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2.319 Beiträge im Forum

  1. HWK sagt:

    Nun muss man Blättchen-Leser in Sachen Trump sicher weder aufklären noch gar agitieren, aber die Sammlung seiner Unseligkeiten, wie sie hier zusammengestellt worden ist, hat denn doch ´was:
    http://www.spiegel.de/politik/ausland/donald-trump-zwei-jahre-im-amt-luegen-beleidigen-golfen-a-1248808.html
    HWk

  2. Heino Bosselmann sagt:

    Zu: Jörn Schütrumpf, Karl und Rosa – und Leo, 22. Jahrgang | Nummer 1 | 7. Januar 2019

    Gerade mit Blick auf all die Tragik und die Opfer: Interessant wäre es ja, wüsste man zu durchdenken und zu beurteilen, inwieweit in der so wohlformuliert klaren Maßgabe Rosa Luxemburgs, an der Stelle der bürgerlichen Demokratie – mit ihrer „süßen Schale der formalen Gleichheit und Freiheit“, unter sich die soziale Ungleichheit verbirgt – eine sozialistische zu schaffen, inwieweit also darin je eine echte historische Chance damals oder überhaupt irgendwann bestand oder vielmehr – unerkannt bzw. wider Willen – eher die Genetik einer neuerlichen Gewaltperversion verborgen war, weil die einstige Sozialdemokratin und spätere Kommunistin anthropologisch falsch lag, wie der Utopismus und das „Prinzip Hoffnung“ stets falsch liegen. Wo etwa ist „dem Menschen“ eine sozialistische Demokratie in dieser Weise je möglich gewesen? Nicht doch am ehesten etwa im Schweden Olof Palmes, also wiederum in der Schale der bürgerlichen Demokratie? – Der „herbe Kern der sozialen Ungleichheit“, ist er nicht Teil der „conditio humana“, folglich weder gut noch schlecht, sondern das Normale, das sich nur recht und schlecht, nie jedoch prinzipiell regeln lässt, es sei denn man versucht es irgendwie gedankensynthetisch, was blödsinnig wäre, oder eben mit Gewalt, was – Maoismus, in Kambodscha … – ein Verbrechen darstellte? Wieviel luxemburgische Hoffnung mag es oder darf es noch gebe? Nicht viel, scheint mir.

  3. Ralf Nachtmann sagt:

    @ erhard weinholz

    Sie fragen: „Wem erscheint es denn billig, diesen sog. Sozialismus zu verteufeln?“ Ich antworte: Zum Beispiel mir, allerdings hätte ich schreiben sollen: „zu billig“. Sie fragen: „Welche Demütigungen sind gemeint? Ist das ein Zitat?“ Es ist ein Zitat, eins von mir selbst. Das aber ist nicht von Belang. Ich glaubte bisher, dass die Demütigungen, die Menschen im Nationalsozialismus durchleiden mussten, nicht mehr explizit genannt werden müssen. Dasselbe glaubte ich auch hinsichtlich der Demütigungen den nachfolgenden Sozialismus. Und „diese mir unbekannten Demütigungen“ aus der (nach-sozialistischen) Gegenwart sehen etwa so aus: Es fliegt ein Pflasterstein durch die Fensterscheibe mit einem Zettel dran: „Weg mit rotem Chaotendreck“. Und nicht viel später wird man „Nazi“ geziehen, allein weil man beispielsweise den Sinn der gegenwärtigen Art der Einwanderung in Zweifel zieht oder angesichts eines Fassadenstreits ein gewisses und recht diskutables Gender-Problem erkennt. Nähere Details aber gehören nicht in ein solches Forum. Wer war eigentlich der Franzose der einmal schrieb, Klarheit sei die Höflichkeit der Autoren? Jules Renard schrieb: Klarheit ist die Höflichkeit des Schriftstellers. (Ein solcher bin ich nicht. Zwar sind Schriftsteller Autoren, aber nicht jeder Autor ist auch Schriftsteller.) Marcel Reich-Ranicki (sicher bekannt) machte daraus: Klarheit ist die Höflichkeit des Kritikers. Auch Unklarheit regt zuweilen zum Nachdenken (und Diskutieren) an. Und genau da treffen wir uns also wieder. Bleiben Sie mir gewogen.

    • Sehr geehrter Herr Nachtmann,
      ich „glaube“ nicht an ein Mastermind K., sondern versuchte nachzuweisen, dass dieser Mann ein anderes Land will, das ich und viele andere nicht wollen. Die Geschichte zeigt, dass derartige Personen nicht unbedingt „Genies“ sein müssen, wie der Begriff „Mastermind“ auch zu übersetzen wäre; nein es genügt, wenn ihre „Intellektualität“ so weit reicht, den im Artikel beschrieben politischen Einfluss ausüben zu können.
      Desgleichen gestehe ich, Ihren ersten Beitrag bis auf die eben erläuterte Stelle auch nicht verstanden zu haben. In Ihrer Antwort auf Herrn Weinholz stellen Sie Einiges klar, was mich zum Widerspruch reizt. Sie schreiben: „Ich glaubte bisher, dass die Demütigungen, die Menschen im Nationalsozialismus durchleiden mussten, nicht mehr explizit genannt werden müssen. Dasselbe glaubte ich auch hinsichtlich der Demütigungen den nachfolgenden Sozialismus“. Der zweite Satz ist wohl fehlerhaft durch eine Auslassung, aber das passiert. Ihre Intension ist klar – und die teile ich nicht: Im Gegenteil – ich bin der Auffassung, diese „Demütigungen explizit“ benennen zu sollen, immer und immer wieder, um einen Rückfall namentlich in den „Nationalsozialismus“, aber auch „den nachfolgenden Sozialismus“ zu verhindern. Wobei ich „Demütigungen“ für einen wenig hilfreichen Euphemismus halte; es geht – in unterschiedlichem Maße – um teils monströse Verbrechen; ich muss das nicht ausführen.
      Wenn Sie meinen sollten, permanente Warnungen nutzten sich ab – auch das sehe ich nicht so: Solange die bundesdeutsche Fahne SchwarzRotGold für eine Nazi-Fahne, ja ein Symbol für Auschwitz gehalten wird, kann es – für mich jedenfalls – nur den eben beschriebenen Schluss geben.
      Beste Grüße
      Stephan Wohanka

  4. Ralf Nachtmann sagt:

    Stephan Wohanka glaubt an einen „Mastermind Kubitschek“; na, ist das nicht zu viel Ehr‘ für einen Simpel, der Intellektualität zwar vortäuscht, tatsächlich aber mangels eigenen Habens, verachtet?
    Im Übrigen erscheint es billig, den von den rechten Bewegungen in Europa propagierten „nationalen Sozialismus“ zu verteufeln, solang man selbst einige „bestimmte Demütigungen“ (noch?) nicht selbst durchlitten hat, durchleiden musste.
    Die gute Braut ist eben hässlich, und der junge Bursch wünscht sich ’ne hübsche.

    • erhard weinholz sagt:

      Vielleicht braucht man ja für eine solche Rolle nicht sonderlich viel Intellektualität. Dies zum ersten Satz. Zum zweiten: Wem erscheint es denn billig, diesen sog. Sozialismus zu verteufeln? Welche Demütigungen sind gemeint? Ist das ein Zitat? Und wenn man diese mir unbekannten Demütigungen durchlitten hat, erscheint es dann nicht mehr billig, diesen sog. Sozialismus zu verteufeln? Tja, wer weeeß … Ein Franzose schrieb einmal, Klarheit sei die Höflichkeit der Autoren.

    • Helmut König sagt:

      Wer, sehr verehrte Frau Cordula, hat Sie veranlaßt, so überaus scharf auf verschlungenden Wegen gegen den derzeitigen Präsidenten der VSA anzureiten? Ehrlich mal!

