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	<title>Das Blättchen &#187; USA</title>
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	<description>Zeitschrift für Politik, Kunst und Wirtschaft</description>
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		<title>La&#223;t uns schie&#223;en!</title>
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		<pubDate>Sun, 25 Apr 2010 16:58:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Webmaster</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Du bist &#8220;Clear&#8221; [Feuer frei].
Alles klar, schie&#223;e.
Sag Bescheid wenn du sie erwischt hast.
La&#223;t uns schie&#223;en.
Fackel sie alle ab.
Komm schon, schie&#223;!
Weiterschie&#223;en, weiterschie&#223;en.
Weiterschie&#223;en.
Weiterschie&#223;en
(…)
Oh ja, schau Dir diese toten Bastarde an.
H&#252;bsch.
Zwei-Sechs; Crazyhorse Eins-Acht.
H&#252;bsch.
Guter Schu&#223;.
Danke.
(…)
Ich schie&#223;e.
Da geht sie! Schau Dir an, wie dieses Mistst&#252;ck fliegt!
Krawumm!
Ach, wunderbar.
Brauche etwas mehr Platz.
H&#252;bsche Rakete.
Sieht sie gut aus?
S&#252;&#223;!
(…)
Auszug aus dem Funkverkehr der an einem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Du bist &#8220;Clear&#8221; [Feuer frei].<br />
Alles klar, schie&#223;e.<br />
Sag Bescheid wenn du sie erwischt hast.<br />
La&#223;t uns schie&#223;en.<br />
Fackel sie alle ab.<br />
Komm schon, schie&#223;!<br />
Weiterschie&#223;en, weiterschie&#223;en.<br />
Weiterschie&#223;en.<br />
Weiterschie&#223;en<br />
(…)</p>
<p>Oh ja, schau Dir diese toten Bastarde an.<br />
H&#252;bsch.<br />
Zwei-Sechs; Crazyhorse Eins-Acht.<br />
H&#252;bsch.<br />
Guter Schu&#223;.<br />
Danke.<br />
(…)</p>
<p>Ich schie&#223;e.<br />
Da geht sie! Schau Dir an, wie dieses Mistst&#252;ck fliegt!<br />
Krawumm!<br />
Ach, wunderbar.<br />
Brauche etwas mehr Platz.<br />
H&#252;bsche Rakete.<br />
Sieht sie gut aus?<br />
S&#252;&#223;!<br />
(…)</p>
<p><em>Auszug aus dem Funkverkehr der an einem Luftangriff auf irakische Zivilisten beteiligten US-Hubschrauber in Bagdad im Juli 2007. Das vollst&#228;ndige Protokoll ist in unserer Rubrik XXL nachzulesen.</em></p>
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		<title>Wirre Weltsicht</title>
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		<pubDate>Sat, 13 Mar 2010 08:48:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Webmaster</dc:creator>
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		<description><![CDATA[von Erhard Crome
Das deutsche B&#252;rgertum bleibt unterw&#252;rfig. Irgendwie taucht das seit seiner Niederlage in der Revolution von 1848/49 immer wieder auf. Erst lie&#223; es sich von Bismarck in den deutschen Nationalstaat f&#252;hren und dann in diesem beherrschen. Anschlie&#223;end kam Wilhelm II., der f&#252;hrte Deutschland in den ersten Weltkrieg. Mit der aus der Revolution von 1918/19 [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>von Erhard Crome</h3>
<p>Das deutsche B&#252;rgertum bleibt unterw&#252;rfig. Irgendwie taucht das seit seiner Niederlage in der Revolution von 1848/49 immer wieder auf. Erst lie&#223; es sich von Bismarck in den deutschen Nationalstaat f&#252;hren und dann in diesem beherrschen. Anschlie&#223;end kam Wilhelm II., der f&#252;hrte Deutschland in den ersten Weltkrieg. Mit der aus der Revolution von 1918/19 geborenen Republik kam das deutsche B&#252;rgertum nicht zurecht, und es folgten Hitler und die Niederlage im zweiten Weltkrieg. Dann kamen 45 Jahre deutscher Geschichte unter der Kontrolle der vier Besatzungsm&#228;chte. Mit dem „2+4-Vertrag“ wurde das dem deutschen B&#252;rgertum &#252;berantwortete Deutschland in die Souver&#228;nit&#228;t entlassen.</p>
<p>Und was will es jetzt? „F&#252;hrung“.</p>
<p>Volker Perthes ist Direktor der „Stiftung f&#252;r Wissenschaft und Politik“, das ist „das Deutsche Institut f&#252;r Internationale Politik und Sicherheit“, also die Denkfabrik f&#252;r die Bundesregierung und die gemachte deutsche Au&#223;enpolitik. Perthes schrieb k&#252;rzlich im Vorwort zu dem Buch eines seiner Mitarbeiter zur US-Au&#223;enpolitik (Peter Rudolf: Das „neue“ Amerika. Au&#223;enpolitik unter Barack Obama, Suhrkamp Verlag Berlin 2010): „Deutschland und die Europ&#228;ische Union haben ein vitales Interesse an einer wohlwollenden amerikanischen F&#252;hrung in der internationalen Politik.“ Nun ist Barack Obama unstreitig sympathischer als die oben Genannten. Aber sollte das Schicksal dieses Landes auch weiterhin anderen zwecks „F&#252;hrung“ &#252;berantwortet werden, nur weil das deutsche B&#252;rgertum auch weiter zu feige ist, das Land wirklich selbst&#228;ndig zu regieren oder Angst vor der eigenen Bev&#246;lkerung hat? Zudem ist das Geforderte schon unter historischer Perspektive ein sehr d&#252;nnes Eis; von „wohlwollender amerikanischer F&#252;hrung“ war bereits schon einmal die Rede, als der nette Bill Clinton USA-Pr&#228;sident war. Und dann kam George W. Bush, und es war Schlu&#223; mit dem Wohlwollen. Auch das verweist darauf, da&#223; das eigentliche Problem die „F&#252;hrung“ ist, nicht die Person im Wei&#223;en Haus.</p>
<p>Zur Begr&#252;ndung wird eine Rolle der USA in der Welt beschworen, die darauf hinausl&#228;uft, die Dinge so richten zu sollen, wie es den Interessen des deutschen B&#252;rgertums frommt – die Unternehmerverb&#228;nde hatten ja schon mehrfach gefordert, die internationale Politik des Westens solle gef&#228;lligst daf&#252;r sorgen, da&#223; die deutsche Exportwirtschaft billige Rohstoffe erh&#228;lt und nicht die chinesische. So schreibt Peter Rudolf, die USA blieben „der Staat mit den meisten Machtressourcen“. Dann hei&#223;t es in der geopolitischen Darstellung: „Ein wirklicher hegemonialer Rivale ist bisher noch nicht in Sicht. China hat zwar das Potential, die wirtschaftliche St&#228;rke der USA im Laufe der n&#228;chsten Jahrzehnte zu erreichen. Doch selbst wenn das Reich der Mitte auch technologisch und milit&#228;risch aufholen sollte, so bliebe China doch in einem Punkt gegen&#252;ber den USA benachteiligt: durch seine geopolitische Lage, durch den Umstand, da&#223; China an Staaten grenzt, die zu einer Gegenmachtbildung in der Lage sind.“</p>
