herbstes 1989/90 so wurde. Der nächste Feldzug also gegen den … Weiterlesen
Ohne Illusionen
von Kurt Merkel Nun soll die neue Regierung, die weitgehend die alte ist, da weitermachen, wo die alte, die vor vier Jahren ja mal die neue war, steckengeblieben ist. Der Kanzler, der damals als Kanzler eines Parteivorsitzenden und Superministers, der … Weiterlesen
Demokratischer Sozialismus
von Jörn Schütrumpf Im zerfallenen Ostblock konvertierten die gestürzten »Bruderparteien« – nach Auflösung und Neugründung oder Spaltung – entweder zur Sozialdemokratie oder beharrten, in zum Teil beträchtlichen Restbeständen, auf den Positionen ihrer Herrschaftszeit. Beides war der entmachteten Partei in der … Weiterlesen
Neue Herren im Kaukasus
von Dietmar Schumann, z.Z. Tbilissi Wer zahlt, der bestimmt die Musik. Das georgische Militärorchester intoniert Glenn Miller. Swinging Music aus den USA schallt über die Felder von Krtsanisi. Zwanzig Autominuten entfernt von Tbilissi wird das erste US-Militärcamp im Kaukasus eröffnet. … Weiterlesen
Morgen kommt Mehl
von Erhard Crome In den Buckower Elegien – Bertolt Brechts Versuch, den 17. Juni 1953 zu verarbeiten – findet sich auch das Gedicht Die Wahrheit einigt. Dort heißt es : »Freunde, ich wünschte, ihr wüßtet die Wahrheit / und sagtet … Weiterlesen
Unsere Führer
von Erhard Crome Zu den Eigentümlichkeiten des diesjährigen Bundestagswahlkampfes gehört, daß ein beträchtlicher Teil der Medien seit Monaten vermeldet, die C-Parteien würden vorn liegen. Und das, obwohl der Stoiber doch kaum gewollt wird, zumindest nicht unter dem Wahlvolk (außerhalb Bayerns). … Weiterlesen
Vaterverrat
von Gerhard Zwerenz Krieg sei kein legitimes Mittel der Politik, sagte die PDS-Abgeordnete Heidi Lippmann am 5. Juli 2002 im Bundestag, und Winfried Nachtwei von Bündnis 90/Die Grünen gefiel sich während ihrer Rede in 13 sauren Zwischenrufen. Vor vier Jahren … Weiterlesen
Reichtum heute
von Ulrich Busch Als der preußische König Friedrich Wilhelm I. zur Finanzierung öffentlicher Bauten und zum Ausgleich des Haushalts 1734 zusätzliche Einnahmen benötigte, zögerte er nicht lange, die fünfzig reichsten Familien Berlins und Potsdams zur Kasse zu bitten. Er begründete … Weiterlesen
Die Organisation verstößt ihre Gegner
von Wolfgang Sabath Das muß doch auffallen: So wenig PDS war lange nicht. Und es scheint, daß ihr sogar die verläßlichen Gegner peu à peu abhanden kommen. Nein, natürlich soll hier nicht die Weise von »Viel Feind, viel Ehr …« … Weiterlesen
Verlassen die Ratten den sinkenden Walser?
von Gerhard Zwerenz Der in eigenen konservativen Kreisen wegen des Verdachts unorthodoxer Gedanken nicht unumstrittene knabenhaft gestylte FAZ-Meisterfeuilletonist Frank Schirrmacher formulierte am 8. August 1997 in seinem Blatt ein paar erstaunliche Sätze als Programm »für die ungeschriebene Mentalitäts- und Geistesgeschichte … Weiterlesen
Meine Nostalgien
von Gerhard Zwerenz Da sitzen wir nun mit unserem großen Wissen in Europa herum. Der Sack voller Erkenntnisse ist im Keller abgestellt. Die Welt hält sich nicht an die Fahrpläne. Manchmal, hols der Teufel, vermisse ich die DDR gerade, weil … Weiterlesen
Chance für bunte Vögel?
