Bei allem Respekt vor Staats- und Regierungschefs: Nachdem bei uncut-news.ch zu lesen war, europäische Spitzenpolitiker hielten es für möglich, dass Präsident Donald Trump verrückt ist, habe ich zu Leben und Leiden US-amerikanischer Präsidenten recherchiert.
Was ich aus dem Land der unbegrenzten Unmöglichkeiten darüber fand, muss einen Normalbürger verwundern. Erfahrene Psychiater haben biografische Quellen zu 37 Präsidenten nach Verhaltensweisen, Symptomen und medizinischen Informationen durchsucht und dabei Unglaubliches gefunden: Mindestens die Hälfte derer, die in den USA zwischen 1776 und 1974 regiert haben, „erfüllten Kriterien, die auf eine psychische Störung hindeuteten“, wusste Jonathan R.T. Davidson von der Duke University in Durham (North Carolina) 2006 im Journal of Nervous and Mental Disease zu berichten. Danach hatten zehn von ihnen handfeste psychische Störungen während ihrer Amtszeit, „die in den meisten Fällen wahrscheinlich die Amtsausübung beeinträchtigten“.
Von den untersuchten 37 Präsidenten hatten 18 Geisteskrankheiten, teilweise vorübergehend. Neun von ihnen hatten schwere Depressionen, drei hatten Angst- und Panik-Attacken. Einige betrieben Alkoholmissbrauch oder waren abhängig. Alkohol spielte beispielsweise bei Richard Nixon (1969-1974) und Franklin Pierce (1853-1857) eine bedeutende Rolle. Letzterer griff nach schweren Schicksalsschlägen zur Flasche.
Von den Präsidenten mit psycho-pathologischen Symptomen sind zu nennen: Dwight D. Eisenhower (1953-1961) litt unter schwerer Depression, Lyndon B. Johnson (1963-1969) unter bipolarer Störung, Ulysses Grant (1869-1877) unter sozialer Phobie und Willam Taft (1909-1913) unter Essstörungen.
Woodrow Wilson (1913-1921) war nach einem Schlaganfall praktisch die letzten beiden Jahre seiner Amtszeit regierungsunfähig. Seine Frau und der Sekretär erfüllten die Amtspflichten. Bereits zuvor litt Wilson unter Depressionen und Angstzuständen. Sein Leiden hatte außergewöhnlich ernste Auswirkungen auf die Weltpolitik des 20. Jahrhunderts: Deutschland hatte im Vertrauen auf Wilsons 14-Punkte-Programm für eine Friedensordnung nach dem Ersten Weltkrieg kapituliert. Das Programm sah einen für alle Parteien annehmbaren Friedensschluss vor. Die Krankheit hinderte Wilson jedoch daran, genügend Einfluss auf die anschließenden Verhandlungen zu nehmen. Durch die von England und Frankreich diktierten Bedingungen des Versailler-Vertrages wurde das spätere Weltgeschehen unheilvoll beeinflusst.
Völlig unauffällig im Sinne der Recherche war nur Präsident Grover Cleveland (1885-1889 und 1893-1897). Schmückte sein Porträt deshalb den 1000-Dollar-Schein? Der wird allerdings seit 1969 eingezogen; noch kursierende Noten werden weit über dem Nominalwert gehandelt.
Erschreckend ist auch die Liste der Anschläge auf USA-Präsidenten: Es gab 21 Tötungsversuche, von denen vier gelangen: 1865 fiel Abraham Lincoln einem Attentat zum Opfer, 1881 James A. Garfield, 1901 wurde William McKinley ermordet und 1963 John F. Kennedy. Anschläge wurden unter anderem auf Truman, Nixon, Ford, Reagan und jüngst Trump verübt.
Noch einmal zu den Präsidentenmorden: Nach dem Tod von Franklin D. Roosevelt 1945 kam das Gerücht auf, er sei vergiftet worden. Die folgenden Präsidenten Truman, Eisenhower und Kennedy genehmigten keine Exhumierung zur Klärung des Verdachts. Der Journalist Valentin Zorin fragte Kennedy direkt, warum er keine Exhumierung erlaubt habe. Die zögerliche, aber ehrliche Antwort: „Also gut, wir exhumieren ihn und finden Gift. Den großen amerikanischen Präsidenten bringt uns das auch nicht zurück, aber was wird die Welt über ein Land denken, in dem Präsidenten wie Ratten vergiftet werden?“ Zu diesem Zeitpunkt hatte Kennedy noch 903 Tage zu leben, bevor er – um in seinem Sprachmodus zu bleiben – wie ein Karnickel abgeschossen wurde.
Unser Autor Dr. Gerd Machalett ist habilitierter Transfusionsmediziner und beschäftigt sich seit seiner Berentung aus fachlicher Sicht mit der Aufarbeitung des Gesundheitswesens und des Leistungssports der DDR. Er lebt in Siedenbollentin bei Neubrandenburg.