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	<title>Das Blättchen &#187; Gerd Kaiser</title>
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	<description>Zeitschrift für Politik, Kunst und Wirtschaft</description>
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		<title>Der gew&#246;hnliche Faschismus</title>
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		<pubDate>Sun, 11 Apr 2010 19:05:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Webmaster</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blättchen]]></category>
		<category><![CDATA[Gerd Kaiser]]></category>
		<category><![CDATA[Maja Turowskaja]]></category>
		<category><![CDATA[Michail Romm]]></category>
		<category><![CDATA[Sabine Hänsgen]]></category>
		<category><![CDATA[Wolfgang Beilenhoff]]></category>

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		<description><![CDATA[von Gerd Kaiser
Anzuzeigen ist das j&#252;ngst erschienene und ungew&#246;hnliche Werkbuch „Der gew&#246;hnliche Faschismus“, &#252;ber Michail Romms aufsehenerregenden gleichnamigen Kompilationsfilm aus historisch &#252;berliefertem Bild- und Fotomaterial, das von ihm analysiert und kommentiert wird. Zu seiner Weltkarriere startete der Film 1965 auf dem Leipziger Dokumentarfilmfestival unter au&#223;ergew&#246;hnlichen Umst&#228;nden, von denen hier und vor allem im Buch die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3><span style="font-weight: normal; font-size: 13px;">von Gerd Kaiser</span></h3>
<p>Anzuzeigen ist das j&#252;ngst erschienene und ungew&#246;hnliche Werkbuch <em>„Der gew&#246;hnliche Faschismus“</em>, &#252;ber Michail Romms aufsehenerregenden gleichnamigen Kompilationsfilm aus historisch &#252;berliefertem Bild- und Fotomaterial, das von ihm analysiert und kommentiert wird. Zu seiner Weltkarriere startete der Film 1965 auf dem Leipziger Dokumentarfilmfestival unter au&#223;ergew&#246;hnlichen Umst&#228;nden, von denen hier und vor allem im Buch die Rede ist. Um die Vorgeschichte, Entstehung, Verbreitung und die Aufnahme des Films, aber auch des vorliegenden Buches, das diese Themenfelder dokumentiert und analysiert, ranken sich zahlreiche und wiederum ungew&#246;hnliche Geschichten.</p>
<p>Das ideenreiche Buch zum Film erschien knapp ein halbes Jahrhundert nach dem Film. Auf den ersten Blick <em>obwohl</em>, eigentlich aber <em>weil</em> der Film auf Anhieb ein Welterfolg war – jedoch Sichtweisen erm&#246;glichte, die nicht erw&#252;nscht waren.</p>
<p>Deshalb erschien das im sowjetischen Verlag Iskustvo bereits zum Druck vorbereitete und „genehmigte“ Werkbuch nicht zu sowjetischen und nicht gleich in postsowjetischen Zeiten. Nunmehr kann man im vorliegenden und auch buchgestalterisch eindrucksvollen Band (S. 60 bis 251) Seite f&#252;r Seite Einblick in die Werkstatt der Filmentstehung, Bildeinstellungen (linke Leiste) und Kommentartext Michail Romms (rechte Leiste) nehmen. Erstmals konnten Leser, vor allem weil Maja Turowskaja, neben Juri Chanjutin und Romm Drehbuchautorin des Films, die Vorlagen und noch mehr ihre Erinnerungen an die Geschichte(n) bewahrte, das Werkbuch 2006 in russisch und seit 2009 auch in einer vorbildlichen deutschsprachigen Ausgabe in die Hand nehmen.</p>
<p>Der Streifen entstand nach der urspr&#252;nglichen Idee von Turowskaja und Chanjutin auf der Grundlage einer Auswahl aus zwei Millionen Metern Film aus NS-Wochenschauen und Dokumentarfilmen, aus in Leders&#228;cken aufbewahrten Fotografien von Hitlers Leibfotografen Heinrich Hofmann und aus Schnappsch&#252;ssen der T&#228;ter, die ihre Untaten privatim in Aufnahmen verewigten oder deren Untaten durch die eigens geschaffenen Propagandakompanien unter dem Befehl des Wehrmachtgenerals Hasso von Wedel dokumentiert wurden. Dazu kamen Film- und Fotodokumente aus Archiven und Sammlungen in der UdSSR, in Polen und der DDR. Der Vorspann der Originalfassung listet knapp zwei Dutzend historische Quellen auf, aus denen die Filmleute sch&#246;pften. Es entstand jedoch keine bebilderte und mit zeitgen&#246;ssischer Kommentarsauce angerichtete Chronik, vielmehr unternahmen die Filmsch&#246;pfer den Versuch, den Faschismus in seiner psychologischen Dimension zu analysieren. Das verschaffte dem Film au&#223;ergew&#246;hnliche Wirkungen, schr&#228;nkte jedoch auch sein analytisches Wesen ein. Vor allem, weil pr&#228;gende Ursachen und Wirkungsmechanismen des Faschismus zwar schriftliche, jedoch keinerlei filmische Spuren hinterlassen haben. Zwei Beispiele daf&#252;r: Bereits am 3. Februar 1933, vier Tage nach dem Antritt der Regierung Hitler, traf sich dieser zu einer Besprechung im Bendlerblock zu Berlin mit Befehlshabern von Reichswehr und Reichsmarine; unter anderen den Generalen Walter von Blomberg, dem eben ernannten Reichskriegsminister, dem Chef der Heeresleitung, General Kurt von Hammerstein-Equord, dem Chef der Marineleitung, Admiral Erich Raeder und einer Reihe weiterer Milit&#228;rs in Schl&#252;sselstellungen, die ihre Karriere, bis auf Hammerstein, der zur&#252;cktrat, mit dem Programm des Nazireichs verbanden. Der gew&#246;hnliche Faschismus lie&#223; von Anfang an keinen Zweifel daran, da&#223; er f&#252;r die Erreichung seiner Ziele auf den Krieg im Inneren, „die Beseitigung des Krebsschadens