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	<title>Das Blättchen &#187; Angelika Leitzke</title>
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	<description>Zeitschrift für Politik, Kunst und Wirtschaft</description>
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		<title>Vielerlei Beauftragte</title>
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		<pubDate>Fri, 26 Feb 2010 16:47:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Webmaster</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blättchen]]></category>
		<category><![CDATA[Angelika Leitzke]]></category>
		<category><![CDATA[Beauftragte]]></category>

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		<description><![CDATA[von Angelika Leitzke
Die Auftr&#228;ge h&#228;ufen sich. Nicht nur bei der Berliner Stra&#223;enreinigung, die dort schaufeln, kehren und streuen m&#252;&#223;te, wo andere bei Glatteis oder einsetzendem Tauwetter hinzufallen gedenken. Seitdem Rechtsanw&#228;ltin Ursula Raue, Exgattin des Berliner Kunstanwaltes Peter Raue, vor drei Jahren zur Beauftragten f&#252;r Mi&#223;brauchsf&#228;lle des Jesuitenordens ernannt wurde, hat sie nicht nur mit Sexualdelikten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>von Angelika Leitzke</h3>
<p>Die Auftr&#228;ge h&#228;ufen sich. Nicht nur bei der Berliner Stra&#223;enreinigung, die dort schaufeln, kehren und streuen m&#252;&#223;te, wo andere bei Glatteis oder einsetzendem Tauwetter hinzufallen gedenken. Seitdem Rechtsanw&#228;ltin Ursula Raue, Exgattin des Berliner Kunstanwaltes Peter Raue, vor drei Jahren zur Beauftragten f&#252;r Mi&#223;brauchsf&#228;lle des Jesuitenordens ernannt wurde, hat sie nicht nur mit Sexualdelikten zu k&#228;mpfen, sondern mu&#223; sich auch fragen, ob sie nicht selbst Opfer eines ordensinternen Amtsmi&#223;brauchs wurde. Oder ob das Amt eines Beauftragten, ob nun zust&#228;ndig f&#252;r die Fusion der PDS mit der WASG, f&#252;r Informationsfreiheit oder Schuhputzmittel f&#252;r Hartz-IV-Empf&#228;nger, nicht &#252;berstrapaziert ist.</p>
<p>Der Berliner Senat hat den Beauftragten f&#252;r Kirchen, Religions- und Weltanschaungsfragen ausgerufen, Stefan Dybowksi ist Beauftragter f&#252;r F&#228;lle sexuellen Mi&#223;brauchs beim Erzbistum Berlin, das auch &#252;ber eine Kunstbeauftragte verf&#252;gt, der CDU-Mann G&#252;nter Nooke darf sich seit 2006 Beauftragter f&#252;r Menschenrechtspolitik und humani&#228;re Hilfe der Bundesregierung nennen. Seit l&#228;ngerer Zeit gibt es auch das sicherlich l&#246;bliche Amt des UNO-Sonderbeauftragten f&#252;r Wissenschaft und Menschenrechte, w&#228;hrend Sigmar Gabriel den Posten eines SPD-Beauftragten f&#252;r Popkultur und Popdiskurs f&#252;r zwei Jahre bekleidete, ehe er sich wieder ernsthafteren Dingen widmete. Demokratie l&#228;&#223;t anscheinend nicht nur Meinungsvielfalt, sondern auch Amtsvielfalt zu, dies in Zeiten der Spa&#223;kultur. Einige Beauftragten werden mit der Zeit eines nat&#252;rlichen Todes sterben – so der Regierungsbeauftragte f&#252;r die Verhandlungen &#252;ber die Art und Entsch&#228;digung der NS-Zwangsarbeiter – wenn diese Zwangsarbeiter n&#228;mlich selbst ausgestorben sind. Daf&#252;r wird es das seit 1981 existierende Amt des Beauftragten der Bundesregierung f&#252;r die Belange behinderter Menschen – &#252;brigens eine ehrenamtliche T&#228;tigkeit– wohl so lange geben, bis uns die GEN-Technik den perfekten Ersatzmenschen parat stellt, vorausgesetzt, Deutschland h&#228;lt an seiner Demokratie und B&#252;rokratie fest. Da&#223; die zu Beauftragten Auserw&#228;hlten sich als Missionare mit Sendungsbewu&#223;tsein verstehen, wollen wir ihnen trotz unseres gesellschaftspolitischen Idealismus nicht zumuten.</p>
