29. Jahrgang | Sonderausgabe | 19. Januar 2026

„Generale für Frieden und Abrüstung“ – nicht nur als Reminiszenz

von Wolfgang Schwarz

Wie können […] Offiziere, deren Karriere von neuen Waffensystemen
und von erhöhten statt reduzierten Militärbudgets abhängt,
Doktrinen akzeptieren, die ihren eigenen Interessen zuwiderlaufen?

The New York Times,
1982, in einer Betrachtung zu „Generals for Peace“
[1]

 

Die New York Times war sichtlich aus dem Häuschen, denn genau dies taten die „Generale für Frieden und Abrüstung“ in den 1980er Jahren: Sie stellten die Interessen ihrer Völker an Frieden und das existenzielle Erfordernis, eine militärische Austragung des damaligen Ost-West-Konfliktes sowie insbesondere einen Atomkrieg zu verhindern, über die von dem US-Blatt benannten traditionellen Interessen ihres Berufsstandes.

*

Anfang der 1980er Jahre waren die Spannungen im Ost-West-Verhältnis erneut auf einem Höhepunkt. Am 12. Dezember 1979 hatte die NATO ihren sogenannten Doppelbeschluss gefasst: Ab 1983 sollten in Westeuropa – zusätzlich zu den bereits vorhandenen Tausenden von taktischen US-Atomwaffensystemen – weitere, neuartige nukleare Trägersysteme stationiert werden:

  • 464 Marschflugkörper vom Typ BGM-109G in Belgien, der BRD, Italien und den Niederlanden sowie
  • 108 Mittelstreckenraketen vom Typ Pershing II in der BRD.

Die Stationierung sollte, so hieß es, ein Gegengewicht zur Aufstellung sowjetischer SS-20-Raketen – unter anderem in der DDR – schaffen, in deren Reichweite ganz Westeuropa lag und in denen westliche Staatsmänner wie der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt ein Mittel sahen, einen Atomkrieg auf Europa zu begrenzen, also unter Ausklammerung der Territorien der USA und UdSSR zu führen.

In Moskau wiederum betrachtete man die Pershing II wegen ihrer sehr kurzen, deutlich unter zehn Minuten liegenden Vorwarnzeit und ihrer angenommenen hohen Treffgenauigkeit als enthauptungs- und somit erstschlagsfähiges Waffensystem. Bestätigt sehen konnte man sich in Moskau überdies durch Ansichten zur Führbarkeit eines Atomkrieges, die damals in den USA kursierten, aber auch durch regierungsamtliche Washingtoner Verlautbarungen:

  • Colin S. Gray und Keith Payne[2], zwei US-Strategen, empfahlen 1980: „Wenn die amerikanische nukleare Stärke die außenpolitischen Ziele der USA unterstützen soll, müssen die Vereinigten Staaten in der Lage sein, einen Atomkrieg rational zu führen.“[3] Konkret: „Die beängstigendste Bedrohung für die Sowjetunion wäre die Zerstörung […] ihres politischen Systems. Daher sollten die Vereinigten Staaten in der Lage sein, wichtige Führungskader, ihre Kommunikationsmittel und einige der Instrumente der inneren Kontrolle zu zerstören. Die UdSSR mit ihrer starken Zentralisierung der Macht […] dürfte für einen solchen Angriff besonders anfällig sein. Die Sowjetunion könnte ihre Funktionsfähigkeit verlieren, wenn ihre Sicherheitsbehörde, der KGB, schwer geschwächt würde. Wenn die Moskauer Bürokratie beseitigt, beschädigt oder isoliert werden könnte, würde die UdSSR möglicherweise in Anarchie zerfallen […].“[4]
  • Diese Denkschule hatte im Frühjahr 1982, wie die New York Times am 30.05. jenes Jahres berichtete, Eingang in die sogenannte Fiscal Year 1984-1988 Defense Guidance der Reagan-Administration gefunden – samt Orientierung auf „Enthauptung, womit Schläge gegen die politische und militärische Führung der Sowjetunion sowie gegen Kommunikationslinien gemeint“[5]
  • Eugene Rostow, der damalige Leiter der US-Arms Control and Disarmament Agency (Rüstungskontroll- und Abrüstungsbehörde) erklärte ernsthaft: Japan habe „den Atomangriff nicht nur überlebt, sondern hat danach eine Zeit der Blüte erlebt“[6].
  • George Bush, damals bereits früherer US-Botschafter bei den UN, später CIA-Chef und dann US-Präsident, hatte im Januar 1980 der Los Angeles Times auf die Frage „Wie gewinnt man einen Atomkrieg?“ zu Protokoll gegeben: „Sie verfügen über die Überlebensfähigkeit Ihrer Kommando- und Kontrollstrukturen, die Überlebensfähigkeit Ihres industriellen Potenzials, den Schutz eines Teils Ihrer Bevölkerung und die Fähigkeit, dem Gegner mehr Schaden zuzufügen, als er Ihnen zufügen kann. Auf diese Weise kann man als Sieger hervorgehen […].“[7]

Die sowjetische Führung betrachtete zu jener Zeit einen überraschenden US-Atomangriff als real bestehende Bedrohung, und der sowjetische Geheimdienst KGB unter Juri Andropow, der 1983 zum Partei- und Staatschef aufstieg, suchte in einer seiner umfassendsten verdeckten internationalen Operationen überhaupt fieberhaft nach empirischen Belegen für einen bevorstehenden Angriff, um diesem gegebenenfalls zuvorzukommen.[8] Darüber hinaus legte sich die sowjetische Führung eine Art atomare Totmanneinrichtung zu, ein Perimeter (auch mjortwaja ruka, tote Hand) genanntes System, das im Falle der Ausschaltung der politischen und militärischen Führung des Landes durch einen US-Überraschungsangriff die automatische Auslösung eines atomaren Gegenschlages mit allen noch verfügbaren Waffen gewährleisten sollte.[9]

Die Atomkriegsgefahr war fast mit Händen zu greifen, und die sowjetische Invasion in Afghanistan, die am 25. Dezember 1979 begann, hatte zusätzlich Öl ins Feuer der Ost-West-Konfrontation gegossen.