der Demokratie (&#8230;) die Ausrottung des Marxismus mit Stumpf und Stil“ und im Krieg nach au&#223;en, auf den Weltanschauungs- und Weltherrschaftskrieg setzte, die „Eroberung neuen Lebensraums im Osten u. dessen r&#252;cksichtslose Germanisierung“ Davon gibt es schriftliche Zeugnisse, aber weder ein filmisches noch ein fotografisches Zeugnis f&#252;r die Anf&#228;nge der Planungen des Welt- und des Weltanschauungskriegs. Auch von der Wannseekonferenz „zur Endl&#246;sung“, das hei&#223;t dem industrialisierten Massenmord an Juden, existieren ebenfalls schriftliche, nicht jedoch filmische Belege. Sehr wohl liegen solche sowohl von den Exzessen der Wehrmacht als auch der SS bei der Verwirklichung dieser auf hoher und h&#246;chster Ebene getroffenen Entscheidungen f&#252;r Verbrechen gegen den Frieden und gegen die Menschlichkeit vor und wurden in Romms Film auch genutzt.</p>
<p>Sein Werk erblickte das Licht der Welt – hier ist Wolfgang Beilenhoff und Sabine H&#228;nsgen, den Herausgebern der Berliner Ausgabe und auch Turowskaja uneingeschr&#228;nkt zuzustimmen – in den wenigen Jahren des kulturpolitischen Tauwetters in der damaligen Sowjetunion. Allein in den Kinos der Sowjetunion – ins Fernsehen kam er mit zeitlicher Versp&#228;tung – sahen 20 Millionen Zuschauer den Film bereits im ersten Jahr seiner „Zulassung“. Bald verschwand er aus dem Verleih, wenngleich es seltene Ausnahmen gab. So verdanken wir unserem gelegentlichen Autor aus St. Petersburg Fedor Abakov, da&#223; ein kleines Programmkino seiner Heimatstadt, 20 Jahre lang und Tag f&#252;r Tag den ins Regal verbannten Film zeigte und niemals &#252;ber Zuschauermangel zu klagen hatte.</p>
<p>Maja Turowskaja ist f&#252;r die Schilderung und einleuchtende Erkl&#228;rungen zu danken, wie der „allt&#228;gliche Faschismus“ (auch diese &#220;bersetzung des russischen Originalbegriffs „obyknowennyj faschism“ ist m&#246;glich und wurde von den sowjetischen Filmleuten anfangs auch gew&#228;hlt) auf dem Weg zum Zuschauer, die „Schrecken, &#196;ngste , Phobien der Beamten aller Ebenen“ &#252;berwandt, „die in ihrer Gesamtheit ein gewisses kolloides flimmerndes Milieu bildeten“. Am 15. Oktober 1965 erhielt er nach Bataillen und Intrigen zwischen F&#252;rsprechern und Gegnern des Films die Genehmigung Nr. 334/65 und damit die Starterlaubnis f&#252;r Leipzig, wo das Festival am 13. November er&#246;ffnet wurde. In den sowjetischen Verleih kam der Film erst Monate sp&#228;ter, im M&#228;rz 1966. Bereits auf dem Leipziger Festival, wo Romms Film die h&#246;chste Auszeichnung, die Goldene Taube f&#252;r Langmetragefilme, erhielt, wurde hinter den Kulissen &#252;ber die Absicht Romms  gesprochen, mit seinem Streifen „Parallelen zur gegenw&#228;rtigen Politik von Staat und Partei“ zu ziehen. In diesen „Parallelen“ d&#252;rften die Ursachen f&#252;r das kurze &#246;ffentliche Leben des Filmkunstwerks gelegen haben, der in der UdSSR wie in der DDR, wo er eine Lizenz f&#252;r Vorf&#252;hrungen urspr&#252;nglich bis 1971 erhielt, bald, wenngleich mit Ausnahmen, unter Verschlu&#223; gehalten wurde. Horst Pehnert, Stellvertretender Kulturministers der DDR benannte am 14. Mai 1979 in einem Aktenvermerk die Gr&#252;nde der DDR-Oberen f&#252;r die Verbannung des Films aus dem &#246;ffentlichen Leben. Er listete an erster Stelle die „sehr subjektive Auffassung &#252;ber den Faschismus und die faschistische Entwicklung in Deutschland durch M. Romm“ auf. Deshalb und „aufgrund der nicht gen&#252;gend tiefen Darstellung der gesellschaftlichen Ursachen des Faschismus“ best&#252;nde die M&#246;glichkeit f&#252;r den Zuschauer auch „einige &#228;u&#223;ere Erscheinungsformen, wie Aufm&#228;rsche usw. (&#8230;) vor allem im Hinblick auf &#228;u&#223;erlich &#228;hnliche Veranstaltungen auch unter sozialistischen Verh&#228;ltnissen „fehl“-zu“interpretieren“. Das gen&#252;gte.</p>
<p>Erst Ende Oktober 1989 wurde das Verdammungsurteil aufgehoben. Da war die Geschichte zwar &#252;ber die DDR hinweggegangen, das alte Thema des gew&#246;hnlichen Faschismus jedoch nicht &#252;berholt.</p>
<p><em>Der gew&#246;hnliche Faschismus. Ein Werkbuch zum Film von Michail Romm. Hsg. Wolfgang Beilenhoff und Sabine H&#228;nsgen unter Mitwirkung von Maja Turowskaja, Drehbuchautorin des Films. Verlag Vorwerk 8. Berlin. 2009. 335 S. ISBN: 978-3-940384-12-6, 24,- Euro</em></p>
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		<title>Stalins langer Schatten</title>
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		<pubDate>Thu, 18 Feb 2010 16:02:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Webmaster</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Gerd Kaiser]]></category>
		<category><![CDATA[Ossip Mandelstam]]></category>
		<category><![CDATA[Simon Sebag Montefiore]]></category>
		<category><![CDATA[Stalin]]></category>
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		<description><![CDATA[von Gerd Kaiser
Verstorben ist Jossif Stalin am 5. M&#228;rz 1953. Was denken Russen heute, mehr als ein halbes Jahrhundert sp&#228;ter, von ihm? Sein langer Schatten reicht, wie j&#252;ngste repr&#228;sentative Umfragen des Meinungsforschungsinstituts „Lewada-Zentr“ in Ru&#223;land ergaben, bis in die Gegenwart. Dabei werden Person und System, „Stalin“ und „Stalinismus“, von Interessierten jeweils so benutzt, wie es [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>von Gerd Kaiser</h3>
