13. Jahrgang | Nummer 17 | 30. August 2010

ANTWORTEN

Angela Merkel, Bundeskanzlerin – Ihren neuen Regierungssprecher Steffen Seibert haben Sie unter anderem mit den Worten empfangen: „Ich werde versuchen, mich so vernünftig zu verhalten, dass Sie möglichst wenig Ärger mit mir haben.“ Gegen eine solche Verfahrensweise ist grundsätzlich nichts einzuwenden, wenn die Gegenseite ein adäquates Verhalten an den Tag legt. Das kann man von den Chefs der vier größten Energiekonzerne im Lande und zahlreichen anderen Wirtschafts- und sonstigen Prominenten, die jüngst in beispiellosen Medienaktionen ihre Sicht auf die künftige deutsche Energiepolitik kundgetan haben, um das für Herbst angekündigte Energiekonzept der Bundesregierung zu präjudizieren, allerdings nicht behaupten. Diesen Herren gegenüber – und es handelte sich ausschließlich um solche – sollten Sie eine andere Gangart anschlagen. Es muß ja nicht gleich auf das volkstümliche Motto „Viel Feind, viel Ehr’“ hinauslaufen.

Ehrhart Körting, Berliner Innensenator (SPD) – Sie waren im Auftrag der Innenministerkonferenz mehrfach in Afghanistan und glauben nicht (mehr) daran, daß unsere Freiheit – so der seinerzeitige Verteidigungsminister Peter Struck – auch am Hindukusch verteidigt wird? In einen Spiegel-Essay konstatierten Sie kürzlich, daß der Westen keines seiner (vorgeblichen oder tatsächlichen) Ziele in Afghanistan bisher erreicht habe und daß dafür auch künftig die Voraussetzungen fehlten. Ihr Fazit: „ Der Militäreinsatz in Afghanistan dient weder der hiesigen Sicherheit, noch stabilisiert er dauerhaft die Sicherheit der Region. Für unsere Rückzugsstrategie heißt das, … wir müssen auch dann mit dem Rückzug beginnen, wenn unsere Ziele noch nicht vollständig erreicht worden sind.“ Da kann man nur zu hoffen, daß Sie mit diesem Statement in Ihren Kreisen nicht der einsame Rufer in der Wüste bleiben, der Sie derzeit sind.

Jürgen Fliege, ehemaliger TV-Seelsorger – Sie fühlen sich „arglistig getäuscht“. Für 1,08 Millionen Euro hatten Sie ein Grundstück mit Haus am Starnberger See erworben, nur um anschließend feststellen zu müssen, daß Sie das Haus nicht wie geplant durch einen Neubau ersetzen dürfen. Dafür schreibt die Tutzinger Bauordnung nämlich eine Grundstücksmindestgröße von 600 Quadratmetern vor, und das Ihrige wies nur 599 auf. Zwar gab ein Gericht Ihrem Ersuchen auf Rückabwicklung des Kaufvertrages statt, weil man laut Tutzinger Regularien nach dem Gebäudeabriß dort nicht einmal mehr eine Hundehütte hätte neu errichten dürfen, aber Sie mußten trotzdem, so Ihre Worte, „40.000 Euro Lehrgeld zahlen“. Wir fühlen mit Ihnen und hoffen, daß Sie Trost bei Ihrem Arbeitgeber finden: „Denn welchen der Herr liebt, den straft er, und hat doch Wohlgefallen an ihm wie der Vater am Sohn.“ (Die Sprüche Salomos, Kapitel 3, Vers 12)

Thilo Sarrazin, Bundesbanker und SPD-Mitglied – Bisher hatten Sie Ihre Fans, die Kritiker vor allem bei der politischen Rechten und im konservativen Arbeitgeberlager vermuten, eher sporadisch mit Ihren Meinungen und Ratschlägen speziell zu und für Menschen mit Hartz-IV- oder Migrationshintergrund beglückt. Nun aber haben Sie in Gestalt eines 466-Seiten-Buches mit dem Titel „Deutschland schafft sich ab“ eine, wenn der Begriff gestattet ist, geballte Ladung abgeliefert. Dabei stammt nicht einmal alles von Ihnen, manchmal zitieren Sie auch nur – zum Beispiel den deutsch-türkische Unternehmer Vural Öger: „Das, was Kanuni Sultan Süleyman 1529 mit der Belagerung Wiens begonnen hat, werden wir über die Einwohner, mit unseren kräftigen Männern und gesunden Frauen, verwirklichen.“ Trotzdem fallen Kritikaster schon wieder reihenweise über Sie her und fahren dabei schwerstes Geschütz auf; selbst Parteifreunde behaupten: Ihre Thesen passten besser zur NPD als zur SPD. In den Chor dieser Zeitgenossen wollen wir uns nicht einreihen, sondern halten ihnen mit aller Bestimmtheit und mit Shakespeare entgegen: „Gott schuf ihn, also laßt ihn für einen Menschen gelten.“

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