29. Jahrgang | Nummer 15 | 14. September 2026

Verdecktes Manipulieren

von Waldemar Landsberger

Eines der wichtigsten Bücher des Jahres zum Zustand der Medien in unserem Lande ist das „Schwarzbuch Staatsfunk“. Dort verweisen die Herausgeber Josef Kraus und Walter Krämer darauf, dass das Vertrauen in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk (ÖRR) erodiert. Nur noch 45,4 Prozent der Befragten meinen, der ÖRR berichte objektiv oder eher objektiv.

„Die Zwangsgebührenzahler“ erleben „über ihre Fernseh- und Rundfunkgeräte eine politische Einseitigkeit, ein gouvernantenhaftes, indoktrinierendes ‚Framing‘, eine Vermischung von Nachricht und Kommentar, ferner ein Verschweigen von Skandalen der Regierenden (sofern rot-grün affin) und gewisser Hintergründe einer wachsenden Gewaltkriminalität.“ Insofern beschreibt das Buch denn auch in vielen Beiträgen die Modifikation „vom Informations- zum Haltungsfunk“ sowie die „Indoktrination statt Information“.

Das hat verschiedene Facetten, wie Alexander Teske, der jahrelang Redakteur bei der Tagesschau in Hamburg war, bereits in seinem Buch „inside tagesschau“ 2025 beschrieb. Dabei analysierte er kenntnisreich auch das „Experten-Unwesen“. Das nimmt vor allem auch deshalb zu, weil Fachredakteure mit angehäuftem Expertenwissen als Auslaufmodell gelten. Die meisten Journalisten, die für TV-Nachrichten arbeiten, „sind sogenannte Allrounder“. So brauchen sie immer mehr Experteninterviews.

Es gibt vier Kriterien, so Teske, wie ein Experte ins Fernsehen kommt.

Das erste ist: Erreichbarkeit. Es kommen diejenigen zum Zuge, die unkompliziert über eine Suchmaschinenanfrage auffindbar sind und möglichst eine Webseite haben, auf der auch die Mailadresse und Mobilfunknummer hinterlegt sind. Und die jederzeit erreichbar sind und ans Telefon gehen, selbst wenn sie an der Supermarkt-Kasse stehen. So sind die medial bekanntesten Experten nicht immer die fachlich kompetentesten. Zumeist sind es „biodeutsche Herren in fortgeschrittenem Alter“, „bevorzugt westdeutsche Männer mit akademischem Hintergrund“.

Das zweite Kriterium ist „Bekanntheit“ – wer bereits oft im Fernsehen war, wird gern wieder geholt. Daher „ist der Experte in vielen Fällen nicht objektiv. Allein die Auswahl erfolgt höchst subjektiv.“ In der Regel zahlt der Sender auch ein Honorar, obwohl Professoren eigentlich bereits ausreichend Gehalt beziehen.

Das dritte Kriterium ist die „Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge herunterzubrechen und in Hauptsätzen prägnant zusammenzufassen. Dabei ist es von Vorteil, unfallfrei sprechen zu können, einem roten Faden zu folgen und optisch gut rüberzukommen.“

Viertes Kriterium sei „die Transparenz“ – für wen spricht ein Experte, wie unabhängig ist seine Meinung? Gibt „es dahinterliegende Interessen?“ Teske macht seine Kritik fest an Lobbyverbänden, die nicht als solche zu erkennen sind und sich als Verbraucherverbände tarnen. In der derzeit zugespitzten politischen Auseinandersetzung ist es jedoch mindestens ebenso von Bedeutung, welche scheinbar neutralen Experten in Wahrheit Vertreter parteipolitischer Positionen sind.

Dazu drei Beispiele. Peter Neumann erscheint seit Jahren als „Sicherheitsexperte“ im Fernsehen, wenn es um Terroranschläge oder feindliche militärische Gewaltakte geht. Hier wurde er regelmäßig als Professor für Security Studies vom King‘s College in London vorgestellt. Am 18. August forderte er in der Sendung von Markus Lanz als erster „Vergeltung gegen Russland“, zu einem Zeitpunkt, da Bundeskanzler Merz und Innenminister Dobrindt noch verkündeten, es müsse erst noch ermittelt werden. Dass Neumann zugleich Mitglied der CDU ist – und 2021 zu dem „Zukunftsteam“ von Armin Laschet als Kanzlerkandidat gehörte – erfuhr der normale Fernsehzuschauer nicht. Am 7. September wurde dann bei Lanz das Wahlergebnis von Sachsen-Anhalt vom Vortage debattiert. Teilnehmer waren AfD-Chef Tino Chrupalla, Sahra Wagenknecht, die Journalistin Melanie Ammann sowie besagter Neumann. In der Sendung wurde vor allem Wagenknecht unisono von Lanz und Neumann angeschrien. Der betätigte sich hier als bösartiger parteipolitischer Wadenbeißer. Angekündigt war er erstmals als CDU-Mitglied. Offenbar hatte die Senderedaktion keinen CDUler gefunden, der in der Parteihierarchie eine Rolle spielt. Zugleich kann man mit Londoner Blick natürlich freihändiger agieren.

Ein zweites Beispiel ist Albrecht von Lucke. Er wird häufig zu den verschiedensten Themen der deutschen Innen- und Parteipolitik in Sendungen geholt und soll oft zeitgeschichtliche Einordnungen vornehmen. Er wird regelmäßig entweder als Politikwissenschaftler oder als Journalist und Publizist vorgestellt. Das soll auch eine neutrale Perspektive suggerieren. Lucke ist Redakteur der linksliberalen Monatszeitschrift „Blätter für deutsche und internationale Politik“. Dass er – wenn man ihn leibhaftig erlebt hat – stets im Sinne der parteipolitischen Positionen der SPD agiert, sieht nur, wer es weiß und genau zuhört.

Wolfgang Schroeder, dies das dritte Beispiel, wird stets ebenfalls als Politikwissenschaftler vorgestellt oder als Professor von der Universität Kassel. Er wird ebenfalls als neutraler Experte präsentiert, wenn es um Wahlergebnisse, parteipolitische Entwicklungen oder die Entwicklung des politischen Systems in Deutschland geht. Experte ist er gewiss, ob neutral, ist eine andere Frage. Bei ihm findet man, wenn man im Internet sucht, immerhin, dass er jahrelang Mitglied der Grundwertekommission der SPD war sowie von 2009 bis 2014 in Brandenburg Staatssekretär im SPD-geführten Ministerium für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie. Auch hier zeigt sich, dass die SPD trotz drastisch gesunkener Wählerzustimmung im linksgrünen Medien-Mainstream immer noch gut unterwegs ist.