<p>Verstorben ist Jossif Stalin am 5. M&#228;rz 1953. Was denken Russen heute, mehr als ein halbes Jahrhundert sp&#228;ter, von ihm? Sein langer Schatten reicht, wie j&#252;ngste repr&#228;sentative Umfragen des Meinungsforschungsinstituts „Lewada-Zentr“ in Ru&#223;land ergaben, bis in die Gegenwart. Dabei werden Person und System, „Stalin“ und „Stalinismus“, von Interessierten jeweils so benutzt, wie es in den jeweiligen politischen Kramladen pa&#223;t. Beispielsweise tr&#228;gt das Programm des russischen Kabelsenders „Nostalgia“ zur Traditionspflege bei. Auf andere Art nutzen die heutigen geostrategischen Absichten der Putin-Bewegung die am Leben gehaltene Sehnsucht nach einer Zeit, als Sowjetru&#223;land noch eine Weltmacht war.</p>
<p>Im August 2009 gab es bei wissenschaftlich gesicherten Umfragen in Ru&#223;land, ohne direkten Bezug zu aktuellen Politikgesch&#228;ften, eindeutige Antworten auf drei Thesen und zwei Fragen des „Lewada-Zentr“. Sie erm&#246;glichen es dem Interessierten, sich selbst ein Bild zu machen. Wem das nicht gen&#252;gt, der k&#246;nnte ja unter anderem zum 874 Seiten z&#228;hlenden und 5,5 cm dicken W&#228;lzer „Stalin: Am Hof des roten Zaren“ greifen (Autorin: Simon Sebag Montefiore, &#220;bersetzer: Hans G&#252;nter Holl). Es enth&#228;lt Geschichten &#252;ber Geschichten, gesalbt ist es auch mit einigen Tropfen Geschichte.</p>
<p>Wir wenden uns hier nackten Umfrageergebnissen zu:</p>
<p>1. Stalin war ein weiser F&#252;hrer, der die UdSSR zu Macht und  Aufbl&#252;hen brachte.</p>
<p>50 % = Einverstanden<br />
37 % = Nicht einverstanden<br />
13 % = Fanden es schwierig zu antworten</p>
<p>2. Welche Fehler und Unzul&#228;nglichkeiten auch Stalin zugeschrieben werden, das Wichtigste ist es, da&#223; unser Volk unter seiner F&#252;hrung als Sieger aus dem Gro&#223;en Vaterl&#228;ndischen Krieg hervorging.</p>
<p>68 % = Einverstanden<br />
19 % = Nicht einverstanden<br />
13 % = Fanden es schwierig zu antworten</p>
<p>3. Stalin &#8211; ein grausamer, unmenschlicher Tyrann, schuldig an der Vernichtung von Millionen Unschuldiger.</p>
<p>68 % = Einverstanden<br />
19 % = Nicht einverstanden<br />
13 % = Fanden es schwierig zu antworten</p>
<p>4. Ausgehend vom Ausma&#223; der Verfolgungen in der Epoche Stalins, der zwangsweisen Umsiedlung (Aussiedlung) einiger V&#246;lker, sind Sie damit einverstanden, da&#223; der F&#252;hrer Jossif Stalin als Staatsverbrecher anzusehen ist?</p>
<p>17 % = V&#246;llig einverstanden<br />
26 % = In vielem einverstanden<br />
32 % = Unterm Strich kann ich dem nicht zustimmen<br />
12 % = Keineswegs einverstanden<br />
18 % = Fanden es schwierig, zu antworten</p>
<p>5. Was meinen Sie, wer vor allem ist verantwortlich, f&#252;r die Verfolgungen und Opfer in unserem Land in der Zeit von den 30er Jahren bis Anfang der 50er Jahre?</p>
<p>19 % = Stalin ist verantwortlich<br />
19 % = Das Staatssystem<br />
41 % = Sowohl Stalin als auch das Staatssystem<br />
6 %   = Weder Stalin noch das Staatssystem<br />
15 % = Fanden es schwierig zu antworten</p>
<p>*</p>
<p><em>Ossip Mandelstam</em></p>
<p>Im Herbst 1933, f&#252;nf Jahre bevor der „Gro&#223;e Terror“ auch seinem Leben ein Ende setzte und der deshalb, wie ungez&#228;hlte andere Opfer, nicht im August 2009 nach seiner Meinung &#252;ber Stalin gefragt werden konnte, schrieb Ossip Mandelstam:</p>
<p>Wir leben, wenngleich aus dem Leben gerissen;<br />
Wir schweigen, als w&#228;re die Zunge zerbissen.<br />
Wenn`s doch mal zu einer Andeutung kommt,<br />
Ist`s  nichts was dem Zwingherrn im Kreml frommt.<br />
Seine Finger &#8211; gleich fetten behaarten W&#252;rsten,<br />
Die weichen Stiefelchen &#8211; wie geleckt, ohne B&#252;rsten.<br />
Sein Bart erinnert an der Schabe Antennen,<br />
Um ihn her, hohlk&#246;pfige Hofschranzen rennen.<br />
An ihnen ist der Speichellecker Nutz und Fromm zu erkennen.<br />
Befehle, Erlasse, Faustschl&#228;gen gleich auf uns niederkrachen:<br />
Auf den Sch&#228;del.<br />
Aufs Auge.<br />
Und ins Genick.<br />
Leutselig zerschl&#228;gt mit gro&#223;em Geschick,<br />
Des Mannes aus Gori st&#228;hlerne Hand,<br />
Jeden der denkt in unserem Land.</p>
<p><em>&#220;bersetzung aus dem Russischen: Gerd Kaiser</em></p>
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		<title>In Moskau</title>
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		<pubDate>Mon, 19 Jan 2009 21:29:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Webmaster</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blättchen]]></category>
		<category><![CDATA[Gerd Kaiser]]></category>
		<category><![CDATA[Moskau]]></category>

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		<description><![CDATA[von Gerd Kaiser
Auf dem Gel&#228;nde des Nowodewitschi-Klosters und des Donskoj-Klosters erheben sich nicht nur, umgeben von mittelalterlichen hohen Wehrmauern, pr&#228;chtige Kirchen. Hier, auf den Friedh&#246;fen dieser Kl&#246;ster, sind ungez&#228;hlte Frauen und M&#228;nner bestattet, die in der Kultur- und Geistesgeschichte, in den Wissenschaften und in der Politik Ru&#223;lands oder der Sowjetunion eine Rolle spielten.
