Als Ausgangspunkt für unsere einwöchigen Streifzüge durch die Vulkaneifel haben wir Monreal gewählt, das bis ins 13. Jahrhundert Königsberg hieß – ein 733-Seelen-Örtchen (Stand: 31.12.2025), das im Jahre 2003 letztmals zum schönsten Dorf von Rheinland-Pfalz gekürt worden ist. Wie eine Tafel am Ortseingang informiert. Mit seinen zwei romantischen Burgruinen auf gegenüber liegenden Erhebungen oberhalb des Ortes und mit seinen malerischen Fachwerkbauten entlang des Baches Elz auch heute ein Kleinod. Allerdings hat Corona bleibende Spuren hinterlassen: etliche Restaurants, Cafés, Bäckereien und Hotels weisen nur noch blinde oder vernagelte Fenster auf …
Die Eifel, ein von Schiefer und diversen Vulkangesteinen geprägtes Mittelgebirge, erstreckt sich auf einer Fläche von etwa 5300 Quadratkilometern zwischen Aachen im Norden, Trier im Süden und Koblenz im Osten. Die wegen ihrer hervorstechenden geologischen Eigenheit in Gestalt zahlreicher Maare (schüssel- oder trichterförmige Krater als Folge vulkanischer Eruptionen, teils kegelförmig und manche mit Wasser gefüllt) und Calderas (Einbruchskrater) als Vulkaneifel bezeichnete Landschaft macht knapp die Hälfte davon aus. Darüber hinaus ist die Eifel geprägt von einer abwechslungsreichen Natur mit dichten Wäldern, weiten Wiesen und Feldern sowie Tälern.
Doch das Landschaftsidyll – mancherorts leider heftig verschandelt durch Flächen deckende Windkraftanlagen – ist nicht ohne Tücken: Der Vulkanismus in dieser Gegend ruht zwar, ist aber nach wie vor aktiv. Wie der Austritt von Gasen an verschiedenen Stellen (etwa von Kohlendioxid im Laacher See) und die Kaltwassergeysire in Andernach und Wallenborn demonstrieren.
Der bis dato verheerendste Vulkanausbruch ereignete sich erst vor etwa 13.000 Jahren. Was, nimmt man die Erdgeschichte von 4,6 Milliarden Jahren als einen Tag zu 24 Stunden, lediglich 0,24 Sekunden her ist. Innerhalb von etwa zehn Tagen stieß der Vulkan rund sechs Kubikkilometer Magma aus einer unterirdischen Kammer in die Atmosphäre. Diese Säule riss unter der schieren Masse des ausgeworfenen Materials teilweise ab, der Auswurf stürzte zurück zur Erdoberfläche und flutete in Gestalt sogenannter pyroklastischer Ströme mit hoher Geschwindigkeit das Umland, füllte ganze Täler. Bis zu 60 Meter starke Schichten aus Bimsstein waren die Folge. Immense Aschemengen stiegen bis zu 30 Kilometer in die Stratosphäre auf und verteilten sich weiträumig, bis nach Skandinavien und Norditalien.
Durch den enormen Magmaverlust aus dem Vulkan stürzte die über der nun weitgehend geleerten Magmakammer liegende Erdkruste ein und bildete einen fast kreisrunden Einbruchskrater. In diesem Falle kein Maar, sondern eine sogenannte Caldera, die sich mit Wasser gefüllt hat – der Laacher See mit heute immerhin noch 3,3 Quadratkilometern Fläche (im 19. Jahrhundert war durch menschlichen Eingriff eine Verkleinerung um etwa ein Drittel erfolgt) und 51 Metern Tiefe.
Dieses und andere vulkanische Großereignisse in unterschiedlichen Gegenden der Welt – von Vorzeiten bis in die Gegenwart – werden im Detail und sehr anschaulich erläutert im „Lava-Dom – Deutsches Vulkanmuseum“ in Mendig. Den Besuch kombinieren wir mit einer Führung durch den wenige Fußminuten entfernten sogenannten Lavakeller, ein System aus Stollen und Schächten, das durch den unterirdischen Abbau von Basalt in den vergangenen Jahrhunderten entstanden ist und das später Mendiger Bierbrauer als quasi größten natürlichen Kühlschrank der Welt (es herrscht ganzjährig eine konstante Temperatur von neun Grad Celsius) zu nutzen wussten. Mit zeitweise knapp 30 Brauereien am Ort avancierte Mendig quasi zur Welthauptstadt des Biers.
