Der gelbe Monat
Im Garten
wie zu erwarten,
blühn gelb und fein,
vorwitzig klein
in Hülle und Fülle
die Winterlinge.
Sie tänzeln um den
Apfelbaum
und mischen Gelb
in seinen Traum.
Sie haben gänzlich ungehemmt
Lehmanns Rasen überschwemmt.
Und heute plötzlich über Nacht
aus ihm ein gelbes Tuch gemacht.
Und durch eines Zaunes Lücken
sieht man sie rasch vorwärts rücken
auf den nachbarlichen Grund.
Nun ist es klar zu dieser Stund
und es lässt sich leicht erahnen,
bald wehn auch hier die gelben Fahnen.
Sei’s wie es sei,
es bleibt dabei
und ist fürwahr kein übler Scherz,
die Welt ist gelb
bis Ende März.
F-35
Die Beschaffung von F-35-Kampfbombern als Kernwaffenträger für auf dem Fliegerhorst Büchel in der Eifel gelagerte US-Atombomben zum Einsatz gegen Russland ist eines der größten laufenden Rüstungsprogramme der Bundeswehr. Dass die US-Maschinen mit teils gravierenden technischen Problemen behaftet sind, war in diesem Magazin schon wiederholt Thema (siehe Blättchen 21/2019 [1] und 16/2022 [2]).
Jetzt berichtete der stern: „Das Datensystem der Jets ist von Washington aus kontrollierbar. Schon nach kurzer Zeit ohne Verbindung sind die Flieger, die neben Deutschland auch noch Finnland, die Niederlande, Norwegen, Dänemark, Polen und viele andere europäische NATO-Staaten bereits haben oder wollen, nur noch eingeschränkt flugtauglich. Mit anderen Worten: Die Kampfjets fliegen nur, wenn das Weiße Haus dies auch will.“
Welche Abhängigkeit ist eigentlich problematischer? Die von russischen Gaslieferungen, die es nicht mehr gibt, oder die von einem Verbündeten, von dem man nicht weiß, ob ihm je wieder zu trauen sein wird?
Frohe Ostern mit Gedichten und Geschichten
Da bekam ich gleich zwei Bücher mit der Post, die sich auf die Osterfeiertage beziehen. Gar nicht bewusst war mir, dass es auch Ostermärchen gibt. Beim ersten Durchblättern wurde mir alles klar, denn in die Sammlung „Ostermärchen“ sind auch welche aufgenommen worden, bei denen ganz allgemein ein Hase durch die Seiten hoppelt – wie in der feinen und immer wieder lesenswerten Geschichte „Der Hase und der Igel“, bei der ein jeder verstehend nickt und die man dem Nachwuchs bestimmt schon mehrmals vorgelesen hat.
Das Buch insgesamt ist bestens für die Abendstunden und Reisen geeignet, denn es ist angenehm dünn, so dass man es überall mit hinnehmen kann. Und es ist mit herrlichen Geschichten angefüllt. Eduard Mörike ist mit „Er ists“ dabei, aber auch Schriftsteller, die man in Sachen Märchen nicht gleich auf dem Zettel hat. Wie Christian Morgenstern mit dem Titelgeber-Märchen sowie Joachim Ringelnatz und Dr. Owlglass. Letztere ist die englische Bezeichnung für Eulenspiegel, die Hans Erich Blaich als Pseudonym wählte.
Im zweiten Buch – „Osterspaziergang“ – sind die schönsten Gedichte und Geschichten vereinigt, die sich mit den kirchlichen Feiertagen beschäftigen. Manche sind humorvoll und erheiternd geschrieben, andere fast traurig und nachdenklich. Neben Goethes „Osterspaziergang“ finden sich unter anderem Anton Tschechow („Der Student“), Rainer Maria Rilke („Der Auferstandene“) und Joseph von Eichendorff („Ostern“) in dem 142 Seiten umfassenden Buch. Besonders vergnüglich wird es bei den letzten Geschichten und Gedichten – von Wilhelm Raabe, Kurt Tucholsky, Heinz Erhardt und Joachim Ringelnatz. Letzterer hat das Oster-„O“ im Text unübersehbar eingebaut. Und die Illustrationen von Beatrix Potter sind sehr schön.
Auch Fritz Koch-Gotha („Die Häschenschule“) wäre in diesem Buche nicht fehl am Platze gewesen …
„Ostermärchen“, Reclam Verlag, Ditzingen 2026, 86 Seiten, 6,00 Euro.
„Osterspaziergang“, Reclam Verlag, Ditzingen 2026, 140 Seiten, 16,00 Euro.