Die einen wurden [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>von Gerd Kaiser</h3>
<p>Auf dem Gel&#228;nde des Nowodewitschi-Klosters und des Donskoj-Klosters erheben sich nicht nur, umgeben von mittelalterlichen hohen Wehrmauern, pr&#228;chtige Kirchen. Hier, auf den Friedh&#246;fen dieser Kl&#246;ster, sind ungez&#228;hlte Frauen und M&#228;nner bestattet, die in der Kultur- und Geistesgeschichte, in den Wissenschaften und in der Politik Ru&#223;lands oder der Sowjetunion eine Rolle spielten.</p>
<p>Die einen wurden hier von ihren N&#228;chsten zur letzten Ruhe gebettet, die anderen namenlos verscharrt, in Massengr&#228;bern des Gro&#223;en Terrors. Das »Gemeinschaftsgrab Nr. 1: Nicht abgeholte sterbliche &#220;berreste 1930 bis einschlie&#223;lich 1942« befindet sich auf dem Donskoje-Friedhof. Ein kleines T&#228;felchen unter vielen anderen erinnert an Michail Tuchatschewski, einen von 39761 f&#252;hrenden Milit&#228;rs der Roten Armee, einer der drei von f&#252;nf ihrer Marsch&#228;lle, die allein zwischen Mai 1937 und September 1938 erschossen wurden. Besonders 1941/42, nach dem &#220;berfall der Wehrmacht, w&#228;ren ihre Kenntnisse und ihr K&#246;nnen f&#252;r eine fr&#252;he Gegenoffensive lebensnotwendig gewesen. Ihre Asche wurde in Massengr&#228;ber gesch&#252;ttet, die mu&#223;ten, der »Andrang« war gro&#223;e, maschinell ausgehoben werden. In diesem Gemeinschaftsgrab liegt auch die Handvoll Asche Isaak Babels. Dieses Denkmal »f&#252;r schuldlos zu Tode gequ&#228;lte und erschossene Opfer der politischen Verfolgungen« wurde im letzten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts angelegt.</p>
<p>Auf dem Donskoje-Friedhof ist auch Rudolf Abel bestattet worden. Sein eigentlicher Familienname war Fischer. Er wurde als sowjetischer Spion in den USA verurteilt, am 10. Februar 1962 auf der Glienicker Br&#252;cke zwischen Berlin und Potsdam gegen den amerikanischen Spion Francis Powers ausgetauscht. Abel starb in Frieden und in dem Land, von dem er sich hatte auf einen gefahrvollen Weg schicken lassen. Hier liegen auch die sterblichen &#220;berreste des deutschen Kommunisten Wilhelm Florin, der 1944 in der Emigration in Moskau eines nat&#252;rlichen Todes starb.</p>
<p>Die weitl&#228;ufige Nekropolis birgt auch Erinnerungsst&#228;tten an Iwan Turgenjews Mutter, Leo Tolstojs Gro&#223;mutter oder das frische Grabmal des erst j&#252;ngst verstorbenen Alexander Solshenizyn, dem nicht nur die Darstellung »Ein Tag im Leben des Iwan Denisowitsch«, sondern auch die erste umfassende Untersuchung des Lagersystems der Hauptverwaltung Lager (GULag) zu verdanken ist. Sein frischer Grabh&#252;gel ist von hohen Blumenh&#252;geln verdeckt.</p>
<p>Auf dem ungleich gr&#246;&#223;eren und un&#252;bersichtlicheren Nowodewitschi-Friedhof verdient sich eine resolute Frau durch F&#252;hrungen ein Zubrot zu ihrer bescheidenen Rente. Ihre Art erinnert an jene Berliner Knaben aus Hohensch&#246;ngr&#252;nkohl oder aus der Spandauer Vorstadt, die aus dem Gang der Geschichte ein Gewerbe gemacht haben. Die Moskauer Besserwisserin (Chruschtschow = der, der mit dem Schuh in der UNO-Vollversammlung auf den Tisch geklopft hat; Gromyko = der »Mister Njet« in der UNO et cetera) wei&#223; wenig, aber davon viel. Durch gezielte Fragen ist sie leicht zu stoppen, etwa vor dem sinnreichen Denkmal f&#252;r Chruschtschow. Geschaffen hat es im Auftrag der Familie der K&#252;nstler Neiswestnyj. Ihm hatte der bekannte Kunstkritiker Nikita Chruschtschow, Jahrzehnte zuvor, der k&#252;hnen Formsprache des K&#252;nstlers wegen – die auch dem Grabmal f&#252;r den einstigen Kunstkritiker wesenseigen ist – auf einer Ausstellung in der Manege angedroht, er werde niemals wieder Material f&#252;r seine Kunst erhalten (»nikogda bolsche nje polutschitje!«).</p>
<p>Der als gesch&#228;ftst&#252;chtiger Laiendarsteller in Politik und Tanz durch die Geschichte getaumelte Boris Jelzin liegt dagegen unter einem monstr&#246;sen zeitgen&#246;ssischen Kitschh&#252;gel, der seinesgleichen vergebens auf dem weitl&#228;ufigen Gel&#228;nde sucht. Zu Jelzin pa&#223;t er.</p>
<p>Geb&#252;hrenden Abstand zu Jelzin halten Ru&#223;lands gro&#223;e Geister des 19. und 20. Jahrhunderts, von Anton Tschechow und Nikolai Gogol bis Michail Bulgakow und Ilja Ehrenburg, von Fjodor Schaljapin bis Sergej Prokofjew und Alfred Schnittke, Nikolai Rubinstein, David Oistrach, Swjatoslaw Richter, vom Maler Isaak Lewitan und seinem Namensvetter, dem Rundfunksprecher, dessen Stimme im Gro&#223;en Vaterl&#228;ndischen, jedem B&#252;rger des Sowjetlands vertraut war, vom Regisseur Sergej Eisenstein bis zu den Physikern Lew Landau und Wladimir Weksler, um nur wenige Namen der Unsterblichen zu nennen, deren sterbliche &#220;berreste hier beigesetzt wurden.</p>
