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2.291 Beiträge im Forum

  1. Rainer Rau sagt:

    Heimat ?
    Meine Familie, meine Freunde, mein Verein, meine Genossinnen und Genossen
    Biesdorf, Kaulsdorf, Marzahn, Hellersdorf, vielleicht auch noch Berlin.
    Meine Straße, das Getreideviertel, die Oberfeldstraße, das Wuhletal, der Kienberg.
    Das ist mein zu Hause
    Hiddensee, Rügen, Rostock, Warnemünde, Hamburg, Kiel, die Ostseeküste, die Ostsee,
    Hohensaaten, die Oder, Bad Lauterberg, der Brocken, der Harz, Leipzig, Dresden, Klieken, die Elbe, Bingen, der Rhein, Passau, die Donau, Singen am Hohentwiel, Konstanz, der Bodensee,
    Kochel am See . . .
    Deutschland – ist meine Heimat – nicht aber mein Staat
    Und Europa?
    Inzwischen auch meine Heimat?
    Bück, Mielno, Swinoujscie, Marianske Lazne, Pertisau, Obergurgel, Keutschach, Morschach, Brunicio, St. Johann, Menorca, Madeira, Ponta Delgada, Kreta, Osoyro, Lappenranta, Edam . . .
    Ja!

  2. erhard weinholz sagt:

    Zur Abwechslung heute einmal lyrische Anmerkungen:

    Konservatives Prophentenwort
    Das Personal, das nichts mehr schreckt, es wird tagtäglich frecher,
    Der Geist ist krank und schmutzbedeckt, o ihr Kulturverbrecher!
    Die Menschheit ist gemein und dumm und wird noch immer dümmer,
    Und überhaupt ist alles schlumm, und morgen wird‘s noch schlümmer.

    Auf meinen Spaziergängen durch Berlin begleitet mich, das nun sei allen Herbert-Roth-Verächtern ins Stammbuch geschrieben, des öfteren ein von mir erdachtes Lied im Stil des Meisters, das Köckeritzsch-Stöckeritzsch-Lied (eigentlicher Titel: Gemeinsam geht es besser). Die Melodie, so scheint mir, stellt sich beim Lesen wie von selbst ein, Tempo: flott, aber nicht hastig.
    Von Köggeritsch nach Stöggeritsch (so die Originalaussprache) durch Wiese, Feld und Hain, den langen Weg nach Stöggeritsch geh ich nicht gern allein.
    Chor: Nach Stöggeritsch!
    Von Köggeritsch nach Stöggeritsch ist es nicht mehr so weit, geh’n wir den Weg nach Stöggeritsch auch einmal zu zweit.
    Chor: s. o.
    Von Köggeritsch nach Stöggeritsch beflügelt sich der Schritt, geh’n wir den Weg nach Stöggeritsch gemeinsam gar zu dritt.
    Chor: s. o.
    Von Köggeritsch nach Stöggeritsch, da geht es wie geschmiert, zieh’n wir hin gen Stöggeritsch (langsamer werdend) zu guter Letzt zu viert!
    Chor: s. o.
    Wenn möglich, mit Zitherbegleitung servieren.

    • Werner Richter sagt:

      Vielleicht ist dabei ein bißchen Abwechslung anzuraten, z.B. mit alten Kinderreimen, gesungen nach Volksmelodien, wie dem:
      Aaf dr Olm, do schtiat a Kuah,
      die mocht dös Auerschloach aaf un zua.
      Donebn schtiat a dummes Schwein,
      dös schaut dr Kuah ins Auerschloach nei.
      Do sogt die Kuah: Du dummes Schwein, wos schaust’n mia ins Auerschloach nei.
      Do sogt das Schwein: Du dumme Kuah, was mochst’n’s Auerschloach aaf un zua.
      Danach kann man inbrünstig aufatmen: Heimat, Deine Sterne!

