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	<title>Das Blättchen &#187; Brandenburger Tor</title>
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		<title>Berliner Peinlichkeiten</title>
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		<pubDate>Wed, 20 Jan 2010 19:57:42 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[von Wolfgang Brauer
Was waren das noch f&#252;r Zeiten, als sich zwei Millionen Menschen am Tor dr&#228;ngelten, dem Tor &#252;berhaupt, dem Brandenburger n&#228;mlich, dem Brandenburger Tor in Berlin nat&#252;rlich, Potsdam hat ja auch eins, aber das ist ziemlich sch&#228;big gegen unser Tor der Tore, und gierig auf den Anbruch des neuen Jahrtausends warteten. Das w&#252;rde endlich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>von Wolfgang Brauer</h3>
<p>Was waren das noch f&#252;r Zeiten, als sich zwei Millionen Menschen am Tor dr&#228;ngelten, dem Tor &#252;berhaupt, dem Brandenburger n&#228;mlich, dem Brandenburger Tor in Berlin nat&#252;rlich, Potsdam hat ja auch eins, aber das ist ziemlich sch&#228;big gegen unser Tor der Tore, und gierig auf den Anbruch des neuen Jahrtausends warteten. Das w&#252;rde endlich das Aufwachen des bis dato zehn Jahre schlummernden Gl&#252;cks f&#252;r alle bringen. Leider macht es das Gl&#252;ck f&#252;r alle  dem Kaiser Rotbart im Kyffh&#228;user nach, es schl&#228;ft immer noch. Rechenk&#252;nstler n&#246;lten, da&#223; es auch der falsche Jahreswechsel gewesen sei, erst von 2000 auf 2001 br&#228;che das neue Jahrtausend an. Aber von solch Haarspaltereien lie&#223; sich damals niemand die Trunkenheit von Stimmung, toller Musik und in gro&#223;em Ma&#223;e auch von Sekt und Bier nehmen. Nur wenige Menschen kamen physisch zu Schaden.</p>
<p>Von Jahr zu Jahr fand nun Event auf Event am Tore statt. F&#252;r Veranstalter erwies sich die „Location“ als sichere Einnahmequelle. Auch f&#252;r die &#246;ffentliche Hand, die eifrig „Stra&#223;ennutzungsentgelte“ kassiert, wenn eine Veranstaltung nicht gerade von erheblichem politischem Interesse des Bundes oder des Landes Berlin gepr&#228;gt ist. Gro&#223;e Plastikfu&#223;b&#228;lle wurden auf dem Pariser Platz aufgestellt, schicke Models durften sich dort <em>wonderbra</em> fotografieren lassen. Auch der Dalai Lama war da und &#246;kologische denkende Indianerh&#228;uptlinge und die Herrscherinnen und Herrscher so manch demokratischen und auch undemokratischen Landes gaben sich dort brav mit unseren Gro&#223;kopfeten Pf&#246;tchen und machten Bussi-Bussi und l&#228;chelten in die Kameras der Welt. Bedeutungsvolle Worte wurden gesprochen. Mancher durfte am Tor der Tore aber auch nichts sagen und lediglich stillschweigend durchlaufen. Ein gewisser Pr&#228;sidentenkandidat Barack Hussein Obama zum Beispiel mu&#223;te sein „Yes we can!“ an der Siegess&#228;ule der Menschheit mitteilen. Er nahm die S&#228;ule als Omen und gewann die Wahlen. Als er dann endlich ans Tor gedurft h&#228;tte, am wundervollen 9. November 2009, nahm er &#252;bel und schickte Hillary. Er selbst sprach zur Kanzlerin der Herzen und den restlichen Deutschen &#252;bers Fernsehen.</p>
<p>Die nahmen auch &#252;bel. Nicht so sehr dem nicht anwesenden Barack Obama, die anderen Freiheitsk&#228;mpfer und –rinnen entzogen sich auch mit Hilfe fester Absperrgitter und kr&#228;ftiger Uniformierter den neugierigen Blicken des Publikums. Das Volk nahm &#252;bel, da&#223; es nicht an das „Denkmal der Deutschen“ – so der Henkel-Frank von der Landes-CDU – durfte. Selbst nachdem alle die, die da so wunderbare Botschaften an uns hatten, zum wohlverdienten Schampusschl&#252;rfen abgegangen waren, durfte es noch nicht einmal durchlaufen werden.</p>
