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	<title>Das Blättchen &#187; Angela Merkel</title>
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	<description>Zeitschrift für Politik, Kunst und Wirtschaft</description>
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		<title>ANTWORTEN</title>
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		<pubDate>Sat, 03 Jul 2010 18:44:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Webmaster</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Joachim Ringelnatz, begnadeter Dichter und Sp&#246;tter (1883 &#8211; 1934) – Sie regten an: „Versuchungen bek&#228;mpft man am besten durch Geldmangel.“ Ihr Tipp scheint bei der Bundesregierung auf fruchtbaren Boden gefallen zu sein. Deren aktuelles Sparpaket bittet ja praktisch nur die Armen zur Kasse. Die sind &#252;berproportional h&#228;ufig fettleibig – im Unterschied zu den Reichen, die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Joachim Ringelnatz, begnadeter Dichter und Sp&#246;tter (1883 &#8211; 1934) –</strong> Sie regten an: „Versuchungen bek&#228;mpft man am besten durch Geldmangel.“ Ihr Tipp scheint bei der Bundesregierung auf fruchtbaren Boden gefallen zu sein. Deren aktuelles Sparpaket bittet ja praktisch nur die Armen zur Kasse. Die sind &#252;berproportional h&#228;ufig fettleibig – im Unterschied zu den Reichen, die im statistischen Mittel eher schlank sind. Experten f&#252;hren diese Diskrepanz nicht zuletzt darauf zur&#252;ck, da&#223; Cola erheblich kalorienreicher ist als Champagner. Sollte also das Sparpaket den Cola-Konsum des Prekariats nachhaltig senken, so l&#228;ge das ganz auf Ihrer Linie und w&#228;re zugleich ein sch&#246;ner Kollateralerfolg in Sachen Volksgesundheit.</p>
<p><strong>Christian Wulff, aufstrebend &#8211;</strong> Sch&#252;lerunion mit 16, Junge Union mit 18, Bundesvorstand mit 19, Landesvorstand mit 25, Landes- und Fraktionsvorsitzender mit 35, Ministerpr&#228;sident mit 43 (im dritten Anlauf), Bundespr&#228;sident mit 51 (dito). Und keinen Tag au&#223;erhalb der Politik gearbeitet. Fr&#252;her h&#228;tte man vielleicht Apparatschik gesagt.</p>
<p><strong>Homosexuelle Mitglieder der Bundesversammlung &#8211;</strong> Es scheint ja kein gr&#246;&#223;eres Problem gewesen zu sein, dass Christian Wulff im Kuratorium von ProChrist sitzt, dessen Leiter Ulrich Parzany praktizierte Homosexualit&#228;t ablehnt und diese f&#252;r eine heilbare Krankheit h&#228;lt.</p>
<p><strong>Samuel Johnson, englischer Essayist (1709 &#8211; 1784) –</strong> Sie meinten beobachtet zu haben: „Nichts konzentriert die Gedanken besser als die bevorstehende Hinrichtung.“ Wenn man allerdings sieht, mit welch’ sanguinischer Unbeirrbarkeit die gegenw&#228;rtige Bundesregierung seit ihrem Amtsantritt vor nicht einmal einem Jahr von einem Debakel zum n&#228;chsten eilt und sich dabei – eher zielgerichtet denn beil&#228;ufig – bereits so nahe ans politisches Schafott man&#246;vriert hat, da&#223; sich ein bekanntes Hamburger Nachrichten-Magazin j&#252;ngst zu einer Titelgeschichte unter der &#220;berschrift „Aufh&#246;ren!“ gen&#246;tigt sah, dann k&#246;nnen einem schon Zweifel an Ihrer Beobachtung kommen.</p>
<p><strong>Peter Trupp, CDU-Intelligenzbestie &#8211;</strong> Sie, im Bund mit einigen Spie&#223;gesellen, fordern einen IQ-Test f&#252;r einwandernde Ausl&#228;nder. Wir dagegen w&#252;rden diese Tests lieber bei inl&#228;ndischen Politikern angewandt sehen und gern an dieser Stelle Ihre Ergebnisse ver&#246;ffentlichen.</p>
<p><strong>Angela Merkel, First Mutti &#8211;</strong> Ihnen gelang es, die G-20 Staaten auf den Schuldenabbau einzuschw&#246;ren. Nur, wenn alle sparen, wer kauft dann unsere Exporte? Im Zusammenhang mit der Fu&#223;ballweltmeisterschaft dr&#228;ngt sich eine Formulierung geradezu auf: Eigentor!</p>
<p><strong>Guido Westerwelle, irgendwas mit Politik &#8211;</strong> Sie Tausendsassa haben es doch tats&#228;chlich geschafft, die Zustimmungswerte zu Ihrer Partei unter die F&#252;nf-Prozent-H&#252;rde zu dr&#252;cken, liegen derzeit sogar unter vier Prozent. Wir m&#246;chten Sie an dieser Stelle best&#228;rken, diesen Weg fortzusetzen, diese, aus unserer Sicht, &#252;beraus positive Entwicklung weiter voranzutreiben. Da geht noch was!</p>
<p><strong>Matthias Krupa, „Journalist“ &#8211;</strong> In der Zeit echauffieren Sie sich &#252;ber: „die Unverfrorenheit, mit der Gysi, Lafontaine &#038; Co die demokratische Gesinnung des Kandidaten Gauck in Frage gestellt haben, eines Mannes, der die Freiheit nicht nur gepredigt, sondern auch gelebt hat“. Offensichtlich entging Ihnen, da&#223; Gauck, wie alle Transatlantiker, den Begriff Freiheit lediglich als Kn&#252;ppel zur Zerschlagung demokratischer Werte benutzt. Sp&#228;testens seit Bush II., der ganz vernarrt in den Begriff war, wei&#223; jeder, er steht ausschlie&#223;lich als Umschreibung f&#252;r „das Recht des St&#228;rkeren“.</p>
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		<title>ANTWORTEN</title>
