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1.966 Beiträge im Forum

  1. Helmut König sagt:

    Lieber Herr Wohanka, Sie sagen es: Der Herr Thierry Meyssan, den Sie irrtümlicherweise Thierry Meysan nennen, steht tatsächlich auf einer Seite, die, wenn mich nicht alles täuscht, jener Seite, auf der Sie möglicherweise oder auch sehr wahrscheinlich zu verorten sind, diametral gegenüber steht. Wie der Herr Meyssan tickt, das können wir seinem letzten Opus entnehmen, daß er bei Voltairenet.org, seinem Haus- und Magenblatt, eben in alle Welt posaunte:

    „Präsident Donald Trump hat den Mitgliedern seines Kabinetts jegliche Bezugnahme auf die so genannten „Islamistischen“ Verschwörer während der Gedenkfeiern der Attentate vom 11. September 2001 verboten Damals hatte Präsident Bush Osama Ben Laden und 20 Komplizen beschuldigt, diese Attentate organisiert zu haben und damit die erste Armee der Welt besiegt zu haben. Er hatte eine präsidentielle Untersuchungskommission gebildet, die seine Version bestätigt hatte, ohne jemals andere Interpretationen dieses Ereignisses zu prüfen.
    Anschließend hat die US-amerikanische Justiz nacheinander den Irak von Saddam Hussein und dann den Iran von Ayatollah Ali Khamenei beschuldigt, diese gleichen Ereignisse organisiert zu haben. Allerdings sind diese Prozesse noch nicht abgeschlossen und kein rechtskräftiges Urteil wurde ausgesprochen.
    Der Immobilienentwickler Donald Trump erwähnte auf dem New York 9 Fernsehsender, am Abend des 11. September 2001, die physikalische Unmöglichkeit der offiziellen Erzählung: Es ist physikalisch unmöglich, dass die zwei (2) Flugzeuge die Zwillingstürme zum Einsturz bringen konnten, ja noch weniger, alle drei Türme. Diese Meinung hat im Laufe der Zeit fast alle Physiker außerhalb der Vereinigten Staaten überzeugt.Wenn auch eine große Mehrheit der Amerikaner überzeugt ist, dass die nationalen Behörden über die Attentate gelogen haben, bleibt jedoch eine Minderheit davon überzeugt, dass sie von Islamisten begangen wurden.
    Wenn Präsident Trump auch von „Feinden“ sprach, hat Vizepräsident Mike Pence in seiner Rede am Denkmal von Shanksville eine Anspielung auf Daesch (ISIS) gemacht, obwohl klar steht, dass Daesch zum Zeitpunkt der Attentate nicht existierte und deshalb auch nicht als schuldig angesehen werden kann.
    Aus seinen verschiedenen Reden seit 16 Jahren kann geschlossen werden, dass Donald Trump der Auffassung ist, dass die Anschläge vom 11. September weder von Ausländern, noch von Islamisten begangen wurden.“

    Übrigens: Lieber Herr Wohanka, Sie erwähnen in ihrem Kommentar die Begriffe Verschwörungstheorie und/oder Verschwörungstheoretiker im Zusammenhang mit den Türmen von einer Firma mit Sitz in Langley/Virg.VSA kreiert und in die Welt gesetzt worden sind, doch das nur ganz nebenbei

  2. Kontextleser sagt:

    Zu Beginn der Unterhaltung über den Satz, daß „von nichts auch nichts wird“, hatte sich Petra Lücke am 11. September mit einer Attacke auf „orthodoxe Linke“einstellen lassen. Diese würden an ihrer falschen Meinung festhalten, „wie ein Katholik an der Dreifaltigkeit“. Ob bei diesem aktuellen Vergleich von erkannten Abwegigkeiten Erinnerung an Marx mitschwingt, der mit seiner „trinitarischen Formel“ ironisierend einen Schwenk zur christlichen Lehre von der Dreieinigkeit machte?
    Mit Bezug auf Marx oder nicht: Warum die Reduzierung auf den uneinsichtigen „Katholik“ als Gattung oder einzeln?
    Nehmen wir den nicht unwahrscheinlichen Fall, es käme erneut zu einer Vereidigung der Kanzlerin. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird sie beim Eid dann des dreieinigen Gottes Hilfe beanspruchen – und das als Nicht-Katholikin. Ist eben nicht Bedingung. Sie kann dies im Wissen darum, daß das Festhalten an der Lehre und dem Glauben von der göttlichen Einheit in Dreiheit immanenter Bestandteil auch ihres protestantischen Glaubens ist. Im Zentrum steht der dreieinige Gott, nicht als Nebensache, nicht als: „ja, auch“. Interpretation im Rahmen ist zulässig und wird geübt, Substanz jedoch nicht verhandelbar.
    Kann man die Situation aber dennoch als gesellschaftlich überholt behandeln, weil Aufklärung prinzipiell gesiegt hat; also auch über den oben angeführten „Katholik“, der in der Zuschrift als hoffnungslos veraltet erscheint, es als gesellschaftliches Phänomen aber offenbar nicht ist?
    Um abzukürzen Zitat aus „Wikipedia“: „Der größte Teil der sich auf die christliche Bibel beziehenden Religionsgemeinschaften folgt dem trinitarischen Dogma. Sowohl die westlichen (römisch-katholische und evangelische) als auch die östlichen (östlich-orthodoxe und orientalisch-orthodoxe) Kirchen haben seit dem Ende des 4. Jahrhunderts durchgehend die Trinitätslehre vertreten.“ Aus aktuellem Anlaß besonders hervorzuheben: „Ebenso gehört das Bekenntnis der Trinität zu den Glaubensgrundlagen der evangelikalen Bewegung.“Wäre stärker zu bedenken bei weiteren Trump-Beiträgen.
    In Summe: Das sind doch ziemlich viel „Abweichler“ die da aktuell im Dogma verharren, wie der „Katholik“. Zwar nicht alle Religionen und Gemeinschaften haben dies Dogma, dabei auch solche, die uns nahe sind: „Der jüdische Glaube kennt keine Trinität.“ Der Islam auch nicht. Aber die mit „unseren Werten“ schon, auf die sich unsere Gesellschaften gern beziehen, auch mit der Erweiterung „christlich-jüdisch“.
    Zum Ausgangstext: „Orthodoxe Linke“ müßen ob des Vergleichs mit dem „Katholik“ also nicht frustriert sein; paßt nicht. Aber der hier eingeführte Marx vermochte offenbar, mit dem Zeitgeist zu seinen Gunsten umzugehen, auch mit Himmel und Erde.

  3. Ulrich Busch sagt:

    Zum Beitrag von Bernhard Mankwald in Nr. 19-2017

    Lieber Herr Mankwald,
    nun habe ich Ihren hübschen Essay über das „etwas“, das nicht „Nichts“ sein soll, zum zweiten Mal gelesen und weiß immer noch nicht, was Sie den Lesern damit sagen wollen. Ist es eine Satire auf Marx, Schumpeter, Riese u.a. wegen deren despektierlichen Umgangs mit der Bibelmetapher einer „Schöpfung aus dem Nichts“? Oder ist es eine Persiflage der monetären Ökonomie? Oder wollten Sie eine Parodie schreiben, indem Sie sich der wissenschaftlichen Sprache der Ökonomen bedienen, dann aber nur historische Banalitäten erörtern? Und was ist das „Geld schlechthin“ im Unterschied zu einer „bestimmten Währung“? Ich bin nicht dahinter gekommen. Vielleicht haben Sie sich nur einen Spaß gemacht. Ihr Beispiel von den Goldmünzen, die gesetzliches Zahlungsmittel sind, aber weder als Äquivalent fungieren noch zirkulieren, aber trotzdem „Geld“ sein könnten, wenigstens theoretisch, ist danach. Klären Sie mich bitte auf, wo sich hier der Witz verbirgt und welche hintergründige Wahrheit möglicherweise in ihrem Text enthalten ist.

    • Verehrter Herr Busch,

      wenn mein Text derart verblüffende Interpretationen zulässt, muss er noch vielschichtiger und damit besser sein, als ich ohnehin schon annahm. Versuchen Sie nur nicht, mich in den Größenwahn zu treiben. – Im Ernst: mich verdross die Art, wie Sie in Ihrem von mir erwähnten Artikel die durchaus gelungenen Beiträge von Heerke Hummel (im „Blättchen“ 4/2014) und Klaus Müller (17/2016) als „Vorurteile, Halbwahrheiten und Weisheiten von vorgestern“ abqualifizierten – und das war es dann auch schon an inhaltlicher Argumentation. So etwas liegt doch unter Ihrem sonstigen Niveau.

      Da Sie mit Ihrem Kommentar letzten Endes an die Leserschaft appellieren – die ja meine Überlegungen nach Ihrer Intention offenbar auf keinen Fall ernst nehmen soll – überlasse ich die Frage, ob einzelne der hier erwähnten Beiträge irgendwelche besonderen Vorzüge oder Nachteile haben, gerne dieser letzten Endes entscheidenden Instanz; über Meinungsäußerungen Dritter in diesem Sinne würde ich mich freuen.

