17. Jahrgang | Nummer 10 | 12. Mai 2014

Antworten

Edward Snowden, Unbequemer – Die deutsche Regierung taucht ab, wenn es um Sie geht. Sie dient devot den US-Vorgaben zur NSA-Affäre. Nein, sie will Ihnen kein Asyl gewähren und Sie auch nicht im NSA-Untersuchungsausschuss des Parlaments befragt sehen. Eine Befragung Snowdens in Deutschland gefährde das Staatswohl, sagt sie. Ihre Fraktionen arbeiten in diese Richtung. Die Internet-Konferenz Re:publica fordert jetzt politisches Asyl für Sie in Deutschland und wir hoffen, dass sich viele Menschen dieser Forderung anschließen werden.

Premierminister a.D. Anders Fogh Rasmussen, NATO-Generalsekretär – Als dänischer Premier hatten Sie die Partnerschaft mit der fremdenfeindlichen Volkspartei gepflegt und die Einwanderungsregeln in Dänemark dergestalt verschärft, dass die Deutschen dagegen als liberal gelten können (Focus). Nun wissen Sie Neues zum Thema Partner zu sagen, da sich Moskau Ihrer Ansicht nach nicht wie ein solcher, sondern „wie ein Gegner“ aufführt. Man muss kein Putin-Anhänger sein um zurückzufragen, welcher „Partner“ politisch und militärisch wem auf die Pelle gerückt ist, um die Frage nach einer vertrauenswürdigen Partnerschaft so zu diskreditieren, wie die NATO dies bisher und heute im russischen Umland getan hat und tut.

Manfred Stolpe, Glockenbesitzer – Eine Glocke haben Sie bei einem Festakt in Berlin-Nikolassee erhalten. Das ist für einen ehemaligen Konsistorialrat keine Schande. Artig bedankt dafür hat sich Wolfgang Huber. Der ist nicht nur Alt-Bischof, sondern auch Kuratoriumsvorsitzender der Stiftung Garnisonkirche Potsdam. Das war das Ding, vor dem der „greise Feldmarschall“ (Hindenburg) dem „einfachen Gefreiten“ (Hitler) die „versöhnende Hand“ reichte. Wir wissen alle, wie das ausging. Sie erhielten nun eine historische Glocke dieser Kirche. Wir vermuten, die ist symbolisch für den Wiederaufbau gedacht. Und die Festrede bei diesem Festakt hielt Sigmar Gabriel. Der will auch kein vaterlandsloser Geselle mehr sein. Zumal man mal jetzt – wie bei Tannenberg – gemeinsam wieder mal gegen „den Russen“ stehen kann. Welch beredten Symbolwert hatte da doch der Tag der Glockenübergabe, der „Tag von Nikolassee“ sozusagen: Es war am 8. Mai 2014. Es gibt den Begriff des „Fremdschämens“ – wir schämen uns wirklich.

Fußgänger, amerikanische – Ihr Verkehrsministerium unterzieht Sie derzeit einem interessanten Test. Mit Ansagen wie etwa „Fußgänger, der Bus biegt ab“ werden Sie durch „sprechende Autobusse“ vom Handygucken beim Laufen aufgeschreckt, gewarnt und so vor jedwedem Unbill bewahrt. Das ist unserer Ansicht nach eine höchst verdienstvolle Initiative, die zudem ungeahnte Perspektiven auch in anderen Verkehrsbereichen eröffnet. Wenn zum Beispiel sprengstoffbewehrte Drohnen auf ein Gebäude zufliegen, um dort Terroristen (wen sonst?) in die Luft zu jagen, könnten ähnliche Ansagen die lästigen Kollateralschäden bei den anwohnenden Nichtterroristen minimieren.