Film ab
Dass es im Spätkapitalismus profitgeile Unsympaten gibt, die in die unberührte Restnatur eine Umgehungsstraße in den Ausmaßen einer Autobahn, die schlussendlich die bisherige Fahrzeit von A nach B um sagenhafte vier Minuten verkürzen wird, klotzen, wenn die Obrigkeit mitspielt, das ist nun wirklich nicht neu. Doch was soll schon groß passieren, wenn die Pixar Studios – immerhin die Geburtsstätte so genialer Streifen wie „Das große Krabbeln“ (1998), „Findet Nemo“ (2003), „Ratatouille“ (2007) und „Alles steht Kopf“ (2015) – aus dieser wenig originellen Ausgangslage einen abendfüllenden Animationsfilm (105 Minuten) stricken?
Nun, passiert ist – „Hoppers“.
Mehr ist zu diesem Film an sich nicht zu sagen. Es sei denn, man hat die Neigung, selbst den größten überoffensichtlichen Blödsinn noch als Ausdruck künstlerischer Kreativität zu feiern – etwa wenn in einem sichtlich küstenfernen Landstrich plötzlich ein Riesenhai auftaucht, um auf einer Asphaltstraße einem Cabrio eine halsbrecherische Verfolgungsjagd zu liefern, ohne dabei, und sei es in einer Süßwasserpfütze, wenigstens einmal Luft zu holen …
Laut Wikipedia handelt es sich übrigens um einen „Science-Fiction-Action-Comedy-Film“. Der Fachmann spricht von Hybrid-Genre. Vielleicht fehlt im vorliegenden Fall einfach nur noch eine Prise Western, Fantasy, Musical und Horror.
Ach so – und auf SWR3 haben sie tatsächlich behauptet: „Der beste Pixar-Film seit langem.“ Da möchte man gar nicht mehr wissen, was man in den letzten zehn Jahren so alles verpasst hat!
„Hoppers“, Regie und Drehbuch: Daniel Chong; derzeit in den Kinos.
*
Bisweilen drängt sich der Eindruck auf, dass fremdländische Filmtitel von Menschen eingedeutscht werden, die den betreffenden Streifen gar nicht gesehen haben. So wieder mal bei „Le Chant des forêts“ („Der Gesang der Wälder“), der in hiesigen Kinos unter „Das Flüstern der Wälder“ firmiert. Obwohl Wildtiere – und die kommen bei Vincent Munier, vorwiegend in den Vogesen, reichlich „zu Wort“ –, wenn sie denn Laute von sich geben, in der täglichen Kommunikation untereinander oder während der Balz, eigentlich nie flüstern, sondern meist recht lautstark unterwegs sind.
Vom Film selbst hingegen kann in höchsten Tönen geschwärmt werden – eine tief berührende Liebeserklärung an etwas, das es in unserer westlichen Zivilisation längst schon noch weit weniger gibt als in anderen Weltregionen; naturbelassene Wildnis und damit Lebensraum für immer seltener werdende Tier- und Pflanzenarten.
„Le Chant des forêts“ hatte in Frankreich über eine Million Besucher.
„Das Flüstern der Wälder“, Regie und Drehbuch: Vincent Munier; derzeit in den Kinos.
Faktenbasiert oder Akten frisiert?
Vorsicht ist geboten im Umgang mit Wahrheiten, die jemandem wehtun könnten. Deshalb sei der Schauplatz einer schier unglaublichen Geschichte verfremdet. Ansonsten aber ist alles „faktenbasiert“ – dieses Wort wird noch eine Rolle spielen.
Es geht um die Covid-Epidemie 2022 in einem Land, das sowohl an Frankreich als auch an Polen grenzt. Während der Epidemie war dort vom Parlament nicht viel zu hören. Die Kaiserin des Landes, das auch an Dänemark grenzt, beriet sich mit den Provinzfürsten, und dieses Gremium erließ im Fernsehen seine mehr oder minder sinnvollen Anordnungen.
Der Gesundheitsminister des Landes, das auch an Tschechien grenzt, hatte keine Fachkenntnisse, wohl aber gute Beziehungen zu Maskenherstellern, denen er staatlich stattliche Übermengen abkaufte.
Bekämpft wurde die Epidemie mit neuen, bald schon umstrittenen Impfstoffen. Und just zu dieser Zeit, so hieß es später, fertigte das für die Impfstoffsicherheit zuständige Institut drei Jahre lang keine Aufzeichnungen an. Aus Zeitmangel.