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		<pubDate>Sat, 05 Jun 2010 18:43:49 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Horst K&#246;hler, Bundespr&#228;sident a. D. –</strong> Auf dem R&#252;ckflug von einem Besuch bei Bundeswehreinheiten in Afghanistan hatten Sie Klartext gesprochen: Ein Land wie Deutschland m&#252;sse seine wirtschaftlichen Interessen im Zweifel auch durch milit&#228;rische Eins&#228;tze wahren. Oder anders ausgedr&#252;ckt: „Im Zweifel Blut f&#252;r &#214;l!“ Ein solches Diktum konnte man zwar auch schon vorher ohne viel interpretatorische Finesse dem geltenden Wei&#223;buch der Bundeswehr entnehmen, trotzdem fiel nahezu die gesamte politische Klasse des Landes – sekundiert von den einschl&#228;gigen Medien – &#252;ber Sie her wie &#252;ber einen Nestbeschmutzer. Da nutzte es auch nichts mehr, dass ein Sprecher Ihres Amtes nachschob, auf den Afghanistaneinsatz h&#228;tte sich Ihre Aussage gar nicht bezogen. Gr&#252;nen-Bundestagsfraktionschef J&#252;rgen Trittin witterte „Kanonenbootpolitik“ hinter Ihren Worten – jener Trittin, der Minister in der rot-gr&#252;nen Bundesregierung war, die den Gebrauch von Kanonen durch die Bundeswehr durch die Beteiligung am NATO-Krieg gegen Serbien &#252;berhaupt erst wieder hoff&#228;hig gemacht hatte. Nun sind Sie also demissioniert, haben den Lafontaine gemacht, wie man Ihnen hinterherh&#246;hnte. Chapeau – mit diesem Abgang kann man Sie, ohne Sie zu verkl&#228;ren, durchaus auch als Mann von Charakter in Erinnerung behalten.</p>
<p><strong>Hannelore Kraft (I), Was-immer-in-K&#252;rze-auch-immer-Darstellende &#8211;</strong> Von einem Teilnehmer an den Sondierungsgespr&#228;chen mit den Linken ist im Kontext mit dem Stichwort „Landeshaushalt“ Ihr Satz &#252;berliefert: &#8220;Jetzt ist die Wahl vorbei. Jetzt werden die Wahlprogramme einem Realit&#228;tscheck unterzogen.&#8221; Bis zu Ihres Parteiveteranen M&#252;nteferings beleidigter Aussage, da&#223; es unfair sei, wenn eine Partei an ihren Wahlaussagen gemessen w&#252;rde, fehlt da nur ein ganz, ganz kleines St&#252;ck…</p>
<p><strong>Hannelore Kraft (II), Sondiererin &#8211;</strong> bei dem, was man &#252;ber Ihr Gespr&#228;ch mit den Linken h&#246;ren konnte, mu&#223;te man den Eindruck gewinnen, Sie wollten nicht R&#252;ttgers Abwahl sichern, sondern die R&#252;ckkehr Honeckers in die nordrhein-westf&#228;lische Politik verhindern. Das darf als weitsichtig gelten, denn Untote und/oder Wiederg&#228;nger soll es ja wirklich geben &#8211; k&#246;nn´se glauben.</p>
<p><strong>Wolfgang Kubicki, graumelierter FDP-Eminenz &#8211;</strong> &#8220;Das Problem der FDP hei&#223;t Birgit Homburger&#8221;, so ist eine Ihrer zeitgen&#246;ssischen Aussagen formuliert. Nun ist un&#252;bersehbar, da&#223; die F&#252;hrungsriege Ihrer Partei nicht eben mit Sympathietr&#228;gern gesegnet ist, aber kann es nicht doch sein, da&#223; das eigentliche Problem der FDP die FDP ist?</p>
<p><strong>Ruprecht Polenz, CDU-F&#252;hrungsreservist &#8211;</strong> Ihres Parteifreundes Horst K&#246;hlers offenherzige Auskunft &#252;ber den Sinn milit&#228;rischer Eingriffe Deutschlands zur Sicherung seiner makro&#246;konomischen Rolle sei &#8220;keine besonders gl&#252;ckliche Formulierung, um es vorsichtig auszudr&#252;cken&#8221;, werden Sie zitiert. Das d&#252;rfte innerparteilich fast schon die verbale H&#246;chststrafe f&#252;r den Bundespr&#228;sidenten sein, danach kommt in der politischen Praxis gleich der „R&#252;cktritt aus Gesundheitsgr&#252;nden“.</p>
<p><strong>Angela Merkel, leibhaftige Drohkulisse &#8211;</strong> „H&#246;chste Alarmstufe an der Oder: Merkel besucht Hochwasserregion“ hat Spiegel-online Ihren Besuch an der Oder-Front betitelt. Finden Sie nicht auch, da&#223; diese Formulierung in ihrer Doppeldeutigkeit eine rechte Gemeinheit ist?</p>
<p><strong>Mario L., ehemals Berlin und nun Augsburg &#8211;</strong> Sie freuen sich dar&#252;ber, da&#223; Sie Fan des 1. FC Union Berlin sind, sonst h&#228;tten Sie das Bl&#228;ttchen gar nicht entdeckt. Wir freuen uns, in der Gegenrichtung sozusagen, &#252;ber einen Eintrag im Union-Forum, der uns eine Menge Leser beschert hat. Leider kann ja nicht jeder so viel Gl&#252;ck mit seiner Fu&#223;ballmannschaft haben (und das meinen wir durchaus auch im direkten Sinne).</p>
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		<title>Der Kurs der Egonauten</title>
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		<pubDate>Sun, 11 Apr 2010 19:08:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Webmaster</dc:creator>
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		<description><![CDATA[von Martin Nicklaus

„Unterm Strich z&#228;hl’ ich“, erz&#228;hlen Reklamemodels, die f&#252;r eine Branche werben, bei der die Umworbenen unter den Decknamen „Kunde“ lediglich in der Rolle der fetten Beute Existenzrecht genie&#223;en und, nach Verjubeln ihrer Geldanlagen als Steuerzahler erneut bluten d&#252;rfen.
