Friedrich Merz (CDU), Bundeskanzler – Es war wieder mal eine Ihrer rhetorischen Sternstunden, als Sie bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit dem in Berlin weilenden syrischen Übergangspräsidenten am 30. März 2026 erklärten: „In der längeren Perspektive der nächsten drei Jahre, das ist auch der Wunsch von Präsident Scharaa gewesen, sollen rund 80 Prozent der in Deutschland jetzt sich aufhaltenden Syrerinnen und Syrer zurück in ihr Heimatland kehren.“
Mal ganz abgesehen davon, dass Außenminister Wadephul in Syrien unlängst Gegenden besucht hatte, in denen es – seinen Worten zufolge – schlimmer aussieht als in Deutschland 1945, in hiesigen Kliniken arbeiten nach Angaben der Deutschen Krankenhausgesellschaft 5745 syrische Ärztinnen und Ärzte (Stand: 2024). Wenn davon 80 Prozent das Land freiwillig verließen oder dazu genötigt würden …
Sollte es trotzdem so kommen, hoffen wir zumindest, dass dann das Berliner Regierungsviertel und das Sauerland ganz besonders davon betroffen wären.
Frank-Walter Steinmeier, Bundespräsident – Da haben Sie doch tatsächlich (wovon wir auch bei Ihnen längst komplett entwöhnt waren) die Dinge mal beim Namen genannt und das ausgerechnet auch noch beim zentralen Festakt „75 Jahre Wiedergründung des AA“: Der Iran-Krieg, so sagten Sie, sei „nach meinem Dafürhalten völkerrechtswidrig“, sei „ein politisch verhängnisvoller Fehler“ und „ein wirklich vermeidbarer, unnötiger Krieg, wenn sein Ziel denn war, den Iran auf dem Weg zur Atombombe zu stoppen“. Und: „Das Völkerrecht ist kein alter Handschuh, den wir abstreifen sollten, wenn andere es tun. Im Gegenteil […]. In einer Welt ohne Recht und Regeln wäre dieses Europa verloren.“
Stante pede hat Ihnen das eine geharnischte Breitseite medialer und sonstiger Tempelwächter eingebracht: „Pose moralischer Überheblichkeit“ (Die Welt), massiver Fehltritt“ (Focus), „schlaumeierische Besserwisserei“ (Volker Beck, Ex-MdB-Bündnis 90/Die Grünen; jetzt Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft), um nur einige zu nennen.
Da rufen wir Ihnen doch – und meinen‘s im Unterschied zu jenem üblen Landsknechtsführer aus dem 16. Jahrhundert, auf den das Wort zurückgeht, gänzlich unkriegerisch – aufmunternd zu: „Viel Feind, viel Ehr!“
Lars Klingbeil, Bundesfinanzminister, Vizekanzler und Co-Vorsitzender der SPD – Am 25. März 2026 holten Sie in der Berliner Repräsentanz der Bertelsmann-Stiftung zum ganz großen Wurf aus, um den beschleunigten und offenbar nicht mehr zu bremsenden Niedergang Ihrer Partei (nur drei Monate im neuen Jahr genügten für 5,5 Prozent bei der Wahl in Baden-Württemberg, also bloß noch knapp über der Wahrnehmungsgrenze; für ein halbiertes Wahlergebnis und nach 35 Jahren Verlust der Staatskanzlei in Rheinland-Pfalz und für die Klatsche bei der OB-Wahl in München, wo die SPD seit 1946 fast durchgängig regiert hatte) doch noch zu stoppen. Sie warfen sich wahrlich in die Brust: „2026 wird uns Mut abverlangen. Wir alle wissen: Deutschland braucht grundlegende Reformen.“
Doch welche Pfeile hatten Sie im Köcher?
Sie wollen – Medienberichten zufolge –, dass wir mehr und länger arbeiten, die Teilzeitquote soll sinken, die Rente an die Beitragsjahre gekoppelt, das Ehegattensplitting abgeschafft, das Renteneintrittsalter für Akademiker erhöhen werden, und Sie können sich auch ein Ende der beitragsfreien Mitversicherung in der gesetzlichen Krankenkasse vorstellen. Womöglich sogar eine Erhöhung der Mehrwertsteuer?
Und das Allerschönste: Ihr „Gefühl ist, die Menschen in unserem Land sind auch bereit, Opfer zu bringen […].“
Wir wissen ja nicht, woher Sie Ihre Gefühle beziehen, aber eines wollen wir ganz sicher klarstellen: Unsere Opferbereitschaft liegt deutlich unter Null – solange von einer angemessenen Erbschafts- und Vermögenssteuer in diesem Lande keine Rede sein kann und eine unsinnige Militarisierung der Gesellschaft mit irrsinnig steigenden jährlichen Rüstungsausgaben einhergeht. Felder übrigens, auf denen ein Bundesfinanzminister nun wirklich reüssieren könnte.
PS: Eine absolut passende Antwort auf Ihr Programm kam prompt von der Arbeitsgemeinschaft für Arbeit (AfA) der SPD: Ihr Maßnahmenkatalog sei „eine Ohrfeige für Millionen Beschäftigte, die jeden Tag den Laden am Laufen halten, Überstunden machen, Schicht arbeiten, Kinder erziehen, Angehörige pflegen – und trotzdem am Monatsende jeden Euro zweimal umdrehen müssen“.