Was war denn damals in dem Land, das auch an die Benelux-Staaten und an Österreich grenzt, dringender als der Schutz von Leben und Gesundheit? Intensivlehrgänge über den Anschluss eckiger Faxgeräte an runde Steckdosen?
Experten fanden sich mit der Behauptung nicht ab. Und siehe da – plötzlich wurde eingestanden, dass es doch Aufzeichnungen des Instituts gibt. Großzügig gewährte man Einsicht – in fleißig geschwärzte Unterlagen.
Der Ex-Minister antwortete auf die Frage, wie er zu dem Hin und Her stehe, er wisse von nichts und wolle nur faktenbasiert antworten.
Auf diese ungereimte Antwort kann man sich nur einen Reim machen: Faktenbasiert? Akten frisiert!
Und ja, das Land grenzt auch an die Schweiz.
Das Rätsel um Stonehenge – ein Versuch
Alles beginnt um das Jahr 2500 vor Christus.
Eingangs des Buches gibt es eine Skizze zur Örtlichkeit mit den jeweiligen Wohnorten der damaligen der Stämme: Bauern, Hirten, Waldmenschen. Deren Lebensweisen sind durchaus unterschiedlich und werden detailliert beschrieben. So herrscht bei den Hirten weitgehende Gleichberechtigung – nicht nur zwischen Männern und Frauen, sondern allen Menschen –, währenddessen es bei den Bauern nicht nur einen grausamen Alleinherrscher gibt. Die betrachten die Frauen als Eigentum der Männer, und diese haben jenen Männern und dem Anführer bedingungslos zu gehorchen – selbst in der Frage, mit welchem Mann sie zusammenleben müssen.
Neben diesen drei Stämmen gibt es noch die sogenannten Steinhauer, die Feuersteine abbauen und zu Werkzeugen verarbeiten.
All diese Menschen treffen sich zu festen Zeiten an einem zunächst aus Holz bestehendem Monument, um Handel zu treiben und Rituale zu Ehren des Sonnengottes zu begehen. Weiterhin werden diese Zusammenkünfte genutzt, um sowohl Tiere aus unterschiedlichen Herden zu paaren, als auch Menschen aus den unterschiedlichen Stämmen. Es herrscht die Auffassung, dass Frauen, die mit verschiedenen Männern verkehren, gesündere Kinder zur Welt bringen. Die genauen Paarungszeiten werden durch Priesterinnen ermittelt, die zur damaligen Zeit die Menschen mit der höchsten Bildung waren und die den Verlauf der Sonne berechnen konnten.
Im Buch läuft alles im Großen und Ganzen gut (bis auf individuelle Zwistigkeiten), solange das Wetter gute Ernten und das Gedeihen der Rinder ermöglicht. Eine mehrere Jahre andauernde Dürre verändert jedoch die Situation grundlegend: Es herrscht Nahrungsmangel und Streitigkeiten nehmen überhand.
Zur Handlung gehört auch, dass eine junge Priesterin das Monument aus Stein errichten möchte und dazu nicht nur sehr viele freiwillige Menschen braucht, sondern auch Ideen, wie diese übergroßen Steine transportiert werden könnten. Dies stellt noch heutige Besucher des Monuments vor Rätsel. Ken Follett beschreibt detailliert eine mögliche Methode.
Sowohl dabei als auch bei der Darstellung der Lebensweisen und Umgangsformen der Menschen untereinander wird jedoch nicht klar, inwieweit historische Forschungen eingeflossen sind. In der Danksagung am Ende des Buches werden zwar entsprechende Berater genannt, jedoch gibt es keine Aussagen dazu, was historisch fundiert ist und wo der Autor seine Phantasie bemüht hat. Dies mag ein Manko sein, schmälert jedoch nicht das Lesevergnügen und noch weniger die Hochachtung vor den Leistungen der Erschaffer von Stonehenge.
Ken Follett: Stonehenge. Die Kathedrale der Zeit (Übersetzung aus dem Englischen von Rainer Schumacher und Dietmar Schmidt), Verlag Bastei Lübbe, Köln 2025, 669 Seiten, 36,00 Euro.