  4. Jürgen Scherer sagt:

    An der See oder wo auch immer…
    Ja, ja, die Berufung auf die Alten, mal auf Perikles, mal, wie diesmal, auf Laotse, hat so ihre Tücken. Wer von Perikles` „Goldenem Zeitalter“ redet, um für die Wahl von „Mutti“ zu plädieren, sollte den anderen Perikles nicht vergessen, der durchaus nicht unschuldig war an den „Peloponnesischen Kriegen“. So golden waren die Zeiten dann doch nicht! Wer Laotse als Zeugen für das Besondere an Mutti aufruft, sollte allerdings mit der Exegese von dessen Weisheiten möglichst genau vorgehen. Denn die von Laotse gemeinte „Herablassung“ des weiblichen Elementes ist wohl als das sich „Einlassen“ zu verstehen. Hat also nichts mit der im Artikel angesprochenen negativen Konnotation von „Herablassung“ zu tun, mit der Herr Schulz zu kämpfen hat. … Dann auch noch ein Laotselob für „Mutti“ und ihre „tatlose Verwaltung“. Fertig ist der Mäusespeck! Was aber, wenn die Mäuse nur scheinbar froh sind, wenn sie nur meinen, sie wären froh, weil der Mäusespeck dazu da ist, sie einzulullen, sie in trügerischer Sicherheit zu wiegen, während die Katze schon ihre Fallen aufgestellt hat, in die die Mäuse nach den Mäusewahlferien tappen werden bzw. sollen? In Mäusekreisen, so geht das Gerücht, vermisst Maus durchaus die aufklärerische Diskussion unter den Katzen, was sie mit der Mäusepopulation nach den Ferien vorhaben. Auch wenn manche Obermäuse meinen, dass die Mäuse zu dumm für solche Diskussionen seien. Bisher war es nämlich meist so, dass, Laotse hin, Laotse her, die Mutterkatze für Überraschungen immer gut war. Fröhlich ging es dann nicht immer zu, außer für so ein paar Extramäuse. Wie sagte Kaotze doch so schön: Starke Katze – große Gefahr!

  5. Werner Richter sagt:

    Zu „Leninist“ Trump von Stephan Wohanka
    Verehrter Herr Wohanka, das ist alles richtig oder besser: nicht ganz falsch. Jedoch hat Ihre Darstellung eine verdammt weiche Stelle, sie ist eine Widerspiegelung der medialen Darstellung, nicht unbedingt der realen Vorgänge. Welche Kräfte eine mediale Nebelwand auch hierzu mit welcher Zielstellung, gerichtet auf die Konditionierung der Öffentlichkeit, erzeugen und das wirklich Wichtige zu verbergen versuchen, ist wohl nicht mehr notwendig zu erklären. In unserer so schönen Medienwelt kann man das täglich verfolgen. Erst gestern Abend noch wärmte die Kleber-Show nochmals das Märchen vom Völkermord in Myanmar auf, obwohl bereits tagelang Zweifel an dieser Darstellung durch die Weltpresse gingen, genauso wie vorher das Märchen von den „Letzten Männern von Aleppo“, der armen Bana, dem Giftgaseinsatz durch Assad, dem Buk-Abschuß der MH 17 durch die Russen, die Wahlfälschung in den USA durch Putin u.ä. Um sich den realen Vorgängen zu nähern, wäre, schon mal angemahnt, eine Anleihe vom Vorgehen anderer Diskursanten nützlich, z.B. von Thierry Meysan, der viele Hintergrundinformationen aus exklusiven Quellen besitzt und nüchtern analysiert. Mit seiner Methode kommt man zu ganz anderen Ergebnissen, Trump, bei aller Problematik, kämpft (vermutlich aussichtslos, weil darin selbst gefangen) nicht gegen die vermeintliche US- und auch westeuropäische Demokratie, um sie abzuschaffen, sondern gegen den sog. „Tiefen Staat“, den der CIA-Boß indirekt bestätigte und der die Demokratie, wenn es sie überhaupt je gegeben hat, längst abgeschafft hat. Also gegen einen Umstand, daß so etwas wie Demokratie vorgegaukelt wird, die Fäden jedoch immer von Gruppen entsprechend Mächtiger gezogen wurden und werden. Nicht mit hehren Absichten, das ist klar. Aber auch nur die kleinste Sympathie für eine „korrekte“ oder „korrektere“ Hillary würde ich mir verkneifen. Sie ist nicht zu Unrecht in Vieler Augen die Inkarnation der Verlogenheit. Auch nicht übersehen sollte man, daß die „Säuberungen“ im Apparat ein Teil des Kampfes gegen den „Tiefen Staat“ sei könnte, der in der Administration sich mit der Mehrzahl der Mitarbeiter festgesetzt hat und gegen Veränderungen intrigiert, siehe vergangene Kampagnen über gewisse Medien. Daß Trump hier einer Illusion aufsitzt und selbst unglaubwürdig ist, ist eine andere Frage. Trump ist auch nicht der Erfinder der Fake-News und er wendet sie auch nicht alleine an. Fake-News-Rufer, auch in den Regierungen und staatlichen Institutionen sowie Medien, nutzen diesen Vorwurf zur Transformation ihrer fakes zu „Wahrheit“. Ein Mitmachen bei der Trump-Monster-Show ist wohl oder übel eine Unterstützung der Desinformationsstrategie. Man sollte überlegen, ob man wie Stellung bezieht. Sonst aber wäre es nur recht und billig, auch den aktuellen Bundeswahlkampf als ernsthaft und wichtig und die dortigen Themen als entscheidend anzusehen. Um es mit Putin zu sagen (Erwiderung auf Netanjahus plötzliche Warnung, in Syrien jetzt offen militärisch mitmischen zu wollen): Na dann viel Glück!

    • Stephan Wohanka sagt:

      Lieber Herr Richter,
      Sie verweisen auf „Thierry Meysan, der viele Hintergrundinformationen aus exklusiven Quellen besitzt und nüchtern analysiert“. Ich kenne den Mann nicht; mache ich mich schlau, finde ich: „Meyssan vertritt zunehmend anti-zionistische und anti-US Positionen, und sucht die Nähe bekannter rechtsextremer Denker und Propagandisten wie Alain Soral und Dieudonné. Er … steht der Hisbollah sowie den iranischen und syrischen Regimes nahe; während des libyschen Bürgerkrieges“ war er „für Gaddafi und im syrischen Bürgerkrieg für die Regierung von Assad“. Sein Kumpel Soral „schloss sich 2006 offiziell dem Front National an und wurde Mitglied des Zentralkomitees nach einer Nominierung durch Jean-Marie Le Pen“, um dann „2009 aus dem FN aus(zuscheiden), nachdem er nach einer Auseinandersetzung mit Marine Le Pen keinen Spitzenplatz bei der Europawahl 2009 erhalten hatte. Bekanntheit erlangte Soral … durch seine Zusammenarbeit mit dem Komiker Dieudonné“. Der wiederum war „ursprünglich im linken politischen Spektrum tätig, wandte er sich zunehmend antisemitischen Positionen zu und gilt mittlerweile als prominenter Vertreter des Rechtsextremismus“.
      Ich habe das alles nicht überprüft; war mir im Augenblick zu mühsam. Aber bei aller Liebe, Herr Richter, Sie werden es mir nachsehen, dass ich den besagten Herr Meysan für eine so eine dolle Quelle, wie Sie unterstellen, nicht halte! Er ist wohl ziemlich klar einer Ecke zuzuordnen.
      Zum „Tiefen Staat“. Sie wissen es – die Idee des „Tiefen Staats“ geht auf die türkische Phrase „derin devlet“ zurück, die nach dem Zwischenfall von Susurluk aufkam und die für die unheimliche „Dreiecksbeziehung zwischen Mafia, Polizei und Politik“ (so die Tageszeitung milliyet) steht. Wie jetzt tatsächlich viele Publikationen und Bücher in den USA zeigen, ist die Idee des Tiefen Staats auch in den USA zum Mainstream-Thema geworden.
      Zwangsläufig stellt sich einem daher die Frage: Warum jetzt? Vor allem wohl deshalb, weil gewissen Kreisen daran gelegen ist, in Zeiten von 9/11, Irak, Bail-Out/-In, Migrationskrisen oder des Islamischen Staates einem breiten Publikum weiszumachen, dass die Politiker in der ersten Reihe (also ein Trump, eine Merkel oder ein Putin) nur diejenigen seien, die für die „Show verantwortlich“ wären, ganz andere jedoch die Fäden in der Hand hielten. Wobei Studien tatsächlich festgestellt haben, dass die USA nicht mehr ausschließlich von politischen Parteien respektive Politikern regiert werden, sondern auch von einer „Ansammlung besonderer Interessen“. Und damit sind nicht nur wirtschaftliche gemeint, nein, explizit auch politische; Stichwort Bannon und sein Breitbart-News-Network. Denen liegt daran, die tatsächlich schon unterminierte Demokratie weiter zu schwächen und möglichst zu stürzen. Ich sehe Trump als Exponenten dieser Interessen; wie weit ihm das bewusst ist oder nicht, inwieweit er deren Marionette ist oder eigenständiger Akteur, weiß ich nicht. Aber klar ist, dass mit Trump der Bock zum Gärtner gemacht wird, wenn er – wie Sie schreiben – den Tiefen Staat bekämpfe. Sie selbst schätzen ja ein „vermutlich aussichtslos, weil darin selbst gefangen“; eben.