Derart eingebunden ins gesellschaftliche Wirken als Angeschmierter bietet die flimmernde Fluchtindustrie die sch&#246;ne Phantasie, sich – [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>von Martin Nicklaus</h3>
<p align="left">
<p align="left">„Unterm Strich z&#228;hl’ ich“, erz&#228;hlen Reklamemodels, die f&#252;r eine Branche werben, bei der die Umworbenen unter den Decknamen „Kunde“ lediglich in der Rolle der fetten Beute Existenzrecht genie&#223;en und, nach Verjubeln ihrer Geldanlagen als Steuerzahler erneut bluten d&#252;rfen.</p>
<p align="left">Derart eingebunden ins gesellschaftliche Wirken als Angeschmierter bietet die flimmernde Fluchtindustrie die sch&#246;ne Phantasie, sich –  wir wechseln die Werbung –  von <em>Pur</em> „Endlich ich“ bl&#246;dgesungen, mittels Bier den Rest zu geben. Besser ins Bild passen eigentlich Bands wie <em>Ichfunktion, Das Ich, Ich + Ich</em> oder der Solist Heinz Rudolf Kunze: „Ich seh’ mich auf der Stra&#223;e und bin begeistert &#8230; dann streichle ich mich sanft und schlie&#223;lich schlafe ich mit mir“, wiewohl man diesem Barden immerhin Ironie unterstellen kann.</p>
<p align="left">Zur Ikone der Ich-Konzentrierten avanciert unweigerlich Franz Beckenbauer, dessen erstem literarischen Wurf: „Einer wie ich“, bald das pointiertere Hauptwerk: „Ich“ folgte. Beckenbauer, bemerkt er bei Anderen geringsten Erscheinungen von Altruismus, zeigt aufrichtiges, tiefes Unverst&#228;ndnis dar&#252;ber, wie jemand, ohne expliziten Nutzen f&#252;r sich selbst handeln kann. Bei solcher Weltsicht gehen jeder Gemeinsinn, jede Solidarit&#228;t, das Verst&#228;ndnis f&#252;r den Sozialstaat sowie die Zahlung von Steuern verloren, weshalb der Kaiser fiskalisches Asyl in Sissis Heimat suchte. Andere deutsche Spitzenverdiener fanden Unterschlupf bei den Eidgenossen oder verstecken ihr Kapital in Liechtenstein oder Luxemburg. BlasenphiloSophist und Egomantiker Sloterdijk leistet, wohlgem&#228;stet durch Steuergelder, wortschwallend Fluchthilfe. Mit einem wenig inspirierten Traktat gegen den „kleptokratischen Staat“, fieberphantasiert er gar von einer „Revolution der gebenden Hand“, bei der „Transfermassengeber“ Zahlungen beim Finanzamt einstellen und nur noch  – die Dritte S&#228;ule des Islam l&#228;&#223;t gr&#252;&#223;en – nach Gutd&#252;nken Spenden verteilen.</p>
<p align="left">Diese von einem Sinn zur Realit&#228;t, mit ihrem Trend zur „Eigenverantwortung“, kaum gestreifte Vorstellung widerlegt bereits der Name Zumwinkel. Wie jener verzichten etliche Bundesb&#252;rger, ohne sich der M&#252;he einer Auswanderung zu unterziehen, auf die finanzierende Teilhabe an der Gemeinschaft. 30 bis 40 Milliarden, andere sch&#228;tzte 100 Milliarden Euro, gehen dem Bund j&#228;hrlich durch Hinterziehung von Steuern verloren. Im Vorteil sind dabei klar jene, denen die Abgaben nicht gleich vom Lohn einbehalten werden und deren Einkommen Steuerfluchthilfe f&#252;r Banken lukrativ macht. Mal abgesehen von den verschiedenen „Steuerminderungsmodellen“ die die Eigent&#252;mer von <em>Bertelsmann</em> oder <em>IKEA</em> nutzen.</p>
<p align="left">F&#252;r das dem Gemeinwesen vorenthaltene Geld bietet sich eine Spitzenanlagem&#246;glichkeit: Staatsanleihen. J&#228;hrlich zahlt Deutschland &#252;ber 40 Milliarden Schuldentilgung. Dieser Transferposten an die Wohlhabenden im Bundeshaushalt  von 2009 war gr&#246;&#223;er als der f&#252;r die Arbeitslosenhilfe. Entgegen aller Propaganda pl&#252;ndern Reiche den Staat. Seit Jahren l&#228;uft eine gravierende Umverteilung von unten nach oben. Krassestes Beispiel: Senkung des Spitzensteuersatzes, gegenfinanziert durch die gleichzeitige Senkung der Arbeitslosenhilfe. Multimilliard&#228;r Schlecker, ganz konzentriert auf eigenen Nutzen, entl&#228;&#223;t seine Mitarbeiter und stellt sie sp&#228;ter als Leiharbeiten mit so geringem Stundenlohn wieder ein, da&#223; dieser durch Steuermittel aufgestockt werden mu&#223;. Soziale Einrichtungen schlie&#223;en oder schrumpfen, ein Golfplatz bekommt Millionen, Banken Milliarden hinterhergeworfen.</p>
<p align="left">Nur wem in diesem Land das Geld fehlt, sich eine Partei zu kaufen oder wenigstens einen Politiker, l&#228;uft, ganz unabh&#228;ngig von seiner Leistungsbereitschaft, Gefahr, in den HartzIV-Topf zu fallen. Plumpe politische Ausrichtung auf den Niedriglohnsektor hat diesen krebsgeschw&#252;rartig wuchern und Lebensunterhalt sichernde Arbeitspl&#228;tze vernichten lassen. Auf sechs Suchende kommt ein Job, f&#252;nf Millionen davon fehlen. J&#228;hrlich steigt die Zahl der Armen, derzeit auf 11,5 Millionen. Arm geboren, arm geblieben. Reiche wurden bereits reich geboren gilt in Deutschland, mehr als in der restlichen entwickelten Welt. In der Verdr&#228;ngung dieser Wahrheiten, die dem Ich wenig zutr&#228;glich sind, weil sie die Abstiegsangst f&#246;rdern sowie die Hoffnung auf ein selbstbestimmtes Leben konterkariert, besteht die psychosoziale Hauptleistung der Millionen „Kunden“.</p>