  3. Werner Richter sagt:

    Zu St. Wohanka „Nation, Heimat und Patriotismus“
    Es mag daran liegen, daß ich, immer unterwegs, nie länger an einem Ort lebte, die Begriffe Nation, Heimat, Patriotismus klingen mir recht hohl. Ich traure deswegen nicht, bin eher froh darüber. Allerdings ist mir der Begriff der Klassenzugehörigkeit nicht so fremd, den erlebte ich in Echtzeit, nicht nur als Gefühl, sondern sehr real. Wenn die erstgenannten Begriffe zum Politikum aufsteigen, weckt das meinen Argwohn. Nicht unbegründet kommt dann der Verdacht, da will doch jemand ein Süppchen kochen, das auch ich dann, wenn es wieder mal in die Hosen geht, auslöffeln soll. Stephan Wohanka hat die Gefahrenpunkte genannt, ein Autor in telepolis hat den Heimatbegriff historisch betrachtet, der dann im SS-Reichssiedlungshauptamt seine Vollendung fand:
    https://www.heise.de/tp/features/Vom-Gartenhaus-nach-Buchenwald-4223487.html
    Das kommt mir in den Sinn, wenn plötzlich wie aus dem Nichts Heimatministerien gebraucht werden.
    Außerdem weckt „Heimat“ Erinnerungen an Herbert Roth, der mich neben der Operette schon in jungen Jahren ohne Kompromisse zum Rock‘n Roll trieb. Und zwar nur der Originalversion, der verdeutschte Kitsch war mir ein Gräuel.
    Dieses Heimatgesäusel ist mir auch zu kitschig, Papiergirlanden am Maibaum gleich, erinnert an Pappkameraden. Und ich finde das Fazit eines Kabarettisten für zutreffend: Nationalisten erschlagen ihre vermeintlichen Gegner, Patrioten machen so was nicht. Sie lassen die Nationalisten ihre Gegner erschlagen.

  4. Jürgen Scherer sagt:

    Zu Bs „Windstille“:
    Ein Raunen geht durch den Blättchenwald, Herr B. verkündet ein Ende – gar bald.
    Was will er uns sagen?
    Zunächst mal, dass alles ganz fürchterlich und Passivität unser Land bestimme. Abhilf´ allein bringe mutig Aktion. Reif sei die Zeit für mutige Tat. Doch die konsumistische Haltung der jungen Elite verhindre Erkenntnis, intellektuellen Durchbruch und Tatkraft für Veränderung. Es bedürfe gewissermaßen der Unbedarftheit der „klugen Unterpriviligierten“ (Wer immer das sein mag, Herr B. verrät es uns nicht.), gälte es den Anfängen zu wehren. Nach Kästner blieben noch 5 Jahre Zeit, bevor der Sturm losbreche, der rechte nämlich.
    Um zu seinen Schlussfolgerungen zu gelangen, bemüht Herr B. ein Endzeitszenarium, das er nicht als Blaupause verstanden wissen will. Aber als Menetekel dient es ihm doch, für das, was er uns denken lassen will. (Wobei Mensch schon wissen sollte, dass Hodis´ „Weltende“ den vermuteten Sturz des Haleyschen Kometen auf die Erde zum Anlass hatte und sich quasi lustig machte über die damit einhergehende Weltuntergangsangst.)
    Des Weiteren führt Herr B. an, heute herrschten „Grundvereinbarungen“, die kaum jemand vereinbart habe. Welche meint er, das Grundgesetz z.B.? Wenn ich recht sehe, wird es, außer von rechten Wirrköpfen, darunter den „Reichsbürgern“, nicht infrage gestellt, ist eine passable und anerkannte Grundlage für das Zusammenleben in unserer Republik.
    Von der Jugend sei nichts zu erwarten, da fehle außer dem vom Konsumismus verseuchten Intellekt die Beseeltheit. Was aber ist mit den jungen Menschen, die sich zu Tausenden gegen TTiP engagieren, „Pulse of Europe“ unterstützen, bei „#Aufstehen“ auf die Straße gehen, im Hambacher Forst für Umwelt und Demokratie kämpfen, sich bei attac engagieren oder den G20kapitalismus herausfordern – beseelt sind von Freiheit, Demokratie und Selbstbestimmung?
    Und wenn ich recht sehe, werden ganz viele Gegendemonstrationen gegen „Pegida“ und die „ AfD“ gerade wegen der zuvor erwähnten Werte auch von jungen Menschen getragen.
    Von Windstille keine Rede, im Gegenteil!