  6. Werner Richter sagt:

    Zu Das Beispiel Venezuela von Ulrich Busch
    Mit der Analyse gehe ich konform, sie trifft den ökonomischen Kern der „Sozialismusproblematik“. Sie ist insofern zu akzeptieren, wie sie sich auf die üblichen Betrachtungsweisen zur Unterscheidung von Kapitalismus und Sozialismus beschränkt. Auch hierbei ist das Marxzitat angebracht. Aber es gibt von Marx einige andere, grundsätzlichere Fragestellungen, die in Abhängigkeit von der herrschenden (Staats-/Partei)-Theorie, man hat sich ja ein- bzw. unterzuordnen, gewissermaßen Scheuklappen anzulegen, einst konsequent stetig übersehen wurden und noch heute negiert werden. Dazu zählen die von Marx für sein Gesamtwerk als allgemeingültig und durchgehend so gemeinten Gesetzmäßigkeiten der menschlichen Produktion und speziell der Rolle des Wertes in der Warenproduktion. Es verwundert schon oder, nach einigem Nachdenken nicht mehr, warum in den Arbeiten der Ökonomen dieses Jahres das jüngst erschienene Kapital 1.5 Die Wertform keine Rolle spielt. Sollte ich hier irren, ich bin nicht Jesus und mir wächst kein Gras aus der Nase, lediglich wohl altersbedingt eine Menge Haare, korrigiere man mich. Diese Abstinenz ist allseitig, auch die dazu angebotene Diskussion auf der Website http://www.wirtschaftstheorie-forum.de wird von vielen Ökonomen bisher gemieden. Denn die im genannten Kapital 1.5 gesammelten Überlegungen von Marx stellen ganz einfach alle bisherigen Sozialismusdefinitionen und -modelle prinzipiell in Frage. Daraus erklärt sich auch die lange Geburt seit 1949. Wie wäre es, wird es nicht Zeit, sich diesen Fragestellungen zu zu wenden und zu beginnen, die Analysen gesellschaftlicher Verhältnisse auf die Analyse der Wirkung des Wertgesetzes zu stellen? Dann käme man vermutlich auf ganz andere Schlüsse als bisher. Der Autor hat es eigentlich schon angedeutet, auf der Grundlage des Wertes kann sich keine sozialistische Gesellschaft bilden, egal, welche Politik betrieben wird. Somit wäre auch die Frage nach dem Primat zwischen Ökonomie und Politik überflüssig bzw. nur für die aktuelle Situation in der Warenproduktion von Bedeutung. In einer wirklich sozialistischen, auf die Bedürfnisse aufbauenden Produktion, die nur als Nichtwarenproduktion diese Bezeichnung verdient, wäre auch Ökonomie nicht mehr existent, behaupten die Thesen der Website. Das müßte eigentlich den Widerspruch der „alten“ Ökonomen auslösen, aber nichts da, still ruht der See. Das alles könnte auf der genannten Website diskutiert werden, man muß nur den Mut aufbringen.

  7. Dieter sagt:

    Irgendwer hat einmal gesagt: Der Sieg der kapitalistischen Marktwirtschaft gegenüber der sozialistischen Planwirtschaft ist der Sieg der Algebra über das Wünschen. Das ist wohl leider wahr. Wie auch die Tatsache, dass gutgemeint eben keineswqegs zwangsläufig gut ist.
    Dieter

    • Peter sagt:

      Hallo
      Für mich wäre es schon wichtig wer “Irgendwer“ ist, dann könnte ich mir den Hintergrund denken. War es Hitler oder Ghandi oder gar niemand von denen?
      Es muss zumindest ein „flache“ Betrachtung sein, Kapitalistisch ist immer Markt und sozialistisch immer Plan, gemeinsam ist denen das sie Ökonomische Systeme sind. Was allerdings Algebra mit Wünsche für eine Schnittstelle hat erschließest sich mir nicht.
      Das es eine Tatsache sein soll das gut-gemeint eben nicht gut ist kann ich auch nicht nachvollziehen. Der der in dem Sinn gut handelt kann davon ausgehen das es für ihn gut ist, wieso sollte er es sonst tun. Wenn jemand anders es nicht gut findet ändert an der Sache nichts. Was überhaupt gesagt werden soll ??

  8. Petra Lücke sagt:

    Zu Ulrich Busch.
    Man könnte meinen, auch noch so orthodoxe Linke hätten spätestens seit dem Desaster des Realsozialismus begriffen, was Ulrich Busch hier ausführt. Aber selbst wenn das natürlich auch viele getan haben mögen – diejenigen, die weiter am Primat der Politik festhalten wie ein Katholik an der Dreifaltigkeit, bestehen selbst dann darauf, wenn sie von sich sagen, sie dächten den Sozialismus irgendeiner zukunft nun neu.
    Gewiss gibt es selbst in der Marktwirtschaft punktuelle Entscheidungen, denen ein Primat des Politischen zugrunde liegen, man denke an die nicht geringe Zahl von staatlichen Subventionen. Aber dass nur verteilt ,werden kann, was vorher erwirtschaftet worden ist, hat – da dies ein Quasi-Zitat ist – auch ein Honecker erst begriffen, als es im Grunde bereits zu spät war.
    Petra Lücke

  9. hwk sagt:

    „Ich strebe an, Bundeskanzler zu werden“, antwortete Schulz auf eine Frage , ob er für sich selbst nach der Bundestagswahl einen Einzug in ein neues Kabinett unter Merkel ausschließe – die Frage beantwortete er damit zwar nicht, fügte aber hinzu: „Und wenn Frau Merkel in mein Kabinett eintreten will, kann sie das gerne als Vizekanzlerin tun.“ (Spiegel-Online)
    Humor hat er ja, das muss man MartinSchulz lassen.
    Vielleicht lohnte sich ein SPD-Wahlsieg schon deshalb, weil man dann mit mehr Heiterkeit in der Poilitik rechnen könnte.

  10. Franz Berthold sagt:

    Gewiss muss man Le Bon nicht als sakrosankten Massenpsychologen ansehen, lesens- und bedenkenswert scheint mir sein Hauptwerk aber doch. Aktualitätsbedingt hier nur ein Auszug:

    Die Wählermassen
    Von Gustave Le Bon

    Die Wählermassen, d. h. die Gesamtheiten, die zur Wahl der Inhaber gewisser Ämter berufen sind, bilden ungleichartige Massen; da sie aber nur in einer ganz bestimmten
    Frage ihre Wirksamkeit entfalten, nämlich bei der Wahl zwischen mehreren Kandidaten, so lassen sich bei ihnen nur einige der früher beschriebenen Merkmale beobachten.
    Besonders hervorragend ist die geringe Urteilsfähigkeit, dann der Mangel an kritischem Denken, die Erregbarkeit, Leichtgläubigkeit und Einfalt der Massen. Auch entdeckt man in ihren Entscheidungen den Einfluß der Führer und die Wirkung der bereits angeführten Triebkräfte: Behaup tung, Wiederholung, Nimbus und Übertragung.
    Sehen wir nun zu, wie sie zu gewinnen sind. Ihre Psycho- logie läßt sich nach bewährter Methode klar ableiten.
    Als erste Eigenschaft muß der Bewerber einen Nimbus haben. Persönlicher Nimbus kann nur durch Reichtum ersetzt werden. Talent und selbst Genie sind keine Vor bedingungen für den Erfolg. Folglich ist der persönliche Nimbus des Bewerbers, um sich ohne weitere Erörterungen durchsetzen zu können, von ausschlaggebender Bedeutung. Daß die Wähler, die in der Mehrzahl aus Arbeitern und Bauern bestehen, so selten einen ihrer Leute als Vertreter wählen, erklärt sich daraus, daß ihre Standesgenossen keinen Nimbus bei ihnen haben. Sie wählen einen ihresgleichen fast nur aus nebensächlichen Gründen, etwa um einen hochgestellten Manne, einem mächtigen Arbeitgeber entgegenzutreten, weil der Wähler Tag für Tag die Abhängigkeit von diesem empfindet und sich so einbildet, einen Augenblick seiner Herr zu sein.
    Aber der Besitz des Nimbus genügt für den Bewerber nicht zur Sicherung des Erfolges. Der Wähler hält darauf, daß man seinen Begierden und Eitelkeiten schmeichelt. Der Kandidat muß übertriebene Schmeicheleien anwenden und darf kein Bedenken tragen, die phantastischsten Versprechungen zu machen. Vor Arbeitern kann man ihre
    Arbeitgeber nicht genug beleidigen und schmähen. Den gegnerischen Bewerber wiederum muß man zu vernichten suchen, indem man durch Behauptung, Wiederholung und Übertragung zu beweisen sucht, er sei der ärgste Schuft, von dem jeder wisse, daß er etliche Verbrechen begangen habe. Selbstredend ist es unnötig, etwas vorbringen zu wollen, was einem Beweis ähnelt. Ist der Gegner ein schlechter Kenner de Massenpsychologie, so wird er sich durch Beweise zu rechtfertigen suchen, anstatt auf verleumderische Behauptungen einfach mit andern ebenso verleumderischen zu antworten, und wird dann keine Aussicht auf Sieg haben. Das geschriebene Programm des Kandidaten darf nicht sehr entschieden sein, weil seine Gegner es ihm später entgegenhalten könnten, aber sein mündliches Programm kann nicht übertrieben genug sein.
    Die außerordentlichsten Reformen dürfen in Aussicht gestellt werden. Für den Augenblick erzielen diese Übertreibungen große Wirkung und für die Zukunft verpflichten sie zu nichts. Der Wähler kümmert sich später tatsächlich nie darum, ob der Gewählte sein Glaubensbekenntnis, dem man begeistert zustimmte und das angeblich die Voraussetzung für das Zustandekommen der Wahl war, auch wirklich befolgt hat.
    (…)
    Aus Gustave Le Bon, „Psychologie der Massen“, 1911

    • Klaus Müller sagt:

      Ergänzend eine weitere tiefsinnige Bemerkung Le Bons: „Nie haben die Massen nach Wahrheit gedürstet. Von den Tatsachen, die ihnen missfallen, wenden sie sich ab und ziehen es vor, den Irrtum zu vergöttern, wenn er sie zu verführen vermag. Wer sie zu täuschen versteht, wird leicht ihr Herr, wer sie aufzuklären versucht, stets ihr Opfer.“ Wer wollte da widersprechen?