Ausgestattet mit Schutzhelm und einem wärmenden Überzug (draußen – wir schreiben den 13. Juli 2026 – ist gerade die 30-Grad-Schwelle erreicht) geht es über eine steile, schmale Steintreppe 30 Meter tief in den Untergrund, wo sich das kirchenschiffhohe Gewölbesystem öffnet; die Gesamtfläche liegt bei etwa drei Quadratkilometern. In regelmäßigen Abständen wird die Decke von beim Basaltabbau belassenen gewaltigen natürlichen Stützpfeilern abgefangen.
Wir erfahren, dass hier am Ort eine etwa 200.000 Jahre alte Schicht von Basalt – nach einer vulkanischen Eruption rasch erkaltete Lava – lagert, die später durch das Laacher Ereignis unter 30 Metern Bimsstein begraben wurde.
Basalt hat eine lange Verwendungshistorie als Material zum Bauen, zum Pflastern von Straßen, aber auch für Steinmetzarbeiten und für die Bildhauerei. Aus dem hiesigen Basalt wurden jahrhundertelang vor allem Mühlsteine hergestellt und in alle Welt geliefert. Sie waren sehr begehrt, denn sie wiesen ein Eigenheit auf, die die Arbeit in den Mühlen spürbar erleichterte: sie waren selbstschärfend. Denn die Mendiger Basaltlava ist porös; dadurch brachen beim Mahlen dauernd mikroskopisch kleine Mineralkörner aus und legten stets neue, scharfe Kanten frei. Das regelmäßige Nachschärfen bei Mühlsteinen anderen Materials entfiel somit. Und die Mineralkörner? Verblieben im Mehl …
Doch mit dem technischen Fortschritt kamen Mahlwerke aus Stahl auf. Der Basaltabbau in Mendig endete. Danach wurden die Schachtzugänge zum unterirdischen Abbauareal zeitweise zum Verklappen von Müll benutzt. Auch das lässt sich im Lavakeller besichtigen. Diese Praxis gehört mittlerweile der Vergangenheit an. Heute finden im Mendiger Untergrund Konzerte und andere Aufführungen statt, Filmarbeiten und nicht zuletzt wird geheiratet …
Das eigentliche Wahrzeichen der Vulkaneifel sind die Maare. Bisher nachgewiesen sind 77 – eine weltweit einzigartige Vulkandichte –, von denen elf heute noch mit Wasser gefüllt sind. Im Volksmund werden diese „die Augen der Eifel“ genannt. Eruptiver Vulkanismus trat in der Eifel erstmals vor 45 bis 35 Millionen Jahren in Erscheinung. Die bisher letzte Explosion fand vor 10.900 Jahren statt und schuf das Ulmener Maar.
Bei den Orten Daun und Schalkmehren liegen gleich drei Kraterseen dicht beieinander. Der am Rande des letzteren Ortes lässt sich umwandern, was wir in gemächlicher Gangart in weniger als einer Stunde bewältigen. Unterwegs entnehmen wir einer Info-Tafel, dass zu den Bewohnern des hiesigen Habitats die Rohrammer (auch bekannt als Drosselrohrsänger) gehört, deren Aussehen und Stimmlage an Spatzen erinnert. Weswegen für den kleinen Vogel auch die Bezeichnung Rohrspatz geläufig ist. Sein Tschilpen klingt nach Zetern, worauf die heute weitgehend in Vergessenheit geratene Metapher „wie ein Rohrspatz schimpfen“ zurückgeht.
An diesem Maar lädt ein Freibad ins – trotz heißem Sommer hoffentlich noch – kühlende Nass. Auf dem daneben liegenden Minigolfplatz wollen wir ein, zwei Runden drehen und werden dabei von einem wolkenbruchartigen Sommergewitter überrascht. Das liefert uns eine Anmutung davon, wie 2021 in kürzester Zeit eine Flutkatastrophe über das ebenfalls in der Eifel gelegene Aartal und weitere hiesige Orte hereinbrechen konnte: Hinter unserem Quartier in Monreal hat die Elz ihr Bett – zum Zeitpunkt unserer Ankunft ein dürftiges Rinnsal. Als wir an diesem Tage vom Minigolf zurückkehren fließt da jedoch bereits ein veritabler Bach …
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Ein touristisches Muss in diesem Teil der Eifel ist die Burg Eltz aus dem 12. Jahrhundert, eine der besterhaltensten und schönsten Ritterburgen in ganz Deutschland – mit mehreren Wohntürmen sowie zahlreichen Erkern, Dächern und Fachwerkpartien. Sie liegt versteckt in einem tiefen, waldbedeckten Tal bei Wierschem auf einer 70 Meter hohen Felsnase und wird an drei Seiten von der Elz umflossen. In Kriegen wurde sie nur selten gefunden und vor allem nie zerstört. Seit 800 Jahren im Besitz ein und desselben Adelsgeschlechtes wird sie bis heute von diesem bewohnt, ist jedoch im Rahmen von Führungen auch der Öffentlichkeit zugänglich.