<p align="left">Da soll kein Lafontaine daherkommen und all das zur Sprache bringen?! Dann jedenfalls sind die Reaktionen an Hysterie kaum zu &#252;berbieten. Warum k&#246;nnen sie ihn, bei seiner relativen Einflu&#223;losigkeit, nicht einfach links liegen lassen? Weil die allweil waltende Verdr&#228;ngung der Abstiegs&#228;ngste und auch die Feigheit gegen&#252;ber den steuergeldpl&#252;ndernden Bankster nicht gest&#246;rt werden darf.</p>
<p align="left">Zum Frustabbau dienen Hartz-IV-Empf&#228;nger als Bep&#246;blungsmasse: Faul, fett, bl&#246;d und nat&#252;rlich selber schuld. Spektakul&#228;r entlud sich diesbez&#252;glich der, unter anderem von einer Steuerfluchthilfe leistenden Bank geschmierte, Vorsitzende der <em>F&#246;rderer deutscher Plutokratie</em> (FDP), dabei nachweisend, von Geschichte, Ethik, Volkswirtschaft, Anstand und Rechnen gleichwenig zu verstehen. Man hatte die bildungsferne Schicht irgendwie in anderem Gewand erwartet. Ganz nebenbei stehen „diesem, unserem Land“ derzeit mit Merkel und Wellenreiter Guido zwei Kinderlose vor. Eine bei Machtmenschen viel zu wenig gew&#252;rdigte Form unsozialer Egozentrik. Parolen von Eigenverantwortung, Eigeninitiative, Selbstvorsorge, Wettbewerb, Sozialabbau und schlanker Staat fallen da, ungeachtet eigener Vollkaskomentalit&#228;t, nat&#252;rlich leichter.</p>
<p align="left">Armen-Bashing ist derzeit besonders en Vouge mit einem Schu&#223; Rassismus, der bei den Herren Sarrazin oder di Lorenzo von der <em>Zeit</em> nat&#252;rlich wirkt, wie die Aufarbeitung eines ins Unterbewu&#223;tsein verdr&#228;ngter Minderwertigkeitskomplexes hinsichtlich der Herkunft ihrer Vorfahren.</p>
<p align="left">Sie attackieren die Schwachen, beschweigen aber die wohlsituierten Staatspl&#252;nderer, huldigen so einer Art Herrenmenschentum. Solche rechtsgerichteten Bewegungen fu&#223;en traditionell auf radikalem Vorgehen gegen Wehrlose und Minorit&#228;ten, bei gleichzeitigem Kuschen gegen&#252;ber wahrhaft M&#228;chtigen, der Hochfinanz. Zur Bewegung nach rechts pa&#223;t Graf Nayhaus, seines Zeichens Bild-Kolumnist und, das sollte sich eigentlich ausschlie&#223;en, Bundesverdienstkreuztr&#228;ger 1. Klasse, Bemerkung: „Die Erziehung in der Napola hat mir sp&#228;ter in der freien Markwirtschaft geholfen, mich durchzusetzen.“ Was die Nazis ihren Z&#246;glinge auf der Eliteschule predigten, war eine Kombination aus Untertanengeist und Gro&#223;mannssucht, die sie glauben lie&#223;, die Gr&#246;&#223;ten zu sein. Sich durchsetzten, darin besteht das einzige Projekt der Ichmenschen. Genau deshalb setzen jene Egonauten, die durch ihre Macht, ihr Geld und ihre Dreistigkeit die Puppen tanzen lassen, sich wegen ihres Reichtums einen armen Staat leisten k&#246;nnen und durch keine Gewerkschaften, Betriebsr&#228;te, B&#252;rgerbewegungen, sozialen Parteien oder gar demokratische Willenskundgebungen bel&#228;stigt sehen wollen, mittels zahlloser medialer Huren und Mietprofessoren den Wahn vom Ich und damit den Kurs in eine kalte Welt durch. Und die Millionen „Kunden“ vorm Fernseher begreifen kaum, wie sie sich durch VerIchung selbst den Boden entziehen. Sie  hoffen statt dessen, von Ungemach verschont, mit einem superschicken Angebot der Bank auf den Hauptgewinn. Verloren geht derweil jeder Zusammenhalt, nicht weniger als soziale Kultur also, und so sind sie nicht die Herren ihrer Tage, sondern nur, und auch dazu gibt es einen Gesang: „Allein, allein. Allein, allein.“</p>
<p align="left">
<p align="left"><strong><br />
</strong></p>
<p align="left">
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		<title>Krise – frisch gest&#228;rkt</title>
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		<pubDate>Sat, 13 Mar 2010 09:09:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Webmaster</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Angela Merkel]]></category>
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		<description><![CDATA[von Ove Lieh
F&#252;r die Regierungszeit der schwarz-gelben Koalition, die man vielleicht einmal als die „Wespenzeit“ bezeichnen wird, weil viele Leute sich eine Wespentaille anhungerten, oder auch Hornissenzeit, weil es eine so riesige Zeit war und noch dazu so schwarz und so gelb wie keine Zeit vor ihr, hat die Kanzlerin ganz klar die Direktiven vorgegeben: [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>von Ove Lieh</h3>
<p>F&#252;r die Regierungszeit der schwarz-gelben Koalition, die man vielleicht einmal als die „Wespenzeit“ bezeichnen wird, weil viele Leute sich eine Wespentaille anhungerten, oder auch Hornissenzeit, weil es eine so riesige Zeit war und noch dazu so schwarz und so gelb wie keine Zeit vor ihr, hat die Kanzlerin ganz klar die Direktiven vorgegeben: Wir m&#252;ssen aus der Krise st&#228;rker herauskommen, als wir in sie hineingegangen sind, wenn auch vorl&#228;ufig nur sicher ist, da&#223; wir st&#228;rker verschuldet sein werden. Aber auch auf anderen Gebieten k&#246;nnte durchaus eine (Ver)St&#228;rkung eintreten. Die Politik(er)verdrossenheit der Leute, die Umverteilung von unten nach oben, das Verkehrsaufkommen wegen der Abwrackpr&#228;mie.</p>