  11. Jürgen Scherer sagt:

    Zu Literat vom 7.9.
    Nur der Vollständigkeit halber:
    Der Komödiant war Wolfgang Neuss, einer der begnadetsten Kabarettisten unserer Republik, und der Spruch lautete:
    Heut mach ich mir kein Abendbrot, heut mach ich mir Gedanken.

  12. Literat sagt:

    Nochmals Goethe „Klappe! Die Zweite“
    2. Studierzimmer-Szene, Mephisto, nicht Faust:
    „Mit Worten läßt sich trefflich streiten,
    mit Worten ein System bereiten.
    An Worte läßt sich trefflich glauben;
    von einem Wort läßt sich kein Jota rauben.“
    Zur Beförderung unseres Diskurses soll „Börse von heute“ (6. September) diesen essenziellen Beitrag leisten:
    „Starke Autoaktien schieben Dax nach oben. Am meisten Gas geben dabei Daimler, die mit einem Plus von 3,2 Prozent an der Spitze liegen. Dahinter können VW und BMW immerhin noch jeweils 1,6 zulegen. Einerseits spekulieren die Anleger weiter um Aufspaltungen der Konzerne in Holding-Strukturen, wie Daimler sie bereits angekündigt hat. Andererseits profitieren sie weiter von den Äußerungen der Bundesregierung, nachdem ein Ausstieg aus den Verbrennungsmotoren erst sehr langfristig erfolgen und ein Dieselfahrverbot vermieden werden soll.“
    Ehe die Bundesregierung die offenbar erfreuliche Entwarnung gab (Frau Merkel gemeinsam mit Herrn Steinbrück in vergleichbarer Situation: „Wir müssen abwarten, wie die Märkte reagieren“), waren Menschen aus dem AfD-Spektrum Wortführer dessen. Und dabei sind sie noch nicht mal im Parlament! Ob das mit gemeinsamen Interessen oberhalb von Parteien zu tun haben könnte, wofür bei der Machtausübung die politische Farbenlehre eben nicht verbindlich ist?
    Wie enthüllte doch einer der großen Komödianten die Situation? „Heut mach ich mir kein Mittag, heut mach ich mir Gedanken“. Das kommt davon.

  13. Jürgen Scherer sagt:

    Sehr geehrter Herr Bosselman! Nachdem Sie ja nun bzgl. Ihrer „politischen Hygiene“ Klarheit geschaffen haben, ein paar Worte zu der vermeintlich apolitischen Jugend und den „Bindekräften der Rechten“. Ich will nun nicht zum wiederholten Male die Gründe für die erschreckende Eindimensionalität in unserem derzeitigen Bildungswesen beschreiben, die apolitisches, systemkonformes Verhalten fordert und fördert, und zwar auf der Basis kapitalistischer Vorgaben und Forderungen. Stattdessen will ich, was politisches Handeln angeht, auf Organisationen wie attac oder greeenpeace verweisen, Organisationen, die Jugendliche als attraktiv ansehen und in denen sie sich in großer Zahl engagieren. Ein anderes Beispiel wären die Proteste gegen Ceta, TTIP etc., deren Öffentlichkeitswirksamkeit ohne die große Anzahl von Jugendlichen gar nicht denkbar gewesen wären. Also gänzlich unpolitisch ist unsere Jugend in Deutschland nicht. Vielleicht müssen wir uns von bestimmten Politikvorstellungen verabschieden, um das besser verstehen zu können, was unsere Jugend unter Politik versteht.
    Was nun die Bindekräfte der Rechten angeht, so sehe ich sie geprägt von eingebildeter und geschürter Angst vor „dem Fremden“, dem Fremden als Subjekt und zugleich als Abstraktum. Beides lässt sich leicht als Legitimation für Dumpfnationales, Deutschtümelndes, Nationalistisches heranziehen. Ich muss nur das Fremde nicht an mich heranlassen oder es mythisch-mystisch negativ aufladen. Diese Aufladung besorgen dann advocati diaboli wie ein Herr Sarrazin oder, heruntergeholt an den Stammtisch, Björn Höcke. Die AFD greift dann dieses gefährliche Gesummse auf und gießt es in eine politische Form, die teils offen faschistisch daherkommt (Flüchtlinge an der Grenze erschießen sagt Frau Storch) teils subtil von Gauland und Meuthen, die gerne mal jemanden „entsorgt“ sehen, z.B. in der Türkei. Insofern ist die von Ihnen verwendete Qualifizierung „unappetitlich“ für innerparteiliche Vorgänge innerhalb dieser Partei, gelinde gesagt, eine gefährliche Verharmlosung. Sie machen die Brandstifter zu Biedermännern und – frauen! Wie wir wissen zeigt der Eisberg immer nur ein Drittel seiner wahren Gestalt. Tucho ist da eigentlich ganz klar: „Wenn sie in ihren Sälen hetzen,/sagt: »Ja und Amen – aber gern!/Hier habt ihr mich – schlagt mich in Fetzen!«/Und prügeln sie, so lobt den Herrn./Denn Prügeln ist doch ihr Geschäft!/ Küßt die Faschisten, wo ihr sie trefft.“ In diesem Sinne ist die AFD für mich eine quasifaschistische Partei, deren wahres Weltbild immer wieder entlarvt und an den Pranger gestellt gehört. Null Toleranz für Menschenverachtung und Unmenschlichkeit! Denn das sind die wesentlichen Bindekräfte der Rechten, virulent geworden aufgrund von Existenzängsten, für die unser Wirtschaftssystem verantwortlich ist. Da sehe ich nichts, was mit von Ihnen isnuniiertem aufgeklärten politischen Bewusstsein zu tun hat. „Die Fremden sind schuld an unserer Misere, nicht etwa die da oben. Weg mit dem/den Fremden und in Deutschland ist/wird alles wieder gut“, so das vereinfachte, auch und gerade von der AFD beeinflusste und geförderte, Weltbild.

  14. Klaus Müller sagt:

    Nun wissen wir es: Die Welt ist schlecht, weil es Menschen gibt, die das Gute wollen. Bosselmann hat nicht nur ein Problem mit Kausalitäten, er hat eins mit der Gesinnung, wenn er Bekenntnisse für Gewaltfreiheit, Toleranz, Antidiskriminierung und Gerechtigkeit für nicht gerechtfertigt hält. Er hasst alles, was den Anschein von links und rot hat, sympathisiert offen mit rechts und tiefschwarz. Das kann er ja tun, wäre aber in der „Jungen Freiheit“ mit seiner Meinung am geeigneteren Platz. Die stilistische Qualität seiner Texte weiß ich zu würdigen, obgleich mir deren Inhalte widerwärtig sind. Widerwärtiges wird ja nicht erfreulich, Absurdes nicht wahr, weil es uns eloquent mitgeteilt wird.

    • Heino Bosselmann sagt:

      Sehr geehrter Herr Müller, verbunden mit meinem Dank für Ihre Aufmerksamkeit: Sie sind recht flott im Urteil. Meine Einstellung, als Anleihe bei Max Weber: Verantwortungs- statt Gesinnungsethik. Gesinnungen erschrecken mich nicht; die Leute wechseln sie: Mein einstiger Politoffizier bei den Grenztruppen der DDR ging schnurstracks und problemlos zum Bundesgrenzschutz des einstigen Feindes, und aus Staatsbürgerkundekollegen wurden umgehend Sozialkundelehrer. Ganz problemlos. Mir geht es um den – zugegeben – recht kühlen, möglichst unaufgeregt sachlichen Blick. Glauben Sie mir bitte, dass ich dabei Skeptiker bleibe. Forderten Sie allerdings mit Hartmut König „Sag mir, wo du stehst!“, so wüsste ich Ihnen freilich keine so genaue Antwort zu geben, wie Sie die vermutlich parat hätten. Ja, das ist mein Dilemma.

      In der „Jungen Freiheit“ und sogar in der „Sezession“ veröffentlicht zu haben, dazu stehe ich. Gründe dafür lagen gerade für meine Tätigkeitsbereiche nahe, da sich bestimmte Kritik nirgendwo sonst äußern ließ. Namentlich die „Junge Freiheit“ dürfte heute als moderat-konservatives Blatt gelten können, freilich etwas AfD-zentriert, aber insgesamt in dem Raum politisch heimisch, den die CDU schon lange räumte, vermutlich fatalerweise. – Letztlich würde ich allerdings keinem Gesinnungsblatt zur Verfügung stehen wollen. Das „Blättchen“ verweist auf eine linksintellektuelle Traditionslinie; sein Vorläufer, „Die Weltbühne“, war kein Zentralorgan, sondern ein charmantes Background-Blatt. Ich mag hier keine typische Stimme sein, aber ich bin hier aus freien Stücken.

      Sollte das Linksintellektuelle hinsichtlich echten Wirkungsquantum je wiederzubeleben sein, wird es über die von Ihnen angeregte Gesinnungsethik hinauswachsen müssen. Sie erleben es an meinem bescheidenen Beispiel: Stellt man irgendwo etwas ein, was die Diskussion sogleich befeuert, gilt man schnell als Brandstifter, dem gegenüber nicht mehr argumentiert wird, sondern dem Gesinnung vorgeworfen wird und der dann, meinen manche, denunziert gehört. Die Linke redet doch seit Habermas von Diskursethik. Dazu gehört nun mal der Diskurs.