Vor diesem Hintergrund entwickelte sich vor allem in Westeuropa eine Friedensbewegung mit Massencharakter, in deren Zentrum der Kampf gegen das nukleare Stationierungsvorhaben des NATO-Doppelbeschlusses stand. Der „Krefelder Appell“ vom 16. November 1980, der die Bundesregierung aufforderte, ihre Zustimmung zur Stationierung neuer atomarer Mittelstreckenwaffen in Europa zu revidieren, wurde in den folgenden drei Jahren von vier Millionen Menschen unterzeichnet. Zu Massendemonstrationen ab 1981 kam es:

  • am 10. Oktober 1981 im Bonner Hofgarten: über 300.000 Menschen unter dem Motto „Gegen die atomare Bedrohung gemeinsam vorgehen“;
  • am 21. November 1981 in Amsterdam: 400.000 Teilnehmer;
  • am 10. Juni 1982 in Bonn: 500.000 Teilnehmer;
  • am 12. Juni 1982 mit der No Nukes Rally in New York City: 1.000.000 Teilnehmer;
  • am 22. Oktober 1983 bundesweit: 1,3 Millionen Teilnehmer;
  • am 29. Oktober 1983 in verschiedenen westeuropäischen Hauptstädten: Den Haag (550.000), Lissabon (200.00), Kopenhagen (100.000), Wien (70.000) …

1981, zu Beginn dieser Proteste, wurde ein Buch, das im westdeutschen Pahl-Rugenstein-Verlag erschien, zu einem bis dato beispiellosen Achtungszeichen – Titel: „Generale für den Frieden“[10]. Acht hohe Ex-Militärs aus acht NATO-Staaten nahmen in sehr persönlichen Interviews Stellung zu Fragen wie:

  • Dient die Militärpolitik noch der Kriegsverhütung?
  • Ist die Forderung nach militärischem Gleichgewicht zu einem Fetisch, zu einem Motor des Wettrüstens geworden?
  • Brauchen wir eine „Entmilitarisierung“ der Sicherheitspolitik?
  • Ist Abrüstung möglich?

Die Interviewten waren:

  • General a.D. Wolf Graf von Baudissin (BRD), als ehemaliger Oberst der deutschen Wehrmacht 1950 Mitverfasser der „Himmeroder Denkschrift“, der Blaupause für die Aufstellung Bundeswehr; letzte militärische Verwendung in höheren NATO-Stäben; seit 1971 Direktor des Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg (IFSH);
  • General a.D. Francisco da Costa Gomes (Portugal), einer der führenden Köpfe der Offiziersbewegung, die am 25. April 1974 das faschistische Salazar-Regime gestürzt hatte; nachmaliger Staatspräsident;
  • Brigadegeneral a.D. Michael Harbottle (Großbritannien), zuletzt Stabschef der UN-Friedenstruppen auf Zypern;
  • General a.D. Georgios Koumanakos (Griechenland), in seiner letzten militärischen Funktion Erster Stellvertreter des Generalstabschefs der Streitkräfte Griechenlands;
  • Admiral a.D. John Marshall Lee (USA), während der SALT I-Verhandlungen im amerikanischen Amt für Rüstungskontrolle und Abrüstung tätig;
  • General a.D. M. H. von Meyenfeldt (Niederlande), bis zu seiner Pensionierung Gouverneur der Königlichen Militärakademie in Breda;[11]
  • General a.D. Nino Pasti (Italien), zuletzt Stellvertreter des Oberkommandierenden der NATO-Streitkräfte in Europa für den Bereich Kernwaffen und Vorsitzender des Obersten Rates der italienischen Streitkräfte;
  • Admiral a.D. Antoine Sanguinetti (Frankreich), zuletzt Oberbefehlshaber der französischen Mittelmeerflotte.

Interviewer war Gerhard Kade, ein westdeutscher Wirtschaftswissenschaftler, der sich gegen Ende der 1970er Jahre der Friedensforschung zugewandt hatte.[12] Zur Entstehungsgeschichte des Buches schreibt Kade: „Die Idee […] wurde in jenen denkwürdigen Tagen des Frühsommers 1978 geboren, da in New York die Vereinten Nationen ihre Sondersitzung zur Abrüstung abhielten, während zur gleichen Zeit auf dem NATO-Gipfel in Washington über das Langzeitprogramm der Westlichen Allianz beschlossen wurde. […] es war […] ein ganz konkretes Ereignis während dieser Sondersitzung, das zu der Idee führte, als Friedensforscher das Gespräch zu suchen mit Männern, die kraft ihrer Ausbildung und ihrer oft über Jahrzehnte reichenden persönlichen Erfahrungen in hohen militärischen Positionen in der Lage sind, die Öffentlichkeit über die wirklichen Zusammenhänge zu informieren […]: Es war die Rede des ehemaligen amerikanischen Konteradmirals Gene La Rocque, der […] unter anderem ausführte: ‚In wachsendem Maße wird die gesamte Menschheit von einem Nuklearkrieg bedroht. Solange sich nicht alle Regierungen dieser Realität stellen, kann und wird es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit einen unter Einsatz von Kernwaffen geführten 3. Weltkrieg geben.‘“[13]

Die Publikation des Buches wurde gewissermaßen zur Ouvertüre einer sich unter inhaltlicher und organisatorischer Federführung Kades entwickelnden und verbreiternden Bewegung westlicher „Generale für Frieden und Abrüstung“.