  5. Werner Richter sagt:

    Zu Heerke Hummel Blä. 23-2018
    Zum x-ten Mal ist die These von der Revolution des Finanzwesens (Geldes) durch die Aufhebung der Goldbindung des $, die dadurch erfolgte Wesensänderung des Geldes von einer Ware zu einem Zertifikat für gesellschaftlich geleistete Arbeit zu lesen. Auch ständige Wiederholung der These macht sie nicht glaubwürdiger. Die Analyse kann man sich sparen, sie erfolgte zu anderer Gelegenheit bereits mehrmals und ist im Forum nachlesbar. Jedoch eine Einordnung scheint angebracht. All den Thesenvarianten ist gemeinsam, daß ihnen das Verständnis des Geldes und vor allem der allgemeinen Ware völlig fehlt. Den Status einer allgemeinen Ware erhält ein Ding unbewußt, gesellschaftlich instinktiv durch das Zusammenwirken von Warenbesitzern. Sie wollen es nicht, aber sie müssen es tun, weil nur so die Warenzirkulation funktioniert und damit auch die allgemeine Warenproduktion. Insofern muß eine übergeordnete Instanz das gesellschaftlich sanktionieren, was der Mensch blindwirkend geschaffen hat. Dieser Mechanismus funktioniert solange, wie i.d.R. der Staat bzw. Staatengemeinschaft, um eigene Existenz zu sichern, seinen Segen gibt (als 2008/9 Lehmann Brothers insolvent ging, mußte die gesamte Weltgemeinschaft dafür büßen, weil sonst ein globaler Konkurs gekommen wäre). Solange die Welt ihren Austausch auf Waren aufbaut, muß sie den auch über Geldbeziehungen abwickeln. Natürlich war temporär die Deckung des Geldes und seiner Konvertibilität durch den Goldstandard gegeben, aber durch seine quasi Aufhebung hat sich der Status des Geldes als Allgemeine Ware nicht geändert solange die staatliche Gewähr gegeben ist. Es wird erst in Frage gestellt durch Staatsbankrott oder den der Industrieländer.
    Es ist ein Phantasiegebilde, den unbewußten Charakter der Allgemeinen Ware aufzulösen und bewußt mit geleisteter Arbeit gleich zu setzen. Diese Theorie hebt den Zusammenhang von Warenzirkulation und -produktion auf und tut so, als sei die Aufhebung des Kapitalismus ein Klacks.
    Die Aufhebung des Goldstandards hat natürlich auch damit zu tun, daß wir wieder (!!!) im Finanzkapitalismus angekommen sind und das Kapital verzweifelt nach Anlagemöglichkeiten zur Verwertung suchen muß.

  6. Wolfgang Ernst sagt:

    Da die dort in Rede stehenden „Eliten“ sich gegen solcherart Kritik abschotten wollen, werden Mausfeld und sein Buch inzwischen als „Verschwörungstheorie“ denunziert – mit dem derzeit wohlfeilsten Scheinargument, um sich mit kritischen Sichten gerade nicht auseinandersetzen zu müssen.

