Die 62. Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) findet vom 13. bis 15. Februar 2026 statt. Die parallel dazu regelmäßig veranstaltete alternative „Münchner Friedenskonferenz“ wurde dieses Jahr unter das Motto gestellt: „Gegen den Strom der Gewalt“. So soll der Mut ins Zentrum gerückt werden, „sich Krieg, Machtpolitik und Gewaltlogiken entgegenzustellen“. Im Programm spielen Kriegsdienstverweigerung sowie Sanktionen und Boykotte „zwischen Machtpolitik, moralischer Verantwortung und zivilgesellschaftlichem Druck“ eine zentrale Rolle. Staatliches Handeln werde oft von militärischen Interessen dominiert, „zentrale Aufgaben wie Friedenssicherung, Gewaltprävention und Schutz der Zivilbevölkerung“ würden in den Hintergrund geraten. Der Befund ist zutreffend, aber die Interessenwahrnehmung greift zu kurz. Bekanntlich ist Krieg die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln (Clausewitz). Insofern sind die militärischen Interessen der USA, Russlands und Chinas Ausdruck ihrer Politik in den geopolitischen Auseinandersetzungen, eine Dimension imperialer Ambitionen, nicht deren Kern.
Die Welt befindet sich in einer Phase tiefgreifender Neuorientierung. Dieser Prozess ist von Unsicherheit und Wandel geprägt und stellt gewohnte Selbstverständnisse, Mechanismen und Strukturen infrage. Donald Trump hat bekanntlich seine „Nationale Sicherheitsstrategie“ Anfang Dezember 2025 veröffentlichen lassen. Sie ist nicht in erster Linie „Scheidungspapier“ gegenüber dem EU-europäischen NATO-Teil, wie hierzulande viele Politiker und Medienakteure meinen, sondern Absage an die globalistische Außenpolitik der US-amerikanischen Vorgängerregierungen. Europa ist in dem Papier der dritte Regionalschwerpunkt, nicht mehr zentral positioniert.
Das Räsonnement der deutschen Politik und der Medien gegenüber Trumps Sicherheitsstrategie bezieht sich ausschließlich auf jene wenigen Seiten am Ende des Papiers. Die Trump-Republikaner konzedieren dem alten Kontinent die Aussicht auf „den Untergang der Zivilisation“. Bemerkenswert ist, auch (west-)deutsche Linke, die sich der politischen und Medienkaste zurechnen, jammern heute laut über die Entfernung der USA von „Europa“. Es sei doch so schön mit amerikanischer Musik in den frühen BRD-Jahren, mit Jeans, Kaugummi und Coca-Cola gewesen. So heulen sie unisono mit dem Regierungs-Rudel. Lediglich ein Kommentar der Berliner Zeitung brachte das Problem jüngst auf den Punkt: Am Tisch der Geopolitik sitzen drei Gorillas, die die machtpolitische Auseinandersetzung unter sich ausmachen – und die denken nicht daran, die 27 EU-Schimpansen mit an diesen Tisch zu lassen.
Trump betrachtet die westliche Hemisphäre als Hinterland der Weltgeltung der USA. Unmittelbar nach dem Venezuela-Coup erklärte er: „Wir werden uns in etwa zwei Monaten mit Grönland befassen.“ Sein stellvertretender Stabschef Stephen Miller betonte: „Grönland sollte Teil der USA sein“, und verkündete siegessicher: „Niemand wird gegen die USA um die Zukunft von Grönland kämpfen.“ Daran können EU-Treffen auf Grönland nichts ändern, auch nicht ein Dutzend Bundeswehrsoldaten, die – kaum dass sie in Nuuk aus dem Flugzeug gestiegen waren – sofort wieder zurückflogen. „Führung in Europa“, wie von Lautsprechern der derzeitigen Bundesregierung proklamiert, sieht anders aus.
Trump hat jedoch nicht zwei Monate gewartet, sondern die Grönland-Ansprüche unter Verweis auf vorgebliche Sicherheitsinteressen der USA immer stärker akzentuiert. Mitte Januar hatte er Strafzölle von zehn Prozent ab Februar für Staaten angekündigt, die sich seiner Forderung nach Kontrolle über Grönland – zumindest verbal – entgegengestellten. Er nannte Deutschland, Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland, Frankreich, Großbritannien und die Niederlande. Ab Juni sollten die Zölle auf 25 Prozent erhöht werden, und zwar so lange, bis eine Vereinbarung zum Kauf Grönlands durch die USA gefunden wird.
