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2.649 Beiträge im Forum

  1. Literat sagt:

    Gemessen an seiner Verkündigung ist Herr Jakubowski also rasch wieder bei, um nicht zu schreiben “unter” uns. Und wenn schon, dann erwartungsgemäß mit einem T. Zitat; überraschend jedoch, diesmal mit Bedienungsanleitung: “Wenn man den Satzanfang ersetzt etwa durch: Was einer meint….”.
    Aus der reichhaltigen Hinterlassenschaft müßte sich doch etwas weniger Kompliziertes zwecks Autoritätsbeihilfe finden lassen!
    “Suchet, so werdet Ihr finden”, etwa dies: “Ist es denn nun wirklich wahr, was man hat vernommen -“, so eingeleitet geht es weiter im Text: “Herr von Seeckt hat einmal in einem Vortrag auch uns Pazifisten einiges erzählt – neu war es nicht, gescheit war es nicht, richtig war es nicht. Nur die braven Demozeitungen fielen auf ihn herein, weil ihre Redakteure nicht reiten können. Seeckt ließ wieder erkennen, wie sich jeder Mensch eine Welt zu formen sucht, in der er den Mittelpunkt abgibt, daher denn ein Weltbild niemals etwas andres aufzeigt als die Beschaffenheit des Apostels.” Guter Merksatz!
    Bekanntlich gab es mehrere Apostel und gibt es unterschiedliche Apostelgeschichten in Konkurrenz. Warum nicht auch hier; freilich um den Preis der Gefahr, vom jeweiligen Glauben ab zu fallen, falls andere Geschichten besser sind.
    PS für Interessierte, wie T. 1929 die entgegen gesetzten Interessen definierte: “Seeckt braucht den Krieg – in ihm liegen seine Fähigkeiten. Wir wollen den Frieden – in ihm liegen die unseren.”

  2. Manne Murmelauge sagt:

    Halten zu Gnaden, aber von “Ermächtigung” zu reden, oder von “Ermächtigungsgestz” ist nicht dasselbe. Ich weiß ja nicht, aus welcher Ecke Herr Erfurth geholt wurde. Aber dieser Unterschied sollte doch offensichtlich sein.

    • Wolfgang Schwarz sagt:

      H. Erfurth spricht von einem „neue(n) Ermächtigungsgesetz“ mit einer „Laufzeit bis 31. März 2021“ und hat dabei das „Gesetz zum Schutz der Bevölkerung bei einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite“ vom 27.03.2020 vor Augen, in dessen Wortlaut expressis verbis von Ermächtigungen die Rede ist. Das kann im Bundesgesetzblatt nachgeschlagen werden. Das Gesetz ist nicht nur deswegen unter verfassungsrechtlichen Aspekten auch von anderen kritisiert worden. Wikipedia gibt einen Überblick: https://de.wikipedia.org/wiki/Gesetz_zum_Schutz_der_Bev%C3%B6lkerung_bei_einer_epidemischen_Lage_von_nationaler_Tragweite

    • Manne Murmelauge sagt:

      Lieber Herr Schwarz, bei all Ihren Verdiensten um das Blättchen, aber man kann ja auch mal in den falschen Eimer gegriffen haben. Dieser Einwurf macht die Sache als solche auch nicht besser…
      Freundliche Grüße

  3. Heinz Jakubowski sagt:

    Naturgemäß in einem anderen Zusammenhang als mit einer Pandemie, hat Kurt Tucholsky einst m. E. treffend festgestellt:
    “Ob einer die Wahrheit schreibt, Herr Professor, das kann man hören. Allerletzten Endes gibt es gar keine andere Möglichkeit, die Wahrheit ausfindig zu machen. Zahlen können trügen – Statistiken erst recht – Dokumente können gefälscht, geschickt ausgewählt, zusammengestrichen sein … aber der Ton der Wahrheit, die Musik der Wahrheit –: das täuscht nie. Haben Sie Ohren, Herr Professor? Dann hören Sie, was da klingt.”
    Wenn man den Satzanfang ersetzt etwa durch:Was einer meint,…., dann ist vielleicht vorstellbar, worauf die so naheliegende Analogie des Begriffs “Ermächtigungsgesetz” zuallererst abhebt. Dass es hier nicht um eine semantische Bedeutung der unschuldigen Begrifftsteile geht, hatte ich nicht vermutet, erklären zu müssen.
    H.Jakubowski

    • Wolfgang Schwarz sagt:

      Den Diskutanten H. Jakubowski und S. Wohanka nur der Hinweis, dass bloßes Lesen des Baum-Interviews vielleicht schon weitergeholfen hätte.
      Aber trotzdem Dankeschön für den Tucholsky. Den kannte ich, wie ich gestehen muss, noch nicht. Dass T. allerdings beabsichtigt hätte, damit allen Auffassungen und Einlassungen, die nicht auf seiner Linie lagen, die Berechtigung abzusprechen – davon auszugehen sehe ich nun wirklich keine Veranlassung.

  4. Heinz Jakubowski sagt:

    Wer als erwachsener und halbwegs gebildeter Mensch den Begriff “Ermächtigungsgesetz” (und dies auch noch ohne Anführungszeichen) benutzt, weiß, welche Analogie er herstellt. Ein Blättchenautor, Herr Erfurth, hat also an das Niveau des nicht nur von Ken Jebsen gepriesenen Magazins “Rubikon” (Schlagzeilenbeispiele:Gesundheitsterror/Fassadendemokratie) angedockt. Als jemand, der mit dem Blättchen seit je eng verbunden war, tut mir weh, in welcher Gesellschaft ich es seh´.
    Heinz Jakubowski

    • Wolfgang Schwarz sagt:

      Vor einer „E r m ä c h t i g u n g der Regierung, Maßnahmen durch Rechtsverordnung am Parlament vorbei zu treffen“ eindringlich gewarnt hat übrigens Gerhard Baum, eine Ikone des Rechtsstaates und seiner Wahrung. Baum sah gar „eine Art Untersuchungshaft auf dem Verwaltungswege“ heraufdämmern – nachzulesen unter https://www.spiegel.de/politik/deutschland/fdp-politiker-gerhart-baum-zu-corona-hueten-wir-uns-vor-dem-virus-sicherheitswahn-a-11303c94-230c-489e-950d-2fcdd3645b22.

    • Stephan Wohanka sagt:

      Mit Verlaub – ist jetzt Gerhard Baum der neue Karl Marx? Der für Autoritätsbeweise herhalten muss?

    • Ralf Nachtmann sagt:

      Wie halten wir es denn nun mit der althergebrachten Idee “Die Stunde der Not ist die Stunde der Exekutive”? Dahinter verbirgt sich ja die Vorstellung, dass bei Gefahr vor allem SCHNELL gehandelt werden müsse, wobei “demokratische Debatten” nur stören, weil sie zu unerwünschten (von wem unerwünscht?) Verzögerungen führten. In diesem Sinne kann ich, lieber Kollege Jakubowski, Ihre Kritik am Autor Erfurth nicht ganz nachvollziehen. Mal ganz abgesehen davon, dass Ermächtigungsgesetze in deutschen Landen verschiedenster Regierungsform eine lange Tradition haben (im 20. Jahrhundert von der Kriegsermächtigung 1914 bis hin zu den Notstandsgesetzen der Alt-BRD 1966 ff., ebenso reichlich DDR-Gesetze), hieß jenes, auf das Sie Ihr Verdikt gründen, “Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich”. Die derzeit Regierenden würden wohl eher formulieren: “Gesetz zur Behebung der Not von Bevölkerung in den Ländern und der Bundesrepublik Deutschland”. Und? Wo bitte ist der Unterschied? Vielleicht gerade dort, wo (wieder) nach einer “Sprach-Polizei” bzw. einer “Sprech-Polizei” gerufen wird. Auch dies ist eine gern von der jeweiligen Exekutive verbreiteten Forderung. Na, da will ich – nicht nur wegen meiner thüringer Herkunft – doch lieber Erfurt heißen.