<p>Wei&#223; der Mann eigentlich, was er da sagt? Pakistan testete im November 2006 erneut seine Rakete Hataf V, die eine Reichweite von etwa 1 300 km hat und atomwaffenf&#228;hig ist. „Pakistan glaubt an einen Frieden, der aus einer Position der St&#228;rke und der Einsatzbereitschaft heraus entsteht“, sagte damals der pakistanische Ministerpr&#228;sident. Mit anderen Worten: Alles, was wir &#252;ber den Irrsinn der „Politik der Abschreckung“ aus Europa und aus der Zeit des kalten Krieges wissen, wird hier wiederholt. Inzwischen hat Pakistan Raketen mit 3 000 km Reichweite und arbeitet an der Entwicklung solcher mit &#252;ber 4 000 km. Die Flugzeit einer mit einem Atomsprengkopf best&#252;ckten Rakete von Pakistan nach Indien und umgekehrt dauert drei bis f&#252;nf Minuten. Damit ist die Gefahr eines aus Versehen ausgel&#246;sten Atomkrieges sehr hoch.</p>
<p>Indien dagegen schaut nicht nur auf den Erzfeind Pakistan, sondern auch auf China. Anfang Februar 2010 testete Indien die Rakete „Agni III“ (Agni ist das Sanskritwort f&#252;r Feuer), die eine Reichweite von &#252;ber 3 000 km hat – und bis Shanghai reicht. An der Rakete mit 5 000 km Reichweite wird gearbeitet – die reicht dann bis Peking und dar&#252;ber hinaus. Das angebliche oder tats&#228;chliche Atom- und Raketenprogramm des Irans interessiert in Neu Delhi weniger: „F&#252;r uns ist der schlimmste Fall bereits eingetreten: Pakistan hat die Bombe.“</p>
<p>Der Iran hat schon eine Reihe von Kurzstreckenraketen, nach anderen Informationen verf&#252;gt er auch &#252;ber Raketen bis 2 000 km Reichweite. In Verbindung mit der Mutma&#223;ung, der Iran entwickele Atombomben, w&#252;rde auch dies zu einer nuklear-strategischen Kapazit&#228;t. „Iranische Raketen k&#246;nnten im Falle einer milit&#228;rischen Auseinandersetzung Nuklearanlagen in Israel treffen“, hei&#223;t es auf der Webseite <em>hagalil.com</em>. Dazu schreibt dann ein Leser bei hagalil in einem Kommentar, die Waffen st&#252;nden bereit, den Iran radioaktiv so zu verseuchen, da&#223; er unbewohnbar wird. Israel gilt inzwischen als die f&#252;nfst&#228;rkste Nuklearmacht der Welt, hat 400 bis 500 nukleare Sprengk&#246;pfte und Raketen mit 1 800 km Reichweite. Die deutschen U-Boote der Dolphin-Klasse, die mit einem Brennstoffzellenantrieb wochenlangen Einsatz ohne Auftauchen erm&#246;glichen – und diesen ausger&#252;stet mit Marschflugk&#246;rpern die Qualit&#228;t einer strategischen Waffe verleihen, tragen ihrerseits zum israelischen Arsenal an Atomwaffen bei.</p>
<p>Hinzu kommen die Raketen Kim Jong Ils in Nordkorea, die nicht nur den S&#252;den, sondern auch Japan bedrohen, das seinerseits bereits das chinesische Potential als Bedrohung ansieht und eine Debatte &#252;ber seine k&#252;nftige strategische Bewaffnung f&#252;hrt.</p>
<p>Damit ist das Bild noch nicht vollst&#228;ndig. Es zeigt aber, da&#223; der wirtschaftliche Aufschwung in Asien inzwischen mit der Entwicklung eigenst&#228;ndiger milit&#228;rischer Kapazit&#228;ten verbunden ist. Und es sind vielerlei bilaterale Rivalit&#228;ten, die den Proze&#223; bef&#246;rdern: China – Indien, Indien – Pakistan, Iran – Israel, Japan – China, Nordkorea – S&#252;dkorea und Japan usw. Die F&#228;higkeiten, einen Krieg f&#252;hren zu k&#246;nnen, haben in der Geschichte noch stets den Willen, es am Ende zu tun, eher befl&#252;gelt als gez&#228;hmt – mit der Ausnahme des kalten Krieges 1945 &#8211; 1990.</p>
<p>Der Westen m&#252;&#223;te alles tun, um diesen Entwicklungen entgegenzuwirken. Was aber tut er? Er treibt die Spannungen an: Druck auf den Iran und Kriegsdrohungen gegen ihn, einseitige Unterst&#252;tzung Israels im Nahostkonflikt, Unterst&#252;tzung Japans gegen China und Taiwans gegen China, Stationierung relevanter Truppen in Zentralasien und Afghanistan, die in Bezug auf China, wie Indien und Ru&#223;land eine strategische milit&#228;rische Option bereithalten sollen, Druck auf Nordkorea, auch &#252;ber den Kopf Chinas hinweg, Kooperation mit Pakistan gegen Indien wie mit Indien gegen China.</p>
<p>In vielem &#228;hnelt die Situation in Asien heute der in Europa vor 1914. Die vielen Konfliktfelder waren schlie&#223;lich nicht mehr beherrschbar, und der Kontinent schlitterte in den ersten Weltkrieg. Sind wirtschaftlich aufstrebende und prosperierende L&#228;nder dabei besonders kriegsanf&#228;llig? China, Indien, Ru&#223;land und Persien sind alte, nicht-westliche Kulturen. Jemand sagte mal, dort wird Schach gespielt, nicht Poker. Die Au&#223;enminister Chinas, Indiens und Ru&#223;lands trafen sich im Oktober 2009 im s&#252;dindischen Bangalore zu ihrem neunten Treffen zu trilateralen, regionalen und globalen Fragen. Sie wollen die Verh&#228;ltnisse in der Welt nicht eskalieren lassen.</p>
<p>Jedes westliche Konzept, das eigene Macht auf den Zwist der asiatischen M&#228;chte bauen will, spielt nicht nur mit dem Feuer, sondern ist auch zum Scheitern verurteilt. Statt irgendwo „F&#252;hrung“ zu erheischen, sollte deutsche Politik besser konkret zum Frieden beitragen.</p>
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		<title>Nachrichten aus der Debattiermaschine</title>
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		<pubDate>Sat, 13 Mar 2010 08:38:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Webmaster</dc:creator>
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		<description><![CDATA[von Eckhard Mieder
Ich wei&#223; ja, meine Sicht auf die Dinge ist naiv, aber … wenn ich Al Qaida w&#228;re, ich w&#252;rde den Amerikanern den Gefallen tun. Ich w&#252;rde demn&#228;chst einen Anschlag ver&#252;ben und damit den Geheim- und Abwehrdiensten der USA Recht geben. Die haben eben, lese ich, bei einer Anh&#246;rung des Geheimdienstausschusses des Senats dargelegt, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>von Eckhard Mieder</h3>
<p>Ich wei&#223; ja, meine Sicht auf die Dinge ist naiv, aber … wenn ich Al Qaida w&#228;re, ich w&#252;rde den Amerikanern den Gefallen tun. Ich w&#252;rde demn&#228;chst einen Anschlag ver&#252;ben und damit den Geheim- und Abwehrdiensten der USA Recht geben. Die haben eben, lese ich, bei einer Anh&#246;rung des Geheimdienstausschusses des Senats dargelegt, da&#223; mit einem n&#228;chsten Anschlagsversuch auf US-amerikanischem Territorium in den n&#228;chsten sechs Monaten gerechnet werden m&#252;sse. Ich nehme an, da&#223; solche Vermutungen nat&#252;rlich von Recherchen gespeist sind. So wie es seinerzeit war, als General Powell vor der UNO Fotos der irakischen Gef&#228;hrlichkeit pr&#228;sentierte. Das war, war das nicht, als es dann diesen Krieg gab?</p>
