Die US-amerikanische Langstreckenschwimmerin Diana Nyad, Jahrgang 1949, überwand 2013 in 53 Stunden, in denen sie ununterbrochen im Wasser war, die Floridastraße zwischen Kuba und Key West/Florida – 177 Kilometer. Eine sportliche Legende war sie da bereits seit Jahrzehnten: 1979 hatte sie mit 30 Jahren die 164 Kilometer Schwimmstrecke von North Bimini Island auf den Bahamas nach Juno Beach Florida in 27,5 Stunden zurückgelegt und damit einen Weltrekord aufgestellt. Ebenfalls in den 1970er Jahren hatte sie am Maratona del Golfo von Capri nach Neapel über knapp 31 Kilometer teilgenommen und mit 8 Stunden, 11 Minuten und 20 Sekunden einen Streckenrekord erzielt. An der Distanz von Kuba nach Key West war sie mit 28 Jahren zweimal gescheitert. 2011, mit inzwischen über 60 Jahren, nahm sie das Projekt wieder auf, musste aber wegen Schulterschmerzen und wegen eines Asthmaanfalls erneut abbrechen. Einen noch im selben Jahr angesetzten dritten Versuch stoppten Quallenattacken. Beim vierten Versuch im August 2012 blieb Nyad 41 Stunden im Wasser, bevor Sturm und erneut Quallen sie zur Aufgabe zwangen.
In der Netflix-Produktion „Nyad“ verkörpert Annette Benning die Ausnahmesportlerin und Jodie Forster deren langjährige Freundin und Trainerin. Die schauspielerische Leistung der beiden macht den infolge häufiger und immer derselben Schwimmsequenzen etwas langatmigen Streifen der Dokumentarfilmer Elizabeth Chai Vasarhelyi und Jimmy Kuo Wei Chin (Oscar 2019 für „Free Solo“ als bester Dokumentarfilm) durchaus sehenswert.
„Nyad“, Regie: Elizabeth Chai Vasarhelyi und Jimmy Kuo Wei Chin; auf Netflix.
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Menschen, die am neurologischen Tourette-Syndrom erkrankt sind, überraschen, verunsichern, ja schockieren ihr Umfeld ständig durch ihre unvermittelt auftretenden motorischen und akustischen Ticks, die von zwanghaften körperlichen Zuckungen und Grimassen bis zu unkontrollierbaren obszön-vulgären Flüchen reichen können. In Unkenntnis der medizinischen Zusammenhänge sind die Reaktionen darauf in der Regel von Überforderung und mehr noch von Stigmatisierung, Zurückweisung sowie Ausgrenzung bis hin zu körperlicher Gewalt geprägt. Das war auch im Leben des Schotten John Davidson nicht anders, bei dem sich erste Symptome im Alter von zwölf Jahren zeigten. Das war in den Achtzigerjahren, als die Krankheit noch völlig unbekannt war und Eltern, Schule und Behörden (Polizei) auf die Erscheinungen des Syndroms mit harter Hand reagierten. Davidson hatte allerdings das Glück, Menschen zu begegnen, die ihm halfen, einen Platz in der Gesellschaft zu finden und zum Aktivisten für ein besseres öffentliches Verständnis der bis heute unheilbaren Krankheit zu werden. 2019 ehrte ihn Elisabeth II. dafür mit dem Order of the British Empire, und die Krankheit ließ sich die Chance nicht entgehen: „Fuck the Queen!“ schmetterte Davidson in die andächtige Stille der Ordensverleihung. Her Majesty war sicher nicht amused, doch anmerken ließ sie sich nichts. Regisseur und Drehbuchautor Kirk Jones ließ sich dies für die Eingangsszene seines Biopics über das Leben John Davidsons natürlich auch nicht nehmen, bei dem Liebhaber trockenen britischen Humors anschließend noch mehrfach auf ihre Kosten kommen.
