28. Jahrgang | Nummer 20 | 17. November 2025

Bemerkungen

Das Kleine im Großen,

das Große im Kleinen

von Renate Hoffmann

In einem großen Paket

lag ein kleines Paket.

In dem kleinen Paket

lag ein Kästchen.

In dem Kästchen

ein Döschen,

fein, winzig klein,

ganz allein.

Mit goldener Zier,

so stand es vor mir.

Aus edlem Porzellan,

man sah es ihm an.

 

Ich erfuhr,

es kam aus der Meissner Manufaktur

und war ein freundliches Geschenk,

gemeinsamer Tage eingedenk.

Und als besonderen Gewinn

lagen zwei kluge Gedanken darin,

zum persönlichen Gebrauch:

 

Kompliziert ist die Welt –

aber schön ist sie auch!

Hildes rote Rosen

Seit ihr der aus der Emigration zurückgekehrte Werner Richard Heymann 1952 das Lied „Heut’ gefall’ ich mir“ für den Film „Alraune“ schrieb, blieb Hildegard Knef für Jahrzehnte eine singende Schauspielerin, die bald mit selbst verfassten Texten und ihrer rauchigen Stimme die größten Erfolge erzielte. Als sie für volle zwei Jahre am Broadway in Cole Porters Musical „Silk Stockings“ auftrat, nannte sie keine geringere als Ella Fitzgerald die „beste Sängerin ohne Stimme“. Das Repertoire der 2002 verstorbenen Grande Dame wurde vielfach von anderen ausprobiert, Namen wie Dorit Gäbler oder Rita Feldmeier, Georgette Dee oder Tim Fischer stehen dafür. Deren Entscheidung war, entweder so dicht an der Knef zu bleiben, dass das Publikum den Wiedererkennungseffekt genießt, oder aber etwas Eigenständiges zu schaffen.

Im Zeichen des bevorstehenden 100. Geburtstages der Diva hat sich Cora Chilcott für ersteres entschieden. Sie entstammt der Babelsberger Filmhochschule, hat aber selten in Filmen mitgespielt. Ihre Stärke wurden literarisch-musikalische Solo-Programme, so als Shakespeare, Mozart, Schiller, und auch in Marlene Dietrichs Roben ist sie schon geschlüpft. Das neue Programm über die Knef heißt nach ihrer Hymne „Für mich soll’s rote Rosen regnen“, in dem Chilcott als die Diseuse, mal am Schminktisch sitzend, mal den ganzen Raum einnehmend, den lakonischen, oft schnoddrigen Tonfall des Vorbilds verblüffend gut trifft. Wolfgang Seppelt, der für Buch und Regie verantwortlich zeichnet, lässt sie wichtige Teile ihrer Lebensgeschichte erzählen, unterbrochen durch sowohl bekannte Titel, wie von der Birke, die Tapetenwechsel braucht, als auch weniger geläufige, ernste, etwa „Illusionen“. Zwar bellt die Chilcott ihre Lieder in typischer Knef-Manier heraus, aber sie lässt in einigen Phrasen immer erkennen, dass sie auch eine Sängerin „mit Stimme“ ist, was sie über das Vorbild hinaushebt und ihm doch gerecht wird. Das ist auch dem musikalischen Leiter Carly Quiroz, einem Virtuosen am E-Klavier und seinen Mitspielern Tilman Person und Carmelo Leotta zu verdanken, die vom Publikum ebenso umjubelt wurden, wie Cora Chilcott. Und die Knef würde sicherlich kommentieren: „Von nun an ging’s bergauf!“

Nächste Vorstellungen: 22.-24. Januar, Theater am Frankfurter Tor, Karl-Marx-Allee 133, 10243 Berlin.

Frank Burkhard

 

Es gibt noch Natürliche Intelligenz in Deutschland

Weil die Künstliche Intelligenz (KI) neben Chancen auch Gefahren mit sich bringt, wird der Zustand der Natürlichen Intelligenz (NI) in Deutschland immer wichtiger. Parteiengezänk, auch innerhalb der Koalition, sowie Hetze im Netz deuten neben anderen Erscheinungen auf mangelnde NI.

