Bemerkungen

Kühner Knecht

„Dieser moderne Hermes ist im Grunde gar nicht frivol, sondern hat eine gewisse komisch-versöhnende Weltansicht – so scheint mir.“ Dieser Art sah Autor Thomas Mann 1954 auf die Hauptfigur seines Schelmenromans „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“.

Obwohl der Text als Fragment veröffentlicht wurde, gab er mehrfach die Vorlage für Spielfilme ab, zuerst 1957 mit Horst Buchholz. John Moulder-Brown spielte die Rolle 1981 in einem Fernseh-Fünfteiler und schließlich Jannis Niewöhner 2021 in einem weiteren Kinofilm. Dafür eignet sich die episodische Geschichte um einen liebenswerten Schwindler und Dieb, Sohn eines Bankrotteurs, der im Hotelfach Fuß fasst und als Blender langsam bis zum Oberkellner aufsteigen kann. Bühnenadaptionen waren der vielfachen Wechsel der Schauplätze wegen bislang selten, aber die moderne Technik mit Rückprojektionen und Drehbühne ermöglicht schnelle, oft nur angedeutete Wechsel und reizte Regisseur Frank-Lorenz Engel, eine eigene Fassung auf die Bühne des Berliner Schlosspark Theaters zu bringen.

„Entkleide mich, du kühner Knecht!“ Diese Aufforderung richtet die wohlhabende, aber sexuell unterversorgte Madame Houpflé an den Liftboy Armand, wie Felix Krull hier genannt wird. Die Dame verfügt über die einstige Figur von Ursula Karusseit in „Arzt wider Willen“, die Aussprache von Katja Burkard aus „RTL um 12“ und zur Freude ihrer Fans über den oft mokanten Tonfall von Sarah Marquardt aus „In aller Freundschaft“.

Letztere spielt Alexa Maria Surholt seit 1998 in der wöchentlichen televisionären Krankenhausserie und jetzt, als Madame Houpflé im Schlosspark Theater in Berlin-Steglitz, ist sie zweifellos der Star des Abends. Wie alle anderen Beteiligten übernimmt sie mehrere Rollen, so auch die Mutter Krull.

Ihr zur Seite als Felix oder Armand agiert der spielfreudige Endzwanziger Adrian Djokić, der es weder an Charme noch an schelmischem Wesen fehlen lässt. Wer den Österreicher, der als Teenager am Deutschen Theater in Berlin begann und später am Leipziger Schauspielhaus spielte, bis dato nicht kannte, ist überzeugt, einem neuen Publikumsliebling begegnet zu sein.

Regisseur Engel hat zwar nicht alle „Bekenntnisse“ auf die Bühne gebracht (gerade die Weltreise wird nur angedeutet), hält sich aber zugute, dass er im Wechselspiel von Schein und Sein ausschließlich Manns Originaltexte verwendete. Auch wenn diese viel Ironie verraten, wurde das Stück in der Premiere anfangs nur verhalten aufgenommen. Erst mit der berühmten Musterungsszene (ein Kabinettstrück von Adrian Djokić) war der Bann gebrochen, und das Publikum ging begeistert mit.

Ein geistreicher, auch amüsanter Abend! 

F.-B. Habel

 Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull, Regie: Frank Lorenz-Engel,
Schlosspark Theater Berlin-Steglitz, bis 26. April 2026.

 

Aus dem Rönschschen Panoptikum

Innerer Monolog eines Anonymus

Zwar habe ich Klinge und Beil,

doch kämpf ich nicht gerne, weil

wenn ich den Friederich strieze,

dann bleibe ich nicht sein Vize.

Mein hoher Rang in der Koalition,

ach wirklich, der gefällt mir schon.

Spätere Generationen

werden mir das lohnen:

Kein Flughafen wird zwar nach mir benannt

und keine Schule im ganzen Land.

Doch bleib‘ch im Gedächtnis als emsiger Zwerg,

der mitgebaut hat am Schuldenberg!

 

Mitgehört von der KI (Konsequente Innenschau).

An die Kriegsertüchtiger

Wollt ihr Drohnenmänner und Flintenweiber,

dass Millionen junge und alte Leiber

in Schützengräben und Ruinen verrecken

und ihre Leichen die Erde bedecken?

Seid ihr wirklich so vernichtungssüchtig?

Werdet endlich friedenstüchtig!