  5. René Bertram sagt:

    Dito „werter Herr“ (es freut mich, dass Sie meinem Namen das dazugehörige Genus richtig zugeordnet haben) –
    Auch Ihre Anmerkungen klingen schlüssig, mir bleibt nur die Frage unbeantwortet, was ist, wenn besagter Mainstream mit seinen (freilich beilleibe nicht allen) Sichtweisen einfach mal recht hat.
    Oder scheidet das Ihrer Ansicht nach aus, weil sich dort ja alles im Rahmen des politisch Gelenkten und/oder Korruptiven bewegt? Und auch: Inwiefern nehmen Sie die NZZ und mehr noch Cicero von Ihrem Verdikt aus? (Übrigens: Bei eller Zuneigung auch meinerseits zum Blättchen kann ich auch bei dem nicht voraussetzen, dass dort allzeit nur zu lesen ist, was dann als „richtig“ zu gelten hat. Auch diese Publikation ist Menschenwerk, und der Mensch, wir wissen es spätestens seit der Bibel, ist ein fehlbares Wesen.)
    Zumindest diesbezüglich bin ich denn doch irritiert, grüße Sie, Herr Ernst, desungeachet aber mit vorweihnachtlicher Freundlichkeit,
    R. Bertram

  6. René Bertram sagt:

    Es tut mir leid, aber mich fröstelt es jedesmal ein wenig, wenn ich einen mutigen Polemiker den Begriff „Mainstream“ gebrauchen höre oder eben lese. Aus der Verachtungsfülle, die darin mitschwingt, speist sich da jedesmal die eigene Überlegenheit des unterdrückten, aber bescheidwissenden Außenseiters, eines Märtyrer der Aufklärung sozusagen.
    Wenn ich an Zeiten des Realsozialismus zurückdenke, kann jedenfalls ich nur resümieren, dass der antikommunistische Mainstream der Westmedien – trotz auch allem Schwachsinn vor allem des Boulevards und weiteren Fehlleistungen – im Kern über eben jenen Sozialismus mehr Zutreffendes veröffentlicht hat als dies die Agitatoren und Propagandisten des Wahren und Guten taten.
    Mainstream bedeutet dominierende Mehrheitlichkeit, nicht mehr, nicht weniger. Dass eine solche nur deshalb falsch und eben verachtenswert ist, weil sie nicht zur eigenen Sichtweise passt – erschließt sich mir leider nicht. Im Gegenteil: Das ist gute (?) alte Argumentationssitte aus realsozialistischen Zeiten. Wie ich gehört habe, sind diese aber perdu.
    René Bertram

    • Werner Richter sagt:

      Dieser Aspekt spielt hier beim Begriff „Mainstream“ keine Rolle. Er wird i.d.R. gebraucht, um die Differenzen zwischen „seriösem“ Journalismus, also der unparteiischen Berichterstattung und einer immer mehr aus verschiedener Richtung dirigierten zu beschreiben. Dazu sind die Arbeiten von Uwe Krüger gewissermaßen akademischer als auch politisch-praktischer Hintergrund. Er analysierte die Organisationsstränge von Institutionen, z.B. von Stratfor (Nato) zu Schlüsselpersonen in den Medien, in deren Ergebnis ein „Durchstechen“ von Interpretationen zu aktuellen Ereignissen in die „Hauptmedien“ erfolgt. Er nennt dabei durchaus Roß und Reiter. Auch aus der Branche liefern Leute Belege dafür, z.B. Harald Schumann. Inzwischen sind weitere Propagandastränge, anders kann man das wohl nicht bezeichnen, publik geworden, ein neues Beispiel wird hier benannt: https://www.heise.de/tp/features/Infowar-oder-Absurdistan-Britisches-Aussenministerium-im-Strudel-der-Desinformation-4253994.html.

    • Wolfgang Ernst sagt:

      Werter Herr,
      Ihre Einlassung klingt schlüssig, trifft des Pudels Kern aber nicht. Bereits in Goethes Faust ist nachzulesen:
      „Was ihr den Geist der Zeiten heißt,
      Das ist im Grund der Herren eigner Geist,
      In dem die Zeiten sich bespiegeln.“
      In diesem Sinne haben sich schon Karl Marx, die 1848er und die deutschen Sozialdemokraten im 19. Jahrhundert damit befasst, dass die bürgerliche Presse gegen Bezahlung, auf Geheiß der respektiven Regierung und/ oder unter Zutun geheimdienstlicher Einflussagenten lügt. Nicht immer, aber des öfteren.
      Jetzt sparen wir uns mal den „Reichsminister für Propaganda und Volksaufklärung“ und stellen schlicht fest, dass solcherlei Pressewesen sich nach 1945 rekonstruierte, im Westen in alter Weise und im Osten dergestalt, dass sich das SED-Politbüro als der neuen „Herren eigner Geist“ konstituierte. Der Kalte Krieg beflügelte das beiderseitige, vor allem das wechselseitige Lügen. Der Unterschied war nur, dass die Stalinisten im Osten sichtlich grobschlächtiger und dümmer waren, als die bürgerlichen Propagandisten im Westen. Mit dem Ende des Realsozialismus waren erstere beiseite geschoben, die letzteren blieben als „Sieger der Geschichte“ übrig. Das ist es, was heute „Mainstream“ geheißen wird, nicht nur als Medienphänomen, auch in Politik und Wissenschaft.
      An der Tatsache, dass bestimmte Themen, z.B. bezüglich Russland oder Ukraine, in den bürgerlichen Großmedien nicht oder nur tendenziös behandelt werden, wird deutlich, dass wir es derzeit in Deutschland ebenfalls mit einer klandestinen Lenkung zu tun haben. Wer alternative Medien lesen will, muss zur Neuen Zürcher Zeitung oder zum Cicero greifen, auf die Nachdenkseiten gehen oder das Blättchen lesen.

  7. Werner Richter sagt:

    Zu: Bemerkungen, Günther Krause, untote Skandalnudel Heft 26/18
    Zum alten Witz hatte ich schon immer ein getrübtes Verhältnis, wenn auch die Mehrzahl meiner „Genossen“ ihm selbst klammheimlich oder offen applaudierten. So waren sie halt, die SED-Nationalisten (Thierry Meyssan) mit der DDR-Fahne am Balkon zum 1. Mai. Ich fand Karl Eduard, heute würde man das cool nennen, sachlich, sowohl in Bezug auf seine Kapitalismuskritik wie der der BRD-Politik und fand das in einigen Begegnungen bestätigt. Den Witz, der Realität wiedergibt, fand ich jedoch ungerecht. Seine Sendung am Montag nach Willi Schwabe war mir die wichtigste überhaupt.
    Man könnte meinen, das sei Geschichte, jedoch ließ mich eine Gegebenheit nachdenklich werden. Bei einer Diskussion im Haus der Demokratie saß ich neben Susann Witt-Stahl, ohne sie zu kennen. Nach ihren Diskussionsbeiträgen sprach ich sie an: Wissen Sie, daß Sie genau der Argumentationsmethode von Schnitzler folgen? Sie dachte kurz nach: Ich bin gerade dabei, „Melody & Rhytmus“ neu heraus zu bringen. Z.Z. lese ich gerade die „gesammelten Werke“ von Schnitzler, der hat mir viel zu geben.
    Wenn man heutzutage noch dem Witz hinterher feixt, sollte man sich doch fragen, warum eigentlich.

    • Lieber Herr Jakubowski, die Komplexität der Lage in Syrien ist mir bewußt, versuche, sie mit Verfolgung und Einordnung zu erfassen. Jedoch bezog sich meine Einlassung auf das Narrativ der als Bürgerkrieg bezeichneten Kampfhandlungen zu Beginn. Da haben wohl wiederum Ihre Einwände zu den Abläufen danach doch nichts verloren.
      Das von Ihnen erwähnte progressiv-demokratische Projekt der Revolution in Rojava hat auch meine gespannte Aufmerksamkeit, aber auch da ist die Lage nicht ganz so eindeutig, da ja damit auch eine Kooperation mit den US-Streitkräften verbunden ist, die ja an allem anderen interessiert sind, als wirklich demokratische Projekte zu fördern. Es dient ihnen als Feigenblatt.
      Wenn man vom „Assad-Regime“ spricht, dann dürfte selbstverständlich sein, vom Erdogan-Regime, saudischen, katarische usw. zu sprechen. Denn diese Regimes sind keinen Deut besser bzw. schlimmer bezüglich der Menschenrechte. Dies könnte für viele nordafrikanische Regierungen gelten. Daß aber die Rede ausschließlich vom „Assad-Regime“ ist, geht wohl auf die Zielstellung der Nato, eine nicht gefügige Regierung zu beseitigen, in deren Folge bewußt in Kauf nehmend eine ganze relativ stabile Region zerstört wurde, zurück. In diesem Zusammenhang lehne ich diese Bezeichnung zumindest als unzulässig ab.