<p>Dabei scheint das Amt des Beauftragten &#228;lter zu sein, als man denkt: Sieht man von Brutus&#8217; Komplizen bei der Ermordung C&#228;sars und den statistisch nicht erfa&#223;ten Spionen des p&#228;pstlichen Geheimdienst zur Zeit der Medici ab, so erhielt der preu&#223;ische Reformer Freiherr vom und zum Stein 1796 von K&#246;nig Friedrich Wilhelm I. die Aufgabe, in den westlichen preu&#223;ischen Territorien die Wirtschaft zu f&#246;rdern. Damit war er quasi einer der ersten Wirtschaftsbeauftragten, deren Zahl heute mindestens ebenso gro&#223; sein d&#252;rfte wie die der Stasi-Beauftragten, wobei man beim „EU-Euro-Beauftragten“ zu Recht fragen darf, wieviel Geld der Mann f&#252;r sein Amt kassiert. G&#252;nter Pienig, der sich, 2003 zum Beauftragten des Berliner Senats f&#252;r Integration und Migration auserkoren, um die Ausl&#228;nder und Aussiedler der Spree-Metropole k&#252;mmert, ist um seine Arbeit vielleicht wenig zu beneiden, es sei denn, er bringt seiner Klientel jene Zuneigung entgegen, die das niederl&#228;ndische „opdragt“, von dem laut Gebr&#252;der Grimm unter deutscher „Auftrag“ abstammt, zumindest etymologisch verspricht. Allzubunt wird es schlie&#223;lich, wenn es innerhalb der bundesdeutschen B&#252;rokratie auch noch die Beauftragten des Beauftragten gibt, wie aus der etwas verwirrenden Website des Bundesamtes f&#252;r Zivildienst, seit 1994 zum Bundesfamilienministerium geh&#246;rig, zu ersehen ist: Nimmt man die derzeitige Pr&#228;sidentin Helga Roesgen als Regierungsbeauftragte f&#252;r Zivis, so unterstehen ihr jeweils ein Datenschutz-, Geheimschutz- und Gleichstellungsbeauftragter, ob m&#228;nnlichen oder weiblichen Geschlechtes sei hier unerheblich.</p>
<p>Bedenklich war dagegen sehr fr&#252;her in Deutschland einmal das Amt des Beauftragten des F&#252;hrers f&#252;r die &#220;berwachung der gesamten geistigen und weltanschaulichen Erziehung der NSDAP gewesen, sprich Alfred Rosenberg. Das ist wahrlich lange, lange her, aber als Lehre – sozusagen – gilt heute: dann lieber noch ein Sigmar Gabriel als Pop-Beauftragter.</p>
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		<title>Nix is g&#8217;wi&#223;</title>
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		<pubDate>Wed, 20 Jan 2010 20:17:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Webmaster</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blättchen]]></category>
		<category><![CDATA[Angelika Leitzke]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsche Bahn]]></category>
		<category><![CDATA[Honoré Daumier]]></category>

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		<description><![CDATA[von Angelika Leitzke
Als der franz&#246;sische Maler und Grafiker Honoré Daumier 1862 sein Gem&#228;lde „Im Wagen Dritter Klasse“ (heute in der National Gallery of Canada, Ottawa) schuf, war die Eisenbahn gerade mal knapp 40 Jahre alt. Bei Daumier sitzen die Angeh&#246;rige des „tiers état“, also Bauern, Kleinb&#252;rger und sogenannte „Handlungsreisende“, dicht gedr&#228;ngt im einem Abteil, dessen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>von Angelika Leitzke</h3>
