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2.940 Beiträge im Forum

  1. Lars Niemann sagt:

    Zu Bernhard Romeikes Artikel “Ukrainekrieg – eine nächste Stufe”:
    Während ich dem Tenor des Beitrages zustimme, möchte ich einem Absatz jedoch widersprechen. Meiner Auffassung waren es nicht die “kommunistische Regierung” oder “kommunistische Armeeführung”, die die Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg letztendlich zum Sieg geführt haben, deren Fehlen aber nun die Schwäche (oder nicht ausreichende) Stärke der russischen Armee in der Ukraine erklären soll. Nicht umsonst hieß (und heißt vielleicht noch heute, ich weiß es nicht) der II.Weltkrieg dortzulande “Großer Vaterländischer Krieg”, und nicht etwa “kommunistischer”. Es ging tatsächlich um die Verteidigung des Heimatlandes; das war motivierend. Wenn die sowjetische Armee dagegen aus imperialen Motiven aggressiv eingesetzt wurde, etwa im “Winterkrieg” 1939/40 gegen Finnland oder in den 1980er Jahren in Afghanistan, hielten sich Motivation und Erfolg sehr in Grenzen, ungeachtet der “kommunistischen Führung”. Und da sehe ich schon Parallelen zum Angriff auf die Ukraine. Die Heimatverteidigung ist da wohl eher Sache der ukrainischen Streitkräfte. Und noch etwas zum Parteieinfluss: Selbst im “Polit-Unterricht” während meiner Militärdienstzeit in der DDR wurde ganz offen gelehrt, dass die große Macht der “Kommissare”, also der Parteifunktionäre in den Militäreinheiten, im Zweiten Weltkrieg erst durch das Prinzip der “Einzelleitung” durch professionelle Offiziere ersetzt werden musste, vorher aber militärisch sinnlos war und viele unnötige Opfer forderte. (In Übereinstimmung damit hatten die ostdeutschen “Polit-Offiziere” zumindest auf unterer Ebene praktisch nichts zu sagen und wurden von den Mannschaften auch nicht für voll genommen.)

  2. Peter Maiwald sagt:

    “Niemand ist schuld daran, daß er als Sklave geboren wurde; aber ein Sklave, dem nicht nur alle Freiheitsbestrebungen fremd sind, sondern der seine Sklaverei noch rechtfertigt und beschönigt (der beispielsweise die Erdrosselung Polens, der Ukraine usw. als „Vaterlandsverteidigung” der Großrussen bezeichnet) – ein solcher Sklave ist ein Lump und ein Schuft, der ein berechtigtes Gefühl der Empörung, der Verachtung und des Ekels hervorruft.”

    Lenin, Über den Stolz der Großrussen

  3. Stephan Wohanka sagt:

    Ukrainekrieg – eine nächste Stufe, von Bernhard Romeike
    Der Autor schreibt: „Am 21. September wurde mitgeteilt, dass Putin eine Teilmobilmachung angeordnet hat, womit 300.000 russische Reservisten, die bereits militärisch ausgebildet sind, zu den Fahnen gerufen werden. …. Tatsächlich folgt das der militärischen Logik seit Peter I.: Wenn die bisher bereitgestellten militärischen Kräfte nicht ausreichen, muss man aus der Tiefe Russlands neue bereitstellen“.
    Sehr gut gesagt – „aus den Tiefen Russlands“ und nicht etwa aus den urbanen Zentren, in denen der Protest wohl größer und qualifizierter wäre als an der Peripherie; wobei es auch dort schon etwas rumort…
    Noch eine persönliche Reminiszenz: Meine Eltern besaßen einen großen Bildband des Autors Fritz Koch-Gotha. Der war seinerzeit Kriegsberichterstatter im Russisch-Japanischen Krieg 1904/05. Da wohl die Kriegsfotografie noch nicht so elaboriert wie heute war, zeichnete Koch-Gotha die Schlachtszenen. Eine ist mir bis heute in in Erinnerung geblieben; ich sah sie immer wieder an und erschauderte – ihr Titel wohl so: Unter klingendem Spiel ziehen sibirische Regimenter in das Trommelfeuer der Japaner. Zu sehen war eine (noch) geschlossene Front der Soldaten in langen Mänteln und Pelzmützen auf dem Kopf; in der ersten Reihe Bläser und Trommler. Die geneigt nach vorn gehaltenen Gewehre waren mit Bajonetten bestückt; ob die je zum „Einsatz“ kamen?
    Dass das Putin-Regime heute nicht weiter ist als Peter I. oder seine Nachfolger auf dem Zarenthron, was die Fürsorge und den Umgang mit den eigenen Soldaten angeht, ist anderer veritabler Skandal in diesem Russland. In der Berliner Zeitung teilt Torsten Harmsen mit, dass „für die ´Mobilisazija´ …. sich offenbar das Wort ´Mogilisazija´ (ausbreite). ´Mogila´heißt Grab“. Er hat wohl recht; leider.