Schon zu einem relativ frühen Zeitpunkt brachte die New York Times zentrale Anliegen der Bewegung zutreffend auf den Punkt: „Das konkrete Programm der Generale fordert den Abzug der sowjetischen und amerikanischen Truppen aus Europa, den Verzicht der Supermächte auf den Ersteinsatz von Atomwaffen, eine Zusage, die die Sowjetunion bereits gemacht hat, die Entfernung von Atomwaffen aus dem Ausland, einschließlich Westdeutschland, den Verzicht auf den Einsatz von Atomwaffen auf dem Schlachtfeld, da ein taktischer Einsatz zu einem strategischen Schlagabtausch führen würde, sowie ein Moratorium der Sowjetunion und der Vereinigten Staaten für die Entwicklung neuer Atomwaffen.“[14]

Ab 1984 kam es beim Internationalen Institut für den Frieden in Wien, dessen Vizepräsident Gerhard Kade war, zu jährlichen Begegnungen der Generale, auch mit – aus dem aktiven Dienst geschiedenen – Berufskollegen aus dem Osten. 1986, beim vierten diese Treffen, waren mit Ausnahme der DDR und Rumäniens Vertreter aller anderen Mitgliedsstaaten des Warschauer Vertrages beteiligt (zur Teilnehmerliste hier klicken).

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Exkurs in spätere Zeiten: Unter „Generale für den Frieden“ heißt es heute bei Wikipedia (Stand: 18.11.2025): „Organisiert wurde die Gruppe von dem als ‚Geschäftsführer‘ tätigen Agenten des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der DDR, Gerhard Kade, der als Hochschullehrer an der Technischen Hochschule Darmstadt […] und unter dem Decknamen ‚Super‘ zugleich als inoffizieller Mitarbeiter für das MfS tätig war. Westmitarbeiter der Staatssicherheit hatten die Aufgabe, der Friedensbewegung einen antiamerikanischen Einschlag zu geben und die Meinung zu verbreiten, US-amerikanische Raketen gefährdeten den Weltfrieden, während sowjetische Raketen diesem dienten. Ermittlungen der Bundesanwaltschaft ergaben 1993, dass die Gründung der Gruppe auf eine Initiative der Hauptverwaltung A der Staatssicherheit zurückging.

Die Idee zur Gründung der Organisation kam ursprünglich vom sowjetischen Geheimdienst KGB und der DDR-Staatssicherheit. Kade arbeitete auch für den KGB unter dem Tarnnamen ‚Robust‘.

Der DDR-Geheimdienst sammelte Daten und erstellte Reden und Vorträge für die Generale, die zum Teil später wörtlich gehalten wurden.

Jährlich wurde die Organisation von der [sic!] MfS mit 100.000 DM unterstützt. Diese wurden laut dem Chef der Hauptverwaltung A des MfS, Markus Wolf, in Form einer Spende durch das Institut für Internationale Politik und Wirtschaft (IPW) ausgezahlt.“[15]

Die Urfassung dieses Eintrages muss aus den 2000er Jahren stammen, denn in der bei Wikipedia zu jedem Eintrag möglichen Diskussion wurde bereits am 22.04.2008, also vor inzwischen fast 18 Jahren, dessen dürftige Substanz moniert: „Irgendwie erweckt der Artikel […] den Eindruck, als seien die beteiligten Offiziere Marionetten der DDR gewesen. Was weiß man denn genau? Wußten die davon? In welcher Form geschah das? Ansonsten diskreditiert diese vage Formulierung vermutlich rechtschaffene NATO Generale und Admirale. Im Internet geistern diverse Artikel dazu, aber was ist denn gesichert?“[16]

Geändert wurde am Eintrag seither offenbar nichts, denn unter der Wikipedia-Standardrubrik Qualitätsmängel findet sich schließlich folgendes Fazit vom Sommer 2025: „Übler Artikel, der eigentlich entfernt gehört. überhaupt keine sachliche Information.“[17]

In den 1998 erschienenen Erinnerungen von HVA-Chef Markus Wolf findet sich folgende Darstellung: Die HVA habe auch „Anteil an der Propagandaschlacht“, gehabt, „die zwischen den Blöcken tobte. Eine kleine Friedensgruppe war für uns dabei besonders interessant. Sie nannte sich ‚Generale für den Frieden‘. 1981 hatten sich neun[18] ehemals hohe Militärs aus verschiedenen Nato-Ländern zusammengefunden, weil sie fürchteten, daß die atomare Hochrüstung vor allem des Westens zum nuklearen Inferno führen könne. […] Die neun Militärs gewannen […] schnell einen herausragenden Status in der Friedensbewegung. […] Kopf und Motor, vergleichbar einem Geschäftsführer der Gruppe, war der ehemalige Offizier der Bundesmarine Gerhard Kade. Er hatte den Dienst schon Jahre zuvor quittiert, war Historiker an der Universität Hamburg und Publizist geworden. […] Ein großes Problem der ‚Generale für den Frieden‘ war die Finanzierung ihrer Aktivitäten. Sie mußten ihre Reisen zu den gemeinsamen Treffen, zu Vorträgen und Diskussionen weitgehend selber finanzieren. Sie hatten keine Mittel, ihre Analysen und Forderungen zu publizieren. Das war unsere Chance. […] Kurz nach ihrer Gründung meldete mir ein Mitarbeiter, daß es seiner Abteilung gelungen sei, über eine Quelle in Hamburg an den Organisator der Friedensgenerale, Gerhard Kade, heranzukommen. Der ehemalige Marineoffizier schien bereit zu Gesprächen mit Abgesandten der DDR. […] Nach einigen Begegnungen und Gesprächen bekam Kade den Decknamen Super, der auch seine Bedeutung für uns ausdrückte. [Eine Verpflichtungserklärung Kades als IM/Informeller Mitarbeiter der Stasi ist nach Kenntnis des Autors des vorliegenden Beitrages allerdings nicht aktenkundig – W.S.] Kade war in den Gesprächen sehr schnell auf das Problem der ‚Generale für den Frieden‘ gekommen, die mangelnden finanziellen Ressourcen. Er meinte, ein jährlicher Zuschuß von 100.000 DM würde der Gruppe die Öffentlichkeitsarbeit entscheidend erleichtern. Ich bewilligte die Summe, die selbstverständlich nicht von der HVA, sondern teilweise vom Institut für Politik und Wirtschaft[19] als Spende ausgezahlt wurde. […] Unsere jährliche Spende war nicht die einzige Unterstützung aus dem Osten. Gleichzeitig mit uns bemühte sich auch der KGB um eine Verbindung zu Kade und informierte mich darüber. Offenbar gelang es Kade daraufhin, den KGB zu bewegen, einen sowjetischen General dazu abzukommandieren, daß er sich um Aufnahme in die ‚Generale für den Frieden‘ bewarb, denn das war tatsächlich der Fall. Dies bedeutete allerdings keineswegs, daß die Gruppe nun das Sprachrohr Moskaus gewesen wäre. Kade mußte die von ihm eingebrachten Vorstellungen mit der ganzen Gruppe diskutieren, und die eigenwilligen Persönlichkeiten waren kaum manipulierbar. Dennoch erkannte man in Erklärungen der Generale den Einfluß wieder, den wir über Kade ausübten.“[20]