    • Ja, das ist eine der hauptsächlichen Keulen, die bei solchen Gelegenheiten benutzt werden. Vielleicht wirkt es inzwischen auch eher als Bumerang: Wo am heftigsten „Verschwörungstheorie“ geschrien wird, werden möglicherweise viele oftmals erst recht hinschauen.
      Durch das, was ich an Mausfelds Ausführungen kritisiere, leistet er dem allerdings auch ein wenig Vorschub. Denn er stellt eine vermeintlich unschuldig verführte Bevölkerung den Herrschenden und Medien pauschal gegenüber. Das werden viele gern lesen, die ihre Eigenverantwortung für das gesellschaftliche Geschehen nicht wahrhaben und sich auf das Verfluchen von Eliten beschränken wollen.
      Die soziale Realität ist weitaus differenzierter – wie seit voriger Woche einmal mehr die Leipziger „Mitte“-Studien belegen. Sie heißen nun „Autoritarismus“-Studien und haben diesmal ein Zitat von Erich Fromm als Titel: „Flucht ins Autoritäre“: https://www.psychosozial-verlag.de/2820

  7. Ich habe mich inzwischen ausführlicher mit Rainer Mausfelds Buch auseinandergesetzt. Wen das interessiert, kann es hier nachlesen:
    Kein Mensch wird als Schaf geboren
    https://andreas-peglau-psychoanalyse.de/kein-mensch-wird-als-schaf-geboren-zu-rainer-mausfelds-buch-warum-schweigen-die-laemmer/

  8. Klaus-Dieter Grimmer sagt:

    „Merzrevolution“
    Die deutsche Geschichte des 19. Jahrhunderts enthält für das Jahr 1848 ein wichtiges Ereignis, die sogenannte Märzrevolution. Durch revolutionäre Ereignisse im Februar in Frankreich inspiriert, kämpfte das deutsch Bürgertum gegen die lokale Willkür der vielen deutschen Fürstenhöfe für die Schaffung eines deutschen Nationalstaats. Die gewählte Aufmachung ist einem Wortspiel geschuldet, denn sollte der mit allen Wassern des internationalen Finanzkapitals gewaschenen Herr Merz die Nachfolge zumindest für den CDU Vorsitz von Frau Merkel antreten, kann Deutschland mit einer „Merzrevolution“ diese aber äusserst konservativ und von oben geführt, rechnen.
    Diese „ Revolution“ wird nicht etwa der Steuererklärung auf dem Bierdeckel zur massenhaften Anwendung für die deutschen Steuerbürger zum Durchbruch verhelfen, sondern soziale Kälte wird noch dominanter, die Polarisierung von Arm und Reich noch viel deutlicher hervortreten.
    Merz wird bestimmt nicht sofort aber auf Perspektive die Abrissbirne der letzten Überbleibsel der sogenannten „Sozialen Marktwirtschaft“ werden. Seine Sozialisierung, seine Dutzenden Posten und Pöstchen im internationalen Finanz- und Immobiliengeschäft wird ihm objektiv keine andere Wahl lassen. Außerdem ist ihm zuzutrauen, dass er gar nichts anderes will.
    Die Kreise, die diesen smarten Herrn unterstützen bzw. auf ihr Schild gehoben haben, erwarten nichts anderes von ihm.
    Dann kommt noch hinzu, dass Merz nicht unterstellt werden kann, eine besonders kritische Distanz zum derzeitigen US Präsidenten zu haben. Also es ist deutlich damit zu rechnen, dass die deutsche „Zickerei“, zur von Trump geforderten entschiedenen Aufstockung des Rüstungsetat, mit ihm schnell der Vergangenheit angehören wird. Umso schneller, sollte er auch noch Kanzler werden.
    Mit der Hoffnung von Herrn Caracciola bin ich einverstanden, Merz sollte weiter im Pausenmodus verbleiben. Das ist besser für unser Land!

  9. erhard weinholz sagt:

    Ein paar Überlegungen im Anschluß an Stephan Wohankas aus meiner Sicht höchst begrüßenswerten Forum-Beitrag. Bisher war ja im „Blättchen“ (warum eigentlich gerade hier?), wenn es um den Fall Skripal ging, immer nur von Beweisen in Anführungszeichen die Rede, von britischen Unterstellungen, von einer beweislosen Bezichtigungsstrategie und dergleichen mehr. Einer der betreffenden Autoren wunderte sich, daß der Westen mit Formulierungen wie „mit höchster Wahrscheinlichkeit“ arbeite. Aber was kann denn in einem solchen Falle überhaupt als Beweis gelten? Daß sich Putin höchstpersönlich hinstellt und erklärt: Natürlich haben wir den Kerl um die Ecke bringen wollen!, ist wohl kaum zu erwarten. Es ist von der Moskauer Führung ja zu verschiedenen Zeiten gelogen worden, daß sich die Balken biegen: im Falle der Morde von Katyn, der Raubkunst-Depots, des Abschusses einer koreanischen Passagiermaschine im Jahre 1983. Bis es dann irgendwann nützlich erschien, doch die Wahrheit zu sagen. Ich vermute, daß es auch im Fall Skripal so sein wird – und wundere mich zugleich, daß es immer noch Menschen gibt, die aus den genannten trüben Erfahrungen nichts gelernt zu haben scheinen. Daß auch westliche Regierungen gelogen haben, bemerke ich mal nebenbei, kann ja als Argument nicht reichen.
    Stephan Wohanka schließt mit dem Satz: „Solange ‚Links‘ mit Fakten, Tatsachen ‚unangenehmer‘ Natur, die also nicht so recht ins ideologische Muster passen, so umgeht, bleibt es um ‚Links‘ schlecht bestellt.“ Das führt mich zu einer zweiten Frage: Was ist das für eine Weltsicht, die hinter diesem Umgang steht? Und wer vertritt sie? Indirekt erschließt es sich vielleicht in gewissem Maße dadurch, daß es auch hierzulande eine sozialistische Linke gegeben hat, die sich von den Moskauer Lügen nicht hat einnebeln lassen und die auch nicht der Meinung war, eine Lüge sei eine gute Sache, wenn sie für gute Sache ist. Es war zugleich eine Linke, die sich für den verkorksten DDR-Sozialismus nicht hat einspannen lassen, jenen Sozialismus, der mir in eben diesem Umgang mit den Realitäten noch immer herumzugeistern scheint.

    • Hajo Jasper sagt:

      Mich im Einvernehmen mit E. Weinholz wähnend, würde ich gern auf György Dalos verweisen, der sein ideologiefernes Verständnis vom Links-Sein so formuliert hat: „Ich bin ein Linker in meinen kulturellen Reflexen, möchte jedoch diese Haltung nicht ohne Reflexion über mich ergehen lassen. Dementsprechend muss ich für den GAU gerüstet sein, wenn etwa ein Konservativer plötzlich Recht hat oder ein Vertreter des Fortschritts eine enorme Dummheit präsentiert. Jenseits dieser traditionellen Sicht fühle ich mich jenen Paradiesvögeln verpflichtet, die in einer Frage so, in einer anderen wiederum anders denken. Andersdenken ist für mich nicht nur eine Form der ideologischen Devianz, sondern auch das Recht, über etwas anderes als die Themen des gängigen Diskurses nachzudenken.“
      Nun muß auch im Falle Skripal freilich gelten, dass Täterschaft (wessen auch immer) bewiesen werden muß. Auch wenn das schwer ist, haben doch etwa Fälle und irrationale Hintergründe, auf die Roland Helfrich in diesem Forum verwiesen hat, dass dies früher oder später zumeist machbar ist. Die bisherige finale Unbewiesenheit des Skripal-Anschlages allerdings spöttisch als eine Art Beleg dafür zu nehmen, dass es Moskau nicht gewesen sein kann, deucht mich in der Tat mindestens blauäugig und vermutlich wirklich von einstiger Bruderbündlichkeit genährt, die einfach davon absieht, dass Putins Rußland längst kein „Vertreter des Fortschritts“ und nichts anderes und besseres ist als andere Staaten, vor allem solche, die um geopolitische Pfründe bemüht sind.

    • Werner Richter sagt:

      Auch zum Parallelbeitrag von S. Wohanka gedacht.
      Hätte je jemand gedacht, hier eine Adaption der Putin/Rußlandversteher-Unterstellung erleben zu können? Das Absurde daran kann an vielem bereits Dargestellten mit Neigung zu einer Nato-Einordnung anhand abgewogener ziemlich sicherer Fakten als gekontert verbucht werden. Dazu ist auch ein Artikel von A. von Westphalen auf http://www.heise.de vom 9. Nov. erhellend. Darin geht es um die berühmten Fakten der Briten, was diese wirklich wert sind.