      Meine Erfahrungen im Bereich der Rechten sind mindestens für mich politisch und philosophisch durchaus von Wert. Ja, ich würde der Linken geradezu raten, sich rechter Publizistik von Niveau kritisch zuzuwenden. Man infiziert sich da schon nicht; man wächst an der Auseinandersetzung und gewinnt Spektrum. Als EOS-Schüler las ich etwa die Auseinandersetzungen zwischen Ludovico Settembrini und Leo Naphta in „Der Zauberberg“ mit besonderem Genuss, freilich nicht erspürend, wie sehr Thomas Mann dies zu ironisieren verstand. Übrigens war mir Naphta sympathischer. Zugegeben. – Mal abgesehen davon, welche Anleihen die Linke dort, wo sie überhaupt je mal an der Macht war, bei der Rechten nahm, insbesondere rechts- und staatphilosophisch, machtpolitisch ja sowieso.

      Man sollt doch im Gegner den Gegner sehen – und nicht den Teufel. Zum Teufel werden oft genug gar die eigenen Leute.

      Ich versuchte hier seit einiger Zeit in vergleichsweise unmaßgeblichen Beiträgen etwas Anregendes zu äußern, gerade weil ich befürchte, dass die Rechte die Initiative hat oder perspektivisch allzu stark gewinnt, mit all jenen Gefahren, die von ihren radikalen Anteilen ausgehen. Die Linke reagiert darauf leider vorzugsweise mit Gesinnung, kaum mit mehr. Das ist ja das Problem.

      Eines zum Schluss, mit Blick auf Ihre Begriffe: Was etwa mit „Toleranz“ gemeint ist und inwiefern die innerhalb der Auseinandersetzung praktikabel ist – und inwiefern nicht -, das müsste man klären. Begriffe werden mir, semantisch unklar, von zu vielen verschiedenen politischen Kräften einfach zu schnell ventiliert, nur weil sie positiv konnotiert sind.

      Was den Streit hier betrifft, so halten wir besser den Ball flach. Genau das zeichnet dieses Forum gegenüber anderen aus. Ich dürfte, würden Sie mich kennen, ihrem Feindbild gar nicht entsprechen.

      In diesem Sinne ein herzlicher Gruß.

  15. Jürgen Scherer sagt:

    Zum Bosselmann-Kommentar zu Wolfgang Brauer: Rechtsextremismus psychoanalytisch gesehen (20. Jahrgang, Nr. 18, 28. August 2017)
    Sehr geehrter Herr Bosselmann!
    Wieder einmal gelingt es Ihnen mit bekannter Eloquenz, Ihre Botschaft unter die Gemeinde zu bringen: „Gerechtigkeit, Antidiskriminierung, Gewaltfreiheit, Toleranz, Transparenz, Gender-Mainstreaming usw. usf. “ gehören auf die Seite des Bösen. Mit einem einzigen Satz befördern Sie bürgerliche Errungenschaften, wohl gemeint bürgerliche, nicht sozialistische noch gar kommunistische, in den Orkus der Geschichte, reden von einem „rhetorischen Dauerschwall“ „und wohl nicht mal zu rechtfertigenden Bekenntnissen“. Welches Gesellschaftsbild schwebt Ihnen eigentlich vor? Inzwischen wird mir angst und bange, wenn ich Sie sie so daher schwadronieren höre und Sie zugleich für Toleranz für diverse Faschisten in unserem Land plädieren. Weder das voltairsche Toleranzgebot noch die auf Luxemburg zurückgehende „Freiheit für Andersdenkende“ lassen sich für Faschisten, seien es solche in Nadelstreifen, seien es solche auf der Straße, mit gutem Gewissen anführen. Deutschland hat erfahren müssen, was es bedeutet, wenn man Faschisten gewähren lässt. Deshalb muss eine wehrhafte Demokratie Grenzen ziehen, z.B. Vertretern der AfD nicht über Gebühr Plattformen anbieten, ihr rassistisches, menschenverachtendes Gedankengut unter die Menschen zu bringen, denn, ähnlich wie in Ihren zahlreichen Beiträgen zum Thema Bildung, übrigens auch wieder in diesem Beitrag von Ihnen, geht es denen darum, nach dem Motto vom steten Tropfen zu handeln. Mag ja sein, dass sich faschistisches Denken und Handeln nicht „ausmerzen“ lässt, es aber als gegeben hinzunehmen und auch noch öffentlichen Resonanzboden dafür zu fordern, wie Sie das tun, ist m.E. nie und nimmer eine Lösung. Blenden Sie eigentlich, um nur ein Beispiel anzuführen, die unzähligen Angriffe auf Asylbewerberheime in unserem Land einfach aus, wenn sie einen solchen „Toleranzbeitrag“ verfassen?
    Mit erstauntem Gruß

    • Wolfgang Brauer sagt:

      Lieber Herr Scherer,
      Heino Bosselmann verlangte mitnichten „Toleranz gegenüber Faschisten“. Er mahnt nur an, etwas genauer hinzusehen, ehe man losdrischt. Ein Beispiel gefällig? In meinem Heimatort rufen derzeit Antifaschisten (alles aufrechte Menschen, die mir nahe sind) zu einer Kundgebung unter dem Motto auf „Für solidarische Kieze! Gegen deutsche Kieze!“ Hintergrund ist eine NPD-Kundgebung unter dem Motto „Für ‚deutsche‘ Kieze“. Gegen die NPD muss man sich stellen, aber es ist nicht so recht zu verstehen, weshalb die Begriffe „solidarisch“ und „deutsch“ einander ausschließen. Mit solchen Dummheiten wird der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben, ganz abgesehen davon, dass „solidarischer Kiez“ eine vollkommen substanzlose Sprechblase ist. Es ist genau dieses dummdeutsche Tugendgeschwafel, gegen das Bosselmann polemisiert. Er spricht zurückhaltend von einem „Korrektiv von rechts“, das damit herausgefordert werde. Das ist nun ein Euphemismus: Mit solchen Methoden werden den ganz Rechten Menschen in die Arme getrieben, die sonst nicht so schnell bei denen landen würden.
      Mit der AfD machen Sie es sich zu leicht. Noch ist es keine faschistische Partei, auch wenn sich in ihr offensichtlich Faschisten tummeln. Was heißt denn, denen „keine Plattform bieten“? Wen meinen Sie damit? ARD und ZDF? Die „Qualitätsmedien“? Die regionale Presse (da kenne ich durchaus Medienkonzerne, die genau das machen)? Aber gegen diese Leute scheint Ihr Einwand nicht zu gehen. In einem Bezirk, der republikweit als ausgemachte LINKEN-Hochburg gilt, wurde die AfD bei den letzten Landtagswahlen gemessen an den Zweitstimmen aus dem Stand stärkste Partei. Die bestimmen inzwischen Kommunalpolitik in Berlin mit. Da hilft das Beschwören der „wehrhaften Demokratie“ keinen Millimeter weiter. Übrigens erschienen die Mandatsträger der Partei bei allen antifaschistischen Gedenkfeiern dieses Bezirkes komplett, dazu im Sonntagsstaat und mit durchaus opulenten Gebinden. Die Vertreter der „demokratischen Parteien“ (Ausnahme DIE LINKE) hielten sich da eher zurück. Wahrscheinlich hatten sie wichtige Termine…
      Nein, den immer furchterregenderen Zuständen in diesem Lande kommt man mit den einfachen und leicht handhabbaren Argumentationsmustern des vergangenen Jahrhunderts nicht mehr bei. Das meinte wohl Bosselmann, das meine ich auch.
      Mit bestem Gruß
      Ihr Wolfgang Brauer

    • Heino Bosselmann sagt:

      Zunächst aus einer kurzen Pause:

      Sehr geehrte Herr Scherer, zunächst: Sie müssen sich um mich und meine politische Hygiene keine Sorgen machen. Ich rede weder der AfD noch Faschisten das Wort. Zwar meine ich, dass der AfD hinsichtlich bestimmter Positionen durchaus ein Platz im politischen Spektrum zukommt, halte sie aber ganz persönlich nicht für wählbar, weil sie aus meiner Sicht keine Persönlichkeiten aufzubieten in der Lage ist, denen ich vertrauen könnte. Was sich innerparteilich dort abspielt, erscheint mir unwürdig bis unappetitlich, ist aber vergleichbar mit ähnlichen Phänomenen in allen Parteien und wurde bereits von Max Weber hinlänglich beschrieben, insbesondere in „Politik als Beruf“. Die Gefahr für unsere Demokratie sehe ich, meine aber, diese Demokratie ist durch ihre eigenen Lebenslügen bzw. schwindende Vitalität weit mehr gefährdet als von rechts. Sie kennen sich ja im Bildungsbereich aus: Unterhalten sie sich aufmerksam mit Heranwachsenden und finden Sie heraus, womit diese jungen Menschen identifiziert sind. Nach meinem Eindruck sind sie bedenklich apolitisch und leben mit einem recht verengten Weltbild, wofür es freilich Ursachen gibt. Dennoch erscheint mir diese „innerdemokratische“ Entwicklung nach Böckenförde fatal. Die Rechte aber, die ist sehr politisiert. Wo denn liegen deren Bindekräfte und Identifizierungsangebote? Sehen sie darin nur Manipulation und Fremdbestimmung?