Allerdings irritiert die von Wolf skizzierte Vita Kades: Ex-Bundesmarineoffizier? Historiker? Universität Hamburg?

Wolfs Erinnerungen sind knapp zehn Jahre nach Ende des ersten Kalten Krieges erschienen, Kade war bereits verstorben. Allein deswegen kann meines Erachtens ausgeschlossen werden, dass der Ex-Geheimdienstchef mit seinen Angaben vorsätzlich eine falsche Fährte legen wollte. Es dürfte sich vielmehr um eine Personenverwechselung handeln. Dafür spricht, dass es einen Offizier (anderen Namens) der Bundesmarine, der mit der HVA kooperierte, tatsächlich gegeben hat, und dass über eine direkte, persönliche Verbindung von Wolf und Kade, die ersterer bei seiner Offenlegung gewiss vermerkt hätte, nichts bekannt ist, auch kein diesbezüglicher Aktenfund.

Was die HVA-Dotationen an die Generale anbetrifft, so erinnerte sich der damit betraute Mitarbeiter des IPW dem Autor gegenüber, dass diese Mittel den Generalen jeweils über die Arbeitsgruppe des Ministerrates beim IPW zugeleitet wurden. Zudem nicht in jährlichen pauschalen Tranchen in der von Wolf genannten Höhe, sondern gegen Kostennachweise im Zusammenhang mit Aktivitäten wie etwa den Wiener Generalstreffen oder den regelmäßigen Publikationen der Gruppe; siehe dazu weiter unten.

Seitens Wolfs soll es intern auch die Weisung gegeben haben jegliche Abschöpfung der Generale zu unterlassen, respektive zu verhindern, um keine Veranlassung zur Diskreditierung der Gruppe zu liefern. Das sei, so vermerkte der Mittelsmann beim IPW gegenüber dem Autor, sozusagen die „Geschäftsgrundlage“ für beide Seiten gewesen. Da Wolf in seinen Erinnerungen eine solche Weisung jedoch nicht erwähnt und der Autor eine zweite bestätigende Quelle dafür nicht gefunden hat, kann diese Information trotz ihrer inhärenten Logik nicht als gesichert gelten.

Im Jahre 2004 berichtete Die Welt: „Der ehemalige Stasi-Oberst [sic!] Günter Bohnsack [B. brachte es nur bis zum Oberstleutnant – W.S.] sagte der WELT, dass die Idee zur Gründung dieser Organisation [der Generalsbewegung – W.S.] ursprünglich vom sowjetischen Geheimdienst KGB und der Stasi gekommen sei. ‚Es gab verschiedene Aktionen gegen den Nachrüstungsbeschluss der Nato unter dem Sammelbegriff ‚Mars‘. Die Gründung der Organisation ‚Generäle für den Frieden‘ war eine davon‘, erklärte Bohnsack. Der im Westen residierende HVA-Mann Gerhard Kade, der offiziell als Friedensforscher auftritt, habe die Verbindungen zu den Generälen gehalten. Kade, der bei der Stasi den Decknamen ‚Super‘ hatte, habe auch für den KGB gearbeitet. Sein Tarnname dort: ‚Robust‘.“[21]

Bei früherer Gelegenheit hatte Bohnsack die Urheberschaft an der Generalsbewegung gar sich selbst zugeschrieben: „Die Bewegung ‚Generäle für den Frieden‘ nach dem NATO-Doppelbeschluss war auch von mir.“[22]

Im Jahre 2012 gab der Spiegel-Autor Peter Wensierski im Hinblick auf Bohnsack zu bedenken: „[…] zu seinen Aufgaben gehörte die Desinformation. Mit entsprechender Vorsicht sind wohl auch seine heutigen Aussagen zu bewerten.“[23]

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Nach 1990 hat es verschiedentlich Versuche gegeben, die Generale zu kriminalisieren – der Leitidee folgend, dass deren „Verhalten nach den Regeln ihres Berufsstandes ohne Weiteres auch als Verrat betrachtet werden könnte“[24]. Doch zu praktisch-juristischen Konsequenzen kam es nicht. Auch der Ansatz der Bundesanwaltschaft, die Generale zum Bestandteil eines Spionagevorwurfes im Prozess gegen Markus Wolf zu machen, in dem Wolf schließlich zu zwei Jahren Gefängnis auf Bewährung verurteilt worden ist, wurde fallengelassen.[25]

Fakt bleibt: Keiner der Generale ist je juristisch behelligt worden. Dasselbe gilt für Gerhard Kade. Gemessen an den üblichen Erfahrungen nach der deutschen „Vereinigung“ kann man davon ausgehen, dass der exzellente internationale Ruf der Generalsbewegung diese Art Abrechnung von Deutschen mit Deutschen in diesem Falle verhindert hat.