  4. Erhard Crome sagt:

    Keiner soll hungern ohne zu frieren
    „Niemand soll im Winter frieren oder hungern müssen – Kann die Regierung dieses Versprechen halten?“ Das war der Titel der Gerede-Runde bei Anne Will in der ARD am 25. September 2022. Geladen waren Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP), der Arbeits- und Sozialminister des Landes Nordrhein-Westfalen, Karl-Josef Laumann, von der CDU, die Autorin und Journalistin Julia Friedrichs und der Chef des ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung München, Clemens Fuest.
    Ich hatte mir erlaubt, eine Bemerkung für die Kommentarspalte zur Sendung beizusteuern, und wies darauf hin, das sei ein interessanter Titel. Schließlich war: „Keiner soll hungern! Keiner soll frieren!“ ein Motto des „Winterhilfswerkes“ im Nazi-Staat. Die Berliner Schnauzen machten damals daraus: „Keiner soll hungern, ohne zu frieren!“ Außerdem machte ich darauf aufmerksam, dass es zur Milderung der Not des Volkes im ersten Weltkrieg den von Hindenburg und Ludendorff veranlassten „Kohlrüben-Winter“ gab. Dazu könne man jetzt natürlich auch zurückkommen.
    In Wills Forum, das moderiert ist, war das dann nicht zu lesen. Die hausinterne Zensur hatte meinen nicht-staatstragenden Kurzbeitrag nicht gewollt. Deshalb will ich ihn hier dem geschätzten Publikum nachreichen.

