Uwe Steimle, zum AfD-Hofnarren herabgesunken – Vor mehr als einem Jahrzehnt wussten Sie Kurt Tucholsky in diesem bescheidenen Organ als „Leitstern“ für Kabarettisten zu preisen, als „unübertroffene[n] Meister des treffsicheren Angriffs mit dem dialektischen Florett in den politischen Kämpfen seiner Zeit“. Ihr jüngster Auftritt bei der AfD-Wahlveranstaltung in Dessau-Roßlau beweist indes, dass Sie Ihren Leitstern längst aus den Augen verloren haben. Ob Ihr Gastspiel den Tatbestand der „Störung des öffentlichen Friedens durch die Androhung von Straftaten“ erfüllt, möge die Staatsanwaltschaft ermitteln. Unabhängig von deren Ergebnissen ist festzuhalten, dass Ihre „Witze“ über Frau Merkel und Herrn Merz – eine Wiedergabe verbietet sich hier – bei aller kritischen Distanz zu den beiden rein gar nichts von einem „dialektischen Florett“ haben, sondern allenfalls mit (oder von) einer kabarettistischen Flachzange verfasst worden sind. Und der Gesang der DDR-Nationalhymne im Chor mit AfD-Spitzen ist glatter Missbrauch der zugegeben schöneren deutschen Hymne.
Matthias Hochstätter, Wirtschaftsredakteur der Berliner Zeitung – Völlig zu Recht haben Sie in der Berliner Zeitung vom 26. Juni 2026 die historisch wie politisch unsinnige Etikettierung der CDU als faschistisch durch Luigi Pantisano, den neuen Kovorsitzenden der Linkspartei, einer grundsätzlichen Kritik unterzogen.
Allerdings finden sich in Ihrem Meinungsbeitrag auch folgende Sätze:
„Wenn nun das linke Irrlicht Pantisano von Faschismus spricht, meint er alles rechts von der Linken. Sowie auch KPD, SED oder Stalin alles rechts des Kommunismus als faschistisch bezeichneten […].“
„Antifaschismus ist […] im Kern antisemitisch. Ein Widerspruch? Nein, das ist Geschichte des 20. Jahrhunderts.“
„Antisemitismus, Israel- und Judenhass gehören spätestens seit Weimar zum festen Inventar der kommunistischen Abteilung Agitprop.“
Im Hinblick auf solche ahistorischen Aussagen haben Sie, mit Verlaub, wirklich Glück, dass Dummheit nicht wehtut: Das Geschrei wäre nicht auszuhalten …
Robert Francis Prevost, US-Amerikaner – Sie vertreten reichlich ketzerische Auffassungen: „Die enge Verbindung zwischen wirtschaftlichen Interessen, politischen Entscheidungen und Militärapparat schafft eine ‚bewaffnete Nation‘, in der Krieg fast wie eine natürliche Fortsetzung der Politik erscheint und der Rüstungsmarkt zu einer eigenständigen Triebkraft für kriegerische Entscheidungen wird. Wir dürfen die enormen wirtschaftlichen Interessen hinter dem Krieg nicht ignorieren.“ Oder: „Man darf eine Aufrüstung, die Spannungen und Unsicherheit vergrößert, Investitionen in Bildung und Gesundheit schmälert, das Vertrauen in die Diplomatie widerlegt und Eliten bereichert, denen das Gemeinwohl gleichgültig ist, nicht ‚Verteidigung‘ nennen.“
Bei der katholischen Deutschen Bischofskonferenz allerdings dürften Sie damit keinen Blumentopf gewinnen. Die hält Rüstungslieferungen an die Ukraine grundsätzlich für legitim und steht ansonsten wie ein Mann an der Seite hiesiger Kriegstüchtigkeitsprediger. Da schützt Sie womöglich nur noch Ihre Berufsbezeichnung davor, stehenden Fußes exkommuniziert zu werden? Verehrter Leo XIV., Papst.
