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Douglas Macgregor, womöglich demnächst USA-Botschafter in Berlin – Angeblich sind Sie Querdenker. Was dafür spricht: Sie plädieren für einen sofortigen Abzug der USA-Truppen aus Afghanistan, Syrien und Irak. Auch fragten Sie sich, wo das ganze Geld für den Afghanistan-Einsatz hingeflossen ist, und wollten untersucht wissen, wie es viele in den USA bereichert hat. Überdies ist für Sie nicht Iran, sondern das NATO-Mitglied Türkei unter Recep Tayyip Erdogan die größte Gefahr für die USA im Mittleren Osten. Ganz schön „quer“ zur Denkweise Ihres Präsidenten! Andererseits unterstützen Sie dessen „America First“-Politik vehement. Wie hätten Sie sonst auch die Gunst des Herrn im Weißen Haus erlangen können?
Sollten Sie tatsächlich die Nachfolge des in Berlin ungeliebten, wenig diplomatischen Richard Grenell antreten, sagt man Ihnen immerhin einen Vorzug voraus: Sie besitzen kein Twitter-Konto.

Philipp Amthor, kurzzeitig kleinlaut gewordener CDU-Jüngling – Die Generalstaatsanwaltschaft Berlin hat das Verfahren wegen Bestechlichkeit und Bestechung gegen Sie ohne Ermittlungen eingestellt hat. Keine Ermittlungen – keine Beweise. Es lägen keine Erkenntnisse darüber vor, dass Sie verbotene Zuwendungen erhalten hätten. Die Aktienoptionen im Wert von bis zu einer Viertelmillion US-Dollar, die Sie für Ihren Einsatz zugunsten der New Yorker Firma Augustus Intelligence beim Wirtschaftsministerium erhalten hatten, haben Sie schließlich zurückgegeben. (Und der Schampus, der bei luxuriösen Geschäftstreffen gereicht wurde, ist ausgetrunken.) Aus Ihrem Urlaub ließen Sie wissen, dass Sie sich künftig wieder „mit Leidenschaft“ einsetzen werden – vorerst für Ihr heimatliches Vorpommern. Man darf gespannt sein, wann und wie Ihre Leidenschaft wieder weiter ausgreift.

Stephanie zu Guttenberg, bessere Hälfte von Karl-Theodor – Vom Stern befragt, ob Sie und Ihr Gatte – vormals „ein schönes Paar in der deutschen Politik“ (Stern) – Ambitionen hätten, „da noch einmal mitzumischen“, antworteten Sie: „Nette Frage, nächste Frage.“ Obwohl Sie dabei angeblich lachten: Das kann auch als Drohung verstanden werden.

Gero Neugebauer, klarsichtiger Parteienforscher – In einem Interview des Deutschlandfunks darauf angesprochen, dass die SPD „deutlich nach links“ gerückt sei, antworteten Sie: „Wenn wir nicht im ernsthaften Gespräch wären […], dann würde ich sagen: Ich habe heute schon einmal gelacht und ein zweites Mal will ich nicht lachen, wenn Sie sagen, dass die SPD nach links rückt.“ Das sähen Sie nicht, andernfalls würde die Partei beispielsweise eine Politik betreiben, die weniger auf die Mitte der Gesellschaft, sondern beispielsweise auf eine Umverteilung durch Steuern zielt. So ist es! Eben deshalb ist manchem in diesem Lande das Lachen schon gänzlich vergangen.

Hans-Ulrich Jörges, scheidender Stern-Kolumnist – Sie haben zum Abschied Ihre Meinung zu einem von Hanns Joachim Friedrichs kolportierten und oftmals zitierten Satz geäußert. Der besagte, ein guter Journalist mache sich mit keiner Sache gemein, auch nicht mit einer guten. Für Sie ist das der „falsche Ansatz des Journalismus überhaupt“. Für Weltoffenheit und demokratische Werten zu arbeiten, sich gegen Rassismus, Antisemitismus, Nationalismus und Hetze zu wenden, sei doch Inhalt unseres Berufes. Zumindest sollte es wohl so sein! Was manche Ihrer Kollegen nicht daran hindert, besagten Satz auf dem Brett vor dem Kopf vor sich her zu tragen.