<p>Als der franz&#246;sische Maler und Grafiker Honoré Daumier 1862 sein Gem&#228;lde „Im Wagen Dritter Klasse“ (heute in der <em>National Gallery of Canada</em>, Ottawa) schuf, war die Eisenbahn gerade mal knapp 40 Jahre alt. Bei Daumier sitzen die Angeh&#246;rige des „tiers état“, also Bauern, Kleinb&#252;rger und sogenannte „Handlungsreisende“, dicht gedr&#228;ngt im einem Abteil, dessen einziger Komfort darin besteht, Ausblick auf eine weite gr&#252;ne Landschaft zu haben. Den hatten die Reisenden der <em>Deutschen Bahn</em> &#252;ber Weihnachten und in den Wochen danach nicht. Zwar befanden sich die meisten Fahrg&#228;ste nun in Wagen Zweiter Klasse, da es den dritten Stand offiziell nicht mehr gibt. Doch da die <em>Deutsche Bahn</em> &#252;ber die Feiertage und Ferien jeden zweiten ICE auf der Hauptverkehrsader Berlin-N&#252;rnberg-M&#252;nchen gestrichen hatte, war jeglicher Luxus buchst&#228;blich in den Schnee gefallen. Die Fahrg&#228;ste wurden, ob mit oder ohne Platzreservierung, in die Z&#252;ge hineingestopft, als gelte es, Weihnachtsg&#228;nse zu m&#228;sten. Irgendwann gelangte man, eingekeilt zwischen Winterm&#228;nteln, Weihnachtsgeschenken und Reisegep&#228;ck, mit mehrst&#252;ndiger Versp&#228;tung an sein Ziel, froh, &#252;berhaupt irgendwo angekommen zu sein. „Ein Pferd zu haben“, kommentierte ein Mitreisender das Dilemma, „w&#228;re manchmal nicht schlecht.“</p>
<p>Angeblich wegen der Vereisung von ICE-Triebfahrzeugen war der Bahnverkehr gerade zum Heiligen Fest, neben Ostern die rush hour des Jahres, zusammengebrochen, obgleich die sibirische K&#228;lte bereits wieder abgeklungen war. Das Servicepersonal h&#252;llte sich in dezentes Schweigen und wu&#223;te wie der Fahrgast nach dem Motto Karl Valentins: „Nix is g&#8217;wi&#223;.“</p>
<p>Gewi&#223; ist nur, da&#223; die Bahn unter ihrem Ex-Chef Hartmut Mehdorn zwar zu einem modernen High-Tec- und Logistikunternehmen emporgetrimmt wurde, dem jedoch jegliche Logik eines System fehlt &#8211; vielleicht herrscht sie in China, wohin Mehdorn das Gesch&#228;ft im Schieneng&#252;terverkehr via Ru&#223;land und glanzvoller Kooperationen ausbaute. Nicht nur hat die Zugelektronik mittlerweile einen Grad an &#220;bersteuerung erreicht, der einen von Daumiers „Wagen Dritter Klasse“ geradezu tr&#228;umen l&#228;&#223;t. Nicht nur wurde an technischem und Service-Personal eingespart, um bei gl&#228;nzender Fassade dem Reisenden jenen Schein von Komfort zu bieten, der sich bei n&#228;herem Hinsehen als moderner Albtraum entpuppt &#8211; dies bei steigenden Preisen f&#252;r Fahrkarten und Bahncards. Die Unverfrorenheit, mit der die Deutsche Bahn heutzutage ihren „Service“ betreibt, geht Hand in Hand mit jener Kaltschn&#228;uzigkeit, mit der sie Profit machen will, damit die Bilanzen vor dem immer noch geplanten B&#246;rsengang stimmen.</p>
<p>Vor f&#252;nfzig Jahren konnte man auch in eisigen Wintern die Uhr nach der Bahn stellen: Sie fuhr. Heute herrschen Pannen, Versp&#228;tung und Leerlauf, statt personeller Information regiert die elektronische Vermittlung. Allein den telefonischen Sprachcomputer der Bahn zu bedienen, setzt beim Anrufer ein technisches Funktionieren voraus, das die Bahn bei ihrem B&#246;rsentraum offenbar verlernt hat. Daumiers „tiers état“, der noch unter Dampfantrieb durch die Lande reiste, hatte es da einfacher, wenn auch nicht schneller.</p>