Zum handfesten Skandal geriet im Februar 2026 dann allerdings die Verleihung der sogenannten Briten-Oscars, der BAFTAs (British Academy Film Awards). Dort nahm Hauptdarsteller Robert Aramayo (33) – bisher lediglich Fantasy-Fans („Game of Thrones“, „Die Ringe der Macht“) bekannt – völlig verdient gleich zwei Preise entgegen: sowohl als Bester Nachwuchs-, als auch als Bester Hauptdarsteller. Das hatte es noch nie zuvor gegeben. Die Preisverleihung fand in Anwesenheit von John Davidson selbst (Mit-Produzent des Films) statt. Der unterbrach die Veranstaltung jedoch durch beleidigende Zwischenrufe, auch rassistischer Natur, gegen zwei afroamerikanische Schauspieler und verließ daraufhin zerknirscht den Saal. (Er entschuldigte sich später.) Doch die BBC schnitt die schlimmsten Stellen nicht aus ihrer Berichterstattung heraus, und so passierte, was immer noch die Regel zu sein scheint: Ein Publikum, erst im Saal, dann in der Öffentlichkeit, das uninformiert ist (und auch den Film noch nicht gesehen hatte), reagierte nach den üblichen Klischees. Nicht zuletzt deswegen soll hier abschließend das Urteil des Magazins Stern unterstrichen sein: „Einer der emotionalsten und gleichzeitig menschlichsten Filme des Jahres.“
„Verflucht normal“, Regie und Drehbuch: Kirk Jones; derzeit in den Kinos.
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Die Frage, warum der Schöpfer das ganze unendliche Universum einzig und allein dafür geschaffen haben sollte, um einem einzigen Kleinplaneten, den wir Erde nennen, belebte Materie einzupflanzen, lag ja eigentlich schon immer auf der Hand. (Nicht zuletzt weil solche Ineffizienz tatsächlich selbst diejenige des Wirtschaftssystems des zeitweise real existierenden Sozialismus noch um Längen in den Schatten stellen würde!) Und die Antwort kann man seit etwa 3500 Jahren kennen; aus der alttestamentarischen Genesis, also dem 1. Buch Mose – jedenfalls offenbar aus der Bibel, in der Steven Spielberg gelesen hat: In seinem neuesten Film lässt er eine Nonne, befragt, ob sie an die Möglichkeit außerirdischen Lebens glaube, mit Verweis auf die Genesis (und mit unverkennbarem Schalk im Blick) sagen: Gott habe den Menschen als das höchste seiner Geschöpfe bezeichnet – seiner Geschöpfe auf Erden.
Oder – um mit dieser Besprechung nochmal ganz anders anzufangen: Nach all den Sauereien und Verbrechen, die die USA während ihres 250-jährigen Bestehens in ihrem Inneren wie in der Welt bereits angerichtet und begangen haben sowie weiter anrichten und begehen, nun also auch noch dieses: Seit knapp 80 Jahren haben mächtige US-amerikanische Menschen vor der Welt geheim gehalten, dass unser Planet schon mehrfach von Außerirdischen mit unbekannten Flugobjekten (UFOs) besucht worden ist, deren technisch unzulängliches Gerät dabei wiederholt abstürzte oder vom US-Militär abgeschossen wurde. Anscheinend – oder vielleicht besser: gottseidank – immer über US-Gebiet. So konnten dort nicht nur Trümmer geborgen, sondern auch überlebende Aliens in Gewahrsam genommen werden. Darüber klärt der galaktische Chefermittler Spielberg jetzt in 145 Minuten auf. Und lässt sich dabei von belanglosen Nebenfragen – Wo kamen die Fremden her? Und vor allem wie? Und weshalb gleich mehrfach? Vom Warum ganz zu schweigen. – nicht aufhalten …
Oder – noch ganz anders: Steven Spielberg wäre nicht Steven Spielberg, der Alt- und Großmeister des Blockbuster-Kinos, wenn es ihm nicht gelänge, selbst aus dem bezüglich der Handlung allergrößten Schmarren noch einen leidlich spannenden Thriller zu spinnen. Und wer, wie der Besprecher, in seiner inzwischen 60 Jahre währenden Karriere als Kinogänger sowie nach gefühlt hunderten von rasanten Verfolgungsjagden – mit Spielbergs eigenem Höhlen-, respektive Höllen-Ritt in „Indiana Jones und der Tempel des Todes“ von 1984 an der Spitze des Rankings – schon befürchtet hatte, es gäbe dazu nichts Neues mehr auf der Leinwand, der könnte vom jetzigen Spielberg denn doch eines Überraschenden belehrt werden.
Unter dem Strich jedoch bleibt es auf die Frage, wie „Disclosure Day“ gegenüber den anderen Aliens-Filmen Spielbergs („Unheimliche Begegnung der dritten Art“, „E.T.“, „Krieg der Welten“) abschneidet, bei der Einstufung von Justin Chang, Film-Kritiker des New Yorker „[…] würde ich ‚Disclosure Day‘ leider auf den letzten Platz setzen“.
„Disclosure Day – Der Tag der Wahrheit“, Regie und Story: Steven Spielberg; derzeit in den Kinos.
Schlagwörter: Clemens Fischer, Disclosure Day, Nyad, Steven Spielberg, Tourette, Verflucht normal


