28. Jahrgang | Nummer 15 | 8. September 2025

Zwei Nominierte für den Friedensnobelpreis

Iván T. Berend, Los Angeles

Der Friedensnobelpreisträger wird von einem fünfköpfigen Komitee ausgewählt, das vom norwegischen Parlament ernannt wird. Seit 1901 haben 1.012 Menschen den Nobelpreis erhalten, und 111 Personen – darunter Martin Luther King, Albert Einstein und Mutter Teresa – sowie 31 Institutionen wurden mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Donald Trump findet es empörend, dass er bisher außen vor blieb. „Egal, was ich tue, ich werde den Friedensnobelpreis nie bekommen. Ich kann Russland und die Ukraine, Israel und den Iran versöhnen, und sie werden ihn mir nicht geben. Aber die Leute wissen es, und das reicht mir.“ Bereits 2020 veröffentlichte Trump eine gefälschte Videoaufnahme, die ihn so zeigte, als hätte er den Preis bereits erhalten.

Doch nun reift Trumps Anerkennung erst richtig heran. Im Juli 2025 nominierte ihn der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu für den Friedensnobelpreis. Und einen größeren Friedensexperten als Netanjahu könnte man kaum finden. Die derzeitige Pressesprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, sagte auf einer Pressekonferenz, dass Trump in den ersten sechs Monaten seiner Präsidentschaft durchschnittlich ein Waffenstillstands- oder Friedensabkommen pro Monat erfolgreich abgeschlossen habe. Auch Kambodscha zählt zu den Nominierenden, da Trump ihm die Aussöhnung mit Thailand ermöglichte.

Suchen wir nach einem historischen Präzedenzfall, dann könnte Adolf Hitlers Nominierung im Jahr 1939 eine gute Grundlage dafür bieten. Der schwedische Abgeordnete Erik Brandt nominierte Hitler für den Preis, wenn auch als Satire und als Protest gegen die Politik der „Versöhnung“ (Appeasement). Zwischen 1933 und 1938 versuchte England, Hitler durch Zugeständnisse zu beschwichtigen. Man unternahm nichts, als Hitler unter Verletzung der Bestimmungen des bestehenden Friedensvertrags mit dem Aufbau seiner Luftwaffe begann und die Bestimmungen zur Entmilitarisierung des Rheinlandes beiseite fegte. Sie stimmten sogar zu, dass Hitler die gesamte Tschechoslowakei annektieren würde. Als er dann auch noch in Polen einmarschierte, riss dem Westen die Geduld: Der Zweite Weltkrieg begann.

In seinem Brief vom Januar 1939, in dem er Hitler für den Nobelpreis vorschlug, sprach Brandt von Hitlers „Friedensliebe“, die in seinem Buch „Mein Kampf“ dokumentiert sei, „dem neben der Bibel wohl schönsten und am weitesten verbreiteten Werk der Weltliteratur“. „Wenn die Kriegstreiber ihn nicht drangsalieren, wird Hitler Europa und der ganzen Welt Frieden bringen.“

Dasselbe gilt für Trump. Er hat bereits hohe Auszeichnungen aus Georgien, Saudi-Arabien, dem Kosovo und Marokko erhalten. Es dürfte nur noch eine Frage von Monaten oder Wochen sein, bis seine Anhänger eine Kampagne starten, um Trump die „Medal of Honor“, die höchste US-Militärauszeichnung, zu verleihen. Diese wurde noch nie einem Präsidenten vergeben, der sich im Krieg geschickt vor dem Militärdienst duckte. Im Fall Trumps ist sie mindestens ebenso legitim und zeitgemäß wie der Friedensnobelpreis.

Die Nominierung von Trump und Hitler ist weniger überraschend, wenn man sie mit dem Fall des schwarzen Amerikaners Stanley Tookie Williams vergleicht. Williams wurde fünfmal für den Friedensnobelpreis und einmal für den Literaturnobelpreis nominiert. Er wurde 1981 wegen vierfachen Mordes zum Tode verurteilt, aber erst 2005 hingerichtet. Er verbrachte 24 Jahre im Gefängnis, las und studierte. 1996 veröffentlichte er sein erstes Buch, gefolgt von acht weiteren. Mehrere Bücher von ihm haben bedeutende Preise gewonnen.

Die wohl verdienteste Auszeichnung, die Trump bisher erhalten hat, ist die Ehrendoktorwürde in Philosophie vom British Institute of Technology. Ich glaube kaum, dass jemand, der wie Trump höchstens eine Seite eines beliebigen Textes lesen kann – außer, so scheint es, Philosophie –, eine solche Ehre erhalten hätte können. Inzwischen häufen sich nationale und internationale Ehrungen, und Trump wird in dieser Hinsicht bald Hitler einholen. Das ist schon was …

Übersetzung aus dem Ungarischen von Gabor Szász.