  5. Ralf Schröder sagt:

    Vielen Dank an Prof. Kleinwächter für diesen Quellenhinweis und das Zitat daraus. Also war Beck zwar nicht in Berlin, er hatte aber den Botschafter offenbar Weisungen für einen letzten Verhandlungsversuch übermittelt.
    Ich habe mich zwischenzeitlich bemüht den Bildband “Der zweite Weltkrieg” aus dem DDR-Militärverlag zu bekommen. Ich habe aber nur die 7. Auflage von 1988 bekommen. Allerdings ist das nicht die Auflage die ich in den 1970er Jahren von einem Nachbarn ausgeliehen hatte. In der mir vorliegenden 7. Auflage ist auf S. 25 oben rechts ein Bild von Danzig am Vorabend des Kriegsbeginns. Darunter steht folgender Text (Zitat)”…Die Nazis wollen keine Verhandlungen. Der damit beauftragte Berliner Botschafter Polens wird unter Vorwänden abgewiesen: Der Angriffsbefehl ist längst ausgewiesen.” Zitat Ende. An diesen letzten Satz kann ich mich schwach erinnern ihn auch unter dem Bild mit Beck gelesen zu haben. Ich habe diesen Quellenhinweis an die Redaktion des Blättchens übermittelt.
    Abschließend möchte ich zum Thema 2. WK noch einmal auf Falins Werk “Zweite Front” hinweisen. Er beschäftigt sich auf Basis einer Vielzahl von Quellen u. a. mit der Vorgeschichte des 2. WK. Als ich es seinerzeit geschenkt bekam lies ich es erst links liegen. Ich dachte ich wüßte schon alles zum Thema 2. WK. Aber weit gefehlt. Falin schlägt einen weiten geopolitischen Bogen und schaut genau auf die Akteure und ihre Motive.

  6. Lutz Kleinwächter sagt:

    Die Ereignisse im Vorfeld des 2. Weltkrieges (München 29./30.9.1938 bis zum Kriegsbeginn 1.9.39) werden u.a. relativ detailliert dargestellt in: “Geschichte der Diplomatie, Bd. 3, Teil 2, SWA-Verlag, Berlin 1948, S. 298-365.
    Dort findet sich zu Beck auf S. 363 ein Hinweis für den 31.Aug./1. Sept. 1939:
    “Wie sich später herausstellte, verband Beck seine Weisungen an Lipski mit der Warnung, der Botschafter solle von Rippentrop keine Vorschläge ultimativer Art annehmen. Gleichzeitig teilte Beck mit, er selbst habe nicht die Absicht, nach Berlin zu fahren. Er wünsche sich nicht Folterungen auszusetzen und das Los des tschechoslowakischen Präsidenten Hacha zu teilen.”
    (Letzteres bezog sich auf die Nacht vom 14.-15.3.1939, als Hacha – im Zustand voller Erschöpfung und ärztlicher Behandlung, von Göring, Rippentrop und Hitler zur Unterschrift unter das Dokument zur Angliederung von Böhmen/Mähren an das deutsche Reich, bei Androhung einer unmittelbaren Bombardierung Prags, gedrängt wurde.)

  7. Schröder sagt:

    Ich vermute es handelt sich um dieses Werk aus dem ich seinerzeit diese Information zu Becks vermeintlichem Besuch einen Tag vor Kriegsbeginn entnommen hatte.: “Der zweite Weltkrieg. Eine Chronik in Bildern, Bergschicker, Heinz, Verlag: Deutscher Militärverlag, Berlin, 1967, DDR.” Ggf. hat jemand dieses Werk und kann das aufklären. In Falins Werk steht es so nicht. Er verweist aber schon auf der ersten seite (S. 9) des prologs auf eine Quelle zu J. Beck zum Thema Ausbruch des Krieges und auf S. 56 verweist er auf Quellen aus der zeit von 1938 wonach J. Beck bezüglich Österreich den deutschen Anspruch unterstützte und Polen auch mögliche Aktionen Deutschlands zur Besetzung Litauens berücksichtigen wollte. Dann auf S. 57 unten und auf S. 38 oben verweist Falin auf ein Ultimatum L. Becks an Prag und auf Gespräche mit Ribbentrop Anfang 1939 auf S. 62.
    Auf S. 99 schreibt Falin dass in Tempelhof 2 Flugzeuge startbereit waren, eines für den Flug nach Moskau und eines Lockheed 12 A des brit. Geheimdienstes die Göring zu einem Geheimtreffen nach England bringen sollte. Falin ausführliche Betrachtungen der diplomatischen Aktivitäten aller Seiten bis zum Kriegsausbruch werfen jedenfalls ein anderes Licht auf die Vorgeschichte des Kriegsausbruchs. Der Erwiderung Herrn Opals kann indirekt entnommen werden dass bis zuletzt Vehandlungen über ein 2. “München” möglich waren.

  8. Achim Höger sagt:

    “Noch am letzten Tag vor dem Angriff am 01.09.39 erschien der polnische Außenminister Beck in Berlin (den niemand mehr empfing). ” Wo bei Falin wollen Sie das gelesen haben?

  9. Schröder sagt:

    Zum Beitrag Erhard Cromes „Krieg als deutsche Fehlkalkulation“.
    Dem Beitrag möchte ich folgendes hinzufügen: In Valentin Falins quellenbasierten Werk „Zweite Front-Die Interessenkonflikte der Anti-Hitler-Koalition“ wird (S. 99 und davor) dargestellt, dass ein 2. „München“ über Polen zwischen Berlin und London Mitte bis Ende August 1939 in greifbarer Nähe war. Insgesamt legt Falin mit diesem Werk eine umfangreiche Analyse der gesamten Vorgeschichte des II Weltkriegs vor (er hat dazu in den Archiven in den Hauptstädten geforscht). Noch am letzten Tag vor dem Angriff am 01.09.39 erschien der polnische Außenminister Beck in Berlin (den niemand mehr empfing). Falin arbeitete auch heraus, dass Hitler schon im Mai 1939 entschlossen war auch ohne sich mit Moskau zu verständigen Polen angreifen wollte weil er davon ausging, dass Moskau nicht mehr eingreifen könne aufgrund des Kurzen Kriegszeitraums.
    Dazu wies Falin nach, dass Richard Sorge am 24.06.39 an Moskau das Angebot Tokios an Berlin vom 05.06.39 übermittelte, dass Japan der Berliner Naziregierung anbot die UdSSR gemeinsam zu zerschlagen. Danach begannen die Kämpfe am Chalchin-Gol (S. 78). Diese Informationen sind bei der jüngsten Diskussion über den Hitler-Stalin-Pakt nicht beachtet worden. Moskau wollte einen 2-Frontenkrieg gegen sich unbedingt vermeiden und hatte auch gute Gründe für diese Sorge. Falin legte auch dar dass Moskau offenbar im Sommer 1939 auch über ein mögliches 2. „München“ zwischen Berlin und London im Bilde war.
    Falins Werk sollte unbedingt bei den Betrachtungen zum II-WK herangezogen werden.

