In eigener Sache
Erstmals wurde der Redaktion in Vorbereitung dieser Ausgabe ein Text angeboten, zu dem der Autor angegeben hatte: „mit etwas Hilfe von LLMs* erstellt“.
Der Autor teilte nicht mit, ob er KI nur zur Recherche benutzt (und die betreffenden Angaben nachfolgend gegebenenfalls selbst überprüft hatte, weil LLMs bekanntlich auch halluzinieren – siehe dazu ausführlicher Blättchen, 7/2026) oder ob Teile des Beitrages selbst KI-generiert waren.
Die Redaktion hat einstimmig entschieden, den – ansonsten nicht unoriginellen – Beitrag nicht zu übernehmen und Das Blättchen auch künftig ausschließlich Autoren aus Fleisch und Blut vorzubehalten.
Damit soll im Übrigen nichts gegen KI als in vielerlei Hinsicht hilfreiches Werkzeug gesagt sein.
Jürgen Hauschke
Detlef-Diethard Pries
Wolfgang Schwarz
* – Large Language Models = Große Sprachmodelle zur Textgenerierung, auch KI (Künstliche Intelligenz) genannt.
Zur PISA-Studie 2025
Über die ernüchternden Ergebnisse der Studie wurde gerade in allen Medien berichtet. Die Leistungen der untersuchten 15-jährigen Schüler in Deutschland sanken wiederum deutlich gegenüber denen in den vergangenen Jahren. Ob Lesen, Mathematik oder Naturwissenschaften – immer das gleiche schlechte Ergebnis.
Rund ein Drittel der Jugendlichen in Deutschland erreicht die Kompetenzstufe 2 nicht und verfehlt damit das Mindestniveau. Bei den Naturwissenschaften ist es ein gutes Viertel. Nur etwa 7 bis 9 Prozent der Schüler erreichen die Stufen 5 oder 6 und gehören damit zur Leistungsspitze. Dass gleichzeitig die Zahl der Schüler mit Einser-Abitur so hoch wie nie ist, lässt sich übrigens aus diesen Zahlen nicht erklären.
In Deutschland ist der Zusammenhang zwischen schulischer Leistung und sozialer Herkunft vergleichsweise zu den untersuchten Ländern weiterhin besonders stark.
Was in den Medien überwiegend nicht zu lesen war, ist Folgendes: 29 Prozent der Schüler in Deutschland weisen nach der PISA-Definition einen Zuwanderungshintergrund auf. Bei den aktuell besonders untersuchten Naturwissenschaften führt dieser Umstand zu diesen Ergebnissen. Jugendliche ohne Zuwanderungshintergrund erreichen im Durchschnitt 521 Punkte. Jugendliche der zweiten Zuwanderungsgeneration kommen auf 463 Punkte. Bei selbst zugewanderten Jugendlichen ist der Abstand größer: Wer vor dem 11. Lebensjahr nach Deutschland kam, erreicht im Mittel 423 Punkte; bei einem Zuzug ab dem 11. Lebensjahr sind es 392 Punkte und damit ganze 129 Punkte weniger.
Allerdings hängt ein erheblicher Teil dieser durch den Migrationshintergrund bedingten Unterschiede auch mit anderen Ausgangsvoraussetzungen zusammen. Werden soziale Herkunft, Geschlecht und die zu Hause gesprochene Sprache gleichzeitig berücksichtigt, verringern sich die Abstände gegenüber Jugendlichen ohne Zuwanderungshintergrund auf 18 Punkte in der zweiten Generation, 32 Punkte bei frühem Zuzug und 67 Punkte bei spätem Zuzug.
Insgesamt ein Drittel der Jugendlichen können weder die Hauptaussage eines mittellangen Textes erfassen noch darin Informationen nach vorgegebenen Kriterien finden. Ein erschreckendes Fazit bleibt: Der Ast, auf dem wir als „Lesemedium“ sitzen, wird immer dünner.
Sophie Mereau, die Freiheitliebende
„Mein einziger Wunsch ist, daß ich tausend Leben haben, tausend Formen beleben, alle Verhältnisse durchirren und alle möglichen Empfindungen fühlen könnte.“ Bekenntnis einer Frau, die trotz der Härten ihres Daseins stets aufs Neue den Aufbruch wagte; die versuchte, den unstillbaren Dang nach persönlicher Freiheit und Eigenständigkeit zu befriedigen und ihn gegen die herkömmlichen gesellschaftlichen Regeln ihrer Zeit durchzusetzen.