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Praktisch nichts findet man heute im Internet darüber, mit welchen sicherheitspolitischen Positionen die Generalsbewegung im Rahmen der Friedensbewegung seinerzeit auftrat. (Wegen dieses Defizits entstand der vorliegende Beitrag.) Quellen dafür wären teilweise in Bibliotheken oder antiquarisch durchaus zu erschließen. Das betrifft zunächst die beiden Buchpublikationen, die auf Generale I folgten:

  • Generale gegen Nachrüstung (Herausgegeben von „Generale für Frieden und Abrüstung“), Verlag Hoffmann und Campe, Hamburg 1983.[26]
  • „Generale für Frieden und Abrüstung“: Sicherheit für Westeuropa. Alternative Sicherheits- und Militärpolitik, Verlag Rasch und Röhring, Hamburg 1985.

Ob die insgesamt acht sogenannten Occational Papers, in denen die Generale in unregelmäßiger Folge zu sicherheitspolitischen Fragen Stellung nahmen (hier klicken), außer im Archiv des Autors des vorliegenden Beitrages noch anderweitig auffindbar wären, entzieht sich dessen Kenntnis; vier der Papers werden im Rahmen dieser Sonderausgabe dokumentiert:

  • General (ret.) Nino Pasti: Militärischer Kräftevergleich – Wirklichkeit und Propaganda, Occational Papers Nr. 2.
  • Generals (ret.) H. von Meyenfeldt et al.: Plädoyer für eine realistische Sicherheitspolitik, Occational Papers Nr. 4.
  • Major General (ret.) Günter Vollmer: Streitkräfte in der alternativen Verteidigung, Occational Papers Nr. 7.
  • Major General (ret.) Michiel H. von Meyenfeldt: Überlegungen zur Abschreckung, Occational Papers Nr. 8.

Ebenfalls dokumentiert werden ein Appell und zwei Memoranden der Generals-Bewegung:

  • Appell an die KSZE in Madrid, Mai 1981;
  • Memorandum an die Außen- und Verteidigungsminister, an die Befehlshaber und Stabsoffiziere der NATO, November 1981;
  • Memorandum der Gruppe Generale für Frieden und Abrüstung, unterbreitet der 2. UN-Sondertagung für Abrüstung, Juni 1982.

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Ausweislich Occational Paper Nr. 8 umfasste die Gruppe zum Zeitpunkt der Veröffentlichung 17 hohe Ex-Militärs aus neun NATO-Staaten – hier klicken.

1986 stieß der von den nicht nur in der DDR sehr bekannten Dokumentaristen Heynowski & Scheumann gedrehte Dokumentarfilm „Die Generale“[27] – Gerhard Kade wirkte als Berater mit – auf ein breites Echo. Sowohl in der DDR[28], als auch international. Der Streifen war ein Gemeinschaftswerk mit Filmproduzenten aus Großbritannien, den Niederlanden und Griechenland. Gedreht wurde in Wien, am Ort der jährlichen Generals-Treffen. In seinen „Wiener Impressionen“, die die begleitende Buchpublikation einleiten, vermerkte Walter Heynowski: „Von der ersten bis zur letzten Tonaufnahme gilt, was dankenswerterweise der ‚Daily Telegraph‘ nach der Londoner Premiere des Films schrieb, als er Brigadier Michael Harbottle mit diesen Worten zitierte: ‚Es ist uns nichts in den Mund gelegt worden. Es sind unsere persönlichen Standpunkte.‘ Und Michael Harbottle weiter: ‚Wenn eine amerikanische Firma uns diesen Film vorgeschlagen hätte, wir hätten auch dann mit Freuden zugesagt.‘“[29]

1987 wurden die „Generale für Frieden und Abrüstung“ von den Vereinten Nationen als „Peace Messenger“ („Friedensbotschafter“) geehrt – hier klicken.

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Auch heute sind wieder, wenn auch vereinzelt, Stimmen ehemaliger Militärs, hohe und höchste Dienstgrade eingeschlossen, zu vernehmen, die auf der Grundlage ihrer professionellen Kompetenz und jahrzehntelangen Erfahrungen vor den Risiken der Konfrontation und Hochrüstung, auf die sich der kollektive Westen gegenüber Russland und China eingeschworen hat, eindringlich warnen …

 

PS: Am 30. Oktober 1984 beschäftigten die „Generals For Peace“ das britische Oberhaus. In einer Fragestunde wurde erörtert, ob deren „Aktivitäten mit der Aufrechterhaltung der Sicherheit der freien Welt vereinbar“[30] seien.

Die Vertreterin der Regierung, eine Baroness Young, Staatsministerin im Ministerium für auswärtige Angelegenheiten und Commonwealth-Fragen, und Mitglieder des Hohen Hauses bemühten sich redlich, die Generals-Bewegung als Trojanisches Pferd des Weltfriedensrates, „einer berüchtigten sowjetischen Frontorganisation“[31], und Gerhard Kade als „eine hochrangige Persönlichkeit im sowjetischen Propagandaapparat“[32] in Misskredit zu bringen.