Rainer Rönsch

 

Ist die Menschheit noch zu retten?

In dieser Rubrik versammeln wir in unregelmäßiger Abfolge Indizien, die den Verdacht nähren, dass, die gestellte Frage zu bejahen, von falschen Voraussetzungen ausgehen könnte.

Gern werden dafür auch Hinweise unserer geschätzten Leserschaft entgegengenommen; bitte per Mail – und in jedem Falle mit Link zur entsprechenden Quelle – an: redaktion@das-blaettchen.de.

Die Redaktion

„Mit 8 besitzt ein Drittel der Kinder in Deutschland bereits ein Smartphone. Bei den 10- und 11-Jährigen sind es schon fast doppelt so viele. Das hat eine Befragung des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest im Jahr 2024 ergeben.“

Die Zeit, 11/2026

Entdeckt von Blättchen-Leser Reiner B., Dortmund.

 

PS: Da die Angaben von 2024 stammen, mag man gar nicht wirklich wissen wollen, wann die 10- bis 11-Jährigen die 100 Prozentmarke womöglich inzwischen bereits passiert haben oder ob die 8-Jährigen nicht vielleicht sogar doch noch schneller gewesen sind …

 

 

Unsterblich sein …

Fünf Alben in fünfzehn Jahren Bandgeschichte sprechen erst mal nicht für überbordende kreative Aktivitäten. Aber das Männerquartett um den Frontmann Felix Kummer verbringt viel Zeit bei Tourauftritten.

Hier hat sich die Rock- und Rap-Combo mittlerweile bundesweit einen Kultstatus erspielt. Die linksgestrickten Rocker aus Chemnitz füllen zwischenzeitlich nicht nur kleinere Säle, sondern auch die großen Hallen in der Republik.

Apropos Chemnitz: Das Album Nummer fünf trägt den leicht provokanten Titel „Sterben in Karl-Marx-Stadt“.

Doch es sei gleich der Warnhinweis hinterhergeschickt, dass es sich nicht um ein „ostdeutsches“ Album handelt.

Etliche Lieder greifen das Thema Tod und Sterben auf, am eindrucksvollsten der Song „All die schönen Worte“ mit dem Gastmusiker Faber:

„All die Worte, nie gesagt

Jetzt bin ich fort und nehm sie mit ins Grab

All die schönen Worte werden alt und fangen Staub

Ich dachte wirklich, irgendwann sprech ich sie aus.“

Auch Deichkind und Nina Chuba sind in das Album eingebunden.

Mein persönlicher Favorit ist „Unsterblich sein“ mit Domiziana. Das Lied ist in zwei Versionen enthalten: als Opener mit treibenden Rock-Beats (da mutiert das heimische Wohnzimmer zur Großarena); die zweite Version – quasi die gefühlvoll-akustische Variante – beendet das Album.

Vermutlich werden die allermeisten Kraftklub-Fans die rockigen Hits mit inhaltlichen Spitzen gegen rechts präferieren, teilweise auch noch selbstironisch drapiert (wie im Lied „Halts Maul und spiel“ köstlich exerziert).

Für den Rezensenten muss es dagegen nicht linker Party-Alarm in Dauerschleife sein, auch wenn sich dieser in unterschiedlichsten Kanälen und Medien besser vermarkten lässt.

Ruhige Zwischentöne, respektive musikalische Passagen ermöglichen es mitunter besser, die Höhen und Tiefen der Liedtexte zu erfassen:

„Auch wenn wir manche Dinge eher nicht so sehen, wie du sie siehst

Wir können doch miteinander reden auch über Themen wie Politik […].“

Thomas Rüger

 

Kraftklub: Sterben in Karl-Marx-Stadt, CD 2025, Label: EKLAT Tonträger, 17,97 Euro.

Einem Schurken auf der Spur

Richard III. – letzter Vertreter des Hauses Plantagenet auf dem englischen Thron; es folgte die Dynastie der Tudors – war ein finsterer Schurke übelster Art. Daran muss niemand, der Shakespeares gleichnamiges Drama kennt, die geringsten Zweifel haben. Dass dieser Richard seine im Tower, der damals noch mehr Schloss als Gefängnis war, untergebrachten beiden Neffen, die sehr juvenilen Söhne seines verstorbenen Bruders und Amtsvorgängers, also Prinzen mit Anrecht auf die Krone, meucheln ließ, um seinen Platz auf dem Thron zu sichern, ist dabei nur das abstoßendste, doch weiß Gott längst nicht das einzige der ihm zur Last gelegten Verbrechen.