In höheren Altersgruppen scheint dies schwer reparabel zu sein. Umso wichtiger ist es, die NI in der jüngeren Generation zu testen und zu fördern. Eine Tübinger Forschergruppe hat einhundert Kinder im Alter von 6 bis 12 Jahren auf innerstädtischen Straßen und Plätzen umgestoßen. Davon sind 96 selbstständig wieder aufgestanden. Dies wird als eindeutiger Hinweis auf vorhandene NI betrachtet.

Aus der Politik kommen gemischte Reaktionen. Der Bundeskanzler betont, das selbstständige Aufrichten von Kindern verschönere das Stadtbild. Der gelungene Test in einer Stadt mit Millionenschulden und erhöhter Grundsteuer demonstriere zudem die kommunale Leistungsfähigkeit.

Der Ostbeauftragte im Parteivorstand der SPD moniert, Kinder umzustoßen dürfe kein Privileg von Wissenschaftlern in der alten Bundesrepublik sein.

Die Vorsitzende der größten Oppositionspartei erklärt, offenbar habe es sich um deutschstämmige Kinder gehandelt. Totales Aufrichten nach totalem Sturz sei von jeher eine totale Stärke deutschen Volksgeistes.

Die Bundestagsfraktion der Grünen protestiert gegen jede nationalistische Sicht und empfiehlt das Doppelblind-Umstoßen von Kindern aus verschiedenen Ländern bei gleichzeitiger Erhöhung des Bürgergelds.

Der Parteivorstand der Linken wünscht detaillierte Angaben über die politische Einstellung der Kinder vor und nach dem Umstoßen sowie ebenfalls eine Erhöhung des Bürgergelds.

Aus dem Koalitionsausschuss verlautet, es werde zeitnah ein Vorbereitungsgremium gebildet, das eine Sachverständigen-Kommission benennt, die ein Expertenkomitee beruft. Die Bundesregierung befasse sich mit dem Thema NI, auch wenn sie nicht unmittelbar betroffen sei.

Rainer Rönsch

 

Film ab

Laut Wikipedia ziehen sich die Ketten des Jura-Gebirges aus der Schweiz und Frankreich über die Fränkische Alb bis nach Coburg hin. Im französisch-schweizerischen Grenzbereich dürfte das eine Gegend sein, die bei waldfernen Nicht-Romantikern in die Kategorie „dort willste nich tot überm Zaun hängen“ fällt. Also wie geschaffen für skurril-abstruse Geschehnisse. Warum allerdings der Verleih den französischen Streifen „Un ours dans le Jura“ („Ein Bär im Jura“) für deutsche Kinos mit dem bescheuerten englischen Titel „How to make a killing“ („Wie man einen Reibach macht“) versehen hat, darüber darf getrost gerätselt werden. Franck Dubosc jedenfalls, der neben Regie und Mit-Autorenschaft am Drehbuch auch gleich noch die Hauptrolle übernommen hat, liefert mit diesem Film ein krachend schwarzhumoriges Werk der Meisterklasse ab, indem er das Murphy’sche Gesetz („Alles, was schief gehen kann, wird schief gehen“) cineastisch konsequent ausreizt. Das Ergebnis ist zwar nichts für schwache Nerven, aber wer schräge Filme nach Art von „7 Psychos“, „In China essen sie Hunde“ oder „Helden der Wahrscheinlichkeit“ (siehe Blättchen, 9/2023) mag, der wird voll auf seine Kosten kommen.

Ein Kritiker bei Kino-Zeit hat überdies entdeckt, dass „Dubosc eine durchaus herzerwärmende Geschichte eines Paares [erzählt], das aus seinem alltäglichen Trott gerissen wird und auf diese Weise wieder emotional zusammenfindet“. Da kann man im Interesse des Fortbestandes der Menschheit nur hoffen, dass nicht allzu viele Paare mit einer Problembeziehung einen ähnlichen Therapieansatz wählen – mit am Ende insgesamt immerhin neun nicht freiwillig aus dem Leben Geschiedenen …

„How to make a killing“, Regie, Drehbuch (Mit-Autor) und Hauptrolle: Franck Dubosc; derzeit in den Kinos.