Allerdings gab es auch kräftig Gegenwind:

  • Oberhausmitglied Lord Brockway fragte, ob der Ministerin bekannt sei, dass das Ziel der Generale „darin besteht, einen Atomkrieg mit all seinen Gefahren für die Menschheit zu verhindern? Ist das nicht das erklärte Ziel der Regierung, und sollte diese Organisation daher nicht begrüßt werden?“[33]
  • Oberhausmitglied Lord Cledwyn of Penrhos wollte mit Blick auf Michael Harbottle wissen, ob der Ministerin bewusst sei, „dass der britische Offizier unter diesen Generalen ein Offizier mit einer herausragenden Laufbahn ist, unabhängig davon, welche Ansichten er zu Strategie oder Rüstung vertritt? Wäre es nicht völlig falsch, in diesem Haus den Eindruck zu erwecken, dass wir ihn alle als Maulwurf, als kommunistischen Spion oder als Handlanger der Kommunisten betrachten? Hat er nicht das Recht, seine Meinung zu diesen Themen zu äußern, ohne so gebrandmarkt zu werden?“[34]
  • Den Vogel ab schoss Lord Jenkins of Putney, ebenfalls Oberhausmitglied, der einwarf, „dass die edlen Lords, wenn sie statt dieser etwas aufwieglerischen Frage und Antwort das Dokument ‚Generals for Peace and Disarmament‘ läsen, das in der Bibliothek erhältlich ist, feststellen würden, dass die von den Generalen für den Frieden vorgeschlagenen Maßnahmen in vielerlei Hinsicht fast identisch mit denen von Her Majesty‘s Opposition[35] sind?“ Das Protokoll registrierte an dieser Stelle als Reaktion des Hohen Hauses: „Edle Lords: Oh!“[36]

 

[1] – ‚Generals for Peace‘ push case at U.N., The New York Times, 27.06.1982; https://www.nytimes.com/1982/06/27/world/generals-for-peace-push-case-at-un.html – aufgerufen am 18.11.2025.

 

[2] – Beide gehörten seinerzeit zum professional staff (Fachpersonal) des Hudson Institutes. Gray erhielt später (1982 – 1987) einen Beraterjob bei der Reagan-Administration, Payne brachte es gar bis zum stellvertretenden US-Verteidigungsminister (2002 – 2003).

 

[3] – Colin S. Gray / Keith Payne: Victory Is Possible, Foreign Policy, No. 39 (Summer, 1980), S. 14.

 

[4] – Ebenda, S. 21.
In einem Nachruf auf den 2020 verstorbenen Gray bescheinigte Payne diesem: „[…] seine klugen Ratschläge haben der Sicherheitspolitik der USA enorm geholfen“. Und: „Colin hatte kein Vertrauen in die Vorstellung, dass der Einsatz von Atomwaffen, einmal begonnen, begrenzt bleiben würde oder dass ein Atomkrieg einem politischen Ziel dienen könnte.“ Den Essay „Victory is possible“ erwähnte Payne dabei nur indirekt – in einem Verweis darauf, dass der provokative Titel eines gewissen Artikels ohne Zustimmung der Autoren, ja nicht einmal mit deren Kenntnis zustande gekommen sei („an article‘s provocative title created without the authors‘ permission, or even knowledge“). Die Kritik, Grays „Ziel sei nicht Abschreckung, sondern vielmehr die Planung, einen Atomkrieg zu führen und zu gewinnen“, gewesen, wies Payne zurück. (Keith B. Payne: On Deterrence, Defence, and Arms Control – In Honor of Colin S. Gray, Naval War College Review, Volume 74, Number 1 Winter 2021; https://digital-commons.usnwc.edu/cgi/viewcontent.cgi?article=8163&context=nwc-review – aufgerufen am 18.11.2025) Diese Weißwaschung lässt sich allerdings anhand des Originalbeitrages ohne Weiteres ins Reich der Legenden verweisen: https://www.jstor.org/stable/1148409;  – aufgerufen am 13.01.2026.

Seinerzeit veröffentlichten die Blätter für deutsche und internationale Politik auch eine Übersetzung des Essays ins Deutsche – zum Volltext hier klicken.

 

[5] – R. Halloran: Pentagon draws up first strategy for fighting a long nuclear war, The New York Times, 30.05.1982 – http://www.nytimes.com/1982/05/30/world/pentagon-draws-up-first-strategy-for-fighting-a-long-nuclear-war.html?pagewanted=all; aufgerufen am 18.11.2025.

 

[6] – Zit. nach Edward M. Kennedy/Mark O. Hatfield: Stoppt die Atomrüstung, Hamburg 1982, S. 18.

 

[7] – Robert Scheer: Bush Assails Carter Defense Strategy, Los Angeles Times, 24.01.1980 (zur Kopie hier klicken); zit. durch Jack Beatty: Bush Has a Lot More Than His Manhood to Prove in Race for Presidency, Los Angeles Times, 29.04.1989; https://www.latimes.com/archives/la-xpm-1987-04-29-me-1262-story.html – aufgerufen am 04.01.2026.

 