<p>Der Franzose verb&#252;&#223;te 1832 wegen seiner Karikaturen zum „B&#252;rgerk&#246;nig“ Louis-Philippe eine Haftstrafe von einem halben Jahr. Dies m&#246;chte man dem neuen Bahnchef R&#252;diger Grube zwar nicht w&#252;nschen. Doch h&#228;tte man gerne gehabt, da&#223; er im Winter einmal mit seiner Bahn Deutschland durchquert w&#228;re &#8211; incognito. Damit seine Ausschlachtung als Weihnachtsgans durch die Mitreisenden vermieden wird.</p>
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		<title>Das f&#228;ngt ja gut an</title>
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		<pubDate>Mon, 21 Jan 2008 19:48:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Webmaster</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blättchen]]></category>
		<category><![CDATA[2008]]></category>
		<category><![CDATA[Angelika Leitzke]]></category>

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		<description><![CDATA[von Angelika Leitzke
Im Januar hat sich in Berlin lediglich die Zahl der t&#246;dlich verungl&#252;ckten Fu&#223;g&#228;nger erh&#246;ht, da die Stra&#223;enreinigung darauf besteht, die schneefreien Trottoirs der City so einwandfrei zu streuen, da&#223; ihr keine Zeit mehr dazu bleibt, den Eispisten der Peripherie dasselbe angedeihen zu lassen. Au&#223;erdem l&#228;&#223;t die H&#228;lfte der Berliner Autofahrer ihre Kiste zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>von Angelika Leitzke</h3>
<p>Im Januar hat sich in Berlin lediglich die Zahl der t&#246;dlich verungl&#252;ckten Fu&#223;g&#228;nger erh&#246;ht, da die Stra&#223;enreinigung darauf besteht, die schneefreien Trottoirs der City so einwandfrei zu streuen, da&#223; ihr keine Zeit mehr dazu bleibt, den Eispisten der Peripherie dasselbe angedeihen zu lassen. Au&#223;erdem l&#228;&#223;t die H&#228;lfte der Berliner Autofahrer ihre Kiste zu Hause stehen, da sie nicht wei&#223;, ob sie in den Umweltzonen der Stadt den Erstickungstod erleiden wird oder nicht.</p>
<p>Im Februar kommt es zu ersten handgreiflichen Auseinandersetzungen zwischen Berliner Autofahrern und den Ordnungskr&#228;ften der Stadt, als diese entdecken, da&#223; die neue Umweltplakette falsch oder gar nicht angebracht wurde. Die Zahl der Punkte in Flensburg steigt sprungartig an, so da&#223; sich hier kein Personal mehr findet, das das Zentrale Register schnell genug ausf&#252;llen kann.</p>
<p>Im M&#228;rz werden erste Raucherleichen aus ihren ehemaligen Stammkneipen geborgen, da ihnen dort das Rauchen unter Androhung der Todesstrafe verwehrt wurde, woraufhin sie einen psychischen Zusammenbruch mit sofortigem coronalen Infarkt erlitten.</p>
<p>Im April haben bereits f&#252;nfzig Prozent der in Deutschland lebenden Ausl&#228;nder das Land fluchtartig verlassen, weil sie bef&#252;rchten, bei Razzien wegen Terrorverdacht oder anerzogener Bereitschaft zur K&#246;rperverletzung ohne einen anst&#228;ndigen Anwalt verhaftet und lebensl&#228;nglich hinter Gitter verfrachtet zu werden. Die damit freiwerdenden Arbeitspl&#228;tze will aber kein Deutscher einnehmen, da er bef&#252;rchtet, sich die H&#228;nde zu sehr schmutzig zu machen. Dies f&#252;hrt zu weitreichenden Ausf&#228;llen in Stra&#223;enreinigung, M&#252;llabfuhr und beim Bau sowie bei Pizzab&#228;ckern und Angeh&#246;rigen des Rotlichtmilieus. Bi- oder homosexuelle Bundestagsabgeordnete mit unbefriedigten erotischen Bed&#252;rfnissen wissen weder ein noch aus.</p>