von Wolfgang Sabath Nachdem das engere Führungspersonal der PDS das Wahlergebnis von Sachsen-Anhalt zunächst durch eine gutlaunige Vorwärtsverteidigung schönzureden getrachtet hatte, kamen wenig später soziologische Erhebungen auf den Tisch, die alle diesbezüglichen PR-Bemühungen zunichte machten. Der Selbstbetrug, man habe bei … Weiterlesen
Neoliberalismus mit menschlichem Antlitz
von Jörn Schütrumpf Gerhard Schröder droht die große Einsamkeit. Vier Jahre lang gab er den Clinton – stets in der Zuversicht, den Wählern wäre es letztlich egal, ob Deutschland als Präsidialdiktatur oder als Parteiendemokratie organisiert sei. Schröder pflegte den Wahn, … Weiterlesen
Regulierter Hedonismus
von Thomas Falkner Nun verschwinden sie von der politischen Bildfläche – die großen Deuter und Fürsprecher des wundersamen, sich selbst und dem Westen so fremden Ostens: Kurt Biedenkopf zurechtgestutzt zum unfreiwilligen Pensionär, Manfred Stolpe verstummt unter der Last der Amtsjahre … Weiterlesen
Vermachtete Diskurse
von Erhard Crome Warum funktionieren eigentlich intellektuelle Debatten zwischen Ossis und Wessis, zumal unter Linken, offensichtlich auf so eigenartige Weise schlecht? Werner Mittenzwei macht in seinem Buch über die ostdeutschen Intellektuellen darauf aufmerksam, daß es Absicht der Kohlschen Politik war, … Weiterlesen
Avantgarde aus Dunkeldeutschland
von Wolfgang Engler und Wolfgang Kil »Das Konzept einer Angleichung mittels nachholender Modernisierung, die Vorstellung eines Ab-, Um- und Wiederaufbauszenarios, das seinen Optimismus aus dem Vorbild des westdeutschen ›Wirtschaftswunders‹ der fünfziger Jahre speiste, ist praktisch gescheitert.« »Bis heute wollen die … Weiterlesen
Auswanderungsland
von Ulrike Steglich Es gibt Momente, etwa beim morgendlichen Zeitungslesen oder auch bei Christiansen, da denkt man schon mal ernsthaft übers Auswandern nach. Ob Schröder tatsächlich schon begriffen hat, welchen Job er da eigentlich übernommen hat, weiß man nicht recht. … Weiterlesen
Kampf um Berlin
von Leokadia Lawin Nach fünfzig Jahren kehren die deutschen Eliten zurück in ihre Hauptstadt. Dem Freien Berlin droht die Kapitulation. Nichts hat es genützt, daß die Halb-Weltstadt über vierzig Jahre lang der roten Flut trotzte und am Ende sie sogar … Weiterlesen
Ein unmöglicher Wahlkampf
von Thomas Falkner Eine Kanzlerkandidatur ist eine Prüfung ohne Gnade. Auch für Edmund Stoiber wird der Schritt aus der Landes- in die Bundes- und Weltpolitik immens schwer. Dazu kommt: Eine bayerische Staatspartei zu erneuern und zu führen, das ist das … Weiterlesen
CDU-Kommunismus
von Ulrike Steglich „Abartig“, nennt Berlins neuer Finanzsenator Thilo Sarrazin die Zahlen, die er jüngst zum Berliner Haushalt 2002/2003 vorlegte. Dem ist wenig hinzuzufügen: Das Defizit zwischen Einnahmen und Ausgaben beträgt derzeit zwei Milliarden Euro pro Jahr. Die diesjährige Neuverschuldung … Weiterlesen
