28. Jahrgang | Nummer 14 | 18. August 2025

Antworten

Hans-Eckhart Wenzel, Liedermacher, Clown, Poet und Schauspieler – Jüngst hatte ein Interviewer vor dem Gespräch mit Ihnen „mal nachgeguckt: Was weiß die KI von Google über Wenzel? ‚Hans-Eckardt Wenzel ist mit der Schauspielerin und Synchronsprecherin Claudia Wenzel verheiratet. Sie haben fünf gemeinsame Kinder.“ (Claudia Wenzel ist Ihre jüngere Schwester.) Ihr Kommentar: „Herrlich – die KI neigt zur Inzucht! Die Künstliche Intelligenz soll uns alle retten, weil unsere natürliche Intelligenz nicht mehr ausreicht! Man glaubt irgendwann der Maschine mehr als der Realität. Das ist so wie mit meiner Stasi-Akte. Da steht der Satz: Er neigt nicht zum Alkohol. Da wusste ich: Diese Akten wissen nichts.“ – Zu den aktuellen Zeitläuften merkten Sie an: „Eine stalinistische Humorlosigkeit hat dieses Land befallen. Erschreckend, dass man den Künstlern nichts mehr zugesteht. Wir müssen doch den Unsinn kenntlich machen, um jeden Preis. Wir sind doch keine Piloten oder Chirurgen, deren Fehler Leben kosten.“ Und: „Alle wollen die Welt retten und gegen die Faschisten kämpfen. Und jeder, der nicht derselben Meinung ist, wird neuerdings als Faschist bezeichnet. […] es ist absurd, wie man mit diesem Wort umgeht, der Begriff ist völlig entwertet. Es ist moralische Arroganz, die das ermöglicht.“

Gerade feierten Sie Ihren 70. Geburtstag. Wir wünschen im Nachhinein noch viele schaffenspralle Jahre!

Christian Baron, reisezermürbter Schriftsteller – Bisher zu allen Lesungen mit der Bahn gefahren, wollen Sie Ihre Reisetätigkeit zur Wahrung Ihrer Gesundheit künftig reduzieren. Zur Begründung berufen Sie sich auf Arno Luiks Buch „Schaden in der Oberleitung“. Es sei schließlich kein Naturgesetz, dass das Reisen mit der Eisenbahn einer Freiheitsberaubung gleicht. „In Deutschland ist es das Ergebnis einer Politik, die diesen Zustand in ihrer Regierungsarbeit absichtlich und planvoll hergestellt hat.“ Gerade hat die Politik den Vorstandschef der Deutschen Bahn, Richard Lutz, als Sündenbock an die Luft gesetzt. Das heißt: Vorläufig amtiert er weiter, bis die Nachfolge auf dem 2-Millionen-Euro-Sessel geregelt ist. Bei den einen mag der Neid, bei den anderen das Mitleid überwiegen. Ihre Reiselust wird sich indes vermutlich nicht so bald wieder einstellen.

B. Gehrke, sachkundiger Blättchen-Leser (oder Leserin?) – Sie sehen die Deutsche Bahn in Thomas Behlerts Blättchen-Beitrag „Chemnitz und seine besonderen Festivals“ zu Unrecht kritisiert. Nicht dass es an der DB nichts zu bemängeln gäbe, aber der RE 6 von Leipzig nach Chemnitz, dem der Autor Überfüllung, Unpünktlichkeit, Lahmheit und unangenehme Gerüche zuschrieb, werde von der Mitteldeutschen Regiobahn und nicht von der DB betrieben. Ihr Fazit: „Es ist einfach die Schuld der gesetzgebenden, handelnden Politiker und Institutionen, die die Mentalität ,Geiz ist geil‘ in allen Lebenssituationen propagieren, dass der ÖPNV so funktioniert, wie er funktioniert.“ Oder eben nicht funktioniert. Siehe oben! Vielen Dank für Ihren Einwand.

Die Mitteldeutsche Regiobahn (MRB) wiederum teilte inzwischen mit, dass die vollständige Platzkapazität von über 300 Sitzplätzen pro RE-6-Zug wieder zur Verfügung stehe. Die eingesetzten Doppelstockwagen verfügten über Klimaanlagen mit „seitlicher Luftansaugung“. Also alles gut wenigstens bei der MRB?

Karl-Heinz Röhr, Lehrer von Journalisten-Generationen – Sie waren und sind nach eigener Aussage der Letzte. 1989 wurden Sie nämlich der letzte ordentliche Professor an der Sektion Journalistik der Karl-Marx-Universität Leipzig, heute sind Sie der letzte ihrer Professoren, der noch unter den Lebenden weilt. Zu Beginn Ihrer universitären Laufbahn in den Sechzigerjahren eine Art persönlicher Assistent beim Fakultätsdekan Hermann Budzislawski, der in den Dreißigern wie zwischen 1967 und 1971 Chef der Weltbühne war, wurden Sie selbst zum „Erfinder“ und Lehrer der Disziplin journalistische Methodik. Einige Ihrer ehemaligen Studenten sind immer noch im Journalismus aktiv und bekannt. Bei aller Kritik, der das Studium am Leipziger „Roten Kloster“ ausgesetzt war und ist: Die damalige Methodik-Ausbildung täte so manchem heutigen Schreiberling gut. Ihre Universitätskarriere endete indes 1990/91. Eine Bewerbung am heutigen Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft der Uni Leipzig hielten Sie für aussichtslos, denn eine Zeitlang waren Sie auch Parteisekretär an der Sektion Journalistik gewesen. Am 1. August begingen Sie Ihren 90. Geburtstag – immer noch rege als Organisator des Treffs Leipziger Journalisten-Senioren und kritisch gegenüber den Auswüchsen derzeitigen Mediengeschehens. Bleiben Sie’s möglichst lange! Und herzlichen Glückwunsch nachträglich!