    • Stephan Jakubowski sagt:

      Lieber Herr Richter,

      da gebe ich Ihnen auf der Ebene der Form vollkommen Recht – es handelt sich in meinen Augen um das türkische, das libysche, usw. Regime. Eine Trennung nach schlecht und etwas weniger schlecht fällt da bisweilen schwer und die Verargumentierung, warum bei dem einen eine Delegitimierung statthaft ist und bei welchem nicht mehr, ist oft subjektiv eingefärbt.

      Man sollte bei der grundsätzlichen Frage der Urheberschaft eines Aufstandes nicht vergessen, dass damit auch oft eine Wertung einhergeht und die Reduktion eines Aufbegehrens auf einen geheimdienstlichen „Regime-Change“ ebenfalls einen delegitimierenden Beigeschmack hat. Gerade das revolutionäre Projekt in Rojava aber trägt ja den Grundgedanken vom Objekt zum Subjekt zu werden.
      Zur Frage der Kooperation zwischen der Revolution in Rojava und den USA hat sich das KCK recht eindeutig geäußert. Kurz zusammengefasst heißt es da: Man weiß um die Gegensätzlichkeiten in der Frage „kapitalistische oder demokratische Moderne“ und kennt auch die jeweiligen Haltungen. Weiter aber sind die USA für die Bewegung nützlich im Kampf gegen den IS und als Puffer gegen die Türkei gewesen. Erwartet hat man nichts und war sich jederzeit bewusst, dass es den USA zu keiner Zeit um die Unterstützung der (wie ich finde) besten demokratischen Bestrebung unserer Zeit gehen könnte, sondern ausschließlich um direkten Einfluss bei der geopolitischen Gestaltung der Region.

    • Entschuldigung, da ist mir eine Deplatzierung meines Beitrages gelungen. Er gehört natürlich zum Beitrag von Stephan Jakubowski am 21. Dezember 2018 um 11:14.

    • Werner Richter sagt:

      Lieber Herr Jakubowski, da gehen wir völlig konform. Hatte schon hier vor Jahren auf die besondere Bedeutung der Entwicklung in Rojava aufmerksam gemacht, da m.M. nach darin Keime einer genossenschaftlichen und zugleich basisdemokratischen, auch in der Wirtschaft, Struktur zu erkennen sind, die es nur noch in den katalanischen und baskischen Zivilgesellschaften gibt. Dabei deutete ich an, hier Ansätze zu einer Nichtwarengesellschaft möglicherweise vorzufinden. In der extremen äußeren Situation von Rojava ist es schon ein Wunder, daß das Projekt immer noch existiert und damit auch die Versorgung 100.000er Binnenflüchtlinge ohne nennenswerte Unterstützung, aber unter Sanktionen seitens der Türkei, zusätzlich gewährleistet. Die Bundesrepublik, EU und Nato unterstützt da lieber die syrischen Ableger der Barsani-Truppen, die den Hofhund der Türkei geben, genau die, die einst die Jesiten entwaffneten und den Türken zum Fraß vorwarfen. Aber ich verstehe schon, warum YPG & Co. nicht auf die Assad-Avancen eingingen, so spielten sie jedoch va banque mangels Alternative. Ihnen blieb nur die Wahl zwischen Pest und Cholera und sie wählten verständlich letzteres, das bißchen Durchfall namens USA kann man überleben.

  8. Werner Richter sagt:

    Zu Syrien: hybride Machtspiele staatlicher Akteure Heft 26/18 17.12.2018
    Es ist wohl zwingend geboten, als auf mediale Anerkennung und Bezahlung angewiesener Beobachter zumindest ab und zu Darstellungen des Mainstreams zu übernehmen und Gleichklang zu signalisieren.
    Schon die Ausgangslage dürfte darunter fallen, die aber so mehr als zweifelhaft ist. Es gibt nicht wenige seriöse Analysten auch vor Ort, die es genau umgekehrt wahrgenommen haben und dazu ziemlich viele handfeste Beweise anführen, bis hin zur Globaleinschätzung, daß von vorn herein außersyrische Kräfte agierten, die dann nach und nach einheimische, wie auch immer, dafür gewannen, alten Zwist wieder hochspielend. Erinnert sei an damals noch mögliche Reportagen aus dem Nordosten Syriens, als erstmals Truppen in Ortschaften kamen. Eine Frau erzählte, das seien zwar nach der Sprache Araber gewesen, aber kein Syrer. Von den inzwischen vor dem „Bürgerkrieg“ abgezogenen größten Waffendeal aller Zeiten, zur Ausrüstung und Ausbildung der Proxy-„Widerständler“, der Teilnahme von Spezialeinheiten vieler Nato-Staaten und der Rolle der „Koalition“ vor dem „Bürgerkrieg“ muß mal gar nicht gesprochen werden.
    Das zweite Signal (Ich bin doch im Prinzip auf eurer Seite) kann man in der Verwendung des Begriffes „Assad-Regime“, „Machthaber Assad“ wäre eine weitere mögliche Variante, sehen. Dieser Ausdruck relativiert die Aggression der Nato und ihrer regionalen Handlanger, verleiht ihr in eine gewisse Berechtigung, die des gut gemeinten Demokratieexportes, und gibt der syrischen Regierung eine Mitschuld, worin Hauptschuld mitschwingt.
    So tief kann man sinken.

    • Stephan Jakubowski sagt:

      Lieber Herr Richter,

      unter der Vorraussetzung einer unglaublichen Komplexität des wer-mit-und-wer-gegen-wen im Syrienkrieg ist Ihr Fokus auf den US-Imperialismus doch ein bisschen arg verkürzt. Ohne zu sehr ins Detail zu gehen, darf nicht vergessen werden, dass der NATO-Partner Türkei, kräftig ausgerüstet aus Deutschland, nur mit der Freigabe des Luftraum durch Russland (und die USA) den Angriff auf Afrin starten konnte. Mit islamistischen Milizen (zum Teil aus den Reihen des IS), die vorher vom NATO-Partner USA bekämpft wurden, welcher wiederum bis vor kurzem Seite an Seite mit den Kräften der SDF gegen den sogenannten IS kämpfte. Gleiches gilt für die neuerlichen Angriffspläne gegen die selbstverwalteten Gebiete im syrischen Nordosten. Hier zeigt sich ein hochkomplexes Konstrunkt aus globalen wie regionalen imperialistischen Bestrebungen, die ein klares Freund-Feind-Schema aushebeln. Erschütternd ist, dass das progressiv-demokratische Projekt der Revolution in Rojava droht, zwischen all diesen Akteuren aufgerieben zu werden.
      Im übrigen finde ich, dass man sehr wohl vom „Assad-Regime“ sprechen darf, denn die massive Gewalt, die gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt wurde und die Tatsache, dass auch Assad seinen nicht unerheblichen Anteil am Erstarken des IS hatte zeigen, dass sich auch dieses Regime für den Erhalt der eigenen Macht und zur Durchsetzung regionaler Hegemonialvorstellungen nicht zu schade für schmutzige Hände war und ist.

  9. Werner Richter sagt:

    Es ist geschehen, das Undenkbare und Nichtseinsollende. Eine Zeitschrift brachte einen Artikel zum Erscheinen der Neuausgabe „Das Kapital 1.1-1.5“¹. Zeichen oder Wunder? Die heilige Dreifaltigkeit des Journalismus, zumindest von Einigen beschworen und wohl nur in grauer Theorie existent, ist durchbrochen.
    Aber lassen wir die Dramatik, es ist eigentlich stinknormal. Das „Kapital“ erschien um Wesentliches erweitert und eine Zeitschrift berichtet darüber, was eigentlich ihre Aufgabe ist. Das ND hatte ja schon eine Besprechung für die Buchmesse veröffentlicht², sodaß hier garantiert keine Sensation vorliegt. Beides wurde hier im Forum bereits erwähnt. Es entwickelt sich eben, Genossen, auch der Journalismus.
    Der gemeinte Artikel als Gastbeitrag von Heinrich Harbach erschien auf der Website des Heiseverlages „telepolis“³. Dort begründet der Autor die Bedeutung des Ereignisses sowohl für die gesellschaftswissenschaftliche Theorie, die Interpretation des „Kapitals“, als auch für die praktische Politik, zumindest, soweit sie sich links wähnt. Es ist der Teil „Das Kapital 1.5 Die Wertform“, in bisherigen Ausgaben nicht vorhanden, und alle bisherige Kapitalinterpretationen in Frage stellend, der Furore macht.
    Die Website hat auch ein Forum, von dem ich hoffe, daß es fruchtbringende Diskussion bringt. Aber, für die, die mit ihm noch keine Erfahrungen gemacht haben, ist es sehr gewöhnungsbedürftig, es tummelt sich da allerlei, auch grobes Volk, wie auch sonst in der Gesellschaft. Das muß nicht negativ sein.
    Auch dem Nichtökonomen, der ja in der Regel mit der marxistisch-leninistischen Theorie, mit dem „Kapital“, und Praxis Berührung hatte, kann die Beschäftigung damit von Vorteil sein. Er hat Bezüge dazu, ob er will oder nicht.
    ¹ Rolf Hecker/Ingo Stützle (Hg.): Karl Marx. Das Kapital 1.1 bis 1.5. Fünf Bände im Schuber. Karl Dietz Verlag, 896 S., br., 30 €
    ² Die Wertform – das Fundament der kapitalistischen Produktionsweise !
    (zu „Das Kapital 1.5“ der Taschenbuchausgabe von „Das Kapital 1.1-1.5“) Zum 200. Geburtstag von Karl Marx, Der Springpunkt, https://www.neues-deutschland.de/artikel/1081770.karl-marx-der-springpunkt.html
    ³ https://www.heise.de/tp/features/Die-Wertform-Das-Fundament-der-kapitalistischen-Produktionsweise-4237120.html