<p>Und der Osten. Der ist so ein Beispiel. Was war der in der Krise und wie stark ist der heute. Stra&#223;en wie geleckt, Renten wie im Westen fr&#252;her, starke, schlagkr&#228;ftige Jugend, starke Abwanderung. Die Einheit hat die Abwanderung in den Westen nicht gestoppt, sie hat sie nur legalisiert.</p>
<p>Man kann ja froh sein, da&#223; niemand ank&#252;ndigt, da&#223; Deutschland  gr&#246;&#223;er aus der Krise hervorgehen wird als es hineingegangen ist.</p>
<p>Warum eigentlich geht es nur immer um st&#228;rker? W&#228;re es nicht besser, Deutschland ginge etwas kl&#252;ger aus der Krise hervor? Nach kl&#252;ger sieht es aber leider nicht aus. Obgleich sogar in der Regierungserkl&#228;rung der Kanzlerin schon einiger Spielraum in Richtung „kl&#252;ger“ sichtbar wird. Nur ein Beispiel: Die Kanzlerin redet dreimal davon, da&#223; die Karten neu gemischt werden, verr&#228;t aber nicht, wer mischt, wer gibt und schon gar nicht, wer die Karten zinkt. Wir ahnen allerdings schon wer oder was da wieder in den Skat gedr&#252;ckt werden soll, sofern es sich bei dem Spiel &#252;berhaupt um Skat handelt und nicht um Doppel- oder Schafskopf. Der Vergleich mit den Karten hinkt sowieso, weil man in diesem Spiel die Karten nicht zugeteilt bekommt, sondern selber herstellt, und wer das gut kann, der hat das beste Blatt. Nun gut, so sind halt politische Reden und der Ruf nach mehr Bildung bezieht sich ja wohl hoffentlich auch auf deren Verfasser.</p>
<p>Im Grunde w&#228;re man ja schon froh, wenn man w&#252;&#223;te,  da&#223; Deutschland &#252;berhaupt aus der Krise wieder herauskommt. Man zweifelt nur am dauerhaften Erfolg der betreffenden Bem&#252;hungen, weil die Kanzlerin darauf beharrt, die Folgen der Krise zu &#252;berwinden. Das klingt zwar zun&#228;chst gut, aber man wird doch fragen d&#252;rfen, ob man nicht ebenso vehement die Ursachen der Krise &#252;berwinden m&#252;sste, zumal man sich vornimmt, so eine Krise nicht wieder zu veranstalten, weil man sie doch eher f&#252;r einen Fehler h&#228;lt!? Und die Ursachen der Krise mal ganz klar beim Namen zu nennen und nicht die Augen vor der Realit&#228;t zu verschlie&#223;en oder mit Sand zu f&#252;llen, wie Frau Merkel es fordert, w&#228;re schon eine sehr gute Leistung. Man sollte die Ex-Wissenschaftlerin nur warnen, in der gesellschaftlichen Realit&#228;t erlebt der gesunde Physikerverstand manchmal sein blaues Wunder, und die Namen der Krisenursachen sind mit sehr m&#228;chtigen Kr&#228;ften verbunden.</p>
<p>Aber mal anders gefragt, wenn das gest&#228;rkte Deutschland in Zukunft noch mit Krisen zu rechnen h&#228;tte, w&#252;rde es aus denen auch wieder gest&#228;rkt hervorgehen? Bis es eines Tages so stark ist, da&#223; es vor Kraft nicht mehr laufen kann? Wie es einst es tat und in der Folge so was von gest&#228;rkt wurde. W&#228;re dann aber ab und an so ein kleines Krisilein nicht sogar ganz n&#252;tzlich und sollte nicht vermieden werden? Vielleicht wie eine Impfung. Man m&#252;&#223;te nur die Wirkverst&#228;rker gut im Griff haben. Das ist aber schon wieder ein ganz anderes Thema.</p>
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		<title>ANTWORTEN</title>
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		<pubDate>Sun, 14 Feb 2010 17:44:26 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Burkhardt M&#252;ller-S&#246;nksen, lt. „www.soenksen.de“ Medienexperte der FDP-Bundestagsfraktion &#8211;  unl&#228;ngst wollten Sie sich mit dem Satz „Der &#246;ffentlich-rechtliche Rundfunk hat &#252;berparteilich zu sein“ &#252;ber die ARD-Serie „Lindenstra&#223;e“ mokieren, weil dort einem Schauspieler eine Nebensatzkritik an der speziellen N&#228;he Ihrer Partei zu Hoteliers und Medizinern ins Drehbuch geschrieben worden war; ob nun aber der Kellersturz der FDP-Sympathiewerte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Burkhardt</strong><strong><em> </em></strong><strong>M&#252;ller-S&#246;nksen, lt. „</strong><strong>www.soenksen.de“ Medienexperte der FDP-Bundestagsfraktion</strong> &#8211;  unl&#228;ngst wollten Sie sich mit dem Satz „Der &#246;ffentlich-rechtliche Rundfunk hat &#252;berparteilich zu sein“ &#252;ber die ARD-Serie „Lindenstra&#223;e“ mokieren, weil dort einem Schauspieler eine Nebensatzkritik an der speziellen N&#228;he Ihrer Partei zu Hoteliers und Medizinern ins Drehbuch geschrieben worden war; ob nun aber der Kellersturz der FDP-Sympathiewerte in den letzten Wochen mit der „Lindenstra&#223;e“ zu tun haben k&#246;nnte oder mit auff&#228;lliger Klientelpolitik Ihrer Partei, mu&#223; wohl noch gekl&#228;rt werden – durch Sie?</p>