Ihr pittoreskes Aussehen verdankt die Burg dem Sachverhalt, das vor Jahrhunderten ein Burgherr das Anwesen nicht seinem ältesten Sohn vermachte, wie es allgemein üblich war, sondern seinen drei Söhnen zu gleichen Teilen. Der Fachmann spricht von Ganerbschaft. Die drei Familienzweige bewohnten die Burg daraufhin gemeinsam, aber in getrennten Bereichen, und jeder Zweig baute auf seine Weise an, in die Höhe und mit Erkern auch in die Breite …
„Zwei Familienmitglieder, Jakob III zu Eltz (1510 bis 1581), Kurfürst von Trier, und Philip Karl zu Eltz (1665 bis 1743), Kurfürst von Mainz und Reichserzkanzler, waren von großer Bedeutung für das Heilige Römische Reich Deutscher Nation“, teilt die Familie auf ihrer Website nicht ohne Stolz mit. Auch namhafte Besucher werden aufgelistet. Der französische Dichter Viktor Hugo etwa sei 1840 „hin und weg“ gewesen; der vermerkte in seinem Tagebuch: „Hoch, mächtig, verblüffend, finster. So etwas habe ich noch nicht gesehen.“ Die wahrscheinlich wertvollste Periode der Burg währte von 1961 bis 1995: da zierte sie die 500-DM-Scheine.
In der Küche der Burg: erfahren wir, was es damit auf sich hat, wenn wir „einen Zacken (oder Zahn) zulegen“: Entstanden ist die Redewendung im Mittelalter, als in den Küchen über offenem Feuer gekocht wurde. Weil man dabei die Hitze nicht regulieren konnte, hingen über der Kochstelle sogenannte Kräuel, Metallstreifen mit vielen Zacken – auch Zähne genannt –, an denen die Töpfe eingehängt wurden. Auf diese Weise konnte der Kessel höher oder tiefer platziert werden. Wollte man, dass das Essen schneller fertig wird, hing man den Kessel tiefer, also dichter ans Feuer – man legte „einen Zahn zu“.
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Bad Münstereifel wurde vom Hochwasser 2021 zwar nicht dermaßen verheert wie das Aartal, doch auch hier waren die Schäden an den 500 Jahre alten Gemäuern des größten und ältesten zusammenhängenden Gebäudekomplexes der Stadt erheblich. Ein Flyer, der einem Kästchen an der Fassade von Mütters – Buchhandlung am Markt entnommen werden kann, informiert darüber. Erst 2025 konnte der Laden wieder eröffnet werden.
Die fast vollständig erhaltene Stadtmauer mit ihren vier wuchtigen Toren lädt zu Spaziergängen auf dem Wehrgang ein und von der über der Stadt thronenden Burgruine und bietet sich ein weiter Blick über Dächer und bewaldete Hügel.
Nichts im heutigen Stadtbild, jedenfalls nicht, was uns auffiele, erinnert an die dramatische „Nacht von Bad Münstereifel“, also an jenes legendäre Vier-Augen-Treffen des damaligen Bundeskanzlers Willy Brandt und des SPD-Fraktionschefs Herbert Wehner, in dem die beiden Politiker das Ende von Brandts Kanzlerschaft infolge der Guillaume-Affäre besiegelten. Die seinerzeitige Kurt-Schumacher-Akademie der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung, wo das Treffen stattfand, ist heute eine auf die Behandlung von Suchtkrankheiten spezialisierte Privatklinik.