  10. Roland Helfrich sagt:

    Bernhard Romeikes Hinweise auf die fehlende Stringenz eines russischen Mordversuchs an Skripal sind sehr plausibel. Nur eine Facette geheimdienstlichen Tötens ist ungenannt, wiewohl aber existent: Irrationalität bei Tätern und/oder Auftraggebern.
    Aktuell zu besichtigen am Falle Kashoggi, dessen Tötung an Dämlichkeit bei zudem mangelnder „Dringlichkeit“ kaum zu überbieten ist. Ähnliches ist einst geschehen, als der volkspolnische Geheimdienst 1984 den Pfarrer Jerzy Popiełuszko ermordete. Gleich mehrere Pannen hat sich diesbezüglich der Mossad geleistet und einst auch der Geheimdienst des sozialistischen Buklgariens per „Regenschirm-Mord“. Keines allein dieser Opfer war von solch einer Bedrohung für die jeweiligen Regime, dass ihre Tötung sozusagen als „ultima ratio“ alternativlos gewesen wäre. Und das sind nur die Fälle, die bekannt geworden sind…
    Roland Helfrich

    • Stephan Wohanka sagt:

      Schattenkrieger und Schattenmacht
      von Bernhard Romeike
      Wollte ich, wie der Autor, über Geheimdienste und deren Treiben nachsinnen – ich hätte den Fall Skripal dazu nicht (mehr) bemüht.
      Um die These, dass Russland für den dilettantischen Mordversuch nicht verantwortlich sein könne, führt er eine Reihe rhetorischer Fragen an: „Warum sollte Russland Interesse haben, einen ehemaligen Agenten zu ermorden, der zuvor im russischen Gefängnis saß, entlassen wurde und ausreisen durfte? Ihn aus dem Weg zu räumen, hätte man im russischen Gefängnis einfacher haben können“. Russland ließ S. aber laufen, warum auch immer. Wohl mit einigem politischen Bauchgrimmen, denn schon 2010 empörte sich Putin über Doppelagenten: „Verräter werden verrecken, glaubt mir. Die 30 Silberlinge, die sie erhielten – sie werden daran ersticken“. Des weiteren war damals – im März 2018 – hierzulande zu lesen: „Es scheint aber in Putins Apparat auch Kräfte zu geben, die alle geschriebenen und ungeschriebenen Regeln (niemals Gewalt anzuwenden auch gegenüber ausgetauschten Agenten – St. W.) infrage stellen wollen. Vor ein paar Tagen bezeichnete Kiril Klejmjonow, Moderator des Staats-TV-Senders Perwy Kanal, Skripal als ´professionellen Verräter´und warnte das Publikum, dieser Beruf sei einer der gefährlichsten und ungesündesten in der Welt. Besonders schlecht ergehe es den Berufsverrätern in Großbritannien. ´Leute hängen sich auf, vergiften sich, stürzen mit dem Hubschrauber ab und fallen aus dem Fenster, in fabrikmäßigen Mengen´“. Immerhin. Aber natürlich kein Beweis.
      Weiter im Reigen des Rhetorischen: „Er wohnt, wie es heißt, in einem Haus, das der britische Auslandsgeheimdienst MI6 finanziert. Überwachen die das Haus nicht?“ Vielleicht das Haus nicht; es waren aber genügend Kameras installiert, um doch zwei Individuen herauszufiltern – nicht vor dem Haus, aber in Salisbury und auch bei An- und Abflug nach und von London innerhalb von zwei Tagen. Das führte dazu, dass „nach wochenlangen Auswertungen unzähliger Videoaufnahmen die britische Polizei die Täter identifiziert haben will“. Und die stellte die Bilder beider ins Netz und nannte ihre Namen. Das Dementi folgte auf dem Fuß: „Die in den Medien veröffentlichten Namen und Bilder sagen uns nichts“ (Sprecherin des Außenministeriums Maria Sacharowa). Romeike weiter: „Es gibt unzählige Ungereimtheiten“ – natürlich auf britischer Seite. Ich meine – doch wohl nun eher auf russischer! Nachdem diese wochenlang von „Unsinn“ (Lawrow) oder von „dreckigen Spielen“ (UN-Botschafter Nebensja) gepoltert hatte, ging es dann trotz obigen Dementis ganz schnell: Plötzlich konnten russische Behörden – laut Putin – die gesuchten Männer identifizieren: „Wir wissen wer sie sind, wir haben sie gefunden“. Es seien „Zivilisten“, keine „Militärangehörigen“. Putin hoffe (!), die beiden Männer würden sich dazu entscheiden, mit Medien zu sprechen und alles über sich erzählen. Kurz danach strahlte Russia Today ein rund 25-minütiges Interview voller Skurrilitäten mit den beiden Männern aus: Zwei harmlose Touristen waren nach London geflogen und zweimal in Salisbury gewesen. Am ersten Tag, dem Vortag des Giftanschlages, reisten sie zurück nach London,weil sie – russische Männer, keine Barbiepuppen – „Schneematsch“ vertrieb. Honi soit qui mal y pense….
      Ich will nun gar nicht eingehen auf die nicht unplausiblen nachfolgenden Recherchen, die die beiden „Touristen“ dem Geheimdienst GRU zuordnen. Nur noch: Putin bezeichnete kürzlich S. als „Dreckskerl, sonst nichts“.
      Es bleibt festzuhalten: Während die britische Seite von Anfang an behauptete, dass russische Agenten S. umbringen wollten, schlug die russische Seiten propagandistische Haken und gab nur zu, was offensichtlich war. Wirklich bewiesen ist nichts. Aber das Schema ist nicht neu.
      Es geht aber noch um mehr: Solange „Links“ mit Fakten, Tatsachen „unangenehmer“ Natur, die also nicht so recht ins ideologische Muster passen, so umgeht, bleibt es um „Links“ schlecht bestellt.