<p>Ich nehme an, da&#223; Geheimdienste das tun, was jedes Amt tut: Mit dem Verweis auf seine Wichtigkeit eine Erh&#246;hung seines Etats zu verlangen. Ich nehme an, da&#223; es Bestandteil der weltweit fungierenden Debattiermaschine ist, von Zeit zu Zeit Feindbilder neu nachzutuschen, B&#246;sewichter aufleben zu lassen und schrecklichste Gefahren f&#252;r die Welt heraufzubeschw&#246;ren. F&#252;r den Teil der Welt, der sich einer freiheitlichen Grundordnung erfreut. Oder f&#252;r den Teil der Welt, den Informationen &#252;ber die Welt erreichen. Und ich finde die Aussagen, von denen ich lese, von erfrischender Konkretheit. Etwa, da&#223; ein Angriff auf die USA schon deshalb nicht ausgeschlossen werden k&#246;nne, weil sich Osama bin Laden und Ayman al Zawahiri noch immer auf freiem Fu&#223; bef&#228;nden. Sofort entweicht der leeren Weinflasche von gestern Abend der Geist und baut sich vor mir auf: b&#228;rtig, stech&#228;ugig, Turban auf dem Kopp.</p>
<p>Und ich nehme an, da&#223; es sich bei den f&#252;hrenden K&#246;pfen der Geheim- und Abwehrdienste denn doch um ziemliche Dummk&#246;pfe handelt. Oder Betonk&#246;pfe. Ich nehme das deshalb an, weil ich a) etliche Jahre meines Lebens unter der &#196;gide von Beton- bzw. Dummk&#246;pfen verbracht habe; in etwa kenne ich ihre Unbeirrbarkeit, Unbelehrbarkeit, ich kenne auch in etwa den Bodensatz aus Opportunismus und Fatalismus, aus dem heraus sie gedeihen, beigemischt immer eine Zentner-Prise Machtherrlichkeit, und b) zeichnen sich Dummk&#246;pfe durch eine gewisse Schlauheit aus. Etwa wissen sie, da&#223; es in einer Welt des Scheins gen&#252;gt, kr&#228;ftig genug aufzutreten, um das Parkett zum Beben zu bringen und einem nicht minder dummen Publikum das Maul aufstehen zu lassen. Hochstapelei, Gleisnerei, Bigotterie sind, sch&#228;tze ich, ein Milliarden-Markt.</p>
<p>Will sagen: Erz&#228;hlt den Kindern lange und eindringlich genug vom schwarzen Mann, und sie schlafen unruhig und werden sp&#228;ter nicht m&#252;de, auch ihren Kindern vom schwarzen Mann zu warnen.</p>
<p>Ich w&#252;rde, w&#228;re ich Al Qaida, einen Anschlag ver&#252;ben. Ich w&#252;rde daf&#252;r sorgen, da&#223; s&#228;mtliche &#196;ngste der so genannten westlichen Welt best&#228;tigt werden. Wie w&#252;rde die reagieren? Noch mehr Geld in die geheimen &#196;mter pumpen, noch mehr Geld in das Milit&#228;r stecken, noch mehr Geld, um die Debattiermaschine zu schmieren. Noch weniger – proportinal gesehen &#8211; Geld f&#252;r das Soziale, noch weniger Geld f&#252;r die Bildung, noch weniger Geld – f&#252;r das Gemeinwesen.</p>
<p>Vielleicht w&#252;rde ich, w&#228;re ich Al Qaida, auf einen Anschlag doch verzichten. Ich k&#246;nnte in meiner Bergh&#246;hle oder in meinem W&#252;stencamp weiterhin an der Wasserpfeife saugen, die B&#228;uche von M&#228;dchen in durchsichtigen Seidengew&#228;ndern tanzen lassen und auf meiner Kalaschnikow Klarinette spielen. Als Al Qaida w&#252;&#223;te ich, da&#223; die Geheim- und Abwehrdienste der so genannten westlichen Welt meinen Job erledigen: an sich selbst irrer zu werden als es die kr&#228;ftigste Finanzkrise vermag.</p>
<p>Die so genannte westliche Welt ist ein Durchlauferhitzer, von dem sie selbst nicht wei&#223;, was da durchl&#228;uft. Sind’s Fakes oder Fakten? Sind’s nur noch Abbilder oder Wirklichkeiten? Sind’s historische Gewi&#223;heiten oder F&#228;lschungen? Und dreht sich die so genannte westliche Welt nur noch im Kreise, wie der Brummkreisel? Auch der mu&#223; aufgezogen werden, dreht sich schnell und schneller, um immer tr&#228;ger werdend nach einer Weile umzufallen.</p>
<p>Ich wei&#223; ja, meine Sicht auf die Dinge ist naiv.</p>
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		<title>Raketenabwehrschach</title>
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		<pubDate>Sat, 20 Feb 2010 09:07:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Webmaster</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Wolfgang Schwarz]]></category>

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		<description><![CDATA[von Wolfgang Schwarz
Der Wahlsieg von Barack Obama war gerade 24 Stunden alt, als ihn der russische Pr&#228;sident Dimitri Medwedjew am 5. November 2008 mit einem Paukenschlag auf eine Erblast der Bush-Administration verwies: Als Antwort auf die geplanten amerikanischen Raketenabwehrsysteme in Polen werde Ru&#223;land in seiner Exklave Kaliningrad modernste Kurzstreckenraketen stationieren. Deren Aufgabe, das liegt auf [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>von Wolfgang Schwarz</h3>
<p>Der Wahlsieg von Barack Obama war gerade 24 Stunden alt, als ihn der russische Pr&#228;sident Dimitri Medwedjew am 5. November 2008 mit einem Paukenschlag auf eine Erblast der Bush-Administration verwies: Als Antwort auf die geplanten amerikanischen Raketenabwehrsysteme in Polen werde Ru&#223;land in seiner Exklave Kaliningrad modernste Kurzstreckenraketen stationieren. Deren Aufgabe, das liegt auf der Hand, w&#228;re im Konfliktfall die Ausschaltung der amerikanischen Systeme.</p>
<p>Der Begriff Raketenabwehr umrei&#223;t einen der milit&#228;rstrategischen und politischen Hauptstreitpunkte im Verh&#228;ltnis zwischen den USA und Ru&#223;land w&#228;hrend der Bush-Administration. Diese hatte 2002 den 1972 zwischen beiden Staaten abgeschlossenen ABM-Vertrag zur beiderseitigen Begrenzung der Raketenabwehrsysteme einseitig aufgek&#252;ndigt und Pl&#228;ne zur Stationierung derartiger Systeme in Polen sowie von zugeh&#246;riger Aufkl&#228;rungstechnik in Tschechien durch Abschlu&#223; entsprechender Abkommen mit beiden Staaten vorangetrieben. Washington begr&#252;ndete diese Schritte mit dem Hinweis auf zunehmende F&#228;higkeiten von »Schurkenstaaten« wie Iran, Ziele im Westen mit ballistischen Raketen anzugreifen. Zugleich wurden wiederholte russische Angebote, dieser Gefahr durch Kooperation – auch hinsichtlich neuer Raketenabwehrsysteme – zu begegnen, abgelehnt.</p>