<p><strong>Angela Merkel, Bundeskanzlerin</strong> – wir hatten zwar schon in unserem vorigen Heft (am 1. Februar) und somit sehr rechtzeitig auf die Ihnen drohende Auszeichnung mit dem „Deutschen Medienpreis“ aufmerksam zu machen gewu&#223;t, die jetzt nun passiert ist, doch dieser peinliche Vorgang heckte nat&#252;rlich nun noch frischere Kommentierungen; der von Roland Koch gescha&#223;te ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender zum Beispiel hatte die von den Preisverleihern forsch dahingelogene Behauptung, vor allem Ihre „Verl&#228;&#223;lichkeit und Berechenbarkeit“ sei preisw&#252;rdig, mit dem Satz zu adeln gewu&#223;t, Merkel sei „berechenbar vor allem in dem, was sie nicht gesagt hat“ – auch diese Bemerkung werden Sie zu beschweigen wissen.</p>
<p><strong>Frau Dr. I. K, Lese- &amp; Spenderin</strong> – da&#223; Sie das „Bl&#228;ttchen“ lesen, k&#246;nnen wir vermuten, aber da&#223; Sie und Ihr Mann (oder sollen wir ihn „Gatte“ nennen?) einen Betrag auf das in unserem Impressum behutsam und eher zur&#252;ckhaltend dargestellte, aber nat&#252;rlich daf&#252;r eingerichtete „Soli-Kto.“ &#252;berwiesen, sahen wir jetzt schwarz auf wei&#223;; wir danken sehr und herzlich – und ernennen Sie beide hiermit zu Vorbildern. . . . . Die Red.</p>
<p><strong>Stefan Mappus, Ministerpr&#228;sident, Stuttgart</strong> – Sie sind neuer befeierter S&#252;dlandeschef, hier in Mittelpreu&#223;en wird Ihre Oettinger-Nachfolge allerdings eher mehr unbeobachtet gelassen werden k&#246;nnen – wenngleich eine Ihrer Heimatzeitungen protzte, Sie h&#228;tten als „konservativer Haudrauf&#8221; gegolten und bef&#228;nden sich aber nun auf „Schmusekurs“; da wir (eben von anderem Personal regiert) weder zu bef&#252;rchten haben, von Ihnen profitieren zu m&#252;ssen, noch abgezockt zu werden, k&#246;nnten wir uns mit Ihnen nach Feierabend in gewisser Weise arrangieren: Oettinger habe &#8220;Edelfra&#223;&#8221; bevorzugt, Sie hingegen servierten gerne Wurstsalat.</p>
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		<title>In einem Boot</title>
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		<pubDate>Thu, 28 Jan 2010 21:16:42 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Angela Merkel]]></category>
		<category><![CDATA[Deutscher Medienpreis]]></category>
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		<description><![CDATA[von Wolfgang Lieb
H&#228;tte es eines Belegs f&#252;r die Unterw&#252;rfigkeit der Medien unter die Obrigkeit bedurft, so wird er mit der Verleihung mit der Auszeichnung Angela Merkels mit dem Deutschen Medienpreis einmal mehr geliefert. Unter dem Vorsitz des ehemaligen Spiegel-Chefredakteurs Stefan Aust w&#228;hlten weitere nicht genannte „f&#252;hrende“ Chefredakteure die Preistr&#228;gerin aus. Sich sonst gerne als vierte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>von Wolfgang Lieb</h3>
<p>H&#228;tte es eines Belegs f&#252;r die Unterw&#252;rfigkeit der Medien unter die Obrigkeit bedurft, so wird er mit der Verleihung mit der Auszeichnung Angela Merkels mit dem Deutschen Medienpreis einmal mehr geliefert. Unter dem Vorsitz des ehemaligen Spiegel-Chefredakteurs Stefan Aust w&#228;hlten weitere nicht genannte „f&#252;hrende“ Chefredakteure die Preistr&#228;gerin aus. Sich sonst gerne als vierte Gewalt und als Kontrollinstanz gegen&#252;ber der Politik aufspielende Chefredakteure machen ihren Kotau vor der Herrschaft und das noch unter dem Namen „Media Control“. Das spricht B&#228;nde &#252;ber ihr kontrollierendes Rollenverst&#228;ndnis. Es ist gerade so, als w&#252;rde die Gerichtsbarkeit der Exekutive huldigen und sie als oberste Wahrerin des Rechts auszeichnen. In der Begr&#252;ndung der Jury hei&#223;t es:  „Im Mittelpunkt ihres politischen Denkens und Handelns steht stets der Mensch. Die W&#252;rde und die Rechte des Individuums leiten Angela Merkel bei ihren politischen Entscheidungen, die gepr&#228;gt sind von Berechenbarkeit und Verl&#228;sslichkeit. In der Au&#223;enpolitik verfolgt sie einen Kurs, der die Partnerschaft in den Vordergrund stellt, ohne da&#223; sie die manchmal notwendige Konfrontation scheut. Ihr konsequenter Einsatz f&#252;r Menschenrechte, f&#252;r die Wahrung der Sch&#246;pfung und eine freiheitliche Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung habe ihre Wurzeln in der ganz pers&#246;nlichen Biographie von Angela Merkel.“</p>
<p>Lassen wir eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der abgehobenen und schleimigen Begr&#252;ndung einmal ausnahmsweise au&#223;en vor. &#220;ber die „Berechenbarkeit und Verl&#228;&#223;lichkeit“ von Frau Merkel ist in den letzten Wochen selbst von ihren Parteifreunden ausreichend palavert worden. Ihr Kurs der „Partnerschaft“ etwa in der Europ&#228;ischen Union wurde bei der gemeinsamen Bew&#228;ltigung der Finanzkrise ausreichend kritisiert. Und ihr konsequenter Einsatz f&#252;r die Wahrung der Sch&#246;pfung in Kopenhagen allenthalben vermisst. Diese Begr&#252;ndung ist reine S&#252;lzholzraspelei, um ihr die Annahme des Preises schmackhaft zu machen. Und ausschlie&#223;lich darum, da&#223; Merkel den Preis auch annimmt, geht es den Veranstaltern.</p>