  10. Ute Rucht sagt:

    Danke an E. Crome für diese nüchterne und damit sachlich-realistische statt emotional-ideologische Sicht auf das Problem der Linken in deren Bemühen (oder Versagen), wieder eine wirklich einflußreiche gesellschaftliche Wirkungsmacht zu werden.
    Ute Rucht

  11. Rolf Kegel sagt:

    „Ach, verraten zu sein, ist immer der Trost der Geschlagenen“, hat C. v. Ossietzky einmal, wie ich finde sehr treffend, resümiert.
    Mal sehen, wer sich in Sachen SPD – außer per Abwendung von ihr – noch alles als Opfer gerieren wird, was ohnehin des (nicht nur) Deutschen beliebteste Daseinsform sein dürfte.
    Nebenbei (und hier nicht als Widerspruch zu Sarcasticus gemeint), dass alle kommunistischen und andere linken Parteien – die einen mehr, die anderen weniger – ihre ursprünglichen Ideale verraten haben, wo sie an irgendeiner Form der Macht waren, sollte irgendwie immer mitgedacht werden. Wenn ich, nur mal auf die Gegenwart bezogen, daran erinnere, dass die heutigen Großdesaster u. a. der Berliner Wohnungs-, Bildungs-, Ämter-und Gesundheitsszene einst auch von der neuerlich mitregierenden Linken in deren erster Koalition mit der SPD mitzuverantworten ist, da sie mit (auch) ihrer rigiden Sparpolitik die Ideale der sozialen Gemeinschaft (hier einer Stadt) verraten hat, statt auszusteigen, um wenigstens nicht mitschuldig zu werden.
    Rolf Kegel

  12. Darf ich – auch wenn es ganz unüblich ist – meinem „Bravo“ für Wolfgang Klein noch ein Textstück hinterherschicken? Ein eigenes? Aus meinem Roman „Hartenstein. Bd 2: Im Zwielicht der Spuren“, erschienen Anfang 2018? Dort habe ich auf Seite 113ff geschrieben:
    „Fassungslos […] stand er“ – gemeint ist Jakob Hartenstein – „vor der Nichtbereitschaft der Herrschenden, eine Politik zu betreiben, die der Komplexität dieser Flucht- und Migrationsbewegungen, wie sie so überdeutlich auf der Hand lag, auch nur in Ansätzen gerecht geworden wäre.
    Für einen winzigen Moment hatte er geglaubt, es könne vielleicht gut ausgehen. Das war der Augenblick gewesen, da die Kanzlerin, um blutige Zusammenstöße und Hunger- und Trinkwasserkatastrophen der Flüchtlinge, die im Süden Europas gestrandet waren und nun zu Zehntausenden nach Norden strebten, zu verhindern, die Grenzen geöffnet und ‚Wir schaffen das‘ gesagt hatte.
    Ja, hatte Jakob gedacht, das war ein gutes Wort. War dem Reichtum Deutschlands angemessen und allem anderen, dessen man sich im Land glücklich schätzte und das man sonst gar nicht genug preisen konnte: wie demokratisch die Gesellschaft organisiert und wie effektiv sie verwaltet war; wie vorbildlich man sich um diejenigen kümmerte, die keine Arbeit finden konnten oder auf andere Weise von dem, was als Erwerbsleben galt, ausgeschlossen waren; wie hoch der Gerechtigkeitsanspruch war im Land; und wie modern das Menschenbild, mit dem man darauf bestand, frei zu sein von Rassismus und Intoleranz, Diskriminierung und Ausländerfeindlichkeit. Und war auch angemessen den riesigen Gewinnen, die Deutschland daraus zog, dass es in der Globalisierung zum Exportweltmeister geworden war. Die Welt stand offen allem, was in Deutschland selbst und in deutschen Firmen, die sich allüberall auf den Kontinenten angesiedelt hatten, mit Gewinn für Deutschland produziert wurde – da war es doch nur logisch, dass umgekehrt auch Deutschland der Welt offenstehen musste, und es war gut, dass sich das im Kanzlerinnenwort spiegelte.
    Aber wie sehr hatte er sich geirrt.
    Nicht einen Tag lang hatte ‚Wir schaffen das‘ Bestand gehabt. Nicht einen einzigen Tag. Blitzschnell hatte sich Gegendruck organisiert, und blitzschnell waren die Signale auf Rückzug gestellt. Den vollzog, wie es ihre Art war, die Kanzlerin nicht direkt, aber sie vollzog ihn. Trug den Satz noch ein paarmal vor sich her, aber höhlte ihn dabei schon aus, nahm ihm allen Kern und jede Kraft. Denn sie, die sonst so gerne von Werten sprach – von christlichen, abendländischen, europäischen – hielt nicht in die Höhe den wichtigsten Wert von allen: das Bild vom Menschen als eines überall gleichen. Das universale Menschenbild.
    Und: Sagte nicht, mit wem sie sich zusammentun wollte in ihrem ‚Wir schaffen das‘, benannte für ihren Satz keinen Adressaten, keine gesellschaftliche Kraft. Dabei bot diese Kraft sich ihr an in hunderttausendfacher Form. Mit überwältigendem Enthusiasmus und in selten erlebter Gemeinsamkeit meldeten sich junge Leute allüberall zu bereitwilliger Hilfe. Nichts wollten sie dafür haben, kein Geld war ihnen wichtig, das Helfen selbst war ihnen Inhalt und Zweck genug. […]
    Aber die Kanzlerin sah sie nicht, diese Kraft, sprach sie nicht an, ermutigte sie nicht, und schon gar nicht machte sie sich zu einem Teil von ihr. […]
    Indes: Da sie allein blieb mit ihrem ‚Wir schaffen das‘, die Kanzlerin, sich nicht verbündete, nicht Kraft suchte bei anderen, hatte der Gegendruck leichtes Spiel. Baute sich auf in ihrer eigenen Partei und in der, mit der sie in Koalition sich befand, und baute sich gleichzeitig auch auf der Straße auf und mit einer neuen Partei, die aus diesem Gegendruck sich speiste und ihn weiter erhöhte.“

    • Klaus Müller sagt:

      Wahre, wichtige, wunderbare Worte – danke Wolfgang Klein, danke Wolfram Adolphi!

  13. Bravo, uneingeschränktes Bravo, lieber Wolfgang Klein, für Ihre wunderbare Ansprache.

  14. Rainer Rau sagt:

    Heimat ?
    Meine Familie, meine Freunde, mein Verein, meine Genossinnen und Genossen
    Biesdorf, Kaulsdorf, Marzahn, Hellersdorf, vielleicht auch noch Berlin.
    Meine Straße, das Getreideviertel, die Oberfeldstraße, das Wuhletal, der Kienberg.
    Das ist mein zu Hause
    Hiddensee, Rügen, Rostock, Warnemünde, Hamburg, Kiel, die Ostseeküste, die Ostsee,
    Hohensaaten, die Oder, Bad Lauterberg, der Brocken, der Harz, Leipzig, Dresden, Klieken, die Elbe, Bingen, der Rhein, Passau, die Donau, Singen am Hohentwiel, Konstanz, der Bodensee,
    Kochel am See . . .
    Deutschland – ist meine Heimat – nicht aber mein Staat
    Und Europa?
    Inzwischen auch meine Heimat?
    Bück, Mielno, Swinoujscie, Marianske Lazne, Pertisau, Obergurgel, Keutschach, Morschach, Brunicio, St. Johann, Menorca, Madeira, Ponta Delgada, Kreta, Osoyro, Lappenranta, Edam . . .
    Ja!

