Ulrich Busch hat kürzlich im Blättchen (Heft 13/2026 [1]) unser Buch über den Vorschlag einer radikalen sozial-ökologische Transformation besprochen. (Heine/Herr: Fata Morgana: Ewiges Wachstum.) Nach unserer Einschätzung hat er einige wichtige Aspekte betont, allerdings gingen die eigentlichen Zielsetzungen und Kerngedanken des Buches dabei verloren. Worum also geht es uns?
Die Leser des Blättchen kennen die aktuell bedrohlichsten ökologischen Fehlentwicklungen: Der Klimawandel schreitet aufgrund der global nach wie vor steigenden Treibhausgasemissionen weiter voran. Von einer Entkopplung des Rohstoffverbrauchs vom Wirtschaftswachstum kann keine Rede sein, und die Artenvielfalt geht in einem bislang unbekannten Tempo zurück. Gleichzeitig setzen die politisch Verantwortlichen weltweit nahezu ausnahmslos auf wirtschaftliches Wachstum, um die ökonomischen Probleme in den Griff zu bekommen. An sich könnten sie wissen, dass es ein vollständiges Recycling aus physikalischen Gründen nicht geben kann. Dann aber wird es perspektivisch zu einem globalen Nullwachstum kommen, sei es geplant und sozial abgesichert oder über katastrophale Krisen.
Die herrschende Meinung freilich lautet, dass es unter den gegebenen wirtschaftspolitischen Bedingungen keine Alternative zum Wirtschaftswachstum gibt. Den ökonomischen Status quo vorausgesetzt, haben sie recht. Allerdings wird so der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben.
Angesichts dieser Sachlage stehen linke ökologische Bewegungen vor der Herausforderung, diese „gegebenen Bedingungen“ nicht nur zu hinterfragen, sondern nachvollziehbare Alternativen zu entwickeln und diese mit einem schon heute möglichen Reformpaket kohärent zu verbinden. Unserer Kenntnis nach existiert hier eine große Lücke. Um sie zu schließen, haben wir einen sehr konkreten Vorschlag unterbreitet. Dabei sitzen wir nicht der Illusion auf, dass irgendwer den Königsweg kennt, sind aber davon überzeugt, dass die Diskussion um Alternativen dringend Fahrt aufnehmen muss.
Unser Vorschlag grenzt sich von den vorliegenden marktkonformen Ideen etwa einer Ökosteuer oder einer Steuerung über Emissionszertifikate ab, auch wenn sie flankierend nützlich sein können. Diese Instrumente sind theoretisch defizitär, da sie erstens nicht in der Lage sind, negative externe Effekte preislich adäquat zu bewerten (was kosten Hitzetote oder ökologisch erzwungene Migrationen), und zweitens daran scheitern, intergenerative Aspekte einzubeziehen (wie bewerten die Enkel der Enkel den Sachverhalt fehlender Rohstoffe oder einer Klimaerwärmung um 3 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter). Zudem zeigen empirische Studien, dass die politischen Verantwortungsträger regelmäßig zurückschrecken, wenn solche Maßnahmen unpopulär sind und Wahlchancen eintrüben. Eine Planungsökonomie sowjetischer Prägung könnte zwar Wachstumsraten steuern, ist allerdings mit gravierenden Ineffizienzen verbunden und keine erstrebenswerte Alternative.
Zugleich trägt unser Vorschlag dem Umstand Rechnung, dass die Erderwärmung und die Endlichkeit der Ressourcen globale Herausforderungen sind. Folglich muss eine globale Lösung angestrebt werden. Die Länder des Globalen Südens werden aus gutem Grund auf Entwicklungschancen bestehen. Daher werden sich die ökologischen Fehlentwicklungen nur korrigieren lassen, wenn die Art und Weise der internationalen Arbeitsteilung grundlegend reformiert wird. Auf diesen Aspekt, der im Buch sehr ausführlich behandelt wird, kann hier aus Platzgründen nicht eingegangen werden.
Alternativen zum gegenwärtigen Wachstumsmodell müssen auf die aufgeworfenen Fragen Antworten geben. Sonst bleibt alles beim Alten. Im Zentrum unseres Vorschlags steht die Erkenntnis, dass das Wirtschaftswachstum maßgeblich von profitgetriebenen privaten Investitionen abhängt. Diese Logik muss durchbrochen werden. Die von uns vorgeschlagene Lösung beinhaltet verschiedene Aspekte.
Erstens muss im Bereich der öffentliche Daseinsfürsorge (Wasserversorgung, öffentlicher Verkehr, Krankenhäuser, etc.) öffentliches Eigentum dominieren. Ein erster Schritt wäre, dass sämtliche öffentlichen Dienstleistungen und infrastrukturellen Einrichtungen in öffentlicher Hand sind. Unsere Idee der Sozialisierung der Investitionen geht allerdings deutlich darüber hinaus.