Clemens Fischer

 

Er sitzt und sündigt nicht

Wenn ein Mensch im Gefängnis landet, wird das gern mit einem alten Staatsanwaltsspruch kommentiert: „Er sitzt und sündigt nicht.“

Der Spruch klingt nach Beruhigung einerseits, andererseits fast schon nach Lob. Er ist aber grundfalsch und ich kann ihn nicht hören. Denn wer so spricht, meint selten den Gefangenen, sondern das Bild, das man von ihm braucht. Der Gefangene sündigt nicht, weil man ihm keine Gelegenheit lässt, er sündigt nicht, weil alles, was ihn sündig machen könnte, kontrolliert, überprüft, erstickt wird. Der Spruch ist kein Lob, sondern ein Vorwurf, nämlich dass der Mensch qua Charakter weitere Schuld auf sich laden würde, wenn er nur könnte. Der Spruch ist auch nicht beruhigend, sondern in Wahrheit ein Eingeständnis der eigenen Heuchelei: Wir wollen keine besseren Menschen, nur besser weggeschlossene.

Lorenz Bode

Wettern der Woche: Plemplem in Belem

Der Urwald brennt, aber der Menschheit geht das am Arsch vorbei. Besser gesagt: Die direkt Betroffenen haben nichts zu melden, die Verursacher (neben mir, Putin, Trump, Merz und Dir) taumeln je nach Wetterlage von Glosse zu Glosse, von Dementi zu Dementi: Barbara saß nah am Abhang. So nah wie nie.

„Die Faktenlage war noch nie so eindeutig“, schreibt Poema. Die Initiative „Armut und Umwelt in Amazonien“ trommelt seit 30 Jahren mit den indigenen Völkern aus dem Urwald in die Metropolen und sagt: Leute, die zivilisatorische Krise mit ihren Auswirkungen auf Klima und Natur zerstört die Lebensgrundlagen auf unserem Planeten! Hallo, geht’s noch? Historisch und bis heute sind die Industrien des Globalen Nordens mit ihrem immensen Verbrauch an Rohstoffen dafür verantwortlich. Es wird im großen Stil geplündert, vernichtet, zerstört – im Globalen Süden. Dort, weit weg vom Tegernsee, geht die Ausbeutung der Natur radikal einher mit der Zerstörung von Ökosystemen. Tropische Regenwälder – brauchen wir das oder könn’ die weg? Sie sind lebensnotwendig für das Gleichgewicht des Planeten. Ach nee! Doch, sogar Wissenschaftler und Fakten bestätigen das. Merke: Die Mächtigen haben mächtigere Mitläufer. Uns. Daher ist zu befürchten, dass sich der Globale Norden weiterhin verdrücken wird.

Wenn uns das nun nicht am Arsch vorbeigeht, wie meine Omi Glimbzsch in Zittau fürchtet, braucht es mehr Engagement von uns, mehr Einsicht, mehr Verstand. Viel mehr. Wenn wir allerdings ehrlich sind und unter uns, können wir zugeben: Unterm Strich ist es damit nicht weit her.

Wir kämpfen lieber gegen Wärmepumpen und für den Verbrenner: Freie Fahrt für freie Bürger. Fleisch auf dem Teller, Chemie in Lebensmitteln, Kreuzfahrten zu Wasser, zu Lande und in der Luft. Augen zu und durch. Na klar – Grenzen dicht, Hungerleider bleiben besser daheim. Wir stricken Socken wie Anno Dunnemal für die Ostfront, spenden Tütensuppen von Knurr und Adventskerzen. Kriegstüchtig wolln mer sein, aber komm, Alter: „Auch wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen“, sagte General Bastian zu Petra Kelly, bevor sie eine Pistole fanden. Oder wir halten’s mit Lula – mit links den Regenwald schützen und mit rechts nach Öl bohren. Nichts ist unmöglich.