<p>Ihre Wiederauferstehung erfahren in den Moskauer Museen jahrzehntelang in die »Sperrbest&#228;nde« verbannten Kunstwerke von Malern und Bildhauern des 19. und des 20. Jahrhunderts. Wechselnder »S&#252;nden« als Kosmopoliten oder Konstruktivisten geziehen, wurden viele ihrer Werke oder auch das gesamte Werk nicht gezeigt. Sie standen jahrelang in den Giftschr&#228;nken.</p>
<p>Die Museen und besonders jene Ausstellungen, in denen man wieder auferstandenen Kunstwerken begegnen kann, sieht der Kunstliebhaber dankbar. Sie sind gut besucht. Von Moskauern wie von G&#228;sten aus aller Herren L&#228;nder. In der Galerie f&#252;r die Kunst Europas und Amerikas im 19. und 20. Jahrhundert begegneten wir vielf&#228;ltigen Zeugnissen malerischer und bildhauerischer Hochkultur, darunter Werken von Marc Chagall, Wassili Kandinsky, Hans Arp, Ernst Neuschul und Hans Grundig, von letzterem Bilder, die er nach Faschismus und Widerstand in den ersten Nachkriegsjahren in Dresden gemalt hat. Andere S&#228;le sind K&#252;nstlern beider Amerika gewidmet, Diego Rivera, Rockwell Kent …, und den Werken Renato Guttusos, Pablo Picassos sowie Jules Fernand Legers. Die leisen Gespr&#228;che der Kunstliebhaber werden an jenem stillen Sonntagmorgen, als wir das Museum besuchen, in Russisch und Franz&#246;sisch, Amerikanisch und Japanisch gef&#252;hrt.</p>
<p>Die Galerie, deren Sch&#228;tze gr&#246;&#223;tenteils auf Privatsammlungen russischer Kunstliebhaber zur&#252;ckgehen, &#246;ffnete 2006 ihre Tore. Sie geh&#246;rt zu einem mehrteiligen Museumskomplex an der Wolchonka mit Puschkin-Museum und dem Zentrum f&#252;r &#228;sthetische Erziehung von Kindern und Jugendlichen. Moskau ist eine Reise wert! Ein Museumsbesuch kostet »umgerubelt« 2 (in Worten: zwei) Euro.</p>
<p>Von den Museen und Friedh&#246;fen, Ged&#228;chtnis der Welt- und der Nationalgeschichte, zur Petrowka 16 und zur unweit gelegenen Bolschaja Dimitrowka 15. Mit der Petrowka verbindet sich f&#252;r alteingesessene Moskauer der Sitz der Moskauer Kripo. Dort befindet sich jetzt ein Museum des GULags. Es hat sich einem unerf&#252;llbaren Anliegen verschrieben: in einem Hof und auf zwei Wohnhausetagen den Gesamtkomplex der millionenfachen Verfolgung und der Funktionen des damit verbundenen Lagersystems anschaulich zu dokumentieren. Der Hof mit nachgebautem Wachturm und angedeuteten Stacheldraht-Einz&#228;unungen tendiert zu hilflosem Kitsch, die Fotodokumentation von H&#228;ftlingsportr&#228;ts ist beeindruckend.</p>
<p>Das Museum in der Petrowka wird von der Stadtverwaltung unterhalten, seine Ausstellung besteht vor allem aus Hinterlassenschaften von H&#228;ftlingen und einigen Zeugnissen k&#252;nstlerischer Verarbeitung ihrer Lagererlebnisse.</p>
<p>Einen kurzen Fu&#223;weg von hier befindet sich in der Bolschaja Dimitrowka das vormalige Komintern-Archiv, heute Staatsarchiv f&#252;r Soziale und Politische Geschichte Ru&#223;lands (RGASPI). In dieser B&#252;chse der Pandora wirken hilfsbereite Mitarbeiterinnen. Das »Mutterhaus« dieser Institution, das vormalige Institut f&#252;r Marxismus-Leninismus, zwischendurch Institut f&#252;r Marx, Engels, Lenin, Stalin, liegt quasi um die Ecke, im R&#252;cken des RGASPI.</p>
<p>Dort sitzt, unweit von F&#252;rst Jurij Dolgorukij hoch zu Ro&#223; und wenige Schritte von der Gorki-Stra&#223;e, die heute wieder Twerskaja hei&#223;t, ein nachdenklicher Lenin, den kahlen Kopf in die Hand gest&#252;tzt. Es ist gut, da&#223; er sich nicht umdrehen kann, denn zwanzig Meter hinter seinem R&#252;cken, im ehemaligen Haupteingang zum IML, macht sich &#252;ber die gesamte Front des Geb&#228;udes, eines eindrucksvollen Baus der fr&#252;hen Sowjetmoderne, eine Bierkneipe der Firma »Tuborg« breit.</p>
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		<title>Polen und die Komintern</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Jan 2009 17:48:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Webmaster</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Gerd Kaiser]]></category>
		<category><![CDATA[Komintern]]></category>
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		<description><![CDATA[von Gerd Kaiser
Ryszard Nazarewicz (Jahrgang 1921) erschlo&#223; bislang unver&#246;ffentlichte Quellen in ru&#223;l&#228;ndischen, belorussischen und polnischen, aber auch in deutschen und tschechischen Archiven, und er nutzte Quelleneditionen jeglicher Provenienz sowie die umfangreiche polnische Memoirenliteratur.
