Sevim Dağdelen, BSW-Politikerin und Vereinsvorsitzende – Sie initiierten einen Aufruf und gründeten einen Verein, das machen viele, doch Sie und Ihr Anliegen wollen wir besonders hervorheben.
Der deutsche Journalist Hüseyin Doğru wurde am 20. Mai 2025 von der Europäischen Union mit Sanktionen belegt. Zum ersten Jahrestag dieser Sanktionen wurde nun eine Kampagne dagegen gestartet. Hüseyin Doğru wird vorgeworfen, „systematisch falsche Informationen“ zu verbreiten und Zwietracht zu säen. Tatsächlich handelt es sich um eine politische Sanktionierung seiner kritischen Berichterstattung, unter anderem über propalästinensische Proteste in Deutschland. Durch die Sanktionen werden seine Konten gesperrt, sein Vermögen eingefroren und ihm die Reisefreiheit entzogen. Die Sanktionen treffen auch seine Frau und drei kleine Kinder. Jede Form der Unterstützung – auch finanzielle oder sachliche Hilfe – wird kriminalisiert.
Sie als Initiatorin des Aufrufs und Vorsitzende des neu gegründeten „Vereins für Rechtsstaatlichkeit e.V.“, der die Kampagne anführen wird, erklärten hierzu: „Die EU-Sanktionen gegen Hüseyin Doğru sind ein frontaler Angriff auf die Pressefreiheit und die Meinungsäußerungsfreiheit. Ein Journalist wird nicht wegen Straftaten, sondern wegen unliebsamer Berichterstattung wirtschaftlich vernichtet und entrechtet. Das ist keine Sicherheitspolitik, das ist Zensur mit staatlichen Mitteln. Die Bundesregierung darf diese rechtswidrigen Sanktionen nicht länger umsetzen und muss sich im EU-Rat für deren sofortige Aufhebung einsetzen.“
Der vollständige Aufruftext sowie die Liste mit über 150 internationalen und deutschen Erstunterzeichnern sind auf der Kampagnenseite free-dogru.com einsehbar.
Pressefreiheit ist für uns weder teilbar noch verhandelbar.
Dr. Dominik Kaufner, „erinnerungspolitischer Sprecher“ der AfD in Brandenburg – Sie bezeichneten kürzlich den 8. Mai 1945 als „Tag der Vernichtung“ und weiter: „Wer um die Menschheitsverbrechen an den eigenen Vorfahren weiß und dennoch um den 8. Mai in Feierstimmung verfällt, der hat seine Würde, seinen Anstand und seine Ehre verloren. Egal, wo er politisch steht.“ Die Fraktionsspitze Ihrer Partei stellte sich hinter Ihre Äußerung.
Wir raten Ihnen und Ihrer Fraktion dringend, sich mit den Menschheitsverbrechen zu befassen, die zum 8. Mai 1945 geführt haben. Der nicht erst seit Richard von Weizsäckers Rede von 1985 als „Tag der Befreiung“ zwingend zu verstehen ist. Ansonsten könne man meinen, Sie wandelten auf neonazistischem Morast.
Andrij Melnyk, ukrainischer Nazi-Kollaborateur, Helfer der Waffen-SS-Division „Galizien“ – Ihre sterblichen Überreste wurde gerade von Luxemburg nach Kiew überführt und sollen einrücken in ein „Pantheon bedeutender Ukrainer“. Sie wurden „empfangen von der ukrainischen Flagge und der Nationalhymne, vom ukrainischen Militär, von ukrainischen Kindern und vom gesamten ukrainischen Volk“, jubilierte das ukrainische Präsidialamt.
