29. Jahrgang | Nummer 9 | 18. Mai 2026

Bemerkungen

Nützliches und Unnützes Wissen zum Thema Camping

Die Autorin Bettina Tietjen, bekannt durch zahlreiche Talk-Shows und die Serie „Tietjen campt“ hat ihre Erlebnisse und Erfahrungen nun auch in einem für andere Camper nützlichen Hörbuch publiziert. Sie reist zusammen mit ihrem Mann, genannt der Ingenieur, in einem „uralten“ Camper durch Europa bzw. mit gemieteten Fahrzeugen durch die ganze Welt. Dabei beschreibt sie für Camper (und solche die es werden wollen) Gegenden, Vor- und Nachteile diverser Campingplätze, günstige und ungünstige Urlaubszeiten und die Kulinarik vor Ort. Im Anhang gibt es folgerichtig Bewertungen der Plätze und Rezepte zum Nachkochen.

Auf jedem Platz beschreibt sie außerdem ausgiebig die jeweiligen Campingnachbarn und deren Gebaren, sowie Begegnungen mit Tieren bzw. deren Vermeidung. Sie nimmt uns mit zu diversen von ihr ausprobierten Aktivitäten, für die sie teilweise weiterführende Vorschläge entwickelt – zum Beispiel „Sitzpaddeln für Senioren“.

Neben Reisen mit ihrem Mann lädt sie auch immer wieder campingerfahrene und -unerfahrene Promis zu Campingreisen an – Jürgen von der Lippe, Guildo Horn, Christine Ursprung, Axel Schulz und viele andere – teils einzeln, teils in der Gruppe. Amüsant zu hören ist hier bereits die Beschreibung des Gepäcks dieser bei Anreise und die damit verbundenen Erwartungen. Während der gemeinsamen Fahrten in den Campern erfährt sie vieles, das die Betreffenden in einer Talk-Show wohl nicht so freiwillig erzählt hätten. Mit den Promis gibt es weiterhin stets einen abenteuerlichen Event, an dem sie sich manchmal jedoch selbst nicht beteiligt – so am Rafting. Einige ihrer Gäste sind begeistert, andere beschließen, dass dies ihre erste und einzige Campingerfahrung bleiben soll …

Noch verrückter sind Einzelaktionen mit ihren Kindern – so entscheidet sie sich, mit ihrem Sohn im Dezember (dies war der einzige gemeinsame Termin) unter freiem Himmel zu nächtigen.

Das Buch „Unnützes Wissen Camping“ enthält sicher auch für Tiedjen weitere Möglichkeiten: Dachzelt, Jurte, Schlaf-Fass, Schlafkapsel, Bivy Ledge (Schlafen am Abgrund), Hobbit-Haus, Schneehöhle, Papierhaus, Höhlencamping u.a.m. Neben historischen Fakten zählt das Buch technische Merkwürdigkeiten (Schlafen mit USB, Rucksack mit Sonne, Kocher mit USB), berühmte Camper (Churchill, DiCaprio, Bob Dylan, Meryl Streep) und kuriose Fakten auf. Das Camping-Klo ist natürlich hier wie bei Tietjen (die in diesem Buch zu den berühmten Campern gezählt wird) ein Dauerbrenner. Es geht um Campingsprache, globale Trends und Statistiken, Witze und Mode – ebenso wie Kochrezepte und Empfehlungen, Mythen und Legenden. Immer mit dabei hier die „Klo-Kolumne“, Campingsprache und Witze und natürlich der Camping-Codex.

Für alle, die ein Geschenk für Campingfreunde suchen, und nicht genau wissen, was diese schon besitzen, sind beide Veröffentlichungen ideal.

Bettina Tietjen: Tietjen sucht das Weite. Im Camper unterwegs. Osterwold Audio 2026, etwa 8 Stunden, ca. 18,00 Euro.

Unnützes Wissen Camping. 999 Kuriositäten, Innovationen und Geheimnisse der Outdoor & Camping-Welt, CampoAncho-Verlag 2025, 172 Seiten, 14,95 Euro.

Viola Schubert-Lehnhardt

Film ab

Es ist zwar erst der dritte Kinofilm Markus Schleinzers als Regisseur, aber an teils außerordentlichen Streifen fast am laufenden Band mitbeteiligt war er bereits in der Vergangenheit auf höchst beeindruckende Weise. Allerdings in einer Funktion, die in einschlägigen Besprechungen meist keiner gesonderten Erwähnung für wert befunden wird – als Verantwortlicher für das Casting: „Basta – Rotwein oder Totsein, Regie: Pepe Danquart, 2004; „Silentium“, Regie: Wolfgang Murnberger, 2004; „Die Fälscher“, Regie: Stefan Ruzowitzky, 2007; „Der Knochenmann“, Regie: Wolfgang Murnberger, 2009; „Das weiße Band – Eine deutsche Kindergeschichte“, Regie: Michael Haneke, 2009; um nur einige zu nennen.

Nun also „Rose“. Für ihre Darstellung derselben wurde die schwer zu übertreffende Sandra Hüller bei der diesjährigen Berlinale völlig zu Recht mit dem Silbernen Bären für die beste Hauptrolle geehrt.