Eine Auseinandersetzung um die Politik der polnischen Kommunisten entz&#252;ndete sich bereits 1924 auf dem V. Kongre&#223; der Komintern: Stalin beschuldigte damals Maria Koszutska [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>von Gerd Kaiser</h3>
<p>Ryszard Nazarewicz (Jahrgang 1921) erschlo&#223; bislang unver&#246;ffentlichte Quellen in ru&#223;l&#228;ndischen, belorussischen und polnischen, aber auch in deutschen und tschechischen Archiven, und er nutzte Quelleneditionen jeglicher Provenienz sowie die umfangreiche polnische Memoirenliteratur.</p>
<p>Eine Auseinandersetzung um die Politik der polnischen Kommunisten entz&#252;ndete sich bereits 1924 auf dem V. Kongre&#223; der Komintern: Stalin beschuldigte damals Maria Koszutska (»Wera« Kostrzewa), Edward Próchniak, Henryk Walecki und Adolf Warski des Opportunismus sowie der Unterst&#252;tzung jener Kr&#228;fte in der KPD, die gegen den Linksradikalismus von Ruth Fischer und ihrer Anh&#228;nger ank&#228;mpften. Auch Richtungsk&#228;mpfe in der bolschewistischen Partei R&#228;teru&#223;lands standen dabei zur Debatte.</p>
<p>In direkter Konfrontation mit Stalin widersprach »Wera« Kostrzewa und verteidigte sich und die Politik ihrer Genossen. Auch mit Grigorij Sinowjew legte sie sich an, der daraufhin drohte, den polnischen Kommunisten »die Knochen zu brechen«, sollten sie die Kritik und die Kritiker zur&#252;ckweisen. »Genossen«, warnte Maria Koszutska, »in unserer Kommunistischen Internationale k&#246;nnen gebrochene Knochen wieder zusammenwachsen. Ich bef&#252;rchte jedoch etwas anderes, n&#228;mlich da&#223; infolge Eurer besonderen Privilegien nicht jene gef&#228;hrlich sind, denen man aus gleichen Gr&#252;nden wie uns die Knochen brechen kann, sondern jene, die kein R&#252;ckgrat haben.«</p>
<p>In diesem Ton hatte in der Komintern noch niemand mit Stalin gesprochen – ein Stalin verga&#223; so etwas nicht: Mitte der drei&#223;iger Jahre fielen sowohl die Anh&#228;nger der einen wie der anderen Richtung als auch die &#252;berwiegende Mehrheit polnischer Polit-Emigranten dem Gro&#223;en Terror zum Opfer.</p>
<p>Nazarewicz dokumentiert das Zusammenwirken von Kominternfunktion&#228;ren wie Dimitroff und Manuilski mit dem NKWD. So schlug Manuilski am 9. Januar 1936 Nikolai Jeshow die gemeinsame Absprache von Ma&#223;nahmen vor, weil die »KP Polens der Hauptlieferant von Personen« sei, »die Spionage und Provokationen in der UdSSR« betrieben. Von 3817 polnischen Kommunisten, die sich in der UdSSR befanden, &#252;berlebten nicht mehr als hundert den Terror, von den Funktion&#228;ren nicht ein einziger. (Boleslaw Bierut, nach dem Krieg Stalins rechte Hand in Polen, &#252;berlebte wie Alfred Lampe in einem polnischen Gef&#228;ngnis, wurde jedoch – als einer der Vertreter polnischer Kommunisten in der Komintern – 1936 aus der KPP ausgeschlossen.)</p>
<p>1938 ordnete Stalin die Aufl&#246;sung der KPP an. Der Aufl&#246;sungsbeschlu&#223; tr&#228;gt die Unterschriften von Dimitroff, Manuilski, Michail Moskwin, Otto Kuusinen, Wilhelm Florin und Ercoli (Palmiro Togliatti).</p>
<p>Ryszard Nazarewicz untersucht auch das ambivalente Verh&#228;ltnis (und Verhalten!) der UdSSR zu Polen und den polnischen Kommunisten nach dem &#220;berfall Deutschlands auf Polen und nach dem Einmarsch der Roten Armee. Polnische Kommunisten wie zum Beispiel Edward Próchniak hatten bereits 1920, also unter anderen weltpolitischen Konstellationen, vor einem Einmarsch der Roten Armee gewarnt. Das w&#252;rde »einen neuen Sturm des Nationalismus in Polen« entfachen, »der nicht nur Bourgeoisie und Bauernschaft erfa&#223;t, sondern auch einen gro&#223;en Teil der Arbeiterklasse«. Ungeachtet solcher inneren und &#228;u&#223;erer Schwierigkeiten formierte sich 1939/40 ein antifaschistischer Widerstand auch von kommunistischer Seite.</p>
<p>Die Entstehung der kommunistischen Polnischen Arbeiterpartei (PPR) 1942 war von tragischen Ereignissen wie den bis heute nicht endg&#252;ltig aufgekl&#228;rten Morden an deren F&#252;hrern Marceli Nowotko, Pawel Finder und Boleslaw Molojec begleitet. Hinzu kamen »erneute strategische Kehrtwendungen der Komintern« (Nazarewicz) und der UdSSR in der Beurteilung des Charakters des Kriegsgeschehens in den Jahren 1939 bis 1941 sowie 1941 bis 1943.</p>