  15. erhard weinholz sagt:

    Zur Abwechslung heute einmal lyrische Anmerkungen:

    Konservatives Prophentenwort
    Das Personal, das nichts mehr schreckt, es wird tagtäglich frecher,
    Der Geist ist krank und schmutzbedeckt, o ihr Kulturverbrecher!
    Die Menschheit ist gemein und dumm und wird noch immer dümmer,
    Und überhaupt ist alles schlumm, und morgen wird‘s noch schlümmer.

    Auf meinen Spaziergängen durch Berlin begleitet mich, das nun sei allen Herbert-Roth-Verächtern ins Stammbuch geschrieben, des öfteren ein von mir erdachtes Lied im Stil des Meisters, das Köckeritzsch-Stöckeritzsch-Lied (eigentlicher Titel: Gemeinsam geht es besser). Die Melodie, so scheint mir, stellt sich beim Lesen wie von selbst ein, Tempo: flott, aber nicht hastig.
    Von Köggeritsch nach Stöggeritsch (so die Originalaussprache) durch Wiese, Feld und Hain, den langen Weg nach Stöggeritsch geh ich nicht gern allein.
    Chor: Nach Stöggeritsch!
    Von Köggeritsch nach Stöggeritsch ist es nicht mehr so weit, geh’n wir den Weg nach Stöggeritsch auch einmal zu zweit.
    Chor: s. o.
    Von Köggeritsch nach Stöggeritsch beflügelt sich der Schritt, geh’n wir den Weg nach Stöggeritsch gemeinsam gar zu dritt.
    Chor: s. o.
    Von Köggeritsch nach Stöggeritsch, da geht es wie geschmiert, zieh’n wir hin gen Stöggeritsch (langsamer werdend) zu guter Letzt zu viert!
    Chor: s. o.
    Wenn möglich, mit Zitherbegleitung servieren.

    • Werner Richter sagt:

      Vielleicht ist dabei ein bißchen Abwechslung anzuraten, z.B. mit alten Kinderreimen, gesungen nach Volksmelodien, wie dem:
      Aaf dr Olm, do schtiat a Kuah,
      die mocht dös Auerschloach aaf un zua.
      Donebn schtiat a dummes Schwein,
      dös schaut dr Kuah ins Auerschloach nei.
      Do sogt die Kuah: Du dummes Schwein, wos schaust’n mia ins Auerschloach nei.
      Do sogt das Schwein: Du dumme Kuah, was mochst’n’s Auerschloach aaf un zua.
      Danach kann man inbrünstig aufatmen: Heimat, Deine Sterne!

    • Herr Richter möge sich sagen lassen, dass derart abgestandener Unflat durch noch so viele Diphtonge nur unwesentlich erträglicher wird.

      Erhard Weinholz dagegen sei gepriesen für das ebenso humane wie soziale Ideal, das er der faustischen Tragödie der Individuation entgegensetzt. Die Ausspracheregel (Köckeritzsch -> Köggeritsch usw.) erweist sich darüber hinaus als praktische Lebenshilfe: ich war mal in Leutzsch bei Leiptzsch und kann jetzt mit dieser Tatsache wesentlich entspannter umgehen. Hier zeigt sich ein Autor, der nicht nur die ethische, sondern auch die phonetische Kompetenz hat, selbst mit einem Nietzsche fertig zu werden. Und vom Intellekt her langt’s sowieso allemal.

      Mein Lieblingsbuchstabe bei „Heim und Welt“ war übrigens bisher „C“; der mit den „blonden blauäugigen Heiken“.

    • Werner Richter sagt:

      Herr Mankwald, das ist wirklich ein Kinderlied aus historisch prekären Proletenverhältnissen. Die Leute hatten keine Zeit, sich um die Befindlichkeiten von Schöngeistern zu sorgen. Man kann das natürlich ausblenden in heutiger Sattheit und sich mokieren. Aber Prekariat ist im Kommen und die Umgangsformen sind auch wieder dem entsprechend. Sie wiederspiegeln auch diese Lebensverhältnisse. Da ist doch ein Erinnern durchaus angebracht, wenn auch nicht jedermanns Geschmack. Wenn man jedoch Deftigkeit mit Niedrigniveau gleichsetzt, hat man ein Problem.

    • Herr Richter, proletarische Verhältnisse sind mir als Sohn eines Arbeiters durchaus bekannt; ebenso mindestens die ersten vier Zeilen Ihrer Verse, wenngleich in anderer Mundart. Daher das Prädikat „abgestanden“.
      Zu dem, was Sie „Prekariat“ nennen, gehöre ich als Empfänger des sog. „Arbeitslosengelds II“ seit Jahren selbst. (Nebenbei bemerkt empfinde ich den Ausdruck als diffamierend. Prekär heißt „auf Bitten angewiesen“; ich habe bestimmte Rechte. Und welche Umgangsformen zu dieser Situation passen, möchte ich gerne selbst entscheiden.) Gerade in dieser miesen Lage waren mir die Verse von Erhard Weinholz ein Trost; Ihren Kommentar dagegen empfand ich als trostlos.
      Vielleicht verstehen Sie das besser, wenn ich auf ein Marx-Zitat zurückgreife: W. zeigt gleichnishaft, wie wer auch immer damit beginnt, sich „zur Klasse zu organisieren“; Sie zeigen die „Konkurrenz“, die uns immer wieder davon abhält. Wenn unsereins einander mit solchen Schmeicheleien belegt, haben doch nur die Herrschenden wirklich etwas zu lachen.

  16. Werner Richter sagt:

    Zu St. Wohanka „Nation, Heimat und Patriotismus“
    Es mag daran liegen, daß ich, immer unterwegs, nie länger an einem Ort lebte, die Begriffe Nation, Heimat, Patriotismus klingen mir recht hohl. Ich traure deswegen nicht, bin eher froh darüber. Allerdings ist mir der Begriff der Klassenzugehörigkeit nicht so fremd, den erlebte ich in Echtzeit, nicht nur als Gefühl, sondern sehr real. Wenn die erstgenannten Begriffe zum Politikum aufsteigen, weckt das meinen Argwohn. Nicht unbegründet kommt dann der Verdacht, da will doch jemand ein Süppchen kochen, das auch ich dann, wenn es wieder mal in die Hosen geht, auslöffeln soll. Stephan Wohanka hat die Gefahrenpunkte genannt, ein Autor in telepolis hat den Heimatbegriff historisch betrachtet, der dann im SS-Reichssiedlungshauptamt seine Vollendung fand:
    https://www.heise.de/tp/features/Vom-Gartenhaus-nach-Buchenwald-4223487.html
    Das kommt mir in den Sinn, wenn plötzlich wie aus dem Nichts Heimatministerien gebraucht werden.
    Außerdem weckt „Heimat“ Erinnerungen an Herbert Roth, der mich neben der Operette schon in jungen Jahren ohne Kompromisse zum Rock‘n Roll trieb. Und zwar nur der Originalversion, der verdeutschte Kitsch war mir ein Gräuel.
    Dieses Heimatgesäusel ist mir auch zu kitschig, Papiergirlanden am Maibaum gleich, erinnert an Pappkameraden. Und ich finde das Fazit eines Kabarettisten für zutreffend: Nationalisten erschlagen ihre vermeintlichen Gegner, Patrioten machen so was nicht. Sie lassen die Nationalisten ihre Gegner erschlagen.

