Joan Baez, Queen of Folk, Pazifistin und kämpferische Streiterin für eine bessere Welt – Mit 13 Jahren habe sie zur Musik gefunden, durch einen Konzertbesuch bei Folksänger Pete Seeger und durch seine Protestlieder. Doch Sie haben Ihre so unverkennbare und wundervolle Stimme nie nur als Musikerin genutzt, sondern stets auch, um für Ihre Werte einzustehen. Früh engagierten Sie sich für Bürger- und Menschenrechte, waren 1963 bei der I Have a Dream-Ansprache von Bürgerrechtler Martin Luther King an dessen Seite. Sie bezogen Stellung gegen den Vietnam-Krieg und rieten jungen Männern, sich der Einberufung zu verweigern. Später sangen Sie in kugelsicherer Weste in Sarajevo.
40 Alben haben Sie veröffentlicht. Ihr vielleicht berühmtester Song, „Diamonds & Rust“, entstand nach der Trennung von Bob Dylan. 2017 sind Sie in die Rock’n‘Roll Hall of Fame aufgenommen worden. 2018 gingen Sie ein letztes Mal auf Tour. Seither leben Sie zurückgezogen in der Nähe von San Francisco.
Am 9. Januar 2026 wurden Sie 85. Wir gratulieren nachträglich von Herzen.
Mark Rutte, NATO-Generalsekretär, Niederländer – Sie habe gewarnt: ein Krieg zwischen dem Westen und Russland könnte „von einem Ausmaß sein, wie es unsere Großeltern und Urgroßeltern erlebt haben“. Welchen Krieg hatten Sie dabei vor Augen? Den ebenso ideologisch wie rassistisch motivierten Vernichtungskrieg gegen die Völker der Sowjetunion – allen voran gegen Russen, Ukrainer und Belorussen –, den unsere Väter und Großväter ab 22. Juni 1941 („Unternehmen Barbarossa“) geführt haben? Übrigens unter Beteiligung nicht gar so weniger niederländischer Väter und Großväter; Quellen sprechen von immerhin bis zu 30.000.
Das ist Ihnen nicht bekannt? Dann lassen Sie sich von Chat GPT oder einer anderen KI mal auf die Sprünge helfen. Mit folgender Eingabe: „in welchen ss-einheiten dienten niederländer? wie viele? welche kriegsverbrechen in der sowjetunion sind bekannt? nenne quellen!“
ZDF, ein durch Zwangssteuer finanziertes, sogenanntes öffentlich-rechtliches Medium – Am 5. Januar 2026 wurde auf der Website von zdfheute im Hinblick auf das jüngste (Stand: 05.01.2026) US-Schurkenstück mitgeteilt: „Der 63 Jahre alte Maduro und seine Ehefrau waren in der Nacht zum Samstag vom US-Militär in der venezolanischen Hauptstadt Caracas festgenommen und außer Landes gebracht worden.“
Eine bloße Festnahme also?
Angesichts der nicht nur beim ZDF, sondern bei deutschen – nicht zuletzt sich selbst so nennenden – Leit- und Qualitätsmedien seit längerem und flächendeckend vorherrschenden Tonalität der Berichterstattung braucht man gar nicht dreimal zu raten, welche Vokabeln zum Einsatz kommen würden, hätte Putin den staatlichen Terrorakt angeordnet: Aggression! Souveränitäts- und Integritätsverletzung! Kidnapping! Völkerrechtswidrig! Verbrecherregime! Wer ist als Nächster dran?!
Christoph Huber, Brigadegeneral, Kommandeur der Litauen-Brigade – Auf die Frage des Magazins Focus, wann die LitauenBrigade kriegstüchtig sei, erwiderten Sie jüngst: „Wir sind im Plan. Wir haben es geschafft, die Führungsfähigkeit der Brigade auf Ebene des Stabes herzustellen. Das heißt, mein Brigadestab versetzt mich als Kommandeur in die Lage, ein komplexes Gefecht verschiedener Truppenteile führen und gewinnen zu können. Dabei geht es um das Zusammenspiel etwa von Kampfpanzern und Schützenpanzern, um Artillerie und Flugabwehr.“
Das ist umso wunderbarer, als Soldaten vor Ort dazu offenbar gar nicht benötigt werden, denn als das Blatt wissen wollte, wann die Verlegung zweier Kampfbataillone mit Panzern und Schützenpanzern aus Deutschland erfolgen solle, teilten Sie mit: „Der Plan sieht vor, dass das 2027 passiert.“
Da Sie ja aber schon jetzt in der Lage sind, „ein komplexes Gefecht verschiedener Truppenteile führen und gewinnen zu können“, schlagen wir vor: Lassen Sie die Jungs doch einfach zu Hause! Allemal billiger wäre das, also mindestens finanziell …
Johann Wadephul (CDU), Hausherr im Auswärtigen Amt – Sie seien, so die Berliner Zeitung – ein „Pfau als Außenminister“. Bloß weil aus Ihrem Hause angeordnet worden ist, in den deutschen Auslandsvertretungen neben dem obligatorischen Porträtfoto des jeweiligen Bundespräsidenten nunmehr auch ein Ihriges aufzuhängen. Mit triefender Süffisanz mokierte sich die Gazette über die Begründung: „Die Maßnahme soll der besseren Vernetzung mit Berlin dienen. Wie genau ein Porträtfoto die Kommunikation erleichtert, bleibt allerdings das bestgehütete Geheimnis der diplomatischen Kreativabteilung. […] Es wirkt, als habe hier jemand die Essenz der Diplomatie mit einem Dekorationsauftrag verwechselt.“ Und verstieg sich zum „Vorwurf der Eitelkeit“.