Poema fragt: Was wird den Europäern im Gedächtnis bleiben, wenn sie ihr Alltag im Norden der Welt wieder im Griff hat? Wird es das zur Zeit aufgehübschte Stadtzentrum von Belem sein – oder die Favelas am Rande der Stadt? Werden es die schönen Parks sein – oder die offenen Abwasserkanäle? Werden es die Paläste der Reichen – oder die Hütten der Armen sein? Ich weiß. Du schwarz.

Peter Grohmann

 

Ein Pionier der Kriminalistik

„Die Erinnerung ist der Freude letztes Lächeln.“ Das war das Lebensmotto von Arthur Kanger, den heute kaum noch jemand kennt. Wir aber wollen uns an ihn erinnern, denn er gehört zu den Begründern der international anerkannten Kriminalistik in der DDR – an der Humboldt-Universität zu Berlin.

Schon sein Lebensweg liest sich wie ein Kriminalroman. Am 17. April 1875, also vor 150 Jahren, in Walk, in einer Stadt in der historischen Landschaft Livland im Baltikum geboren, studierte er von 1896 bis 1902 Pharmazie an der Universität Dorpat, an der er auch promovierte. Dann verschlug es ihn nach Odessa: 1920 bis 1923 Professor für pharmazeutische und gerichtliche Chemie an der dortigen Universität, später u. a. von 1933 bis 1939 Professor für Kriminaltechnik an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Rigaer Universität sowie an der Deutschen Hochschule, seit 1930 wirkliches Mitglied der Internationalen Akademie für kriminalistische Wissenschaften.

Im Rahmen der Umsiedlung der Baltendeutschen kam er 1939 nach Berlin, wo er bis 1945 in Köpenick ausharrte.

Die Sowjetische Militäradministration wurde sofort auf ihn aufmerksam, denn er konnte die russische und deutsche Sprache und war ein Experte in der Strafuntersuchung. Kanger wurde erster Präsident des Stadtgerichtes Berlin, später mit Wirkung vom 29. September 1945 durch die Alliierte Kommandantur für drei Monate als Präsident des Kammergerichtes in Berlin eingesetzt.

Am 6. Dezember 1946 als Professor mit Lehrauftrag für Kriminalistik an die Juristische Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin berufen, entwickelte er 1952 sein Fachgebiet zu einem eigenen Institut, dessen Direktor er bis zu seiner Emeritierung 1955 wurde. Er starb am 9. August 1960 und wurde auf dem Friedhof der St.-Laurentius-Gemeinde in der Köllnischen Vorstadt in Berlin-Köpenick beigesetzt.

Frank-Rainer Schurich

 

Wien ist anders

und diese Stadtbeschreibung auch. Der Autor wird vom Verlag als Kulturvermittler, Fremdenführer und Journalist für kulturelle Angelegenheiten vorgestellt. Die dazu notwendigen Kenntnisse hat er zweifellos. Ob er diese jedoch nutzt, um Menschen nach Wien zu locken oder eher von einem Besuch abzuschrecken will, hat sich mir nicht erschlossen. Mit bissiger Satire beschreibt er Geschichte, Architektur („an vielen Stellen der Stadt würden sich Schrumpf- und Rumpfversionen von ehemals großen Ideen zeigen“) und den Menschenschlag dieser Stadt. Sie sei Musikstadt, Walzerstadt, Hauptstadt des Charmes und des Grants. Dem Granteln der Wiener ist ein ganzes Kapitel gewidmet – seinem eigenen Grant wohl der ganze Text. Den Wiener Grant müsse man akzeptieren, damit man seinen eigenen Grant legitimieren kann (nun denn – dann akzeptiere ich mal den Grant des Autors, um meinen eigenen Grant beim Schreiben dieser Rezension zu legitimieren). Notabene: Erst die Globalisierung habe Wien freundlicher gemacht.

Wien lebe der Zeit hinterher, sowohl in der Verehrung von allem als auch dem, was mit der k. u. k. Monarchie zu tun habe, und auch vornehmlich in der Architektur. Zum letzten Mal zur Zeit der Römer wäre Wien seiner Zeit voraus gewesen (durch Fußbodenheizung und Straßenpflasterung).