<p>Um zu verstehen, warum Moskau diese Entwicklung als Angriff auf die zwischen den Gro&#223;m&#228;chten seit Jahrzehnten bestehende nuklearstrategische Pattsituation und damit als schwerwiegende Bedrohung der eigenen Sicherheit interpretiert, bedarf es eines Blickes auf die Vorgeschichte des ABM-Vertrages.</p>
<p>Nachdem die UdSSR das Nuklearmonopol der USA bereits 1949 gebrochen hatte, f&#252;hrte die durch den Kalten Krieg angeheizte R&#252;stungsspirale zu immer gr&#246;&#223;eren Atomarsenalen. Der Sputnikschock von 1957 f&#252;hrte den USA dabei erstmals vor Augen: Im Kriegsfall w&#228;ren amerikanische St&#228;dte durch nuklear-best&#252;ckte sowjetische Interkontinentalraketen verwundbar.</p>
<p>Es dauerte noch eine Reihe von Jahren, bis auf beiden Seiten die Erkenntnis Raum griff, da&#223; es in einem nuklearen Schlagabtausch keinen Sieger geben w&#252;rde. Angesichts der Zerst&#246;rungskraft der Waffen sowie ihrer Vielfalt und Vielzahl w&#252;rde die Reaktion auf einen &#252;berraschenden Angriff – einen sogenannten Erstschlag – in Gestalt des Gegen- oder Zweitschlags auch den Angreifer unvermeidlich in die Vernichtung rei&#223;en. Es galt, aphoristisch formuliert: »Wer zuerst schie&#223;t, stirbt als zweiter.« Im Fachjargon der NATO b&#252;rgerte sich daf&#252;r der Begriff mutual assured destruction – gegenseitige gesicherte Vernichtung – ein, dessen Abk&#252;rzung zugleich ein treffendes Akronym lieferte: MAD (verr&#252;ckt). Auf seiten des Warschauer Vertrages sprach man von nuklear-strategischer Parit&#228;t.</p>
<p>Diese Situation f&#252;hrte zu einer relativ stabilen Brandmauer gegen einen Dritten Weltkrieg – unter der Voraussetzung, da&#223; die Konfliktpartner, auch bei versch&#228;rften Spannungen, rational handeln und das nukleare Schwert in der Scheide lassen.</p>
<p>Nat&#252;rlich hat der Sachverhalt, da&#223; man &#252;ber die m&#228;chtigsten Waffen in der Menschheitsgeschichte verf&#252;gte, sie aber nur bei Strafe des eigenen Untergangs h&#228;tte benutzen k&#246;nnen, nicht wenige Strategen und Entscheidungstr&#228;ger frustriert. Einen Ausweg – n&#228;mlich Schutz vor Vergeltung durch einen Zweitschlag – schien in den sechziger Jahren die Entwicklung von Raketenabwehrsystemen zu bieten. Es wurde aber ziemlich rasch offenbar, da&#223; der Vorsprung der Offensivwaffen r&#252;stungstechnologisch und -&#246;konomisch so nicht zu kompensieren war.</p>
<p>So bef&#246;rderte das nuklearstrategische Patt der Kontrahenten schlie&#223;lich das beiderseitige Interesse, die Stabilit&#228;t des Systems kooperativ abzusichern. Die Einsicht, da&#223; Raketenabwehrsysteme dabei zuv&#246;rderst als destabilisierend, weil der Illusion m&#246;glicher Unverwundbarkeit Vorschub leistend, einzustufen waren, wurde zum Geburtshelfer des ersten sowjetisch-amerikanischen R&#252;stungskontrollvertrages, des ABM-Vertrages vom Mai 1972. Er ebnete den Weg f&#252;r die sogenannten SALT-, sp&#228;ter START-Vereinbarungen zur Begrenzung und nachfolgend zur Abr&#252;stung strategischer Kernwaffen.</p>
<p>Schon dieser knappe historische Exkurs macht verst&#228;ndlich, warum in Moskau die Alarmglocken schrillten, als die Bush-Administration Kurs auf eine Renaissance der Raketenabwehr nahm.</p>
<p>Hinzu kam, da&#223; der &#246;konomische und sonstige Niedergang Ru&#223;lands in den neunziger Jahren auch vor dem Milit&#228;r nicht Halt gemacht hatte. Zu den Folgen geh&#246;rten unter anderem ein dramatischer Verlust an funktionst&#252;chtigen elektronischen Fr&#252;hwarnkapazit&#228;ten sowie ein erheblicher R&#252;ckgang im Umfang und in der Einsatzbereitschaft der nuklearstrategischen Streitkr&#228;fte. Das russische Vergeltungspotential ist dadurch soweit erodiert worden, da&#223; strategische Parit&#228;t praktisch nicht mehr besteht. Das ist f&#252;r die Bewertung eines amerikanischen Raketenschildes in Polen ein entscheidender Punkt. Die US-Experten Keir A. Lieber und Daryl G. Press haben dazu bereits 2006 Ergebnisse komplexer Untersuchungen vorgelegt (The End of Mad? The Nuclear Dimensions of U.S. Primacy, in: International Security, No. 4 [Spring 2006], pp. 7-44. Eine k&#252;rzere Fassung ihrer Analyse hatten die Autoren unter dem Titel »The Rise of U.S. Nuclear Primacy« bereits zuvor in »Foreign Affairs« (March/ April 2006) publiziert. Daraus sind die nachfolgenden Zitate entnommen) und geschlu&#223;folgert: »F&#252;r die Vereinigten Staaten k&#246;nnte es bald m&#246;glich sein, die nuklearen Langstreckenarsenale Ru&#223;lands … mit einem Erstschlag zu vernichten … An diesem Punkt k&#246;nnte selbst ein relativ moderates … Raketenabwehrsystem sehr wohl ausreichend sein, um gegen jeglichen Vergeltungsschlag zu sch&#252;tzen, weil der vernichtete Gegner so wenig Sprengk&#246;pfe und Tr&#228;germittel &#252;brigbehalten w&#252;rde.«</p>
<p>Fazit: »Ru&#223;lands F&#252;hrer k&#246;nnen nicht l&#228;nger auf eine &#252;berlebensf&#228;hige nukleare Abschreckung vertrauen.«</p>
<p>Medwedjews Signal einen Tag nach Obamas Wahl kam also nicht von ungef&#228;hr. Da&#223; Ru&#223;land im &#252;brigen nach wie vor eher an einer einvernehmlichen L&#246;sung dieses Konfliktes als an seiner Austragung interessiert ist, wurde eine knappe Woche nach Obamas Amtseinf&#252;hrung deutlich. Unter Bezug auf den russischen Generalstab verlautbarte aus Moskau, da&#223; Ru&#223;land seine Stationierungspl&#228;ne f&#252;r Kaliningrad eingefroren habe. Zuvor war aus Obamas Umfeld signalisiert worden, da&#223; der neue Pr&#228;sident die amerikanischen Raketenabwehrpl&#228;ne &#252;berpr&#252;fen lassen wolle.</p>
<p>Damit ist das Vorhaben amerikanischerseits noch keineswegs ad acta gelegt, aber auch der langwierige Weg zum ABM-Vertrag hatte einmal mit dem Austausch von Entspannungssignalen begonnen.</p>
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		<title>Honest Abe</title>
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		<pubDate>Sat, 20 Feb 2010 09:05:48 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Abraham Lincoln]]></category>
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		<description><![CDATA[von Erhard Crome
Nichts ist geregelt, was nicht gerecht geregelt ist. Das ist einer der S&#228;tze, die von Abraham Lincoln &#252;berliefert sind. Und die gerechte Regelung der Probleme war stets sein Ziel, als Anwalt der »kleinen Leute« in Illinois und im »Wei&#223;en Haus«. Er ist der wohl bedeutendste Pr&#228;sident, den die USA hatten. Er hat die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>von Erhard Crome</h3>