    • Jan Opal sagt:

      Jan Opal:
      Der “letzte Tag vor dem Angriff” war der 31. August 1939, am 1. September 1939 sprachen bereits ab den frühen Morgenstunden die Waffen. Meines Wissens war Polens Außenminister weder am 31. August noch am 1. September in Berlin. Hitler und Ribbentrop hatten über die britische Regierung am 29. August 1939 Polen aufgefordert, am 30. August 1939 einen Regierungsbevollmächtigten nach Berlin zu schicken, um zu verhandeln. Der polnische Außenminister erfuhr davon erst am Abend des 30. August 1939, beauftragte den polnischen Botschafter in Berlin, J. Lipski, der deutschen Seite am 31. August 1939 die Bereitschaft Polens zu Gesprächen und direkten Verhandlungen zu überbringen. Um 15 Uhr fragte Weizsäcker aus dem Außenministerium nach, ob Lipski Bevollmächtigter für die Verhandlungen sei oder Botschafter, worauf dieser antwortete, er sei der Botschafter. Um 18.30 Uhr empfing Ribbentrop den polnischen Botschafter, fragte den wiederum, ob er eine Vollmacht für Verhandlungen habe, was dieser verneinte, denn er sei als Botschafter gekommen. Ribbentrop sagte daraufhin, man habe einen zu Verhandlungen befugten Vertreter Polens am 30. August erwartet, er werde es jetzt Hitler so übermitteln. Wenige Stunden später wurde der Zweite Weltkrieg vom Zaun gebrochen. Es wäre also interessant zu erfahren, welche von V. Falin angeführte Quelle den polnischen Außenminister Józef Beck am 1. September 1939 in Berlin ausgemacht haben will, der dort dann, wie behauptet, vergeblich auf deutsche Gesprächspartner gewartet haben soll.

    • Ralf Schröder sagt:

      An Herrn Opal:
      Sie haben recht. In der Tat findet sich dafür kein konkreter Nachweis in dem Werk, da muß ich mich korrigieren mit der Bitte um Entschuldigung. Ich habe diese Information aus meiner Erinnerung verwechselt mit einem früheren Werk zum II WK, einem Bildband zum II WK des DDR-Militärverlags (den Bildband habe ich aber nicht, den hatte ich nur zu DDR-Zeiten einmal geliehen, dort gab es sogar ein Bild mit Beck dass ihn in Berlin zeigen soll). Mir scheint ihre Recherche dazu allerdings zutreffender zu sein.
      Allerdings weißt Falin mit Quellen nach (S. 56-57) dass J. Beck 1938/39 im Austausch mit deutschen Regierungsvertretern stand um ggf. antisowjetische Abmachungen treffen zu können und Polen war auch unterstützend bei der Zerschlagung der CSR dabei (lt. Falins Angaben im Buch).

      Mit freundlichen Grüßen

      Ralf Schröder

  10. Stephan Wohanka sagt:

    „Das Teufelszeug muss weg!“ von Sarcasticus
    Es widerstrebt mir, auf anonyme Beiträge – und Pseudonyme machen anonym – zu reagieren; warum sagt man nicht unter seinem Namen seine Meinung? Meine Inkonsequenz liegt darin begründet, dass sich hinter den von Fachleuten zu diskutierenden wehrtechnischen und bündnispolitischen Details des Beitrages ein viel grundlegenderes Problem verbirgt: Deutschlands Haltung zu sich selbst.
    Ich will an eine Abstimmung in der UNO in Sachen Libyen erinnern; Deutschland enthielt sich damals bekanntlich: Während des dortigen Bürgerkriegs schlug die Arabische Liga der UNO die Einrichtung einer Flugverbotszone vor, um Gaddafis Luftwaffe auszuschalten. Zu lesen war damals in der hiesigen Presse: „Die Bundesregierung, Außenminister Guido Westerwelle voran, verweigert dem westlichen Bündnis die Solidarität. Politisch ist das eine heikle Entscheidung. Aber sie ist mutig. Und vor allem völlig richtig. […] Es ist beruhigend, dass Westerwelle Deutschland auf einen Sonderweg führt.“ Dass dann der westliche Einsatz über das Mandat hinaus ausgedehnt wurde, ist hier nicht von Belang; aber schon, dass Deutschland sich mit hundert Soldaten doch an dem Krieg beteiligte. Vor allem aber wurde klar: Deutsche politische und intellektuelle Eliten gefielen sich offenbar wieder darin, „Sonderwege“ zu gehen.
    „Das Teufelszeug muss weg“ – wohin? Deutschland müsste konsequenterweise fordern, ganz Europa atomwaffenfrei zu machen, denn das Teufelszeug würde wohl nicht nach Übersee verschifft, sondern über Europa verteilt werden; wahrscheinlich nach Polen, in osteuropäische Staaten. Dabei ist das Land in der Mitte Europas umgeben von NATO-Mitgliedern, die sich auf eine gemeinsame Verteidigung verständigt haben. Und – auch aus der NATO, was nicht Wenige fordern, müsste die Bundesrepublik dann eigentlich ausscheiden.
    Unsere Nachbarn erinnerten sich – deutsche Sonderwege waren für sie in der Regel gefährlich. Nicht dass Deutschland sie wieder überfiele; nein, das nicht, aber ihnen würde klar, dass das heutige Deutschland in Teilen von guten Vorsätzen abginge, die es aus der letzten Katastrophe gezogen hat: Nie wieder Krieg! Und: Nie wieder allein, isoliert! Deshalb war es auch im deutschen Interesse, dass beide deutsche Staaten in die entsprechenden Bündnissysteme NATO und Warschauer Vertrag integriert waren. Mit der Vereinigung 1990 begannen sich im nun souveränen Deutschland peu a peu wieder politische Kräfte zu regen, die das Vertrauen in Berechenbarkeit und Verlässlichkeit deutscher Politik gegenüber unseren Nachbarn unterminieren, die die Einbindung in die (europäische) Völkergemeinschaft infrage stellen und der „Versuchung“ nationalistisch-selbstbezogenen Handelns gerne nachgäben. Schon ein Ausscheren aus bestimmten NATO-Verpflichtungen gäbe diesen Kräften Auftrieb und relativierte die politische Rolle Deutschlands erheblich. Der perfekte Sonderweg, wieder einmal! Deutschland ist nicht nur der geografischen Lage nach eben nicht Griechenland, Kanada oder die Türkei.
    Warum kommt es immer wieder zu solchen Phantasien? Offenbar ist unser Selbstempfinden – die historischen Begründungen führten hier zu weit – in seiner Wurzel geschädigt, macht uns unsicher, schwankend. Ein daraus folgender Minderwertigkeitskomplex, das ist bei Völkern nicht anders als bei Menschen, geht einher mit Heuchelei und Arroganz. Natürlich sind wir nicht friedliebender (siehe Libyeneinsatz), moralisch nicht besser als andere, wir aber meinen, wir seien es! Und wollen dem auch Ausdruck geben.
    Alles in allem: Deutschland kann nicht immer wieder Sonderwege gehen – entweder überzieht es die Welt mit Krieg und Verwüstung oder aber es generiert sich als letztendliches moralisches, friedfertiges Gewissen der Welt. Es muss endlich Schluss sein mit dem fatalen Diktum: „Am deutschen Wesen soll die Welt genesen“ – im Guten wie im Schlechten, wobei die historische Abfolge eher nahe legt, im Schlechten wie im vermeintlich Guten. Und sei im Bezug auf Atomwaffen.