<p>Der Preisverleiher ist „Media Control“ „The World`s Leading Entertainment Data Provider“, also ein Marktforschungsinstitut, das sich aus der Gesellschaft f&#252;r Konsumforschung ausgegr&#252;ndet hat.  Nach eigner Selbstvermarktung r&#252;hmt sich „Media Control“, da&#223; dieses Marktforschungsunternehmen seit 32 Jahren der „Marktf&#252;hrer im Bereich der Ermittlung von Abverkaufszahlen des Unterhaltungssektors in Deutschland, der Schweiz, &#214;sterreich und seit kurzem auch in Spanien“ ist. Mit Kontrolle der Medien hat dieses kommerzielle Unternehmen also allenfalls soviel zu tun, als es Hitlisten und Verkaufszahlen von Tontr&#228;gern, von DVDs, kommerzielle Downloads, Videospielen bis hin zu Klingelt&#246;nen auf Handys oder TV-Quoten ermittelt.</p>
<p>Mit Medieninhalten oder demokratischer Kontrolle durch die Medien hat weder das Unternehmen noch der Medienpreis etwas am Hut. „Media Control“ misst die Verk&#228;ufe. Es ist, als ob der Verein der Zeitnehmer und Ma&#223;bandhalter auf den Sportpl&#228;tzen, den Sportler des Jahres w&#228;hlten.<br />
Mit dem Deutschen Medienpreis und seiner bisherigen Preistr&#228;ger verkauft „Media Control“ vor allem sich selbst.</p>
<p>Seit 1992 waren Preistr&#228;ger dabei, mit deren Namen man trefflich Eigenwerbung betreiben konnte, 1992 (klein angefangen) mit RTL-Chef Helmut Thoma, dann aber &#252;ber Helmut Kohl, Francois Mitterand, Boris Jelzin, Bill Clinton, Gerhard Schr&#246;der, K&#246;nigin Silvia, dem Rockstar Bono, bis Stefanie Graf. Und an Laudatoren wurde gleichfalls aufgeboten, was vor allem Schlagzeilen und Aufmerksamkeit auf dem Boulevard erregt .</p>
<p>Man kann dem Unternehmen „Media Control“ diese publizit&#228;tswirksame Marketing-Strategie nicht einmal vorwerfen, das geh&#246;rt zum Gesch&#228;ft; man wundert sich eher dar&#252;ber, wer sich schon alles daf&#252;r als Werbemaskottchen hergegeben hat. H&#228;tte Angela Merkel die Auszeichnung daf&#252;r bekommen, da&#223; sie &#8211; von „Media Control“ gemessen &#8211; die h&#228;ufigsten Medienauftritte hatte, h&#228;tte man die Auszeichnung ja noch als begr&#252;ndet hinnehmen k&#246;nnen. Aber nein, der „Deutsche Medienpreis“ liefert eine inhaltliche Begr&#252;ndung f&#252;r die Auszeichnung. Und daf&#252;r haben sich Stefan Aust und „f&#252;hrende“ Chefredakteure einspannen lassen. Man w&#252;rde zu gerne wissen, wie viel daf&#252;r an Annehmlichkeiten herausgesprungen ist.</p>
<p>Typischerweise h&#228;lt der Opern-Star Anna Netrebko die Laudatio auf die Kanzlerin. Ich bewundere diese Operns&#228;ngerin wirklich sehr, doch sie wird am Abend der Preisverleihung nicht ihre au&#223;erordentliche Begabung als S&#228;ngerin einbringen, nein, sie l&#228;sst sich – vermutlich teuer bezahlt – als Reklamefl&#228;che missbrauchen. &#220;ber politische Leistungen Angela Merkels hat sie sicherlich keine bessere Urteilskompetenz als jeder normale B&#252;rger. Aber Hauptsache, sie ist ein Star und es wird deshalb dar&#252;ber in den Medien berichtet &#8211; und das erh&#246;ht wiederum Netrebkos eigenen Marktwert.</p>
<p>Beim Deutschen Medienpreis geht es um eine Werbema&#223;nahme eines kommerziellen Unternehmens, das sich der Selbstbezogenheit prominenter Akteure bedient, die sich dadurch wiederum selbst vermarkten. Damit steigern diese ihre Prominenz und heben sich damit gleichzeitig von ihrer Umwelt ab, ja sie schlie&#223;en sich geradezu von der &#252;brigen Gesellschaft aus. Motto: Wir feiern uns gegenseitig und die da drau&#223;en d&#252;rfen uns begaffen.</p>
<p>Wenn also Angela Merkel das Lob verdient h&#228;tte, da&#223; n&#228;mlich im Mittelpunkt ihres politischen Denkens und Handelns steht stets „der Mensch“ st&#252;nde, dann m&#252;sste sie konsequenterweise diesen Rummel ablehnen. Ein Spektakel, das zu nichts anderes dient, als da&#223; sich auf diesem Tummelplatz der Eitelkeiten eine abgehobene, ziemlich menschenfeindliche Welt der Selbstverk&#228;ufer tummeln darf.</p>
<p>Wenn es in der deutschen Medienlandschaft noch Journalisten und Chefredakteure g&#228;be, die ihre „W&#228;chterrolle“ in einer demokratischen Gesellschaft wirklich wahrn&#228;hmen, dann m&#252;ssten sie alles tun, um dem Marktforschungsunternehmen „Media Control“ das Markenzeichen „Deutscher Medienpreis“ zu entziehen.</p>
<p><em>Wolfgang Lieb ist Mitherausgeber der NachDenkSeiten (www.nachdenkseiten.de), auf denen dieser Text zuerst erschien.</em></p>
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		<title>ANTWORTEN</title>
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		<pubDate>Mon, 02 Feb 2009 20:19:13 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Franz Josef Wagner, Bild – Sie schrieben an Klaus Zumwinkel: »Ich w&#252;rde Sie zu drei Jahren Gef&#228;ngnis verurteilen, nicht wegen Steuerbetrugs, sondern wegen Heuchelei.« Wie w&#228;r’s mit einer Doppelzelle?