Jan Fleischhauer, Spiegel-Kolumnist – Sie zitieren Putin, der sich bei einem TV-Auftritt zum Thema Tod folgendermaßen geäußert hat: „Der Tod ist schrecklich, nicht wahr? Aber nein, es scheint, er kann sehr schön sein, wenn er anderen dient: der Tod für einen Freund, für ein Volk oder für das Heimatland, um ein modernes Wort zu nutzen.“ Ihr Kommentar dazu lautet: „Das ist nicht nur ein wenig, das ist lupenreiner Faschismus.“ Auch wenn unsereins nun – fälschlicher Weise – in den Verdacht gerät, ein Putin-Fan zu sein, wäre zumindest zu fragen, ob zum Beispiel die in aller Welt für „Freiheit und Demokratie“ und nicht zuletzt immer auch für ihr Heimatland sterbenden US-GI‘s und deren politisch/militärischen Auftraggeber ebenso lupenreine Faschisten sind. Man wird doch mal fragen dürfen…

Arno Widmann, Edelfeder – Wir schätzen Ihre stets kluge, bisweilen auch scharfe Feder in der Berliner Zeitung seit langem, ohne uns dabei je den Kopf über Ihre mögliche Konfession zerbrochen zu haben. Jetzt offenbarten Sie diese en passant: „Als der frisch gebackene Franziskus-Papst am 12. Mai 2013 die sogenannten 800 Märtyrer von Otranto, tapfere Recken, die sich im Juli 1480 gegen die Eroberung ihrer Stadt durch die Osmanen – vergeblich – gewehrt hatten, in den Heiligenstand erhob, da schüttelten wir Ungläubigen ungläubig die Köpfe. Was wusste man über diese achthundert? Sie waren lieber tot als Muslime. Sie ließen lieber ihre Frauen und Kinder allein, als von ihrem Glauben abzulassen. Sie könnten sich auf den Jesus stützen, von dem Matthäus im 12. Kapitel seines Evangeliums erzählt. Für den sind Eltern und Geschwister nichts. Es zählen die, die ihm und ‚dem himmlischen Vater‘ folgen. Man kann das fundamentalistisch nennen.“ Unserer Wertschätzung hat dieses Coming-out keinen Abbruch getan.

Alex Salmond, schottischer Regierungschef – Wenn man bedenkt, dass Sie sich vehement und vermutlich erfolgreich für die Abspaltung von Großbritannien einsetzen, muss man den Mut bewundern, mit dem Sie Ihre Zukunft als dann Premier eines unabhängigen Landes aufs Spiel setzen. Die eigenen Mitbürger als „eine Nation der Säufer“ zu bezeichnen, wie Sie dies jüngst mit Blick auf den beträchtlichen Alkoholkonsum Ihrer Landsleute taten und eine spürbare Erhöhung des Preises für Alkoholika zu fordern, dürfte Ihre Chancen, Nationenprimus zu bleiben, deutlich verringern.

Dirk Sternberg, Vorsitzender Richter am Landgericht Magdeburg – Unter Ihrem Vorsitz sind vier der ursprünglich neun jungen Angeklagte aus der rechten Szene zu hohen Haftstrafen verurteilt worden, die im Vorjahr einen türkischstämmigen Imbissbetreiber dermaßen zusammengeschlagen hatten, dass dieser nur durch eine Notoperation gerettet werden konnte. Dass solcherart brutale Menschenverachtung konsequent und endlich auch hart bestraft worden ist, verdient auch dann Würdigung, wenn die Anklage eine Revision erwägt, um die Anklage als versuchten Mord zu qualifizieren und nicht „nur“ als versuchten Totschlag.

Herbert Carlisle, Chef der US-Luftwaffe – Sie haben jüngst Ihrer Beunruhigung darüber öffentlichen Ausdruck gegeben, dass die Zahl russischer Aufklärungsflüge im asiatisch-pazifischen Raum, inklusive vor der Küste Kaliforniens „dramatisch“ angestiegen sei. Überrascht haben sollte Sie dieser Umstand aber eigentlich nicht, denn das Bemühen Moskaus, die USA militärisch einzukreisen, ist als Kern der Putin-Doktrin doch längst jedermann offensichtlich.

Urszula Marcinkowska, universitäre Forscherin in Turku – Eine von Ihnen und Ihren Kollegen erstellte Studie belegt nun wissenschaftlich, was ein wenig bereits zu ahnen war: in allen Nationen bevorzugen Männer im Durchschnitt jeweils die weiblicheren Gesichter der für ihr Interesse infrage kommenden Frauen. Nicht erforscht wurde von Ihrer Universität leider, ob sich auch ein anderes Vorurteil eventuell bewahrheitet – dass nämlich die allermeisten Männer weiblichen Frauen den Vorzug geben.