Bayerisches
von Erhard Crome Am Ende hatte der Schriftsteller Jacques Tüverlin Erfolg; er ist eine der zentralen Figuren des gleichnamigen Feuchtwanger-Romans, der im München der beginnenden zwanziger Jahre handelt und mit dem kläglichen Scheitern des Hitler-Ludendorff-Putsches vom 9. November 1923 endet. … Weiterlesen
Hinter den Kulissen der „Tango-Krise“
von Arndt Hopfmann Das „ewige Schwellenland“ Argentinien – das lange Zeit als eines der reichsten Länder der Welt galt und dessen Bevölkerung noch vor einhundert Jahren einen durchschnittlichen Lebensstandard hatte, der weit über dem im damaligen Japan lag – wurde … Weiterlesen
Fahrenheit 451
von Erhard Crome Fahrenheit 451, das sind 232 Grad Celsius, der Hitzegrad, bei dem Bücherpapier Feuer fängt und verbrennt. Und es ist der Titel eines Buches des amerikanischen Altmeisters der Science Fiction, Ray Bradbury, aus dem Jahre 1953. Die Welt, … Weiterlesen
Alles wird anders, nichts wird gut
von Max Hagebök Es ist die Hochzeit der Jahresrückblenden gekommen. In den Medien tummeln sich die Analysten und bekennen sich zum wissenden Nachgang. Wie bei einer Weinlese wird der Jahrgang der Ereignisse abgefüllt, etikettiert und verstöpselt. Schon am 1. Januar … Weiterlesen
Zur Tagesordnung
von Erhard Crome Don Kohleone hat zu nachhaltig seine Partei patroniert. Die Verbliebenen haben den Laden nach wie vor nicht im Griff. »Das Mädchen« aus dem Osten wird wohl nicht die Unterstützung der Granden im Westen finden für einen zielstrebigen … Weiterlesen
Der letzte Nagel
von Wolfgang Sabath Operation gelungen – Patient tot: Denn der 16. November 2001 hat alle Chancen, als der Tag in der deutschen Parteien- und Parlamentsgeschichte einzugehen, der nicht nur den Anfang vom Ende der Koalition zwischen Sozialdemokraten und Bündnisgrünen markiert, … Weiterlesen
Der Ossi muß regiert werden
von Max Hagebök Der Vorhang der politischen Bühne Berlins hat sich geöffnet. Unter dem Beifall einer zutiefst erleichterten Bundesregierung und den Buhrufen der enttäuschten Opposition von CDU und PDS verneigt sich der Sieger der Berliner Wahlen. Der Kanzler hat gewonnen. … Weiterlesen
Und nach dem Sieg?
von Dietmar Schumann, Hodscha Bahauddin Auf einem staubigen Acker bei Hodscha Bahauddin sind viertausend Soldaten aufmarschiert. Tadshiken und Usbeken vor allem, Freiwillige der Nordallianz. Mit martialischen Rufen im sicheren Gelände unweit des Flusses Pjandsch, an dessen anderem Ufer Tadshikistan beginnt, … Weiterlesen
Countdown
von Henry-Martin Klemt Die Wahl von Afghanistan als Hauptfeind kommt nicht von ungefähr. Politische Verbündete haben die Taleban praktisch nicht. Ihr Regime ist mit allem überworfen, womit es sich überwerfen läßt. Die Zerstörung von Weltkulturerbe, die Verletzung der Menschenrechte, insbesondere … Weiterlesen
Opportunist Gysi?