Sophie Schubart, geboren am 28. März 1770 in Altenberg (Thüringen), verstorben am 31. Oktober 1806 in Heidelberg. Schriftstellerin, Lyrikerin, Übersetzerin, Herausgeberin.
„Der Mensch kann mehr als er will und will manchmal mehr als er kann.“
Im elterlichen Haus des herzoglich-sächsischen Obersteuerbuchhalters Gotthelf Schubart erhielt Sophie eine außergewöhnlich gute Erziehung und Ausbildung.
„Erziehung heißt nicht den Menschen bestimmen, sondern ihm Gelegenheit zu geben, seine angeborenen Fähigkeiten zu entwickeln.“
Die Nähe der Universitätsstadt Jena und das damit verbundene geistige Umfeld, auch der Kreis der bekannten dort ansässigen Frühromantiker bewogen die Wissensdurstige, diese Nähe zu nutzen. In dieser Umgebung sah sie ebenso die Möglichkeit, der ersehnten schriftstellerischen Tätigkeit intensiver nachzugehen. Nach den Idealen der Romantik und deren Vertretern wollte sie leben, denn sie entsprachen auch ihren Empfindungen: Unabhängigkeit im Denken und Handeln.
„Es ist wahr, ein Gefühl ist in mir, was nicht Dein gehört. Es ist das Gefühl der Freiheit. Was es ist, weiß ich nicht, es ist mir angeboren.“ (Sophie an Clemens Brentano)
Im April 1793 heiratete Sophie den Universitätsbibliothekar und Professor der Rechtswissenschaft Friedrich Mereau. Wohl aus Vernunftgründen, denn die Ehe war von Beginn an nicht glücklich. Durch längere Abwesenheit und einigen Verhältnissen, die sie einging, entzog sie sich den häuslichen Missklängen. Den Ausgleich fand Sophie in den Begegnungen mit den Jenenser und Weimarer Geistesgrößen. Schönheit und Klugheit der jungen Frau machten sie zur begehrten Gesprächspartnerin. Gleichzeitig begann ihre schriftstellerische Arbeit an Zuspruch und Anerkennung zu gewinnen. – Sie publizierte Gedichte von feiner Wortwahl, zwei Romane, Essays, Erzählungen. Als Übersetzerin übertrug sie aktuelle Arbeiten der Literatur aus dem Englischen, Französischen, Italienischen und Spanischen. Sie gab Almanache heraus und eine Zeitschrift Kalathiskos (Körbchen). – Friedrich Schiller, dessen Bekanntschaft Friedrich Mereau vermittelt hatte, erkannte Sophies Begabung, unterstützte, beriet sie und veröffentlichte Gedichte und Auszüge aus ihren Werken. Schiller an Goethe: „Unsere Freundin Mereau hat in der That eine gewisse Innigkeit und zuweilen selbst eine Würde des Empfindens, und eine gewisse Tiefe kann man ihr nicht absprechen …“
Zum Freundes- und Bekanntenkreis der Mereaus gehörten, neben anderen, Johann Gottlieb Fichte, Ludwig Tieck, Jean Paul, die Brüder August Wilhelm und Friedrich Schlegel, Friedrich Schelling, Dorothea Veit-Schlegel. In den Jenaer Tagen lernte Sophie Mereau den Studenten Clemens Brentano kennen. Die stürmische Liaison zerbrach an der Egozentrik und krankhaften Eifersucht Brentanos.
Im Jahr 1801 ließ sich Sophie Mereau auf eigenes Betreiben von ihrem Mann scheiden. Und sie ehelichte, trotz heftiger innerer Widerstände, 1803 Clemens. Diese Verbindung verlief, durch die Launenhaftigkeit Brentanos getrübt, tragisch und entsprach nicht den Vorstellungen Sophies von einer harmonischen Zweisamkeit.