Angela Merkel, Bundeskanzlerin, Berlin – &#252;ber ein vertrauliches Essen mit Ihrem vermutlich k&#252;nftigen Koalitionspartner Westerwelle hie&#223;, Sie duzten sich inzwischen mit Guido; leider blieb offen, wer da [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Franz Josef Wagner, Bild –</strong> Sie schrieben an Klaus Zumwinkel: »Ich w&#252;rde Sie zu drei Jahren Gef&#228;ngnis verurteilen, nicht wegen Steuerbetrugs, sondern wegen Heuchelei.« Wie w&#228;r’s mit einer Doppelzelle?</p>
<p><strong>Angela Merkel, Bundeskanzlerin, Berlin –</strong> &#252;ber ein vertrauliches Essen mit Ihrem vermutlich k&#252;nftigen Koalitionspartner Westerwelle hie&#223;, Sie duzten sich inzwischen mit Guido; leider blieb offen, wer da wem wann und wo dieses Du angeboten hatte, wie auch immer: Es w&#228;chst zusammen, was zusammengeh&#246;rt.</p>
<p><strong>Valdis Zatlers, Staatspr&#228;sident, Riga –</strong> wissen Sie eigentlich zu sch&#228;tzen, da&#223; es die deutsche Presse so gut mit Ihnen meint? Als j&#252;ngst zehntausend B&#252;rger gegen die Wirtschaftspolitik und deren Folgen demonstrierten und dabei auch sehr »heftig« von der Polizei attackiert wurden, war das den meisten der hiesigen Zeitungen kaum mehr als eine F&#252;nfzeilenmeldung wert, auch &#228;hnliche Proteste in Estland und Litauen blieben hier weitgehend unbeachtet – es war eben diesmal nicht gegen die Moskowiter gegangen …</p>
<p><strong>Wolfgang Huber, Bischof, Berlin –</strong> bevor andere Medien informieren konnten, meldete bereits Radio Vatikan – Die Stimme des Papstes und der Weltkirche, Kardinal Georg Sterzinsky und Sie h&#228;tten den F&#246;rderern von pro-reli gedankt und Ihre Freude dar&#252;ber ausgedr&#252;ckt, »da&#223; so viele Menschen auf der Stra&#223;e um Unterschriften geworben« h&#228;tten; ja, es ist gut freuen, wenn auch die Atheisten Ihre Geh&#228;lter mitfinanzieren m&#252;ssen.</p>
<p><strong>Dieter Bohlen, Entertainer –</strong> w&#228;hrend einer Verhandlung, in der Sie als Zeuge auftraten, belehrte Sie der Vorsitzende, da&#223; Sie sich vor Gericht an die Wahrheit zu halten h&#228;tten, Sie antworteten, immer die Wahrheit zu sagen – kann ja sein, uns aber fiel dazu Sokrates ein: »Ein Kreter sagt, alle Kreter l&#252;gen.«</p>
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		<title>Steuern senken!</title>
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		<pubDate>Mon, 02 Feb 2009 19:34:35 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Angela Merkel]]></category>
		<category><![CDATA[Bernhard Spring]]></category>

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		<description><![CDATA[von Bernhard Spring
Jetzt hockt auf allen Lebensgeistern der kalte Schwei&#223; der Rezession.
Die Merkel will die Krise meistern und kontert mit ner Megalion.
Sie sagt: »Da mu&#223; man gegenlenken!« und bietet Wertgutscheine an.
Derweilen denkt der kleine Mann: Steuern senken!
Beim Erd&#246;l purzeln Nettopreise, weil’s keiner kaufen will,
denn unsre Industrie schraubt leise. Bei Opel steht schon alles still.
Was die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>von Bernhard Spring</h3>
<p>Jetzt hockt auf allen Lebensgeistern der kalte Schwei&#223; der Rezession.<br />
Die Merkel will die Krise meistern und kontert mit ner Megalion.<br />
Sie sagt: »Da mu&#223; man gegenlenken!« und bietet Wertgutscheine an.<br />
Derweilen denkt der kleine Mann: Steuern senken!</p>
<p>Beim Erd&#246;l purzeln Nettopreise, weil’s keiner kaufen will,<br />
denn unsre Industrie schraubt leise. Bei Opel steht schon alles still.<br />
Was die im Kanzleramt nur denken! Als ob ein Geldsack helfen kann!<br />
Dabei wei&#223; selbst der kleine Mann: Steuern senken!</p>
<p>Und Merkel spricht schon vom Erholen: La&#223; n&#228;chstes Jahr ein bessres sein!<br />
Der B&#252;rger hortet seine Kohlen und drau&#223;en bricht die Wirtschaft ein.<br />
Um alles wieder einzurenken, mu&#223; Merkel einmal richtig ran!<br />
Das ruft und schreit der kleine Mann: Steuern senken! Steuern senken!</p>
]]></content:encoded>
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