  17. Jürgen Scherer sagt:

    Zu Bs „Windstille“:
    Ein Raunen geht durch den Blättchenwald, Herr B. verkündet ein Ende – gar bald.
    Was will er uns sagen?
    Zunächst mal, dass alles ganz fürchterlich und Passivität unser Land bestimme. Abhilf´ allein bringe mutig Aktion. Reif sei die Zeit für mutige Tat. Doch die konsumistische Haltung der jungen Elite verhindre Erkenntnis, intellektuellen Durchbruch und Tatkraft für Veränderung. Es bedürfe gewissermaßen der Unbedarftheit der „klugen Unterpriviligierten“ (Wer immer das sein mag, Herr B. verrät es uns nicht.), gälte es den Anfängen zu wehren. Nach Kästner blieben noch 5 Jahre Zeit, bevor der Sturm losbreche, der rechte nämlich.
    Um zu seinen Schlussfolgerungen zu gelangen, bemüht Herr B. ein Endzeitszenarium, das er nicht als Blaupause verstanden wissen will. Aber als Menetekel dient es ihm doch, für das, was er uns denken lassen will. (Wobei Mensch schon wissen sollte, dass Hodis´ „Weltende“ den vermuteten Sturz des Haleyschen Kometen auf die Erde zum Anlass hatte und sich quasi lustig machte über die damit einhergehende Weltuntergangsangst.)
    Des Weiteren führt Herr B. an, heute herrschten „Grundvereinbarungen“, die kaum jemand vereinbart habe. Welche meint er, das Grundgesetz z.B.? Wenn ich recht sehe, wird es, außer von rechten Wirrköpfen, darunter den „Reichsbürgern“, nicht infrage gestellt, ist eine passable und anerkannte Grundlage für das Zusammenleben in unserer Republik.
    Von der Jugend sei nichts zu erwarten, da fehle außer dem vom Konsumismus verseuchten Intellekt die Beseeltheit. Was aber ist mit den jungen Menschen, die sich zu Tausenden gegen TTiP engagieren, „Pulse of Europe“ unterstützen, bei „#Aufstehen“ auf die Straße gehen, im Hambacher Forst für Umwelt und Demokratie kämpfen, sich bei attac engagieren oder den G20kapitalismus herausfordern – beseelt sind von Freiheit, Demokratie und Selbstbestimmung?
    Und wenn ich recht sehe, werden ganz viele Gegendemonstrationen gegen „Pegida“ und die „ AfD“ gerade wegen der zuvor erwähnten Werte auch von jungen Menschen getragen.
    Von Windstille keine Rede, im Gegenteil!

  18. Werner Richter sagt:

    Zu Heerke Hummel Blä. 23-2018
    Zum x-ten Mal ist die These von der Revolution des Finanzwesens (Geldes) durch die Aufhebung der Goldbindung des $, die dadurch erfolgte Wesensänderung des Geldes von einer Ware zu einem Zertifikat für gesellschaftlich geleistete Arbeit zu lesen. Auch ständige Wiederholung der These macht sie nicht glaubwürdiger. Die Analyse kann man sich sparen, sie erfolgte zu anderer Gelegenheit bereits mehrmals und ist im Forum nachlesbar. Jedoch eine Einordnung scheint angebracht. All den Thesenvarianten ist gemeinsam, daß ihnen das Verständnis des Geldes und vor allem der allgemeinen Ware völlig fehlt. Den Status einer allgemeinen Ware erhält ein Ding unbewußt, gesellschaftlich instinktiv durch das Zusammenwirken von Warenbesitzern. Sie wollen es nicht, aber sie müssen es tun, weil nur so die Warenzirkulation funktioniert und damit auch die allgemeine Warenproduktion. Insofern muß eine übergeordnete Instanz das gesellschaftlich sanktionieren, was der Mensch blindwirkend geschaffen hat. Dieser Mechanismus funktioniert solange, wie i.d.R. der Staat bzw. Staatengemeinschaft, um eigene Existenz zu sichern, seinen Segen gibt (als 2008/9 Lehmann Brothers insolvent ging, mußte die gesamte Weltgemeinschaft dafür büßen, weil sonst ein globaler Konkurs gekommen wäre). Solange die Welt ihren Austausch auf Waren aufbaut, muß sie den auch über Geldbeziehungen abwickeln. Natürlich war temporär die Deckung des Geldes und seiner Konvertibilität durch den Goldstandard gegeben, aber durch seine quasi Aufhebung hat sich der Status des Geldes als Allgemeine Ware nicht geändert solange die staatliche Gewähr gegeben ist. Es wird erst in Frage gestellt durch Staatsbankrott oder den der Industrieländer.
    Es ist ein Phantasiegebilde, den unbewußten Charakter der Allgemeinen Ware aufzulösen und bewußt mit geleisteter Arbeit gleich zu setzen. Diese Theorie hebt den Zusammenhang von Warenzirkulation und -produktion auf und tut so, als sei die Aufhebung des Kapitalismus ein Klacks.
    Die Aufhebung des Goldstandards hat natürlich auch damit zu tun, daß wir wieder (!!!) im Finanzkapitalismus angekommen sind und das Kapital verzweifelt nach Anlagemöglichkeiten zur Verwertung suchen muß.

  19. Wolfgang Ernst sagt:

    Da die dort in Rede stehenden „Eliten“ sich gegen solcherart Kritik abschotten wollen, werden Mausfeld und sein Buch inzwischen als „Verschwörungstheorie“ denunziert – mit dem derzeit wohlfeilsten Scheinargument, um sich mit kritischen Sichten gerade nicht auseinandersetzen zu müssen.

    • Ja, das ist eine der hauptsächlichen Keulen, die bei solchen Gelegenheiten benutzt werden. Vielleicht wirkt es inzwischen auch eher als Bumerang: Wo am heftigsten „Verschwörungstheorie“ geschrien wird, werden möglicherweise viele oftmals erst recht hinschauen.
      Durch das, was ich an Mausfelds Ausführungen kritisiere, leistet er dem allerdings auch ein wenig Vorschub. Denn er stellt eine vermeintlich unschuldig verführte Bevölkerung den Herrschenden und Medien pauschal gegenüber. Das werden viele gern lesen, die ihre Eigenverantwortung für das gesellschaftliche Geschehen nicht wahrhaben und sich auf das Verfluchen von Eliten beschränken wollen.
      Die soziale Realität ist weitaus differenzierter – wie seit voriger Woche einmal mehr die Leipziger „Mitte“-Studien belegen. Sie heißen nun „Autoritarismus“-Studien und haben diesmal ein Zitat von Erich Fromm als Titel: „Flucht ins Autoritäre“: https://www.psychosozial-verlag.de/2820

  20. Ich habe mich inzwischen ausführlicher mit Rainer Mausfelds Buch auseinandergesetzt. Wen das interessiert, kann es hier nachlesen:
    Kein Mensch wird als Schaf geboren
    https://andreas-peglau-psychoanalyse.de/kein-mensch-wird-als-schaf-geboren-zu-rainer-mausfelds-buch-warum-schweigen-die-laemmer/

  21. Klaus-Dieter Grimmer sagt:

    „Merzrevolution“
    Die deutsche Geschichte des 19. Jahrhunderts enthält für das Jahr 1848 ein wichtiges Ereignis, die sogenannte Märzrevolution. Durch revolutionäre Ereignisse im Februar in Frankreich inspiriert, kämpfte das deutsch Bürgertum gegen die lokale Willkür der vielen deutschen Fürstenhöfe für die Schaffung eines deutschen Nationalstaats. Die gewählte Aufmachung ist einem Wortspiel geschuldet, denn sollte der mit allen Wassern des internationalen Finanzkapitals gewaschenen Herr Merz die Nachfolge zumindest für den CDU Vorsitz von Frau Merkel antreten, kann Deutschland mit einer „Merzrevolution“ diese aber äusserst konservativ und von oben geführt, rechnen.
    Diese „ Revolution“ wird nicht etwa der Steuererklärung auf dem Bierdeckel zur massenhaften Anwendung für die deutschen Steuerbürger zum Durchbruch verhelfen, sondern soziale Kälte wird noch dominanter, die Polarisierung von Arm und Reich noch viel deutlicher hervortreten.
    Merz wird bestimmt nicht sofort aber auf Perspektive die Abrissbirne der letzten Überbleibsel der sogenannten „Sozialen Marktwirtschaft“ werden. Seine Sozialisierung, seine Dutzenden Posten und Pöstchen im internationalen Finanz- und Immobiliengeschäft wird ihm objektiv keine andere Wahl lassen. Außerdem ist ihm zuzutrauen, dass er gar nichts anderes will.
    Die Kreise, die diesen smarten Herrn unterstützen bzw. auf ihr Schild gehoben haben, erwarten nichts anderes von ihm.
    Dann kommt noch hinzu, dass Merz nicht unterstellt werden kann, eine besonders kritische Distanz zum derzeitigen US Präsidenten zu haben. Also es ist deutlich damit zu rechnen, dass die deutsche „Zickerei“, zur von Trump geforderten entschiedenen Aufstockung des Rüstungsetat, mit ihm schnell der Vergangenheit angehören wird. Umso schneller, sollte er auch noch Kanzler werden.
    Mit der Hoffnung von Herrn Caracciola bin ich einverstanden, Merz sollte weiter im Pausenmodus verbleiben. Das ist besser für unser Land!