Zweitens sollten Aktienunternehmen bzw. Großunternehmen – in welcher konkreten Form auch immer – vergesellschaftet werden. Aktieneigentümer, vielfach Erben, spielen in diesen Unternehmen in aller Regel keine entscheidende Rolle. Es sind die Manager, die das Unternehmen leiten und über Investitionen entscheiden. Die Aktionäre hingegen erhalten üblicherweise vollkommen leistungsfreie Dividenden als ererbte Ansprüche. Unstrittig existieren Ausnahmen von der Regel. Ist der Eigentümer in einer Aktiengesellschaft unternehmerisch tätig, verbindet sich dies häufig mit ökonomischer und daraus resultierender politischer Macht. Eine solche Konstellation ist in einer demokratischen Gesellschaft in vielen Fällen nicht wünschenswert. Man denke an Elan Musk mit seinen engen Verbindungen zur Politik. Welche konkreten Eigentumsformen für diese Großkonzerne gewählt werden, muss vor dem Hintergrund der jeweiligen historischen Konstellation entschieden werden. Mittlere und kleinere Unternehmen sollten in unterschiedlichen Eigentumsformen in privater Hand bleiben.
Drittens soll ein Kreditplan den Rahmen für die gesamte Investitionstätigkeit liefern. So kann makroökonomisch ein Kreditvolumen für investive Zwecke festgelegt werden, das mit einer anzustrebenden Wachstumsrate vereinbar ist. Dieses Kreditvolumen wird von gewählten Repräsentanten unter Einbezug von Experten den Zentralbanken vorgegeben, die den Kreditplan implementieren. Damit wird die ökonomische Wachstumsrate zwar nicht punktgenau aber doch trendmäßig fixiert. Die Zentralbank vergibt dieses Kreditvolumen unter Berücksichtigung verschiedener Verwendungszwecke an Finanzinstitute, die es nach mikroökonomischen Kriterien an die teils öffentlichen, teils privaten Unternehmen vergeben. Ein Teil des Kreditvolumens geht an staatliche Entwicklungsbanken, die aktiv die ökologische Transformation vorantreiben. Mehrere Länder wie etwa Japan nach dem Zweiten Weltkrieg oder China nach dem Beginn der Transformation Ende der 1970er Jahre, haben sehr erfolgreich mit Kreditplänen gearbeitet, wenn auch mit anderen Zielsetzungen.
Viertens kann eine Steuerung des Wachstums nur gelingen, wenn die Nettoersparnisse den Nettoinvestitionen entsprechend des Kreditplans angepasst werden. Fallen beispielsweise die Ersparnisse höher aus als die Investitionen, so ist makroökonomisch die Nachfrage geringer als das Angebot und es kommt zu Krisen. Bekanntlich hängen die Ersparnisse von den Einkommen ab. Daher ist eine Steuerung des Wachstums ohne eine fundamentale Umverteilung von Vermögen und Einkommen undenkbar.
Fünftens ergeben sich bei einer Steuerung des Wirtschaftswachstums makroökonomisch weitere Bedingungen, die an dieser Stelle nur stichwortartig benannt werden können: Die öffentlichen Haushalte sollten ausgeglichen sein, da eine Sanierung hoher Schuldenbestände über Wachstum ausgeschlossen ist. Stets wachsende Schuldenquoten führen zu destabilisierenden Entwicklungen. Auch dies spricht für eine radikale Umverteilung von Vermögen und Einkommen. Eine vergleichbare Gleichgewichtsbedingung gilt für Leistungsbilanzsalden. Schließlich muss bei einer Steigerung der Produktivität und/oder einem Wachstum der Bevölkerung die Arbeitszeit entsprechend angepasst werden, um Arbeitslosigkeit zu verhindern.
Unser Modell einer Makrosteuerung ist offensichtlich nicht identisch mit der Logik bekannter Planwirtschaften, denn es gibt keine mengenmäßigen Planvorgaben oder Preisfestsetzungen und Unternehmen konkurrieren untereinander.
Ohne Zweifel sind die politischen Kräfteverhältnisse nicht nur in Deutschland weit davon entfernt, eine solche Vision zu realisieren. Gleichwohl könnten Reformschritte hier und heute eingeleitet werden, die den Weg hin zu einer nachhaltigen und demokratischen Produktionsweise ebnen. Zwei Beispiele sollen dies abschließend verdeutlichen. Erstens wären weitere Privatisierungen strikt abzulehnen und Möglichkeiten von Vergesellschaftungen zu nutzen. Zweitens müssten Maßnahmen zu einer gerechteren Vermögens- und Einkommensverteilung gefordert und unterstützt werden.
Wir hatten das Gefühl, dass in der Besprechung von Ulrich Busch die skizzierten Dimensionen zu undeutlich geblieben sind. Wir hoffen, unsere Position mit diesem kleinen Beitrag verständlicher gemacht zu haben.