Der EU-Politiker Bernd Lange (SPD) forderte eine „harte Reaktion der EU“ auf Trumps Zoll-Drohung. Die USA seien ihrerseits stark abhängig von europäischen Produkten. Es gäbe EU-Instrumente gegen wirtschaftliche Erpressung – gleichfalls Zölle, aber auch, amerikanische Firmen von öffentlichen Ausschreibungen in der EU auszuschließen, Abgaben zu erheben oder Exporte in die USA zu verbieten. Das habe man ganz bewusst vorbereitet, „damit derjenige, der Zölle als politisches Instrument einsetzt, nicht kalkulieren kann, was er als Gegenmaßnahmen bekommt“. Die EU sei natürlich in der Frage der Sicherheitspolitik gegenüber den USA in der schwächeren Position: „Das kann aber nicht Ursache sein, alles zu akzeptieren, was die USA wollen“, sagte Lange. Ursula von der Leyen verkündete, entsprechende Maßnahmen treffen zu wollen.
Die Süddeutsche Zeitung dagegen mahnte, Europas Druckmittel seien begrenzt, „Trump könnte einfach den Stecker ziehen“: „Ob Cloud-Dienste, Online-Plattformen oder KI-Chips: Im IT-Bereich ist Europa strukturell von den USA abhängig. Ohne amerikanisches Flüssigerdgas geht in der EU nichts mehr. Mit der Sicherheitsgarantie und der atomaren Teilhabe haben die USA die ultimativen Druckmittel in der Hand. Ein wütender Trump kann Europa einfach den Stecker ziehen. […] Forderungen, Trump endlich die Stirn zu bieten, weil er jetzt dann doch eine rote Linie überschritten habe in seiner Grönland-Besessenheit, sind deshalb wohlfeil. Trump hat schon sehr viele rote Linien überschritten. Und in Wahrheit ist Europa zu einer solchen Auseinandersetzung, wie sie China im vergangenen Jahr erfolgreich geführt hat, nicht in der Lage.“
Im feudalen Europa war es ein Merkzeichen der Macht und der Herrlichkeit des jeweiligen Herrschers, mit möglichst großem und prachtvollem Gefolge zu Verhandlungen und politischen Treffen zu erscheinen. Donald Trump fliegt 2026 mit einem Gefolge von 300 Leuten nach Davos. Bereits vor seiner Ankunft in der Schweiz mutmaßten viele Kommentatoren, er werde in diesem Jahr das Weltwirtschaftsforum bestimmen. So betonte die italienische Tageszeitung La Repubblica: „Das Weltwirtschaftsforum in Davos, der Gipfel der globalen und globalistischen Eliten, des Multilateralismus und des Dialogs, wirkt dieses Jahr tatsächlich wie eine amerikanische Kolonie. Oder besser gesagt: eine Kolonie des Maga-Imperiums. Das Programm dreht sich komplett um Trump.“ Bereits auf der offiziellen Agenda seien „die eher ,woken‘ Themen wie der Kampf gegen den Klimawandel – typisch für ein stets politisch korrektes Forum – deutlich weniger sichtbar“. Auf der parallelen Agenda stehen Ankündigungen zu Gaza sowie Treffen zur Ukraine; zu Grönland gebe es „kein Zurück“.
Trumps Rede wurde am 21. Januar gehalten. Er hatte noch einmal seine Priorität auf Grönland bekräftigt, allerdings betont, er wolle die Insel für die USA kaufen, nicht militärisch besetzen. Nach einem Treffen mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte teilte Trump mit, es sei der „Rahmen für ein künftiges Abkommen in Bezug auf Grönland und sogar die gesamte Arktisregion geschaffen“ worden, das sei „für die Ewigkeit“. Die Zölle, die für den 1. Februar angekündigt waren, sollten nicht erhoben werden. Vizepräsident JD Vance, Außenminister Marco Rubio und der Sondergesandte Steve Wittkoff sollen die vertraglichen Vereinbarungen, die das Rahmenabkommen untersetzen sollen, aushandeln.
Damit scheint die jüngste Spannung, die mit der Grönland-Frage verbunden ist, erst einmal reduziert. Aus einigen EU-europäischen Hauptstädten wurde von Aufatmen berichtet. Das Problem aber, wer über Grönland bestimmt, ist nur etwas moderiert, nicht gelöst.
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