<p>Im Mai werden endlich die letzten Christb&#228;ume und Raketenknaller von 2007 aus den bundesdeutschen Gro&#223;st&#228;dten von der M&#252;llabfuhr abgeholt. Inzwischen sind sie fast zu Staub zerfallen, was den Abtransport nat&#252;rlich erheblich erleichtert. Doch haben die Osterhasen mittlerweile so viel D&#252;nnschi&#223; hinterlassen, so da&#223; das ganze Elend wieder von vorn anf&#228;ngt.</p>
<p>Im Juni rollt infolge des weltweiten Klimawandels bereits die erste Hitzewelle &#252;ber Deutschland hinweg und fordert zahlreiche Todesopfer. Infolgedessen beschlie&#223;t die Bundesregierung ein Gesetz, das auch das Rauchen in Privatwohnungen unter Strafe stellt, sofern diese nicht &#252;ber eine funktionsf&#228;hige Klimaanlage verf&#252;gen. Im Zuge dessen errichten eingeschworene Raucher Smoking-Areas an Autobahnen und relevanten Verkehrsknotenpunkten, wo sie nicht nur ungest&#246;rt qualmen k&#246;nnen, sondern auch auf den n&#228;chsten Autofahrer mit Zigarette warten, der sie mit in ein raucherfreundliches Ausland mitnimmt, zum Beispiel nach Saudiarabien.</p>
<p>Im Juli verhaften bei mehreren Razzien in Privatwohnungen die Sicherheitskr&#228;fte von Bund und L&#228;ndern alle Personen &#252;ber zehn Jahre, die sich eine Zigarette in ihrer eigenen vier W&#228;nden gestattet haben. Da diese Durchsuchungsaktionen sehr ergiebig ausfallen, kommt es zu einer &#220;berf&#252;llung der einheimischen Gef&#228;ngnisse, so da&#223; die dort bereits inhaftierten Straft&#228;ter und Schwerstkriminellen auf freien Fu&#223; gesetzt werden m&#252;ssen.</p>
<p>Im August ist das Privatverm&#246;gen der Gewerkschaft der Lokomotivf&#252;hrer endlich aufgebraucht, so da&#223; sie sich keinen weiteren Streik mehr leisten kann. Die Bahnreisenden haben sich mittlerweile aber so an die Ausf&#228;lle im Bahnverkehr gew&#246;hnt, da&#223; sie auf die &#246;ffentlichen Verkehrsmittel ganz verzichten und nun lieber zu Fu&#223; gehen, sofern sie &#252;ber kein eigenes Auto verf&#252;gen. Dies f&#252;hrt zu sogenannten Rattenlinien quer durch die Republik, das hei&#223;t Schleichrouten, auf denen man per pedes am schnellsten von A nach B kommt.</p>
<p>Im September hat Innenminister Wolfgang Sch&#228;uble endlich klein beigegeben und erkl&#228;rt, f&#252;hrendes Haupt einer republikfeindlichen terroristischen Vereinigung zu sein. Wegen der Immunit&#228;t der obersten Staatsbeamten durfte eine online-Durchsuchung seiner dienstlichen wie privaten Rechner bislang nicht vorgenommen werden.</p>
<p>Die Bildzeitung r&#228;tselt nun &#252;ber den Namen der Terrorgruppe, der Sch&#228;uble angeh&#246;ren will, und verlost Sachpreise im Wert von insgesamt einer Million Euro unter denjenigen Lesern, die ihn herausfinden.</p>
<p>Im Oktober hat sich aufgrund des klimatisch bedingten Waldsterbens herausgestellt, da&#223; es in diesem Jahr keine Weihnachtsb&#228;ume mehr geben wird. Daher werden alle Kinderb&#252;cher, die von echten Weihnachtsb&#228;umen erz&#228;hlen, aus dem Warensortiment entfernt, und die deutsche Kunststoffindustrie bereitet sich auf den gr&#246;&#223;ten Kn&#252;ller aller Zeiten vor: den aufblasbaren Synthetikweihnachtsbaum, der niemals nadelt und nie alt wird, aber in jedem Moment lichterloh brennen kann.</p>