<p>Nichts ist geregelt, was nicht gerecht geregelt ist. Das ist einer der S&#228;tze, die von Abraham Lincoln &#252;berliefert sind. Und die gerechte Regelung der Probleme war stets sein Ziel, als Anwalt der »kleinen Leute« in Illinois und im »Wei&#223;en Haus«. Er ist der wohl bedeutendste Pr&#228;sident, den die USA hatten. Er hat die Union gerettet, die Sklaven befreit und dem Land politisch seinen Weg in die Moderne er&#246;ffnet. Gott hat die einfachen Menschen offenbar geliebt, denn er hat so viele von ihnen gemacht. Lincoln hatte eigentlich sie im Blick, wenn er politische Entscheidungen zu treffen hatte.</p>
<p>»Honest Abe«, »der ehrliche Abraham« war der Spitzname, den er bereits hatte, als er 1860 zum Pr&#228;sidenten gew&#228;hlt wurde. Die meist schlichten und arbeitsamen Menschen, die an der Wiege der USA gestanden hatten, waren gottesf&#252;rchtige Leute und gaben ihren Kindern biblische Namen, so also Abraham. Vor zweihundert Jahren, am 12. Februar 1809 wurde Lincoln geboren. Aufgewachsen in dem damals noch &#252;berwiegend bewaldeten Illinios hatte er es als Autodidakt zur Zulassung als Anwalt gebracht, sp&#228;ter wurde er Politiker, galt als einer der besten Redner seiner Zeit. Hochgewachsen, etwas schlaksig machte er immer den Eindruck, da&#223; man so einen gern als Nachbarn h&#228;tte. Er konnte gut mit Leuten reden, wirkte oft etwas melancholisch, war zu einem Schwatz bereit, machte Scherze, die stets eine gewisse Ironie enthielten und zugleich von tiefer Beobachtungsgabe zeugten. Die meisten Menschen sind so gl&#252;cklich, wie sie es sich selbst vorgenommen haben.</p>
<p>In einem gesellschaftlichen und politischen System, in dem vielfach Korruption zum Alltag geh&#246;rte – »Government by corruption«, nennen das die Politikwissenschaftler –, blieb er unbestechlich, lie&#223; sich die von ihm bewirkten politischen Entscheidungen nicht zum pers&#246;nlichen Vorteil gereichen. So wurde er gew&#228;hlt und 1864 wiedergew&#228;hlt. Man kann das ganze Volk eine Zeitlang betr&#252;gen und einen Teil des Volkes die ganze Zeit, aber niemals das ganze Volk die ganze Zeit.</p>
<p>In der Unabh&#228;ngigkeitserkl&#228;rung von 1776 gibt es den ber&#252;hmten Satz: »Wir halten es f&#252;r selbstverst&#228;ndliche Wahrheiten, da&#223; alle Menschen gleich geschaffen sind, da&#223; sie von ihrem Sch&#246;pfer mit bestimmten unver&#228;u&#223;erlichen Rechten ausgestattet sind, zu denen das Leben, die Freiheit und das Streben nach Gl&#252;ck geh&#246;ren.« Vielleicht waren die Einheit von Union, die darauf gr&#252;ndete, und Sklaverei der gr&#246;&#223;te Betrug, der nicht von Dauer sein konnte. Waren Schwarze aus Afrika auch Menschen? Warum hatten sie dann nicht gleiche Rechte, sondern waren Sklaven? Die USA hatten sich in der ersten H&#228;lfte des 19. Jahrhunderts rasch entwickelt. Die Bev&#246;lkerungszahl stieg zwischen 1815 bis 1860 von 8,4 auf 31,5 Mill. Menschen. F&#252;nf Millionen Einwanderer waren ins Land gekommen. Die Industrie im Norden bl&#252;hte auf. Doch im S&#252;den schufteten vier Millionen schwarze Sklaven f&#252;r eine Pflanzeroligarchie von ein paar Hunderttausend Leuten. 1822 und 1831 hatte es Sklavenaufst&#228;nde gegeben. Die fr&#252;heren Kompromisse zwischen den Bundesstaaten im Norden, in denen die Sklaverei verboten war, und den Sklavenhalterstaaten im S&#252;den hielten nicht mehr, nicht zuletzt angesichts der Landnahme der USA in Richtung Westen. Sollte da im aufgekl&#228;rten, fortgeschrittenen 19. Jahrhundert die Sklaverei neu eingef&#252;hrt werden, und das durch Menschen, die um der Freiheit willen aus den feudalen Bedr&#252;ckungen Europas in das Land der Verhei&#223;ung der Freiheit gefl&#252;chtet waren?</p>
<p>Die Organisationen im Norden zur Befreiung der Sklaven, die »Abolitionisten«, wurden st&#228;rker. Nur im Nachgang der sozialhistorischen Betrachtung ging es um die besseren Bedingungen f&#252;r die kapitalistische Entwicklung, die den freien Lohnarbeiter braucht. F&#252;r die Zeitgenossen waren die Gegner der Sklaverei zumeist fromme M&#228;nner und Frauen, die aus Gewissensgr&#252;nden gegen die Schande der Versklavung von Menschen handelten. Einer von ihnen war John Brown aus Connecticut, der mit zwanzig Mann in einer Oktobernacht des Jahres 1859 ein Arsenal bei Harper’s Ferry in Virginia &#252;berfiel, um sich in den Besitz von Waffen zu setzen, mit denen er einen St&#252;tzpunkt f&#252;r fl&#252;chtige und aufst&#228;ndische Sklaven einrichten wollte. Er scheiterte, wurde ergriffen und gehenkt. Doch f&#252;r die S&#252;dstaatler war es Anla&#223; zu handeln. Nach der Wahl Lincolns erkl&#228;rten die S&#252;dstaaten ihren Austritt aus der Union, um die Sklaverei zu erhalten. Lincoln sagte daher in seiner Antrittsrede: In euren H&#228;nden, meine unzufriedenen Landsleute, und nicht in den meinen, liegt die folgenschwere Entscheidung &#252;ber einen B&#252;rgerkrieg. Und alle verstanden, da&#223; er die Union und ihre Verfassung um jeden Preis verteidigen werde, und er tat es. Per Proklamation des Pr&#228;sidenten war gesetzt, da&#223; alle Personen, die als Sklaven gehalten wurden, ab 1. Januar 1863 »von da ab und f&#252;r immer frei sein sollen«.</p>
<p>Der Umschwung in der milit&#228;rischen Entwicklung, in der zun&#228;chst die Truppen des S&#252;dens recht erfolgreich waren und der Norden Schwierigkeiten hatte, sein materielles &#220;bergewicht zu entfalten, kam mit der Schlacht von Gettysburg Anfang Juli 1863. Jede Seite hatte Verluste von etwa 25000 Mann an Toten und Verwundeten. Am 19. November 1863 wurde dort ein Ehrenfriedhof eingeweiht. Ein ber&#252;hmter Redner hielt eine zweist&#252;ndige Ged&#228;chtnisrede. Die Rede wurde vergessen.</p>
<p>Danach sprach Lincoln seine ber&#252;hmte Rede von Gettysburg. Er sagte, die Gr&#252;nderv&#228;ter hatten auf diesem Erdteil eine neue Nation geschaffen, in Freiheit gezeugt und dem Glauben gewidmet, da&#223; alle Menschen in Gleichheit geschaffen sind. Und endete mit den ber&#252;hmten Worten, da&#223; diese Toten nicht umsonst gestorben sein sollen, damit diese Nation mit Gottes F&#252;gung eine Wiedergeburt der Freiheit erlebe und damit die Herrschaft des Volkes durch das Volk f&#252;r das Volk nicht vom Erdboden verschwinde.</p>