Die Historikerin Marta Havryshko ist entsetzt über den Nazi-Kult in ihrer Regierung und schreibt: „Heute schäme ich mich zutiefst – als ukrainisch-jüdische Wissenschaftlerin, die sich mit dem Holocaust beschäftigt. Ich hätte mir nie vorstellen können, dass in meinem Land – dem Land, in dem die Nazis 1,5 Millionen Juden ermordeten, dem Land von Babyn Jar, dem Symbol des Holocaust in der Sowjetunion, einem Land, das behauptet, für ‚Freiheit und Demokratie‘ zu kämpfen – ein Nazi-Kollaborateur und OUN-Führer wie Andrij Melnyk mit allen staatlichen Ehren beigesetzt werden würde.“ Weiter erklärt sie: „Und heute kniet der Präsident [Selenskij – Redaktion] meines Landes – ein Mann, dessen eigene Verwandte von den Nazis ermordet wurden – vor dem Sarg dieses Nazi-Kollaborateurs nieder. Eine größere Demütigung für Juden ist kaum vorstellbar. Es ist eine Demütigung für alle, die einst glaubten, dass ‚Nie wieder‘ in der heutigen Ukraine etwas bedeute – einem Land, in dem militanter ethnischer Nationalismus zunehmend die Erinnerungspolitik und die nationale Identität bestimmt.“
Wir sind ebenso entsetzt, auch darüber, dass das offizielle Deutschland schweigt über den rechtsradikalen Kult in Teilen des ukrainischen Staatsapparates.
Thomas Bruhn, aufmerksamer Blättchen-Leser aus Cottbus – Sie schrieben über die Redaktion an unsere Autorin Jutta Grieser: „… so was passiert jedem und immer wieder: In Ihrem Beitrag ‚Gegen Geltungsdünkel und spießbürgerliche Sattheit‘ schreiben Sie, daß Walter Ulbricht seit über sechzig Jahren tot sei. Es werden am 1. August dieses Jahres dreiundfünfzig Jahre. Ich stutzte sofort, als ich das las, weil ich Delegierter zu den Weltfestspielen war und am 1. August die Frage stand, die Spiele abzubrechen oder eben nicht […] Aber vielen Dank für Ihren Artikel. Ich kann mich daran erinnern, daß bis Mitte der sechziger Jahre die Losung ‚Deutsche an einen Tisch‘ sowohl in der Schule als auch zu Hause diskutiert wurde.“
Jutta Griesers Antwort: „Natürlich ist Ulbricht im Sommer 1973 verstorben, und das ist ‚erst‘ 53 Jahre her. Ich werde brav nachsitzen und meine schwindende Fähigkeit im Kopfrechnen trainieren.“
Der verantwortliche Redakteur gelobt ebenso gelegentliches Training, nicht nur der Grundrechenarten, und hat den Fehler online korrigiert.
Oskar Lafontaine, mehrfacher Ex-Parteivorsitzender, derzeit parteilos – Ihnen ist folgendes aufgefallen: „Die beiden Kirchen in Deutschland verhalten sich, wie schon im Dritten Reich, opportunistisch und unterstützen Aufrüstung und Waffenlieferungen. Am 10. März 2022 erklärte die Konferenz der katholischen Bischöfe: ‚Wir betrachten Rüstungslieferungen in die Ukraine […] als grundsätzlich legitim.‘ Als sie daraufhin kritisiert wurden, erklärten sie, dass sie ‚überzeugt seien, sowohl dem Evangelium als auch der Lehre der Kirche treu geblieben zu sein‘. Da wollten die evangelischen Bischöfe nicht zurückstehen. Sie erklärten: ‚Rüstungslieferungen, die dazu dienen, dass die Ukraine ihr Recht auf Selbstverteidigung wahrnehmen kann, halten wir für grundsätzlich legitim.‘ Anfang November 2025 veröffentlichte die Evangelische Kirche in Deutschland eine Denkschrift: ‚Welt in Unordnung. Gerechter Frieden im Blick‘. Darin unterstützte sie Aufrüstung, Waffenlieferungen, Wirtschaftssanktionen, Präventivschläge und sogar Atomwaffen.“
Ihre Wortwahl und Ihr Begleittext in der Weltwoche offenbaren allerdings: Das Ganze ist Ihnen degoutant.
Völlig zu Unrecht, wie wir finden: Das sind doch im Vergleich zur bekannten neutestamentarischen Wokeness – „wer dich auf die eine Backe schlägt, dem biete die andere auch dar“ (Lukas 6,29) – schon mal ganz gute Ansätze.
Aber – mit viel Luft nach oben! Da geht noch was!