  5. Literat sagt:

    Seit 15. September ist ein neues Werk von Heinrich August Winkler am Markt – ein Sammelband früherer wissenschaftlicher und journalistischer “Interventionen” unter dem Gesamttitel: “Nationalstaat wider Willen”; nicht zu verwechseln mit dem gleichen Titel von Carsten Wieland, erschienen am 10. Mai 2000, über die Verbindung von Ethnie und Nationalstaat.
    Zum Auftakt der Werbekampagne wurde der Autor im Interview gefragt: “…Putin führt einen brutalen Angriffskrieg gegen die Ukraine, einen weltweiten Zusammenschluß aller Demokratien gegen Rußland hat es aber nicht gegeben. Staaten in Asien, Afrika und Lateinamerika halten weiter zu Moskau. ist die westliche Werteordnung am Ende?” Winkler, “der brillante Erklärer historischer Zusammenhänge”: “Der Westen hat schon lange aufgehört. die Welt zu dominieren. Aber sein großes normatives Projekt ist weiter aktuell: Einen weltweiten Anspruch auf unveräußerliche Menschenrechte zu etablieren.” Also ein moralischer Anspruch auf Weltgeltung, die wohl nicht von allen als erstrebenswert für alle beurteilt wird.
    Ein anderer deutscher Historiker bewertet denn auch solche Verkleidung von Ansprüchen “der Guten” eindeutig anders. Herfried Münkler in “Handelsblatt” vom 23. Januar 2022: “Die Großmächte sagen es zwar nicht, aber sie begreifen die Lage so, daß eben nicht jedes Land bestimmen kann, welchem Bündnis es angehören will. Die Europäer sind vermutlich die Einzigen, die das nicht so sehen.”
    Zum Nachlaß von Theo Sommer gehört diese Vorausschau vom 5. Juli: “Die Meldungen über Krieg und politische Krisen, Corona und steigende Inflation treiben die Menschen um. Dabei gerät leicht aus dem Blick, daß sich derzeit eine neue Weltordnung herausbildet Es werden die Trennlinien der nächsten Generation gezogen: Zwischen dem Westen und dem Rest der Nationen, zwischen liberalen Demokratien und illiberalen Autokratien, zwischen denen, die sich einordnen in die gegenwärtig entstehenden Verbünde, und jenen, de losgelöst davon ihre eigenen Interessen verfolgen. … Noch ist unklar, was für eine Weltordnung am Ende bei all diesen Initiativen herauskommt. Nur soviel ist klar: Sie wird multipler sein. Sie wird auf neue Weise konfrontativ werden. Neue Akteure werden sie mitbestimmen; konkurrierende Zentren werden sich nicht unbedingt einbinden lassen. Ob Rußland und China den Schulterschluß Putins und Xi Jinpings durchhalten, ist eine Frage. Ob der Westen – eine Milliarde von zehn Milliarden Menschen(!) – einen neuen Anfall von Trumpismus überleben würde, eine andere.”
    Das sind wesentlich Umstände und Bedingungen für jegliche nationale Politik Deutschlands – im Inneren wie außen herum. Dabei ist Deutschland, häufig auch “europäisch” agierend, einerseits eingehegt, andererseits auch gesichert in internationalen Sicherheitsstrukturen. Offenbar steigen parallel Einsicht und Bedarf hinsichtlich einer eigenständigen deutschen nationalen Sicherheitsstrategie, die nicht nur die militärische Komponente erfaßt, einschließlich etwa der Idee, die Wehrpflicht wieder “einzusetzen”. Oder auch die erneute Befeuerung dieser seinerzeitigen Adenauer-Analyse zu mangelnder militärischen Kampfkraft: “Die taktischen Atomwaffen sind im Grunde nichts anderes als eine Weiterentwicklung der Artillerie, und es ist ganz selbstverständlich. daß wir nicht darauf verzichten können.”(5. April 1957) Heute ist von Teilhabe die Rede.
    Dem Vernehmen nach soll die neue Sicherheitsstrategie alle gesellschaftlichen Bereiche, alle Ministerien umfassen – und bis Anfang nächsten Jahres entwickelt sein. Soll darin etwa festgeschrieben werden,, was und wie von Winkler vor-geschrieben? Ist das die Einstimmung?
    Ob die Adelung der Saudi-Arabischen Machthaber vom Ausschluß-Status in den Rang “unserer Schurken” durch den Handschlag von Dschidda dann schon dazu gehört? Präsident Biden hat es zuvor auch so gehalten – damit alles gut. Und kein Alleingang!