Kai Wegener (CDU), Regierender Bürgermeister von Berlin – Dass Ihre Regentschaft im Roten Rathaus nicht gerade unter dem „Jetzt könnte manches in der Stadt besser werden“-Stern steht und dass Sie, wenn irgendwo der Strom ausfällt, lieber Tennis spielen, als mit den Betroffenen im Kalten und im Dunkeln zu hocken, hat sich ja mittlerweile herumgesprochen. Doch der Verdacht, Sie könnten vorsätzlich daran werkeln, dass Ihr mieses Image noch mieser statt besser werde, der war bisher noch nicht aufgekommen.
Das könnte sich jetzt ändern.
Denn am 18. März 2026 haben Sie Matthias Hundt zum Chief Digital Officer der Hauptstadt im Range eines Staatssekretärs (monatliches Salär um die 10.000 Euro) berufen – einen Mann, der keine Erfahrungen in der Politik und als Digitalunternehmer ebenso wenig Meriten vorzuweisen hat. Gegen die von ihm seit 2019 geleitete SDC Sachsen Digital Consulting GmbH eröffnete das Amtsgericht Dresden vielmehr am 25. November 2025 ein Insolvenzverfahren.
Einem ehemaligen Geschäftspartner Hundts aus Dresden zufolge, so berichtete die Berliner Zeitung, sei der Mann ein „Dampfplauderer“, der viel verspreche, aber wenig umsetze. Fazit des gewesenen Geschäftspartners: „Ein Pleitier und gescheiterter IT-Unternehmer wird oberster Digitalchef von Berlin.“
Da die Verwaltungsdigitalisierung eine der größten Baustellen Ihres Senates ist (Minus), könnte diese Personalie (ebenfalls Minus) natürlich auch ein Geniestreich sein, denn multipliziert ergibt Minus mal Minus bekanntlich Plus.
Aber sicher nicht in Berlin, wo es ja häufig bereits mit der einfachen Addition nicht klappt …
Doris Schröder-Köpf, SPD-Landtagsabgeordnete in Niedersachsen – Nach den erneuten Wahldebakeln Ihrer Partei, dieses Mal in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, blasen Sie zur Revolte gegen die Parteispitze in Gestalt von Bärbel Bas (Bundesarbeitsministerin) und Lars Klingbeil (Bundesfinanzminister): „An der SPD-Spitze sehe ich – als alleinige Vorsitzende – die erfolgreiche Ministerpräsidentin Anke Rehlinger.“ Gut, die kommt immerhin im Zwergstaat Saarland ganz gut hin. Doch Ihre nächste Personalie ist von anderem Kaliber. Laut The Pioneer solle Klingbeil auch das Amt des Vizekanzlers abgeben – an ihren ehemaligen Lebensgefährten.
Oh Gott, zuckten wir zusammen, bitte nicht nochmal Gerhard Schröder: Jugoslawienkrieg, Hartz vier et cetera. Doch dann merkten wir: gemeint ist Schröders Nachfolger an Ihrer Seite (2016 bis 2022) – Boris Pistorius.
Der stramme Kriegstüchtigkeits-Prediger, der überdies außer heißer Luft bisher nix zu bieten hatte (siehe ausführlich Blättchen 3/2026)? Das hieße ja, Teufel mit Beelzebub auszutreiben. Wenn das die einzige Alternative zum jetzigen SPD-Führungspersonal sein sollte, dann wäre es uns allemal lieber, ihre Partei bliebe bei künftigen Wahlen konsequent unter fünf Prozent.
Dr. Uta Bretschneider, Volkskundlerin und Museumsdirektorin – Sie sind gerade als künftige Leiterin des geplanten Zukunftszentrums für Deutsche Einheit und Europäische Transformation in Halle an der Saale vorgestellt worden, dass ab 2028 für nach gegenwärtiger Schätzung 277 Millionen Euro gebaut und 2032 eingeweiht werden soll. 200 Mitarbeiter sollen dort mal … was auch immer.
Warum die Wahl auf Sie fiel, war womöglich einem Pressebericht zu entnehmen, der darüber informierte, dass Sie auch „durch ungewöhnliche Forschungsansätze […] auf sich aufmerksam“ gemacht hätten: „Für ein Buch zur Alltagskultur in Ostdeutschland führte sie Interviews in Erotikläden und absolvierte dafür auch ein Praktikum in einem Sexshop.“
Wie dem auch sei, zumindest eine Frage, die uns schon länger auf den Nägeln brennt, scheint damit beantwortet – ob nämlich der gemeine Ossi außer sich permanent in Selbstmitleid zu suhlen und AfD zu wählen nicht womöglich noch ein drittes anstößiges Hobby hat.
Schlagwörter: Boris Pistorius, Frank-Walter Steinmeier, Iran-Krieg, Kai Wegener, Lars Klingbeil, Merz, Ossi, SPD, Syrer, Uta Bretschneider