<p>Im November haben sich die Gas- und &#214;lpreise so saftig erh&#246;ht, da&#223; nicht einmal mehr Merkels Augenzwinkern gegen&#252;ber dem russischen Pr&#228;sidenten etwas n&#252;tzt. Die internen Berater der Kanzlerin erw&#228;gen nun neue Methoden, den russischen Staatschef kleinzukriegen, zum Beispiel die Wahl einer anderen Lippenstiftfarbe.</p>
<p>Im Dezember stellt sich heraus, da&#223; bei der amerikanischen Pr&#228;sidentschaftswahl im November in mehr als drei US-Bundesstaaten bei der Ausz&#228;hlung kr&#228;ftig gemogelt wurde. Man beschlie&#223;t, George Bush jr noch ein paar Monate weiterwerkeln zu lassen und verschiebt die ganze Wahl auf das Neue Jahr, in dem ja bekanntlich sowieso alles besser werden soll.</p>
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		<title>Wohin blo&#223; mit dem lieben Geld?</title>
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		<pubDate>Tue, 10 Jul 2007 18:55:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Webmaster</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blättchen]]></category>
		<category><![CDATA[Angelika Leitzke]]></category>
		<category><![CDATA[Geld]]></category>

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		<description><![CDATA[von Angelika Leitzke
«Tu nur Geld genug in deinen Beutel!« hei&#223;t es in Shakespeares Othello. Mittlerweile sind 500 Jahre vergangen, und wer heutzutage Bezieher eines Mindeststundenlohnes von f&#252;nf Euro drei&#223;ig oder weniger ist, hat entweder keinen Beutel, um dort Geld hineinzutun, beziehungsweise kein Geld, um denselbigen zu f&#252;llen.
Die privilegierteren Schichten unserer Gesellschaft m&#246;gen zwar Shakespeares’ Ausspruch noch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>von Angelika Leitzke</h3>
<p>«Tu nur Geld genug in deinen Beutel!« hei&#223;t es in Shakespeares <em>Othello.</em> Mittlerweile sind 500 Jahre vergangen, und wer heutzutage Bezieher eines Mindeststundenlohnes von f&#252;nf Euro drei&#223;ig oder weniger ist, hat entweder keinen Beutel, um dort Geld hineinzutun, beziehungsweise kein Geld, um denselbigen zu f&#252;llen.</p>
<p>Die privilegierteren Schichten unserer Gesellschaft m&#246;gen zwar Shakespeares’ Ausspruch noch aus verflossenen Schul- oder Studienzeiten kennen, haben aber dessen Worte in weiser Anpassung an die ver&#228;nderte Weltwirtschaftslage ins Neudeutsche &#252;bersetzt. So hei&#223;t es bei ihnen nicht mehr, Geld in seinen Beutel zu stecken, sondern das Portefeuille mit Kreditkarten vollzustopfen: Visa–, Master- oder Diners Club Cards. Diese niedlichen kleinen Plastikchipkarten verf&#252;gen nun tats&#228;chlich &#252;ber zwei gro&#223;e Vorteile gegen&#252;ber der baren M&#252;nze: Erstens lassen sie sich in fast jeder auf die Bed&#252;rfnisse des businessman oder der buisnesswoman von heute zugeschnittenen Brieftasche unterbringen. Zweitens verraten sie nicht, &#252;ber wieviel Geld der Betreffende denn nun wirklich verf&#252;gt: Sind es zehn, tausend oder eine Million Euro? Oder befindet sich unser Brieftaschenmensch derart im Kontominus, da&#223; er zwar eine schicke Kreditkarte, aber leider kein Geld besitzt?</p>