von Jörn Schütrumpf »Herr Ober, noch zwei ›Manhattan‹!«, dazu zwei hochgespreizte Finger. Nur selten blitzt der Zynismus der humanistischen Humanisten so unverhohlen auf; meist bleibt es bei klammheimlicher Genugtuung. Die Ausbeutung der Dritten Welt; das Verhungern von tausenden Kindern Tag … Weiterlesen
Die Huntington-Doktrin
von Kurt Merkel Die Identität des einen bestimmt man bekanntlich am einfachsten dadurch, daß man sie von der eines anderen abhebt. Die Differenz ist nicht gut oder schlecht, schön oder häßlich, man muß mit ihr umgehen. Unterschiede zwischen Nachbarn, die … Weiterlesen
Amerikanisches Dilemma
von Erhard Crome Im Jahre 1839 notierte Heinrich Heine: »Wer mit Rom Krieg führen will, muß alle möglichen Gifte vertragen können.« Rom, das war Reich und Kirche in einem, Herrschaft mit Legionen oder mit Dogmen, mit Geld, Giften, Diplomaten und … Weiterlesen
Im Mauerschatten
von Thomas Falkner Noch einmal ist das Gespenst des Kalten Krieges in diesen Tagen durch Berlin und die deutschen Lande gezogen, begleitet vom ätzenden Pulvergeruch des heißen ideologischen Krieges. Flaggen auf Halbmast, Schuldzuweisungen und Entschuldigungsverweigerungen, betroffene und nachdenkliche Menschen vor … Weiterlesen
Mauerbau statt »Freie Stadt«
von Jörn Schütrumpf »Wo sind die Soldaten? Die Drahtverhaue? Die Handgranaten? Im Vorübergleiten siehst du einen einzigen Mann vor dem Wachthaus stehen: dunkel, lang. Unendlich lang in dem bis an die Absätze reichenden Soldatenmantel. Den dreifachen Drahtverhauen der Polen gegenüber … Weiterlesen
Regieren und Revolution
von Arndt Hopfmann Auch ohne die längst zu einer Art links-masochistischer Sucht verkommene, ungebrochene Entschuldigungswelle, die vom Eulenspiegel kürzlich in der griffigen Forderung »Proletarier aller Länder, entschuldigt euch!« auf den Punkt gebracht wurde, erlebt seit einigen Jahren auch die PDS … Weiterlesen
Die Mauer und der Frieden
von Fritz Klein Unverdrossen melden sich Leserbriefschreiber mit der Mär von der Rettung des Friedens am 13. August 1961 zu Wort. Das seinerzeit tausendfach verbreitete Foto der martialisch aufgebauten Kampfgruppler am Brandenburger Tor scheint immer noch zu wirken. Dabei war … Weiterlesen
Macht vor Einheit
von Erhard Crome Sie behaupten, das Land wiedervereint zu haben, und wollen jetzt, den Blick fest auf die avisierten Neuwahlen gerichtet, die Profiteure der Spaltung Berlins sein. Und wo diese nicht mehr hinreichend wirkt, soll sie herbeigeredet werden. Wieso sind … Weiterlesen
Schaut auf diese Stadt
von Wolfgang Sabath Not mache, so behauptet es jedenfalls der sogenannte Volksmund, erfinderisch. Die Not, in die Berlins Kommunalisten die Hauptstadt gebracht haben, ist groß. Da kam Tagesspiegel-Redakteur Harald Martenstein auf die wahrhaft pfiffige Idee, Berlin wieder »in die Obhut … Weiterlesen
Renten und Renditen
von Arndt Hopfmann Wenn da nicht der vom mecklenburg-vorpommerschen Landesvater Ringstorff provozierte Eklat gewesen wäre, die Zustimmung des Bundesrates zur rot-grünen Rentenreform wäre völlig unspektakulär über die Bühne gegangen. Der Ausstieg aus dem paritätisch finanzierten Rentenmodell, bei dem Arbeitgeber und … Weiterlesen
Maienlust
von Erhard Crome Die alljährlichen Krawalle in Kreuzberg haben mit der Idee des Kampfes um irgendwelche sozialen Ziele ungefähr soviel zu tun wie der Storch mit dem Kinderkriegen. Eher schon mit der Love-Parade oder den harten Hertha-Fans. Die einen meinen, … Weiterlesen
Ketzer