„Der Zusammenklang von Vernunft und Herz ist das Rezept für Lebensglück.“
Die letzte Station ihres beider misslungenen „Zusammenklangs“ wurde Heidelberg. Sophie Mereau-Brentano starb bei der Niederkunft eines totgeborenen Kindes. Kurz vor ihrem Abschied begann sie noch, an einem Gedicht zu schreiben, konnte es aber nicht mehr vollenden. – Ihr Leben glich den Zeilen: „Hoffnung und Verzweiflung, Verwegenheit und Furcht, Freude und Schmerz, Leben und Tod sind nah beieinander.“
Aber ihr Credo bleibt: „Freiheit adelt! Und nach ihr zu ringen, ist der Kräfte jedes Edlen wert!“
Freie Standortwahl
In der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung vom 29./30. August 2026 teilte Ingo Eckardt zur DDR-Laufbahn eines mittlerweile Rentners aus dem mitteldeutschen Chemiedreieck mit: „Später führte ihn die Karriere zur FDJ: erst in die Bezirksleitung Halle, wo er zentrale Jugendobjekte wie die Erdgastrasse koordinierte, dann in verantwortliche Funktionen in Halle-Neustadt und schließlich 1989 zum Zentralrat der FDJ nach Leipzig.“
Und wenn kurze Zeit später die DDR nicht den Bach runtergegangen wäre, hätte die nächste Laufbahnsprosse womöglich ins ZK der SED nach Suhl geführt …
Pro und contra KI
Der Autor des ersten hier vorzustellenden Buches ist Professor für Ethik und kritische Theorien der Künstlichen Intelligenz. Er setzt sich vor allem mit den gesellschaftlichen Entwicklungen und Folgen dieser Technologie auseinander, die er unter anderem in der Gefahr eines neuen Faschismus sieht. „Dieser Faschismus realisiert sich über die schrittweise Aushöhlung formal fortbestehender demokratischer und rechtsstaatlicher Institutionen sowie über die technokratische Verankerung staatlicher Macht in digitalen Infrastrukturen“, schreibt er und sei gerade deshalb so schwer zu erkennen. Außerdem vollzögen sich diese Prozesse mit nie da gewesener Geschwindigkeit und über nationale und geopolitische Grenzen. Er hebt vier Risiken heraus: Anstieg des globalen Stromverbrauchs (allein in den USA wären es 2030 99 Prozent der insgesamt produzierten Strommenge) und damit verbundene notwendige Rückkehr zu fossilen Brennstoffen, enormer Verbrauch materieller Ressourcen bei der Chipherstellung sowie Anfall von beispiellosen Mengen Elektroschrott; eine neue Welle der Prekarisierung durch die Entwertung von Berufsbildern und ein bislang unbekanntes Ausmaß der Beeinflussung politischer Prozesse und Verzerrung der öffentlichen Kommunikation. Dadurch bestehe insbesondere durch die Deformationen beziehungsweise (Selbst)Verstärkung diskriminierender Algorithmen ein hohes Risiko ohnehin benachteiligte Gruppen weiter zu diskriminieren.
Die populären KI-Narrative würden auf drei Grundelementen beruhen: Zuschreibung menschlicher Eigenschaften, überzeichnete Zukunftserwartungen und kurzfristige technologische Lösungsversprechen. Die sich in der Gegenwart bereits abzeichnenden Risiken (Ausbeutung, soziale Ungleichheit, Diskriminierung, Machtkonzentration) würden demgegenüber als nebensächlich angesehen. Zugrunde liege dieser Entwicklung ein Menschenbild, dass davon ausgeht, dass Menschen vor allem von ihren Begierden und Eigeninteressen getrieben werden. „Der Staat dürfe diese Triebkräfte nicht unterdrücken, sondern müsse sie in sozialdarwinistische Ausleseprozesse umlenken, um dadurch vermeintlich wahren Fortschritt zu ermöglichen“. In einem eigenen Abschnitt wird dazu auf den Begriff „Faschismus“ eingegangen. Dazu müsse man insbesondere zwischen Faschismus als konsolidiertem, totalitärem Herrschaftssystem und faschistischen Bewegungen in ihrer Entstehungsphase“ unterscheiden. Entstehender Faschismus müsse als Prozess der Radikalisierung und Destruktion sowie der Verbreitung ideologischer Weltbilder und charakterlicher Dispositionen begriffen werden. Er zeichne sich durch eine obsessive Beschäftigung mit Niedergang, Demütigung oder Opferrolle einer Gemeinschaft und durch kompensatorische Kulte der Einheit, Stärke und Reinheit aus und habe drei zentrale Merkmale:
– grundlegende Ablehnung von Streitkultur und Kritik
– persönliche Disposition zur Ausübung von menschenverachtender Gewalt und Herabwürdigung anderer Menschen als politisches Mittel
– Verherrlichung moderner Technologie.
Für die größten Akteure der KI-Industrie stehe längst nicht mehr allein die Profitmaximierung im Vordergrund, sondern vor allem die Aneignung politischer Macht. Somit bedürfe es eines Antifaschismus der gesellschaftlichen Mitte. Die freiheitlich-demokratische Grundordnung ist nicht allein dadurch garantiert, dass sie im Grundgesetz steht, es bedarf gemeinschaftlichen Wirkens gegen schon bestehende Bestrebungen, einzelne Parteien können hier nichts erreichen.