Liebenswert an der vorgelegten Beschreibung Wiens sind lediglich die Passagen über Kaffeehäuser – da müsste frau auch schon starke Kaffeevermeiderin/Hasserin sein, um diese nicht zu lieben.

Dem Buch beigefügt ist eine ausführliche Literaturliste und im Text wird immer wieder auf ältere und zeitgenössische Wertungen Bezug genommen – allerdings meist im negativen Sinne.

Der Autor läßt der Leserschaft jedoch einen Ausweg mit dem Kapitel „Wien ist ein Bild – zum selber ausmalen“. Dort nennt er Wien eine „self-fulfilling prophecy“. Also malen wir uns unser eigenes Bild und reisen nach Wien – Liebhaber von Satire gern mit diesem Buch, die anderen sollten es zu Hause lassen.

Norbert Philipp: So tickt Wien. Verlag Kremayr & Scheriau, Wien 2025, 176 Seiten, 26,00 Euro.

Viola Schubert-Lehnhardt

 

Aus dem Kohlenhof fürs heimische Kopfkino

„Live aus dem Kohlenhof“ ist die Quintessenz von sieben Konzertabenden im Sommer 2024 im Kunstverein Kohlenhof in Nürnberg. „This week made us finally a duo“ bekunden Maja Taube (Harfe) und Jan Galega Brönnimann (Bassklarinette, Sopransaxophon).

Die beiden Musiker finden sich im Lauf dieser Woche kongenial zusammen und loten in ihrem virtuosen Zusammenspiel die Möglichkeiten ihrer Instrumente aus. Es sind, bis auf ein Lied der isländischen Künstlerin Börk, Eigenkompositionen, die sich im musikalischen Dialog entwickeln.

Hier finden sich klassisch wie jazzig angehauchte Melodieläufe, ruhig-meditative wie auch temporeiche Passagen.

„Live aus dem Kohlenhof“ fängt nicht das Feedback der Konzertbesucher ein, sondern fokussiert sich auf die live eingespielten Duo-Kompositionen.

Wer mag, kann hier eigene Fantasiegeschichten zu diesen wundervollen Melodien entwickeln (lassen). Taube & Brönnimann liefern keinen blutleeren oder überkandidelten Soundtrack für das Kopfkino. Ihre Improvisationen laufen nicht ins Leere, sondern finden immer wieder zusammen bzw. ineinander, ohne eine radiokompatible Harmoniesoße zu kredenzen.

Maja Taube & Jan Galega Brönnimann: „Live aus dem Kohlenhof“,CD, Label 11 (Kontakt: maja@majataube.de) 2025, ca. 16,00 Euro.

Thomas Rüger

Aus anderen Quellen

Mit Blick auf den Ukraine-Krieg heißt es bei Erich Vad: „Es ist besonders in Deutschlands vitalem Interesse, diesen Krieg so bald wie möglich mit zu beenden. Ein europä­ischer Krieg träfe Deutschland massiv und unmittelbar. Deutschland ist das Aufmarschgebiet, die logistische Drehscheibe. Wir haben die amerika­nischen Hauptquartiere hier. Wir wären im Falle eines europäischen Krie­ges mittendrin. Das ist dann kein Krieg irgendwo im Osten, sondern er beträfe uns alle. Wir wären das Schlachtfeld.“

Erich Vad: Krieg in Europa ohne Ende. Was tun?; WeltTrends, Nr. 206 / Herbst 2025. Zum Volltext hier klicken.

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Ebenfalls mit Blick auf den Ukraine-Krieg erläutert Thomas Fasbender: „Der russischen Sicht auf den Krieg kommen wir nur bei, wenn wir aus unserer eigenen Denke heraus- und in die russische gewissermaßen hineinkriechen. Dann erkennen wir vor allem, in welch fataler Lage Russland steckt. Ausschlaggebend sind Fehler, die teils Jahre zurückreichen.“

Thomas Fasbender: Mit den Augen des Gegners, Berliner Zeitung, 10.11.2025. Zum Volltext hier klicken.