Bei nächster kirchenobrigkeitlicher Gelegenheit erwarten wir daher ein klares Bekenntnis zur Pistorius’schen „Kriegstüchtigkeit“. Überfällig erscheint uns auch eine Wiederbelebung der schönen Tradition des direkten ökumenischen Segnens der Waffen – etwa beim Kriegsschiffe Taufen oder beim Zulauf produktionsfrischer Kampfpanzer in die Truppe. Und nicht zu vergessen: Ein religionsethisch untersetztes Mahnwort von der Kanzel an den hedonistischen Teil der deutschen Jugend, der in Sachen Wehrpflicht jungfrauenhaft rumzickt, wäre ebenfalls geboten!
Harald Schmidt, „größter Schmutzwerfer der Nation“ (Selbstbezichtigung) – Beim Kanzler Friedrich Merz, so verrieten Sie kürzlich der Süddeutschen Zeitung fiele Ihnen der Barde Hannes Wader ein. Konkret dessen Klassiker: „Ich hatte mir noch so viel vorgenommen!“ Mit der Zeile: „Aber jetzt denk‘ ich wohl besser daran, wie ich mir noch einen guten Abgang verschaffen kann.“
Nicht unoriginell, die Parallele!
Aber finden Sie nicht auch, dass der Dampfer für Merz längst abgefahren ist, seit der Kanzler ein Wahlversprechen nach dem anderen – in Sachen Schuldenbremse ebenso wie auf den Feldern Migrations-, Energie- und Wirtschaftspolitik – in Makulatur verwandelt hat und aus Umfragen inzwischen regelmäßig als unbeliebtester Amtsinhaber ever hervorgeht?
Robert Allen Zimmerman, the one and only – In einer – nun ja, doch! – Laudatio zu Ihrem 85. Geburtstag (24. Mai 2026) im Ossietzky heißt es, notiert mit Bezug auf ein Konzert, das schon 1996 in Cottbus stattgefunden hat: „Es war an diesem Abend so und bleibt es auch künftig: Der Mann kann nicht richtig singen, mäßig die Gitarre spielen, dilettantisch die Mundharmonika – aber das Gesamtkunstwerk haut einen um. Nirgends ist der Satz, dass die Summe stets mehr ist als ihre Einzelteile, gültiger als hier. Ein Faszinosum, das nur Kunst zu bieten vermag.“
Wir könnten Ihre künstlerische Antinomie weder trefflicher noch weihevoller zum Ausdruck bringen, verehrter Bob Dylan …
Bianca Jagger, einstige Jet-Set-Ikone – Bereits 2005 gründeten Sie die „Bianca Jagger Human Rights Foundation“ (BJHRF), die sich für Menschen- und Frauenrechte, Klimaschutz und die Bekämpfung von Kriegsverbrechen einsetzt. Auch in den Jahrzehnten zuvor waren Sie in vergleichbarer Weise politisch aktiv. Sie sehen das „nicht als Beruf, sondern als Verpflichtung. Schweigen ist für mich keine Option, Gleichgültigkeit Mittäterschaft.“
Einerseits nervt es Sie, wenn Sie immer noch nach Ihrem Ex-Gatten, dem Chef der Rolling Stones, gefragt werden, andererseits sind Sie nach der Scheidung (Mai 1978, wegen Micks Affäre mit dem Model Jerry Hall) nie zu Ihrem Geburtsnamen zurückgekehrt. Zum Warum erklärten Sie kürzlich in einem Interview: „Ich könnte jetzt sagen, dass man in Nicaragua [wo Sie herstammen – die Redaktion] seinen Nachnamen nur ändert, wenn man wieder heiratet. Aber mal im Ernst: Mein voller Name lautete vorher Bianca Pérez-Mora Macias – glauben Sie, den hätte sich jemand merken können? Oder die Medien hätten mich so genannt und darüber einfach vergessen, mit wem ich einmal verheiratet war? Ruhm ist ein zweischneidiges Schwert, er hat gute Seiten und schlechte. Es ist ein Balanceakt.“
Der ist Ihnen augenscheinlich gelungen. Und wenn es Ihrem humanitären Engagement zugutekommt, dann sollen die Medien gefälligst auch künftig nicht vergessen, mit wem Sie mal verheiratet waren!
