Das Deutsche gehört zur indogermanischen (indoeuropäischen) Sprachfamilie, neben weiteren europäischen wie germanischen, romanischen oder slawischen Sprachen. Asiatische Zweige sind Armenisch, die iranischen Sprachen mit Persisch, Paschtu und Kurdisch sowie auf dem indischen Subkontinent die zahlreichen indoarischen Sprachen.
„Die persische Sprache war einst von der Türkei bis Indien die Sprache der Gelehrten, Dichter und kultivierten Höfe. Sie hat Einflüsse aus indischen Sprachen und dem Arabischen aufgenommen und ihrerseits andere Sprachen bereichert“, schreibt Ludwig Paul, Professor für Iranistik an der Universität Hamburg. In seinem „Lexikon deutscher Wörter persischer Herkunft“ erläutert der Autor viele, mitunter sehr überraschende dieser Einflüsse.
Das heutige Persisch ist mit dem heutigen Deutsch nur noch sehr entfernt verwandt, was angesichts der langen Trennung nicht verwunderlich ist. Das gemeinsame Urindogermanisch wurde vermutlich im vierten Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung gesprochen. „Wenige Wörter haben trotz der großen Veränderungen eine ähnliche Form bewahrt, zum Beispiel deutsch Mutter ~ persisch mādar, deutsch Bruder ~ persisch barādar.“
Die Bezeichnung Persien ist eine griechische Fremdbezeichnung aus der Antike. Die Eigenbezeichnung des Landes war und ist Iran. Persisch ist heute in den drei Staaten Iran, Afghanistan und Tadschikistan offizielle oder Staatssprache und wird in jedem dieser Länder mit einem eigenen einheimischen Namen bezeichnet. Iran – Farsi, Afghanistan – Dari, Tadschikistan – Tadschikisch. Es gibt länderspezifische Aussprachevarianten und Dialekte, teilweise unterschiedliches Vokabular und unterschiedliche Schriftsysteme (Iran/Afghanistan: arabisch-persisch, Tadschikistan: überwiegend kyrillisch).
Angesichts des Krieges zwischen den USA und Iran und der Trump’schen Drohung gegenüber Iran, die ganze Zivilisation über Nacht auszulöschen, sowie der oft anzutreffenden Überheblichkeit gegenüber dem „Ajatollahregime“ sei darauf hingewiesen: Das Persische ist eine bedeutende Kultursprache mit einer prachtvollen Geschichte und seit über 2500 Jahren schriftlich bezeugt. Es ist damit dem klassischen Latein und Griechisch ebenbürtig. Das Deutsche (Althochdeutsch) und Englische (Altenglisch) sind erst seit dem 8. Jahrhundert unserer Zeit schriftlich belegt. „Um die Zeitwende, als die Germanen noch in ihren Wäldern und Sümpfen mit Wildschweinen um die Wette grunzten, hatten die Iraner bereits erfolgreich ein Weltreich verloren“, stellt Paul lapidar fest.
„Dieses Buch will die Geschichte der persischen Lehnwörter im Deutschen erläutern und die Wörter zum Sprechen bringen: Sie können von ihren Ursprüngen und von den Wanderungen und Wandlungen, die sie erlebt haben, faszinierende Geschichten erzählen. Mit jedem Wort ist ein Begriff verbunden, eine Ware oder ein Kulturgut“, formuliert der Autor. Er geht dabei von etwa 178 persischen Lehnwörtern aus. Die kamen in der Regel über andere Sprachen ins Deutsche, insbesondere über das Italienische, Englische, Französische, Griechische und Arabische. Die mitunter verschlungenen Wege und die Bedeutungsgeschichten werden erzählt.
Neben den buchtitelgebenden Wörtern – Pfeffer, Pfirsich, Paradies – sind für den Besprecher am interessantesten: Das klassische persische Suffix -istan bezeichnet Länder oder Regionen: Afghanistan, Kurdistan, Pakistan und viele andere. Algorithmus geht zurück auf die Herkunftsbezeichnung des Universalgelehrten und Mathematikers Muhammad ibn Musa al-Chwarizmi (oder al-Chorizmi). Arier wiederum auf die Eigenbezeichnung der alten Inder und Iraner, daraus wurde der Ländername Ērān, später Iran abgeleitet.
Andere Wörter mit A beginnend und persischer Herkunft sind etwa Alkoven, Anilin, Arsen und Azur(blau). Alphabetisch folgen Bakschisch, Baldachin (über den persischen Städtenamen Bagdad), Basar, Bergamotte, Bombast und Bronze.
Weitere Wörter sind: Derwisch (muslimischer Bettelmönch), Diwan (Sofa oder Gedichtsammlung), Dschungel (Urwald), Maidan (Platz, Kampfplatz), Hindu (indische Religion), Hindukusch (Inder tötendes Gebirge), Jasmin (Zierstrauch), Karawane (Kamelzug), Khaki (grau, erdfarben), Kiosk (Pavillon, kleines Schloss), Lack (Beschichtungsstoff), Leopard, Gepard (Großkatze), Limette/Limone/Limonade, Magier (Zauberer), Mogul (Herrscherbezeichnung), Moschus (Tiersekret, Duftstoff), Mumie (Wachs), Muselman(n), Muslim, Naphta (Erdöldestillate, feucht), Paradies (umzäunter Park), Pascha (Herrscher), Punsch (süßes Winter-Heißgetränk), Puschen (Schuhe), Pyjama (Beinkleid), Rochade, Sansibar (Land am ostafrikanischen Ufer), Schach (Schah, König), Schal (wollenes Schultertuch), Shisha (Wasserpfeife, Flasche, Glas), Spinat (Nahrungspflanze), Taft (gewebter Stoff aus Seide), Tambour (Trommel), Turban (Kopfbedeckung), Tulpe (Blume), Wesir (hoher Staatsbeamter), Zarathustra (iranischer Religionsgründer) und Kandis(-zucker).
Die Auswahl der aus dem Persischen stammenden Lehn- oder Fremdwörter zeigt eindrucksvoll den prägenden Einfluss Persiens/Irans auf andere Kulturen.
Ludwig Paul: Pfeffer, Pfirsich, Paradies. Kleines Lexikon deutscher Wörter persischer Herkunft. C.H. Beck, München 2026, 215 Seiten, 16,00 Euro.
Schlagwörter: Indogermanisch, Iran, Jürgen Hauschke, Ludwig Paul, Persisch, Sprachen