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„Die strategische Ausrichtung der deutschen Streitkräfte auf eine Konfrontation mit Russland“, so stellt der Blog german-foreign-policy heraus, „setzt die Bundesregierung mit dem Gesetzesentwurf ‚zur Stärkung der Militärischen Sicherheit in der Bundeswehr‘ nun auch im nachrichtendienstlichen Bereich fort. Im Fokus der Gesetzesänderungen steht nach Angaben der Bundesregierung die Befähigung des MAD zu nachrichtendienstlichen Aktivitäten im Ausland, insbesondere im Zusammenhang mit dem ersten permanenten deutschen Militärstützpunkt jenseits der deutschen Grenzen, dem Stützpunkt in Litauen […] – und zwar in enger Zusammenarbeit mit dem BND und den litauischen Sicherheitsbehörden.“

Kriegstüchtige Geheimdienste, german-foreign-policy, 30.10.2025. Zum Volltext hier klicken.

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Es sei „höchst fraglich, ob eine multipolare Welt mit über 20 Atomwaffenstaaten tatsächlich zu größerer Sicherheit beitragen würde“, warnt Rolf Mützenich und fährt fort: „Das Konzept der Abschreckung setzt eine gewisse Rationalität und Berechenbarkeit der handelnden Akteure voraus. Doch je mehr Akteure über Atomwaffen verfügen, desto größer wird das Risiko von irrationalem Verhalten, von Fehleinschätzungen, Missverständnissen, technischen Unfällen und Eskalationsdynamiken. Zugleich erschwert eine wachsende Zahl nuklearer Akteure die Schaffung verbindlicher Regeln für Abrüstung und Rüstungskontrolle erheblich.“

Rolf Mützenich: Das neue nukleare Zeitalter, ipg-journal.de, 27.10.2025. Zum Volltext hier klicken.

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Georg Rammer entwickelt ein ausführliches Gedankenspiel – nämlich wie das Ergebnis aussehen könnte, wenn „die Bundesregierung ein Gremium aus Vertretern der Altparteien, der Geheimdienste, der Großkonzerne und des Militärs beauftragen [würde], ein Strategiepapier zu erarbeiten, wie man die Bevölkerung zur Akzeptanz einer Politik bringt, die ihren Interessen diametral entgegenläuft“. Denn bisher könne noch konstatiert werden: „Die Maßnahmen zur umfassenden Kriegsertüchtigung werden allenfalls passiv erduldet.“

Georg Rammer: The Great Reset, Ossietzky, 21/2025. Zum Volltext hier klicken.

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Im Herbst, zum Jahrestag der deutschen Vereinigung und anlässlich von Wahlen steht der Osten im medialen Fokus. Auch nach der letzten Bundestagswahl bestimmte der „Sonderfall Ostdeutschland“ wieder Talkrunden und Schlagzeilen. Dabei wird ein einseitiges mediales Bild von Ostdeutschland perpetuiert, das seit 35 Jahren von den Westmedien gezeichnet wird. Ein Kollateralschaden besteht darin, dass gerade im Osten das Vertrauen in klassische Medien im Laufe der letzten Jahrzehnte immer weiter geschwunden ist.

Anett Friedrich/ Christoph Peters: Abgeschrieben? Der Osten in den Medien, MDR, 23.09.2025. Zum Video hier klicken.

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Nach dem Verbot der Weltbühne durch die Nazis im März 1933 erschien das Blatt noch bis 1939 im Exil; mit Start in Wien, dann in Prag, schließlich in Paris. Chefredakteur wurde zunächst der österreichische Journalist Wilhelm S. Schlamm, den aber bald Hermann Budzislawski verdrängte, „handstreichartig“, wie Christian Stappenbeck in seiner Darstellung schreibt, die auch die Nachkriegszeit bis zum Todesjahr der beiden Kontrahenten, 1978, beleuchtet. 

Christian Stappenbeck: Späte Erfüllung, junge Welt, 10.10.2025. Zum Volltext hier klicken.

Zusammengetragen von Wolfgang Schwarz.