Als glaubwürdige Quelle des Dichters galt durch die Jahrhunderte ein Zeitzeugenbericht nicht nur aus dem Nachlass des großen Thomas Morus, sondern auch in dessen Handschrift, woraus sich auf die Autorenschaft Morus‘ schließen ließ. Der Verfasser der Gesellschaftsvision „Utopia“ war bekanntlich Lordkanzler, also oberster Beamter Heinrichs VIII., der ihn allerdings als Hochverräter hinrichten ließ. Im Hintergrund ging es um einen Zwist mit dem Vatikan, welcher Morus schließlich zum Märtyrer und Heiligen ernannte. Wenn auch erst nach erklecklicher Bedenkzeit – 1935. Trotzdem: Lässt sich ein glaubwürdigerer Zeuge denken?

Richard III. herrschte lediglich zwei Jahre, bevor er sich mit einer unter anderem von den Tudors angezettelten Adelsfronde konfrontiert sah und in der Schlacht von Bosworth (1585) den Tod fand.

Aus historischen Quellen geht hervor, dass in der Anklage, die Heinrich VII., der unmittelbare Tudor-Nachfolger Richards, vor dem Parlament gegen diesen erhob, um die Ächtung seines Vorgängers zu erwirken, ausgerechnet die beiden kleinen Prinzen keinerlei Erwähnung fanden …

Dies mag die britische Theaterautorin und Kriminalschriftstellerin Josephine Tey auf die Idee gebracht haben, den Fall nochmals aufzurollen. Der im Krankenhaus genesende Scotland-Yard-Inspector Alan Grant, Protagonist mehrerer Tey-Romane, stößt zufällig auf die Kopie eines Gemäldes, auf dem Richards III. porträtiert ist. Das Bild inspiriert den Inspektor, den historischen Vorwürfen gegen den König mit kriminalistischem Handwerkszeug nachzugehen.

Was die Ermittlungen ergeben, wird hier natürlich nicht verraten. Vielleicht nur so viel: „Ich werde nie mehr ein Wort von dem glauben, was in einem Geschichtsbuch steht. Solange ich lebe, und so wahr mir Gott helfe“ (206), verkündet Inspektor Grant nach Abschluss seiner Untersuchung.

Das Buch erschien erstmals 1951 unter dem Titel „The Daughter of Time“ („Die Tochter der Zeit“), was sich von einem französischen Sprichwort ableitet, wonach die Wahrheit eine Tochter der Zeit sei. Sehr stilvoll und mit philosophischem Anspruch, dieser Titel. Mit der Tür ins Haus hingegen und unsensibel viel von dem vorwegnehmend, wovon der Leser überrascht werden sollte, die Eindeutschung: „Alibi für einen König“.

Laut Wikipedia wurde „The Daughter of Time“ von der englischen Autorenvereinigung Crime Writers‘ Association zum besten Kriminalroman aller Zeiten gewählt

Hans-Peter Götz

Josephine Tey: Alibi für einen König, OKTOPUS bei Kampa, Zürich 2022, 256 Seiten, 17,80 Euro.

 

 

Maschinensound aus Westberlin

Auch wenn der Musiker, Musikproduzent, Komponist von Filmmusik und Schauspieler Alexander Hacke, der manchmal unter dem Pseudonym Alexander von Borsig künstlerisch tätig ist, 2025 sein Aus bei den Einstürzenden Neubauten verkündete, wird er auf ewig mit dieser außergewöhnlichen Band in Verbindung gebracht werden.

Am 11.10.1965 erblickte Hacke in Westberlin das Licht der Welt. Da der westliche Teil der heutigen gesamtdeutschen Hauptstadt während des Kalten Kreieges ein ganz spezielles Biotop war, konnte Hacke sich schon früh zu einen Künstler entwickeln. Er lernte verschiedene Musikinstrumente, komponierte und gründete Bands, die sich mit Minimal Electro beschäftigten oder auch Maschinengeräusche in ihre Songs einfließen ließen. So war es quasi natürlich, dass er von 1980 bis 1994 als Gitarrist und von 1994 bis 2025 als Bassist bei den Neubauten mitwirkte. Außerdem spielte er Gitarre in der Band von Giana Nannini.