  6. Erhard Crome sagt:

    Gorbatschow und Andropow
    Michail Gorbatschow wurde 1931 in dem Dorf Priwolnoje in der Region Stawropol geboren. Parteikarriere machte er zunächst in seiner Heimatregion Stawropol: 1958 -1962 war er Komsomol-Sekretär (das war die Jugendorganisation im Vorfeld der KPdSU) der Region Stawropol, 1968 wurde er Zweiter, 1970 Erster Sekretär der dortigen KPdSU-Regionalleitung, im selben Jahr zugleich Mitglied des Obersten Sowjets der UdSSR, 1971 Mitglied des Zentralkomitees der KPdSU.
    Juri Andropow (1914-1984) stammte ebenfalls aus der Region Stawropol. Dieses Gebiet hat seine Bedeutung unter anderem wegen einer Reihe von Kureinrichtungen, die in der Nähe von Mineralquellen errichtet wurden, darunter der bekannte Kurort Kislowodsk, seit dem 19. Jahrhundert bei den russischen Oberschichten beliebt. Andropow fuhr regelmäßig zur Erholung in seine Heimatregion. Der mächtige Partei-Ideologe Michail Suslow, Jahrgang 1902, war während des zweiten Weltkrieges KPdSU-Sekretär der Region Stawropol und seit 1947 bis zu seinem Tode 1982 Sekretär des ZK der KPdSU. Noch von Stalin eingesetzt, unterstützte er später Chruschtschow und dann Breshnew; Politbüro-Mitglied war Suslow seit Anfang der 1950er Jahre. Er kurte ebenfalls regelmäßig in der Region Stawropol. Ebenso Ministerpräsident Alexei Kossygin (1904-1980, Ministerpräsident seit dem Sturz Chruschtschows 1964), hier kam laut verschiedener Biographen noch ein gutes Verhältnis zwischen der Gattin und Gorbatschows Ehefrau Raissa hinzu. Wenn die hohen Genossen zur Erholung in der Region weilten, machte der örtliche Parteisekretär ihnen natürlich seine Aufwartung. Sie kannten ihn und hatten von dem jungen Mann den besten Eindruck.
    Andropow war während des ungarischen Volksaufstandes 1956 sowjetischer Botschafter in Budapest und spielte eine wichtige Rolle bei dessen Niederschlagung. Er wusste um die Reformbedürftigkeit des Realsozialismus, erinnerte aber stets an die Kommunisten, die in Budapest an Laternenmasten aufgehängt worden waren. Deshalb wollte er eine Reform von unten unbedingt verhindern und ließ als KGB-Chef (1967-1982) sowjetische Dissidenten gnadenlos verfolgen. In internem Kreise hatte er gesagt, zuerst müsse es den Menschen durch entsprechende Reformen wirtschaftlich besser gehen, und zwanzig Jahre später könne man dann in Kunst, Kultur und Presse die Zügel lockerer lassen. Die Partei und die Parteiführung müssten diesen Prozess jedoch stets kontrollieren und in der Hand behalten. Sein Reformkonzept war im Grundsatz etwa das, was Deng Xiaoping dann in China gemacht hat. Dass Gorbatschow das später umkehren würde, konnte Andropow seinerzeit nicht wissen.
    Da Andropow in Gorbatschow einen reformbereiten und fähigen Funktionär sah, förderte er bereits seine Aufnahme in das ZK. Der für Landwirtschaft zuständige ZK-Sekretär Fjodor Kulakow förderte Gorbatschow ebenfalls, weil er als Landwirtschaftsexperte galt. Da mächtige Männer, wie Kossygin und Suslow, ihn ebenfalls positiv sahen, konnte Breshnew den Aufstieg Gorbatschows nicht verhindern, obwohl der offenbar nicht auf Breshnews Kaderliste gestanden hatte. Nachdem Kulakow 1978 plötzlich verstorben war, wurde Gorbatschow dessen Nachfolger, 1979 Kandidat und bereits 1980 Mitglied des Politbüros. 1985 dann Generalsekretär der KPdSU.

  7. Der anregende Beitrag von Erhard Crome im “Blättchen” 19/2022 ist in einer Detailfrage etwas ungenau. Michail Gorbatschow musste nicht darauf warten, dass ihn “Juri Andropow […] in Moskau deponierte” – er stieg bereits unter Breschnew auf. Und zwar 1978 zum ZK-Sekretär für Landwirtschaft, im folgenden Jahr zum Kandidaten und 1980 zum Vollmitglied des Politbüros.

    Die politischen Reformen Gorbatschows halte ich für den Versuch, sich die Machtbasis, die er im Parteiapparat nicht hatte, nunmehr auf staatlicher Ebene zu verschaffen. Ausführlich begründet habe ich dies bereits in einem Beitrag im redaktionellen Teil:
    https://das-blaettchen.de/2021/05/ein-politischer-zauberlehrling-57027.html

  8. Eine Ergänzung zu meinem Artikel über Margherita von Brentano, Nr. 19 vom 12. September 2022: Margherita von Brentano und Jacob Taubes blieben auch nach ihrer offiziellen Scheidung einander überaus eng verbunden. Sie lebten nicht nur in zwei nebeneinander liegenden Wohnungen, sondern Margherita von Brentano erzog auch seine Kinder stets mit, kümmerte sich mehr als er um sie (Taubes starb 1987). Zudem setzte Margherita von Brentano Taubes’ Kinder als ihre Erben ein. Auch das gehört zum Bild dieser außergewöhnlichen Persönlichkeit und sollte nicht unerwähnt bleiben. Diese Information erhielt ich von ihrer früheren Studentin und Mitherausgeberin ihrer Werke, Susan Neiman. Diese zeichnet ein warmherziges und konturenreiches Bild ihrer Lehrerin in ihrem Buch “Slow Fire” (S. 83ff.), das Susan Neimans Zeit als Doktorandin an der FU Berlin zum Inhalt hat (siehe auch meinen Artikel ‘Die Hoffnung bewahren’ in: ‘Das Blättchen’, Nr. 24 vom 22. November 2021). Mario Keßler