[8] – Die Operation, für die auch Geheimdienste verbündeter Staaten eingespannt wurden, trug die Code-Bezeichnung „RJaN“ (russische Abkürzung für Atomraketenangriff). Werner Grossmann, Nachfolger von Markus Wolf als Chef der HVA, berichtete später: „Das Ziel bestand darin, alle verfügbaren Quellen – auch die der befreundeten Dienste – zu nutzen, um festzustellen, wann ein nuklearer Angriff der USA erfolgen soll, von wo und mit welchen Schlägen. Die Maßnahme hatte der damalige KGB-Chef Juri Andropow initiiert und mit Generalsekretär Leonid Breshnew abgestimmt. So waren wir aufgefordert, ständig Informationen zu diesem Thema nach Moskau zu liefern. Irgendwann fragte mich Mielke, über dessen Schreibtisch die Informationen wie üblich liefen, ob es nicht mal was Neues zu berichten gäbe? Er lese seit langem immer wieder das Gleiche. Die Informationen, die wir im Gegenzug aus Moskau bekamen, wurden ebenfalls immer redundanter. Wir wussten inzwischen, dass […] NATO-Manöver nicht genutzt werden sollten, um die sozialistischen Staaten anzugreifen. Uns lagen verlässliche Informationen vor. Aber die sowjetischen Genossen waren und blieben skeptisch, obwohl unsere Quellen, vom Bundeskanzleramt über den BND bis hin zur NATO-Zentrale selbst, stets ein umfassendes Lagebild lieferten. […] Wir wollten das ganze ‚RJaN‘-Projekt ad acta legen. Gelegenheit dazu bot ein Arbeitsbesuch von Krjutschkow [damals stellvertretender Vorsitzender des KGB; ab 1988 dessen Chef; im August 1991 zusammen mit anderen KPdSU-Altkadern scheiternder Putschist gegen den russischen Präsidenten Michail Gorbatschow – W.S.] in Berlin. Es muss im Jahr 1987 gewesen sein. Ich habe mit Mielke abgesprochen, den sowjetischen Genossen auf das Thema anzusprechen und Moskau vorzuschlagen, nur noch dann zu informieren, wenn es wirklich etwas Neues zu berichten gäbe. Doch ich fand bei ihm kein Gehör. […] nach seiner Rückkehr in Moskau beendete er ‚RJaN‘ nicht, sondern intensivierte die Arbeit.“ (Werner Grossmann mit Peter Böhm: Der Überzeugungstäter, Berlin 2017, S. 190 f.)

 

[9] – Dazu ausführlicher Sarcasticus: Dead Hand 2.0, Das Blättchen, 24/2019.

 

[10] – Generale für den Frieden. Interviews von Gerhard Kade, Verlag Pahl-Rugenstein, Köln 1981; nachfolgend genannt: Generale I.

 

[11] – Von Meyenfeldt wurde später zum Vorsitzenden der Gruppe Generale für Frieden und Abrüstung gewählt.

 

[12] – Kade, Jahrgang 1931, stammte aus Westberlin, absolvierte dort die Schule und ein Studium. Danach schlug er zunächst eine wirtschaftswissenschaftliche Laufbahn ein. Von 1966 bis 1978 war er Inhaber eines Lehrstuhls für Statistik und Ökonometrie, später umbenannt in „Politische Ökonomie und Planung“, an der TH Darmstadt. In jener Zeit machte sich Kade einen Namen als pointierter Kritiker der bürgerlichen Nationalökonomie. Der Spiegel (Ausgabe 36/1969; https://www.spiegel.de/politik/zerstoerung-der-vernunft-a-a6f32100-0002-0001-0000-000045522387 – Aufruf am 18.12.2025.) dokumentierte unter der Überschrift „Zerstörung der Vernunft“ aus einer Publikation Kades unter anderem folgende Passage: „Wo man Probleme der Preisbildung jenseits von Machtfragen ansiedelt, wo Wachstumsprobleme mit tautologischen Gleichgewichtsmodellen behandelt werden, wo Fragen der Einkommens- und Vermögensverteilung mit funktionalistischen Modellen immunisiert und für die gesellschaftliche Praxis entschärft werden, wo die Analyse von Ausbeutungsphänomenen als Sünde wider den Geist der ‚aufgeklärten Marktwirtschaft‘ gilt, muß es in der Selbstzufriedenheit eines mathematischen Formalismus enden, der die Auflösbarkeit von Gleichungssystemen mit dem Entwurf überprüfbarer Theorien und mit der Suche nach strengsten Prüfbedingungen für solche Theorien verwechselt.“

Ab 1978 widmete sich Kade vorzugsweise der marxistischen Friedensforschung.

Zu Kades friedenspolitischen Publikationen zählten neben Generale I weitere Bücher – darunter:

  • Die Bedrohungslüge. Zur Legende der „Gefahr aus dem Osten“, Pahl-Rugenstein Verlag, Köln 1980;

  • Die Amerikaner und wir, Pahl-Rugenstein Verlag, Köln 1983;

  • Die Russen und wir, Pahl-Rugenstein Verlag, Köln 1983;

  • Vom Nutzen des Sternenkriegs: Legenden und Wirklichkeit, Pahl-Rugenstein Verlag, Köln 1987.

Kade war Mitglied des Weltfriedensrates, Vizepräsident des Internationalen Instituts für den Frieden in Wien und Mitglied des Büros des Komitees für Frieden, Abrüstung und Zusammenarbeit der BRD (KOFAZ). Wegen der Mitarbeit im „kommunistisch dominierten“ (O-Ton Wikipedia, https://de.wikipedia.org/wiki/Gerhard_Kade; – Aufruf am 18.12.2025) KOFAZ war Kade 1978 aus der SPD ausgeschlossen worden.

Mit 64 Jahren ist Gerhard Kade am 4. Dezember 1995 verstorben.