      Differenzieren wir zwischen Konservativen einerseits und Radikalen andererseits. Was Faschisten oder Nazis betrifft, teile ich Ihre Sorgen absolut, meine gleichwohl aber, dass die Reaktionen der Mitte oder der Linken auf konservative und rechte Positionen oft genug nicht politisch klar und wirksam, sondern neurotisch und einritualisiert erfolgen. Aus einer Haltung der Gläubigkeit heraus, während ich mir eher qualifizierte Urteile wünschte, zu denen Mut gehört. Argumente statt Bekenntnisse! Und tatsächlich sehe ich im gesellschaftlichen Beschwören mancher Gerechtigkeitsphantasie eine gewisse Gefahr, insofern eingefordert wird, was m. E. weder realisiert werden kann noch auch nur realisiert werden sollte. Ungleichheit halte ich für realistischer als eine Gemeinschaft der Gleichen. Ich erörterte im BLÄTTCHEN bereits umfassend den freilich streitbaren Gedanken, dass ich im überbaulichen Bestreben, eine umfassende Gerechtigkeit, Transparenz, Nichtdiskriminierung und Toleranz garantieren zu wollen, eine wiederum neurotische Reaktion darauf sehe, dass wesentliche Basismechanismen der mehr und mehr versachlichten Gesellschaft immer deutlicher von Egoismus und Profitstreben gekennzeichnet sind. Die Frage könnte u. a. sein, ob Gesellschaften oder Kulturformen in ähnlicher Weise neurotisieren können wie Individuen. Oder Zuflucht zu religiösen Heilserwartungen nehmen – eine Tendenz, die mir noch unheimlicher ist, insofern ich bspw. monotheistische Religionen für per se intolerant halte, schon gemäß ihres jeweils ersten Gebots.

      Dass die Öffentlichkeit auf konservatives oder rechtes Denken allzu verschreckt und mit Theaterdonner reagiert, darin sehe ich tatsächlich ein Problem. Fürchtet man denn, die Rechten gewännen die Auseinandersetzungen, setzte man sich mit ihnen offenen Visiers und intellektuell anspruchsvoll auseinander? Im Sinne einer aufgeklärten Bürgerlichkeit – etwa so, wie sie von Odo Marquard beschrieben und angeregt wurde – gibt es doch mindestens publizistisch starke Stimmen, die mehr zu vertreten wissen als Betroffenheit. Man sollte die Rechte nicht als finstere Macht, nicht als so etwas wie die Todesser in Gefolgschaft Lord Voldemorts zu beschreiben versuchen, sondern sich ihnen offensiv stellen. Die fragwürdige, ja bisweilen unangenehme Didaktik des erhobenen Zeigefingers, mit der es etwa die mecklenburgische Landtagspräsidentin Frau Brettschneider, darin ganz Lehrerin!, versucht, kann auf keinen Erfolg hoffen, finde ich bedauernd. Geistreicher sein! Plakatabreißer und Mahnwächter bewegen nichts Entscheidendes.

  16. Wolfram Adolphi sagt:

    Zu Bosselmann und Brauer (angeregt zustimmend – und vielleicht weiterführend anregend?):

    Bertolt Brecht hatte eine Menge Gründe und Erfahrungen, als er 1935 – im vom Faschismus erzwungenen Exil – die Frage stellte, „wie […] jemand die Wahrheit über den Faschismus sagen [will], gegen den er ist, wenn er nichts gegen den Kapitalismus sagen will, der ihn hervorbringt“ (Fünf Schwierigkeiten beim Schreiben der Wahrheit, hier zitiert nach: Große kommentierte Berliner und Frankfurter Ausgabe, Band 22.I, 1993, Seite 78). Max Horkheimer fasste seine diesbezüglichen Überlegungen im September 1939 – auch er im vom Faschismus erzwungenen Exil – in seinem Aufsatz „Die Juden und Europa“ in den berühmt gewordenen Satz: „Wer aber vom Kapitalismus nicht reden will, sollte auch vom Faschismus schweigen“ (hier zitiert nach: Gesammelte Schriften, Bd. 4, Frankfurt/M 1988, Seite 308f). Und Horkheimer weiter: „Der Faschismus ist die Wahrheit der modernen Gesellschaft, die von der Theorie von Anfang an getroffen war. Er fixiert die extremen Unterschiede, die das Wertgesetz am Ende produzierte“ (ebd., Seite 309).

  17. Heino Bosselmann sagt:

    Zu: Wolfgang Brauer, Rechtsextremismus psychoanalytisch gesehen (20. Jahrgang, Nr. 18, 28. August 2017)

    Ein sehr gehaltvoller und interessanter Beitrag. Zwei Gedanken dazu:

    1.) Ein Verhängnis in Einschätzung und Bewertung der Rechten und radikalen Rechten scheint mir darin zu liegen, „den Nazi“, „den Rechten“, die PEGIDA, die AfD nicht allein als Gegner zu identifizieren, was legitim und angezeigt wäre, sondern sie allesamt sogleich zu pathologisieren, also als etwas darzustellen, was es gemäß der Aufklärung vernünftigerweise ja gar nicht geben dürfte, weil es – wiederum vernünftigerweise – ja gar nicht zu denken wäre.

    Die politischen Bildungsbehörden der Republik sind darüber dann ja auch erschüttert, insofern sie meinen, dass ihre vielfältigen Kampagnen für „Toleranz“, für „Courage“, „gegen Rechts“, für eine „bunte Republik“ doch so gut gemeint wie wirksam sind. Gibt es „den Nazi“ dann aber immer noch, so ist ja gar nicht auszudenken weshalb. Folglich wird konstruiert, nur der eigentlich Kranke, der vollends Verlorene, der Perverse, der – gnostisch gesehen – ganz andere müsse es sein, der sich so gutmenschlicher Läuterung verschlösse. Ganz logischerweise sieht man dann nur noch in einer Quarantäne („Den Rechten kein Podium bieten!“) oder in einer Art Heilung eine Chance.

    Wäre es nicht der Sache angemessener, weniger verschreckt und weniger theatralisch aufgeregt davon auszugehen, dass „der Faschist“ nun mal zum Spektrum des Menschlichen gehört? Man muss das weder gut finden noch kühl mit einem Schulterzucken nehmen, man kann es bekämpfen; man kann sich aber nur auseinandersetzen, wenn man diesen anderen eben gerade nicht pathologisiert, sondern einfach von seiner Gegenwart ausgeht. Was an Radikalität, Anmaßung, Gewalt und Destruktivität zum Menschlichen gehört, erlebt man nicht erst in der Politik, nein, dazu reichen ein paar Kilometer Autobahnfahrt oder das Erlebnis von Nachbarn und vermeintlichen Geschäftsfreunden oder Kollegen völlig aus. Der Audi-Fahrer, der mir mit seinem Kühlergrill bissig auf der Stoßstange sitzt, um mich aus seiner linken Spur, die nur für die ganz großen Jungs gedacht ist, herauszuselektieren, mich wegzubeißen, bedroht mich nötigend mit nichts weniger als dem Verlust meines Lebens. Er handelt quasifaschistisch. Treten die politischen Hintergrundbedingungen dafür ein, werden solche Menschen bzw. konstanten Charaktermuster praktisch tätig und für Ziele nutzbar.

    2.) Liegt nicht in dem rhetorischen Dauerschwall von nicht zu realisierenden und wohl nicht mal zu rechtfertigenden Bekenntnissen zu Gerechtigkeit, Antidiskriminierung, Gewaltfreiheit, Toleranz, Transparenz, Gender-Mainstreaming usw. usf. die Tendenz zu einem höchst penetranten neu- und jungbürgerlichen Tugendterror, der ein Korrektiv von rechts geradezu herausfordert? Nicht etwa in Gestalt des bösen Nazis, sondern folgerichtig in einer intellektuellen Wiederbelebung rechten Denkens, dem, mindestens vom politischen Konservatismus her, sein berechtigter Platz zukommt und ohne das gegenwärtig keinerlei politscher Meinungsstreit möglich wäre. Nur im Beispiel: Die Schwächen der Bildungspolitik und ihre für modern gehaltenen illusionären „Grundvereinbarungen“ sind bspw. von links gar nicht mehr kritisierbar, weil sie durchweg sozialistisch sind; sie können nur noch von konservativer Seite in Frage gestellt werden. Soll überhaupt noch etwas in Frage gestellt werden? Oder wird nicht vielmehr sofort unterstellt, dass konservative, rechte und rechtsintellektuelle Positionen mit einem grausigen genetischen Fehler behaftet sind, der sie zwangsläufig und quasievolutionär zu nazistischen oder faschistischen Ausformungen hinüberwachsen lasse? Weshalb man sie besser gleich ausmerzen müsse, anstatt sich mal couragiert auf eine Auseinandersetzung einzulassen, wenn schon andauernd von Courage die Rede ist.

    Psychoanalytisch wäre also ebenfalls die Diagnose des so wohlmeinenden Deutschland interessant. Kann man politisch so gesund sein, wie es die Mitte ist?

    • G. Köhler sagt:

      Lieber Herr Bosselmann,
      um Ihre immer bedenkenswerten Einlassungen nachvollziehbarer zu machen, wäre eine Definition dessen hilfreich, was Sie unter „Rechts“ verstehen. Ich weiß, dass diese Art politische Kategorisierung eh nur eine Krücke sein kann und soll – umso mehr scheint mir wichtig, etwas näher zu erklären, was man darunter versteht; ansonsten gehen Argumentationen schnell ins Leere. Oder – schlechter noch – sie werden mißdeutet und gar noch mißbräuchlich als Berufungsvorlage benutzt.
      Was also ist „rechts“?
      Eine demokratische Denk- und Politikrichtung, wonach es bei Ihnen klingt? Wenn ja: Welche Kräfte zählen Sie dazu?
      Eine Variante politischen Extremismus´? Wenn ja: Welcher Art Extrem?
      Wertekonservatismus? Wenn ja: Welcher Werte?
      Oder etwas ganz anderes?