    • Werner Richter sagt:

      Es ist schon interessant, welche Konturen vermeintlche Götterdämmerung schärfen kann. Wobei diese dem Aufmerksamen schon länger hätten aufgefallen können, zumindest gewisse russophobe Züge. Nun traut man sich einen Zack schäŕfer, angewandt werden, schon durch Georg W. erprobte Taktiken, dem andersdenkenden Gegenüber ideologische Vorurteile anzulasten, was dann die eigenen als Gegenteil erscheinen lassen soll. Das wirkt immer.
      Nichts dagegen zu sagen, es ist allen alles zumutbar. Aber deshalb der einen, suspekten Seite dann den Schwarzen Peter zuschieben und die der eigenen entgegen gesetzten Stimmen gleich mit in den Orkus zu schicken ist nicht der Anerkenntnis mehrseitiger Verursachung zuordenbar. Es scheint verlockend zu sein, in einer eigentlich nur liberalen Zeitschrift dem konservativen Geist mehr Raum zu schaffen, aber ob die Vertretung von Nato-Positionen (nicht zum ersten Mal), die durchaus und sehr wahrscheinlich als Teil der antirussischen Kampagne gesehen werden können, dem dienlich ist, kann bezweifelt werden. Die Mehrzahl der Leser, darin liegt wohl die Fehleinschätzung, ist noch nicht reif für die Akzeptanz der dann als sich selbst erfüllende Prophezeiung wirkenden Grundthese vom bösen Russen, die bei Herrn Wohanka seit jeher durchschimmert.

    • Manne Murmelauge sagt:

      Herr Wohanka moniert den Text eines anderen Autors, weil er den so nicht geschrieben hätte. Musste er auch nicht. Oder war er zuvor zu Texten genötigt worden, die er nicht schreiben wollte?