Rudolf Hickel und Jörg Huffschmid würdigten den wissenschaftlichen Kollegen und Mitherausgeber der Blätter für deutsche und internationale Politik in einem ausführlichen Nachruf; darin hieß es unter anderem: „Die intellektuelle und politische Landschaft Deutschlands ist um einen kritischen Geist und aufklärerischen Wissenschaftler ärmer geworden. Von seinem wissenschaftlichen Werdegang her ist Kade Ökonom mit traditioneller Ausbildung. Das Werk, mit dem er die Fachwelt schon früh einerseits beeindruckte, andererseits aber in nie verziehener Weise vor den Kopf stieß, war seine 1962 erschienene Habilitationsschrift über die ‚Grundannahmen der Preistheorie‘. Die dort vorgetragene Kritik an der Realitätsleere und dem tautologischen Charakter der mikroökonomischen Modelltheorie können als nach wie vor aktuelle und vernichtende Kritik an zeitgenössischen Nobelpreisträgern der Chicagoer Schule wie Milton Friedman oder Gary S. Becker gelesen werden. Sie schmerzte die Zunft umso mehr, als sie nicht aus den Reihen marxistischer oder sonstiger systemkritischer Theoretiker kam, sondern von einem gründlichen und auch formal brillant formulierenden bürgerlichen Ökonomen – der damit allerdings auch weitgehend zur persona non grata im etablierten Wissenschaftsbetrieb wurde.“ (Blätter für deutsche und internationale Politik 02/1996; https://www.blaetter.de/ausgabe/1996/februar/zum-tode-von-gerhard-kade – Aufruf am 18.12.2025.)

 

[13] – Gerhard Kade: Generale für Frieden und Abrüstung – eine Selbstverständlichkeit?, in: Generale I, S. 325 f.

 

[14] – ‚Generals for Peace‘ push case at U.N., a.a.O.

 

[15] – Wikipedia: Generale für den Frieden; https://de.wikipedia.org/wiki/Generale_f%C3%BCr_den_Frieden#cite_note-1 – aufgerufen am 18.11.2025.

 

[16]https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Diskussion:Generale_f%C3%BCr_den_Frieden&oldid=45190994 – aufgerufen am 18.11.2025.

 

[17]https://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:Generale_f%C3%BCr_den_Frieden#Qualit%C3%A4tsm%C3%A4ngel – aufgerufen am 18.11.2025.

 

[18] – Zu den acht Interviewten in Kades Generale I zählte Wolf noch den Ex-Bundeswehrgeneral Gert Bastian hinzu, der kurz nach der Gründung der Gruppe dazugestoßen war.

 

[19] – Gemeint ist das IPW – Institut für Internationale Politik und Wirtschaft der DDR.

 

[20] – Markus Wolf: Spionagechef im geheimen Krieg. Erinnerungen, München 1998, S. 341 ff.

 

[21] – Dirk Banse / Michael Behrendt: Der Stasi-Maulwurf von Bonn, welt.de, 28.04.2004; https://www.welt.de/print-welt/article310082/Der-Stasi-Maulwurf-von-Bonn.html – aufgerufen am 18.11.2025 – aufgerufen am 18.11.2025.

 

[22] – Frank Zappe / Moritz Schwarz: „Gezielt in die Medien eindringen“ (Interview mit Günter Bohnsack), Junge Freiheit, 31.03.2000; https://www.jf-archiv.de/archiv00/140yy07.htm – aufgerufen am 29.12.2025.

 

[23] – Peter Wensierski: Klara und die Detektive, spiegel.de, 04.03.2012; https://www.spiegel.de/politik/klara-und-die-detektive-a-24cd589b-0002-0001-0000-000084251203?context=issue – aufgerufen am 28.12.2025.

 

[24] – Jürgen Maruhn / Manfred Wilke (Hrsg.): Die verführte Friedensbewegung. Der Einfluss des Ostens auf die Nachrüstungsdebatte, Olzog Verlag, München 2002, S. 140.

 

[25] – Vgl. Klaus Marxen / Gerhard Werle (Hrsg.): Strafjustiz und DDR-Unrecht. Band 4/1. Teilband Spionage, Verlag De Gruyter, Berlin 2004, S. 478 f.

 

[26] – Von diesem Buch gab es auch zwei fremdsprachige Ausgaben mit einem Vorwort von Gene La Rocque – in Englisch (The Arms Race to Armageddon. A Challenge to US/NATO Strategy, Berg Publishers Ltd, Leamington Spa 1984) und in Spanisch (Generales por la Paz: La OTAN al descubierto, Deitorial Debate, Madrid 1985).

 

[27] – Mit Interviews mit der Ex-Generale Bastian (BRD), Christie (Norwegen), Gomes (Portugal), Harbottle (Großbritannien), Koumanakos (Griechenland), Meyenfeldt (Niederlande), Pasti (Italien) und Sanguinetti (Frankreich).

 

[28] – Anlässlich der Ausstrahlung im Fernsehen der DDR vermerkte Horst Schötzki, Redakteur der politischen Monatszeitung Horizont, in der Weltbühne: „Das Beispiel der Generale, denen es gewiß nicht leichtfiel, Ansichten und Zielvorstellungen, in denen sie sich in Jahrzehnten ihres militärischen Lebens bewegten, als unhaltbar zu revidieren und dies auch öffentlich zu sagen, ist ermutigend. Es ist auch ein Bekenntnis zu einer weltweiten Koalition der Vernunft […].“ (Weltbühne 40/1986; zum Volltext hier klicken.)

 

[29] – Heynowski & Scheumann / Gerhard Kade: Die Generale, Verlag der Nation, Berlin 1986, S. 45. – Das Buch enthält die kompletten Tonprotokolle der Wiener Aufnahmen, die für die Wiedergabe im Film naturgemäß gekürzt werden mussten.

 

[30] – „Generals For Peace“, Organisation: Security, 30 October 1984, https://api.parliament.uk/historic-hansard/lords/1984/oct/30/generals-for-peace-organisation-security – aufgerufen am 20.11.2025.

 

[31] – Ebenda.

 

[32] – Ebenda.

 

[33] – Ebenda

 

[34] – Ebenda.

 

[35] – Die Redewendung „Her Majesty’s Opposition“ bezeichnet in Großbritannien die jeweils größte politische Oppositionspartei im Parlament, die die Regierung zwar kritisch prüft, aber dennoch Loyalität gegenüber dem Staat und der Monarchie übt. Das war seinerzeit die Labour Party.

 

[36] – „Generals For Peace” Organisation: Security, a.a.O.