Musikalisch blieb Alexander Hacke nie auf einem einmal erreichten Level stehen, sondern entwickelte sich weiter und komponierte zum Beispiel preisgekrönte Filmmusik. Vor über 10 Jahren hat sich Hacke an eine Autobiographie gewagt und damit einen weiteren künstlerischen Meilenstein in seiner Laufbahn gesetzt. Mit dem Titel des Buches – „Krach“ – benennt er kurz und prägnant die Art von Musik, die er viele Jahre lang im Unterground von Westberlin und später mit den Einstürzenden Neubauten weltweit aufführte. Genialer Krach eben.

Mit Hackes Buch, von dem Ende vergangenen Jahres eine erweiterte Taschernbuch-Ausgabe erschien, kann man außerdem tief in die künstlerische Welt von Westberlin eindringen, trifft dabei auf Künstler der geteilten Stadt und liest über Musik, die man sich jetzt noch irgendwie besorgen müsste, um auf der sogenannten Höhe der (damaligen) Zeit zu sein. In „Krach“ erlebt der Leser außerdem hautnah die Aufstiegsgeschichte der Einstürzenden Neubauten, Hackes Soloausflüge und überhaupt den Lebensbericht eines Ausnahmekünstlers. Und man liest einen mitreißenden Lebensbericht, der spannend ist und zum Weiterlesen zwingt. Dabei unbedingt das 1981 erschienene Neubauten-Album „Kollaps“ anhören.

Thomas Behlert

Alexander Hacke, „Krach“, Ventil Verlag, Mainz 2025, 304 Seiten, 25,00 Euro (Taschenbuch-Ausgabe).

Aus anderen Quellen

„Berlin und Paris planen eine Einbindung der Bundeswehr in Operationen der französischen Nuklearstreitkräfte“, heißt es auf german-foreign-policy.com. Bereits für 2026 seien „erste gemeinsame Manöver vorgesehen. Zugleich werden neue Forderungen nach einer deutschen Bombe laut.“

Deutschlands nukleare Frage, german-foreign-policy.com, 04.03.2026. Zum Volltext hier klicken.

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Das einst wichtigste Rüstungsprojekt NATO-Europas, das zwischen Frankreich und Deutschland (später stieg auch noch Spanien als Juniorpartner mit ein) vereinbarte „Future Combat Air System“ (FCAS – siehe Blättchen 16/2021) ), steht bereits seit längerem permanent vor dem Scheitern. Soweit ist es wohl mit der militärischen Bedrohung durch Russland denn doch nicht her, dass sich die an FCAS beteiligten deutschen und französischen Konzerne auf eine funktionierende Kooperation einigen könnten. Jürgen Wagner beleuchtet die Causa und merkt an: „Womöglich gelingt es durch enormen politischen Druck ein weiteres Mal, das FCAS-Ruder herumzureißen, die Chancen dafür erscheinen allerdings nicht allzu hoch. Schließlich wird hier recht ungeschminkt versucht, vor allem Airbus ein Riesengeschäft zuzuschustern. Doch dabei handelt es sich nicht um die einzigen, die ihr Chance wittern. Am prominentesten ist hier der ehemalige Airbus-Chef Tom Enders, der mittlerweile als Co-Verwaltungsratschef des Drohnenhersteller Helsing die Fronten gewechselt hat, einem Unternehmen, in dem er das Potenzial sieht, ‚zu einem Airbus des 21. Jahrhunderts zu werden‘.“

Jürgen Wagner: Vom FCAS zum GCAS?, imi-online.de, 26.02.2026. Zum Volltext hier klicken.

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„Wer China, wie ich, zuletzt vor 25 Jahren bereist hat, kann heute nur ehrfürchtig staunen“, beginnt Arsène Ruhlmann seine Reportage und fährt fort: „ Der Schnellzugbahnhof von Schanghai-Hongqiao, dem älteren der beiden Flughäfen in Schanghai, wirkt wie ein drittes Terminal: riesig, modern, komfortabel, mit diversen Geschäften und kostengünstiger Gastronomie, zugänglich nur mit Fahrschein. Die Ähnlichkeit mit einer Flughafenhalle erstreckt sich auch auf die Gestaltung des Wartebereichs, die Gates vor den Bahnsteigen, die Anzeigetafel mit einer Schweizer Marke darüber. Ich bin beeindruckt vom anspruchsvollen Design und dem guten Leitsystem.“

Arsène Ruhlmann: China zieht vorbei. Zehn Tage unterwegs in superschnellen Zügen, monde-diplomatique.de, 12.03.2026. Zum Volltext hier klicken.