<p>Den letzten Teil des Satzes haben wir in der DDR als Zitat von Lenin gelernt. Lincoln hatte ihn sechzig Jahre fr&#252;her gesagt und hatte das ernstgemeint. Am 14. April 1865 wurde Lincoln ermordet. J&#252;rgen Kuczynski, einer der produktivsten Historiker der DDR, hatte auch eine kleine Lincoln-Biographie geschrieben, die 1985 erschien. Darin bezeichnet er Lincoln als den gr&#246;&#223;ten Staatsmann des 19. Jahrhunderts »und zugleich so liebenswert«. Und er betont »die bewu&#223;t gewollte Einfachheit eines bedeutenden Mannes, dem sowohl jeder Personenkult als auch seine Rolle als herausragende Einzelgestalt, als Akteur der Geschichte zuwider waren«.</p>
<p>Vielleicht unterscheidet ihn das von all den anderen »gro&#223;en Gestalten der Weltgeschichte«. Willst du den Charakter eines Menschen erkennen, so gib ihm Macht.</p>
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		<title>Schlechter Journalismus</title>
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		<pubDate>Fri, 12 Feb 2010 09:36:59 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Haiti]]></category>
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		<description><![CDATA[von Robert Jensen, Austin/Texas
Anderson Cooper, Star-Moderator von CNN, berichtet live &#252;ber eine chaotische Stra&#223;enszene in Port-au-Prince. Ein Junge wird von einem Stein am Kopf getroffen. Ein Pl&#252;nderer hatte den Stein von einem Dach herunter geworfen. Cooper hilft dem Jungen, an den Stra&#223;enrand zu kommen. Dort stellt er fest, da&#223; der Junge desorientiert und nicht mehr [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>von Robert Jensen, Austin/Texas</h3>
<p>Anderson Cooper, Star-Moderator von <em>CNN</em>, berichtet live &#252;ber eine chaotische Stra&#223;enszene in Port-au-Prince. Ein Junge wird von einem Stein am Kopf getroffen. Ein Pl&#252;nderer hatte den Stein von einem Dach herunter geworfen. Cooper hilft dem Jungen, an den Stra&#223;enrand zu kommen. Dort stellt er fest, da&#223; der Junge desorientiert und nicht mehr in der Lage ist, weiterzugehen. Cooper legt seine Digitalkamera weg (w&#228;hrend ein anderer <em>CNN</em>-Kameramann weiterfilmt). Er tr&#228;gt den Jungen fort und hievt ihn &#252;ber eine Barrikade &#8211; in Sicherheit, wie wir hoffen. „Wir wissen nicht, was aus dem kleinen Jungen wurde&#8221;, sagt Cooper in seinem Bericht. „Alles, was wir wissen, ist, da&#223; die Stra&#223;en von Haiti blutig sind.&#8221;</p>
<p>Das ist gro&#223;es Fernsehen. Aber kein gro&#223;er Journalismus. Im Grunde ist es unverantwortlicher Journalismus. Cooper setzt seinen Bericht fort, indem er darauf hinweist, da&#223; es in Port-au-Prince nicht viele Pl&#252;nderungen gegeben hat und die Gewalt, die die Zuschauer soeben sahen, wohl eher die Ausnahme sei. Stellt sich die Frage: Wenn diese Gewalt nicht repr&#228;sentativ ist, warum hat <em>CNN</em> sie &#252;berhaupt gezeigt? ( … )</p>
<p>Die TV-Nachrichtenberichterstattung geht immer wieder in die Falle: Dramatische, visuell ergreifende Storys werden durch Bildmaterial zus&#228;tzlich betont &#8211; auf Kosten wichtiger Informationen, die zwar etwas komplizierter sein m&#246;gen, aber eben entscheidend sind.</p>
<p>Wir h&#246;rten, wie immer wieder, endlos, da&#223; Journalisten sagten, Haiti sei das &#228;rmste Land in der westlichen Hemisph&#228;re. Kam es denn keinem Redakteur in den Sinn, seine Reporter aufzufordern, nachzufragen, warum das so ist?</p>
<p>Die unmittelbare Not auf Haiti ist die Folge einer Naturkatastrophe, doch diesem Leid liegt eine weitere, zweihundertj&#228;hrige, politische Katastrophe zugrunde. Ein erheblicher Teil der Verantwortung f&#252;r diese Katastrophen liegt nicht (nur) bei den haitianischen Eliten sondern bei der US-Politik.</p>
<p>Manche Journalisten weisen darauf hin, da&#223; die Gr&#252;ndung Haitis als unabh&#228;ngiger Staat im Jahre 1804 auf einen Sklavenaufstand zur&#252;ckging. En passant weisen sie darauf hin, da&#223; die nachfolgenden &#8220;Kompensationsforderungen&#8221; der Franzosen, die sie f&#252;r ihr verlorenes Eigentum (sprich: Sklaven) erhoben, Haitis Wirtschaft mehr als ein Jahrhundert lang verk&#252;mmern lie&#223;en. Einige Journalisten weisen sogar darauf hin, da&#223; Amerika die brutale Politik Frankreichs unterst&#252;tzte und Haitis Unabh&#228;ngigkeit nicht anerkannte, solange es selbst ein Sklavenstaat war. Erst mit dem Amerikanischen B&#252;rgerkrieg &#228;nderte sich dies. Hin und wieder wird auch auf die US-Invasion, unter dem „liberalen&#8221; Pr&#228;sidenten Woodrow Wilson, im Jahre 1915 und die anschlie&#223;ende Besatzung, die bis 1934 dauerte, hingewiesen. In den Jahrzehnten danach unterst&#252;tzten Regierungen der USA nacheinander zwei brutale Diktaturen auf Haiti (den ber&#252;chtigten &#8220;Papa Doc&#8221; Duvalier und danach dessen Sohn &#8220;Baby Doc&#8221;), die das Land von 1957 bis 1986 verheerten. Allerdings wird selten dar&#252;ber diskutiert, was die damalige Politik mit den Problemen des heutigen Haiti zu tun haben k&#246;nnte.</p>
<p>Noch offensichtlicher ist die fehlende Debatte &#252;ber die Beziehungen zwischen Haiti und Amerika in j&#252;ngerer Zeit &#8211; vor allem, wenn es um die Unterst&#252;tzung der USA f&#252;r die beiden Staatsstreichs auf Haiti (1991 und 2004) geht. Beides Mal wurde der demokratisch gew&#228;hlten Pr&#228;sident Jean-Bertrand Aristide gest&#252;rzt. 1990 gewann Aristide mit erstaunlicher Mehrheit die Wahlen, denn er verlieh den Hoffnungen der &#196;rmsten auf Haiti eine Stimme. Sein popul&#228;res Wirtschaftsprogramm irritierte sowohl die Eliten Haitis als auch US-Politiker. Offiziell verurteilte die US-Regierung unter Bush I zwar den Milit&#228;rputsch von 1991; stillschweigend unterst&#252;tzte sie die Gener&#228;le jedoch bei diesem Vorhaben. Pr&#228;sident Clinton unterst&#252;tzte Aristides R&#252;ckkehr an die Macht in Haiti. Das war im Jahre 1994. Allerdings entschied sich Clinton erst zu dem Schritt, nachdem man Aristide gezwungen hatte, vor der wirtschaftsfreundlichen Politik, die die USA forderten, in die Knie zu gehen. Im Jahre 2000 gewann Aristide wieder die Wahl. Er setzte sein Engagement f&#252;r die einfachen Menschen Haitis fort.</p>
