Ulrich Siegmund, AfD-Spitzenkandidat für die Wahlen in Sachsen-Anhalt – Sie standen jüngst der Berliner Zeitung für ein doppelseitiges Interview Rede und Antwort; darin lasen wir unter anderem:
„[BLZ] Zur Verhinderung von Faschismus und Holocaust sind Deutsche historisch verpflichtet, eigentlich jedes Mittel einzusetzen. Was würden Sie tun, wenn Sie überzeugt wären, dass in Deutschland wieder faschistische Strukturen entstehen?
[Siegmund] Zunächst müsste man klären, was damit gemeint ist. Durch die inflationäre Verwendung solcher Begriffe sind sie völlig verwässert worden und haben etwas von ihrer eigentlichen Bedrohlichkeit verloren. Begriffe wie ‚Nazi‘ oder ‚Rechtsextremist‘ werden heute derart inflationär verwendet, dass viele Menschen sie nicht mehr ernstnehmen können. Klar ist: Auch wir wollen keine Extremisten in diesem Land, weder rechte noch linke noch irgendwelche religiösen oder ausländischen Extremisten.
Das beantwortet die Frage aber nicht. Nochmal: Was würden Sie konkret tun, wenn Sie den Eindruck hätten, dass Deutschland der Faschismus droht?
Was ist Faschismus? Für mich beginnen solche Tendenzen dort, wo man in freie Wahlen und demokratische Entscheidungen eingreifen möchte, etwa indem man die stärkste politische Kraft verbieten will. Da sage ich: Wehret den Anfängen.“
Auch mit Ihrer zweiten Antwort haben Sie die Frage nicht beantwortet. Sie wissen mutmaßlich wirklich nicht, wie Faschismus aussieht, respektive woran man ihn erkennt und könnten daher tatsächlich nichts dagegen tun, wenn er vor der Tür stände. Dagegen müssen wir dann wohl doch andere Parteien wählen …
Annalena Baerbock, Professorin für Globale Führung in spe – während Sie vor einem guten Jahr als Präsidentin der UN-Generalversammlung nach New York gingen, hatte die Postenübernahme noch ein Geschmäckle, wir erinnern uns. Dort angekommen, bestätigten Sie Ihr neues Lebensgefühl mit Instagram-Videos à la „Sex and the City“, mit Coffee-to-go-Becher und in High Heels lässig am Straßenrand nach einem Yellow Cab winkend. Jetzt zum Ende Ihrer Dienstzeit gelang es Ihnen – was nur äußerst Wenigen vergönnt ist –, die USA und Russland politisch zu einen und an einem Strang ziehen zu lassen: Beide Mächte sind gleichermaßen verärgert über Ihr offensives und unübliches Werben für eine erste Generalsekretärin der UNO. Nun gut, Sie selbst stehen leider aktuell nicht zur Verfügung, das regionale Rotationsprinzip verhindert es.
Sie sollen jetzt, wie man liest, Professorin für Global Leadership und Co-Direktorin des Masterprogramms „Master of Public Administration in Global Leadership“ an der Columbia University in New York werden. Die Qualifikation einer deutschlandweit bekannten Völkerrechtlerin ohne abgeschlossene Promotion haben Sie ja schließlich.
Das bekannte Lästermaul Wolfgang Kubicki, seines Zeichens aktueller Nachlassverwalter der FDP, kommentierte hämisch auf X: „Was wusste Merz, als er erklärte, er wolle seine Kinder nicht in den USA studieren lassen?“ Das ist, finden auch wir, nur gemein, wollen Sie doch gestandene Führungskräfte der Welt unterrichten und nicht den Nachwuchs unbeliebter Politiker aus dem Sauerland.