Rainer Mühlhoff: Künstliche Intelligenz und der neue Faschismus. Philipp Reclam jun. Verlag, Ditzingen 2026, 211 Seiten, 9,00 Euro.
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Markus Gabriel, Inhaber des Lehrstuhls für Erkenntnistheorie, Philosophie der Neuzeit und der Gegenwart an der Universität Bonn, unternimmt in seinem Buch dagegen den Versuch, die positiven Möglichkeiten von KI aufzuzeigen. Sie würde künftig „nicht länger nur in Gestalt von Rechenleistung und Effizienzsteigerung operieren, sondern auch die Fähigkeit haben, im Inneren von uns Menschen und in den Beziehungen zwischen uns zu wirken“. Sie sei zum Spiegel unseres Inneren geworden – KI sei nicht das andere, das wir beherrschen, sondern ein Spiegel, der uns mit nie gekannter Präzision auf uns selbst zurück wirft. Sie identifiziere die stabilen Muster auch dort, wo wir in situativen Widersprüchen und Selbsttäuschungen gefangen seien. Damit stünden wir vor der genau anders lautenden Frage: Wer müssen wir Menschen werden, um im Resonanzfeld der KI zu bestehen? Durch diesen Perspektivwechsel – nicht mehr Ethik gegen KI (das heißt, was müssen Programmierer ihr verbieten?), sondern Ethik durch KI – würde aus einer Gefahr ein Weggefährte. Weil KI lernfähig sei, könne sie auch unsere moralische Vorstellungskraft erweitern. Ethische Intelligenz bedeutet im Verständnis des Autors, die abstrakten Prinzipien der europäischen Werteordnung in konkrete Situationen und in KI-Modelle zu übersetzen. In Handlungen, die Freiheit nicht als Konsumoption verstehen, sondern als Verantwortung füreinander …
Dieses Buch versteht sich als Nachweis von positiven Möglichkeiten der KI und als Appell, diese auch zu nutzen. Ob er jedoch in einer marktwirtschaftlich geprägten Weltordnung gehört wird, ist zu bezweifeln.
Markus Gabriel: Ethische Intelligenz. Wie KI uns moralisch weiterbringen kann. Ullstein Verlage, Berlin 2026, 190 Seiten, 22,99 Euro.
Wehmütige Töne aus der englischen Provinz
Das mittlerweile neunte Studioalbum des Musiktrios Fink um den Bandleader Fin Greenall (Gesang und Gitarre) gewinnt an Reiz durch mehrmaliges Anhören. Was beim ersten Hören noch sperrig anmutet, entfaltet im Wiederholungsfalle eine hypnotische Wirkung.
Es sind beileibe keine radiokompatiblen Drei-Minuten-Songs mit schnell zugänglichem Refrain zum allgefälligen Mitsingen. Der Wahlberliner Fin Greenall gibt beziehungsweise lässt seinen Liedern vielmehr Zeit, um sich zu entwickeln.
Der Fink-Sound konzentriert sich auf akustische Musik; die Gitarrenmelodien werden nicht mit elektronischen Soundcollagen zugekleistert, nur ein paar Streichereinheiten mit Violine oder Cello bilden ab und an das dezente Sahnehäubchen.
Der eher karge und raue Ton findet sich auch in den Texten. Der Großstadtmensch Greenall setzt sich mit dem Moloch Stadt auseinander. Ist die Stadt wirklich dabei, alles auszulöschen oder auszuradieren?
Der im englischen Cornwall geborene Musiker und Komponist scheint jedenfalls den Rückzug in die heimatlichen Gefilde als künstlerische Inspiration zu schätzen. Es mag die Authentizität des Albums befördert haben, dass es im Plattenstudio „Zennor Sounds“ im äußersten Südwesten von Cornwall im Vorjahr aufgenommen worden ist. Mit sanftem Meeresrauschen startet auch der Opener „Wishing for blue Sky“.
Fin Greenall liefert mit seinen Texten keine einfachen Antworten. Das vorletzte Stück lautet denn auch: „I buried all the Answers“. Den Abschluss des Albums bildet dann das Instrumentalstück „Spirit of Place“. Mit Wehmut lässt uns Fink von dem musikalischen Trip in die heimatlichen Gefilde zurück …
Im Rahmen ihrer Herbsttournee tritt Fink unter anderen in Leipzig (3./4.10.), Berlin (15./16.10.) und München (18.10.) auf.
Fink: „The City is coming to erase it all“, CD (mit Hardcover-Büchlein) 2026, Label: R’Coup’D (Rough Trade), ca. 22,00 Euro.