    • Franka Haustein sagt:

      Sie, werter Herr Wohanka, haben ihren Ischinger (“Wollen wir, dass Polen […] statt Deutschland Nuklearwaffen stationiert […] ?”) ja wirklich gründlich gelesen.
      Aber Scherz beiseite.
      Ende des Kalten Krieges lagerten etwa 7000 US-Nuklearsprengköpfe in Westdeutschland. Die wurden nach 1990 zu fast 100 % abgezogen, ohne dass die Deutschen über das „ob“ konsultiert oder auch nur über das „wann“ und „wie“ einigermaßen detailliert informiert worden wären. Welche Auffassung hatten Sie denn dazu. Oder zu der Frage, wieso ein kärglicher Rest von geschätzt 20 Atombomben in Deutschland verblieb – in einer Zeit, in der das Feindbild Russland ganz offiziell suspendiert war. Hatte das womöglich primär mit US-Kontrollambitionen gegenüber dem westeuropäischen NATO-Fußvolk zu tun?
      Wohin die Waffen denn sollten, fragen Sie mit Blick auf Polen und zaubern dann gleich noch den ganz großen Popanz aus dem Hut: ohne die US-Kernwaffen müsste die „Bundesrepublik dann eigentlich (aus der NATO) ausscheiden“. Auf diesen Zusammenhang ist meines Wissens bisher noch niemand gekommen …
      Doch im Ernst: Wie wäre es denn mit folgendem Ansatz? Die NATO hat schon wiederholt erklärt, das russische Übergewicht bei taktischen Kernwaffen zum Gegenstand von Verhandlungen und Abrüstung machen zu wollen. Moskau hat das bisher nicht abgelehnt, aber an die Voraussetzung geknüpft, dass die USA ihre taktischen Systeme zunächst einmal dahin zurückführen, wohin Russland dies bereits vor 30 Jahren getan hat – auf nationales Territorium. Also ab mit den Dingern aus Büchel über den großen Teich und dann die Russen beim Wort genommen. Sicherheitspolitisches Porzellan kann dabei kaum zerschlagen werden, haben doch die USA gerade in einer Nacht-und-Nebel-Aktion (Otfried Nassauer berichtete – https://das-blaettchen.de/2020/04/die-nukleare-teilhabe-in-der-nato-wird-europa-ausgetrickst-52380.html) vorgeführt, dass man die Bunker in Büchel binnen 48 Stunden komplett beräumen und wieder befüllen kann. Wenn die Russen also mit gezinkten Karten spielten …
      Das wäre doch ein ganz praktischer Ansatz anstelle des Geschwurbels über „das Vertrauen in Berechenbarkeit und Verlässlichkeit deutscher Politik“ und des erhobenen Zeigefingers („Deutschland kann nicht immer wieder Sonderwege gehen“).

    • Stephan Wohanka sagt:

      Liebe Frau Haustein,
      wenn ich in Ihrem Verständnis nur „Geschwurbel über ´das Vertrauen in Berechenbarkeit und Verlässlichkeit deutscher Politik´“ von mir gebe – sei´s drum. Ich jedenfalls fühle mit der Warnung, die Verlässlichkeit in die deutsche Politik nicht aufs Spiel zu setzen, gut aufgehoben. Studien besagen: In einer immer turbulenteren Welt ist Deutschland mit seinen stabilen Strukturen, seiner wirtschaftlichen Stärke und einem hohen Werteverständnis gefragter denn je (als hier lebender weiß ich das entsprechend zu relativieren). Als Fürsprecher Europas (auch das sehe ich seit Merkels Zeiten etwas zurückhaltender) und Schlichter in internationalen Konflikten soll es entschlossener (sic!) handeln und eine Führungsrolle einnehmen – und dabei nicht a l l e i n e (meine Hervorhebung) oder in aggressiver Weise agieren. Diese Erwartungshaltung ist nicht neu: Bereits 2012 hieß es in einer Studie: „Zieht die größeren Schuhe an, sie werden Euch passen!“ Deutschland wurde damals schon aufgefordert, eine aktivere Rolle in der Welt spielen und damit seiner Wirtschaftskraft und seinem politischen Ansehen zu entsprechen. Dieser Befund überraschte seinerzeit, hatte es doch noch bei der Wieder­vereinigung massive Vorbehalte und Bedenken gegen ein größeres Deutschland in der Mitte Europas gegeben. Würden die Deutschen wieder über die Stränge schlagen? Solche Ängste und Befürchtungen wurden damals durch politisch-praktische Zurückhaltung zerstreut. Heute ist die Welt eine vollkommen andere, Deutschland gefragter denn je. Und zwar – wie gesagt – in einer seiner Bedeutung angemessenen Führungs­rolle. Da gibt also durchaus etwas zu verspielen; und „Sonderwege“ passen eher schlecht…
      … und genau darum geht es mir; doch nicht darum, „ob man die Bunker in Büchel binnen 48 Stunden komplett beräumen und wieder befüllen kann.“ Auch nicht darum, ob „Russen“ oder wer auch immer „mit gezinkten Karten spielt“, sondern darum, dass unser Land eine an politischer Vernunft orientierte Politik in Abstimmung mit unseren europäischen Nachbarn betreibt. Das ist bekanntlich kompliziert genug; und unser Land bleibt da noch um Einiges unter seinen Möglichkeiten. Da kommt es sowohl im Westen als auch im Osten schlecht an, wenn man um den „kärglichen Rest von geschätzt 20 Atombomben in Deutschland“ Alleingänge unternimmt. Was bringt das auch? Wie Sie schreiben, habe die NATO schon wiederholt erklärt, das russische Übergewicht bei taktischen Kernwaffen zum Gegenstand von Verhandlungen und Abrüstung machen zu wollen. Dass sich Deutschland als NATO-Mitglied massiv einbringen sollte, passte exakt in das Bild von der „Führungsrolle“. Überhaupt sind internationale Gremien der ideale Raum für das Agieren deutscher Politik; namentlich für gemeinsame (atomare) Abrüstung – mit seiner mahnenden Geschichte im Rücken. Aber eben keine einseitigen Aktionen, die oft von besserwisserischer, moralischer Überheblichkeit zeugen und zu Hohn und Spott führen: „No strategies please – we´re German“ oder „No shooting, we´re German“ oder auch die These, dass die Deutschen „militante Pazifisten“ seien.
      Freundliche Grüße
      Stephan Wohanka

    • Ralf Nachtmann sagt:

      Lieber Kollege Wohanka,
      eine Bemerkung vorweg: Als langjähriger Leser, Autor und Forum-Beiträger dürften Sie (wie mach anderer auch) den Autor hinter dem Pseudonym Sarcasticus sicher kennen. Falls doch nicht: Von “anonym” kann dennoch keine Rede sein, denn seriöse Publikationen veröffentlichen nie anonyme Beiträge, die Redaktion kennt die Autoren.