von Stefan Bollinger Fünfundfünfzig Jahre nach der Vereinigung von KPD und SPD ist die PDS von ihrer Geschichte und der modernen Entschuldigungsmanie eingeholt worden. Erwartungsgemäß fiel das Echo aus: Die Genossen haben Schwierigkeiten mit dem verklausulierten Schuldeingeständnis, daß »die Gründung … Weiterlesen
Die Weigerung zu trauern
von Erhard Crome Raustreten zum Stolzsein!, ist befohlen. Wer nicht raustreten will, ist ein Schweinehund und gehört ausgeschlossen aus der Volksgemeinschaft der Stolz-Deutschen. So jedenfalls hören sich derzeit einige der schwarzen Kameraden an, die den braunen nicht nachstehen wollen. Das … Weiterlesen
NMD – Nicht Mit Deutschland
von André Brie National Missile Defense (NMD; Nationale Raketenverteidigung) heißt das außen- und sicherheitspolitische Schlüsselprojekt der Bush-Administration. Noch vor kurzem glaubten einige Journalisten, es auch mit »Nicht Mit Deutschland« übersetzen zu können. Inzwischen hat nahezu die gesamte deutsche politische Elite … Weiterlesen
Der »Kronzeuge«
von Jörn Schütrumpf Kratze am Genossen, und es kommt der Mensch durch« – lautete einer der etwas galligeren Sprüche an den Abendbrottischen zu Zeiten der späten DDR. Während der Wende wurde dieser Satz auf seine Wahrheit hin geprüft und überzeugend … Weiterlesen
Gelobt sei, was …
von Max Hagebök In Deutschland wird wieder kräftig gelogen. Politiker tun es, Samenberaubte tun es, eigentlich tun es alle. Die Lüge schützt davor, sich mit der Wahrheit durch das Leben zu kämpfen. Die Beule am eigenen Helm ist kein Ehrenzeichen. … Weiterlesen
Ossi-Quote
von Erhard Crome Bei uns wird diskutiert«, lautet ein schon mehrfach im Blättchen mitgeteiltes Tucholsky-Motto. Ich will es beim Wort nehmen. Eher verschämt als provozierend hat Stefan Bollinger im vorigen Heft (3/01) auf die fehlende ostdeutsche Öffentlichkeit verwiesen und gemeint, … Weiterlesen
Soldaten sind Menschen
von Karsten Krampitz Die Bundeswehr ist bekanntermaßen ein Hort für Recht und Ordnung. Doch gelten für sie auch die Grundrechte? Dieser Tage klagte die Truppe vor dem Amtsgericht Berlin-Tiergarten wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz. Anlaß ist die Störung der Rekrutenvereidigung … Weiterlesen
Wahnsinns-Kapital
von Erhard Crome Da fällt einem zunächst das alte, ehedem vielzitierte Marx-Wort von der Korrelation zwischen Profithöhe und Gefahr des Galgens ein. Heute wird von »Risiko-Kapital« geredet. Mancher dachte vielleicht, es ginge um das Risiko des Kapitalanlegers. Die BSE-Umstände zeigen … Weiterlesen
Ende einer Abwicklung
von Jörn Schütrumpf »Das deutsche Fachpersonal reicht völlig aus, um alle Stellen in Ostdeutschland zu besetzen.« So 1991 während des Politologen-Kongresses in Hannover ein Vorstandsmitglied der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft auf der Tagung einer ad-hoc-Arbeitsgruppe zum Thema »Über die … Weiterlesen
Jeb und Koch
von Erhard Crome Da hätte der Egon viel lernen können. Das Spiel heißt: Wie fälsche ich eine Wahl so, daß alles rechtens aussieht. Jeb Bush hatte seinem Bruder George W. die Stimmen von Florida versprochen und sein Bestes getan. Allerdings … Weiterlesen
Passen Sie gut auf sich auf
von Eve Sorent Wer sich etwas mehr als nur flüchtig mit diesem Problem beschäftigt, wird feststellen, daß es zu den wenigen Dingen zählt, aus denen er sich etwas macht. Zwar scheinen die spezifischen Probleme der Präimplantationsdiagnostik auf den ersten Blick … Weiterlesen
Was will Putin?