Aus anderen Quellen
Zur Reaktion Moskaus auf die fortgesetzte militärische Unterstützung des Westens für die Ukraine warnt Dmitri Trenin: „Die entschlossene Antwort […] steht somit noch aus. Sie wird vermutlich nicht unmittelbar nuklear ausfallen, doch ein großer Krieg zwischen Russland und der NATO würde zwangsläufig unter Einsatz von Atomwaffen geführt werden.“
Èva Péli: „Der Ukraine-Krieg transformiert sich zum Vaterländischen Krieg gegen den Westen“ (Interview), Berliner Zeitung, 15./16.08.2026. Zum Volltext hier klicken.
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„Sobald ein Sicherheitsvorfall Fragen aufwirft, so klein er auch sein mag, weist der Kompass in der deutschen Politik seit 2022 verlässlich nach Osten“, vermerkt Boban Dukic und fährt fort: „Russland ist immer schuld. Es ist ein Reflex, der die politische Kommunikation und weite Teile der medialen Berichterstattung gleichermaßen durchzieht und eine sachliche Einordnung erschwert.“
Boban Dukic: Das Muster der unbelegten Verdächtigungen, Berliner Zeitung, 28.08.2026. Zum Volltext hier klicken.
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Nikolaos Gavalakis setzt sich mit einem Beitrag der italienischen Politikwissenschaftlerin Nathalie Tocci im Economist auseinander, die dafür plädiert, „Europa nicht nur militärisch, sondern auch mental auf den Krieg vorzubereiten“. Gavalakis wendet sich gegen Toccis „Romantisierung militärischer Gewalt“: „Der Essay spricht in einer Sprache, der der Dreck des Schlachtfelds abhandengekommen ist. Er blendet aus, was an der Front geschieht, wo Drohnen und hochautomatisierte Waffensysteme in der sogenannten Todeszone Jagd auf alles machen, was sich bewegt. ‚Boots on the ground‘ klingt nach einer nüchternen Beschreibung aus einem NATO-Briefing. Was jedoch dahinter steckt, sind junge Menschen, die töten, verstümmelt werden oder sterben. Familien, die Angehörige verlieren. Traumata, die ein Leben lang bleiben.“ Der Economist-Text sei „kein Ausreißer. Er steht exemplarisch für einen sicherheitspolitischen Diskurs, der sich in bemerkenswerter Geschwindigkeit verändert hat.“
Nikolaos Gavalakis: Bist Du bereit?, ipg-journal.de, 27.07.2026. Zum Volltext hier klicken.
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In einer postumen Laudatio auf den Faschismusforscher Kurt Pätzold schreibt Frank Schumann: „Es handelte sich keineswegs um einen Betriebsunfall, eine zufällige Entgleisung, wenn Faschisten in Regierungsverantwortung gelangten, es lag nicht daran, dass die bürgerliche Demokratie sich nicht ausreichend gewehrt hatte gegen den Ansturm der Extremisten. Darauf hatte schon 1934 Raja Palm Dutt aufmerksam gemacht: ‚Faschismus hat niemals in irgendeinem Lande die Macht ergriffen. In jedem Fall wurde der Faschismus durch die bürgerliche Demokratie von oben an die Macht gebracht.‘“
Frank Schumann: Ungebrochene Speerspitze, Ossietzky, 17/2026. Zum Volltext hier klicken.
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„Die Agenda 2010 rief Massenproteste hervor“, erinnert sich Ingar Solty und konstatiert: „Heute bleibt es, trotz einiger größerer lokaler Gewerkschafts- und Sozialproteste, merkwürdig still. Ins Auge fällt, wie geräuschlos der Hochrüstung/Sozialabbau-Cocktail serviert wird – obwohl Kanzler und Regierung historisch unbeliebt sind. Außerdem fällt auf, wie die Intellektuellen das alles begrüßen, ja vehement einfordern.“
Ingar Solty: Das Schweigen der Lemminge, Berliner Zeitung, 22./23.08.2026. Zum Volltext hier klicken.
Schlagwörter: Bioethik, Clemens Brentano, Faschismus, Friedrich Schiller, Hochrüstung, Jena, Jürgen Hauschke, Krieg, Künstliche Intelligenz (KI), Large Language Models (LLM), Markus Gabriel, PISA-Studie, Rainer Mühlhoff, Renate Hoffmann, Russland, Sophie Mereau, Sozialabbau, Thomas Rüger, Viola Schubert-Lehnhardt, Zentralrat der FDJ