<p>Die US-Regierung unter Bush II blockierte &#228;u&#223;erst wichtige Kredite f&#252;r die haitianische Regierung und unterst&#252;tzte au&#223;erdem die brutalen, reaktion&#228;ren Kr&#228;fte, die Aristides Partei angriffen. Diese Politik erreichte ihren traurigen Abschlu&#223; im Jahre 2004, als das US-Milit&#228;r Aristide praktisch kidnappte und au&#223;er Landes flog. Heute lebt Jean-Bertrand Aristide in S&#252;dafrika. Die USA verhindern, da&#223; er in sein Land zur&#252;ckkehren kann, wo er noch immer viele Anh&#228;nger hat und beim Wiederaufbau helfen k&#246;nnte.</p>
<p>Wie viele Zuschauer und Zuschauerinnen von Coopers <em>CNN</em>-Berichterstattung &#252;ber Heldentum vor einem Massenpublikum wissen wohl, da&#223; US-Politiker eine aktive Rolle bei der Unterminierung der haitianischen Demokratie gespielt haben und sich gegen die &#228;u&#223;erst erfolgreiche politische Graswurzelbewegung, die es auf Haiti gibt, stellten? W&#228;hrend der ersten Tage der Berichterstattung &#252;ber das Erdbeben auf Haiti konzentrierten sich die Nachrichtensender auf die aktuelle Krise. Verst&#228;ndlich. Aber welche Entschuldigungen haben diese Journalisten eine Woche sp&#228;ter noch?</p>
<p>Sollten ber&#252;hmte Fernseh-Gurus sich nicht hinstellen und von den USA verlangen, die Verantwortung f&#252;r unseren Teil der Schuld an der aktuellen Situation zu &#252;bernehmen? Unsere Politiker &#228;u&#223;ern sich besorgt &#252;ber die verelendeten Haitianer und bedauern die Abwesenheit einer kompetenten Regierung auf Haiti, die die Katastrophe managen k&#246;nnte. Sollten unsere Journalisten daraufhin nicht fragen, weshalb diese Politiker das haitianische Volk in der Vergangenheit im Stich lie&#223;en? Bill Clinton und George W. Bush wurden berufen, die humanit&#228;ren Bem&#252;hungen zu leiten. Sollten Journalisten ihnen nicht die offensichtliche &#8211; wenn auch unh&#246;fliche &#8211; Frage stellen: Wie gro&#223; ist der Anteil dieser beiden ehemaligen US-Pr&#228;sidenten an der Not der Haitianer?</p>
<p>Wenn Mainstream-Journalisten es wagen, die politische Vergangenheit zu erw&#228;hnen, reinigen sie sie normalerweise zun&#228;chst von h&#228;&#223;licheren Aspekten und sprechen die US-Politiker von jeder Schuld frei &#8211; wenn es um die &#8220;Schnittmenge&#8221; der gemeinsamen Vergangenheit (&#8221;star crossed relationship&#8221;) zwischen den beiden Nationen geht, wie es ein Reporter der <em>Washington Post</em><em> </em>ausgedr&#252;ckt hat. Wenn Nachrichtenreporter versuchen, Haitis Probleme als das Ergebnis einer hausgemachten &#8220;politischen Dysfunktion&#8221; wegzurationalisieren, wie es jener Reporter der <em>Washington Post</em><em> </em>getan hat, sind die Leser und Leserinnen n&#228;mlich eher bereit, die offen reaktion&#228;ren Argumente der Leitartikelschreiberlinge und Redakteure zu akzeptieren.</p>
<p><em>Robert Jensen ist Journalistikprofessor an der University of Texas in Austin und Vorstandsmitglied des Third Coast Activist Resource Center; Abdruck (redaktionell gek&#252;rzt) mit freundlicher Genehmigung von www.zmag.de</em></p>
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		<title>Obama at Work</title>
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		<pubDate>Thu, 28 Jan 2010 17:08:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Webmaster</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blättchen]]></category>
		<category><![CDATA[Barack Obama]]></category>
		<category><![CDATA[Erhard Crome]]></category>
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		<description><![CDATA[von Erhard Crome
Bush at War war der Titel eines Buches, das der US-amerikanische Journalist Bob Woodward 2002 &#252;ber die bereits in erster Zeit kriegsorientierte Pr&#228;sidentschaft des Bush II geschrieben hatte. Nun ist Obama seit &#252;ber einem Jahr US-Pr&#228;sident. Im Grunde haben alle gro&#223;en Zeitungen der Welt irgendwelche Kommentare zu diesem ersten Jahr abgegeben. Dabei entstanden [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>von Erhard Crome</h3>
<p><em>Bush at War</em> war der Titel eines Buches, das der US-amerikanische Journalist Bob Woodward 2002 &#252;ber die bereits in erster Zeit kriegsorientierte Pr&#228;sidentschaft des Bush II geschrieben hatte. Nun ist Obama seit &#252;ber einem Jahr US-Pr&#228;sident. Im Grunde haben alle gro&#223;en Zeitungen der Welt irgendwelche Kommentare zu diesem ersten Jahr abgegeben. Dabei entstanden Aussagen, wie: „Zweifel droht Hoffnung zu verdr&#228;ngen“, „Obama in der politischen Krise“, „Abkehr vom Heilsbringer“, „Obama-Hype hat sich verfl&#252;chtigt“.</p>
<p>Die Praxis „gestern: <em>Hosianna!</em>, heute: <em>Kreuziget ihn!</em>“ geh&#246;rt zum b&#252;rgerlichen Mediengesch&#228;ft; denn nur, was gestern gro&#223; aufgeblasen wurde, kann heute kleingemacht werden.</p>
<p align="left">Das trifft aber nur einen Teil der Wahrheit. Im Hintergrund steht der &#220;berschu&#223; an Erwartungen, die nach den in jeder Hinsicht f&#252;rchterlichen Bush-Jahren Obama aufgeb&#252;rdet worden waren. Bei Amtsantritt hatte Obama in Deutschland eine Beliebtheit von 92 Prozent; Bush lag Ende 2008 bei weniger als zw&#246;lf Prozent. Das beeinflu&#223;t nat&#252;rlich auch alle Sichtweisen auf Obamas Tun. In den USA erwarteten drei Viertel aller Amerikaner bei seiner Amtseinf&#252;hrung am 20. Januar 2009, er werde eine Wende zum Besseren einleiten. Jetzt wird aufgerechnet: Der Folterknast in Guantanamo ist noch nicht geschlossen; aus dem Irak sind noch nicht alle Truppen abgezogen, die in Afghanistan werden aufgestockt; beim Klimagipfel in Kopenhagen gab es keine verbindliche Zusage der US-Regierung; die Arbeitslosenzahlen in den USA liegen h&#246;her als vor einem Jahr; die Gesundheitsreform, Obamas zentrales Projekt, wurde in den parlamentarischen Abstimmungsverfahren immer weiter verw&#228;ssert.</p>