<p>Sollte sein Bankkredit aber noch nicht total ersch&#246;pft sein, so bietet das kleine Plastikk&#228;rtchen f&#252;r ihn einen dritten Vorzug: Man kann mit ihm gro&#223;z&#252;gig Geld ausgeben, ohne weinenden Auges mitansehen zu m&#252;ssen, wieviel Scheine und M&#252;nzen, Euros und Cents nun tats&#228;chlich &#252;ber die Ladentheke oder in die Hand eines diensteifrigen Kellners wandern. Kreditkarten sind daher oft die Vermittlungsglieder zur Herbeif&#252;hrung eines hemmungslosen Konsumkaufrausches, einer Fre&#223;orgie im Edelrestaurant oder einer &#220;bernachtung mit der Gattin des Vorgesetzten im Viersternehotel. Jede Menge Kreditkarten waren vermutlich im Spiel, als der Berliner Bankenskandal &#252;ber die B&#252;hne ging, bei dem allerdings Shakespeares warnender Ausruf »Tu nur Geld genug in deinen Beutel!« vermutlich &#252;berh&#246;rt oder mi&#223;verstanden wurde.</p>
<p>»Kredit ist das Verm&#246;gen der j&#252;ngeren S&#246;hne, und man lebt entz&#252;ckend davon«, wu&#223;te Oscar Wilde bereits vor &#252;ber hundert Jahren. Selbst Mitglied der upper class, hatte der ber&#252;hmte Dandy nicht nur keine Hemmungen, seine Kredite &#252;berzustrapazieren, sondern erkannte als genialer Geist auch die Tods&#252;nde seiner und kommender Zeiten: »Heutzutage kennen die Leute den Preis von allem und von nichts den Wert.«, hei&#223;t es bei ihm in seinem <em>Bildnis des Dorian Gray.</em></p>
<p>Nun sind wir zwar beileibe nicht alle vom Schlage eines Oscar Wilde, geben aber als gl&#252;ckliche oder ungl&#252;ckliche Besitzer von Portefeuilles und Kreditkarten trotzdem mit vollen H&#228;nden das Geld aus, sofern wir welches haben. Die Hersteller von Portefeuilles haben nat&#252;rlich schon l&#228;ngst Lunte gerochen und produzieren im Hinblick auf den Kontostand ihrer Kunden nicht nur Brieftaschen aller Gr&#246;&#223;en und Couleurs, aus Kunststoff, Klarsichtfolie und Echtleder, sondern statten sie auch mit so vielen F&#228;chern aus, da&#223; wir entweder gezwungen sind, uns noch mehr Kreditkarten anzuschaffen oder Chipkarten anderer Herkunft hineinzutun, damit unser Beutel nicht so armselig leer aussieht: Beliebt sind der neue EU-F&#252;hrerschein mit dem Neo-R.A.F.-Foto, Personalausweis sowie die x Best&#228;tigungen, da&#223; man Mitglied einer anst&#228;ndigen Krankenkasse, einer Auto- und Unfallversicherung ist, zum Bund der deutschen Klima- und Umweltsch&#252;tzer und Club der Toten Dichter geh&#246;rt, als rechtm&#228;&#223;iger Benutzer von vier Leihbibliotheken einschlie&#223;lich Videothek gilt und au&#223;erdem als Schwerbehinderter den Freibrief hat, seinen Wagen &#252;berall parken zu d&#252;rfen. Ganz zu schweigen von den diversen Visitenkarten, handbemalten Zetteln mit Telefonnummern und Adressen und der Einkaufsliste f&#252;r den n&#228;chsten Tag, die in der Dunkelheit der vielen kleinen F&#228;cher auf Nimmerwidersehen verschwinden.</p>
<p>Wehe dem, der diese Brieftasche verliert! Auch wenn sie augenscheinlich kein echtes Geld barg: Ihren armen Besitzer wird es ein kleines Verm&#246;gen kosten, sie mitsamt dem kostbaren Inhalt zu ersetzen. Es sei denn, er verzichtet auf seine Identit&#228;t als Kreditkarteninhaber und ordentlicher deutscher Staatsb&#252;rger.</p>
<p>Die mittelalterlichen Diebe hatten es da einfacher: Sie steckten das Geklaute in ihre Geldkatze, die sie erst dann aus dem Sack lie&#223;en, als sie l&#228;ngst &#252;ber alle Berge waren.</p>
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