      Gerhard Köhler

  18. Kontextleser sagt:

    Achim Höger äußert Unmut zum Laternenkampf vermittels Plakaten (Bemerkungen in 18/2017) zum Bundestag: Warum überhaupt, wer macht oder braucht das? Das sind gewiss legitime Anfragen. Schwierig wird es beim Einklagen von Täter-Antworten, zumal wenn die Botschaft mehrdeutig ist.
    Da gibt es ein Plakat, auch an Laternen, unverkennbar ein Porträt von Gregor Gysi. Da können manche schon Mehrdeutigkeit vermuten und es damit bewenden lassen. Aber es gibt zusätzlich Text: Oben links.“Trotzdem“, unten rechts als Absender „Die Linke“. Heißt das: Gysi hält zwar nicht so viel von diesen Linken, möchte aber trotzdem als deren Kandidat gewählt werden? Oder signalisiert „Die Linke“ ihrerseits: Wählt uns, trotz Gysi? Oder wird überparteilich an das Prinzip „Trotz“ appelliert, verkörpert in einem dafür als geeignet vermuteten Kandidaten, den man vermittels der Partei „Die Linke“ in den Bundestag kriegen kann?

  19. Vera Körner sagt:

    Jener arrogante Kritiker, der in Ihren „Antworten“ Erich Kästner der Phantasiearmut zeiht, sollte sich selbst an die (hoffentlich noch ungepiercte) Nase fassen. Wohin die Reise bei der Selbstverstümmelung eigener Körper geht, belegt die folgende, brandneue Nachricht:
    http://www.der-postillon.com/2010/09/neuer-trend-organtatowierungen-immer.html#more

    • F.-B. Habel sagt:

      Liebe Frau Körner, ich habe mich gerade an dem ironischen Ton des Antworters erfreut, der uns vor Augen hält, welche Selbstverstümmelung vor Jahrzehnten noch unvorstellbar war. Glücklicherweise treffe ich noch Menschen, deren unverschandelte Haut ich streicheln kann und an deren Lippen ich mich nicht verletze. Das hoffe ich auch für Sie!

  20. Literat sagt:

    Schlag nach, bei Goethe, bei dem steht sowas drin:
    „Mein Freund, die Kunst ist alt und neu.
    Es war die Art zu allen Zeiten,
    durch Drei und Eins, und Eins und Drei
    Irrtum statt Wahrheit zu verbreiten.
    So schwätzt und lehrt man ungestört.
    Wer will sich mit den Narr’n befassen?
    Gewöhnlich glaubt der Mensch, wenn er nur Worte hört,
    es müsse sich dabei doch auch was denken lassen.“

    • Horst Keppler sagt:

      Ach, Literat, so haben Sie Ihr Goethe-Zitat ja vielleicht nicht gemeint, aber das halte nun wieder ich für eine Crux: ehrliches Bemühen um ein Nach- und Durchdenken von Gegebenheiten und deren mögliche Folgen durch Worte (womit denn sonst?) für einen geschwätzigen Schmarrn zu erklären; armer, missbrauchter Goethe. Es ist die schlichteste Form dessen, was sich dann vermutlich als souverän-offensive „Auseinandersetzung“ versteht.
      Als hätten wir nicht Zeiten hinter uns, die uns nicht zuletzt gelehrt haben sollten, dass und wie ideologischer Hochmut vor dem Fall kommt.

  21. Stephan Wohanka sagt:

    Lieber Herr Bosselmann,

    Sie wissen, ich schätze Ihre Texte; auch den vorliegenden: In sich stimmig, rund, überzeugend. Man kann ihm nicht widersprechen, er versagt sich einer Polemik. Und trotzdem – vielleicht gerade deshalb – kommt nach seiner Lektüre ein Gefühl des Unbehagens, der Verdrießlichkeit auf. Woran liegt das?
    Ich denke, der Text ist in gewisser Weise undialektisch, denn war moderne Politik jemals viel anders als sie jetzt ist? Sicherlich, Sie deuten es an, „drängende“ Probleme stehen an: Wie kann es gelingen, Konsum und Nachhaltigkeit wirklich in Einklang zu bringen? Wie kann der Welthandel fair gestaltet werden? Jedoch werden diese Themen von lächerlichen politischen Detailfragen verdrängt, zum Beispiel von der Mütterrente….
    Der gegenwärtige politische Prozess ist durch einen demokratischen Opportunismus („muddling through“) gekennzeichnet, der jedoch das unvollkommene, kompromissbeladene, mal zügigere, mal langwierig daherkommende, dabei jedoch das sozial und politisch nachhaltige Funktionieren der Gesellschaft gewährleistet. Nach Hans Jonas besteht „die Voraussicht des Staatsmannes also in der Weisheit und dem Maße, die er der Gegenwart widmet: Diese Gegenwart ist nicht um einer andersartigen Zukunft willen da, sondern bewährt sich günstigenfalls in einer gleichartigen Zukunft …“.
    Unsere Gesellschaft basiert auf sozialer Selbstorganisation; sie unterliegt einer ständigen Selbstveränderung: Millionen Menschen handeln permanent, sind immerzu tätig, agieren eigenen Zielen und Vorstellungen folgend, wodurch sich die Resultate dieser (individuellen) Handlungen mal überlagern und verstärken, dann wieder konterkarieren und sich aufheben…. Es erinnert an Adam Smith´ „unsichtbare Hand“; um es aus Sicht der Volkswirtschaft zu formulieren: Keiner der Marktteilnehmer strebt direkt danach, das Volkseinkommen zu steigern, jeder will nur seinen (Güter)Bedarf decken. Und doch führt der Marktmechanismus ergo die ´unsichtbare Hand´ unter den obwaltenden Bedingungen zum jeweiligen volkswirtschaftlichen Optimum; in der Regel weit entfernt von einem (theoretischen) Maximum, welches auch gar nicht feststellbar ist. Das kann mutatis mutandis auf alle Bereiche des sozialen Lebens übertragen werden. In der Folge lösen unvorhersehbar kreative Problemlösungen und stupende Misserfolge in Politik, Kultur, Wissenschaft usw. einander ab.
    Obiges Selbstregulieren bewirkt , dass Normabweichungen innerhalb des Systems selbst zur Korrektur der Zustände, die die Normabweichung hervorrufen und damit das System gefährden oder auch nur bremsen, führen. Das System „Politik“ ermöglicht sich also permanent durch sich selbst. Deshalb ist ein (politisches) System in dem Maße „krank“, in dem es nicht aus sich selbst heraus Veränderung zu seiner Veränderung respektive Stabilisierung hervorzubringen vermag! Naturgemäß führt das in der lebensweltlichen Praxis der Gesellschaft(en) zu Instabilitäten, Brüchen, Unvollkommenheiten; offenbar kann der Kapitalismus politisch-praktisch mit derartigen Schwierigkeiten „umgehen“; der Sozialismus konnte es aufgrund seiner unflexibel-doktrinären, politisch-ideologischen Strukturen letztlich nicht. Die dahintersteckende Logik aufnehmend kann man sogar folgern, dass der Kapitalismus gar nicht scheitern kann, da er im Unterschied zum Sozialismus als soziales System kein Ziel hat; er „will nichts bewirken“, er ist in Maßen „postideologisch“. Er „übernimmt“ sozusagen die politischen Inhalte des politischen Apparates, dem er „dient“, nicht ohne natürliche auf diesen und dessen Inhalte zurückzuwirken; er ist von hoher (politischer) Kompatibilität und Flexibilität!
    Aber – bleiben wir dialektisch – gibt es auch wieder Hoffnung: Die beschriebene Praxis ist unbefriedigend, aber wo ein ungelöster Rest bleibt, wird die Dynamik irgendwann neu anspringen… Zugegeben – das alles greift weit über das von Ihnen Intendierte hinaus. Sie wollten sagen, warum Sie Merkel wählen – und das leuchtet ein.
    Grüße
    Stephan Wohanka

    • Werner Richter sagt:

      Es ist wohl ein Fehlschuß, aus Herrn Bosselmanns gespielter Ratlosigkeit, er könne ja, aus welchen Gründen auch immer, eigentlich Mutti wählen, denn bei ihr wäre es am sichersten, noch einigermaßen glimpflich davon zu kommen, den Bourgeois zu filtern. Andere Kandidaten wären ihm da schon um einiges fragwürdiger. Da ist keine Aussage zu finden, daß Mutti als unsterbliche Kanzlerin die Lösung des Problems wäre, höchstens, die beste Trennwand zum Verbergen der langfristigen Problemzuspitzung bis zur eventuellen Katastrophe. Oder, so tickt der Michel. Also, nix mit Bourgeois Bosselmann, der tut nur so.
      Da hilft vielleicht ein gutes Essen weiter, zunächst der Hauptgang. Aus solcher Provokation entsprießt die Frage: „Wie kann es gelingen, Konsum und Nachhaltigkeit wirklich in Einklang zu bringen? Wie kann der Welthandel fair gestaltet werden?“. Peter gibt uns Antwort: Nein, geht überhaupt nicht, weil… Ist schon seltsam, viele wissen das, aber dem zum Trotz immer wieder diese obskure Fragestellung, über die hier zu palavern nicht Platz und Zeit ist.
      Gut zum Menü paßt dann die These vom „überlegenen Kapitalismus“, in Praxis bewiesen und immer wieder gehört und dem unvermögenden (Real)-Sozialismus aus Beton. Die Frage Peters, war das Sozialismus, nur weil er sich oder die politische Bewegung dies so bezeichnet analog der Deklaration sozialistischer Produktionsverhältnisse wegen der Festlegung „Volkseigentum“, und dies auch von als funktionsnotwendig im Interesse des Kapitals angedachten sozialen politischen Maßnahmen immer wieder durch die Landschaft geistert, gehört auch genau hierher. Windelweiche sozialdemokratische Reformpolitik von Sanders und Corbyn gilt bei Propagandabedarf sogar als kommunistisch.
      Als Dessert wäre die Übernahme von Adam Smith‘s „unsichtbarer Hand“ zu empfehlen, genau in dem Sinne, den Marx hatte, nicht. Macht sich aber immer gut, es flambiert und erzeugt eine etwas überdeckende Kruste. Darunter liegt „ Unsere Gesellschaft basiert auf sozialer Selbstorganisation …“ sowie das indirekte Streben und Wirken des Kapitals nach allgemeinem Wohlergehen usw. Ja, wenn es gelänge, den Kapitalisten unter moralischen Druck zu setzen, welch schöner Traum. Aber Vorsicht, nicht überzuckern!
      Appetit? Oh, den Aperitif vergessen. Vielleicht einen Pernot Macron?