<p>Beim n&#228;chsten Event blieb das Volk einfach vergnatzt weg. Silvester 2009 lie&#223;en sich keine Millionen umschlingen, lediglich 210 000 hartgesottene Feierlustige, zumeist Touristen,  z&#228;hlte die Berliner Polizei. Am Sauwetter kann es nicht gelegen haben. Am Tor der Tore ist meistens Sauwetter, und das h&#228;lt in Berlin niemanden ab. Die „f&#252;r gew&#246;hnlich gut informierten Kreise der Hauptstadt“ glauben, die Ignoranz des Volkes dem Orte gegen&#252;ber, wo Berlin sich <em>immer</em> zu freuen habe, w&#228;re der Musik geschuldet. Es steht zu vermuten, da&#223; den Vertretern der „Club-Kommission“ (so was gibt’s wirklich; das ist fast wie im Osten, da hie&#223; das aber „Komitee f&#252;r Unterhaltungskunst“) die Kl&#228;nge des Stargastes mi&#223;fielen. Die Kommission scheint nicht zu wissen, dass der immerhin schon als junger Mensch mit der Band „Schnirpel und den Monkeys“ (kein Tippfehler, so steht es auf der Homepage des Meisters volkst&#252;mlicher Ges&#228;nge) beachtliche Erfolge rund um Kiel hatte. Im Laufe einer langen, mehr Tiefen als H&#246;hen aufweisenden Karriere brachte er es immerhin zum „K&#246;nig von Mallorca“, auch Malle genannt, und dr&#246;hnte nun am 31.12.2009 sein Lob des Lotterns im Kornfeld in die unvergleichliche Berliner Luft. J&#252;rgen Drews hei&#223;t der Barde. Es ist anzunehmen, da&#223; dies den Feiernden letztlich egal war. Mit zwei Ausnahmen: dem schon genannten Herrn Henkel und seinem Stellvertreter Braun von der Hauptstadt-CDU. Die meinten, solch Veranstaltung entspr&#228;che nicht „der W&#252;rde des Brandenburger Tors“ und mache &#252;berhaupt nicht deutlich, „welche Kraft und welches Erneuerungspotenzial in Berlin“ stecke. Drews tun sie damit Unrecht, der ist geb&#252;rtiger Berliner und f&#252;gt sich vom &#228;sthetischen Anspruch her wunderbar ein zum Beispiel in die Gesellschaft eines Gummib&#228;rchenwerbetr&#228;gers, der immer mal wieder vor dem „Denkmal der Deutschen“ auftreten darf.</p>
<p>Statt „Verdammt ich mief nicht“ wollen diese miesepetrigen Spa&#223;verderber „internationales Musikniveau unter Einbeziehung des gesamten Spektrums der Berliner Musikszene von Tango bis Techno“. M&#246;glichst mit den Berliner Philharmonikern und den „hochsubventionierten“ Opern. Techno wahrscheinlich mit den 17 Cellisten und auch die Frau Netrebko kann ja mal ein nettes Liedchen tr&#228;llern. Mu&#223; ja nicht die „Berliner Luft“ sein, an der hatte sich am 9. November schon Kollege Domingo verschluckt. Paul Linckes „Gl&#252;hw&#252;rmchen schimmre“ tut’s auch. Das pa&#223;te tangom&#228;&#223;ig aufgemotzt auch besser zu leuchtenden Feuerzeugen. Es g&#228;be noch viele gute Ideen. Deshalb soll ein Konzept her, sagt die CDU. Der Senat soll das aufschreiben und bittesch&#246;n bis zum 31. M&#228;rz. Wahrscheinlich wegen des Terminkalenders der Philharmoniker, die vor den Osterferien wissen m&#246;chten, wo sie nun am 31.12.2010 aufspielen sollen.</p>
<p>Die Zeit dr&#228;ngt. Die Koalition verschleppt unter Garantie die Beschlu&#223;fassung &#252;ber diese tolle Idee bis in den Januar 2011. So machen die das immer. Nicht auszudenken es wird Silvester und keiner geht hin. Darum ein Vorschlag zur G&#252;te. Im Rahmen der Vollendung des Planenwerks Innenstadt sollte auf der Liegewiese, wo einmal die Pal&#228;ste der K&#246;nige und des Generalsekret&#228;rs standen, wieder eine Plane errichtet werden. Diesmal nicht mit einer draufgepinselten Schlo&#223;fassade sondern mit dem Brandenburger Tor. Als „tempor&#228;re Installation“ w&#228;re das zu vertreten, in Berlin ist alles irgendwie tempor&#228;r und au&#223;erdem klingt es international-chic. Vor dieser Plane k&#246;nnte dann die Silvesterfeier stattfinden. Das w&#228;re auch besser f&#252;r die Sicherheit der Botschaft einer nerv&#246;sen Gro&#223;macht. Vor der Torplane kann dann getrost J&#252;rgen Drews „Ich bau Dir ein Schloss“ singen. Dagegen h&#228;tten die Landeshauptleute der CDU gewi&#223; nichts. Der „Master of Desaster“ Drews, so nennt er sich selbst, w&#252;rde sich wieder in das christdemokratische Kulturbild einpassen. Die Berliner Peinlichkeitsskala ist nach oben offen.</p>
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