29. Jahrgang | Nummer 5 | 9. März 2026

Trumps One-Man-Show versus UNO?

von István Dobozi, Sarasota, Florida (USA)

Der neu geschaffene „Friedensrat“ und die Causa Grönland sind grelle Beispiele einer dominant personalisierten Außenpolitik unter Donald Trumps zweiter Präsidentschaft. Handelt es sich bloß um Eitelkeitsprojekte – oder um mehr?

Für den externen Beobachter nimmt die amerikanische Außenpolitik zunehmend die Züge einer One-Man-Show-Diplomatie an. Trump selbst formulierte es in der New York Times unverblümt: „Ich brauche kein internationales Recht. Das Einzige, was mich auf der internationalen Bühne begrenzen kann, ist meine eigene Moral und mein Denken.“

Für Trump, der sich als Meister des Deals begreift, hängen die Resultate der Weltpolitik davon ab, wer am Verhandlungstisch sitzt – nicht von internationalen Regeln, tradierten Normen oder Bündnispartnern. Diese Führungsauffassung spiegelt sich im neu geschaffenen „Friedensrat“ wider. Internationale Konflikte sollen demnach nicht durch langwierige diplomatische Prozesse oder unter Berücksichtigung des Völkerrechts – wie etwa in den Gremien der Vereinte Nationen – gelöst werden, sondern durch Druck, durch persönlichen Einfluss. Den Frieden „liefert“ der Friedensrat, dessen Gründer und ewiger Vorsitzender – also zumindest Zeit Lebens – Donald Trump selbst ist.

In seiner zweiten Amtszeit ist Trumps Persönlichkeit kein Nebenaspekt, sondern der primäre Bestimmungsfaktor des internationalen Auftretens der USA. Die in Europa verständlicherweise hohe Wellen schlagende Grönland-Affäre drehte sich in diesem Kontext nicht primär um arktische Sicherheit – das war die Kulisse. Tatsächlich ging es um eine persönlich motivierte Eroberungsvision, um Großmachtfantasien und ein Eitelkeitsprojekt.

In den außenpolitischen Thinktanks Washingtons herrscht weitgehend Einigkeit: Die Vereinigten Staaten benötigen weder die Annexion noch den Kauf Grönlands. Militäranalysten verweisen darauf, dass die USA auf eigenem Territorium – insbesondere in Alaska – ihre arktische Sicherheitspräsenz ausreichend ausbauen können. Umfragen zufolge lehnt eine überwältigende Mehrheit der Amerikaner eine Einverleibung Grönlands ab; vom Einsatz militärischer Gewalt will man nichts wissen.

Trump blickt seit Langem mit offener Bewunderung auf jene Präsidenten der amerikanischen Geschichte – ihre Porträts zieren heute das Oval Office –, die er mit einer „großen Epoche“ der Vereinigten Staaten verbindet. Zu seinen erklärten Vorbildern zählt James K. Polk, unter dessen Führung die USA Mitte des 19. Jahrhunderts auf Kosten Mexikos gewaltige Gebietsgewinne verbuchten – von Texas bis Kalifornien. In seiner Antrittsrede im vergangenen Januar nannte Trump in bemerkenswerter Weise zwei weitere Präsidenten als Leitfiguren: William McKinley und Theodore Roosevelt, die Historiker gemeinhin den „imperialistischen“ Präsidenten mit ausgeprägten Großmachtambitionen zurechnen. In Trumps Lesart hinterließen sie kein ambivalentes Erbe, sondern greifbare Geschichte: Land, Meer, Einflusszonen – etwas, das, so Trump, „bleibt“.

Vor diesem Hintergrund erscheint Grönland („Wir müssen es unbedingt bekommen!“) nicht als absurde Idee, sondern als Versuch einer persönlichen präsidentiellen Erbschaftspolitik. Hinter der Annexionsfantasie steht erkennbar der Ehrgeiz, nicht bloß als polarisierender Präsident in die Geschichte einzugehen, sondern als jener Staatschef, der nach Polk die zweitgrößte territoriale Expansion der USA vollzogen hat. Mit der Eingliederung Grönlands würde Trump das Staatsgebiet der Vereinigten Staaten um mehr als ein Fünftel vergrößern.

Doch dieser territoriale Drang steht in eklatantem Widerspruch zur internationalen Ordnung des 21. Jahrhunderts – und genau darin liegt die zentrale Lehre dieser Episode.

Hier fügt sich auch das sogenannte TACO-Phänomen ein („Trump always chickens out.“ – in etwa: „Trump zieht immer den Schwanz ein.“). Das spöttische Etikett illustriert weniger Feigheit, sondern die strukturelle Schwäche einer unilateral gedachten Außenpolitik. Persönliche geopolitische Ambitionen treiben den Einsatz in die Höhe, doch die Begrenzungen des internationalen Systems holen rasch in die Realität zurück. Am Beispiel Grönlands wurde dies deutlich: Der einseitige Eroberungsimpuls prallte auf institutionelle Realitäten – darunter Artikel fünf des NATO-Vertrags – sowie auf den Schulterschluss europäischer Regierungen und unterlag. Sicherheitspolitische Drohkulissen werden aufgebaut und wieder eingefahren. Markige Worte fallen, doch die angekündigten Konsequenzen bleiben aus.

Entscheidend ist jedoch weniger, dass Grönland – aller Voraussicht nach – zumindest vorerst kein amerikanisches Territorium wird. Schwerer wiegt, dass die Verbündeten, insbesondere in Europa, erneut erfahren mussten: Die amerikanische Außenpolitik hängt derzeit maßgeblich von der Stimmung, den Obsessionen und dem historischen Ehrgeiz eines einzigen Mannes ab. Diese Erfahrung unterminiert nicht nur das Vertrauen unter Alliierten, sie relativiert auch das Gewicht der Worte aus Washington.

Grönland ist in diesem Sinne lehrreich. Historische Nostalgie mag verführerisch sein. Personalisierte Weltpolitik wirkt spektakulär – doch sie ist instabil und riskant. Wenn ein Präsident sein eigenes historisches Vermächtnis höher bewertet als die Stabilität und Weiterentwicklung des Bündnissystems, verliert die Außenpolitik seines Landes nicht bloß die Richtung – sondern an Gewicht.

 

Prof. István Dobozi ist ehemaliger leitender Ökonom der Weltbank, Washington DC. Publikationen in The Economist, Financial Times, Wall Street Journal, Washington Post, Die Presse, Wien, Népszava, Ungarn.