Der Film liefert ein sehr anschauliches, ein unter die Haut gehendes Beispiel dafür, welch mörderische Verhaltensweisen der Krone der Schöpfung individuell wie kollektiv und vor allem wie unbeirrbar eigen sind, wenn irgendwer in der von Gott oder sonst wem gefügten Ordnung von der allgemeinen Norm abweicht; eventuelle Verdienste des Abweichlers hin oder her. Ob nun, wie im Film, im 17. Jahrhundert oder zu irgendeiner anderen Zeit.

Schleinzer unterlegt seinen Fall, was die Eindringlichkeit des Films ungemein steigert, mit einer durchgängig lakonischen Erzählung aus dem Off, wofür er in der wunderbaren Stimme von Marisa Growaldt ein kongeniales Medium gefunden hat.

„Rose“, Regie und Drehbuch (Mit-Autor): Markus Schleinzer; derzeit in den Kinos.

Clemens Fischer

Sad Superstars

Private Paare in musikalischen Formationen gibt es öfter. Wenn solche privaten Beziehungen scheitern, dann ist das häufig das Ende beziehungsweise der Anfang vom Ende auch des gemeinsamen Musizierens. Weltweit bekannte Prototypen hierfür sind Abba oder Fleetwood Mac.

Kann denn nach dem privaten Scheitern ein weiteres gemeinsames künstlerisches Wirken gelingen? Das Indiepop-Duo Nick & June, bestehend aus den Nürnberger Musikern Nick Wolf und Suzie-Lou „June“ Kraft, sind ein hörbarer Beweis für ein solches Gelingen. Denn mit ihrer Veröffentlichung „New Year’s Face“ demonstrieren sie, dass ein Beziehungsende durchaus – so paradox es klingen mag – kreative Impulse freisetzen kann.

Kategorisch knapp wird das private Scheitern im Titelsong besungen: „This is yours, this is my End, for a lifetime.“

Und im musikalisch herausragenden „Anthem“, im Wortsinne eine „Hymne“ auf den Bruch der Beziehung, heißt es:

„We kill the Lovers

We kill the Beasts

And all the Bastards we fall asleep with

Once we’re one, now we’re two …“

„New Year’s Face“ ist das künstlerische Aufarbeiten des eigenen Beziehungsendes und des Trennungsschmerzes. Es mutet sehr souverän an, in diesem Gefühlszustand die künstlerische Verbindung nicht abreißen zu lassen.

Bei allen Gefühlswallungen blitzt aber auch (Selbst-)Ironie auf:

„A dark dark bright sorry in my mind

This is a Love, but also a last song …

We are sad sad superstars“

Die verführerischen Gesangsharmonien von Nick & June setzen sich im Gehör fest. Zu feiern gibt es in den Liedern keine Liebesbetörungen, stattdessen den authentisch präsentierten und künstlerisch gelungenen Umgang mit der Trennungssituation.

„New Year’s Face“ ist somit ein melancholisches Kleinod über das persönliche Liebesscheitern. Authentizität kann also auch den eigenen Misserfolg widerspiegeln.

Nick & June: New Year’s Face, Label: Eigenproduktion/Check Your Head, CD/LP 2025; ca. 16 Euro.

Thomas Rüger

Aus anderen Quellen

„Kriege werden zwar (noch) nicht direkt vor unserer Haustür geführt, doch beherrschen sie längst den Alltag in der Bundesrepublik“ heißt es bei kritisch-lesen.de. Und: „Spätestens seit dem Ukraine-Krieg werden wir medial und politisch auf den Ernstfall vorbereitet. Mit der politischen Normalisierung der „Zeitenwende“ wird diese Entwicklung zusätzlich beschleunigt. Ob ‚Sondervermögen Bundeswehr‘ oder Wehrdienstdebatte: Die Militarisierung durchdringt zunehmend Gesundheits- und Bildungssystem, Mobilität und Arbeitswelt. Das Schlagwort heißt ‚zivil-militärische Zusammenarbeit‘ (ZMZ) und steht nicht nur für technische Koordination zwischen Armee und zivilem Sektor, sondern für einen tiefgreifenden gesellschaftlichen Umbau: von Krankenhäusern und Kommunen bis in Medienhäuser und Bildungseinrichtungen hinein.“

Zivil-Militärische Zusammenarbeit, kritisch-lesen.de, Nr. 79 v. 21.04.2026. Zum Volltext hier klicken.

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„Deutschland und Frankreich zögern das schon sicher geglaubte Scheitern des Kampfjetprogramms FCAS (Future Combat Air System) noch weiter hinaus“, teilt die Plattform german-foreign-policy.com mit: „Wie […] nach dem EU-Gipfel in Zypern bekannt wurde, sollen die Verteidigungsministerien beider Länder erneut versuchen, Schritte zur Rettung des Vorhabens zu unternehmen. Details zu etwaigen Optionen wurden, falls sie überhaupt existieren, nicht bekannt.“ Das Blättchen hatte schon vor Jahren über den Dauerkrisenmodus bei FCAS berichtet – siehe Ausgabe 16/2021.