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Die hochmittelalterliche Benediktinerabtei Maria Laach, gegründet 1093 und erbaut bis 1216, ist nach Auskunft des örtlichen Klosterführers das bedeutendste romanische Sakralgebäude in Deutschland, denn die Dome zu Worms und Speyer seien ja infolge ihrer Kriegsschäden und des nachfolgenden Wiederaufbaus allenfalls noch Teiloriginale …
Die Benediktiner waren historisch der erste große katholische Orden überhaupt. Auf dessen Gründer, den Heiligen Benedikt von Nursia (um 480 bis 547) geht eine der zentralen Ordensregeln zurück – „ora et labora“ („bete und arbeite“). Zwar in dieser Reihenfolge, aber immerhin: Die Mönche und später auch die Nonnen sollten ihren Lebensunterhalt auf Erden durch ihrer eigenen Hände Arbeit bestreiten. Heute zählt die Bruderschaft in Maria Laach nur noch 22 Mönche, nicht wenige in sehr fortgeschrittenem Alter. Die wären sowohl mit dem Erhalt des Klosters wie auch mit der Bewirtschaftung der zugehörigen erheblichen Ländereien heillos überfordert. Daher gehen ihnen etwa 200 Angestellte zur Hand. Finanziell, so unser Klosterführer, trage sich die Abtei selbst: öffentliche Förderung gleich Null; Zuflüsse seitens des Vatikans – dito.
Die während der Führung zu besichtigende dreietagige alte Klosterbibliothek mit einer hölzernen Wendeltreppe als zentralem Funktionselement in ihrer Mitte sowie mit etwa 80.000 Bänden – darunter durchaus auch Triviales wie etwa 22 Bände Karl May – wurde während eines neunjährigen Intermezzos der Jesuiten in Maria Laach Anfang der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von diesen errichtet. Nicht nur für Bibliophile allemal ein beeindruckendes Ensemble.
Unerwähnt bei unserer Klosterführung bleibt, dass von 1933 bis 1934 der damalige Abt Peter „Ildefons“ Herwegen – er amtierte von 1913 bis zu seinem Tode 1946 – Konrad Adenauer Kirchenasyl gewährte, nachdem dieser von den Nazis seiner Ämter als Oberbürgermeister von Köln sowie als Präsident des Preußischen Staatsrats in Berlin enthoben worden war. Als Bruder Konrad nahm Adenauer am Klosteralltag teil. Er blieb der Abtei lebenslang verbunden. Später heirateten zwei seiner Töchter dort. Er und Herwegen kannten sich aus gemeinsamen Schultagen und waren einander freundschaftlich verbunden.
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Oberhalb des hübschen Moselstädtchens Cochem, das leider mit zahllosen Restaurants, Cafés und Imbissen sowie mit diversen Geschäften, die Tinnef für Touristen vertreiben, gespickt ist, befindet sich die sogenannte Reichsburg. Ein befestigter Platz bestand hier Ergebnissen aktueller Burgenforschungen zufolge wohl schon seit 1100 und diente zeitweise als Zollburg. Im 17. Jahrhundert wurde die Anlage zerstört.
Was sich heute dem Massentourismus präsentiert, ist eine während der Zeit des Historismus, 19. Jahrhundert, im Stile der Neogotik hingestellte Anlage, die der Berliner Stahl- und Eisengroßhändler und spätere Geheime Kommerzienrat Louis Fréderic Jacques Ravené zwischen 1868 und 1873 errichten ließ und für die Walt Disney Pate gestanden haben könnte. Die Kitschkulisse wird noch durch einen auf die Außenfassade gepinselten riesigen Sankt Christophorus verschlimmert, der den Jesus-Knaben durch ein Gewässer trägt. Naheliegenderweise wahrscheinlich durch die Mosel. Berechtigte Frage unseres mitreisenden Enkels: „Hat hier Mickey Mouse gewohnt?“
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Und was ist nun mit den Tornados?
Die so benannten Kampfbomber gehören zur Bundesluftwaffe und sind auf einem im nur 20 Kilometer von Monreal entfernten Büchel gelegenen Fliegerhorst stationiert. Dort lagern auch die (derzeit) letzten US-Atombomben auf deutschem Boden, wahrscheinlich etwa 20. Im Kriegsfall sollen die Tornados als Trägermittel zum Einsatz gegen Russland dienen. Weshalb Experten davon ausgehen, dass Büchel auf den Ziellisten russischer Atomwaffen eher nicht auf einem hinteren Platz zu finden sein dürfte …
Wir weilen sechs Tage in der Vulkaneifel; davon ist an vieren Flugbetrieb. Zugegeben, die Lautstärke liegt deutlich unter jener von MiG-Jagdflugzeugen, die in den frühen 1960er Jahren – bisweilen in höchstens 50 Metern Höhe – über den Ostseestrand zwischen Ahlbeck und Bansin donnerten, wie sich noch aus Kindertagen der Autor dieses Beitrages erinnert. Doch hinreichend lästig ist der Lärm in der Eifel allemal. Von der Perspektive für einen Krieg mit Russland mal ganz abgesehen. Doch den erwartet Deutschlands beliebtester Politiker, Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD), ja erst ab 2029 …