Lassen Sie sich von derart kleingeistiger Motzerei bloß nicht ankränkeln! Aber bitte sorgen Sie unbedingt dafür, das ein Foto mit Ihrer Standardmiene verwendet wird: martialisch-moralinsaure Verkniffenheit als quasi permanente Allegorie auf den kaum mehr steigerungsfähigen ERNST DER LAGE – das wär’s doch wirklich!
Juli Zeh, im ländlichen Brandenburg siedelnde Schriftstellerin – Sie geben immer mal Interviews, so kürzlich der taz, die zwei besonders – um höflich zu bleiben – unterkomplexe Befrager auf Sie losließ. Die wollten unter anderem wissen, ob Sie es krass fänden, dass in Ihrem Wohnort Barnewitz bei der jüngsten Bundestagswahl 54 Prozent für die AfD gestimmt hätten. Statt die in der Frage angelegte Antwort abzuliefern, fragten Sie zurück: „Was genau ist daran krass?“ Und schoben etwas später nach: „Demokratie ist nicht, wenn Menschen Dinge wählen, die man selbst gut und richtig findet!“ Doch die tazler ließen nicht locker:
taz: Wenn der Rechtspopulismus derart an Zuspruch gewinnt, müssen wir dann unsere Demokratie nicht schützen?
Zeh: Ja, gerne, und wie? Mit einem AfD-Verbotsverfahren oder der Brandmauer, meinen Sie? […]
taz: Sie sind dagegen?
Zeh: Ich bin kein Fan davon, ich bin halt auch Juristin. Man sollte nicht die eigenen Regeln und Grundsätze über Bord werfen, um einen politischen Gegner zu bekämpfen. Ich kann einfach nicht glauben, dass das funktioniert. Man begeht quasi Selbstmord aus Angst vor dem Tod. Die Brandmauer hat zum Teil auch diesen Effekt.
taz: Sie hält die AfD von der Macht fern.
Zeh: Scheint mir nicht so, die Prozente der AfD steigen ja immer weiter. […]
taz: Wenn eine Partei gesichert rechtsextremistisch ist, dann muss die Demokratie sich schützen.
Zeh: Das kann man so sagen, und alle Nicht-AfD-Wähler werden zustimmen. Aber was soll das denn konkret heißen? Der Versuch, mit der Brandmauer die AfD kleinzuhalten, hat in den letzten zehn Jahren nichts gebracht.“
Freien Blick auf das ganze Ausmaß ihrer intellektuellen Dürftigkeit gewährten die tazler schließlich mit dem Einwurf: „Wir haben eine Situation, in der fast alles dem Rechtspopulismus nützt.“
Den konterten Sie mit einem lapidaren: „Außer guter Politik und gutem Journalismus vielleicht.“ Und mehr muss dazu eigentlich auch nicht gesagt werden.