Aus anderen Quellen
Mit Blick auf den Angriffskrieg der USA und Israels auf den Iran nimmt Jens Berger den Bundeskanzler ins Visier: „Im Falle des Ukrainekriegs begründete Merz die Sanktionen gegen Russland explizit damit, dass Russland ‚mit seinem Angriff auf die Ukraine‘ das Völkerrecht gebrochen habe. Müsste er dann nicht jetzt ein Sanktionspaket gegen Israel und die USA schnüren?“
Muamer Bećirović befasst sich mit den zu erwartenden politischen Folgen des Iran-Krieges und macht unter anderem auf folgendes aufmerksam: „Man stelle sich vor, Napoleon oder Bismarck hätten nach ihren Feldzügen jeden feindlichen Monarchen, Heerführer und Diplomaten einfach hinrichten lassen. Die Instabilität wäre universell gewesen; nicht aus sentimentalen Gründen, sondern aufgrund von nüchternem Kalkül. Nach den Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges haben die europäischen Mächte im Westfälischen Frieden von 1648 aus gutem Grund ein Minimum an völkerrechtlichen Regeln verankert: kein diplomatischer Verkehr ohne Schutz der Gesandten, keine Verhandlung ohne die Prämisse, dass der Feind von gestern der Gesprächspartner von morgen sein kann. Diese Regeln waren nicht naiv, sondern Ausdruck strategischer Vernunft. Sie waren die Bedingung dafür, dass verfeindete Parteien überhaupt noch miteinander reden konnten.“
Jens Berger: Völkerrecht, Angriffskrieg und das Recht auf Verteidigung – wir müssen umlernen!, www.nachdenkseiten.de, 02.03.2026. Zum Volltext hier klicken. [3]
Muamer Bećirović: Kein Beifall, ipg-journal.de, 02.03.2026. Zum Volltext hier klicken. [4]
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„Wie wir alle“, konstatiert Petra Erler, „‚wissen‘, wurde der russische Oppositionelle Nawalny angeblich mit einem Nervengift der Nowitschok-Familie vergiftet. Wie wir alle ‚wissen‘, retteten ihm die beherzte Entscheidung eines Flugzeugführers (Notlandung), die Ärzte in Omsk und dann die der Charité das Leben. Wie wir alle ‚wissen‘, waren sich deutsche Chemiewaffenexperten sicher, Spuren eines bis dato nicht offiziell bei der OVCW gelisteten Nowitschok-Gifts nachgewiesen zu haben.“
Petra Erler: Achtung. Achtung. Hier spricht Berlin: Vorsicht vor Putins Agenten, Nowitschok und anderen Giften. Fröschen auch. Die Ukraine wird siegen!, petraerler.substack.com, 24.02.2026. Zum Volltext hier klicken. [5]
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„In kurzer Zeit“, heißt es bei gewerkschaftsforum.de, „hat sich die Zahl der Menschen, die bei den Tafel-Einrichtungen um Lebensmittel bitten, um 50 Prozent erhöht. Zum Ende des Jahres 2024 hatten die Tafeln 1,5 Millionen ‚Kunden‘, davon waren 28 Prozent Kinder und 20 Prozent der Menschen, die sich bei den Tafeln mit gespendetem Essen versorgen müssen, sind über 63 Jahre alt. Gleichzeitig bekommen die Einrichtungen weniger Lebensmittel als früher.“
Zur „Tafelisierung“ der Gesellschaft: Die von der Unternehmensberatung McKinsey geförderte Tafelbewegung in Deutschland ist gescheitert, gewerkschaftsforum.de, 26.02.2026. Zum Volltext hier klicken. [6]
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Seit im Jahre 2005 der Sonderpreis zum Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis der Stadt Osnabrück an Juri Andruchowytsch vergeben wurde, so Karl Wimmler, habe „das offizielle Deutschland die Methode perfektioniert, nach Kriegsgegnern und Pazifisten benannte oder überhaupt Friedenspreise an Krieger zu vergeben: Krieg ist Frieden, wusste schon Orwell.“
Karl Wimmler: Ukraine literarisch, Ossietzky, 4/2026. Zum Volltext hier klicken. [7]
Letzte Meldung
Im Jahr 2025 beliefen sich die weltweiten Militärausgaben auf 2,63 Billionen US-Dollar, gegenüber 2,48 Billionen im Jahr 2024. Real stiegen die Ausgaben um 2,5 Prozent.
In Europa setzte sich das Wachstum der Verteidigungsausgaben auf Rekordniveau fort, wobei Deutschland einen Großteil dieses Anstiegs ausmachte und nunmehr die vierthöchsten Rüstungsausgaben weltweit aufweist. Europa vereinigt nun über 21 Prozent der weltweiten Gesamtausgaben auf sich, verglichen mit 17 Prozent im Jahr 2022.
Das Wachstum der russischen Militärausgaben schwächte sich im Vergleich zu den Vorjahren ab und stieg 2025 real nur um drei Prozent, gegenüber 56,9 Prozent im Jahr 2024. Dennoch beliefen sich die Ausgaben weiterhin auf 7,3 Prozent des BIP.