      Nun aber zur Sache: Sie schreiben u.a.: “Dabei ist das Land in der Mitte Europas umgeben von NATO-Mitgliedern, die sich auf eine gemeinsame Verteidigung verständigt haben.” Diese “Verständigung” ist doch eine Schimäre, dir Militärpolitik der Nato unterliegt nahezu vollständig einem US-Diktat. Darüber hinaus solltes Sie bitte nicht stets vergessen, dass es (auch schon seit 60 Jahren) eine “Europäische Verteidigungsgemeinschaft” EVG gibt, die ohne die USA und vor allem gegen deren Hegemonialstreben in (West)-Europa gegründet wurde. Auf eben diese stützte sich die damalige spezielle Art der Suspendierung (ein Austritt im Sinn des Wortes war es ja nicht) Frankreichs 1967, in dessen Folge sämliche Truppen und Waffen der USA Frankreich binnen kürzester Zeit – gegen den massiven Widerstand aus Washington und Bonn – verlassen mussten. (Frankreich kehrte erst unter dem Präsidenten Sarkozy zurück.) Und? War die Verteidigungsfähigkeit Westeuropas um nur einen Deut verringert? War die “politische” Macht der Nato auch nur irgendwie beschädigt?
      Als 1990 und den ersten Jahren danach das Ende des so genannten Kalten Kriegs verkündet wurde, hieß es: Die Nato wird sich binnen kürzester Zeit zu einem vorrangig politischen Bündnis wandeln. Mir scheint, Sie glauben diese Lügen heute noch. Die Vorstellung, die “Sicherheit Europas” (welches Europas?) werde allein durch die von den USA diktierte Nato gewährleistet, spielt ganz genau deren Hegemonialstreben in die Hände. Gestützt werden derartige Begründungen vor allem aus “der “Wirtschaft”, denn es ist ja bekannt und wurde – Sie erinnern sich? – mehrfach praktiziert, dass die USA ein Sich-Sperren gegen ihre Militärdoktrin mit massiven wirtschaftlichen “Sanktionen” bestraft. Das ist keine Trump-Frage, das taten auch Obama und seine Vorgänger im Amt, am wenigsten noch Bill Clinton.
      In der heutigen Zeit wäre es angesichts der seit etwa 20 Jahren stetig steigenden Polarisierung der Welt zwischen den USA und China nötig, die o.g. EVG neu zu beleben (dies wird auch in anderen Nato-Ländern Westeuropas gefordert) und sich einmal auf den KSZE-Prozess von Mitte der 1970-er Jahre zu besinnen. Der hatte die Konfrontation mit der Sowjetunion über eineinhalb Jahrzehnte zumindest spürbar gemildert. Heute hieße die Aufgabe für Deutschland, von dem Sie offensichtlich sklavische, wenn nicht gar Nibelungen-Treue zum Diktat der USA fordern, selbst als Garant für den Frieden in Europa einzustehen. Das sicherste Mittel dazu ist ganz einfach: Es muss eine neue “Achse Paris-Berlin-Moskau” geschmiedet werden. Und falls es doch zu (wie stets vorüber gehenden) Zerwürfnissen kommen sollte: Wir können uns auch auf die “Frappe de Force” verlassen. Ohne “Ami-Knecht” zu sein.

    • Stephan Wohanka sagt:

      Lieber Kollege Nachtmann,
      ich nehme die Anrede „Kollege“ gern auf… ich gestehe, dass ich trotz langjähriger Tätigkeit im Dunstkreis des Blättchen nicht weiß, wer hinter dem Pseudonym Sarcasticus steckt.
      Nun auch zur Sache: Um nochmals auf meinen kritischen Punkt zu kommen – ich denke, es ist falsch, ja schädlich für dieses Land, wenn es auf dem Hintergrund seiner mahnenden Geschichte „Sonderwege“ in der Politik geht – und nicht wenige finden das offenbar gut und richtig. Das betrifft auch und namentlich die breit verstandene Außen-, Sicherheits- oder Verteidigungspolitik, um die es sich in diesem Disput dreht. Ich denke, es ist besser und richtiger – ich will nun keine Debatte initiieren, ob „richtig“ steigerbar ist; es gibt Stimmen, die das meinen -, wenn sich Deutschland an jeder Initiative beteiligte, die die Hegemonie der USA in der NATO zurückdrängte oder relativierte, die die Anstrengungen stärkte, eine europäische Sicherheitsstruktur aufzubauen oder zu stärken, die die atomare Abrüstung auf dem europäischen Kontinent oder besser noch – weltweit vorantriebe, aber eben nicht im Alleingang, sondern immer nur im Verbund mit anderen Staaten. Ich denke, dass Deutschland dabei schon einiges Positive geleistet hat wie das von den UN-Vetomächten, Deutschland und dem Iran beschlossene Atomabkommen, das Minsker Abkommen zur Ostukraine, letztlich die Libyen-Konferenz oder auch geglückte Vermittlungsaktionen im Nahen Osten.
      Wenn führende SPD-Politiker jetzt einseitig das Ende an der so genannten Nuklearen Teilhabe fordern und die Stationierung dieser Atombomben hierzulande beenden wollen, halte ich das für falsch; es wieder ein Alleingang, ein „Sonderweg“. Auch andere Staaten hätten untersagt, auf ihrem Territorium US-Atomwaffen zu lagern, ohne dabei die NATO infrage zu stellen. Wie ich schon schrieb, zieht dieses Argument nicht. „Wir sollten als Deutsche selbstbewusst fordern, die Nuklearstrategie der Nato auch dann mit zu prägen, wenn keine Nuklearwaffen mehr auf unserem Gebiet lagern.“ Da kommt es durch – „wir als Deutsche“ zeigen es denen mal; dieses Besserwisserische, vermeintlich Überlegene….. Da verkommt die Behauptung „Viel stärker als andere Parteien orientieren wir uns nicht nur am eigenen, nationalen Interesse, sondern beachten auch die Interessen anderer Länder, weil wir wissen, dass wir nur gemeinsam stark sein können“ zur puren Phrase.
      Beste Grüße
      Stephan Wohanka

    • Wolfgang Brauer sagt:

      Mir bereiten diese akademischen Atomwaffen-Monopoly-Debatten ein hochgradiges Unbehagen. Es ist mir vollkommen egal, wer hier meint, wie mit welchen Strategiechen an welchem Spieltisch auch immer mitmischen zu können oder zu müssen. Das Zeug muss weg, die Hemmschwelle der Strategen scheint sich wieder einmal abzuflachen. Jedes Land, das diese Werkzeuge des Teufels von seinem Boden entfernt, ist nur zu beglückwünschen. Natürlich sind das “Sonderwege”. Jeder Anfang ist ein “Sonderweg”. Zu erwarten, dass es mit der Atomwaffenlobby irgendeinen Konsens geben könnte, ist absolut lächerlich. Weg mit dem Zeug, das ist das einzige, was zählt. Wenn das – damit haben Sie ja recht, Herr Wohanka – nicht ganz einflusslose Deutschland da endlich eine Vorreiterrolle übernimmt, würde das durchaus auf andere ausstrahlen.
      Ich wäre ziemlich entsetzt, wenn ausgerechnet im “Blättchen” für den Verbleib von Kernwaffen – es ist mir egal, welches Etikett auf ihnen klebt – im Lande argumentiert werden würde. Das hat nichts mit “Verläßlichkeit deutscher Politik” – was ist denn das für eine Phrase! – zu tun, das wäre ein Beklatschen der Fortsetzung der jahrzehntelang gepflegten Hasard-Spielchen mit dem Schicksal der Menschheit. Herr Wohanka, Sie sitzen aber auf so etwas von einem falschen Pferd …

  11. Bernhard Romeike sagt:

    In diesem unserem Lande wird die Bundesliga wieder angepfiffen – mit Geisterspielen, aber Einnahmen aus Fernsehmitteln. In der Schweiz forderte der dortige Fußballverband vom Bund 200-250 Millionen Franken, um Corona zu überleben; er brauche staatliche Bürgschaften und Kurzarbeitergeld. Wenn nichts passiert, so der Verbandspräsident Heinrich Schifferle, dann werde der Profifußball „bald anders aussehen“. Die Neue Zürcher Zeitung kommentierte ironisch: angesichts von der Realität völlig abgehobener Spielergehälter wäre das vielleicht gar nicht so schlecht.
    In Deutschland will man die erhalten. Ein schönes Plakat von Klaus Staeck aus dem Jahre 1997 präsentierte die Losung: „Ein Volk, das solche Boxer, Fußballer, Tennisspieler und Rennfahrer hat, kann auf seine Universitäten ruhig verzichten“. Das gilt nun auch für Kinderkrippen.
    Ob dafür noch die altvordern Seelenkrüppel verantwortlich sind oder neu gewachsene, vermag ich nicht zu sagen. Eher ist es nicht eine Seelen- sondern eine Geldfrage.