Alexander Hoffmann, Vorsitzender der CSU-Landesgruppe im Bundestag – Ab 2027 beginnt die flächendeckende Musterung der Männer ab dem Jahrgang 2008. Bei der Vorstellung des Konzepts erklärten Sie: „Söhne werden sich wieder mit ihren Vätern und Großvätern über ihre Erfahrung bei der Bundeswehr austauschen.“
Bevor Sie als nächstes womöglich mit der Idee schwanger gehen, zwecks zu Kriegsbesoffenheit motivierender Heldenverehrung die sogenannten Fliegerasse des Ersten Weltkrieges (von Richthofen, Udet und andere) und die Phalanx der Träger des Ritterkreuzes mit Eichenlaub, Schwertern und Brillanten des Zweiten aus der Mottenkiste zu holen, wollen wir eine treffliche Bemerkung von Karl Kraus zurück ins öffentliche Bewusstsein holen: „Unter den vielen deutschen Dingen, die jetzt auf -ol ausgehen, dürfte Odol noch immer wünschenswerter als Idol sein.“
Jane Zahn, Kabarettistin, Liedermacherin und gelegentliche Ossietzky-Autorin – Sie fragen sich, „ob der ständige Vorwurf, die AfD würde dem Erz- und Erbfeind Russland Tür und Tor öffnen, wirklich Stimmen kostet?“ und meinen: „Wer noch einigermaßen bei Sinnen ist; möchte auch keine offene Kriegserklärung an eine Macht mit Atomwaffen. Wenn die AfD sich als Friedensbringer stilisieren kann, stimmt etwas nicht mit den anderen Parteien!“ Und: „Da das deutsche Wahlrecht keine übergeordnete Kontrolle kennt und das BSW nun aus dem Bundestag herausgehalten wurde, muss die russische Regierung ja mit der einzig verbliebenen Partei im Bundestag reden, die mit ihr reden will.“
Ihr Fazit „In der übrigen Welt sieht es für die Zukunft auch nicht besser aus […]“ könnte von schlichten Gemütern zwar als Trost missverstanden werden, doch uns lässt dies den Atem nur umso mehr stocken.
Die BB, Leinwandidol mit teils fragwürdiger Danach-Karriere – Ein Verleih, der heute versuchte, einen Film mit dem Titel „Und immer lockt das Weib“ – das französische Original „Et Dieu … créa la femme“ („Und Gott … schuf das Weib“) nahm zwar Zuflucht zur alttestamentarischen Genesis, was den Skandal in den pomadig-prüden, von der lustfeindlichen Sexualmoral der christlichen Kirchen geprägten späten 1950er Jahren allerdings eher noch befeuerte – in deutsche Kinos zu bringen, würde in den sozialen Medien womöglich geshitstormt werden, bevor auch nur ein einziger Mann vor der Leinwand in unzüchtige Träume verfallen könnte. Gleichwohl – oder eher: genau deshalb: Der Film von 1956 begründete Ihren Weltruhm. Wozu nicht zuletzt der Phantasien befördernde Sachverhalt beitrug, dass Sie mit Roger Vadim, dem Regisseur, der auch Ihr erster Ehemann wurde, bereits seit Ihrem 15. Lebensjahr verbandelt waren …
Mit 39 trafen Sie die Entscheidung, aus dem Filmgeschäft auszusteigen: „Ich dachte, dass mir das Kino nichts mehr bringen würde und dass ich dem Kino nichts mehr bringen würde, wie ein Paar sich trennt, wenn es sich nichts mehr zu sagen hat. Es war Zeit, aufzuhören, um nicht in die Mittelmäßigkeit abzurutschen.“ Dass Sie neben Ihrer erotisch-lasziven Ausstrahlung auch ein beachtliches schauspielerisches Talent Ihr Eigen nannten – über eine bemerkenswerte Bandbreite, denkt man nur an Streifen wie „Le Mépris“ („Die Verachtung“, 1963) am einen Endes des Spektrums und an „Viva Maria“ (1965) am anderen – war bis dahin und ist auch später praktisch nie hinreichend gewürdigt worden.
Danach wurden Sie eine bis zur Militanz engagierte Tierschützerin. Und engagierten sich politisch für die extreme Rechte in Gestalt, unterstützten die Präsidentschaftsbestrebungen von Marie Le Pen und äußerten sich dezidiert islamfeindlich. Einige Verurteilungen wegen Volksverhetzung waren die Folge.
Jetzt sind Sie, 91-jährig, verstorben.
Für den Fall, dass Ihnen der Zutritt zum Paradies verwehrt werden sollte, trösten wir Sie mit einem trotzigen: „In der Hölle trifft man eh die interessanteren Leute!“ Und zur Erinnerung könnten wir uns Ihren Film „En effeuillant la marguerite“ („Das Gänseblümchen wird entblättert“, 1956) mal wieder reinziehen. Über den – es geht unter anderem um einen Striptease-Wettbewerb – hieß es seinerzeit im Spiegel: „Die französische Generalität, der Strip-Tease-Rummel und ein als leicht verblödet dargestellter Zeitungsbetrieb dienen als Witzzielscheiben in jenen kurzen Abschnitten, da Brigitte Bardot, die erotische Schmollschnute aus Paris, nicht gerade damit beschäftigt ist, ihre Formen vor die Linse zu reichen […] Die Spannung bezieht dieser Film […] ausschließlich aus den knapp geschneiderten Kostümen des Stars.“
Schlagwörter: AfD, Alexander Hoffmann, Brandmauer, Brigade, Brigit Bardot, Joan Baez, Johann Wadephul, Juli Zeh, Krieg, Litauen, Maduro, Mark Rutte, Russland, ZDF

