Freunde!
Am Anfang ein Versprechen: Solange ich lebe, soll dieses Blättchen ein Versuch sein, das Lebenswerk meines Mannes, des Demokraten und Pazifisten
Carl v. Ossietzky
fortzusetzen.
Meine Mitarbeiter werden so gewählt sein, daß es gelingen muß, sein Vermächtnis zu erfüllen. Es ist sehr schwer, in die Fußtapfen eines so außerordentlichen Mannes zu treten, doch wird der Weg beschritten werden, den sein Geist uns vorgezeichnet hat.
Ich heiße alle seine alten Mitarbeiter, die der „Weltbühne“ ihr pazifistisches und demokratisches Gesicht gaben, willkommen, wie auch alle diejenigen, die mit mir diesen Weg gehen wollen.
Wir werden jeden Fehdehandschuh aufnehmen, der uns hingeworfen werden sollte, der Kampf für Pazifismus und Demokratie wird in der von Carl v. Ossietzky vorgezeichneten Richtung fortgeführt werden.
An Stelle der negativen Aufgabe des Verteidigungskampfes der alten „Weltbühne“ gegen die in den letzten Jahren vor 1933 von allen Seiten mächtig angreifende Reaktion, übernehmen wir heute die positive Aufgabe des Kampfes für den demokratischen Wiederaufbau Deutschlands, für den Frieden unter den Nationen!
Keine Spekulation auf irgendwelche Meinungsverschiedenheiten, nur die aufrichtige Hoffnung auf Versöhnung zwischen allen Völkern wird dem deutschen Volke wieder den ihm bestimmten Platz auf dieser Erde sichern. In diesem Sinne gehen wir ans Werk!
Berlin, im Juni 1946.
Schlagwörter: Carl v. Ossietzky, Maud v. Ossietzky