von Dietmar Schumann, Moskau Rußlands neuer Mann im Kreml will den »starken Staat«. Das hat er am 29. Dezember vorigen Jahres auf seiner Website und einen Tag später in der Zeitung Nesawisimaja Gaseta mitgeteilt. »Der Schlüssel zur Wiederherstellung und zum … Weiterlesen
Das Trauma linker Teutonen
von Robert Allertz Jeder Verein kennt mindestens eine Todsünde: die katholische Kirche den verhüteten Verkehr, die Konservativen die Nähe zu Kommunisten, die Träger von Designerklamotten den Anzug von der Stange, die Bundeswehr den totalen Pazifismus. Die Todsünde bei den Linken … Weiterlesen
Teilung als Gewinn
von Detlef Kannapin Die Bundesrepublik Deutschland habe in der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit bei weitem weniger Defizite aufzuweisen als angenommen; die DDR, dem NS-System angeblich ähnlich, habe die Verantwortung aus diesem Teil der Geschichte zu wenig berücksichtigt und in den Westen … Weiterlesen
Solidarität mit Milosevic
von Jörn Schütrumpf Slobodan Milosevic hat so lange taktiert, bis ihm keinerlei Durchstechereien mehr nützten. Ein ganz bestimmter Teil der deutschen Linken trägt nun Trauer: Slobo, der Held der serbischen Unabhängigkeit, gilt als Opfer des USA-Imperialismus. Mitunter scheint in solchen … Weiterlesen
Befreites Land
von André Brie Vierzig Jahre hatte die DDR Bestand, zehn Jahre nun schon wieder das von der großen Mehrheit ihrer Bürgerinnen und Bürger herbeidemonstrierte und -gewählte und von Kohl und Krause zusammengenagelte Vereinigungsdeutschland. Nicht selten habe ich den Eindruck, die … Weiterlesen
Erdbeeren mit Senf
von Ulrike Steglich Reise in ein unbekanntes Land«, titelte der Spiegel. Dazu sieht man einen Mann mit Tropenhelm und Fahne, der mit weiteren Pionieren über eine Landkarte stapft. Der Kanzler entdeckt die fünf neuen Bundesländer, vulgo: den Osten. Frisch erholt … Weiterlesen
Bisky und Beck
von Fritz Klein Erfreulicherweise mehren sich seit Monaten auf allen Seiten des demokratischen Spektrums in Deutschland – vom PDS-Vorsitzenden bis zum bayerischen Innenminister – die Stimmen des Widerstands gegen die immer frecher und brutaler auftretenden Rechtsradikalen. An Vorschlägen, was zu … Weiterlesen
Zweierlei Haß
von Jörn Schütrumpf Adolf Hitler fürchtete lange Zeit vor allem zwei Dinge: seine eigene Ausweisung als unerwünschter Ausländer und ein Verbot der NSDAP. Zu Beginn des Jahres 1932 brachte die Ernennung zum Regierungsrat von Braunschweig Hitler die lang ersehnte deutsche … Weiterlesen
Heiße Luft auf Okinawa
von Arndt Hopfmann Das war er also, der Gipfel der Entwicklung. Wie fast immer, wenn es bei den Treffen der Staats- und Regierungschefs der selbst ernannten »führenden Industrieländer« um derart gewaltige Themen geht, stehen vor allem Nebensachen im Mittelpunkt – … Weiterlesen
Kader-Tröge
von Frank Räther, Johannesburg Bei den letzten Parlamentswahlen im vorigen Jahr hatte der Afrikanische Nationalkongreß (ANC) fast zwei Drittel aller Stimmen holen können. Nelson Mandela und sein Nachfolger, Präsident Thabo Mbeki, gelten in der Welt als sehr fähige Staatsmänner. Doch … Weiterlesen
Ein Jubiläum
von Horst Grunert Am 6. Juli 1950, vor fünfzig Jahren, wurde in Zgorzelec das Abkommen über die Markierung der festgelegten und bestehenden deutsch-polnischen Staatsgrenze, kurz: das Görlitzer Abkommen, unterzeichnet. Für die Anerkennung dieser Oder-Neiße-Grenze trat ich stets ein. In eben … Weiterlesen
Zauberer und Lehrlinge
von Arndt Hopfmann Die bundesdeutsche Politik erinnert in diesen Tagen – mehr oder weniger unfreiwillig, aber immer öfter – an Goethes berühmte Ballade Der Zauberlehrling. Anfangs, als sich Rot-Grün noch als Zukunftsmodell wähnte, schien alles ziemlich einfach. Der große Zampano … Weiterlesen