Alexander Dobrindt, Verteidiger gegen hybride Angriffe – Sie haben in letzter Zeit außergewöhnlich viel zu tun. Drohnen hier, Drohnen dort. Jetzt traten Sie unlängst vor die Presse und verkündeten, dass in der Nähe Berlins in einem Waldstück bereits vor einem Jahr zwei Handfeuerwaffen mit Munition gefunden wurden. Wie üblich war der Medienaufschrei groß von Aachen bis Zittau, kaum ein Medium versäumte, sofort von einem gefundenen Waffenlager oder gar einem geheimen Waffendepot zu sprechen, obwohl das nicht Ihre Worte waren. Aber egal, „fremde Mächte“, Ihre Worte, werden verantwortlich gemacht. Und der Kanzler ergänzte gerade, frisch aus dem verdienten Urlaub zurück: Die Urheber solcher hybrider Angriffe „werden dafür bezahlen“. Bevor Sie nach dem gerade üblichen Motto vieler Medien, „Der Russe war’s!“, zuschlagen, fragen wir uns besorgt, haben Sie schon daran gedacht, dass wohl jeder Clan-Chef in Berlin oder anderswo mehr Pistolen unterm Kopfkissen und im Handschuhfach hat als das Versteck hergab. Was nicht ausschließt, dass der Gärtner tatsächlich auch mal der Mörder sein kann.
Markus Decker, journalistischer Zuträger – Sie sind Hauptstadtkorrespondent des RedaktionsNetzwerkDeutschland (RND), in einem Artikel unter der Schlagzeile „Sahra Wagenknecht ist längst ein Fall für den Verfassungsschutz“ insistierten Sie nachdrücklich eine Beobachtung der BSW-Politikerin durch den Inlandsgeheimdienst. Sachliche Belege außer üblichem Raunen suchen wir bei Ihnen vergeblich. Gerade hat das Bundeskabinett eine Geheimdienstreform beschlossen (siehe W. Landsberger in diesem Heft), schon benennt der Korrespondent eines der größten Mediennetzwerke in der Bundesrepublik eine unbequeme Oppositionspolitikerin als Zielobjekt.
Man muss die inkriminierte Übeltäterin ja nicht mögen, insbesondere wenn man an den Fleischtöpfen der Macht sitzt. Nur Demokratie wird nicht durch Behinderung demokratischer Opposition geschützt. Auch nicht, wenn Journalisten augenscheinlich dazu aufrufen.
Ole Wittmann, Likörfabrikant mit und ohne Ei – Sie gerieten in eine Posse, die vom realen Irrsinn des Lebens kündet. Denn Sie produzieren mit der Firma Nachlass Warlich GmbH klassischen „Eierlikör“ und in ähnlicher Aufmachung einen veganen „Likör ohne Ei“ auf Sojabasis. Letzterer führte zu einer Klage des Schutzverbandes der Spirituosenindustrie e.V., vertreten durch dessen Rechtsanwalt Christofer Eggers (das ist kein Kalauer). Ihnen sollte die Etikettierung „Likör ohne Ei“ mit Hinweis auf EU-Richtlinien und wegen vermuteter Irreführung der Verbraucher untersagt werden. Der klagende Schutzverband unterlag vor dem Landgericht Kiel, ging in Berufung, unterlag vor dem Schleswig-Holsteinischen Oberlandesgericht und will nun, wie man hört, erneut in Berufung gehen, um erneut – so vermuten wir – zu verlieren. Aber wir glauben noch fest an den gesunden Menschenverstand und denken, wo „Likör ohne Ei“ draufsteht, vermutet man auch kein Ei im Likör. Prost!
Donald Trump, weltbekannter Hobbygeograph – bekanntlich stammt der Begriff Geograph aus dem Griechischen und benennt „Erdbeschreiber“, offensichtlich reicht Ihnen das nicht. Sie wollen auch anmaßend verändern und monoton onomastisch tätig werden. Den Golf von Mexiko haben Sie bereits einseitig zum Golf von Amerika dekretiert. Jetzt folgte der zweite Treffer per Executive Order. Mit einem Federstrich wandelten Sie den Ontariosee, den kleinsten der fünf Großen Seen Nordamerikas, um in „Lake America“.
Als wir einst vom CN-Tower in Toronto auf den friedvollen See blickten, schien dessen Namenswelt noch in Ordnung. Der See heißt seit über 400 Jahren „großer/schöner See“, was „Ontari’io“ in der Sprache der indigenen Bevölkerung bedeutet. Da hat es schon etwas Infantiles, wie Sie die jeweiligen Nachbarn Mexiko und Kanada düpieren wollen. Was folgt als Nächstes: Der Atlantische Ozean oder der Pazifik? Man könnte auch einfach den Planeten Erde umbenennen …
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