Anna Stolz (CSU), bayerische Kultusministerin und Präsidentin der Bildungsministerkonferenz – Die von Ihnen präsidierte Konferenz hat jüngst eine Leitlinie zur „Stärkung der Medienkompetenz“ beschlossen. Kein Verbot wie in anderen Ländern, sondern die Erziehung zu „digitaler Resilienz“ ist verkündet worden, und Sie haben erläutert: „Unser Ziel ist es, Kinder und Jugendliche zu einem reflektierten, kritischen und sicheren Umgang mit Social Media zu befähigen.“
Der Focus-Kolumnist Jan Fleischhauer hat Sie dafür abgewatscht: „Abgesehen von dem klebrigen Phrasenglibber, der so klingt, als habe Frau Stolz die KI angeworfen: Ob die Ministerin weiß, was sie da redet? Kennt sie die Studienlage? Weiß sie, welche Spur der Verwüstung die ausufernde Nutzung von Social Media bei Heranwachsenden hinterlässt? Ich fürchte: nein. Wer solche Erklärungen abgibt, kann sich mit der Materie, über die er spricht, nicht wirklich beschäftigt haben.“ (Siehe dazu auch die nächste Antwort.) Fleischhauer weiter: „Die Konzerne wussten, wie ihre Produkte wirken. Sie untersuchten, welche Folgen sie bei Kindern und Jugendlichen hatten. Und sie entschieden sich dagegen, etwas zu ändern.“
Daher, Frau Ministerin: „6 minus, setzen!“ Der nämliche Bescheid ergeht an Ihre Konferenzkollegen.
KI (Künstliche Intelligenz), auch LLM (Large Language Model – großes Sprachmodell) genannt – Während die ewigen Nörgler immer noch darüber lamentieren, dass Sie in Fällen, in denen Sie keine Ahnung haben, munter draufloshalluzinieren und Fakes abliefern, die sich mindestens auf den ersten Blick nicht als solche erkennen lassen, sind Sie längst auf dem Vormarsch. Neue Erfolgsmeldungen dazu waren unlängst der repräsentativen Studie „KI-Nutzung im privaten Alltag 2026“ der Pronova BKK zu entnehmen.
3485 Eltern haben den Fragebogen ausgefüllt. Demzufolge trauen 41 Prozent der Mütter und Väter in Deutschland einem Sprachmodell zu, ihren Kindern Empathie, Respekt und Fairness besser zu vermitteln als sie selbst. 65 Prozent der Unter-30-Jährigen können sich einen Chatbot als Ersatz für eine menschliche Beziehung vorstellen. 58 Prozent der Eltern nutzen KI als Ratgeber, besonders bei Kindern unter sechs Jahren.
Dass die Bereiche, in denen KI vor allem genutzt wird (Erziehung, Beziehung, Gesundheit), genau jene sind, in denen LLMs einschlägigen Experten zufolge am wenigsten leisten können, scheint den betreffenden Eltern entweder nicht bewusst oder schlicht Wurscht zu sein.
In Abwandlung eines bekannten Zitates darf frohlockt werden: „Die KI in ihrem Lauf, hält weder Ochs noch Esel auf!“
Julian Nagelsmann, Prügelknabe der Nation – Was seit dem schmählichen WM-Aus der „Mannschaft“ auf Sie einprasselt, könnte durchaus Mitleid erregen. Angeblich 84 Millionen Bundestrainer – als wenn es nicht etliche Landsleute gäbe, die der Millionärsrauferei um einen bunten Ball auf grünem Grund allenfalls gähnend folgen – hegten offensichtlich illusionäre Titelträume, bevor sie ihren Frust ob der schmerzlichen Niederlage gegen Paraguay an Ihnen als dem „beratungsresistenten Besserwisser“ ausließen. Nun soll es ein anderer Heilsbringer richten. Freilich hält sich das Mitleid in Grenzen, denn um Ihr leibliches und finanzielles Wohl müssen weder Sie noch wir fürchten.
Jan Josef Liefers, alias Professor Börne, Rechtsanwalt Vernau und mehr – Für Ihre Beteiligung an der Kunstaktion #allesdichtmachen, die 2021 Kritik an der Corona-Politik der Bundesregierung wagte, sind Sie ordentlich gedisst worden. Im Unterschied zu manchen Kollegen haben Sie sich aber anschließend nicht weggeduckt. Jetzt unterstrichen Sie im Podcast „Ronzheimer“ Ihr Credo: „Uns ist doch nicht damit geholfen, wenn alle aus Angst immerzu die Schnauze halten!“
Also falls Sie die Schauspielerei mal über haben, mit dieser Einstellung wären Sie beim Blättchen jederzeit willkommen …
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