  9. Dr. Markus Hildebraa sagt:

    In Ergänzung zum Beitrag „Ukraine-Krieg – zum Stand der Dinge“ in der aktuelle Blättchen-Ausgabe: Wer sich über Art und Umfang westlicher Militärhilfe für die Ukraine im Detail informieren will, wird beim REDAQKTIONSNETZWERK DFEUTSCHLAND fündig: https://www.rnd.de/politik/waffenlieferungen-an-die-ukraine-was-und-wie-viel-deutschland-usa-spanien-italien-und-co-bisher-KW4FB4UEAJHCZEGNEXZNFRXTEM.html

  10. Detlev Reichel sagt:

    Erhard Crome, In Memoriam Gorbatschow (#19)
    Die Artikel von Erhard Crome lese ich stets mit großen Interesse und meist mit Übereinstimmung. Der Schlussfolgerung im Nachruf auf Gorbatschow möchte ich jedoch etwas hinzufügen. Der allgemeinen Feststellung, Gorbatschow habe den “Kalten Krieg” beendet, schließe ich mich nicht an. Ich denke, der “Kalte Krieg” wurde zu keinem Zeitpunkt beendet, auch wenn das Gorbatschows Wunsch und Wirken war. Der Westen in Gestalt dessen Hauptmacht USA hatte, meiner Meinung nach, niemals die Absicht dazu. Ich denke, die imperialen Strategen in Washington/London/Berlin schlugen in Wahrheit die Chance, die sie sahen, keineswegs aus: Die Schwäche des Rivalen oder meinetwegen Konkurrenten. Den meinten sie nun endgültig von der Bühne globaler Politik stoßen zu können. Nun ist dieser “Kalte Krieg” in einen heißen übergegangen, und die Menschen in der Ukraine bezahlen einen hohen Blutzoll.
    Und noch eins: Die metaphorische Figur des “intelligenten Aufsteigers” mit der “Maske der heiteren Idiotie” lässt doch auch die These vom Verrat zu. Denn, wer eine Maske trägt und diese zum opportunen Zeitpunkt fallen lässt, hat ja diese Täuschung (Maske) durchaus geplant, könnte man meinen. Ich war damals, Mitte bis Ende der 1980er auch begeistert von Gorbatschows Glasnost. Und hier war endlich mal einer, der frei Reden kann (oder darf?), auch provokative Fragen von Journalisten frei von der Leber weg pariert. Leider war das nur die eine Seite. Die andere führte zum Zerfall “real-sozialistischen” Machtblocks und schließlich zum Tod der Sowjetunion selbst. Eine Alternative zum Kapitalismus und Imperialismus schien damit auf lange Sicht nicht mehr möglich. Aber, der Schein trügt, so möchte ich hoffen…

  11. Krysztof Daletski sagt:

    Zum Artikel “Klingbeils Imperativ, Ischingers Handreichung” von Sarcasticus im Blättchen 25/18 ist es ergänzend vielleicht hilfreich zu wissen, dass Lars Klingbeil laut Abgeordnetenwatch langjähriges Prsidiumsmitglied sowohl in der “Gesellschaft für Wehrtechnik” als auch im “Förderkreis deutsches Heer” war, beides Interessenverbände der Rüstungsindustrie.

    Die Forderung, dass Deutschland als “Führungsmacht” Militär als “legitimes Mittel der Politik” einsetzen solle (von anderen Politikern euphemistisch als “Verantwortung übernehmen” umschrieben), dürfte also kaum einem Umdenken aufgrund aktueller Ereignisse entstammen. Es ist eine aus diesen Kreisen schon über Jahr(zehnt)e formulierte Forderung, für die jetzt die Gelegenheit beim Schopf gegriffen wird, sie ohne nennenswrten gesellschaftlichen Widerstand durchzusetzen. Wie Svenja Sinjen, “Expertin der DGAP”, es bereits 2017 dem Focus gesagt hat [1]: “Der Bevölkerung die Notwendigkeit einer Aufrüstung zu erklären, halte ich für eine der wichtigsten Aufgaben der politischen Führung der nächsten Zeit.” und “Das bedeutet aber nicht nur, aufzurüsten: Wir müssen in der Lage sein, einen entsprechenden Krieg führen zu können.”.

    [1] “Experte fordert Aufrüstung: ‘Müssen deutsche Rüstungsmaschine anwerfen'” Focus Online, 07.02.2017