29. Jahrgang | Nummer 5 | 9. März 2026

Der Krieg des „Friedensstifters“ Trump

von Dieter Segert

Seit dem 28. Februar wird klar, dass der Massenaufmarsch des US-Militärs, zusätzlich zu den Kräften der USA, die sich schon vorher auf Dutzenden Militärbasen im Nahen Osten befanden, einem Krieg diente. Aber vielleicht handelt es sich auch um eine „spezielle Militäroperation“, denn der Krieg wurde nicht offiziell erklärt. In seiner Rede nach Beginn der Angriffe erklärte Trump vielmehr, dass er diese umfassende Militäraktion befohlen habe, um die Gefahr zu beseitigen, die vom Iran für die „amerikanische Bevölkerung“, das US-Militär und „unsere Verbündeten weltweit“ ausgehe.

In der ersten Welle der völkerrechtswidrigen amerikanischen und israelischen Militärschläge sind – wie schon beim vorangegangenen Angriff im Juni 2025 – mehrere hohe Militärs und Politiker des Iran umgebracht worden. Wobei in einem Artikel von Jacobin die Vermutung geäußert wurde, dass mit den Angriffen auf die aktuelle politische und militärische Spitze des Landes sowie auf den früheren Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad und den unter Hausarrest stehenden früheren Ministerpräsidenten Mir Moussavi das Ziel eines direkten Systemwechsels oder sogar eines Machtvakuums verfolgt worden sei. Letzteres deshalb, um einen Bürgerkrieg zwischen verschiedenen oppositionellen Gruppen zu befördern.

Inzwischen ist klar, dass auch Ayatollah Ali Chamenei, der Oberste Führer des Irans, bei den Angriffen ermordet worden ist. Al Jazeera hat das zum Anlass für einen umfangreichen Beitrag über die Geschichte der Spannungen zwischen den USA, dem Westen und dem Iran genommen, auf den sich die nachfolgenden Ausführungen wesentlich stützen.

In seiner Rede zur Begründung des Angriffs hat Trump auf die lange Geschichte dieser Spannungen hingewiesen: „Seit 47 Jahren skandiert das iranische Regime ‚Tod den USA‘ und führt einen unerbittlichen Feldzug des Blutvergießens und Massenmords gegen die Vereinigten Staaten, unsere Soldaten und unschuldige Zivilisten weltweit.“ 47 Jahre, das verweist auf 1979, also auf den Sturz des Schahs durch einen Volksaufstand und auf die Machtübernahme durch Ayatollah Ruhollah Chomeini. Nach dessen Tod 1989 kam Ali Chamenei in die Position des Führers des nunmehr theokratischen Staates. Der war vorher schon sowohl als Geistlicher als auch als Verteidigungsminister und gewählter Präsident aktiv gewesen.

Die Geschichte der konfliktvollen Beziehungen zwischen den USA und dem Iran geht aber noch viel weiter zurück, als Trump erwähnt. Sie beginnt 1953, als – von der CIA und dem MI6 unterstützt – der gewählte Ministerpräsident Mohammad Mossadegh gestürzt und danach die Macht des Schahs absolutistisch ausgebaut wurde. Der Savak, die Geheimpolizei des Schahs, ging äußerst brutal gegen Oppositionelle vor. Auch Chamenei war davon durch Verhaftung und Verbannung betroffen.

Die Abneigung der Obersten Führer des Irans gegen den Westen und besonders die USA wurde durch die logistische Unterstützung für den Irak unter Saddam Hussein noch verstärkt, wie Al Jazeera berichtet. 1980 begann ein opferreicher Krieg zwischen beiden Ländern, der bis 1988 dauerte. Anlass war ein territorialer Streit um das Gebiet des Flusses Schatt al-Arab, durch den die Grenze zwischen den beiden Staaten verläuft. Beide Staaten rüsteten seinerzeit massiv auf, schließlich griff der Irak an. In einer entscheidenden Phase des Kriegs lieferten die USA an Saddam Hussein logistische Daten, durch die eine bevorstehende Offensive Irans aufgedeckt und die Standorte von dessen Militär lokalisiert werden konnte. Der Irak setzte Giftgas ein, Hunderte Iraner starben.

In dieser Zeit war Chamenei Präsident, und der Krieg prägte ihn tief. Al Jazeera zitiert den Experten Vali Nasr, der feststellte, dass Chamenei immer nur als hoher Geistlicher wahrgenommen worden sei, „aber tatsächlich war er ein Präsident jener Kriegszeit, der aus dem Krieg lernte, dass der Iran verletzbar ist und Sicherheit benötigt“. Danach baute er die Sicherheitskräfte des Landes aus und kümmerte sich darum, die Wirtschaft gegen äußere Einwirkungen resilient zu machen.

Allerdings war Chamenei auch verantwortlich für die gewaltsame Niederschlagung der drei großen Protestwellen im Land: 2009, nach der Wahl Ahmadinejads zum Präsidenten; 2022, nach dem Tod der iranischen Kurdin Jina Mahsa Amini in Polizeigewahrsam und bei den jüngsten Unruhen Ende 2025/Anfang 2026, deren Auslöser die hohe Inflationsrate für Lebensmittel war.

Trotzdem, so Al Jazeera, gab es auch pragmatische Züge in der Politik des jetzt Ermordeten iranischen Führers. So wurde unter seiner Führung mit den westlichen Staaten und kürzlich wieder mit den USA über das Atomprogramm des Irans verhandelt. Natürlich auch mit dem Ziel, die Wirtschaftssanktionen des Westens gegen den Iran abzubauen.

Nun war also der Enthauptungsschlag, der anscheinend schon im Juni 2025 geprobt wurde, erfolgreich. Der Krieg selbst ist ein völkerrechtswidriger Angriffskrieg, auch wenn Israel behauptet, dass es sich um einen präemptiven Schlag handelt, also eine angebliche Verteidigung gegen einen bevorstehenden kriegerischen Akt des Irans und gegen die unmittelbar bevorstehende Produktion einer Atombombe.

Die Reaktion der drei EU-Staatschefs Merz, Macron und Starmer dürfte im globalen Süden als typischer Doppelstandard des Westens aufgefasst werden: Der Krieg vonseiten der USA und Israels wird, anders als der Russlands gegen die Ukraine, nicht als Völkerrechtsbruch kritisiert, vielmehr wird der Iran dazu aufgefordert, seine „willkürlichen“ Gegenschläge einzustellen und an den Verhandlungstisch zurückkehren. Nicht erwähnt wird, dass die USA diesen Tisch gerade gewaltsam zerstört haben.