  22. erhard weinholz sagt:

    Ein paar Überlegungen im Anschluß an Stephan Wohankas aus meiner Sicht höchst begrüßenswerten Forum-Beitrag. Bisher war ja im „Blättchen“ (warum eigentlich gerade hier?), wenn es um den Fall Skripal ging, immer nur von Beweisen in Anführungszeichen die Rede, von britischen Unterstellungen, von einer beweislosen Bezichtigungsstrategie und dergleichen mehr. Einer der betreffenden Autoren wunderte sich, daß der Westen mit Formulierungen wie „mit höchster Wahrscheinlichkeit“ arbeite. Aber was kann denn in einem solchen Falle überhaupt als Beweis gelten? Daß sich Putin höchstpersönlich hinstellt und erklärt: Natürlich haben wir den Kerl um die Ecke bringen wollen!, ist wohl kaum zu erwarten. Es ist von der Moskauer Führung ja zu verschiedenen Zeiten gelogen worden, daß sich die Balken biegen: im Falle der Morde von Katyn, der Raubkunst-Depots, des Abschusses einer koreanischen Passagiermaschine im Jahre 1983. Bis es dann irgendwann nützlich erschien, doch die Wahrheit zu sagen. Ich vermute, daß es auch im Fall Skripal so sein wird – und wundere mich zugleich, daß es immer noch Menschen gibt, die aus den genannten trüben Erfahrungen nichts gelernt zu haben scheinen. Daß auch westliche Regierungen gelogen haben, bemerke ich mal nebenbei, kann ja als Argument nicht reichen.
    Stephan Wohanka schließt mit dem Satz: „Solange ‚Links‘ mit Fakten, Tatsachen ‚unangenehmer‘ Natur, die also nicht so recht ins ideologische Muster passen, so umgeht, bleibt es um ‚Links‘ schlecht bestellt.“ Das führt mich zu einer zweiten Frage: Was ist das für eine Weltsicht, die hinter diesem Umgang steht? Und wer vertritt sie? Indirekt erschließt es sich vielleicht in gewissem Maße dadurch, daß es auch hierzulande eine sozialistische Linke gegeben hat, die sich von den Moskauer Lügen nicht hat einnebeln lassen und die auch nicht der Meinung war, eine Lüge sei eine gute Sache, wenn sie für gute Sache ist. Es war zugleich eine Linke, die sich für den verkorksten DDR-Sozialismus nicht hat einspannen lassen, jenen Sozialismus, der mir in eben diesem Umgang mit den Realitäten noch immer herumzugeistern scheint.

    • Hajo Jasper sagt:

      Mich im Einvernehmen mit E. Weinholz wähnend, würde ich gern auf György Dalos verweisen, der sein ideologiefernes Verständnis vom Links-Sein so formuliert hat: „Ich bin ein Linker in meinen kulturellen Reflexen, möchte jedoch diese Haltung nicht ohne Reflexion über mich ergehen lassen. Dementsprechend muss ich für den GAU gerüstet sein, wenn etwa ein Konservativer plötzlich Recht hat oder ein Vertreter des Fortschritts eine enorme Dummheit präsentiert. Jenseits dieser traditionellen Sicht fühle ich mich jenen Paradiesvögeln verpflichtet, die in einer Frage so, in einer anderen wiederum anders denken. Andersdenken ist für mich nicht nur eine Form der ideologischen Devianz, sondern auch das Recht, über etwas anderes als die Themen des gängigen Diskurses nachzudenken.“
      Nun muß auch im Falle Skripal freilich gelten, dass Täterschaft (wessen auch immer) bewiesen werden muß. Auch wenn das schwer ist, haben doch etwa Fälle und irrationale Hintergründe, auf die Roland Helfrich in diesem Forum verwiesen hat, dass dies früher oder später zumeist machbar ist. Die bisherige finale Unbewiesenheit des Skripal-Anschlages allerdings spöttisch als eine Art Beleg dafür zu nehmen, dass es Moskau nicht gewesen sein kann, deucht mich in der Tat mindestens blauäugig und vermutlich wirklich von einstiger Bruderbündlichkeit genährt, die einfach davon absieht, dass Putins Rußland längst kein „Vertreter des Fortschritts“ und nichts anderes und besseres ist als andere Staaten, vor allem solche, die um geopolitische Pfründe bemüht sind.

    • Werner Richter sagt:

      Auch zum Parallelbeitrag von S. Wohanka gedacht.
      Hätte je jemand gedacht, hier eine Adaption der Putin/Rußlandversteher-Unterstellung erleben zu können? Das Absurde daran kann an vielem bereits Dargestellten mit Neigung zu einer Nato-Einordnung anhand abgewogener ziemlich sicherer Fakten als gekontert verbucht werden. Dazu ist auch ein Artikel von A. von Westphalen auf http://www.heise.de vom 9. Nov. erhellend. Darin geht es um die berühmten Fakten der Briten, was diese wirklich wert sind.

  23. Roland Helfrich sagt:

    Bernhard Romeikes Hinweise auf die fehlende Stringenz eines russischen Mordversuchs an Skripal sind sehr plausibel. Nur eine Facette geheimdienstlichen Tötens ist ungenannt, wiewohl aber existent: Irrationalität bei Tätern und/oder Auftraggebern.
    Aktuell zu besichtigen am Falle Kashoggi, dessen Tötung an Dämlichkeit bei zudem mangelnder „Dringlichkeit“ kaum zu überbieten ist. Ähnliches ist einst geschehen, als der volkspolnische Geheimdienst 1984 den Pfarrer Jerzy Popiełuszko ermordete. Gleich mehrere Pannen hat sich diesbezüglich der Mossad geleistet und einst auch der Geheimdienst des sozialistischen Buklgariens per „Regenschirm-Mord“. Keines allein dieser Opfer war von solch einer Bedrohung für die jeweiligen Regime, dass ihre Tötung sozusagen als „ultima ratio“ alternativlos gewesen wäre. Und das sind nur die Fälle, die bekannt geworden sind…
    Roland Helfrich

    • Stephan Wohanka sagt:

      Schattenkrieger und Schattenmacht
      von Bernhard Romeike
      Wollte ich, wie der Autor, über Geheimdienste und deren Treiben nachsinnen – ich hätte den Fall Skripal dazu nicht (mehr) bemüht.
      Um die These, dass Russland für den dilettantischen Mordversuch nicht verantwortlich sein könne, führt er eine Reihe rhetorischer Fragen an: „Warum sollte Russland Interesse haben, einen ehemaligen Agenten zu ermorden, der zuvor im russischen Gefängnis saß, entlassen wurde und ausreisen durfte? Ihn aus dem Weg zu räumen, hätte man im russischen Gefängnis einfacher haben können“. Russland ließ S. aber laufen, warum auch immer. Wohl mit einigem politischen Bauchgrimmen, denn schon 2010 empörte sich Putin über Doppelagenten: „Verräter werden verrecken, glaubt mir. Die 30 Silberlinge, die sie erhielten – sie werden daran ersticken“. Des weiteren war damals – im März 2018 – hierzulande zu lesen: „Es scheint aber in Putins Apparat auch Kräfte zu geben, die alle geschriebenen und ungeschriebenen Regeln (niemals Gewalt anzuwenden auch gegenüber ausgetauschten Agenten – St. W.) infrage stellen wollen. Vor ein paar Tagen bezeichnete Kiril Klejmjonow, Moderator des Staats-TV-Senders Perwy Kanal, Skripal als ´professionellen Verräter´und warnte das Publikum, dieser Beruf sei einer der gefährlichsten und ungesündesten in der Welt. Besonders schlecht ergehe es den Berufsverrätern in Großbritannien. ´Leute hängen sich auf, vergiften sich, stürzen mit dem Hubschrauber ab und fallen aus dem Fenster, in fabrikmäßigen Mengen´“. Immerhin. Aber natürlich kein Beweis.
      Weiter im Reigen des Rhetorischen: „Er wohnt, wie es heißt, in einem Haus, das der britische Auslandsgeheimdienst MI6 finanziert. Überwachen die das Haus nicht?“ Vielleicht das Haus nicht; es waren aber genügend Kameras installiert, um doch zwei Individuen herauszufiltern – nicht vor dem Haus, aber in Salisbury und auch bei An- und Abflug nach und von London innerhalb von zwei Tagen. Das führte dazu, dass „nach wochenlangen Auswertungen unzähliger Videoaufnahmen die britische Polizei die Täter identifiziert haben will“. Und die stellte die Bilder beider ins Netz und nannte ihre Namen. Das Dementi folgte auf dem Fuß: „Die in den Medien veröffentlichten Namen und Bilder sagen uns nichts“ (Sprecherin des Außenministeriums Maria Sacharowa). Romeike weiter: „Es gibt unzählige Ungereimtheiten“ – natürlich auf britischer Seite. Ich meine – doch wohl nun eher auf russischer! Nachdem diese wochenlang von „Unsinn“ (Lawrow) oder von „dreckigen Spielen“ (UN-Botschafter Nebensja) gepoltert hatte, ging es dann trotz obigen Dementis ganz schnell: Plötzlich konnten russische Behörden – laut Putin – die gesuchten Männer identifizieren: „Wir wissen wer sie sind, wir haben sie gefunden“. Es seien „Zivilisten“, keine „Militärangehörigen“. Putin hoffe (!), die beiden Männer würden sich dazu entscheiden, mit Medien zu sprechen und alles über sich erzählen. Kurz danach strahlte Russia Today ein rund 25-minütiges Interview voller Skurrilitäten mit den beiden Männern aus: Zwei harmlose Touristen waren nach London geflogen und zweimal in Salisbury gewesen. Am ersten Tag, dem Vortag des Giftanschlages, reisten sie zurück nach London,weil sie – russische Männer, keine Barbiepuppen – „Schneematsch“ vertrieb. Honi soit qui mal y pense….
      Ich will nun gar nicht eingehen auf die nicht unplausiblen nachfolgenden Recherchen, die die beiden „Touristen“ dem Geheimdienst GRU zuordnen. Nur noch: Putin bezeichnete kürzlich S. als „Dreckskerl, sonst nichts“.
      Es bleibt festzuhalten: Während die britische Seite von Anfang an behauptete, dass russische Agenten S. umbringen wollten, schlug die russische Seiten propagandistische Haken und gab nur zu, was offensichtlich war. Wirklich bewiesen ist nichts. Aber das Schema ist nicht neu.
      Es geht aber noch um mehr: Solange „Links“ mit Fakten, Tatsachen „unangenehmer“ Natur, die also nicht so recht ins ideologische Muster passen, so umgeht, bleibt es um „Links“ schlecht bestellt.

    • Werner Richter sagt:

      Es ist schon interessant, welche Konturen vermeintlche Götterdämmerung schärfen kann. Wobei diese dem Aufmerksamen schon länger hätten aufgefallen können, zumindest gewisse russophobe Züge. Nun traut man sich einen Zack schäŕfer, angewandt werden, schon durch Georg W. erprobte Taktiken, dem andersdenkenden Gegenüber ideologische Vorurteile anzulasten, was dann die eigenen als Gegenteil erscheinen lassen soll. Das wirkt immer.
      Nichts dagegen zu sagen, es ist allen alles zumutbar. Aber deshalb der einen, suspekten Seite dann den Schwarzen Peter zuschieben und die der eigenen entgegen gesetzten Stimmen gleich mit in den Orkus zu schicken ist nicht der Anerkenntnis mehrseitiger Verursachung zuordenbar. Es scheint verlockend zu sein, in einer eigentlich nur liberalen Zeitschrift dem konservativen Geist mehr Raum zu schaffen, aber ob die Vertretung von Nato-Positionen (nicht zum ersten Mal), die durchaus und sehr wahrscheinlich als Teil der antirussischen Kampagne gesehen werden können, dem dienlich ist, kann bezweifelt werden. Die Mehrzahl der Leser, darin liegt wohl die Fehleinschätzung, ist noch nicht reif für die Akzeptanz der dann als sich selbst erfüllende Prophezeiung wirkenden Grundthese vom bösen Russen, die bei Herrn Wohanka seit jeher durchschimmert.

    • Manne Murmelauge sagt:

      Herr Wohanka moniert den Text eines anderen Autors, weil er den so nicht geschrieben hätte. Musste er auch nicht. Oder war er zuvor zu Texten genötigt worden, die er nicht schreiben wollte?

  24. Rudolph Caracciola sagt:

    Einst wollte Friedrich Merz, der offenbar untote „Bierdeckel-Fritz“, den Deutschen ein stark vereinfachtes Steuerrecht bescheren; die Steuererklärung sollte „auf einen Bierdeckel“ passen. Doch dann erging es ihm mit Angela Merkel auch nur so wie anderen ambitionierten CDU-Nachwuchsgranden – oder wie es in der Werbung für „Fisherman’s Friends“ so schön heißt: „Sind sie zu stark, bist du zu schwach!“ 2002 unterlagen Merz im Revierkampf mit Angie und hatte fortan keine Aussicht mehr auf ein Spitzenamt. Mit seinem Rückzug aus dem Bundestag 2009 schließlich war er in die politische Versenkung verklappt.
    Wirtschaftlich dürfte ihn dieser Karriereschwenk allerdings saniert haben, denn hernach sammelte er lukrative Posten wie andere Bierdeckel. Auch bei Heuschrecken wie BlackRock, dem größten Vermögensverwalter der Welt. Er sei heute, so die taz, „ein umtriebiger Lobbyist […]. Wirtschaftspolitisch marktradikal, gesellschaftspolitisch erzkonservativ“. Merz hat klar für Trump votiert („kann die Spaltung Amerikas überwinden“) und ist ein Aufrüstungsprediger vor dem Herrn, der nicht müde wird zu fordern: „… dass wir die Zusage endlich einhalten müssen, die wir seit Jahren geben: bis zu zwei Prozent unseres Bruttoinlandsprodukts tatsächlich für Verteidigungsausgaben bereitstellen.“
    Kaum dass die Kanzlerin jetzt den letzten Punkt hinter die Verkündung ihrer Rückzugsabsichten gesetzt hatte, sprang Merz wie Kai aus der Kiste und warf seinen Hut für den CDU-Vorsitz in den Ring. Das erfüllt den Tatbestand des Fellversaufens bevor noch die gerade Verblichene überhaupt zur letzten Ruhe gebettet ist. Zu all den wenig sympathischen bis widerlichen Zügen, die ihm eigen sind, gesellt sich also auch noch ein Mangel an politischer Pietät.
    Seinen Abgang von 2009 log er sich später ja mit dem Sprüchlein schön, er hätte sich eine Pause von der Politik verordnet. Da wollen wir jetzt mal hoffen, dass eine hinreichende Mehrheit seiner Parteigenossinen und -genossen insofern noch alle Tassen im Schrank hat, dass er im Pausenmodus verbleibt …

  25. erhard weinholz sagt:

    Sehr geehrter Herr Bosselmann,

    ganz kurz nur noch; es gäbe sicherlich erheblich mehr in dem Zusammenhang zu sagen, ich habe aber das Gefühl, dass es von meiner Seite genug sei.
    Mir scheint, Sie irren, wenn Sie meinen, mir ginge es eher um Haltung und Bekenntnis als ums Argumentieren. Wenn ich sage: Wer diesen Aufruf unterschreibt, festigt die Stellung einer rechten Scharfmacherin – dann ist das ja wohl ein Argument. Ein funktionales allerdings, das heißt: Ich frage nicht danach, wo Sie stehen, sondern was Ihr Tun bewirkt. In diesem Falle meines Erachtens nichts Gutes.
    Rätselhaft ist mir, wie Sie darauf kommen, man sei darauf erpicht, im Blättchen vor allem die von einem selbst bevorzugten Bekenntnisse zu lesen, von möglichst stubenreinen Autoren obendrein. Ich bin als Leser an Bekenntnissen nicht sonderlich interessiert, sehe auch nicht, dass das Genre im Blättchen eine Rolle spielt; am ehesten könnte ich noch Ihre Texte dort einordnen (ohne sie darauf reduzieren zu wollen). Dass sich Organe wie das Blättchen einer bestimmten Richtung verpflichtet fühlen, halte ich hingegen für gut und richtig.

    Es grüßt Sie: Erhard Weinholz.