  11. Rudolph Caracciola sagt:

    Einst wollte Friedrich Merz, der offenbar untote „Bierdeckel-Fritz“, den Deutschen ein stark vereinfachtes Steuerrecht bescheren; die Steuererklärung sollte „auf einen Bierdeckel“ passen. Doch dann erging es ihm mit Angela Merkel auch nur so wie anderen ambitionierten CDU-Nachwuchsgranden – oder wie es in der Werbung für „Fisherman’s Friends“ so schön heißt: „Sind sie zu stark, bist du zu schwach!“ 2002 unterlagen Merz im Revierkampf mit Angie und hatte fortan keine Aussicht mehr auf ein Spitzenamt. Mit seinem Rückzug aus dem Bundestag 2009 schließlich war er in die politische Versenkung verklappt.
    Wirtschaftlich dürfte ihn dieser Karriereschwenk allerdings saniert haben, denn hernach sammelte er lukrative Posten wie andere Bierdeckel. Auch bei Heuschrecken wie BlackRock, dem größten Vermögensverwalter der Welt. Er sei heute, so die taz, „ein umtriebiger Lobbyist […]. Wirtschaftspolitisch marktradikal, gesellschaftspolitisch erzkonservativ“. Merz hat klar für Trump votiert („kann die Spaltung Amerikas überwinden“) und ist ein Aufrüstungsprediger vor dem Herrn, der nicht müde wird zu fordern: „… dass wir die Zusage endlich einhalten müssen, die wir seit Jahren geben: bis zu zwei Prozent unseres Bruttoinlandsprodukts tatsächlich für Verteidigungsausgaben bereitstellen.“
    Kaum dass die Kanzlerin jetzt den letzten Punkt hinter die Verkündung ihrer Rückzugsabsichten gesetzt hatte, sprang Merz wie Kai aus der Kiste und warf seinen Hut für den CDU-Vorsitz in den Ring. Das erfüllt den Tatbestand des Fellversaufens bevor noch die gerade Verblichene überhaupt zur letzten Ruhe gebettet ist. Zu all den wenig sympathischen bis widerlichen Zügen, die ihm eigen sind, gesellt sich also auch noch ein Mangel an politischer Pietät.
    Seinen Abgang von 2009 log er sich später ja mit dem Sprüchlein schön, er hätte sich eine Pause von der Politik verordnet. Da wollen wir jetzt mal hoffen, dass eine hinreichende Mehrheit seiner Parteigenossinen und -genossen insofern noch alle Tassen im Schrank hat, dass er im Pausenmodus verbleibt …

  12. erhard weinholz sagt:

    Sehr geehrter Herr Bosselmann,

    ganz kurz nur noch; es gäbe sicherlich erheblich mehr in dem Zusammenhang zu sagen, ich habe aber das Gefühl, dass es von meiner Seite genug sei.
    Mir scheint, Sie irren, wenn Sie meinen, mir ginge es eher um Haltung und Bekenntnis als ums Argumentieren. Wenn ich sage: Wer diesen Aufruf unterschreibt, festigt die Stellung einer rechten Scharfmacherin – dann ist das ja wohl ein Argument. Ein funktionales allerdings, das heißt: Ich frage nicht danach, wo Sie stehen, sondern was Ihr Tun bewirkt. In diesem Falle meines Erachtens nichts Gutes.
    Rätselhaft ist mir, wie Sie darauf kommen, man sei darauf erpicht, im Blättchen vor allem die von einem selbst bevorzugten Bekenntnisse zu lesen, von möglichst stubenreinen Autoren obendrein. Ich bin als Leser an Bekenntnissen nicht sonderlich interessiert, sehe auch nicht, dass das Genre im Blättchen eine Rolle spielt; am ehesten könnte ich noch Ihre Texte dort einordnen (ohne sie darauf reduzieren zu wollen). Dass sich Organe wie das Blättchen einer bestimmten Richtung verpflichtet fühlen, halte ich hingegen für gut und richtig.

    Es grüßt Sie: Erhard Weinholz.