Marilyn Monroe, als uneheliches Kind bei Pflegefamilien und im Waisenhaus von Los Angeles aufgewachsen – Dass Sie nicht bloß das platinblonde Dummchen mit dem Schmollmündchen und dem Jahrhundertsexappeal waren, auf das Hollywood und die einschlägigen US-Medien Sie zu Lebzeiten reduzieren wollten, konnte man spätestens seit 1957 wissen, als Sie Ihren damaligen Gatten Arthur Miller demonstrativ zu seiner Anhörung vor dem McCarthy-Ausschuss begleiteten, obwohl Ihnen von verschiedenen Seiten abgeraten worden war, sich in der damaligen antikommunistischen Hexenjagdatmosphäre politisch derart zu exponieren. Dabei hatten Sie schon drei Jahre zuvor gegen rassistische Gesetze Position bezogen und gehörten mit Friedensaktivisten wie Martin Luther King zu den frühen Unterstützern des „Committee for a Sane Nuclear Policy“, das gegen Atomwaffentests agierte. Und Ella Fitzgerald hatten Sie den Weg zu einem Engagement im seinerzeit bekanntesten Jazzclub der USA, dem Mocambo in Los Angeles, verholfen, in dem Farbige bis dahin nicht auftreten durften: Sie versprachen dem Eigentümer, sich jede Show der Sängerin anzuschauen und auch prominente Freunde mitzubringen. Der nahm den Deal an, und Fitzgeralds Auftritte 1955 waren dann allesamt ausverkauft.
Wenig bekannt bis heute ist der Sachverhalt, dass Sie lasen. Selbst in Drehpausen am Set. Und was das intellektuelle Niveau Ihrer Lektüre anbetrifft, so vermerkte The American Scholar in der Ausgabe vom 2. Juni 2026 unter der Überschrift: „Books Are a Star‘s Best Friend“: „In Gesprächen mit der Presse zitierte sie gelegentlich Goethe und diskutierte mit einem Hollywood-Kolumnisten […] das Thema Schuld in Kafkas ‚Prozess‘.“ Des Weiteren wurde mitgeteilt: „Zu ihrer persönlichen Bibliothek […] gehörten eine Erstausgabe von Ian Flemings ‚From Russia with Love‘, ein Exemplar von Marx‘ ‚Das Kapital‘, eine umfangreiche Sammlung russischer Romane und Werke von Freud, ein signiertes Exemplar der Heiligen Schrift, das sie als Hochzeitsgeschenk von der Schauspiellehrerin Paula Strasberg erhalten hatte, sowie mehrere Theaterstücke eines ihrer Lieblingsautoren, Tennessee Williams.“
Die Tragik Ihres Lebens haben Sie selbst – in Ihrem letzten Interview, publiziert in Life, zwei Tage vor Ihrem Tod – folgendermaßen formuliert: „Das ist das Problem – ein Sexsymbol wird zu einem Objekt. Ich hasse es einfach, ein Objekt zu sein.“
Unvergessen bleiben Ihre Filmcharaktere – allen voran Ihre Darstellung als unwiderstehliche Sugar „Kane“ Kowalczyk mit der Ukulele in „Some like it hot“ („Manche mögen’s heiß“) von Billy Wilder (1959). Nicht minder gern erinnern wir uns auch an „Blondinen bevorzugt“ von Howard Hawks (1953), an Billy Wilders Liebeskomödie „Das verflixte 7. Jahr“ (1955) und an „Asphalt-Dschungel“ (1950) sowie „Misfits“ (1961), beide von John Huston; oder „Niagara“ von Henry Hathaway(1953).
Am 1. Juni 2026 haben wir Ihres 100. Geburtstages gedacht.
Schlagwörter: AfD, Andrij Melnyk, Bianca Jagger, Bob Dylan, Dominik Kaufner, Friedrich Merz, Harald Schmidt, Hüseyin Doğru, Jutta Grieser, Kirchen, Marilyn Monroe, Marta Havryshko, Oskar Lafontaine, Pressefreiheit, Sevim Dagdelen, Thomas Bruhn, Ukraine