<p>Eines der augenscheinlich gravierendsten Probleme ist die politische Spaltung des Landes. Die Republikaner haben nach dem Verlust der Macht auf Obstruktion im Kongre&#223; geschaltet und wollen, was ihnen schon bei Bill Clinton gelungen war, der Regierung ihr Korsett aufzwingen. Getragen wird dies von einer Bewegung konservativer Christen im Lande, die schon Bush II getragen hatte. W&#228;hrend viele junge Amerikaner, Schwarze wie Wei&#223;e, in der Wahlkampagne den Eindruck vermittelten, bei Obama handele es sich um den neuen Messias, wurde bei jenen kolportiert, er sei wohl der in der Heiligen Schrift angek&#252;ndigte „Antichrist“. Das renommierte <em>Time-Magazin</em> berichtete dies bereits im Sommer 2008, w&#228;hrend des Wahlkampfes um das Pr&#228;sidentenamt; Medienwissenschaftler hatten zu jener Zeit bei der Google-Suchfunktion 776 000 Konnotationen im Internet zwischen „Obama“ und „Antichrist“ ermittelt. Der Talkmaster Glenn Beck wiederholte diese, f&#252;r uns absurd klingende, Antichrist-Unterstellung in seiner regelm&#228;&#223;igen Sendung auch im vergangenen Jahr. Berichte &#252;ber das Bankenrettungspaket wurden mit der sowjetischen Staatshymne unterlegt und Obama abwechselnd als „Sozialist“ beziehungsweise „Faschist“ bezeichnet. Das ist der politische Sumpf, aus dem auch solche Bilder von Anti-Obama-Demonstranten sprossen, die – gegen Gesundheitsreform protestierend -  unter anderem Pappschilder schwenkten, auf denen ihnen die Propaganda-Layouter einen Obama mit Hitler-Physignomie gemalt hatten.</p>
<p>Das Problem der Gesundheitsreform besteht darin, da&#223; die USA bisher das teuerste und im Vergleich der entwickelten Industriestaaten schlechteste Gesundheitssystem haben. 44 Millionen Menschen haben keine Krankenversicherung, weil sie arm sind beziehungsweise sie sich nicht mehr leisten k&#246;nnen oder ihnen fr&#252;her erworbene Anspr&#252;che in Krise und Arbeitslosigkeit verlorengingen. Diese Menschen kommen bisher nur &#252;ber die Notaufnahme im Krankenhaus in den Genu&#223; &#228;rztlicher Versorgung. Selbst bei dem bisherigen Stand von Obamas Gesundheitsreform – die urspr&#252;ngliche Idee, eine staatlich garantierte Pflichtversicherung einzuf&#252;hren, wurde von den Lobbyisten der gro&#223;en Gesellschaften vom Tisch intrigiert – w&#252;rden etwa 30 Millionen Menschen endlich eine Krankenversicherung erhalten, und die Kassen d&#252;rften Kranke nicht mehr ablehnen. Von einem Scheitern kann keine Rede sein. Vielmehr ist Obama bei den M&#252;hen der Ebenen angekommen. Insofern ist „Obama at Work“ der wohl angemessenste Blickwinkel, unter dem sein politisches Handeln zu betrachten ist.</p>
<p>Am 27. Januar hat Obama seine erste <em>Rede Zur Lage der Nation</em> gehalten. Er hat – wie dann flugs ausgez&#228;hlt wurde – eine und eine Viertel Stunde geredet, darunter nur vier Minuten zur Au&#223;en- beziehungsweise Sicherheitspolitik. Der Schwerpunkt lag auf der inneren Entwicklung. Als er sein Amt antrat, war die Wirtschafts- und Finanzkrise auf dem H&#246;hepunkt. Die Arbeitslosigkeit ist h&#246;her als vor einem Jahr. Aber: „Wenn wir die Kernschmelze im Finanzsystem zugelassen h&#228;tten, w&#228;re die Arbeitslosigkeit doppelt so hoch.“</p>
<p>Dies ist ein Satz, der die Wirtschaftswissenschaftler noch eine Weile besch&#228;ftigen wird. Wenn es stimmt, da&#223; die derzeitige Wirtschaftskrise mit der von 1929ff zu vergleichen ist, dann ist es augenscheinlich, da&#223; sie anders und nicht so tiefgreifend verlaufen ist; wenn es ebenfalls stimmt, da&#223; damals die Politik von Pr&#228;sident Hoover in den USA und Reichskanzler Br&#252;ning in Deutschland zur Versch&#228;rfung der Krise beigetragen haben, dann hat der andere Verlauf heute mit der anderen Politik der Regierenden zu tun.</p>
<p>Obama hatte trotz der bereits hohen Verschuldung von &#252;ber zehn Billionen Dollar, die er von seinem Vorg&#228;nger geerbt hatte, eine Billion Dollar zus&#228;tzliche Mittel – also weitere Staatsschulden – eingesetzt, um den Zusammenbruch des Finanzsystems (die „Kernschmelze“) zu verhindern. Dieses Geld treibt er nun von den Banken und Nutznie&#223;ern des bisherigen Finanzsystems wieder ein. Wahrscheinlich ist dies auch der Grund, weshalb er in der deutschen gro&#223;b&#252;rgerlichen Presse zu schlechtgeschrieben wird, indem es in ihr hei&#223;t, dass die „kleinen Leute“ diese Schulden bezahlen sollen. In den USA sollen die Steuererleichterungen f&#252;r die Reichen, die in dem „verlorenen Jahrzehnt“ unter Bush – auch dies eine Formulierung aus der Rede <em>Zur Lage der Nation</em> – gew&#228;hrt wurden, &#252;berpr&#252;ft und r&#252;ckg&#228;ngig gemacht werden. F&#252;r den Mittelstand und die Arbeiter dagegen sind Erleichterungen bei Steuern, bei der Ausbildung ihrer Kinder und bei der Bezahlung der Hypotheken f&#252;r ihre H&#228;user vorgesehen, zus&#228;tzlich zur Gesundheitsreform. Au&#223;erdem soll zielgerichtet in Innovationen, vor allem bei der Entwicklung sauberer Energie, und in ein Eisenbahnsystem mit Hochgeschwindigkeitsz&#252;gen investiert werden. Schlie&#223;lich sollen die USA auch ihre Exportf&#228;higkeit wieder erh&#246;hen.</p>
<p>Unter dem Befehl des Kaisers Traian hatten r&#246;mische Truppen im Jahre 115 das Zweistromland erobert und zur r&#246;mischen Provinz gemacht. Damit hatte das R&#246;mische Reich seine gr&#246;&#223;te Ausdehnung erreicht. Hadrian, Nachfolger auf dem Kaiserthron, gab kurze Zeit darauf diese Eroberungen wieder auf. Ohne bedeutende Steigerung der Armee wie des Budgets h&#228;tten diese Provinzen nicht dauerhaft gehalten werden k&#246;nnen. Es mag zu den Zuf&#228;lligkeiten der Weltgeschichte geh&#246;ren, da&#223; die USA genau dieses Zweistromland, den Irak, unter Bush II eroberten. Barack Obama war bereits zur Pr&#228;sidentenwahl mit dem Versprechen angetreten, da&#223; die USA sich aus dem Irak wieder zur&#252;ckziehen werden. Die USA haben – in der gleichen Weltgegend wie einst das R&#246;mische Reich – den Zenit ihrer imperialen Macht &#252;berschritten.</p>
<p>An Obama ist es nun, diesen historischen R&#252;ckzug so zu gestalten, da&#223; die USA „ihr Gesicht nicht verlieren“, sie ihre Interessen auch unter der Voraussetzung der R&#252;ckzugsbewegung so weit wie m&#246;glich international durchsetzen und er zugleich Wege findet, die innenpolitischen Priorit&#228;ten, um derentwillen er gew&#228;hlt wurde, in die Tat umzusetzen. Dies ist wohl nicht alles gleichzeitig und gleicherma&#223;en erfolgreich realisierbar.</p>
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