Der berühmte Detektiv Hercule Poirot, erfunden von der noch berühmteren Agatha Christie, hört sich ganz erstaunt die Geschichte einer Auftraggeberin an. Ein indischer Schneider stach eine Nadel in einen Elefantenrüssel. Als der Elefant mal wieder vorbeikam, hatte er das Maul voll Wasser und spritzte den Schneider nass. Obwohl er ihn jahrelang nicht gesehen hatte. Er hatte ihn und seine fiese Tat nicht vergessen. Er erinnerte sich. Denn Elefanten vergessen nie!
In der Tat gibt es so etwas wie ein „Elefantengedächtnis“, das sogar eine Aufnahme in die Wörterbücher gefunden hat. Gemeint ist ein sehr gutes Gedächtnis, besonders in Bezug auf Kränkungen. In der Tat können sich Elefanten noch nach 30 Jahren an Artgenossen und Wasserstellen erinnern – und eben an das, was ihnen einmal angetan worden ist.
Elefanten haben die Menschen schon immer fasziniert – groß, mächtig, und meistens freundlich. Und so tauchen sie auch in vielen Geschichten auf – zum Beispiel vom legendären Pyrrhus, dem König von Epirus. Er besiegte die Römer auch in einer zweiten Schlacht (279 v. u. Z.), aber dieser Sieg wurde so teuer erkauft, so dass er ausrief: „Noch ein solcher Sieg und wir sind verloren!“ Heute kennt jeder diesen Satz als „Geflügeltes Wort“.
Nach seinem „Pyrrhussieg“ verhandelte er mit den Römern und versuchte, da seine Verluste groß waren, den römischen Gesandten Fabricius mit Gold und Silber zu bestechen – was misslang. Am nächsten Verhandlungstag hob sich plötzlich die Rückwand des Zeltes, und ein Rüssel streckte sich neben dem Kopf des Gesandten. „So wenig wie mich gestern dein Geld reizte, so wenig schreckt mich heute dein Elefant“, sagte dieser. Also Pleite auf der ganzen Linie.
Pyrrhus soll der erste gewesen sein, der die Dickhäuter aus Afrika nach Italien brachte. Über 20 Kriegselefanten soll er besessen haben, von denen sich die Römer, wie wir nun wissen, aber nicht einschüchtern ließen. Gezähmte afrikanische Elefanten gab es auch in Karthago, wo man diese Dickhäuter für militärische Zwecke abrichtete. Als Hannibal 218 v. u. Z. von Spanien nach Italien marschierte, soll er 37 Elefanten mitgeführt haben, die allgesamt die Überquerung der Alpen nicht überlebten.
Die alten Griechen bevorzugten dagegen die indischen Elefanten, die ihnen näher waren. Sie hatten sie zuerst auf dem Zug Alexander des Großen nach Indien (326 v. u. Z.) kennengelernt, wo sie Jahrhunderte später zu grausamen Taten abgerichtet wurden. Am 4. Dezember 1875 brachte das Londoner Journal Illustrated Sporting und Dramatic News einen bebilderten Bericht über eine indische Hinrichtungsart. Auf dem Exekutionsplatz legte man den Verbrecher auf den Boden, schob einen Stein unter seinen Kopf und ließ einen Elefanten den Schädel des Delinquenten zerquetschen – „so mühelos wie ein Dampfhammer eine Lambertsnuss zerdrücken würde“. Das empfanden selbst die britischen Kolonialherren als zu barbarisch und schafften das Elefantentreten ab.
Nach dem 300 Kilogramm schweren asiatischen Elefantenbaby Sonja fahndete die Polizei der dänischen Hauptstadt anno 1981. Der junge Dickhäuter war im Januar aus seinem Käfig im Kopenhagener Tierpark gestohlen worden. Die Kripo fand als einzige Spur das in den Zaun geschnittene Loch. Sämtliche Polizeistationen, insbesondere an den Grenzübergängen, erhielten den Auftrag, den Inhalt von Lastwagen und anderen schweren Fahrzeugen mit größter Sorgfalt zu kontrollieren. Kurze Zeit später schaltete sich INTERPOL auf Antrag der dänischen Polizei in die Fahndung ein, weil vermutet wurde, dass Sonja schon über die Grenze geschmuggelt worden war.
Sonja kam 1980 mit zwei tschechischen Zirkusartisten nach Dänemark. Da die Papiere fehlten, wurde sie vom Zoll beschlagnahmt und in den Kopenhagener Zoo gebracht. Die Besitzer durften sich im Zoo weiter um sie kümmern. Eines Nachts verschwand Sonja, wie wir schon wissen, spurlos aus dem Zoo.
Die Zirkusleute hatten sie mitgenommen und sind über Schweden (Trelleborg) nach Polen geflüchtet. Später schrieben die Artisten dem Zoodirektor Bent Jørgensen, entschuldigten sich für die Unannehmlichkeiten und dankten für die Pflege des Elefanten.
Die Elefantendame Clarissa bewies bei einem Werbeauftritt für den Börsengang einer Firma in Madrid im Mai 1999 wenig Nervenstärke. Durch den Autolärm aufgeschreckt, riss sie sich los, trampelte mehrere Verkehrsschilder um und demolierte einige Abfallbehälter. Erst durch einen Schuss aus einem Betäubungsgewehr konnte Clarissa beruhigt werden, womit ihre Reklamekarriere abrupt endete.
Elefanten in einem russischen Wanderzirkus sind meist fröhlich, wie ebenfalls im Jahr 1999 berichtet wurde. Die Dickhäuter bekommen täglich ihre Ration Wodka, aber nicht pur, sondern verdünnt: 20 Liter Schnaps auf 100 Liter Wasser. Der Zirkusdirektor Alexej Karnilow meinte dazu: „Wir halten uns an den Rat unseres Tierarztes. Die Tiere sind gesund und leben viel länger als in der freien Natur.“
Aber gefährlich können diese gigantischen Tiere schon werden. Ein wilder Elefantenbulle hatte Anfang 2026 im Khao-Yai-Nationalpark nordöstlich der Hauptstadt Bangkok (Thailand) einen Besucher getötet. Der 65-jährige Thailänder war am Morgen mit seiner Frau dort spazieren gegangen, als er von einem Elefanten namens Oyewan zu Tode getrampelt wurde. Die Parkwächter verscheuchten daraufhin den Elefanten, so dass sich seine Frau in Sicherheit bringen konnte.
Bliebe noch der Elefant im Porzellanladen – eine Redewendung, die jeder kennt. „Porzellan ist weißes Gold oder Geld. Der Elefant im Porzellanladen sorgt also für kleine Münzen“, schrieb der deutsch-schweizerische Schriftsteller und Schauspieler Curt Goetz sehr dialektisch. Sich wie ein Elefant im Porzellanladen benehmen heißt, sich anderen Menschen gegenüber plump und taktlos zu verhalten.
Schließlich wollen wir uns noch an den hochgelehrten und zerstreuten Professor Johann Georg August Galletti (1750-1828) erinnern, der die Schüler des Gothaer Gymnasiums unterrichtete und es verstand, den trockenen Stoff anschaulich und heiter vorzutragen. Er gilt heute als Pionier der Kathederblüte, der ungewollt komischen Äußerung eines Lehrenden. Natürlich kamen auch Elefanten bei ihm vor: „Der Elefant ist das größte Tier im Steinreich“, „Das größte Insekt ist der Elefant“ oder „Der Elefant wehrt sich mit seinem Schnabel gegen Löwen, Tiger und andere kleine Insekten“.