Des Blättchens 7. Jahrgang (VII), Berlin, 8. November 2004, Heft 23

Kritikerergänzung

von F. B. Habel

Jens Knorrs Einschätzung des neuen Hitler-Bildes im Film im Blättchen 22/2004 ist wenig hinzuzufügen, wenngleich ich statt Hitler immer Bruno Ganz vor mir sah, der sich der Kunst der Maskenbildner anvertraute. Den letzten Tagen im Führerbunker war auch ein Komplex in dem erwähnten Epos Befreiung gewidmet, in dem Fritz Diez und Angelika Waller als Adolf Hitler und Eva Braun agierten. Ich erinnere mich, daß mir bei Diez’ Darstellung (anders als bei Ganz) Schauer über den Rücken liefen. Von Mitleid keine Spur!
Fritz Diez war 1955 im Thälmann-Film nicht nur der erste deutsche Hitler-Darsteller im Nachkriegsfilm (in Der letzte Akt von G.W. Pabst – nach Erich Maria Remarque – war es ein halbes Jahr zuvor der Österreicher Albin Skoda). Auch auf einer deutschen Bühne war Diez der erste Hitler, nämlich 1947 in Gerhart Herrmann Mostars Satire Der Zimmerherr, die in Meiningen erstaufgeführt wurde. Später hat Fritz Diez bis in die siebziger Jahre immer wieder Hitler gespielt, sowohl bei der DEFA als auch in der CSSR und im sowjetischen Film.
Als der Focus anläßlich des Untergangs ausführlich bisherige Hitler-Darsteller vorstellte, war von Fritz Diez, der die Rolle in immerhin sieben zum Teil internationalen Produktionen gespielt hatte, mit keinem Wort die Rede. In einem Leserbrief wies ich darauf hin. Ein Focus-Redakteur antwortete mir darauf, Diez sei zwar der »Hitler des Ostens« gewesen, aber doch kaum wichtig: »Es ist (leider) so, dass er außerhalb des Ostblocks kaum bekannt ist, die ›internationalen Produktionen‹ beschränken sich auf sowjetische, tschechische etc., die in der westlichen Welt kaum bekannt waren. Da sind einfach Charles Chaplin, Alec Guinness oder auch Arnim Mueller-Stahl schon andere Kaliber. Ich hoffe, Sie nehmen das nicht als ›Wessi-Arroganz‹.«
Das ist ein schönes Beispiel für objektive vorurteilsfreie Berichterstattung im Focus!