Schleefs Frage, Fischers Antwort
von Erhard Crome Die Uraufführung von Einar Schleefs Verratenes Volk im Deutschen Theater ist nun am 29. Mai gewesen. Werk und Realisierung auf der Bühne werden gewißlich sehr kontrovers debattiert werden. Die einen haben Probleme mit dieser Art Theater, andere … Weiterlesen
Jugend ist anders
von Dietmar Wittich Eigentlich sehen wir ziemlich alt aus. Wir hier in Deutschland werden immer älter, die Gesellschaft altert rapide. Das hängt einerseits mit dem »Pillenknick« zusammen, der zu einem permanenten Geburtenrückgang führte. Andererseits steigt ständig die Lebenserwartung. Heute geborene … Weiterlesen
Welcome to Nietzscheland
von Jens-F. Dwars Wir haben den Nietzsche neu entwickelt«, ließen die Weimarer Büstenhändler am Ende des Goethejahres wissen. Sie hielten ihr Versprechen und präsentieren den Schnauzbärtigen frei nach Klinger in drei Formaten. Die Stiftung Weimarer Klassik hat weniger Glück. Zwar … Weiterlesen
Fünf Prozent plus
von Wolfgang Sabath Von einer ihrer Wunschvorstellungen werden sich die PDS-Starter des Jahres 1989 wohl inzwischen verabschiedet haben: Daß es möglich sei, im derzeitigen deutschen Parteiensystem eine Partei zu etablieren, die »ganz anders« funktioniere, als man es bisher kannte. Und … Weiterlesen
Standortschädlinge
von Arndt Hopfmann Da kann man machen, was man will, die profunde ökonomische Ignoranz im Volk der Dichter und Denker kann einen immer und überall heimsuchen. Ich saß gerade in einem DB-Zug, der in aller Eile dabei war, die Domänen … Weiterlesen
Mea culpa, mea maxima culpa
von Gerhard Brendler Das Sündenbekenntnis, bekräftigt durch ein dreifaches mea culpa, mea culpa, mea maxima culpa, gehört zum Text des Priesters in der Messe. Und wer mitfeiert, tut es ihm gleich. Dies öffnet das Gewissen, dämpft den Hochmut und reinigt … Weiterlesen
Homo sovieticus
von Boris Kagarlitzki, Moskau Putin ist eine Erfindung der Polittechnologen. Das Land brauchte einen positiven Helden, und sie haben ihn präsentiert. Der Held muß stark und von sich überzeugt sein. Denn in Rußland ist die Meinung verbreitet, das Land sei … Weiterlesen
Söldner oder Bürger?
von Erhard Crome Jetzt hat Außenminister Fischer gemeint, für die deutsche Berufsarmee sein zu sollen, während der Scharping die Fahne der Wehrpflicht hochzuhalten erklärt. Die PDS, die so konsequent gegen den NATO-Krieg gegen Jugoslawien eintrat – und deswegen nach wie … Weiterlesen
Der Helfer in der Not
von Jörn Schütrumpf Jörg Haider stellt die richtigen Fragen. Deshalb ist er gefährlich, werden er und seine Marionetten geschnitten. Wenn er nur gegen zahlungsschwache Ausländer hetzen würde, nur die SS hofierte, nur ein bißchen die Juden sekkierte – Gott, das … Weiterlesen
… hat immer noch recht
von Wolfgang Sabath Es ist schon wie ein Ritual: Fast immer, wenn es politische Ereignisse oder Umstände gebieten, daß der PDS-Vorsitzende Bisky oder ein anderer aus dem sogenannten Reformflügel des Vorstandes zu einer Meinungsäußerung ansetzt, scheinen etatmäßige Kritiker aus den … Weiterlesen
Ein Nachruf
von Walter Thomas Heyn Silvester sollte so schön werden. Nach zehn Jahren hatte ich als Freiberufler wieder einigermaßen festen Boden unter den Füßen und nach vier Jahren in Berlin eine Menge Freunde oder zumindest gute Bekannte. Einladungen lagen ausreichend vor. … Weiterlesen
Das große Fressen
von Max Hagebök Durch die deutschen Redaktionsstuben geht ein Aufatmen. Endlich haben sie ihn. Zu seinen majestätischen Zeiten perlten sie an seiner Barockheit wie Regentropfen von einer Pelerine ab. Die deutsche Journaille hatte Kohl nie so recht naßmachen können. Auch … Weiterlesen
»Ostfernsehen – Westfernsehen« …?