    • Heino Bosselmann sagt:

      Im weiteren Sinne passt zu dem Thema ein gerade in der FAZ vom 21.08.17 unter dem Titel „Anerkennung durch Differenz“ erschienener Aufsatz des Soziologen Heinz Bude. Ich zitiere ein wenig:

      „Der Lebensstandard in den OECD-Ländern ist immer weiter gestiegen, nicht nur, was das persönliche Einkommen, sondern auch, was die öffentliche Infrastruktur unserer Gesellschaft betrifft. Wer kann sich eigentlich heute noch vorstellen, in einer Wohnung ohne Zentralheizung, ohne Bad, unter Internetanschluss und ohne dichte Fenster zu leben? Dazu kommen öffentliche Badeanstalten, ein System von Stadttheatern und eine kontinuierliche Verbesserung der Luft- und Wasserqualität. Daran gemessen ist die Kluft zwischen den OECD-Ländern und dem Rest der Welt immer tiefer geworden.
      Doch diese Geschichte, die mit dem Doppelschlag der politischen Revolution in Frankreich und der industriellen Revolution in England begonnen hat, ist vorbei. Im Vergleich der entwickelten und der der noch nicht so entwickelten Gesellschaften ist seit zwanzig Jahren eine Umkehr der Wachstumsgeschwindigkeit zu beobachten. (…) Die Menschen in den entwickelten Ländern ahnen, dass sie auf dem absteigenden, und die in den sich entwickelnden Ländern, dass sie auf dem aufsteigenden Ast sind. (…)
      Migration ist ein Wohlstandsproblem. (…) Mobil sind gerade nicht die Ärmsten der Armen, sondern diejenigen, die sich für ihr Leben noch etwas ausrechnen. (…) Das migrationspolitische Arrangement, gesellschaftliche Zivilität durch die wechselseitige Akzeptanz verschiedener Gruppen nach den Regeln indirekter Herrschaft herzustellen, ist ausgerechnet durch die Freizügigkeitsregelungen der Europäischen Union in Frage gestellt worden. (…)
      Die Zweifel beziehen sich in erster Linie auf das Qualifikations- und Kompetenzniveau der zumeist jungen Menschen, die mit Trikots von Bayern München, mit Sneakern von Adidas und mit großen Erwartungen auf ein besseres Leben um politisches Asyl bitten. Werden die Arbeitsmärkte wieder alles richten oder wird man sich in mittlerer Sicht auf die Versorgung eines migrantischen Wohlfahrtsklientels ohne berufliche Erstausbildung und ohne normale Beschäftigungsverhältnisse einstellen müssen? (…)
      Sind die relativ privilegiert lebenden Menschen in den europäischen Gesellschaften zu der notwendigerweise widersprüchlichen Haltung bereit, diese neue Form proletarischer Ungleichheit einerseits hinzunehmen und andererseits dafür Sorge zu tragen, dass man von ‚einfacher Dienstleistung‘ leben kann und dass die Kinder aus dieser nach Herkünften sehr gemischten Unterklasse die Chance auf ein besseres Leben haben? (…)
      Das Europa der Migration muss sich bei all diesen Fragen zu einem postsäkularen Zeitalter bekennen, in dem die Darstellung von Religion und Religionszugehörigkeit einen ganz anderen Stellenwert für das Selbstwertgefühl der Einwanderer und der Eingewanderten gewonnen hat. Die stille Mitgliedschaft, wie sie in den bundesrepublikanischen Zeiten der ‚Gastarbeiter‘ der sechziger, siebziger und achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts noch gang und gäbe war, ist einer Performanz der prononcierten Differenzmarkierung gewichen. Die Deutsche mit Zuwanderungsgeschichte gibt offen und selbstbewusst zur Kenntnis, woher sie kommt und woran sie glaubt. Anerkennung durch Differenz lautet die Formel der postmigrantischen Gesellschaft.“

      Und an diese wohlformulierte Harmonie glaube ich nicht. Der religiös gefärbte kulturelle Grundkonflikt mag es sein, der irgendwann das Ende der friedlichen Wohlstandsära Merkel beenden könnte. Wir erleben gegenwärtig die ersten Turbulenzen. Wie wird darauf reagiert? Mit dem Pauschalbekenntnis zur Toleranz und zur „bunten Republik“, also zur schönen Illusion, Lessings Ringparabel fände in der Bundesrepublik nun endlich ihre praktische Erfüllung. – Ich befürchte, das Gegenteil wird der Fall sein, nämlich das, was Religionen der Geschichte stets eintrugen: Zwist und Bürgerkrieg, in welcher aktuellen Form auch immer. Schlechte Aussichten.

  22. Peter sagt:

    Hallo Herr Bosselmann
    Wohl wahr, guter Vergleich. Damit hat es sich dann auch, bei den Griechen zählten die Sklaven nicht als Menschen und aus der Bürger Selbstverständnis durften sie wie die Frauen nicht wählen. Nicht einmal jeder Athener durfte wählen. Heute wie damals ist das, was Wahl genannt wurde, eine Farce. In dem Bereich agiert Frau Merkel in der Tat „schlang“.
    „Alle Wissenschaft wäre überflüssig, wenn die Erscheinungsform und das Wesen der Dinge
    unmittelbar zusammenfielen … MEW 25, 825.
    Was da ohne jegliche Definition „problematische Gerechtigkeitsvorstellungen“ sein sollen, wurde nicht heruntergeleiert. Die bourgeoise Gedankenwelt des Herrn Bosselmann lässt es scheints nicht zu, dass er sich in die Niederungen derer begibt, die nichts von seinen Beschreibungen finden konnten. http://www.klartext-info.de/broschueren/Was_ist_ExistenzminimumA4_c.pdf
    Wie im Gegensatz zu Adorno „http://www.fr.de/kultur/judith-butlers-dankesrede-kann-man-ein-gutes-leben-im-schlechten-fuehren-a-805966“ kann ein Gutes leben im Schlechten geführt werden. Dank Frau Merkel. Wie da der Sozialismus hineinpasst, bleibt schleierhaft. Was hier der Sozialismus sein soll, wird nicht angeboten, so bleibt es, der narzisstischen Gesellschaft jedem einzelnen überlassen, was es ist. So gibt es keine Sonderprofite über Steuern. Wenn Steuern nicht gezahlt werden so ist es schlicht Betrug, sagt Herr Hoeneß.
    Was der Unsinn soll mit „der vierten Phase der industriellen Revolution“ wird leider auch nur behauptet. Da passiert nichts anderes als bisher auch. Die Arbeitsteilung nimmt zu, es passt dann allerdings besser ein Fetisch, um so zu tun, als sei es ein Naturgesetz. Dass da keine Verwerfungen von seiten der Lohnabhängigen auftreten, wird ein Verdienst von Frau Merkel sein. Leider wird nichts vom Programm der Parteien gesagt, sondern nur von denen, die dem Sozialismus der Herrn Bosselmann frönen. http://www.linkes-oldenburg.de/wp-content/uploads/2017/05/Maschinerie.pdf

    Ein „urteilskräftiger Demokrat“ weiss, das „Land- und Volkswirtschaft funktionieren“, in wessen Sinn. Niedersachsen ist von Nitrat durchsetzt und die Luft mit Abgasen verpestet, dann kann es doch nur fürs Kapital gut „funktionieren“, da hält die Regierung auch ihre schützende Hand drüber.
    Der Linke Leser weiss das, es ist systemimmanent. Gut macht sich da die Relativierung „ Periode deutscher Geschichte“, was aber ist denn das Tolle? Da muss dann mit „Wir“ okkupiert werden, um innere Auszehrung auszumachen. Was soll Frau Merkel da denn noch?
    Ach ja die „überproduzierende industrielle Landwirtschaft“ ist elendig, gibt es Überproduktion überhaupt? Es wäre doch dumm, bewusst zu produzieren, was nicht verkauft werden kann. Ist nicht der ganze Export Überproduktion?
    „gefährliche Gleichheit“ – ja wie das, wenn alle zum Leben genug haben? Will das nicht Frau Merkel? Oder ist das zu spießig?
    Wenn es denn sein soll, so ist es egal, wer das Kreuz mit den Kreuzen auf sich nimmt, es ist völlig egal.
    Beste Grüße

  23. Die Redaktion sagt:

    Zu Paul Preston „Während das Volk starb…“ in der aktuellen Ausgabe erreichte uns folgende Zuschrift:

    „… bei aller Großartigkeit ein Fehler. Preston schreibt, dass es zur Zeit des Schriftstellerkongresses noch keine Übersetzung von Gides ‚Retouches à mon Retour de l´U.R.S.S.‘ gab. Das aber kann nicht stimmen. Das Büchlein (142 Seiten) erschien am 1.1. 1937 in Paris, knapp zwei Monate später erschien die von Ferdinand Hardekopf besorgte Übersetzung im Jean-Christophe-Verlag in Zürich. Gustav Regler z.B. schrieb in seinen Erinnerungen, dass er und seine Freunde die Reaktion Gides auf seine Kritiker gelesen und diskutiert hatten. Und was weitere fehlende Übersetzungen anging: Der größte Teil der Schriftsteller, so auch Kolzow, sprachen Französisch.“