<p>Im Zuge wechselnder »Interessenlagen« der UdSSR unterband die sowjetische Zensur zeitweise zum Beispiel jedweden Hinweis auf die Existenz und die T&#228;tigkeit des von polnischen Kommunisten in Polen initiierten Landesnationalrates (KRN), verhinderte Kontakte zwischen Vertretern der KRN und polnischen Kommunisten in der UdSSR. Die sowjetische Seite bereitete auch Schwierigkeiten bei der Ausr&#252;stung der in Polen operierenden Volksarmee (Armia Ludowa) und versuchte auch, die polnische linke Partisanenbewegung dem Kommando des sowjetischen Stabes zur Partisanenkriegsf&#252;hrung unterzuordnen.</p>
<p>Auch zur Problematik der neuen Nachkriegsgrenzen Polens sowie zu konzeptionellen Vorstellungen des Zentralb&#252;ros Polnischer Kommunisten in Moskau hinsichtlich der Installierung milit&#228;rischer und politisch-administrativer Organe in befreiten polnischen Landesteilen bietet das Buch neue Informationen und neue Sichten.</p>
<p>Man darf gespannt sein, ob dieses Buch – mit Unterst&#252;tzung der deutschen Rosa-Luxemburg-Stiftung entstanden – auch auf deutsch erscheinen wird. Hielten sich doch nicht wenige &#252;berlebende deutsche Kommunisten immer f&#252;r Stalins Musterknaben und wu&#223;ten folglich meist immer – und zum Teil immer noch –, was von »den Polen« und den polnischen Angelegenheiten zu halten ist.</p>
<p><em>Ryszard Nazarewicz: Komintern a lewica polska. Wybrane problemy. (Die Komintern und die polnische Linke. Ausgew&#228;hlte Probleme), Instytut Wydawniczy »Ksiazka i Prasa« Warszawa 2008, 263 Seiten, 18 PLN</em></p>
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		<title>Wanderarbeiter</title>
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		<pubDate>Mon, 20 Dec 2004 19:05:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Webmaster</dc:creator>
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		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Gerd Kaiser]]></category>
		<category><![CDATA[Guangzhou]]></category>
		<category><![CDATA[Wanderarbeiter]]></category>

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		<description><![CDATA[von Gerd Kaiser, Guangzhou
Professor Wu Yuanliang vom Institut f&#252;r Philosophie der Chinesischen Akademie f&#252;r Sozialwissenschaften in Beijing benennt Chinas derzeit wichtigste Entwicklungsprobleme so: Erstens: China entwickele sich zur »Weltfabrik«, und diese rasante Entwicklung sei sowohl mit Vorteilen als auch mit Nachteilen f&#252;r das Land, vor allem die Landeskinder, verbunden. Die bildhafte Beschreibung Wu Yuanliangs daf&#252;r: [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>von Gerd Kaiser, Guangzhou</h3>
<p>Professor Wu Yuanliang vom Institut f&#252;r Philosophie der Chinesischen Akademie f&#252;r Sozialwissenschaften in Beijing benennt Chinas derzeit wichtigste Entwicklungsprobleme so: Erstens: China entwickele sich zur »Weltfabrik«, und diese rasante Entwicklung sei sowohl mit Vorteilen als auch mit Nachteilen f&#252;r das Land, vor allem die Landeskinder, verbunden. Die bildhafte Beschreibung Wu Yuanliangs daf&#252;r: »Kapitalistische Elemente sind wie K&#228;se. Sie stinken, aber der K&#228;se schmeckt.« Zweitens: W&#228;hrend die Wirtschaft sich schnell entwickelt, bleibe das Sozialsystem weit zur&#252;ck. Das &#228;u&#223;ere sich in Ungleichheiten und auch in Ungerechtigkeiten. Gro&#223;e Teile der chinesischen Bev&#246;lkerung seien gezwungen, sie hinzunehmen. Die Folge: scharf konturierte soziale Gegens&#228;tze und Kontraste, mancherorts auch Konfrontationen. Drittens: Dem politischen System sei ein starkes Beharrungsverm&#246;gen eigen. Seine Haltung werde vor allem durch die Furcht vor politischen Unruhen bestimmt, die begr&#252;ndet sei. Deshalb habe bei den politischen Entscheidungstr&#228;gern das Beharren auf politischer Stabilit&#228;t den Vorrang vor allen anderen Problemen in China. Zu ihnen geh&#246;ren beispielsweise die starken Unterschiede zwischen der Entwicklung von Stadt und Land; zwischen den hochentwickelten Provinzen von Chinas Osten und den schwach- beziehungsweise unterentwickelten Westprovinzen.</p>