von Christian Neef Ostfernsehen – Westfernsehen« hat M. R. Richter seinen Text in Nummer 24 des Blättchens überschrieben. Ich habe ihn sehr aufmerksam gelesen, weil mir das Thema Tschetschenien seit Jahren sehr am Herzen liegt. Nur: Diese Wortmeldung aus Kiew … Weiterlesen
Zwangsarbeiter
von Thomas Kuczynski In einem seiner berühmt-berüchtigten Tischmonologe hatte der »Führer und Reichskanzler« gemeint, »man müsse nur einmal errechnen, wieviel dadurch gewonnen würde, daß der ausländische Arbeiter statt […] RM 2000 wie der Inlandsarbeiter nur RM 1000 jährlich verdiene.« Die … Weiterlesen
Kader und Pastorches
von Wolfgang Sabath Auch auf die Gefahr hin, daß selbst die gutwilligsten Leser oder die gutwilligsten Leserinnen im nächsten Augenblick diesen Beitrag genervt überblättern oder gar das ganze Heft unwillig zur Seite legen: Ich will doch noch einmal auf jene … Weiterlesen
Kultursprung
von Thomas Falkner Vor Jahren hat Gregor Gysi seine Partei mit der Aufforderung verunsichert, sich per »Kultursprung« auch im fremden, feindseligen Westen ansässig zu machen. Das traf nicht gerade die Sehnsüchte jener, die in und mit der PDS ihre Antwort … Weiterlesen
Fliegen lernen
von Max Hagebök Wahlabend in Berlin. Der Chefredakteur von SAT.1, Howe, kommentierte die Ergebnisse mit seinem Sinn für Journalismus: »Die PDS gewinnt eine Wahl nach der anderen. Ich kann diesen ewig grinsenden Gysi nicht mehr sehen.« Die Scheinwerfer gehen aus. … Weiterlesen
Das Syndrom
von Arndt Hopfmann Das Alternativlosigkeitssyndrom – von »there is no alternative« (kurz: t.i.n.a.) – hat in deutschen Landen, Ost wie West, eine erstaunliche (Nachkriegs-)Geschichte. Im Osten gab es angesichts der Ergebnisse des Zweiten Weltkrieges kaum eine realistische Alternative zur Übernahme … Weiterlesen
Ich bitte um Milde
von Jörn Schütrumpf Die deutsche Einheit werden die Westdeutschen den Ostdeutschen nie verzeihen. Und die Ostdeutschen werden sie sich wohl auch nicht verzeihen. Die innere Einheit ist nicht gescheitert, es hat sie nie gegeben. Schon im Frühjahr 1990 persiflierte ein … Weiterlesen
Kotau im Armani
von Stefan Bollinger Eines muß man Gerhard Schröder lassen: Ein schlechter Chef ist er nicht, er kümmert sich um seine Leute. Wurde zuerst Hans Eichel nach seiner Abwahl vom hessischen Ministerpräsidentenamt versorgt, so kann sich nun auch Reinhard Klimmt über … Weiterlesen
Militärmusik?
von Thomas Falkner Für eine weltweite Koalition der Vernunft und des Realismus hat die DDR in ihren späten Jahren heftig geworben – es war die letzte produktive und mehrheitsfähige politische Einsicht des Regimes. Gerade sie ist nicht obsolet geworden. Daß … Weiterlesen
1. September
von Motek Weinryb Ich erinnere mich genau an diesen Tag: Es war schönes Wetter. Blauer Himmel, Sonnenschein. Früh um fünf bombardierten deutsche Flugzeuge die ersten polnischen Städte und Dörfer. Um neun Uhr erfolgte die offizielle Kriegserklärung an Polen durch Hitler-Deutschland. … Weiterlesen




