17. Jahrgang | Nummer 4 | 17. Februar 2014

Kein Kinderlied

von Mascha Kaléko

Wohin ich immer reise,
Ich fahr nach Nirgendland.
Die Koffer voll von Sehnsucht,
Die Hände voll von Tand.
So einsam wie der Wüstenwind.
So heimatlos wie Sand:
Wohin ich immer reise,
Ich komm nach Nirgendland.

Die Wälder sind verschwunden,
Die Häuser sind verbrannt.
Hab keinen mehr gefunden.
Hat keiner mich erkannt.
Und als der fremde Vogel schrie,
Bin ich davongerannt.
Wohin ich immer reise,
Ich komm nach Nirgendland.

Mascha Kaléko: Die paar leuchtenden Jahre. © 2003 Deutscher Taschenbuch Verlag, München. Übernahme mit freundlicher Genehmigung des Verlages.

Mascha Kaléko, geboren 1907 in Galizien, fand in den 20er Jahren Anschluss an die intellektuellen Kreise des Romanischen Cafés in Berlin und wurde mit ihrer Lyrik schnell sehr erfolgreich. 1938 musste sie als Jüdin Deutschland verlassen. Sie lebte in den USA und Israel, starb 1975 in Zürich.

(Dieser Beitrag steht aus rechtlichen Gründen nur bis zum 30.01.2021 zur Verfügung.)