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„Mit großem Tamtam“, so heißt es in der Anmoderation eines politischen Feuilletons von Roberto Simonovski, „wurde Ray-Ban, die smarte Brille von Meta, vor ein paar Monaten auf den Markt gebracht. Jetzt sorgt sie für Negativschlagzeilen. Wie verschiedene Medien berichteten, wertet Meta Videodaten aus den Brillen für das Training seiner KI aus, zum Teil sehr intime Inhalte.“ Dann der Autor selbst: „2014 gab es in San Francisco vor Cafés Schilder mit der Aufschrift ‚Glassholes are not welcome‘. Glasshole war eine Wortschöpfung aus Asshole, Englisch für Arschloch, und Glas wie Google Glass, die smarte Brille, die der Tech-Gigant damals testete. Wer eine solche Brille trug, sollte draußen bleiben. Denn nicht alle waren damit glücklich, dass irgendwer sie per Augenzwinkern aufnehmen und per Gesichtserkennungssoftware sofort im Internet ausspionieren konnte. Auch deswegen nahm Google das Projekt dann bald wieder vom Markt. Jetzt ist die smarte Brille wieder da.“

Roberto Simonovski: Smarte Brillen – Die Welt nicht mehr mit den eigenen Augen sehen, Deutschlandfunk Kultur (Das politische Feuilleton), 09.03.2026. Zur Audiodatei hier klicken.

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Maritta Tkalec vermerkt zu ihren Lebenserfahrungen in der DDR und in der BRD plus DDR: „Aus den Transformationserfahrungen ist zunächst die Lehre zu ziehen: Reformstau macht alles schlimmer. ‚Wer zu spätkommt, den bestraft das Leben‘ – dieses gorbatschowsche Diktum möge den Regierenden wie Tinnitus in den Ohren fiepen, bis sie endlich – wer glaubt eigentlich noch daran? – ‚ins Machen kommen‘! Im Osten weiß man nicht nur theoretisch: Wer aus Angst vor Machtverlust Reformen fürchtet, der geht im Chaos eines Zusammenbruchs unter. Stillstand führt in den Untergang. Frage ich heute AfD-affine Bekannte nach den Gründen, so höre ich: ‚Es kann einfach nicht mehr so weitergehen.‘ So klang die DDR1989.“

Maritta Tkalec: Ein Leben – halb Ost, halb West, Berliner Zeitung (print), 24.03.2026. Zum Volltext hier klicken.

Zusammengetragen von Wolfgang Schwarz.

Letzte Meldungen

Deutschland und die anderen NATO-Partner der USA haben ihre Rüstungsausgaben im vergangenen Jahr um eine Rekordsumme gesteigert. Wie aus einem Bericht von NATO-Generalsekretär Mark Rutte hervorgeht, stiegen die Ausgaben der europäischen Alliierten und Kanadas um19,6 Prozent auf 498 Milliarden Euro. Das Plus lag damit noch etwas höher als 2024, als eine Steigerung von rund 19,4 Prozent registriert wurde. Deutschland steigerte seine Ausgaben nach den Zahlen im Rutte-Bericht sogar um rund 20 Prozent auf 88,8 Milliarden Euro. Der Anteil am Bruttoinlandsprodukt betrug knapp 2,4 Prozent.

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Den Beschluss des israelischen Parlaments, die Todesstrafe (ausschließlich) für palästinensische Terroristen einzuführen, kommentierte die taz am 1. April 2026 folgendermaßen: „Für diese Form der juristischen Ungleichbehandlung – in diesem Fall in ihrem extremsten Ausmaß – gibt es einen Begriff: Er lautet Apartheid. Der Schritt ist furchtbar und ganz eindeutig absolut falsch. Wirklich überraschend ist es aber nicht, dass das israelische Parlament der Gesetzesinitiative der rechtsextremen Regierungspartei ‚Jüdische Stärke‘ zugestimmt hat. Zehntausende Palästinenser wurden in den vergangenen Jahren von Israel hingerichtet. Per Bombe statt per Strick und ganz ohne Gerichtsurteil. Als Legitimation dafür reichte aus, dass sie sich gerade in der Nähe eines Hamas-Kämpfers befunden haben sollen.“

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