<p>Diese – hier nur auswahlweise sowie stark verk&#252;rzt und verallgemeinert referierten – wissenschaftlichen Standpunkte werden nicht in jedem Punkt von den Politikern geteilt, jedoch sowohl intern als auch &#246;ffentlich in China zur Sprache gebracht. Die Presse berichtet &#252;ber bestechliche Machthaber sowie &#252;ber Ma&#223;nahmen von Regierungsstellen und Gerichten, korrumpierte Staatsdiener oder Funktion&#228;re der KP Chinas zur Verantwortung zu ziehen beziehungsweise Wanderarbeitern zu ihrem Recht, das bedeutet oftmals zum von ihnen sauer verdienten zustehenden Lohn, zu verhelfen. Die interaktive Kommunikation zwischen verschiedenen Teilen der Gesellschaft scheint zumindest partiell zu funktionieren. Allerdings werden auch gegenl&#228;ufige Entwicklungen sichtbar: da&#223; Regierungsbeh&#246;rden und Gerichte nicht immer konsequent daf&#252;r sorgen, da&#223; der Rechtsanspruch auch verwirklicht wird.</p>
<p>Professor Yu Yuixi, er forscht zur Geschichte der Arbeiterbewegung, sch&#228;tzt, da&#223; es derzeit – eine offizielle Statistik gibt es zu diesem Punkt nicht – ann&#228;hernd zehn Prozent Arbeitslose in China gebe. Regierungsseitig werde sich aber st&#228;rker um sie gek&#252;mmert als vor drei Jahrzehnten, bevor die Wirtschaftsreformen durch Deng Xiauping in Gang gesetzt und schrittweise verwirklicht wurden.</p>
<p>Ein spezielles chinesisches Problem sind die Wanderarbeiter. Ann&#228;hernd einhundert Millionen Menschen sind dieser Kategorie zuzuz&#228;hlen. (Derzeit lebt ein Viertel der Menschheit – 1,3 Milliarden Menschen – in China.) J&#228;hrlich kommen ann&#228;hernd dreizehn Millionen neue Wanderarbeiter zu dieser chinesischen Variante einer industriellen Reservearmee hinzu. Die Wanderarbeiter, vorwiegend vom Lande stammend, nehmen nicht zuletzt Arbeiten an, die auch f&#252;r chinesische Verh&#228;ltnisse nicht goldig sind. In der Landwirtschaft, im Bauwesen, wo immer es etwas zu verdienen gibt. Ein Teil ihres Lohnes geht f&#252;r den eigenen Unterhalt drauf, alles, was sie er&#252;brigen k&#246;nnen, schicken sie ihren zu Hause gebliebenen Familien. Daneben gibt es aber auch nicht wenige v&#246;llig entwurzelte Wanderarbeiter, die gemeinsam mit ihren Familien auf der Suche nach Lohn und Brot unterwegs sind.</p>
<p>F&#252;nf von ihnen begegnete ich auf der Milchviehfarm eines Bauern in Nordchina, der zugleich Sekret&#228;r der Parteiorganisation der KP Chinas im Dorf war. Die aus der Inneren Mongolei stammenden Wanderarbeiter verdienen 500 Yuan monatlich (ezwa f&#252;nfzig Euro), ihr Bauer 540 Yuan. Sein Hof verf&#252;gt bereits &#252;ber eine elektrische Melk- und eine K&#252;hlanlage, schwere Handarbeit auf dem Anwesen ist jedoch nach wie vor vonn&#246;ten.</p>
<p>In der s&#252;dchinesischen Provinz Guangzhou, wo ich mich ebenfalls aufhielt, waren gerade f&#252;nfundzwanzig Wanderarbeiter von ihren »Arbeitgebern« t&#228;tlich angegriffen worden, als sie den ihnen zustehenden Lohn einforderten. Diese Art Auseinandersetzung sei, so war zu erfahren, keine Seltenheit. Schamlos werde versucht, die labile soziale Lage der Wanderarbeiter beziehungsweise der Wanderarbeiterfamilien auszunutzen, sie zuerst auszupowern und dann davonzujagen. Die f&#252;nfundzwanzig in Rede stehenden Wanderarbeiter in der Provinz Guangzhou setzten sich zur Wehr und wandten sich auch an die Regierung. Premier Wen Jiahajo verlangte daraufhin von den regionalen Beh&#246;rden entschiedene Ma&#223;nahmen, um zu sichern, da&#223; zustehende L&#246;hne ohne Umschweife ausgezahlt werden. Die Rechtsprechung, so die Regierung, sei gefordert, ihrer Verantwortung nachzukommen. Sind doch die derzeitigen Schulden der »Arbeitgeber« immens: Sie betragen einhundert Milliarden Yuan, das sind umgerechnet zehn Milliarden Euro! Besonders hohe R&#252;ckst&#228;nde in den Lohnauszahlungen gibt es in den Provinzen von Chinas Nordosten und Nordwesten, in Xinjiang, Heilongjian und Uygur.</p>
<p>Da derzeit lediglich jeder f&#252;nfte Wanderarbeiter einen hieb- und stichfesten Arbeitsvertrag hat, f&#228;llt es achtzig Prozent von ihnen schwer, ihren Lohn einzuklagen. Dar&#252;ber hinaus sind Wanderarbeiter, im Unterschied beispielsweise zu Staatsangestellten, bisher generell nicht sozialversichert. He Bing, Funktion&#228;r des Gewerkschaftsverbandes, verlangte im Rahmen der &#246;ffentlichen Debatte um dieses Thema, die Rechte der Wanderarbeiter durch gesetzliche Regelungen zu st&#228;rken. Schlie&#223;lich sollen 300 Yuan k&#252;nftig der monatliche Mindestlohn sein.</p>
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