Scheitern ohne Ende, german-foreign-policy.com, 27.04.2026. Zum Volltext hier klicken.

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„Der Name ‚Hegewald‘ hört sich geradezu friedlich an, verglichen etwa mit ‚Wolfschanze‘“, beginnt Rudolf Stumberger seinen Bericht und fährt fort: „Doch dahinter verbargen sich zwei Einrichtungen des SS-Reichsführers Heinrich Himmler, angesiedelt in der Ukraine nahe Schitomir. Zum einen handelte es sich um die Feldkommandostelle Hegewald, von wo aus Himmler nach dem Überfall der Wehrmacht auf die Sowjetunion von 1942 an seine Vernichtungsbefehle erteilte. Zum anderen wurde unter diesem Namen rund um die Feldkommandostelle herum das Pilotprojekt einer ‚germanischen Besiedelung‘ des Ostens realisiert.“ In höchstem Maße erschreckend allerdings ist, „wie künstliche Intelligenz (KI) sich zu Hegewald historische Quellen herbeihalluziniert“.

Rudolf Stumberger: Himmlers Hauptquartier „Hegewald“, jungewelt.de, 25.04.2026. Zum Volltext hier klicken.

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„KI, so suggeriert es schon der Name, ist künstlich, autonom, unabhängig vom Menschen. Ein System, das zwar auf dem Wissen der Menschheit aufbaut, dank seiner selbstlernenden Fähigkeiten komplexe Probleme aber eigenständig löst“, rekapituliert Julia Kloiber ein weit verbreitetes Klischee und richtet ihren Blick auf die Realität dahinter: „Künstliche Intelligenz ist weder künstlich noch intelligent. Sie ist das Produkt menschlicher Arbeit. Oft schlecht bezahlt, unsicher, ausgelagert in Regionen mit geringer Regulierung. Doch diese Realität passt nicht zur Erzählung der Techkonzerne. Dort dominieren Bilder von nahtlosen, vollautomatischen, futuristischen Systemen.“

Julia Kloiber: KI: Die vorgetäuschte Automatisierung, deutschlandfunkkultur.de, 07.04.2026. Zum Volltext hier klicken.

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„Das Buch ‚Wer stört, muss weg‘“, so Michael Andrick, „beschreibt Dutzende Fälle der beruflichen Zurücksetzung oder gar Entlassung an Universitäten, die immer nur Forscher mit regierungsfernen politischen Ansichten treffen. Irene Kahn, Sonderberichterstatterin der UN zur Meinungsfreiheit, schreibt aufgrund dieser und anderer verstörender Sachverhalte sehr passend, dass die deutsche Politik Zitat ‚im Widerspruch zu internationalen Menschenrechtsnormen steht und Stigmatisierung und Selbstzensur fördert‘. Jetzt arten diese repressiven Tendenzen in Deutschland und anderen EU-Staaten auf EU-Ebene in offene Unterdrückung von Einzelpersonen aus.“

Michael Andrick: Wer widerspricht, der wird erledigt, deutschlandfunkkultur.de, 20.04.2026. Zur Audiodatei hier klicken.

Zusammengetragen von Wolfgang Schwarz

Letzte Meldung

Rund 2,9 Billionen US-Dollar (knapp 2,5 Billionen Euro) weltweit wurden im vergangenen Jahr – laut dem Stockholmer Internationalen Friedensforschungsinstitut (SIPRI) – für Militärausgaben verpulvert. Das war ein neuer Höchststand – und das elfte Jahr in Folge mit einem Anstieg. Dabei standen die USA, China und Russland für gut 50 Prozent der globalen Rüstungsausgaben.

Unter anderem in Europa stiegen die Ausgaben weiter kräftig an – um insgesamt 14 Prozent. Deutschland etwa verzeichnete sogar ein Plus von 24 Prozent. Im Ranking der Länder belegt die Bundesrepublik weiterhin Platz vier.

Die weltweite Aufrüstung dürfte sich, so SIPRI, in den kommenden Jahren weiter fortsetzen,

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Allerletzte Meldung

Mitten im Semester musste gerade das Hauptgebäude der Technischen Universität in Berlin wegen diverser Mängel geschlossen werden: Wasserschäden, Elektroinstallation, Brandschutz. Dabei war die jahrelange Verschleppung notwendiger Instandhaltungsmaßnahmen doch nur konsequent angesichts der blamablen PISA-Ergebnisse nicht nur der Berliner Schüler. Der Regierende (ob Bürgermeister, weiß man nicht so genau) frönt vermutlich wieder seinem Hobby.

Elf Gebäude der TU waren 2025 wegen Mängeln bereits gesperrt, nun ist es eins mehr. Das erinnert an die bewährte spöttische Losung „Ruinen schaffen ohne Waffen“.

Die Exzellenzuniversität plant – wie man hört – innovativ, die Lehre und Forschung in Zelten zu sichern: Mitten in der Hauptstadt Deutschlands.

Arm, aber sexy ist endgültig vorbei …

jh