    • Ralf Nachtmann sagt:

      na, so geht eben kapitalismus. das haben wir doch schon in der schule gelernt.

  12. Schwierig, schwierig. Meine Kritik an Jörn Schütrumpfs “Seelenkrüppel”-Artikel vom 27.4. führte nicht zur Diskussion über diesen Artikel, sondern über die Berechtigung und Form meiner Kritik – zwei strenge Rügen durch Wolfgang Brauer eingeschlossen.

    Und nun? Ist die Frage, ob es “den deutschen Nachkriegsmenschen” (Schütrumpf) gab – und noch gibt? Jörn Schütrumpf nennt ja nicht nur keinen sozialen Ort, sondern auch keine Zeit – immer noch nicht beantwortet. Dabei kann diese Antwort doch nur “Nein” lauten. Es gibt ihn so wenig wie “den sowjetischen” oder “den US-amerikanischen” oder “den österreichischen Nachkriegsmenschen” – egal, mit welchem Term er je näher bezeichnet werden sollte. Ich war wohl nicht genau genug in meiner Kritik. Nun also ein Versuch des Bessermachens: Ja, es gab nach dem Zweiten Weltkrieg weltweit unendlich viele durch das Erlebte zu Seelenkrüppeln gemachte und gewordene Menschen. Und es ist notwendig und wichtig und verdienstvoll, nicht darin abzulassen, über Ausmaß und Fortexistieren dieser Verkrüppelungen zu forschen und zu schreiben und sich auszutauschen. Darin bin ich mir mit Jörn Schütrumpf völlig einig. Zumal selbstverständlich die Debatte über die Verkrüppelungen in Deutschland – dem Land des Nazi-Faschismus, das den Weltkrieg begonnen, fast ganz Europa brutal unterworfen und den Holocaust verbrochen hat – von ganz besonderem Gewicht sein muss. – Aber die Verkrüppelungen – ich bleibe dabei – haben einen je genauen sozialen Ort. Es gab – und gibt – ein Oben und ein Unten, ein Besitzen und Nichtbesitzen, ein Herrschen und Beherrschtsein, und entsprechend unterschiedlich sind die Verkrüppelungen. Oder will ernsthaft jemand behaupten, es machen keinen Unterschied, ob man ein KZ kommandierte oder in ihm eingesperrt war? Und so wehre ich mich also gegen die Vereinfachung der Konstruktion “des deutschen Nachkriegsmenschen”. Mit ihr werden die Unterschiede verschleiert, verkleinert, unwesentlich gemacht. – (Übrigens nennt Jörn Schütrumpf in seiner auf die “Seelenkrüppel”-These hinzielenden Kritik an den Nachkriegszuständen an einer Stelle dann doch einen einzigen konkreten sozialen Ort: die “links-nationalistische Mottenkiste”. Das ist eine interessante Auswahl.)

    Zu meiner Frage nach einem eventuellen Widerhaken beim Überbordwerfen marxistischen Denkens habe ich von Stefan Wohanka erneut erfahren, dass “der Marxismus als System” eben nun einmal gescheitert ist. Was nützt es mir da, dass ich Sartre zitiere. Und beim Marxismus nicht von einem System rede, sondern von einer Methode der Gesellschaftsanalyse. Und bei meiner eigenen Praxis des Verdichtens auf im Internet leicht zugängliche Quellen verweise. – In einem anderen Beitrag vermutet Lars Niemann, dass es mir gar nicht um den Schütrumpf-Text gehe, sondern dass mich “ein vordergründig psychologischer Blick auf die Geschichte” störe, “obwohl ein solcher durchaus mehr bringen könnte als die gebetsmühlenartige Wiederholung bekannter Einschätzungen”. Was soll man zu Vermutungen sagen? Sie vermuten falsch, Herr Niemann. (Und nun könnte ich auf 1000 Seiten Befassung mit konkreten deutschen Nachkriegsmenschen und ihren seelischen Verkrüppelungen in meiner Roman-Trilogie “Hartenstein” verweisen – aber wollen Sie das denn wissen? Haben wir denn solches Interesse aneinander?) – Lars Niemann verwies auf Günter Tembrock und den Menschen als biopsychosoziale Einheit. So ende ich also mit Tembrocks Hinweis auf “die ‘kulturelle Fitness’ als Fähigkeit, sich Kultur über Tradition anzueignen und weiter zu fördern, sowie die ‘gesellschaftliche Fitness’ als Fähigkeit zur Integration in die Gesellschaft unter Ausbildung eines ‘gesellschaftlichen Bewusstseins’.” (G. Tembrock, Parameter der organismischen Individualität im Vorfeld der Evolution der Persönlichkeit, in: Vom Gen zum Verhalten. Der Mensch als biopsychosoziale Einheit, Berlin [DDR] 1988, S. 107-117, hier: S. 116). Nicht “bio” weg, nicht “psycho” – und eben auch nicht: “sozial”.

  13. Manfred Richter sagt:

    Der neueste Stand zu Corona?
    Die Zahl der aktiv Corona-Infizierten sinkt weiter und hat die Schwelle von 30.000 deutlich unterschritten. Für die zweite Welle, von der zwischenzeitlich die Rede war, gibt es bislang keinen Beleg.
    Die Reproduktionsrate, also jene Zahl, die angibt, wie viele Menschen ein Infizierter ansteckt, liegt mittlerweile bei 0,78. Damit ist die Epidemie rückläufig.
    Die Intensivbetten in den Krankenhäusern sind weitgehend leer. Die Kliniken klagen über Unterbeschäftigung.
    Führende Virologen haben dem Team der Kanzlerin eine Alternative zum allgemeinen Shutdown nahegebracht, der zufolge man neue lokale und regionale Corona-Hotspots des Virus wie Heinsberg abschirmen kann, ohne die gesamte Volkswirtschaft abzuwürgen.
    Soweit heutige Medienberichte.
    Da bleibt zu hoffen, dass die Kanzlerin nun endlich Licht ans Fahrrad macht oder – sollte sie so zögerlich bleiben wie bisher – dass die Bundesländer, soweit der Föderalismus das zulässt, die Dinge in die eigenen Hände nehmen …

  14. Heinrich Honestus sagt:

    Sehr geehrter Herr Kannapin,
    1. Baentsch war ein respektabler Journalist durchaus bürgerlicher Verortung. Das sind aber viele. Zum Zeitpunkt seines Eintretens in den Ruhestand (er ist Jahrgag 1939) war er Vize-Chef der WELT. Das Blatt kann man als Linker mit guter Berechtigung nicht mögen. Nazistisch ist es nicht. Zum Zeitpunkt der Vorlage seines Buches (2006) war noch nicht vorhersehbar, dass er in Richtung AfD abgleiten wird. Das wurde erst 2014 offenbar.
    2. Ähnliches trifft auf COMPACT des Jahrganges 2012 zu. Ich zitiere einen Aufsatz vom Beginn des Jahre 2012. COMPACT war seinerzeit noch nicht das, was es heute ist. Die zunehmend völkische Ausrichtung führte erst 2014 zu einem Bruch in der Redaktion und zum Ausstieg des Gesellschafters Andreas Rieger. Es ist keine Werbung für ein inzwischen mehr als AfD-nahes Blatt, wenn ein Text aus dessen Anfangsjahren zitiert wird. Es gibt auch keinen Grund, die Zeitung neues deutschland heute weder zu lesen noch zu zitieren, nur weil Jürgen Elsässer von 2008 bis 2009 für dieses Blatt gearbeit hat.
    3. Spekulationen hinsichtlich möglicher Hintermänner des Geschehens verbieten sich für ein seriöses Blatt. COMPACT und andere würden das sicherlich machen. Denkbar wären verschiedene “Interessenten”. In der Boulevard-Presse ist das seinerzeit breit ausgewälzt worden. Bewiesen wurde nichts. Hier wären die Ermittlungsergebnisse abzuwarten – wenn denn die Ermittlungen wieder aufgenommen würden. Rechtlich ist das jederzeit möglich. Mord verjährt nicht.
    All diese Dinge mit dem Vorwurf mangelnden Klassenkampf-Bewusstseins zu verbinden, ist ein einigermaßen lächerlicher Vorgang. Im leider fast vergessenen chinesischen Spielfilm “Die Stadt Hibiskus” (1986) – der Film startete am 13. Januar 1989 in den Kinos der DDR, ein dreiviertel Jahr vor der Ausstrahlung durch die ARD – wird eine Losung aus der schlimmen Zeit der Kulturrevolution zitiert: “Nie den Klassenkampf vergessen!” Ihre Vorwürfe, Herr Kannapin, erinnern mich an diesen Film.
    Heinrich Honestus

