Unsere nächste Unterkunft nehmen wir in der Casa da Insua, einem früheren barocken Herrenhaus, heute ein 5-Sterne-Hotel in Penalva do Castelo. In diesem Fall ist das Hotel keine Pousada, sondern der einzige Parador außerhalb Spaniens (zu beiden Hotel-Ketten Blättchen 11/2026 [1]).
Die weitläufigen Parkanlagen des Areals weisen einen großen Bestand sehr beeindruckender, jahrhundertealter riesiger Bäume auf, überwiegend Eichen und Zedern. In einem aus mächtigen Granitquadern gefügten Bassin dicht beim Hotel blühen strahlend weiße und tiefrote Seerosen. Direkt an der Einfahrt zum Hotelgelände lädt eine urige Dorfkneipe mit Tischen und Sitzgelegenheiten im Freien zum Verweilen. Das eisgekühlte portugiesische Bier schmeckt mindestens ebenso gut wie in der Nobelherberge, was mit dem Preis (hier 1,30, dort 5,80 Euro) nicht unbedingt etwas zu tun hat.
*
Während der Weiterreise legen wir einen Halt in Coimbra am Fluss Mondego ein. Coimbra war zwischen 1139 und 1256 Hauptstadt Portugals. Heute stellt die Studentenschaft knapp ein Viertel der Einwohner.
Bei unserer Ankunft sind die Fußwege in der Altstadt mit mittig platzierten langen Bordüren aus verschiedensten bunten Blüten geschmückt, auf kleinen Plätzen sind ebenso verfertigte Darstellungen von Wappen und verschiedenen Bildmotiven zu sehen.
War schon die ausgesprochen bergige Altstadt von Porto (Blättchen 12/2026 [2]) für sportlich wenig aktive Flachländler wie uns physisch nicht unanspruchsvoll, so bietet der historische Teil von Coimbra insgesamt den übernächsten Schwierigkeitsgrad – die An- und Abstiege sind lang und sehr steil. Ein Abstecher führt zur Sé Velha, der Kathedrale aus dem 12. Jahrhundert. Sie wirkt wie eine Festung aus cremefarbenem Sandstein, schlicht und – wehrhaft. Im Inneren überrascht der romanische Kreuzgang: Säulenreihen um einen begrünten Hof, das Licht fällt weich durch die Bögen. Ein ruhiger Kontrast zum Trubel draußen.
Weiter geht es über Treppen und durch Gassen – die Quebra dos Passos und die Travessa de Sarnada – hinauf zur Universidade de Coimbra, einer der ältesten Europas. Das Hauptgebäude, die Paços das Escolas, umschließt einen weiten rechteckigen Hof, den man durch ein schmiedeeisernes Portal betritt. Von der nahe gelegenen Porta Férrea hat man den besten Blick über Stadt und Umland: Der Mondego schlängelt sich durch die Ebene, dahinter grüne Hügel …
*
Unser Tagesziel liegt mitten im wasserreichen Mata National (Nationalwald) von Buçaco, der etwas über 100 Hektar groß ist. Das zuckerbäckerhafte – der Fachmann spricht von neo-manuelinischem Stil – Palace Hotel stand noch nicht, als am 27. September 1810 ein britisch-portugiesisches Heer unter Marquess Arthur Wellesley, dem späteren Duke of Wellington, einer französischen Invasionsarmee mit Marschall Masséna an der Spitze eine verlustreiche Niederlage beibrachte – 4500 Gefallene und Verletzte gegenüber „nur“ 1700 auf der Gegenseite. Die Franzosen gingen in die Winterquartiere und verloren in den folgenden Monaten weitere 25.000 Mann durch Hunger und Krankheiten, so dass sie Anfang 1811 ihren bereits dritten (und letzten) Versuch aufgaben, Portugal zu erobern.
Den Palácio do Buçaco ließ sich Karl I., seines Zeichens vorletzter König von Portugal, als Sommerresidenz errichten, um in dem 1907 fertiggestellten Ensemble anschließend nur wenige Tage zu verbringen. 1908 wurde er Opfer republikanischer Attentäter. 1910 wurden die Monarchie gestürzt und der Palast in ein Luxushotel umgewandelt.
Ein Infoblatt auf unserem Zimmer gibt auf Englisch Auskunft, dass im Nationalwald, durch den einige gut ausgeschilderte Wanderrouten – teils und im Wortsinne über Stock und Stein – führen, Lesser Horseshoe Bats (Kleine Hufeisennasen) heimisch seien. Ihrer werden wir zwar nicht ansichtig, doch die ebenfalls ausgewiesenen Käuze lassen nach Einbruch der Dunkelheit reichweitenstark von sich hören.
Imposant ist die Flora – etwa im Vale dos Fetos (Tal der Farne), wo ebenso dick- wie hochstämmige Tasmanische Baumfarne mit ihren ausladenden Kronen den Weg säumen. Und während die auf unserer bisherigen Reise nahezu ubiquitären Eukalyptuswälder (Blättchen 11/2026 [1]) mit ihren zwar hohen, doch recht dünnen Stämmen, ihrer eher lichten Begrünung und ihren ewig herabhängenden Streifen von Baumrinde stets einen etwas verlotterten, ins Clochardhafte spielenden Eindruck hinterlassen hatten, zeigt sich im Mata do Buçaco, was die Pflanze drauf hat, wenn die Bedingungen optimal sind: Hier hat es ein Eukalyptusbaum in knapp 140 Jahren auf 73 Meter Höhe und einen Stammumfang an der Basis von über acht Metern gebracht. Chapeau!
Wird fortgesetzt.
Die Teile I bis III dieser Reisenotizen sind in den Blättchen-Ausgaben 10/2026 [3], 11/2026 [1] und 12/2026 [2] erschienen.