  15. erhard weinholz sagt:

    Liebe Leserinnen und Leser, auch ich muss mich entschuldigen, dass ich usw. Und ich muss jetzt sogar etwas weiter ausholen: Sie kennen sicherlich das Märchen von der Schneekönigin. Das ganze Unglück beginnt damit, Sie werden sich erinnern, dass der Teufel einen Spiegel erfindet, der alles Schöne aufs Grässlichste verzerrt. Der Spiegel zerbirst, größere Scherben gelangen hier und da in Brillen … Neulich habe ich dieses Märchen in der sehr schön von Ruth Koser-Michaels illustrierten Ausgabe noch einmal gelesen und mir gedacht: Was der Teufel kann, das kann ich auch. Jedenfalls etwas in der Art. Und ich habe eine Brille erfunden, die die wunderbare, in Diskussionen höchst nützliche Eigenschaft hat, dass ich, wenn ich sie zum Lesen aufsetze, nicht etwa lese, was im Text steht, sondern was mir in den Kram passt. Und dann habe ich diese Brille, das Ergebnis unendlicher Mühen, auf dem Weg zum Patentamt irgendwo liegengelassen. Aber welch ein Glück, Herr Kannapin hat diese Brille gefunden. Anders kann ich mir nämlich nicht erklären, wie er dazu kommt, meinen Satz, dass Marx seinen Klassenbegriff nicht als Universalschlüssel zum Verständnis der Weltgeschichte konzipiert hat, dahingehend umzugestalten, dass des Bärchens Wunderhorn, womit ich gemeint bin (ich hatte den Beitrag mit den Worten: “Nanu, nanu, Bärchen wundert sich” begonnen), dass dieses Wunderhorn also schon lange den Klassenkampf vergessen habe, der seit 2000 Jahren tobt usw. Herr Kannapin, ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie mir die Brille zurückgeben würden. Vielleicht beim nächsten Blättchen-Treff?

  16. Detlef Kannapin sagt:

    Ich muss mich zunächst dafür entschuldigen, dass ich nun nochmals hier auftrete. Ich denke, dass Wolfram Adolphi zum Text “Seelenkrüppel” ausreichend das Richtige gesagt hat. Des Bärchens Wunderhorn hat ja leider schon lange den Klassenkampf vergessen, der seit über 2000 Jahren tobt und bisher immer von den herrschenden Klassen initiiert und gewonnen wurde. Das sollte aber die Verfechter des Kampfes um die menschliche Gesellschaft nicht davon abhalten, eben genau diesen Klassenkampf zu analysieren und praktische Vorschläge zu dessen Aufhebung zu machen. Politische Mittel sind, wie Dietmar Dath einmal meinte, längst gefunden, sie aufzugeben kann kein Fortschritt sein. Die Friedensangebote an die Kapitalisten sind bislang immer mit Übernahmen beantwortet worden – so sollte man weiterhin sehr misstrauisch sein, klassenmäßig eben.
    Es ist darüber hinaus sehr irritierend, dass im letzten “Blättchen” außerdem ein Text zu Uwe Barschel erschienen ist, der sich auf Quellen stützt, die u.a. im neurechten Magazin “Compact” ausgebreitet und nunmehr hier positiv rezipiert worden sind. Auch stimmt bedenklich, dass der Text selbst die wichtigste Fragestellung (nämlich: wem nutzte zum damaligen Zeitpunkt der Tod Barschels zu welchem Zweck?) gar nicht erst stellt. Solche Türöffner sind gefährlich, denn jede unreflektierte Wahrnehmung rechter Publikationsorgane schafft diesen eine Tribüne. Man sieht: auch hier Klassenkampf, wie überall. Er hat ja nie aufgehört, also sollte man auch nicht so tun.

  17. Stephan Wohanka sagt:

    Mal weg von den großen Themen…
    Als Zeitungsleser war mir die Auseinandersetzung um Staatlichen Ballettschule Berlin und Schule für Artistik in groben Zügen geläufig. Deshalb las ich auch die Meldung in der Rubrik „Antworten“ der aktuellen Blättchen-Ausgabe zum Thema. Und nahm zur Kenntnis, dass – wie dort zu lesen ist – eine Autorin der Berliner Zeitung meint, die Ballettschuldirektoren Rolf Stabel und Gregor Seyffert würden aufgrund einer üblen Intrige aus Ihren Ämtern getrieben und eine international hoch geachtete Einrichtung über die Demontage verdienstvoller Persönlichkeiten auf den Status des üblichen Mittelmaßes zurechtgestutzt werden solle. So weit so gut.
    Im heutigen Tagesspiegel finde ich jedoch unter Titel und Untertitel Folgendes zum Thema: „Experten bestätigen Vorwürfe gegen Staatliche Ballettschule / Der Zwischenbericht zu den Vorwürfen gegen die Berliner Ballettschule liegt vor – und zeigt auf, wer den hohen Preis für die Reputation der Schule in der Tanzwelt zahlt.“
    Um nur eine Passage des Tagesspiegel-Textes zu dokumentieren: „Dass es eine ´Kultur der Angst´ gebe oder zumindest gegeben habe, wird von der Kommission nicht bestritten, vielmehr sei diese Kultur sogar ´prägend´ an der Schule. Die Experten stellen die Frage nach den Ursachen und kommen zu dem Schluss, dass sich diese Angst nahezu zwangsläufig aus den Bedingungen der Schule ergebe, nämlich aus dem Nebeneinander von Drill und Auslese und der damit verbundenen Konkurrenz unter den Schülern und der latenten Gefahr des Rauswurfs, der sogenannten Abschulung. In diesem Zusammenhang weist die Expertenkommission auf den problematischen Umgang mit Schülern durch ´herabwürdigende, beleidigende und übergriffige´ Äußerungen hin: ´Diese Äußerungen verursachen Angst, zumal wenn sich die Betroffenen kaum wehren können´, stellen die Experten fest. In der Schule gebe es kein hinreichendes Bewusstsein für die Bedeutung von Kritik und Beschwerden, was auch in dem Fehlen eines funktionierenden Beschwerdemanagements deutlich werde.“

    Das Frappierende ist, wie zwei Medien respektive ihre Autorinnen zu so diametral unterschiedliche Auffassungen in der gleichen Sache kommen können. Oder wird da (auch) ein Ost-West-Konflikt gespielt?

    https://www.tagesspiegel.de/berlin/kindeswohlgefaehrdung-wurde-beguenstigt-experten-bestaetigen-vorwuerfe-gegen-staatliche-ballettschule/25794074.html

    • Wolfgang Brauer sagt:

      Lieber Herr Wohanka,
      das ist überhaupt nicht frappierend, sondern ein normaler Vorgang. Es kommt immer darauf an, wer beim Recherchieren mit wem spricht. Ich kenne Birgit Walter (“Berliner Zeitung”) seit vielen Jahren als sehr solide arbeitende Journalistin, die sich – bevor sie eine Aussage zu Papier bringt – niemals mit nur einer Quelle und nur einer Meinung zufrieden gibt. Sonst hätte dieser kurze Text den “Filter” des Redakteurs nicht passiert. Es geht um sehr schwerwiegende Vorwürfe.
      Ich kenne und schätze auch Prof. Seyffert seit sehr langer Zeit, ebenso wie die Ballettschule Berlin. Der “Tagesspiegel” wirft allerdings eine sehr grundsätzliche Frage auf, die nach “dem Nebeneinander von Drill und Auslese und der damit verbundenen Konkurrenz unter den Schülern und der latenten Gefahr des Rauswurfs, der sogenannten Abschulung”. Das Wort “Drill” hätte ich nicht benutzt. Es ist stark pejorativer Natur. Drill hat viel mit Zwang zu tun, niemand ist gezwungen, sich diesem “Drill” auszusetzen. Diese Schule ist kein Kasernenhof. Die Tatsachen eines harten Trainings, damit verbundener “Auslese” – wenn es zum Beispiel um die Auftritte und auch die Soli oder die Pas des deux (das ist häufig noch krasser, da hier gerade bei Heranwachsenden noch Fragen außerhalb des Tanzes hinzukommen)geht -, die Konkurrenzen und natürlich auch die Möglichkeit der “Abschulung” sind in allen leistungsorientierten Schulen, den sogenannten “Eliteschulen” (in der DDR sagte man “Spezialschulen”) ein Problem. Wer das abschaffen will, muss diese Schulen abschaffen. Ich glaube, darum geht es auch letztendlich.
      Es ist eine spannende Frage und durchaus ein großes Thema. Wir werden da wohl dranbleiben.
      Herzlichst
      Ihr
      Wolfgang Brauer

    • Stephan Wohanka sagt:

      Ich danke Ihnen, Herr Brauer, für Ihre prompte Stellungnahme…
      Sie haben Recht; aus Sicht Betroffener gibt es nur “große” Themen. Und da immer Menschen betroffen sind, ist die Unterscheidung zwischen groß und klein in diesem Zusammenhang eine letztlich müßige.
      Herzlich
      Stephan Wohanka

  18. Lars Niemann sagt:

    Bei der in den letzten Tagen im Forum so intensiv geführten „Schütrumpf-Adolphi“-Debatte frage ich mich, ob hier nicht in Wirklichkeit ein anderes Thema verhandelt wird als es vordergründig der Fall zu sein scheint. Sie ruft mir eine Erfahrung ins Gedächtnis, die natürlich als rein persönlich und anekdotisch keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit erheben kann, es jedoch vielleicht verdient vorgebracht zu werden. Ich erinnere mich, mit welcher Ablehnung und Ignoranz in Schule und Studium in der DDR, in Sonderheit natürlich im Staatsbürgerkunde- und Geschichtsunterreicht oder in den damals obligatorischen ML-Seminaren im Grundstudium (verpflichtend, egal, welches Fach man eigentlich belegt hatte), vor allem die älteren und männlichen (das muss ich hier betonen) Lehrer und Dozenten alle Versuche von Schüler/innen oder Studierenden zurückwiesen, psychologische Aspekte in die Erklärung historischer oder aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen auch nur ansatzweise einzubringen. Aus heutiger Sicht ging es ihnen vermutlich um die Verteidigung des verinnerlichten Dogmas, wonach die Eigentums- und Produktionsverhältnisse und daraus resultierende Klassengegensätze zur Erklärung von allem und jedem hinreichend wären. Aber da musste es doch noch mehr und anderes geben… Ich habe es jedenfalls als ungemein befreiend empfunden, als es in den 1980er Jahren endlich Zugang zu manchen Schriften von Siegmund Freud gab, als endlich vom Menschen als „bio-psycho-sozialer Einheit“ die Rede war, wir in den Vorlesungen von Professor Tembrock oder auf Podiumsdiskussionen über die international gewonnen Kenntnisse der Verhaltensforschung informiert wurden.

    Und nun wird einem Autor, der sich in seinem Text mit der Frage der psychischen Deformation von Menschen durch die NS-Diktatur, ihren Voraussetzungen und ihren Folgen für die deutsche Geschichte befasst und mit dessen Thesen man sich sozialpsychologisch auch durchaus kritisch auseinandersetzen könnte, de facto vorgeworfen, sein Thema historisch und politisch nicht richtig eingeordnet zu haben oder, um ein überlebtes Unwort zu zitieren, nicht vom richtigen Klassenstandpunkt aus zu betrachten. Meine Vermutung: was hier stört, ist ein vordergründig psychologischer Blick auf die Geschichte, obwohl ein solcher durchaus mehr bringen könnte als die gebetsmühlenartige Wiederholung bekannter Einschätzungen. Ich hätte an den Verfasser eher die Frage, wie er sich die „Fernwirkung“ auf die Nachgeborenen vorstellt, welches psychosoziale Erbe aus jener dunklen Zeit auf uns gekommen ist.

    Nun ist die Missachtung der sozial- und individualpsychologischen Voraussetzungen und Auswirkungen historischer Ereignisse und gesellschaftlicher Entwicklungen kein Privileg der marxistischen Orthodoxie im untergegangenen Realsozialismus. (Die eher pluralistische Linke im Westen hatte da ja andere Zugänge, auch wohl eine andere Denktradition.) Ich habe zumindest den Eindruck, dass etwa bei dem aktuellen Themenkomplex, den ich mit „Migration – Flucht – Fremdenfeindlichkeit – Rassismus“ umschreiben möchte, psychologische und verhaltenswissenschaftliche, ja meinethalben sogar evolutionsbiologische, Erklärungen zu wenig herangezogen werden obwohl sie vermutlich wertvolle Aufschlüsse bringen könnten.

  19. erhard weinholz sagt:

    Nun muss ich doch noch einmal meinen guten Vorsätzen untreu werden. Als ich das Zitat las, dachte ich mir: Das stammt doch bestimmt aus einer recht frühen Arbeit. Und so ist es auch, es steht im Kommunistischen Manifest. Wenn ich mich recht entsinne, hat Engels aber in seinen späten Briefen eingeräumt, dass Marx und er manche Aspekte ihrer Geschichts- und Gesellschaftsauffassung zunächst (und zwar bewusst, wie ich vermute) überbetont haben, um den Abstand zu gängigen Vorstellungen zu verdeutlichen. Es war ihnen also, so würde ich das deuten, schon klar, dass sich nicht alles gesellschaftliche Geschehen mit Hilfe des Klassenbegriffs erschließen lässt (könnte allenfalls sein, dass sie das anfangs gehofft hatten – aber kaum eine Vorstellung tritt ja fix und fertig in die Welt).

  20. Erhard Weinholz schrieb am 29.4.: “Ich dachte, es sei klar, daß Marx seinen Klassenbegriff nicht als Universalschlüssel zum Verständnis der Weltgeschichte konzipiert hat.” – Wie passt das zu folgendem Marx-Zitat: “Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaft ist die Geschichte von Klassenkämpfen.”

    Ausführlicher wiedergegeben und kommentiert habe ich dieses Zitat in einem Buch, das bereits im Jahre 2006 erschien; die fraglichen Passagen (am Anfang des Kapitels 2) sind online zugänglich unter:

    http://www.bernhard-mankwald.de/leseprobe2006.htm

    Ansonsten vielen Dank an den Autor für die tollen Kochrezepte in der aktuellen Ausgabe!